{{htmlmetatags>metatag-robots=()}} Aufstieg und Fall der Schüler

Aufstieg und Fall der Schüler

Der Aufstieg und der Fall der Schüler

Vor langer, langer Zeit lebte ein großer Yogi. Dieser Yogi hatte Tausende von Schülern, betrachtete aber nur zwanzig davon als seine Erstklass-Schüler. Daneben besaß er Zweitklass-, Drittklass-, Viertklass-, Fünftklass-, Sechst­klass- und Siebtklass-Schüler. Doch leider blieben nicht einmal die Erstklass-Schüler immer erstklassige Schüler. An bestimmten Tagen fielen auch sie und wurden zu Zweitklass-, Drittklass- oder sogar zu Viertklass-Schülern.

Eines Tages kamen einige der früheren Erstklass-Schüler, die zu Viertklass-Schülern geworden waren zum Yogi und stellten ihm inbrünstig einige Fragen. Ihre erste Frage lautete: „Wie war es möglich, dass wir vom Gipfel wieder herunterfielen? Liegt der Fehler an uns oder sind wir dir einfach überdrüssig geworden, da es scheint, dass du neues Leben und neue Inspiration stets bevorzugst?“

Der Yogi antwortete: „Nein, ich bin eurer nicht überdrüssig. Wenn ihr mir verleidet gewesen wäret, hätte ich euch gebeten, meinen Ashram zu verlassen. Außerdem bevorzuge ich nicht das Neue. Ich bevorzuge das Ewige, das ständig neu ist.“

Dann fragten die gefallenen Schüler den Yogi: „Ist es wahr, dass in deinem Fall Vertrautheit Verachtung erzeugt? Ist es möglich, dass du uns nicht länger nett, inspirierend und ermutigend findest, da wir dir so lange sehr nahe gestanden haben?“

Der Yogi sagte: „Nein, das ist nicht wahr. In einem gewöhnlichen menschlichen Leben erzeugt Vertrautheit Verachtung. Im Falle eines spirituellen Meisters und seiner Schüler trägt der Meister seine Schüler durch Vertrautheit zur Höchsten Höhe. Der Meister hat das Gefühl, dass die auserwählten Schüler eines Tages durch Vertrautheit zu einem vollkommenen Teil seiner Verwirklichung und seiner Manifestation werden.“

Dann stellten die Schüler eine weitere Frage: „Ist es möglich, dass der Meister einem Schüler äußerlich zulächelt, innerlich jedoch kein Gefühl für ihn hat?“

Der Meister sagte: „Nein. Wenn der Meister lächelt, bedeutet das, dass er für den betreffenden Schüler immer noch Mitleid empfindet.“

„Ist es möglich“, fragten sie, „dass ein Sechstklass-Schüler ein Erstklass-Schüler wird?“

„Es ist gut möglich. Es ist wie bei einer Leiter oder einem Baum, wo wir hinaufklettern und herunterfallen können.“

Dann fragten die Schüler: „Wird dies immer so weitergehen? Nun sind wir von anderen Schülern wie weggewaschen worden. Werden diese Schüler eines Tages ebenfalls weggewaschen werden?“

Der Meister sagte: „Warum nicht? Wenn sie sich nicht richtig benehmen, wenn sie mich enttäuschen, wie ihr mich enttäuscht habt, dann werden sie natürlich ebenfalls weggewaschen werden. Ich gehe den ewigen Pfad entlang. Leute, die müde werden, verlassen mich auf dem Weg. Wir gehen eine Zeitlang zusammen und sobald sie müde werden, verlassen sie mich oder beginnen, die Leiter hinunter zu klettern. Dann kommen sie sehr langsam voran.“

„Was ist die Ursache für unseren Fall?“ fragten die Schüler.

„Unsicherheit, Eifersucht, Zweifel, Furcht und Selbstnachgiebigkeit“, antwortete der Yogi.

„Und was kann uns wieder zu unserer ursprünglichen Höhe zurückbringen?“ fragten sie. „Was kann uns die Fähigkeit verleihen, wieder mit schnellster Geschwindigkeit mit dir weiter zu reisen?“

Der Yogi antwortete: „Diese Fähigkeit erhaltet ihr durch ständige Dankbarkeit gegenüber dem Meister, dass er euch als seine Schüler angenommen hat und dass er euch erlaubt, seine Schüler zu bleiben. Auch wenn der Meister euch nichts gibt - nicht einmal einen Hauch von Frieden, Licht oder Glückseligkeit - selbst dann bedeutet nur schon seine Annahme von euch etwas Weites, Unendliches und Erfüllendes. Wenn ihr es auf diese Weise betrachten könnt, ist es euch möglich, auf eure ursprüngliche Höhe zurückzukehren.“

Dann stellten die Schüler eine weitere Frage: „Meister, du hattest einige sehr enge Schüler, die dich verlassen haben. Wie kann es sein, dass sie sich recht wohl zu fühlen scheinen? Solange sie bei dir waren, waren sie unglücklich, obwohl sie zu deinem engen Schülerkreis gehörten. Warum waren sie unglücklich?“

Der Meister antwortete: „Obwohl sie meine engen Schüler waren, hat die Eifersucht sie nie verlassen. Furcht, Zweifel, Unsicherheit, Kummer und Sorge verließen sie nicht. Deshalb waren sie unglücklich.“

„Warum hast du sie dann überhaupt zu Erstklass-Schülern gemacht?“ fragten die gefallenen Schüler.

Der Meister antwortete: „Es ist eine Frage des Maßes. Erstklass-Schüler sind unsicher, eifersüchtig, haben Angst und hegen Zweifel, doch viel weniger als andere Schüler. Trotz ihrer Unvollkommenheiten sind sie von ganzem Herzen und im Innersten bereit, meinem Pfad zu folgen, während andere, die dieselben Unvollkommenheiten haben, nicht völlig bereit sind, meinem Pfad zu folgen. Die Erstklass-Schüler sind sich ihrer Unvollkommenheiten völlig bewusst und wissen, dass sie diese Schwierigkeiten eines Tages transzendieren müssen. Doch die Schüler, die mich verlassen haben, wurden von ihren ungöttlichen Eigenschaften überwältigt; bevor sie genau diese Eigenschaften besiegen konnten.“

„Betrachtest du es als einen Fehlschlag, als einen völligen Misserfolg für dich, dass Leute dich nun verlassen haben, die von dir soviel Anteilnahme, Segnungen, Liebe und Aufmerksamkeit erhalten haben?“ fragten die Schüler weiter.

Der Meister sagte: „Wer hat wen verlassen? Wenn ihr sagt, dass sie mich verlassen haben, dann habt ihr auf der äußeren Ebene recht. Doch auf der spirituellen Ebene muss ich euch leider sagen, dass der Frieden sie verlassen hat, dass die göttliche Erfüllung sie verlassen hat. Was ihr als Glücklichsein bezeichnet oder was ihr als Glücklich­sein betrachtet, ist nur ein Schein; es ist nicht wirkliches Glück. Wenn ihre Seelen zum Vorschein kommen, fühlen sie in ihrem Herzen eine öde Wüste. Innerlich brechen sie jeden Augenblick in Tränen aus, weil sie fühlen, was sie gewesen sind und was sie jetzt sind; was sie gehabt haben und was sie jetzt haben. Zuvor versuchten sie die Rolle der Aufrichtigkeit zu spielen, doch nun spielen sie die Rolle der Selbsttäuschung.“

Dann stellten die Schüler eine letzte Frage: „Beeinträchtigen jene engen Schüler, die dich verlassen, deine Mission in irgendeiner Weise?“

Der Yogi sagte: „In sehr begrenztem Maße. Niemand kann die göttliche Manifestation eines spirituellen Meisters zerstören. Doch wenn einige enge Schüler eines Meisters die viele, viele Jahre bei ihm gewesen sind, ihn verlassen, dann verschieben sie seine Manifestation. Der Meister säte sie als kleine Samenkörner. Als die Saat dann aufging, wurde sie vom Meister genährt und gepflegt, bis die kleinen Pflänzchen zu einem Baum heranzuwachsen begannen, der andere ernähren und ihnen Schutz gewähren konnte. Wenn dann der Baum durch die Unwissenheit gefällt wird, bevor er völlig heranwachsen kann, ist das natürlich ein Verlust. Doch zum Glück besitzt der Meister die Fähigkeit, neue Samenkörner zu säen und es besteht die Hoffnung, dass diese neuen Samenkörner gut aufgehen und zu einem mächtigen Bhanjan-Baum heranwachsen werden.

Die göttliche Mission kann nie zerstört werde. Wenn die auserwählten Instrumente fehlschlagen, wenn sie den Meister enttäuschen, dann schiebt das den Sieg nur hinaus. Doch der letzte Sieg wird unweigerlich kommen, und wer weiß, vielleicht werden die neuen Instrumente der Welt als Ganzes mehr Schutz, mehr Frieden, mehr Liebe, mehr Trost und mehr Licht schenken, als die anderen es gekonnt hätten. Es gibt keine Niederlage, keinen Fehlschlag, nur zeitweilige Rückschläge. Der letzte Sieg wird unweigerlich dämmern.“

Stolz, Demütigung und Erleuchtung

Diese Geschichte handelt von einem jungen Mann, der sehr spirituell war. Er betete und meditierte jeden Tag höchst seelenvoll. Er hatte einen Guru, der zu den größten überhaupt gehörte und der eine große Anzahl von Schülern hatte.

Dieser junge Mann ging in den Ashram seines Gurus und besuchte gleichzeitig die Universität. Zufällig studierte der Prinz des betreffenden Königreiches an derselben Universität. Die beiden jungen Männer wurden enge Freunde.

Eines Tages stellte der Prinz seinem Freund die Frage: „Warum bin ich immer noch nicht glücklich, obwohl ich alles habe - materiellen Reichtum, Wohlstand, Vergnügen, alles was man sich nur wünschen kann. Du hingegen, der du von einer armen Familie kommst, bist immer glücklich. Was macht dich so glücklich?“

Sein Freund antworte ihm: „Es gibt jemanden, der mir in meinem Lebens ständiges Glück schenkt.“

„Wer ist das? Kann ich diesen Menschen treffen?“

„Ja, ich kann dich zu seinem Ashram bringen. Er ist mein spiritueller Meister. Doch du bist ein Prinz und verdienst von allen Respekt. Obwohl du mein Freund bist, zeige ich dir gegenüber ungeheuren Respekt. Selbst die Professoren zeigen dir gegenüber Respekt, weil du der Prinz bist. Doch mein spiritueller Meister zeigt dir gegenüber möglicherweise überhaupt keinen Respekt. Er steht über all dem. Du bist höchst willkommen, meinen Meister zu besuchen, doch ich habe keine Ahnung, was er tun und wie er dich empfangen wird. Wenn du das Gefühl hast, dadurch nicht beleidigt zu werden, dann bist du höchst willkommen, mit mir zu kommen.“

„Gut. Sag mir, wo er lebt. Morgen werde ich dorthin gehen. Sollte ich ihm irgendetwas mitbringen?“

„Es hängt davon ab, in welcher Haltung du zu ihm gehst. Wenn du mit Strebsamkeit, das heißt mit einer inneren Sehnsucht nach immerwährendem Frieden und ständiger Glückseligkeit zu ihm gehst, dann solltest du einige Früchte und Blumen mitbringen und sie ihm geben. Das machen normalerweise Sucher, wenn sie zu einem spirituellen Meister gehen. Der Meister verteilt diese Dinge an die anderen Schüler. Wir nennen dies Prasad, geheiligte Nahrung. Doch wenn du aus reiner Neugierde gehst, dann brauchst du nichts mitzubringen.“

Als der Prinz am folgenden Morgen zum Ashram kam, meditierten der betreffende Schüler sowie seine Brüder- und Schwestern-Schüler bereits mit großer Aufrichtigkeit vor ihrem Meister. Der Prinz hatte Früchte und Blumen bei sich. Doch um zu zeigen, dass er kein gewöhnlicher Mensch war, sondern der Prinz, hatte er sich sein Schwert umgebunden. Alle waren völlig in den spirituellen Meister vertieft und niemand schenkte dem Prinzen auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Selbst sein engster Freund schaute ihn nicht an oder bemerkte ihn nicht einmal.

Der Prinz stand etwa eine halbe Stunde lang in der Nähe der Türe, doch weder der Meister noch die Schüler schenkten ihm die geringste Aufmerksamkeit. Schließlich wurde er wütend und rief: „Wisst ihr denn, dass ich der Prinz bin?“ „Kennt ihr meine Macht? Ich werde euch alle umbringen, einen nach dem anderen!“ Doch als er versuchte, sein Schwert zu ziehen, konnte er es nicht bewegen. Er versuchte es mit seiner ganzen Kraft, doch es gelang ihm einfach nicht, das Schwert aus der Schaft zu ziehen.

Der Prinz konnte sich vor Wut kaum noch beherrschen, als er sich in solcher Verlegenheit vorfand, doch der Meister schenkte ihm ein mitleidiges Lächeln. Dann begann der Meister zum Prinzen zu sprechen. Als der Meister zu ihm sprach, schauten alle Schüler auf der Prinzen. Der Meister sagte: „Du glaubtest, wir seien alle Narren, weil wir dir keine Aufmerksamkeit schenkten. Dies hier sind meine spirituellen Kinder, die hierher gekommen sind, um mich zu sehen. Als du keine Aufmerksamkeit erhalten hast, kam dein Stolz zum Vorschein und du wolltest uns alle erstechen. Wir sind alle unschuldige Menschen. Unser Interesse liegt einzig im Beten und Meditieren. Du bist mit aufrichtiger Absicht hierher gekommen, doch du hättest aufrichtiger sein sollen. Du hättest in der Absicht kommen sollen, teilzunehmen. Wenn wir in ein Restaurant gehen, essen wir. Wenn wir in die Schule gehen, besuchen wir den Unterricht. In einem Ashram beten und meditieren wir. Du hingegen wolltest zeigen, dass du der Prinz bist und als du bemerkt hast, dass dir niemand Aufmerksamkeit schenkt, kam dein ungöttliches Ego zum Vorschein und du wurdest so wütend, dass du uns alle umbringen wolltest. Zum Glück hat dich meine okkulte Kraft davon abgehalten, denn das Karma, das du dadurch auf dich gezogen hättest, wäre jenseits aller Beschreibung. Doch auch so wirst du bestraft werden. Mit meiner okkulten Schau sehe ich, dass du in sechzehn Tagen einen tödlichen Cholera-Anfall erleiden wirst. Du wirst nie König werden. Dein jüngerer Bruder wird auf den Thron steigen.“

Der Prinz, sein Freund und alle anderen Schüler bekamen einen furchtbaren Schock. Der Prinz sagte schließ­lich: „Wie kannst du mich als spiritueller Mensch auf diese Weise verfluchen?“

„Ich habe dich nicht verflucht“, sagte der Meister. „Deine eigene Seele hat dich verflucht, weil du drauf und dran warst, unser Leben auszulöschen. Als wir auf Gott, auf Frieden, Licht und Glückseligkeit meditierten, wolltest du uns umbringen, weil wir dir keine Aufmerksamkeit schenkten. Nun ist deine Seele deiner zutiefst überdrüssig und will der Körper verlassen.“

Der Prinz war im Anblick seines unmittelbaren Todes zutiefst erschrocken und bat den Meister, ihn zu retten.

„Es gibt nur eine Möglichkeit, wie du gerettet werden kannst“, sagte der Meister. „Wenn einer meiner Schüler kommt und dich an dem Tag berührt, an dem du bestimmt bist, an Cholera zu sterben, wirst du wieder gesunden und jener Schüler wird an deiner Stelle sterben. Du wirst wieder gesund sein, doch ich werde einen meiner Schüler verlieren. Wenn nun irgendeiner meiner Schüler bereit ist, sein Leben zu opfern, dann soll er bitte aufstehen.“

Sofort standen alle Schüler auf. „Wir alle sind bereit“, sagte einer der Schüler. „Wähle einen von uns.“

Der Meister sagte zum Prinzen: „Schau nur, du wolltest sie umbringen, doch sie sind bereit, ihr Leben für dich zu geben. Dies ist der Unterschied zwischen spirituellen Menschen und gewöhnlichen Menschen. Dies sind meine spirituellen Kinder. Jeder Einzelne ohne Ausnahme ist bereit, sein Leben für dich zu geben.“

Der Prinz sagte: „Jetzt ist jeder bereit, sein Leben für mich zu geben, doch wenn meine Stunde schlägt, wer weiß, wo sie dann sein werden.“

„Prinz,“ sagte der Meister, „in sechzehn Tagen wird deine Stunde schlagen und ich versichere dir, dass keiner meiner Schüler mich enttäuschen wird. Diesen Glauben an meine Schüler besitze ich.“

Wie der Meister vorausgesagt hatte, erkrankte der Prinz am sechzehnten Tag an Cholera. Der König und die Königin kamen vor Sorge fast um ihren Verstand. Keiner der Ärzte konnte ihn heilen. Es handelte sich nur noch um Stunden, bis der Prinz sterben würde. Zu diesem Zeitpunkt traf der Meister mit all seinen Schülern, die sechzehn Tage zuvor im Ashram gewesen waren, im Palast ein. Der König hörte ihre Geschichte und war tief gerührt, dass so viele Menschen bereit waren, ihr Leben für seinen Sohn zu geben.

Der König sagte: „Wir müssen eine Wahl treffen. Ich werde der Familie desjenigen, der sein Leben für meinen Sohn hingibt, die Hälfte meines Königreiches geben, vorausgesetzt, die Prophezeiung des Meisters erfüllt sich.“

Der Meister sagte: „Natürlich wird sich meine Pro­phezeiung erfüllen. Triff nun die Wahl. Es sind viele Leute hier.“

Der Student, der den Prinzen eingeladen hatte, zum Ashram des Meisters zu kommen, sagte: „Ihre Majestät, bitte wählen Sie mich. Dies alles ist mein Fehler, deshalb verdiene ich es zu sterben. Ich wäre Ihnen so dankbar, wenn sie mir diese Gelegenheit geben würden. Ich bin ein unbedeutender Mensch. Wer wird um mich weinen? Doch wenn der Prinz stirbt, wird das ganze Königreich um ihn trauern. Lassen wir doch den Prinzen, meinen engsten Freund, hier auf der Erde bleiben.“

Als es nun soweit war, dass der Student sein Leben geben würde und er im Begriff war den Prinz zu berühren, sagte der Meister: „So ist nun alles entschieden? Ihr Sohn wird nicht sterben, aber mein geliebter Schüler wird sterben. Doch es gibt noch einen Weg, auf dem sowohl ihr Sohn wie auch mein spiritueller Sohn gerettet werden können.“

Alle waren hoch erfreut. „Sagen Sie mir wie“, sage der König. „Ich werde mit Freuden alles tun, was Sie sagen.“

„Sie müssen die Füße all meiner spirituellen Kinder waschen“, sage der Meister. „Wenn Sie Willens sind, die Füße all meiner hier anwesenden Schüler zu waschen, dann wird sowohl Ihr Sohn und wie auch mein spiritueller Sohn gerettet werden.“

„Ich soll die Füße all diese Leute waschen“ Ich bin der König. Ich bin ihr Herrscher. Wie kann ich ihre Füße berühren? Ich kann die Füße desjenigen berühren, den wir auswählten, sein Leben zu geben. Doch ich kann unmöglich die Füße all deiner Kinder waschen.“

Da sagte der Meister: „ Es liegt unter Ihrer Würde, die Füße meiner spirituellen Kinder zu berühren, doch sie sind alle mehr als willig, ihr eigenes Leben für Ihren Sohn zu geben. Das ist der Unterschied zwischen spirituellen Menschen und gewöhnlichen Menschen. Fragen Sie irgendeinen meiner Schüler hier und ohne das geringste Zögern wird er sein Leben für Ihren nutzlosen Sohn opfern. Wenn Sie die Bedeutung von Liebe kennen würden, würden Sie mit Freude die Füße jedes Menschen in Ihrem Königreich waschen, um Ihren Sohn zu retten. Und wenn Sie die Bedeutung von Dankbarkeit kennen würden, würden Sie dasselbe tun, um das Leben desjenigen zu retten, der sein eigenes Leben anerboten hat, um Ihren Sohn zu retten.“

„Gut“, sagte der König, „ich bin bereit, die Füße Ihrer Schüler zu waschen.“

Die Diener des Königs brachten Wasser, und der König wusch die Füße der gesamten Schüler des Meisters, einem nach dem anderen. Dann fragte er den Meister: „Sind Sie nun zufrieden? Ich habe die Füße all Ihrer Schüler berührt.“

„Ich bin zufrieden, doch Sie müssen sich bewusst sein, dass Sie all dies nur deswegen gemacht haben, um Ihren Sohn zu retten. Wenn das Leben ihres Sohnes nicht daran gehangen hätte, hätten Sie das nie getan.“

„Was wollen Sie von mir? Mein Sohn liegt im Sterben und ich habe bereits so viel Demütigung auf mich genommen. Ich habe die Füße all Ihrer Schüler berührt. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, ich sollte noch etwas Größeres tun, dann bin ich bereit es zu tun.“

„Wenn Sie wirklich spirituell gewesen wären,“ antwortete der Meister, „dann hätten Sie gesagt: ‘Die Zeit ist gekommen, wo mein Sohn gehen muss. Dieser Junge, der sein Leben hingeben will, hat auch Eltern. Das Leid, der Verlust, den ich erleiden werde, wenn ich meinen Sohn verliere, hätten auch seine Eltern durchzustehen. So grausam kann ich nicht sein. Mein Sohn hat etwas Falsches getan und wenn es für seine Seele an der Zeit ist den Körper zu verlassen, dann bin ich bereit, meinen Verlust anzunehmen.’ Wenn Sie eine solche Haltung gehabt hätten, dann hätte ich gesagt, Sie seien nicht nur ein König in der äußeren Welt, sondern auch ein Kaiser im spirituellen Leben.“

Und siehe da, die Cholera verließ den Prinz. Er war wieder völlig gesund. Der Prinz und der König waren beide verlegen, aber erweckt; gedemütigt, aber erleuchtet.

Ich will nur einen Schüler: das Herz

Es gab einmal einen spirituellen Meister mit Hunderten von Schülern und Anhängern. Der Meister gab oft Vorträge an verschiedenen Orten - in Kirchen, in Synagogen, in Tempeln, in Schulen und Universitäten. Überall, wo er eingeladen wurde und wo es seine Schüler für ihn organisierten, gab er Vorträge. Er sprach für Kinder und für Erwachsene. Er sprach für Universitätsstudenten und Hausfrauen. Manchmal sprach er vor Gelehrten und fortgeschrittenen Suchern. Dies setzte sich etwas zwanzig Jahre lang so fort.

Schließlich kam die Zeit, wo sich der Meister entschied, keine Vorträge mehr zu halten. Er sagte seinen Schülern: „Es ist genug. Ich habe dies nun viele Jahre lang getan. Ich werde von jetzt an keine weiteren Vorträge mehr geben. Ich werde schweigen. Ich werde mein Schweigen aufrecht erhalten.“

Etwa zehn Jahre lang gab der Meister keine Vorträge mehr. Er hielt sein Schweigen in seinem Ashram. Er hielt sein Schweigen überall. Er hatte Tausende von Fragen beantwortet, doch jetzt meditierte er nicht einmal mehr vor anderen Leuten. Nach zehn Jahren wurde der Meister von seinen Schüler gebeten, doch wieder Vorträge zu geben, Fragen zu beantworten und öffentliche Zusammenkünfte mit Suchern zu leiten. Sie baten ihn und der Meister stimmte schließlich zu.

Die Schüler begannen sofort an verschiedenen Orten Vorträge zu organisieren. Sie setzten Anzeigen in die Zeitungen und hängten überall Plakate auf, mit der Ankündigung, dass ihr Meister wieder Vorträge geben und hohe Meditationen für die Öffentlichkeit halten würde. Der Meister ging mit einigen seiner engsten Schüler, die ihm zutiefst ergeben waren, zu diesen Veranstaltungsorten und Hunderte von Menschen kamen dorthin, um den Worten des Meisters zu lauschen und um ihre Fragen beantwortet zu bekommen. Doch zur großen Überraschung von allen sprach der Meister kein Wort. Vom Anfang bis zum Ende der Veranstaltung - zwei Stunden lang - hielt der Meister sein Schweigen aufrecht.

Einige der Sucher in der Zuhörerschaft ärgerten sich. Sie sagten, in der Zeitung und auf den Plakaten hätte gestanden, dass der Meister einen kurzen Vortrag gebe, Fragen beantworte sowie eine Meditation abhalte. „Warum hat er überhaupt nicht gesprochen?“ fragten sie. „Er ist ein Lügner“, sagten viele. Es wurde ihnen zuviel und sie verließen die Veranstaltung vor dem Ende. Andere bleiben die ganzen zwei Stunden in der Hoffnung, dass der Meister vielleicht am Ende sprechen würde, doch er beendete seine Meditation, ohne etwas zu sagen. Einige Leute im Publikum spürten innere Freude. Andere blieben nur, weil sie Angst hatten, dass die Leute denken würden, sie seien nicht spirituell und könnten nicht meditieren, wenn sie die Veranstaltung vorzeitig verließen. So gingen einige, andere bleiben widerwillig, einige wiederum blieben, um sich selbst und anderen ihre Spiritualität zu beweisen und nur sehr wenige blieben mit größter Aufrichtigkeit, Ergebenheit und einer tiefen inneren Sehnsucht.

Dies setzte sich drei oder vier Jahre lang so fort. Viele Menschen kritisierten den Meister gnadenlos und brachten die Schüler in Verlegenheit, indem sie sagten: „Euer Meister ist ein Lügner. Wie könnt ihr es rechtfertigen, eine Anzeige in die Zeitung zu setzen, dass eurer Meister einen Vortrag geben, sowie Fragen beantworten und eine Meditation halten wird? Er hat nur Meditationen gehalten und davon lernen wir überhaupt nichts. Wer kann schon zwei oder drei Stunden lang meditieren? Er hält uns und sich selbst zum Narren.“

Dies beschäftigte einige der engen Schüler sehr. Es tat ihnen weh, dass ihr Meister so beschimpft und kritisiert wurde. Deshalb baten sie ihre Meister nochmals, doch einen kurzen Vortrag zu halten und am Ende der Meditation einige Fragen zu beantworten. Schließlich stimmte der Meister zu.

Bei der nächsten Gelegenheit vergaß der Meister sein Versprechen zwar nicht, doch er änderte seine Meinung. Er meditierte weiter und statt zwei Stunden, setzte er die Meditation vier Stunden lang fort. Selbst seine engen Schüler waren traurig. Sie konnten sich nicht über ihren Meister ärgern, denn es ist ein ernsthafter karmischer Fehler, sich über den Meister zu ärgern. Sie hatten jedoch Angst, dass jemand aus der Zuhörerschaft aufstehen und den Meister beschimpfen würde. Sie bereiteten sich innerlich darauf vor, ihren Meister zu beschützen, falls irgendein Unglück geschehen sollte.

Als die vier Stunden vorbei waren und der Meister immer noch keinen Anschein machte, dass er sprechen oder die Veranstaltung beenden würde, stand einer der engen Schüler auf und sagte: „Meister, vergiss dein Versprechen bitte nicht.“

Der Meister sagte sofort: „Mein Versprechen. Ja, ich habe euch ein Versprechen gegeben und so ist es meine Pflicht jetzt etwas zu sagen. Ich werde jedoch heute nur sehr kurz sprechen. Ich habe Hunderte und Tausende von Vorträgen gehalten, doch wer hat meine Vorträge gehört? Tausende von Ohren und Tausende von Augen. Die Ohren und die Augen der Zuhörerschaft - Tausende und Abertausende von Ohren und Augen waren meine Schüler, doch ich habe ihnen nichts beibringen können. Nun möchte ich eine andere Art von Schülern. Meine neuen Schüler werden die Herzen sein.

An Tausenden von Orten habe ich Botschaften gegeben. Diese Botschaften sind durch das eine Ohr eingetreten und durch das andere wieder ausgetreten, alles in einem kurzen Augenblick. Die Menschen sahen mich wie ich sprach und Fragen beantwortete. Nur eine flüchtige Sekunde lang erspähten ihre Augen etwas in mir, doch dann war es völlig vergebens. Als ich über erhabene Wahrheit, über Frieden und Glückseligkeit sprach, konnten die Ohren dies nicht empfangen, denn die Ohren waren bereits voll von Gerüchten, Zweifeln, Eifersüchteleien, Unsicherheiten und Unreinheiten, die sich über viele Jahre hinweg angesammelt hatten. Diese Ohren waren völlig verschmutzt und haben meine Botschaft nicht empfangen. Auch die Augen haben meine Wahrheit, meinen Frieden, mein Licht und meine Glückseligkeit nicht empfangen, weil sie alles auf ihre eigene Weise sahen. Wenn menschliche Augen etwas sehen, ziehen sie sofort einen Vergleich und fragen: „Warum ist er schön? Warum sind seine Vorträge so schön, seine Antworten so treffend? Warum kann ich nicht ebenso sein?“ Auf diese Weise tritt sofort Eifersucht in sie ein. Das menschliche Ohr und das menschliche Auge reagieren beide mit Eifersucht. Wenn das Ohr etwas Gutes über eine andere Person hört, tritt sofort Eifersucht in es ein. Wenn das Auge jemand anderen sieht, der schön ist, dann wird der betreffende Mensch sofort eifersüchtig. Die Ohren und die Augen haben ihre Rolle gespielt. Sie haben sich als ungöttliche Schüler erwiesen und es ist mir nicht gelungen, sie zu lehren. Ihr Fortschritt war zutiefst unbefriedigend. Nun will ich neue Schüler und ich habe neue Schüler. Diese Schüler sind die Herzen, in denen Einssein wachsen wird. Einssein mit der Wahrheit, Einssein mit dem Licht, Einssein mit der inneren Schönheit, Einssein mit dem, was Gott hat und dem was Gott ist. Der Herzens-Schüler ist es, der die Fähigkeit besitzt, sich mit der Weisheit, dem Licht und der Glückseligkeit des Meisters zu identifizieren. Und wenn er sich selbst mit dem Meister identifiziert, entdeckt er seine eigene Wirklichkeit: unendliche Wahrheit, unendlichen Frieden, unendliches Licht und unendliche Glückseligkeit. Das Herz ist der wirkliche Zuhörer, das Herz ist der wirkliche Beobachter; das Herz ist der wirkliche Schüler, der eins wird mit dem Meister, mit der Verwirklichung des Meisters, mit der Schau des Meisters und mit dem ewigen Licht des Meisters. Von nun an werden die Herzen meine einzigen Schüler sein.“

Der Test des Meisters

Es gab einmal einen großen spirituellen Meister, der viele Schüler hatte. Eines Tages meditierte der Meister mit etwas fünfzig seiner Schüler. Als sie alle den Meister ergeben und mit gefalteten Händen anschauten, kam zufällig ein Yogi vorbei. Der Yogi befand sich nicht auf derselben inneren Höhe wie der Meister, er war ihm weit unterlegen. Doch er war äußerst aufrichtig und bewunderte die innere Größe des Meisters. Er sah, wie die Schüler ergeben auf ihren Meister meditierten und entschied sich, mit ihnen zu meditieren. Der Meister war überglücklich, den Yogi zu sehen und begrüßte ihn sehr herzlich. Der Yogi sagte: „Du hast solch wunderbare ergebene Schüler. Ich habe noch nie einen Meister mit so vielen ergebenen Schülern gesehen, wie du sie hast.“

Äußerlich war der Meister einverstanden, doch innerlich war er bis zu einem gewisse Grade amüsiert. Er sagte zum Yogi: „Ich werde dir zeigen, was für Schüler ich habe. Bitte bleibe in meinem Ashram bis morgen.“ Der Yogi war glücklich, das Privileg zu erhalten, im Ashram zu bleiben und nahm die Einladung des Meisters gerne an.

Am nächsten Tag sagte der Meister zu den Schülern: „Heute gehe ich in den Wald. Ich lade euch alle ein. Wir werden jedoch nichts Spirituelles machen, nicht beten und nicht meditieren. Wir werden uns nur amüsieren. Wir werden tanzen, singen und spielen.“

Drei oder vier Schüler sagten sofort: „Ach der Meister ist gefallen. Er ist in das Leben der Vergnügungen eingetreten. Der Meister hat immer gesagt, Gebet und Meditation seien von größter Wichtigkeit. Wir wollen meditieren, wir wollen ein spirituelles Leben führen. Wir können unmöglich mit ihm gehen.“ Aus diesem Grund blieben diese Schüler im Ashram. Unter diesen drei oder vier Schülern war auch der eigene Sohn des Meisters.

Ungefähr vierzig Schüler machten sich schließlich mit dem Meister auf den Weg, doch der größte Teil von ihnen gingen nur, weil der Meister sie eingeladen hatte und nicht aus größter innerer Freude. Zu jenen, die mit ihm gehen wollten, sagte der Meister: „Ihr dürft keine Nahrung und kein Geld annehmen. Wir werden nur in den Wald gehen um uns zu amüsieren.“

Sie begannen zu gehen. Der Meister und der Yogi gingen voraus und die Schüler folgten ihnen. Bald trat der Meister in Ekstase und begann zu tanzen. Die Schüler waren überrascht, dass ihr Meister tanzte, denn er hatte dies noch nie zuvor getan. So begannen sie ebenfalls zu tanzen. Sie waren ein wenig verlegen, doch sie tanzten mit dem Meister.

Nachdem sie eine weite Strecke zurückgelegt hatten, wurden viele der Schüler sehr hungrig und durstig. Sie hatten jedoch keine Nahrung mitgebracht und auch nichts zu trinken mitgenommen. Plötzlich sahen sie einen Mangobaum mit Hunderten von reifen Mangos. Einige der Schüler konnten sich nicht beherrschen und kletterten ohne die Erlaubnis des Meisters auf den Mangobaum und aßen soviel sie essen konnten. Obwohl der Meister sah, wie sie aßen, ignorierte er sie. Der Meister und der Yogi gingen weiter.

Nachdem die Schüler die Mangos gegessen hatten und zufrieden waren, gingen sie in den Ashram zurück, statt mit dem Meister weiterzugehen, denn sie wussten, dass er wütend sein würde. So blieben noch etwas fünfzehn Schüler beim Meister.

Nach weiteren Stunden sahen sie plötzlich Hunderte von Goldmünzen überall auf der Straße herumliegen. Einige der Schüler erlagen der Versuchung und begannen die Münzen aufzuheben und in ihre Taschen zu stecken. Sie füllten ihre Taschen und gingen zum Ashram des Meisters zurück.

So blieben nur noch fünf Schüler beim Meister und beim Yogi. Bald darauf kamen sie in den dicken, dichten Urwald, der voll von wilden Tieren war. Kaum zehn Meter entfernt sahen sie einen Tiger, der unter einem Busch schlief. Die fünf Schüler, der Meister und der Yogi hielten an. Die Schüler erbleichten vor Furcht.

Da sagte der Meister: „Dies ist euer letzter Test. Ich habe euch eingeladen, zum Vergnügen mit mir zu kommen. Einige meiner Schüler kamen nicht einmal aus dem Ashram heraus. Sie fielen schon ganz am Anfang durch. Etwa dreißig meiner Schüler kamen mit mir, doch auf dem Weg haben einige von ihnen Mangos gegessen, andere haben Goldmünzen gesammelt. Danach sind sie alle wieder in den Ashram zurückgegangen. Die meisten meiner Schüler haben mich bereits enttäuscht. Nun bleibt nur noch ihr fünf übrig. Dies ist euer letzter Test. Ihr müsst zum Tiger gehen, und zwar nicht still und leise, sondern offen, in kämpferischer Haltung. Ihr müsst zum Tiger gehen und in der Gegenwart von uns allen dem Tiger in den Schwanz beißen. Wer immer das tun kann, den werde ich öffentlich als meinen besten Schüler ausrufen.“

Alle waren schockiert. Alle waren zu Tode erschrocken. Niemand war bereit, sein Leben zu riskieren.

Der Meister wandte sich zum Yogi und sagte: „Gestern hast du mir gesagt, dass meine Schüler so ergeben seien, doch schau, kein Einziger ist bereit zu gehen.“

Der Yogi sage: „Ja, doch dieser Test ist äußerst schwierig. Es ist ein sehr ernsthafter Test. Selbst mir wäre es sehr schwer gefallen.“ Der Yogi dachte, kein spiritueller Meister könne einen Schüler haben, der genug Ergebenheit besäße, sein eigenes Leben für den Meister hinzugeben.

Unterdessen bereitete sich einer der Schüler innerlich vor, bereitete seinen Verstand und sein Herz vor, um zu gehen und in den Schwanz des Tigers zu beißen. „Warte“, sagte der Schüler. „Ich bin bereit zu gehen.“

Die anderen vier Schüler bewunderten ihn, doch sie fürchteten um ihr eigenes Leben. „Ja“, sagten sie, „du wirst gehen, doch wir werden ebenfalls unter den Konsequenzen deines Handelns zu leiden haben. Wenn du den Tiger aufweckst, werden auch wir in die andere Welt gehen müssen.“

Der Meister lobte den Schüler und sagte zu ihm: „Ich bin zutiefst stolz auf dich. Wenn du zurück kommst, werde ich dich belohnen.“ Innerlich sagte sich dieser Schüler: „Gut, ich werde dann zwar in der anderen Welt sein.“ Doch er marschierte tapfer zum Tiger und biss ihm in den Schwanz. Zur großen Überraschung von allen verschwand der Tiger und statt dessen lagen zwei schmackhafte Mangos da. Der Schüler begann sofort die Mangos zu essen und da auch die anderen Schüler sehr hungrig waren, kamen sie zu ihm und begannen ebenfalls die Mangos zu essen. Der Meister und der Yogi setzten sich zu ihnen.

Der Meister lobte den tapferen und gehorsamen Schüler und sagte, er würde nach ihrer Rückkehr allen sagen, dass er sein bester Schüler sei. Der Meister sagte auch, dieser Schüler werde seine Mission übernehmen und seinen Ashram leiten, denn er selbst werde seinen Körper bald verlassen.

Dann kehrten der Meister, der Yogi und die fünf Schüler in den Ashram des Meisters zurück. Während ihrer Abwesenheit war es den anderen Schülern, die nicht mitgekommen waren und jenen, die schon vorher in den Ashram zurückgekehrt waren, zu peinlich geworden, dass sie den Meister enttäuscht hatten und fast alle hatten den Ashram verlassen. Nur der Sohn des Meisters und zwei Schüler waren übrig geblieben. Diese so genannten guten Schüler waren im Ashram.

Der Meister verkündete dann, dass dieser Schüler seine Mission weiterführen und dem Ashram vorstehen werde, sobald er den Körper verlassen werde. Er sagte: „Ich anerbiete ihm all meinen Reichtum, all meine spirituelle Weisheit. Er wird meinen Ashram leiten, wenn ich nicht mehr auf der Erde sein werde. Nicht nur das, er wird den Ashram in meiner Abwesenheit einige Tage leiten und ich werde ihn beobachten. Dann, wenn ich gegangen sein werde, wird er meine spirituelle Mission erben.“

Der Sohn des Meisters protestierte sofort: „Ich bin dein Sohn. Ich hätte deinen spirituellen Reichtum, deine Position und deine Pflichten erben sollen. Ich sollte deinen Ashram übernehmen und deine Mission weiterführen.“

Der Vater antwortete: „Nein. Du bist mein Sohn, doch es gibt einen Unterschied zwischen einem physischen und einem spirituellen Sohn. Du bist nicht mit mir gekommen als ich dich eingeladen habe. Der spirituelle Sohn des Meisters erbt seinen spirituellen Reichtum, nicht sein irdischer Sohn.“

Der Sohn antwortete: „Ich kam nicht mir dir, weil du immer sagtest, man solle meditieren und beten, und du sagtest, dieser Ausflug sei nur zum Vergnügen da.“

Der Vater sagte: „Du bist ein Narr. Mit mir zu sein ist bereits die beste Meditation. Wenn der Meister dich einlädt, irgendwo hinzugehen, dann solltest du gehen, ganz gleich was du gegenwärtig tust. Mit dem Meister zu sein ist eine viel bessere Meditation als zu Hause zu bleiben und deine eigene Meditation zu verrichten. Wenn der Meister dich einlädt, dann solltest du nicht in deinem Raum sitzen und meditieren. Wer gibt dir deine Verwirklichung? Der Meister oder deine eigene Meditation? Was der Meister sagt, ist die beste Meditation, nicht was der Schüler für sich als das Beste betrachtet.

Du hast mich enttäuscht. Ich bin jedoch sicher, dass dieser Schüler hier dir vergeben und dich als seinen Schüler annehmen wird. Du wirst in der Zukunft eine weitere Gelegenheit erhalten, zum besten Schüler zu werden.“

Zwei Fremdlinge: Geld und Licht

Es gab einmal einen großen spirituellen Meister, der insgesamt etwa zwanzig Schüler hatte. Entweder interessierte er sich nicht dafür, mehr Schüler zu haben oder Gott war ihm nicht gut genug gesinnt, um ihm mehr Schüler zu geben. Auf jeden Fall war er mit seinen zwanzig Schülern zutiefst zufrieden. Wie alle spirituellen Meister hatte er drei oder vier Schüler, die ihm sehr nahe standen und die sehr enge Schüler waren. Unter diesen engen Schülern war eine Schülerin, die Isabella hieß. Sie hatte einen spirituellen Bruder namens Quentin. In ihrer Einfachheit und Aufrichtigkeit fand sie diesen spirituellen Bruder sehr nett. Im Lichte und in der Weisheit ihrer Seele wäre es vielleicht anders gewesen. Ich werde euch ein anderes Mal eine Geschichte über Isabella erzählen. Heute möchte ich euch die Geschichte über ihren spirituellen Bruder Quentin erzählen, der in keiner Weise ein enger Schüler des Meisters war.

Quentin ging regelmäßig zum Ashram des Meisters. Er war immer unter den ersten die kamen. Der allererste war ein anderer guter Schüler, der mit Quentin nicht sehr gut auskam. Sein Name war Quincey. In jenen Tagen brauchte der Meister einige Schüler, die ihm halfen, sein Büro zu ordnen. Quentin half sehr gerne. Noch jetzt segnet der Meister seine Seele, wenn er seine Handschrift sieht. Quentin war der ärmste, absolut ärmste aller Schüler. Er lebte in Brooklyn und weil er kein Geld für die Untergrundbahn hatte, musst der arme Guru ihm das Geld dafür geben.

Manchmal hatte der Guru selbst nur sieben Dollar oder wenn er Glück hatte, fünfundzwanzig Dollar auf seinem Bankkonto, doch der Guru war eben ein Inder mit einem indischen Herzen und so gab er Quentin immer das Geld für den Bus.

Quentin kam auch stets mit schmutzigen, dreckigen Schuhen zum Ashram, obwohl seine Schuhe wahrscheinlich noch sauberer waren als seine Füße. Manchmal entdeckte der Meister Rattenlöcher in den Schuhen und gab ihm das Geld für neue Schuhe. Der Meister war auch strikt gegen lange Haare, und so gab der Meister ihm Geld für einen Haarschnitt, wenn sich Quentins Haare an den Ohren zu ringeln begannen. Und so ging es weiter. Quentin kannte die Armut des Meisters, doch seine eigene Armut war noch schlimmer.

Ab und zu, wenn der Meister in seiner humorvollen Stimmung war, fragte er Quentin, ob er Isabella kenne. Quentins Antwort war stets: „Nein, überhaupt nicht.“ „Hast du mit ihr über irgendetwas gesprochen?“ „Nein, nie!“ war die unveränderliche Antwort. Eines Tages, als die Meditation vorüber war und Isabella gegangen war, befand sich der Meister in seiner humorvollen Stimmung. Immer, wenn der Meister sah, dass seine Schüler in anderen Welten schwebten, wurde er ein wirkliches Äffchen. Der arme Quentin versuchte vom Meister wegzukommen, ohne verletzend zu sein, doch der Meister fuhr fort, mit ihm zu sprechen. Doch schließlich tat ihm Quentin leid und er ließ ihn gehen. Dann schaute der Meister aus seinem Fenster hinaus und sah wie Isabella bei grüner Ampel die Straße überquerte. Nachdem sie über die Straße gegangen war, schaltete die Ampel auf gelb und dann auf rot. Dann sah der Meister, wie Quentin bei roter Ampel über die Straße rannte, um Isabella einzuholen. Am selben Tag noch hatte der Meister Quentin gefragt, ob er Isabella kenne und er hatte von Ihm die Antwort erhalten: „Nein, ich weiß nicht, wer sie ist.“ Quentin war bestimmt nicht der aufrichtigste Schüler des Meisters.

Trotz all dem half der Meister Quentin finanziell weiter, da er der ärmste aller Schüler war. So konnte der Meister zumindest sagen, er sei reicher als einer seiner Schüler. Ungefähr eineinhalb Jahre ging Quentin so zum Ashram des Meisters. Eines Tages rief er den Meister an und sagte: „Meister, ich muss mit dir sprechen.“ In jenen Tagen hatte der Meister nur wenige Schüler und ein Telefonanruf war etwas seltenes. So sage er: „Ja, komm nur.“

Als Quentin die Türe öffnete, brach er in Tränen aus und fiel dem Meister zu Füßen. Der Meister sah den Grund dafür nicht ein und fragte: „Was ist los mit dir?“

„Nichts. Du musst mir vergeben, du musst mir vergeben“, lautete die tränenerfüllte Antwort.

Der Meister fragte: „Was hast du getan, dass ich dir vergeben muss?“

„Ich habe alles getan. Wenn du mir nicht vergibst, werde ich nicht einmal in der Hölle einen Platz bekommen.“

Der Meister beruhigte Quentin und sagte: „Sorge dich nicht, der Himmel kann dich sicher aufnehmen.“

Da nahm Quentin sein Sparbuch aus seiner Tasche und zeigte es dem Meister. Es wies ein Guthaben von sieben­tausendfünfhundert Dollars auf. Der Meister legte seine Hände vors Gesicht, als er sah, was sein Schüler gemacht hatte. „Was kann ich tun?“ fragte er sich selbst.

Als Antwort auf die Frage des Meisters sagte Quentin: „Ich habe dir Lügen erzählt. Bitte vergib mir und nimm all das.“

„Nachdem du mir eine solche Lüge erzählt hast? Unmöglich.“

„Dann werde ich deinen Ashram nicht verlassen. Erst wenn du dieses Geld nimmst, heißt dies, dass du und Gott mir vergeben haben.“

„Unmöglich!“ sagte der Meister.

Und so ging es weiter. Quentin schrie und bestand darauf, dass sein Meister das Geld nimmt und der Meister lehnte es ab. Quentin weinte, schrie und drohte an Selbstmord zu begehen, wenn der Meister sein Geld nicht annehmen würde. Er sagte dem Meister, er besäße weitere zweitausend Dollar auf einem Bankkonto, zusätzlich zu dem Geld auf seinem Sparbuch. Wenn der Meister also alles Geld von seinen Ersparnissen nehmen würde, dann könnte er immer noch seine Ausgaben über sein Bankkonto begleichen. Der Meister protestierte vehement, doch letztlich tat ihm Quentin leid und er war damit einverstanden, dass er an seinem Geburtstag, der in vier Monaten sein würde, tausend Dollar annehmen würde. Zum guten Schluss war Quentin mit diesen Kompromiss einverstanden.

So etwa drei Wochen später kamen dem Meister von anderen Schülern Gerüchte zu Ohr, dass er Quentin gesagt habe, er würde ihn aus seinem Ashram werfen, wenn Quentin ihm nicht siebentausendneunhundert Dollar geben würde. Einer, zwei, ja drei Schüler brachte dem Meister dieselbe Botschaft. Der Meister verteidigte sich und sagte: „Wie hätte ich überhaupt wissen können, dass er ein Sparbuch besitzt, wenn er es mir nicht gezeigt und mir das Geld angeboten hätte? Er tat es tatsächlich, doch ich wollte auch nicht einen Cent annehmen.“

Am Ende der nächsten Meditation sagte der Meister zu Quentin: „Ist es fair von dir zu sagen, ich hätte dir gedroht, dich aus dem Ashram zu werfen, wenn du mir nicht all deine Ersparnisse geben würdest? Wie viele Stunden habe ich dagegen protestiert, auch nur einen Cent von dir anzunehmen? Bleib bei mir, wenn du willst. Ich mag deine Seele, so kannst du bei mir bleiben. Doch ich werde nie Geld von dir annehmen.“

Einige Tage später hörte der Meister, dass Quentin nun den Leuten erzählte, der Meister habe ihm ein Ultimatum gestellt. Wenn Quentin dem Meister sein Erspartes nicht am Geburtstag des Meisters geben würde, würde der Meister ihn aus seinem Ashram werfen. An diesem Punkt wurde es dem Meister zuviel und beim nächsten Mal als Quentin in den Ashram kam - wie gewöhnlich früh - sagte der Meister zu ihm: “Verlasse meinen Ashram. Ich kann dich nicht länger ertragen.“

Während den eineinhalb Jahren, in denen Quentin in den Ashram des Meisters gekommen war, hatte er dem Meister zwei Geschenke gegeben: eine kleine Statue der Göttin Saraswati und ein Buch von Paramahamsa Yoga­nanda, „Whispers from Eternity“. Als der Meister ihn bat, nicht mehr in den Ashram zu kommen, sagte Quentin zum Meister: „Gib mir meine Statue zurück.“ Der Meister gab sie ihm sofort zurück. „Gib mir nun mein Buch zurück!“ sagte Quentin.

„Ich habe etwa siebzig oder achtzig Bücher hier auf dem Regal. Ich weiß gerade nicht, wo es ist. Ich werde es später finden und es dir schicken. Die Schüler kommen bald zum Meditieren, geh nun bitte und ich werde es dir schicken.“

Doch Quentin sagte: „Nein, ich werde nicht gehen. Ich werde mich nicht von der Stelle rühren, bis du mir mein Buch zurückgegeben hast.“

So musste der Meister seine okkulte Kraft gebrauchen, um das Buch schnell zu finden. Er gab es Quentin und sagte: „Nun gehe.“

„Nein, ich rufe die Polizei an und sage, dass du mich hier raus wirfst, obwohl ich nichts Falsches getan habe. Ich werde dich gerichtlich verklagen.“

Darauf wurde der Meister wirklich wütend. Zum Glück kam gerade eines der stärksten Ashram-Mitglieder die Treppe herauf. Der Meister sagte zu ihm: „Gregory, ich habe Quentin gebeten zu gehen, doch er weigert sich zu gehen. Hilf ihm doch bitte die Treppe hinunter.“ Gregory zeigte seine Muskeln und Quentin hatte die Befürchtung, seine Stunden wären gezählt, wenn er Widerstand leisten würde und so verließ er den Ort in Frieden.

Einige Tage später gingen wieder Gerüchte über dieselbe alte Geschichte herum. Quentin erzählte den Schülern, dass der Meister ihn aus dem Ashram geworfen habe, weil er ihm nicht all seine Ersparnisse gegeben habe. Dann erhielt der Meister eines Tages einen Brief von Quentin, in dem er schrieb: „Ich habe ein Gewehr und meine Mutter sagt, ich sei verrückt. So kann ich alles mit meinem Leben und dem Leben anderer tun, ohne dafür verantwortlich zu sein. Ich will dir mitteilen, dass ich mein Gewehr für dich gebrauchen werde.“ Der Meister beantwortete diesen Brief nicht. Einige Tage später kam ein weiterer Brief von Quentin. Diesmal hatte sich die Geschichte geändert. Quentin sagte, er wäre bereit, sich sein eigenes Leben zu nehmen, wenn der Meister ihn nicht wieder annimmt.

Der Meister ging tief in sich und erhielt keine Antwort. Er ging noch tiefer in sich, um zu sehen, ob es der göttliche Wille sei, dass er Quentin wieder als Schüler annimmt. Während seiner Meditation sah der Meister, dass Quentin keinen Selbstmord begehen wird und dass er ihn nicht wieder annehmen kann. Danach fühlte sich der Meister inspiriert für seine anderen Schüler etwas über Geld zu schreiben und schrieb folgendes: „Geld wird traditionell als Wurzel des Übels betrachtet. Doch wenn Geld von Anfang an für einen göttlichen Zweck gebraucht wird, dann ist es kein Fluch. Wenn ihr Geld habt, euren Meister jedoch täuschen und ihn glauben machen wollt, dass ihr finanziell sehr leidet, dann wird eure Täuschung eines Tages aufgedeckt werden. Wenn ihr Geld habt, so macht das nichts. Ihr könnt Millionen von Dollars besitzen, wenn ihr wollt, und der Meister wird nie einen Cent von euch erwarten. Er wird euch nur das Beste wünschen, für euren materiellen Reichtum ebenso wie für euren spirituellen Reichtum. Wenn ihr jedoch dem Meister sagt, ihr hättet kein Geld und ihn um finanzielle Hilfe bittet, dann wird der Tag kommen, an dem euch euer innerer Führer - nicht der Meister - strafen wird. Ihr werdet schließlich gezwungen werden, aufrichtig zu sein. Wenn eure Aufrichtigkeit zu diesem Zeitpunkt tief und ernst ist, wird euch vergeben werden. Doch wenn eure Aufrichtigkeit von weltlichen Gedanken, Gier und weiterer Unaufrichtigkeit verdeckt ist, dann beginnt der Tod eures spirituellen Lebens. Wenn man Geld richtig gebraucht, ist Geld ein Segen. Geld jedoch, das auf ungöttliche Weise gebraucht oder bewusst vor dem Meister verdeckt wird, wird sich früher oder später als ein Fluch erweisen.“

Der Meister sah, dass Unaufrichtigkeit und Spiritualität nicht zusammen gehen können. Nie! Sobald Unaufrichtigkeit in einen Schüler eintritt, ist er verloren. Wenn ein Schüler Frieden im Verstand oder Liebe und Anteilnahme für andere besitzt, jedoch aus falscher Bescheidenheit sagt: „Ich habe keinen Frieden, ich habe keine Liebe, ich habe keine Freude“, dann ist diese falsche Bescheidenheit ein Fluch. Sie ist genauso schlimm wie Eifersucht, Furcht und Zweifel. Wirkliche Bescheidenheit wird von falscher Bescheidenheit missbraucht. Wenn der Meister einen Schüler lobt, so ist Bescheidenheit gut, doch man darf sie nicht zu weit treiben. In der Tiefe eures Herzens wisst ihr, dass alles wahr ist, was der Meister sagt, doch wenn er euch lobt, so habt ihr das Gefühl, ihm einen Gefallen zu tun, wenn ihr euch bescheiden zeigt, und ihr werdet eure falsche Bescheidenheit soweit führen, dass ihr euch weigert, das Lob des Meisters anzunehmen. Dies ist falsch. Man muss das Lob des Meisters mit tiefer und aufrichtiger Dankbarkeit annehmen.

Im spirituellen Leben müssen wir sehr vorsichtig sein, wie wir das verwenden, was wir haben - ganz gleich ob es nun spiritueller oder materieller Reichtum ist. Jede Art von Reichtum muss auf göttliche Weise gebraucht werden; sonst werden wir uns eines Tages alle wie Quentin benehmen. Wenn ihr etwas habt, wunderbar. Ihr steht unter keiner Verpflichtung, euren inneren und äußeren Reichtum anderen zu geben. Doch wenn ihr sagt, ihr hättet keinen Reichtum und andere, die viel weniger haben als ihr, bittet, euch etwas zu geben, dann tut ihr etwas sehr Schlechtes. Ihr habt kein Recht, andere auszunützen, indem ihr sie fühlen lasst, dass es ihnen viel besser geht als euch. Das ist nicht fair. Wenn ihr Geld habt, wenn ihr Frieden, Licht oder Freude habt, dann sagt nicht: „Ich habe nichts.“ Der Meister oder euer innerer Führer werden bald mit euch unzufrieden sein und euch auch die wenige Freude, die Liebe und den Frieden, die ihr bereits besitzt, wegnehmen. Gott hat uns allen einen gewissen inneren Reichtum gegeben, nämlich Strebsamkeit. Wenn Er uns dazu auch äußeren Reichtum gegeben hat, dann lasst uns unseren inneren Reichtum, der unendlich viel wertvoller ist, nicht dafür opfern, um unseren äußeren Reichtum geheim zu halten.

Nicht Krishna, sondern du, Meister

Es gab einmal einen großen Yogi, der trotz der Tatsache, dass er bereits Gott verwirklicht hatte, gewöhnlich zwölf bis vierzehn Stunden am Tag meditiere. Er hatte das Gefühl, dies sei notwendig, um das innere Gefäß immer rein zu halten, damit er unendlichen inneren Reichtum empfangen und ihn der Welt weitergeben könne. Dieser Yogi war die Aufrichtigkeit selbst, die Reinheit selbst, die Schönheit selbst, die Göttlichkeit selbst. Er war mit großer okkulter Kraft und solider spiritueller Kraft gesegnet.

Eines Nachts oder besser gesagt Morgens früh um drei Uhr klopfte ein älterer Schüler an der Türe des Yogis. Als der Yogi die Türe öffnete, sah er, wie dieser Schüler bitterlich weinte. Der Schüler zeigte dem Yogi ein Telegramm, in dem stand, dass sein einziger Sohn einen Herzschlag erlitten habe und es nur noch eine Sache von Stunden sei, bevor er sterben würde. Dieser Sohn lebte in einer weit entfernten Stadt, und so war der Vater außer sich vor Kummer, dass er seinen Sohn nicht mehr sehen würde. Der Schüler bat den Yogi seinen Sohn zu heilen. „Bitte, bitte“, flehte er, „lass meinen Sohn nicht sterben.“

„Wiederhole den Namen Krishnas, sag einfach ‘Krishna, Krishna, Krishna’, immer und immer wieder“, sagte der Yogi.

Der Schüler sagte: „Meister, Krishna wird nichts für meinen Sohn tun. Du musst es tun.“

Der Meister antwortete: „Wenn du meinen Krishna, meinen Guru beleidigst, dann wird dein Sohn sofort sterben. Du musst ‘Krishna, Krishna, Krishna’ wiederholen. Krishna ist die einzige Medizin.“

„Du hast großen Glauben an Krishna, Meister, doch ich habe keinen Glauben an ihn.“

„Warum hast du keinen Glauben an Krishna? Krishna ist mein eigener Guru.“

„Ich habe diesen Glauben nicht. Was kann ich tun?“

„Wenn du keinen Glauben hast, dann beginne ihn in diesem Augenblick aufzubauen. Wiederhole den Namen Krishnas und dein Sohn wird geheilt werden.“

„Nein! Krishna wird mein Gebet nicht erhören. Ich habe absurde, ungöttliche Dinge getan und ich habe nie zu ihm gebetet und ihn nie verehrt. Warum sollte er nun auf mich hören? Wenn ich Krishna nur anrufe, wenn ich in Gefahr oder in Schwierigkeiten bin, warum sollte er mich dann erhören?“

„Krishna kennt alle menschlichen Schwächen. Du bist zumindest bereit, ihn in schwierigen Zeiten anzurufen. Es gibt viele Menschen, die Gott nicht einmal anrufen, wenn sie in den größten Schwierigkeiten stecken. Viele sagen: ‘Warum bin ich in Schwierigkeiten, wenn du doch so voller Liebe bist?’ Gott hat ihnen bereits bewiesen, dass er grausam ist und so sagen sie: ‘Warum sollte ich zu ihm beten? Ich werde nicht zu ihm beten.’ Doch eine solche Haltung werde ich von meinen Schülern nicht akzeptieren. Wenn du dich nicht auf Krishna berufen kannst, dann verlasse bitte mein Haus.“

„Meister, ich bin bereit dein Haus zu verlassen, doch gewähre mir bitte zuerst einen großen Gefallen.“

„Was?“

„Heile meinen Sohn. Bitte wiederhole Krishnas Namen an meiner Stelle. Ich werde mit gefalteten Händen vor dir stehen.“

„Gut. Ich nehme deinen Vorschlag an. Stelle dich bitte fünfzehn Minuten lang vor mich und fühle, dass dein Sohn meine Anteilnahme erhält, dass dein Sohn Krishnas Anteilnahme erhält.“

Der Schüler sagte: „Meister, ich kann nicht an Krishnas Anteilnahme glauben, doch wenn du sagst, mein Sohn erhalte deine Anteilnahme, dann glaube ich dir.“

„Wenn du nicht fühlen kannst, dass es Krishnas Anteilnahme ist, dann kann ich ihn nicht heilen.“

„Gut, ich werde fühlen, dass es Krishnas Anteilnahme ist. Ich werde auf dich hören.“

Der Yogi begann den Namen Krishnas zu wiederholen. Plötzlich klopfte es an die Türe und der Diener des Schülers kam herein und brachte seinem Herrn ein Telegramm. Der Schüler sagte zum Yogi: „Schau Meister, es ist alles deine Gnade, nicht Krishnas Gnade. Das Telegramm sagt, dass mein Sohn am Leben bleiben wird. Du hast meinen Sohn geheilt.“

Der Yogi sagte: „Es war weder Krishna noch ich, der deinen Sohn geheilt hat. Dein Glaube an mich hat ihn geheilt. Du hast keinen Glauben an Krishna, deshalb wollte Krishna deinen Sohn nicht heilen. Ich selbst habe nicht die Macht deinen Sohn zu heilen. Dein Glaube an mich hat deinen Sohn geheilt.“

Dann gab der Yogi seinem Schüler wertvolle Ratschläge. Er sagte: „Selbst wenn du nicht regelmäßig beten und meditieren kannst, dann tue es wenigstens, wenn du dich in Schwierigkeiten befindest. Zumindest dann kannst du beten und meditieren. Wenn du zu Gott betest, wenn du dich in Schwierigkeiten befindest, wenn du in Gefahr bist oder wenn du in einer Katastrophe steckst und dann Gottes Segen erhältst, wirst du ein Gefühl von Dankbarkeit bekommen und einen inneren Gewissensbiss fühlen, weil du Gott solange vernachlässigt und ignoriert hast. Wenn du nur in der Not betest, ist es nicht schlimm. Gott wird dich nicht missverstehen. Gott wird nicht denken, dass du ein Opportunist oder ein unaufrichtiger Bursche bist. Er wird denken, es sei weise von dir zu Ihm um Hilfe zu beten, wenn du dich in Not befindest.

Wenn du in Not bist und nicht zu Ihm kommst, dann bist du ein Narr. Du anerbietest Gott deine Torheit ein zweites Mal. Wenn du nicht regelmäßig zu Gott betest, so ist das deine erste Torheit, deine größte Torheit. Und wenn du nicht an Ihn denkst, zu Ihm betest, auf Ihn meditierst, wenn du dich in Gefahr oder in Schwierigkeiten befindest, dann hast du denselben Fehler ein zweites Mal begangen. Das erste Mal bist du unwissend, so wird dir Gott vergeben. Das zweite Mal bist du arrogant und Gott wird dir nicht so leicht vergeben. Gott wird dir nur vergeben, wenn du Ihm deine Unwissenheit anerbietest. Doch wenn du Ihm deine Unwissenheit weder am Anfang noch in der Mitte noch am Ende anerbietest, dann wird dir Gott nicht helfen oder deine Nächsten retten können.

Es ist nie zu spät zu Gott zu beten. Wenn du beginnst, dann ist das der richtige Augenblick für dich. Sobald du beginnst auf dem rechten Pfad zu gehen, ist es der richtige Augenblick für dich. Je früher du beginnst, desto früher wirst du das Ziel erreichen.

Die Botschaft göttlicher Freiheit

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der voller Liebe und voller Zuneigung zu seinen Schülern war. Er gebrauchte des öfteren seine okkulte und spirituelle Kraft, um ihnen auf jede mögliche Weise zu helfen. Sehr oft nahm er auch Krankheiten von den Schülern, die ihm nahe standen, auf sich selbst. Er wusste, dass seine Schüler sicher sein würden, wenn er die Strafe, die sie dem kosmischen Gesetz gemäß verdient hatten, auf sich nimmt. So nahm er die Strafe, die seinen Schülern gehörte, unzählige Male auf seinen eignen Körper.

Als der Meister eines Tages die Treppe hinunter ging, stürzte er und erlitt dabei einen Kniebruch. Man brachte ihn sofort ins Krankenhaus. Die Ärzte taten was in ihrer Macht stand, doch die Schmerzen des Meisters war kaum erträglich. Man gab dem Meister Chloroform und er musste operiert werden.

Es kamen viele Schüler ins Krankenhaus um den Meister zu besuchen, doch die Ärzte ließen sie nicht in das Zimmer des Meisters. Nur einer oder zwei ausgewählte Schüler erhielten die Erlaubnis, in seinen Raum zu gehen. Der Meister blieb lange Zeit bewusstlos.

Doch als für einen kurzen Zeitraum niemand im Raum des Meisters war, nicht einmal eine Krankenschwester, verschwand der Meister plötzlich. Die Ärzte und die Schüler hielten überall nach ihm Ausschau, doch der Meister war nirgendwo zu finden.

„Wohin kann er verschwunden sein? Der Meister war doch noch in Narkose und lag mit einem gebrochen Knie im Bett. Wie konnte er nur verschwinden?“ fragten sie sich gegenseitig. „Wir wissen es nicht“, war stets die Antwort.

Der Meister hatte seine okkulte Kraft gebraucht, um zu seinem eigenen Haus zurück zu kehren und als die Schüler, die im Krankenhaus gewesen waren, endlich dorthin zurückkehrten, waren sie erstaunt, den Meister auf seinem Bett zu finden, wo er zu einigen seiner Schüler sprach. Drei der Schüler, die im Krankenhaus gewesen waren, fragten den Meister: „Wie und warum hast du dies getan? Wenn du solche Fähigkeiten besitzt, warum hast du es dann zugelassen, dass du überhaupt dein Knie gebrochen hast? Warum hast du zugelassen, dass wir dich ins Krankenhaus gebracht haben? Und warum bist du auf diese okkulte Weise verschwunden?“

Der Meister sagte: „Zuerst habe ich ein Experiment mit meinem spirituellen Einssein gemacht. Dann habe ich ein Experiment mit meinem menschlichen Einssein gemacht und schließlich habe ich mich selbst mit meiner spirituellen Wirklichkeit vereinigt.“

Die Schüler konnten dies nicht verstehen und baten den Meister sich klarer auszudrücken.

Der Meister sagte: „Ich ließ es zu, dass ich mein Knie brach, weil ich sieben enge Schüler retten musste. Zwei oder drei von ihnen wären in der anderen Welt gelandet und der Rest hätte große Dummheiten gemacht und sie wären sofort auf das Niveau meiner Siebtklass-Schüler gefallen oder ich hätte sie bitten müssen, mein Centre sofort zu verlassen, wenn ich mein Knie nicht gebrochen hätte. Um sie zu schützen und zu retten, um gegen ihre Unwissenheit zu kämpfen, musste ich mein Knie brechen und all ihr Karma auf mich nehmen.

Es liegt im natürlichen Verlauf, dass man nach einem Knochenbruch zu einem Arzt geht. Ich habe sie durch mein spirituelles Einssein gerettet, indem ich ihre Strafe auf mich nahm. Und dann ließ ich es aufgrund meines Einsseins mit der Medizin, mit dem menschlichen Wissen zu, dass man mich zum Arzt brachte. Die Ärzte halfen mir gemäß ihrer eigenen Fähigkeiten. Ich beanspruche spirituelle Hilfe von innen her, um meinen Schülern zu helfen und nehme äußere Hilfe, medizinische Hilfe von außen, um mich selbst zu retten.

Sobald ich wusste, dass ich genug gelitten hatte und das Gesetz des Karmas vorüber war, gebrauchte ich meine spirituelle Kraft, meine spirituelle Fähigkeit, mein spirituelles Licht und meine spirituelle Wirklichkeit noch einmal. Wir beginnen mit spirituellem Einssein, dann gehen wir zum menschlichen Einssein, dann gehen wir zum Einssein zurück, wo nichts beeinträchtigt wird, wo alles Licht und Wonne ist und wo die Botschaft göttlicher Freiheit allgegenwärtig ist.“

„Gott“ verlässt den Ashram des Meisters

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der ein wirklicher Schwindler war. Wir sprechen heute viel über falsche spirituelle Meister, doch dieser falsche Meister übertraf sie alle. Kein spiritueller Meister war je so unerleuchtet, so unvollkommen und ungöttlich wie dieser. Er besaß auch nicht einen Hauch von Verwirklichung der Wahrheit, doch er besaß die Verwirklichung der Täuschung in unendlichem Maße.

Dieser Meister besaß einen kleinen Ashram am Fuße des Himalayas. Dort lebten zehn oder zwölf Schüler. Einer von ihnen war sehr schön. Vielleicht war er der schönste junge Mann auf Erden. Seine Schönheit war überwältigend. Der Meister konnte es nicht ertragen, diese Schönheit brach liegen zu lassen und fragte sich oft, wie er sie verwenden könnte.

Eines Tages schoss eine brillante Idee durch den Kopf des Meisters. Er dachte, er könne alle aufrichtigen und unaufrichtigen Sucher des Landes hinters Licht führen und viel Geld verdienen. So verkündete der Meister, er hätte die Fähigkeit, Gott einem jeden zu zeigen, unabhängig davon, wieviele Jahre, Monate oder Tage sich der betreffende im Yoga geübt habe. Er behauptete, er könne jedem Gottes Gesicht zeigen - unter der Bedingung natürlich, dass der Sucher eine große Summe Geld bezahlen würde. Er setzte die Summe auf 100 Rupien fest.

Jeden Abend zeigte der Meister „Gott“ jenen Suchern, die die Gebühr bezahlen konnten. Er tat dies auf folgende Weise: Er ließ seinen schönen Schüler in schönster Aufmachung hinter einer Leinwand in einem dunklen Raum stehen. Dann sang der Meister einige Male „AUM“ sowie „Brahma, Vishnu, Shiva“. Anschließend zündete der Meister ein schwaches Licht an und der Schüler kam hinter der Leinwand zum Vorschein. Dort im flackernden Kerzenlicht, umgeben von Blumen und brennenden Räucherstäbchen, sah man in etwas sechs Meter Entfernung ein Wesen, das so schön war, dass man nicht daran zweifeln konnte, dass es die lebendige Anwesenheit Gottes sei. Die unvorstellbare Schönheit des jungen Mannes überzeugte alle. Diese Täuschungen setzten sich über viele Monate hinweg so fort und der Meister häufte ein großes Vermögen an. Jeden Tag kamen zwanzig bis dreißig Personen, um “Gott“ von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Von jedem Besucher zog der Meister persönlich 100 Rupien ein. Der Meister gab den Schülern, die ihm halfen alles zu arrangieren ein klein wenig Geld, um sie still zu halten. Die Schüler waren im Glauben, dass ihr Meister wisse, was er tue und das wusste er tatsächlich.

„Der Meister weiß, was am besten ist“, sagten die Schüler immer. „Was kümmert es uns, wenn er die Leute täuscht? Sie sind alle Dummköpfe, wenn sie glauben, dass sie Gott sehen können, ohne ein spirituelles Leben zu praktizieren. Wir müssen unseren Glauben an unseren Meister aufrecht erhalten.“ Dies war ihre Schlussfolgerung.

Der Schüler, der sich als Gott hinstellte, erhielt natürlich etwas mehr Geld als die anderen Schüler. Die anderen Schüler halfen dem Meister, die richtige Atmosphäre aufzubauen, doch der schöne Schüler war natürlich unerlässlich.

Nachdem auf diese Weise fast zwei Jahre vergangen waren, rührte sich beim falschen „Gott“ das Gewissen. „Wie lange soll ich die Welt noch täuschen?“ fragte er sich. „Ich mache überhaupt keinen spirituellen Fortschritt oder auch nur äußeren Fortschritt., ich mache nur meinen Meister reich. Da mein spirituelles Leben ein Fehlschlag ist, will ich vom Meister ein wenig Geld holen und dann von hier weggehen.“

Am nächsten Tag ging er zum Meister und sagte: „Ich möchte die Welt nicht weiter täuschen. Bitte gib mir etwas Geld und lass mich gehen.“

Der Meister sage: „Geld? Warum sollte ich dir Geld geben? Du willst meine kleinen Ersparnisse wegnehmen und mich hier verhungern lassen. Du undankbare Kreatur! Nach all dem, was ich für dich getan habe! Nach all dem Geld, das ich dir gegeben habe!“

Der Schüler antwortete: „Und woher kam dieses Geld? Es kam von mir, von meiner Schönheit.“

„Nein, meine okkulte Kraft ist es, die die Leute bringt und durch meine okkulte Kraft sehen die Menschen in dir die Anwesenheit Gottes. Es hängt alles von meiner okkulten Kraft ab.“

Der Schüler glaubte dies nicht. „Gut“, sagte er, „Wenn es deine okkulte Kraft ist, die die Leute Gott in mir sehen lässt, dann gebrauche diese okkulte Kraft, um sie Gott in jemand anderem sehen zu lassen. Unterdessen werde ich durch die Dörfer und Städte gehen und mich allen zeigen, und dann werden sie sehen, wie sie durch dich getäuscht worden sind.“

Der Meister sagte: „Nein! Du musst von hier weggehen. Du musst sehr weit von hier weggehen!“

„Ich werde gehen“, sagte der Schüler. „Wenn du mir eine große Summe Geld gibst, werde ich friedlich und ruhig gehen. Wenn nicht, werde ich dich entlarven.“

„Nein! Du musst sofort weggehen!“

„Dann werde ich hier in der Gegend bleiben und den Leuten sagen, was du getan hast. Du bist ein Schwindler und ich war ein Dummkopf. Nun weiß ich es und ich werde es allen sagen. Wenn du mir nicht 2000 Rupien gibst, wirst du bald alles verlieren.“

„Drohe mir nicht“, sagte der Meister, „heute Nacht werde ich meine okkulte Kraft gebrauchen und veranlassen, dass du morgen früh meinen Ashram verlässt.“

Der Schüler lachte. „Gut, gebrauche deine okkulte Kraft. Wenn du mich nach drei Tagen nicht loswerden kannst, wirst du ruiniert sein.“

Der nächste Morgen kam und es geschah nichts. Der Meister konnte mit seiner okkulten Kraft nichts ausrichten. Widerstrebend sagte der Meister: „Ich bin bereit, dir 100 Rupien zu geben.“

„Nein“, sagte der Schüler. „Ich habe es mir besser überlegt. Du musst mir mindestens 4000 Rupien geben. Wenn du es nicht tust, werde ich die Welt über deinen Schwindel aufklären. Ich bin nicht Gott, Gott weiß, wie viele Inkarnationen ich noch brauchen werde, um Gott zu sehen, nun, da ich ein solcher Schuft geworden bin, indem ich mich zu dir gesellte. Ich habe meinen eigenen spirituellen Fortschritt verlangsamt, indem ich zu einem Schwindler wie dir kam.“

Der Meister wurde wieder wütend. „Nenne mich keinen Schwindler! Verlasse meinen Ashram! Verschwinde! Wenn du heute nicht gehst, werde ich heute Nacht meine gesamte okkulte Kraft gebrauchen, um dich zu zerstören.“

„Zerstöre mich“, sagte der Schüler unbeirrt.

Nichts geschah in dieser Nacht. Am folgenden Tag ging der Schüler zum Meister und sagte: „Meister, sei wenigstens einmal in deinem Leben aufrichtig. Du besitzt keine okkulte Kraft. Gib es zu. Gib zu, dass du nichts hast und dass du die Welt auf schlimmste Weise getäuscht hast. Gott wird dir vergeben. Davon bin ich überzeugt. Ich werde dir aber nicht vergeben. Ich habe meine Zeit vergeudet, indem ich sechs oder sieben Jahre bei dir geblieben bin. Gib mir nun bitte die 4000 Rupien und ich werde im Frieden weggehen, ohne irgendjemandem deinen Schwindel zu erzählen.“

Der Meister sage: „Ich kann machen, dass du diesen Ort sofort verlässt. Komm her, ich will dir etwas erzählen.“

„Du kannst mir nichts erzählen, das mich veranlassen würde, von hier wegzugehen. Wenn ich weggehen will, werde ich gehen, doch ich will zuerst das Geld von dir. Wenn du es mir nicht gibst, werde ich diesen Ort nicht verlassen.“

Doch der Meister bestand darauf. „Komm her, komm her, ich werde dir etwas sagen.“

Schließlich kam der Schüler und der Meister flüsterte ihm etwas ins Ohr.

Der Schüler wurde bleich und begann zu zittern. „Unmenschlich! Meine Mutter! Undenkbar! Unerträglich! Wie falsch deine Zunge ist! Ich kann dich nicht mehr sehen. Behalte dein Geld, du Schuft, du, du Gauner. Ich kann alles in dieser Welt ertrage, doch wie kann ein Sohn so schlechte Dinge über seine Mutter von einem spirituellen Meister ertragen? Du kamst in die Welt mit einer unerträglichen Natur, mit einem unerträglichen Charakter, mit einem unerträglichen Leben, doch von all deinen unerdenklichen, unerträglichen, ungöttlichen Eigenschaften ist die schlimmste deine Zunge. Ich verlasse dich. Ich verlasse dich für immer. Deine okkulte Kraft konnte mich nicht zerstören, doch deine böse Zunge hat mich buchstäblich zerstört. Meine Mutter, die Seele der Schönheit, die Seele der Reinheit, die Seele der Liebe, die Seele des Mitgefühls - Mutter von allen, ich komme zu dir zurück, meine Mutter, mein All.“

Mit diesen Worten verließ der Schüler den Ashram des Meisters und wurde in der Nachbarschaft nie mehr gesehen. Doch der Meister wurde in der Nachbarschaft sehr bald gesehen, ja man sah ihn in ganz Indien, gekleidet in modischer Sportbekleidung und mit teurem Schmuck. Er fuhr in einer Luxus-Jacht an der indischen Küste entlang und flitzte in einem speziell hergestellten Sportwagen durch das Land. Das Geld, das der Meister nicht unmittelbar in seien materiellen Besitztümern verschwendete, investierte er in eine gut gehende Stahlfabrik. Und so lebte er komfortabel bis ins hohe Alter, unterstützt von der Unwissenheit von Tausenden von müßigen, faulen und neugierigen Suchern, die bereit waren, alles für ihre Gottverwirklichung zu tun, außer dafür zu arbeiten.

Das Telefon segnet den Meister

Es gab einmal einen großen spirituellen Meister, der viele Schüler jeden Alters hatte. Leider hatten alle seine Schüler Probleme und der Meister verbrachte viel Zeit damit, am Telefon zu sprechen. Dieser Meister schlief nicht sehr viel. In den frühen Morgenstunden, wenn alle seine Schüler zu Hause im Bett waren, meditierte er auf sie und auf das Erdbewusstsein.

Eines Tages läutete das Telefon des Meisters um Mitternacht. Er nahm das Telefonhörer ab und hörte eine ältere Frau sagen: „Maria, Maria, Maria, wie viele Male habe ich dir gesagt, du sollst diesen Kerl nicht heiraten.“ Dann hängte sie auf.

Der Meister wusste, dass es eine falsche Nummer war, doch es tat ihm leid, dass die Tochter dieser Frau eine schlechte Ehe eingegangen war.. So bat der spirituelle Meister: „O Mutter des Heilands, nimm dich deiner Namens­vetterin an und schütze deinen geheiligten Namen.“

Um drei Uhr morgens läutete das Telefon des Meisters wieder. Diesmal war ein Herr im reiferen Alter an der Leitung: „Warum stirbst du nicht in diesem Augenblick, damit ich meine Kinder zurück erhalten kann?“ schrie er dem Meister zu. Warum hast du keine eigenen Kinder und spielst mit ihnen? Warum musst du mit meinen Kindern spielen?“ Dann hängte er auf.

Der Meister gebrauchte seine okkulte Kraft, um herauszufinden, wer dieser Man war und am nächsten Tag sagte er den Kindern dieses Mannes, dass sie zu ihrem Vater zurückkehren sollten

Die Kinder sagten zu Meister: „Meister, wir sollen zu unseren Eltern zurück gehen, obwohl wir nichts Falsches getan haben? Unsere Eltern haben dich beschimpft. Doch wir werden die Liebe und das Mitgefühl, das du uns bei so vielen Gelegenheiten gezeigt hast, nicht vergessen.“

Diese Nacht erhielt der Meister einen weiteren Telefonanruf. Ein junges Mädchen sagte ihm: „Hat Gott dir gesagt, du hättest Ihn verwirklicht oder hat es dir deine eigene Einbildung gesagt?“

Der Meister sagte dem Mädchen: „Gott sagte es mir nicht von Sich aus, doch ich zwang Ihn dazu, mir zu sagen, dass ich Ihn verwirklicht habe und dass es nicht meine Einbildung ist. Es ist meine Erklärung aus dem Mund Gottes, dass ich Gott verwirklicht habe.“

Um fünf Uhr Morgens läutete das Telefon noch einmal. Eine junge Männerstimme sagte: „Warum glaubst du, du seiest Gott? Bist du nicht ganz bei Trost?“

Der Meister gebrauchte seine okkulte Kraft und sah, das der junge Mann ein Hippie und ein Drogenabhängiger war. Dann antwortete er: „Ich bin völlig bei Sinnen. Ich betrachte mich selbst nicht als Gott, ich betrachte mich selbst als Gottes Löwe und als Gottes Hund. Wenn ich vor jemandem wie dir stehe, fühle ich, dass ich Gottes brüllender Löwe bin. Wenn ich vor einem meiner ergebenen Schüler stehe, fühle ich, dass ich Gottes treuer Hund bin.“

Um sechs Uhr erhielt der Meister einen weiteren Anruf. Diesmal kam er von einem jungen, arroganten Schüler, der zu seinem Meister sagte: „Was für ein Recht hast du, etwas über meine Ehe zu sagen? Meine Frau und ich heirateten lange bevor wir auf deinen Pfad kamen. Du hast kein Recht eine glückliche Ehe scheitern zu lassen.“

Der Meister antwortete: „Einverstanden, ich habe kein Recht eine glückliche Ehe scheitern zu lassen, doch ich habe jedes Recht, eure lieblose, herzlose, unheilvolle, verhängnisvolle Ehe zerbrechen zu lassen, denn das wollen eure Seelen und das will Gott.“ Dann legte er den Telefonhörer auf.

Das Telefon störte ihn ein weiteres Mal um sieben Uhr morgens. Ein junges Mädchen sagte zu ihm: „Meister, bitte tue mir einen Gefallen. Ich möchte so gerne Roger heiraten. Ich brauche ihn verzweifelt. Bitte sag ihm, dass er mich heiraten soll.“

Der Meister sagte: „Hast du Roger gefragt, ob auch er dich verzweifelt braucht?“

„Ich fragte ihn“, sagte das junge Mädchen, „Doch er sagte, dass er nur dich verzweifelt braucht, nicht mich. Was soll ich nur tun?“

„Mein Kind, bitte komm zu Sinnen“, sagte der Meister, „Da er mich verzweifelt braucht und auch ich ihn verzweifelt brauche, erlaube ihm bitte, mich zu haben. Weil wir einander wollen, verdienen wir es, einander zu erhalten. Und wenn du ihm gefallen willst, dann versuche, mir zu gefallen. Denn das wird ihm am meisten gefallen.“

Um acht Uhr läutete das Telefon wieder. Eine ältere Frau sagte zum Meister: “Wie kannst du es wagen meine Tochter zu bitten, einen Juden zu heiraten! Wir sind alle strenggläubige Katholiken. Du wirfst meine Tochter vor die Hunde. Es ist, wie wenn du von mir verlangen würdest, dir ein Stück Fleisch aus meiner Brust zu schneiden. Du bist der Shylock des zwanzigsten Jahrhunderts!“

Der Meister antwortete: „Richtig, ich bin der Shylock des zwanzigsten Jahrhunderts, doch wo ist die Portia des zwanzigsten Jahrhunderts, um dich zu retten?“

Um neun Uhr erhielt der Meister einen weiteren Anruf. Ein älterer Mann sagte: „Du unsagbarer, unglaublicher Tyrann! Wie kannst du es wagen meinen Sohn zu bitten, ein Christen-Mädchen zu heiraten? Ich kann dir sagen, selbst dein Jesus Christus würde eine solche Verbindung ablehnen. Stoppe diese Heirat um meinetwillen und um Christus Willen. Wenn du es nicht tust, wirst du zweifellos in die Hölle kommen!“

Der Meister antwortete: „Es freut mich zu hören, dass du bereit bist, mich in die Hölle zu senden. Ich möchte sofort dorthin gehen, denn der Ort, an dem ich gegenwärtig lebe, ist unendlich viel schlimmer als die Hölle!“

Um zehn Uhr läutete das Telefon des Meisters wieder. Diesmal antwortete der Meister nicht. Als das Läuten aufhörte rief er sofort die Telefongesellschaft an und bat darum, das Telefon aus seinem Haus zu entfernen.

Der Schriftsteller-Sucher

Es gab einmal einen Sucher, der eine gewisse Aufrichtigkeit besaß. Dieser Sucher war auch ein Schriftsteller, der schon viele Bücher geschrieben hatte. Von seinen wichtigsten Büchern handelte das erste über Tiere, das zweite über Menschen, das dritte über ihn selbst und das vierte über Gott. Tiere, Menschen, er selbst und Gott - dies waren die Themen seiner vier bedeutendsten Bücher.

Er sage sich: „Nun, da ich diese Bücher geschrieben habe, will ich sie den Mächtigsten unter den Tieren, den Höchsten unter dem Menschen, dem Besten meiner selbst und Gott vorlesen.“

So machte er sich auf in den Wald und kletterte auf einen hohen Baum. Nachdem er sich dort bequem niedergelassen hatte, begann er den Teil seines Tierbuches vorzulesen, der über den Löwen handelte. „Löwe, du bist der König der Tiere. Du bist am mächtigsten und zugleich am schönsten. Du bist immer majestätisch. Du tötest andere Tiere nicht, außer wenn du hungrig bist.“ Sein Buch pries die vielen guten Eigenschaften des Löwen, für den er große Bewunderung verspürte. Zu seinem großen Schrecken begann in der Nähe ein Löwe zu brüllen.

Der Schriftsteller rief: „Schau dieses undankbare Tier an. Ich lobe es in den höchsten Tönen, doch statt zufrieden und dankbar zu sein, will es mich töten.“

Der Schriftsteller-Sucher war enttäuscht und unzufrieden mit dem so undankbaren Tier. Er verharrte bewegungslos im Baum bis der Löwe nach einer vollen Stunde wegging. Als er sicher war, dass der Löwe ihn verlassen hatte, kletterte er hinunter und ging weg, indem er murmelte: „So ein völlig undankbares Tier!“

Als er sich davon wieder etwas erholt hatte, sagte er sich: „Wer ist der Höchste unter den Menschen? Der König.“ So machte er sich auf und ging zum Palast des Königs. Er sagte: „O König, ich möchte dir etwas vorlesen. Ich habe vieles über Menschen geschrieben, doch ich weiß, das du der Höchste bist, dass du der Größte unter den Menschen bist. Deshalb möchte ich dir nun vorlesen, was ich über dich geschrieben habe.“

Der König nickte im Einverständnis und der Schriftsteller begann in seinem Buch zu lesen. „Du bist der Mächtigste und hast alle anderen Könige besiegt. Wir sind sehr stolz auf dich. Dich zu sehen heißt das Gesicht Gottes zu sehen. Weil du unter den Menschen der Höchste bist, stellst du Gott auf Erden dar.“ Er fuhr fort aus seinem Buch vorzulesen und schmeichelte dem König mehrere Minuten lang.

Nachdem der König angehört hatte, was der Schriftsteller geschrieben hatte, sagte er kurz: „Danke schön.“

Der Schriftsteller ärgerte sich und war erbost. Er sagte zu sich selbst: „Ich habe ihm in meinen Schriften so viel Lob, Bewunderung und Verehrung ausgesprochen und er sagt einfach ‘danke schön’. Welch ein undankbarer König!“ Er wagte dies jedoch nicht laut zu sagen. Er sagte nur zu sich selbst: „Was für ein undankbarer Mensch!“

Als er nach Hause kam, sage er sich: „In mir ist die Seele mein größter Besitz. Deshalb möchte ich nun zu meiner Seele sprechen.“ Er begann seiner Seele vorzulesen: „O Seele, du bist das Reinste, du bist das Beste in mir. Du bist am schönsten. Ohne dich würde ich nicht existieren. Du bist unerlässlich. Dich brauche ich stets, nicht den Körper.“

Die Seele schenkte ihm ein breites Lächeln.

Einmal mehr war der Schriftsteller aufgebracht. Fünfzehn Minuten habe ich dich gelobt, bewundert und gesagt, du seiest bei weitem das beste Mitglied in meiner Familie, und du lächelst mir nur zu. Er wurde noch wütender und sagte: „Die Seele ist nutzlos. Sie hat keine Ahnung, wie man ein Lob entgegen nimmt und Dankbarkeit anerbietet.“

Der Schriftsteller-Sucher ging anschließend zu Gott, stellte sich vor Ihn und sagte: „O Gott, du bist so freundlich. Betrachte nur Deine weite Schöpfung. Du bist reines Mitgefühl. Nur weil Du auf der Erde existierst, sind wir alle auf der Erde. Überall herrscht Dein erhabenes Mitgefühl.“

Gott sage einfach: „Gut.“

„O Gott! So lange habe ich Dich gepriesen, und Du sagst einfach, es sei gut. Was bist du für ein undankbarer Gott. Du hättest mich segnen und etwas Nettes über mich sagen sollen. Ich habe Dich gepriesen, ich habe Dich gelobt, ich habe dich bewundert, ich habe Dich verehrt, doch du bist wie ein weiterer undankbarer Mensch auf der Erde.“

Verwirrt und enttäuscht sage sich der Schriftsteller: „Da die Höchsten und Überlegenen so undankbar sind, will ich zu Einfacheren gehen, die den anderen ein bisschen unterlegen sind. Ich werde Überlegene etwas über Anerkennung lehren, indem ich zu jenen gehe, die unter ihnen stehen.“

So ging er noch einmal in den Wald. Er sagte sich: „Dem Löwen am nächsten kommt der Tiger.“ Er kletterte auf einen hohen Baum und sobald er es sich dort bequem gemacht hatte, begann er den Tiger zu loben: „O Tiger, du besitzt solch große Stärke. Meiner Meinung nach bist du zu bescheiden. Du kannst den Löwen leicht besiegen. Wenn ich dich betrachte, erhalte ich große Freude, denn dein Gesicht zeigt solide Stärke. Der Löwe hat keine Stärke verglichen mit dir. Der Löwe kann nur brüllen.“ Auf diese Weise spottete er über den Löwen. Der Tiger hörte dies und war sehr glücklich. Er erhielt soviel Lob, während der Löwe nur Kritik erhielt. Der Tiger begann herumzuschweifen und fühlte sich stolz und glücklich. Er bewegte sich hierhin und dahin und sah plötzlich einen Ring. Er nahm ihn in seinen Mund und entdeckte das er etwas Ungenießbares war. Er wusste natürlich nicht, dass es ein goldener Ring war oder auch nur, was Gold war. Alles was er wusste, war, dass man den Ring nicht essen konnte. So ließ er den Ring auf den Boden fallen und lief in den Wald hinein. Zufällig ließ er ihn unter dem Baum fallen, auf dem der Schriftsteller saß. Als der Tiger gegangen war, kam der Schriftsteller vorsichtig herab und sah den goldenen Ring. Voller Freude rief er aus: „Schau nur die Anerkennung dieses Tieres. Der Tiger hat meinem Lob zugehört und mir diesen wunderschönen Ring gegeben. Ich kann ihn für Hunderte von Rupien verkaufen. Endlich habe ich ein dankbares Wesen gefunden.“

Als nächstes ging er zum Minister im Palast des Königs, denn der Minister steht dem König in Wichtigkeit am nächsten. Der Schriftsteller begann den Minister hoch zu loben. Er sagte: „Weißt du, bald wirst du zum König werden, doch du bist bereits jetzt der größte Mensch auf der Erde. Du hast so viele Dinge für den König getan, doch der König beansprucht den ganzen Ruhm für sich. Du hast so hart gearbeitet, doch weil er über dir steht, beansprucht der König allen Ruhm. Eigentlich verdienst du das alles.“ Der Schriftsteller schenkte dem Minister solch große Anerkennung und Bewunderung.

Der Minister fühlte sich tief geschmeichelt. Er schaute umher, um sich zu vergewissern, dass der König nicht anwesend war und überreichte dem Schriftsteller dann tausend Rupien. Der Schriftsteller war entzückt und sagte zu sich selbst voller Freude: „Schau nur, die obersten Leute sind so undankbar, während jene, die ihnen nur ein wenig unterlegen sind, so dankbar sind.“

Nachdem er nach Hause gekommen war, sage er sich: „Nach meiner Seele kommt mein Herz“, und er begann zu seinem Herzen zu sprechen: „O mein Herz, du bist so nett, du bist so freundlich, du fühlst immer mit anderen mit. Wir sprechen so viel über die Seele, doch wo ist die Seele? Dich kann jedermann auf der Erde sehen und fühlen. Ärzte können dich sehen und dich fühlen. Wenn wir atmen, können wir dein Schlagen fühlen. All dies geschieht in dir. Du bis so nett, zuneigungsvoll und mitleidsvoll. Ohne dich können wir nicht existieren. Wenn dir etwas zustößt, wenn du aufhörst zu schlagen, sterben wir. Du allein bist in meinem Leben unersetzlich.“

Zu seiner Bestürzung begann das Herz zu weinen.

Erstaunt fragte der Schriftsteller: „Weshalb weinst du?“

Das Herz sagte: „Ich weine, weil du ein Narr bist. Ich bin nicht unersetzlich. Du musst der Seele die ihr gebührende Wichtigkeit beimessen. Du musst wissen, dass die Seele unendlich viel schöner ist als ich. Die Seele hat einen göttlichen Kern, ein göttliches Licht. Deine Dummheit tut mir leid. Du lobst die falsche Person. Die Seele verdient diese Art von Lob und Bewunderung, nicht ich!“

Der Schriftsteller sagte: „Schau nur, wie nett das Herz ist. Ich lobe es über alle Maßen und es macht die Seele für alles verantwortlich, die Seele, die sich so unverschämt benahm.“

Er war tief gerührt und schätzte den Edelmut und die Großzügigkeit des Herzens zutiefst.

Als nächstes ging er zu einem der niederen kosmischen Götter. Er stellte sich vor ihn und sagte: „Ach, wer kümmert sich um Gott? Wir gehen zu Ihm, wir schätzen und bewundern Ihn, wir loben Ihn und er sagt nur: ‘Gut’. Was ich gesagt habe, ist alles falsch. Es scheint mir, dass Gott alt geworden ist und nicht mehr vernünftig sprechen kann. Er weiß nicht einmal , wie man einen gewöhnlichen Menschen würdigt. Gott tut nichts gut. O niederer Gott, deine Schönheit übertrifft Gottes Schönheit und du bist viel weiser als Gott. In ein paar Jahren wirst du Gott transzendieren und Ihn ersetzen und du wirst die gegenwärtige Schöpfung viel besser regieren können als Gott.“

Während der Schriftsteller den kosmischen Gott in alle Himmel lobte, lege er ihm eine Blume zu Füßen. „Ich habe keine Blume zu Gottes Füßen gelegt. Doch du verdienst mein Lob, meine Bewunderung und Verehrung wahrhaftig. Deshalb anerbiete ich dir eine Blume.“

Der kosmische Gott sage: „Du Narr, verdiene ich so etwas? Er ist der Herr, Er ist der Supreme.“ Dann nahm der kosmische Gott die Blume, legte sie zu Füßen Gottes und verbeugte sich vor dem allmächtigen Gott, dem Supreme.

Der Schriftsteller war zutiefst beeindruckt und sagte zu sich selbst: „Schau nur den Edelmut des kosmischen Gottes. Alle meine Wertschätzungen und Verehrung hätte er leicht für sich beanspruchen können. Er hätte leicht sagen können: ‘Es freut mich, dass du meine Fähigkeit erkannt hast.’ Doch nein! Er anerbot alle Wertschätzung, Bewunderung und Verehrung, die ich ihm anerboten hatte, zu Füßen Gottes, dem Supreme. Die Leute glauben, er sei Gott unterlegen, doch schaut nur die Größe seines Herzens. Für mich ist er derjenige, der wirklich überlegen ist.

Ich bin nun zur Erkenntnis gelangt, dass alle Unterlegenen ihren so genannten Überlegenen weit voraus sind. In jedem Fall habe ich den Beweis bekommen. Der Tiger zeigte Dankbarkeit, der Minister zeigte seine Wertschätzung mit Geld, das Herz zeigte seine Aufrichtigkeit und seinen Edelmut und der kosmische Gott anerbot all meine Verehrung dem höchsten Gott. Dies beweist, dass jene, die groß sind, nicht wirklich groß sind und jene, die nicht groß sind, eigentlich wirklich groß sind.“

Der Schriftsteller-Sucher ging mit seiner Entdeckung äußerst zufrieden nach Hause. Nachdem er in dieser Nacht eingeschlafen war, sah er plötzlich einen wunderschönen Menschen vor sich stehen. Das Wesen schien ein Heiliger zu sein. Der Sucher fragte: „Was willst du von mir?“

Der Heilige antwortete ihm: „Ich bin nur gekommen, um dich zu besuchen.“

Der Sucher sagte: „Heute bin ich schrecklich enttäuscht worden. Ich habe immer gedacht, dass die Vorgesetzten in jeder Art und Weise überlegen seien. Doch jetzt sehe ich, dass die Untergebenen eigentlich ihren Vorgesetzten überlegen sind.“

Der Heilige sagte: „Sag mir doch, wie werden die Überlegenen unterlegen und die Unterlegenen überlegen?“ So erzählte der Schriftsteller die ganze Geschichte.

Der Heilige sagte: „Leider hast du Unrecht. Du bist ein Narr!“

„Was sagst du, ich sei ein Narr? Warum glaubst du, ich sei ein Narr?“

Der Heilige sagte: „Als der Löwe brüllte, war es nicht aus dem Grund, weil er dich verschlingen wollte. Im Gegenteil, er brüllte mit großer Freude und Inspiration. Der Löwe fühlte, dass ihn dein Lob stärker gemacht hatte. Dein Lob hatte dem Löwen soviel Energie geschenkt, dass er seinen Mut und seine Stärke zeigen wollte. Deshalb zeigte er dir durch sein donnergleiches Gebrüll seine eigene Dankbarkeit. Er sagte zugleich den anderen Tieren: ‘Schaut, hier werde ich sogar von Menschen hoch geschätzt.’ Er schenkte dir also seine Dankbarkeit, doch du hast ihn falsch verstanden.“

Der Heilige fuhr fort: „Du hast einige Dinge über den König geschrieben und ihn in den Himmel gelobt. Im Anschluss an deine Lobeshymne sagte der König ‘danke’. Doch du musst verstehen, dass sich der König nicht um ein solches Lob kümmert. Jeden Tag erhält er die Anerkennung und Bewunderung von Menschen, die viel wichtiger sind als du. Du bist nur ein gewöhnlicher Mensch, doch der König gab dir die Erlaubnis, zu seinem Palast zu kommen, er hörte dir zu und sagte freundlich danke. Du musst dir vor Augen halten, dass er ein großer Mann ist und viele, viele Dinge tun muss. Könige sagen gewöhnlich nicht einmal danke. Sie nicken nur mit dem Kopf. Doch dein generöser König hat dir seine wertvolle Zeit geschenkt und zudem danke gesagt. Was kannst du von einem großen König mehr erwarten? Ein ‘Danke’ von einem König zu erhalten, ist wirklich etwas.

Nach einer Pause sagte der Heilige: „Kommen wir nun zur Seele. Als du der Seele dein Lob vorgelesen hast, lächelte dir die Seele mit größter Schönheit und Göttlichkeit zu. Ein Lächeln von der Seele zu erhalten ist nichts Alltägliches, denn schließlich repräsentiert die Seele Gott hier auf Erden. Als deine Seele dir ein gutmütiges Lächeln schenkte, anerbot sie dir ihre eigene Göttlichkeit. So hast du die Göttlichkeit deiner Seele in der Form eines Lächelns gesehen und erhalten. Nun sagst du, die Seele hätte dich nicht gewürdigt oder hätte dir nichts gegeben. Du Narr!“

Einmal mehr schwieg der Heilige und fuhr dann fort: „Kommen wir nun zu Gott. Du hast Gott gelobt, bewundert und verehrt und Gott sagte zu dir: ‚Gut‘. Wenn Gott dir ‘gut’ sagte, bedeutet das, dass alles vollkommen ist was du gesagt hast. Wir Menschen sagen normalerweise alles falsch. Wir schreiben alles falsch, wir tun alles falsch. Die Tatsache dass Gott dir gesagt hat, was du geschrieben hast sei gut, bedeutet, dass Gott all deine Schriften gänzlich anerkannt hat. Es bedeutet, dass alles was du geschrieben hast korrekt und völlig richtig ist. Du Narr, Gott hat dich viel mehr gewürdigt als du eigentlich verdient hast. Wenn Gott mir sagen würde, dass etwas was ich gesagt oder getan habe gut gewesen sei, wäre ich unheimlich stolz und zutiefst erfreut. Wir sind alles unwissende Menschen. Etwas richtig zu tun und von Gott zu hören, dass es richtig ist, ist für uns der Höhepunkt der Ehre. Was mehr brauchen wir, was mehr können wir verdienen?

Er fuhr fort: „Die Überlegenen sind immer überlegen und werden es bleiben. Doch wir sind nicht fähig, sie zu verstehen. Wenn wir nichts verstehen, gehen wir zu jenen, die weniger hoch stehen und versuchen, zwischen den beiden Probleme zu stiften. Wenn wir jedoch aufrichtig sind, wenn wir ernsthaft sind, werden wir zur Einsicht gelangen, dass die Überlegenen immer überlegen sind. Und sie werden auch ihre Wertschätzung in einer anderen Art zeigen als jene, die unter ihnen stehen. Wenn wir uns unter normale Menschen mischen, verstehen wir ihre Wertschätzung vollkommen, denn wir stehen auf derselben Stufe. Wenn wir uns jedoch unter wirklich Überlegene begeben, verstehen wir ihre Art der Wertschätzung nicht.

Mein Ashram ist eine Miniaturwelt

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der Hunderte von Schülern hatte, doch leider war er mit den meisten, wenn nicht mit allen Schülern unzufrieden. Er hatte zwanzig Jahre mit ihnen verbracht, doch sie hatten keinen zufriedenstellenden Fortschritt gemacht. Er hatte ihnen Ratschläge gegeben, er hatte ihnen über die Wichtigkeit der frühen Morgenmeditation erzählt, er hatte ihnen wiederholt die Notwendigkeit vor Augen gehalten, ein reines selbstdiszipliniertes Leben zu führen. Er hatte Hunderte von Fragen von seinen Schülern beantwortet und ihnen auf ihre inneren Fragen endloses Licht anerboten. Trotzdem hatten sie praktisch keinen Fortschritt gemacht. Er war über alle Maßen enttäuscht.

Schließlich entschied sich der Meister, seinen Ashram zu verlassen. Er sage zu sich selbst: „Ich habe Hunderte und Tausende von Malen gesprochen, doch es hat alles nichts genützt. Von nun an werde ich ein Gelübde der Stille ablegen und weil ich so fett, so unerträglich fett bin, werde ich etwas Gewicht verlieren. Ich werde kein Wort sprechen und nichts essen.

So verließ der Meister seinen Ashram in den frühen Morgenstunden als seine Schüler noch tief und fest schliefen. Er ging weit, sehr weit. Nachdem er etwa fünfzehn Stunden unterwegs war, kam er zu einem Dorf. Unmittelbar am Rande des Dorfes sah er ein grünes Feld. Er setzte sich in eine Ecke des Feldes und begann zu meditieren. Er sagte sich: „Hier werde ich zu niemandem sprechen müssen. Ich werde meditieren und göttlichen Nektar trinken. Ich habe so hart für die Menschheit gearbeitet, doch die Menschheit ist weder für meine Hilfe noch für meinen Dienst bereit.“

Der Meister trat in eine tiefe Meditation ein. Nach ungefähr drei Stunden kam zufällig ein Dorfbewohner vorbei. Er sah einen spirituellen Menschen, der mit offenen Augen meditierte und einen unbekannten Punkt fixierte. Der Dorfbewohner fühlte, dass dies ein Yogi in tiefer Trance sei. Er war außer sich vor Freude, einen spirituellen Menschen zu sehen, denn er hatte seit vier Jahren nach einem spirituellen Meister gesucht.

Der Dorfbewohner verbeugte sich vor dem Meister und bat ihn: „Bitte, bitte segne mich und initiiere mich, ich möchte dein Schüler werden.“ Der Meister bleib still. Der Dorfbewohner fuhr fort zu bitten und zu bitten, doch der Yogi, tief in seiner eigenen Meditation versunken, ignorierte ihn.

Der Dorfbewohner war durch die Meditation des Yogi so gerührt und dachte: „Das ist für mich der geeignete Augenblick, ebenfalls zu meditieren. Ich werde mich neben diesen Yogi setzten und meditieren.“ Doch leider erhielt er keine Inspiration. Er konnte überhaupt nicht meditieren. So sagte er zu sich selbst: „Nun, ich bin kein Yogi. Ich bin nicht einmal ein Anfänger. Ich brauche Reinheit. Mein Verstand erfreut sich niederer vitaler Gedanken, unreiner Gedanken. Das beste wird sein, wenn ich nach Hause gehe und einige Blumen hole, die ich vor mich hinlegen kann, damit sie mich inspirieren. Dann werde ich wieder neben dem Yogi meditieren.“

Der Dorfbewohner ging nach Hause und pflückte einige wunderschöne Blumen. Dann kam er zurück, setzte sich neben den Yogi, legte die Blumen vor sich hin und begann zu meditieren. Innerhalb von fünf Minuten bemerkte er, dass er in seinem Verstand eine gewisse Reinheit erworben hatte. Er war höchst erfreut, dass er Reinheit erhalten hatte. Doch dann trat der Stolz in ihn ein. Er begann zu denken: „Ich bin so rein, niemand ist so rein wie ich.“ Und dann konnte er überhaupt nicht mehr meditieren.

So sage sich der Dorfbewohner: „Wenn ich weiter meditieren will, brauche ich Demut. Wie kann ich demütig sein. Ich werde vor meinem Haus einige Gräser sammeln und auf sie meditieren. Ein Grashalm ist das Symbol der Demut. Jeder trampelt auf diesem zarten Gras herum, doch das Gras beklagt sich nie.“

Der Dorfbewohner ging zu seinem Haus, pflückte ein paar Grashalme, brachte sie zurück und legte sie vor sich hin. Dann begann er wieder mit dem Yogi zu meditieren. Nach einer Weile fühlte er, dass er Demut entwickelt hatte. Er war überglücklich, dass er ein wenig Demut erhalten hatte und meditierte eine gewisse Zeit lang. Dann sagte der Dorfbewohner zu sich: „Reinheit habe ich, Demut habe ich, doch Reinheit und Demut reichen nicht aus, um mir intensive Strebsamkeit zu schenken. Ohne intensive Strebsamkeit werde ich im spirituellen Leben keinen zufriedenstellenden Fortschritt machen. Was kann mir dabei helfen, mein inneres Streben aufrecht zu erhalten? Ich werde Kerzen und Räucherstäbchen anzünden. Die Flamme der Kerze und der Duft der Räucherstäbchen werden mein inneres Streben vergrößern.“

So ging der Dorfbewohner wieder nach Hause und holte Kerzen und Räucherstäbchen. Er stellte sie vor sich hin, zündete sie an und begann zu meditieren. Dadurch vergrößerte sich sein inneres Streben und er war sehr glücklich. Doch er konnte sein inneres Streben nicht aufrecht erhalten und nach etwa einer halben Stunde Meditation wurde er müde.

Nachdem seine eigene Meditation vorüber war, betrachtete der Dorfbewohner den Yogi. Der Yogi war immer noch still wie zuvor, tief in Trance. Der Dorfbewohner dachte: „Gott alleine weiß, wann dieser Yogi seine Meditation hier begonnen hat. Doch ich habe ihn bereits seit über zwei Stunden hier gesehen und er hat die ganze Zeit nichts gegessen. Ich werde nach Hause gehen und ihm etwas bringen.“

Er ging nach Hause und kam mit Früchten und Milch für den Yogi zurück. Er bat ihn zu essen und zu trinken, doch der Yogi antwortete nicht. Er setzte einfach seine Meditation fort.

„Was soll ich tun,“ fragte sich der Dorfbewohner. „Dieser Yogi ist unweigerlich mein Guru. Ich werde niemand anderen als meinen Guru annehmen als diesen Yogi. Noch nie habe ich jemanden so seelenvoll und so kräftig für einen so langen Zeitraum meditieren sehen. Wenn er aus seiner Meditation herauskommt, werde ich ihn bitten, mich als seinen Schüler anzunehmen. Ich bin sicher, dass er mich annehmen wird. Ich muss nur warten.“

Plötzlich kam ihm ein neuer Gedanke. „Ich habe gehört, dass Räuber hierher kommen, um ihre Beute zu teile. Wenn die Räuber kommen während ich nicht da bin, dann belästigen sie vielleicht diesen unschuldigen Mann und fügen ihm möglicherweise irgendein Leid zu. Was soll ich nur machen? Ich weiß, ich werde meinen Hund hierher bringen. Wenn irgendetwas geschieht, wird der Hund bellen und ich werde sofort kommen, um dem Yogi zu Hilfe eilen zu können.“

Der Dorfbewohner ging wieder nach Hause und brachte seinen treuen Hund, damit er neben dem Yogi wachen sollte. Dann ging er weg. Doch der Hund war seinem eigen Herrn so treu, dass er nach einigen Minuten zum Haus zurück rannte. Der Dorfbewohner musste ihn zum Yogi zurück jagen. Dies geschah mehrmals. Der Hund blieb jeweils einige Minuten neben dem Yogi sitzen und rannte dann nach einer gewissen Zeit wieder nach Hause zurück.

Nach weiteren zwei Stunden brachte der Dorfbewohner dem Yogi ein köstliches Mahl. Der Yogi hatte an diesem Tag überhaupt noch nichts gegessen, doch er aß nichts. Der Nachmittag neigte sich langsam seinem Ende zu. Der Dorfbewohner sagte zu sich selbst: „Ich will gehen und meine Kuh hierher bringen, damit sie hier grasen kann. Da der Yogi hier ist, bin ich sicher, dass niemand meine Kuh wegnehmen wird. Wenn die Kuh von hier weggeht, kann der Yogi sie mit seiner okkulten Kraft zurückbringen. Ich bin sicher, dass er mir diesen Gefallen erweisen wird, da ich ihn doch versuchte, ihn auf jede mögliche Weise zufrieden zu stellen. Und sollte jemand versuchen die Kuh gewaltsam wegzunehmen, dann wird mein Hund bellen und ich werde selbst kommen.“

Der Dorfbewohner brachte seine Kuh und ließ sie vor dem Yogi grasen, der immer noch in tiefer Trance war. Dann ging er weg um seiner Arbeit nachzugehen und entschied sich zurück zu kommen bevor die Sonne untergehen würde. Als der Dorfbewohner fort ging, folgte ihm sein Hund.

Während nun der Dorfbewohner zu Hause arbeitete, kam ein junger Mann vorbei und sah die Kuh neben dem Yogi grasen. Er war gekommen um eine Kuh zu kaufen und war nun in der Annahme, dass der Mann, der dort meditierte, der Eigentümer der Kuh sei. Er sagte zum Yogi: „Genug nun, pass auf deine Kuh auf. Hör auf zu meditieren und tue zuerst deine Pflicht. Bist du bereit mir diese Kuh zu verkaufen? Wie viel willst du für sie?“

Der Yogi schwieg gemäß seinem Gelübde. „Hör auf!“ sagte der junge Mann, „unterbrich dein Schweigen oder ich nehme deine Kuh weg. Diese Kuh ist nicht einmal vierzig Rupien wert, doch ich werde dir einhundert Rupien geben, weil ich dringend eine Kuh brauche.“ Da warf er dem Yogi einen Hundert-Rupien-Schein zu und führte die Kuh weg. Der Yogi legte das Geld unter sein Bein.

Bald darauf kehrte der Dorfbewohner zurück. Er verbeugte sich vor dem Yogi und sagte zu ihm: „Du meditierst immer noch. Du hast nichts gegessen, du hast weder von dem Essen noch von der Milch zu dir genommen.“ Dann schaute er sich um und stellte zu seinem großen Erstaunen fest, dass die Kuh nicht mehr da war. “Wo könnte meine Kuh hingegangen sein?“ wunderte er sich. Er suchte überall nach der Kuh, doch die Kuh blieb verschwunden. Er fragte den Yogi, wo die Kuh sei, doch der Yogi blieb still.

Da wurde der Dorfbewohner wütend. “Du bist wirklich undankbar,“ sagte er zum Yogi, „Den ganzen Tag habe ich dir gegenüber soviel Ergebenheit gezeigt. Ich habe dir Essen gebracht, ich habe dir soviel Aufmerksamkeit gewidmet und du konntest nicht auf meine Kuh aufpassen. Du bist ein undankbarer Mensch!“

Dann schlug er auf den Yogi ein. Der Yogi bewegte sich weder, noch brach er sein Schweigen. Er verharrte in tiefer Meditation. So sagte sich der Dorfbewohner: „Diese Strafe ist nicht genug. Ich habe in der Nähe meines Hauses einen Skorpion gesehen. Ich werde den Skorpion in einer Schachtel hierher bringen und ihn auf dich werfen.

Wenn der Skorpion dich beißt, dann wird deine Meditation ein Ende finden und wirst gezwungen sein, zu mir zu sprechen.“ Der Dorfbewohner kam mit dem Skorpion zurück und warf ihn in den Schoß des Yogis. Der Yogi begann Tränen zu vergießen.

„Ich habe es gewusst, ich habe es gewusst“, sagte der Dorfbewohner. „Endlich schreist du und weinst du. Sag mir um Gottes Willen wo meine Kuh ist. Sei nicht so undankbar, sei nicht so gemein!“

Der Yogi sagte: „Ich vergieße keine Tränen weil ich mich vor diesem Skorpion fürchte. Ich vergieße Tränen, weil dieses unschuldige Geschöpf nicht dafür bestimmt war mich zu beißen. Doch nun wird der Skorpion mich beißen und er wird sein schlechtes Karma vergrößern. Du bist der Schuldige. Du hast viele falsche Dinge getan und du wirst die Strafe deines Karmas zahlen müssen. Auch der Skorpion hat viele schlechte Dinge getan. Er hat viele Menschen gestochen, doch er war nicht dazu bestimmt mich zu stechen. Ich werde leiden, aber ich vergieße nicht Tränen ob meinem unmittelbaren Leiden. Ich habe Mitleid für diese zusätzliche schlechte Tat des Skorpions, die er wegen dir begehen wird. Doch ich werde ihm ein neues Leben geben. Ich werde dem Skorpion nicht erlauben mich zu beißen. Ich werde den Skorpion berühren und etwas für ihn tun.“

Als der Yogi den Skorpion berührte starb er sofort. Der Dorfbewohner sagte: „Du hast gesagt, ich sei grausam gewesen, doch du hast ein lebendiges Geschöpf getötet. Wer ist grausamer, du oder ich? Ich habe ihn zu dir gebracht und du hast ihn nun getötet.“

„Nein,“ sagte der Yogi, „indem ich sein Leben genommen habe, habe ich diesen Skorpion gesegnet. Dieser Skorpion war unschuldig und du hast ihn fast dazu gebracht ein Verbrechen zu begehen. Da ich ein spiritueller Mensch bin, hat mir dieses unschuldige Geschöpf leid getan und ich wollte es segnen und ihm ein neues Leben, eine neue Inkarnation schenken. In drei Tagen wirst du diesen Skorpion in einer neuen Form sehen. Er wird in deine eigene Familie kommen.“

Der Dorfbewohner erschrak zutiefst. „Ich werde einen Skorpion in meiner Familie haben?“

„Ja“ , sagte der Meister, „du hast eine Katze und deine Kinder lieben diese Katze. In drei Tagen wird die Katze Junge bekommen und das Schönste darunter wird die Seele habe, die in diesem Skorpion war. Es ist etwas Undenkbares, das ein Mensch, der einem Skorpion unendlich überlegen ist, einen Skorpion dazu bringen will, noch mehr schlechtes Karma auf sich zu ziehen und dadurch seine eigene spirituelle Entwicklung bremst. Doch ich werde deine schlechten Absichten kompensieren. Meine Natur ist es, allen Freude und Fortschritt zu bringen. Deshalb bringe ich den Skorpion als Katze in deine Familie. Du wirst die Katze gern haben und die Kinder werden sie äußerst gerne haben. Ich tue dir diesen Gefallen, weil ich dir dankbar bin, dass du mir Früchte und Milch gebracht hast während ich hier meditierte. Dies ist mein Lohn. Anstatt dass du bestraft wirst, wirst du eine wunderschöne Katze in deiner Familie erhalten.

Ich möchte dir für nichts verpflichtet sein. Ich möchte dir nichts schuldig bleiben. Du hast mir Früchte, Milch und ein köstliches Mahl gebracht. Dafür kann ich dir etwas geben. Hier sind einhundert Rupien. Nachdem du gegangen warst kam jemand und wollte die Kuh kaufen. Deine Kuh ist alt. Du wolltest sie loswerden und eine Neue kaufen. Du hast gedacht, du könntest sie für dreißig oder vierzig Rupien verkaufen, doch niemand wollte sie für soviel Geld kaufen. Nun hat jemand hundert Rupien für sie gegeben. Nimm sie.

Du siehst also, wie ein spiritueller Meister dich belohnt, wenn du versuchst, ihm zu dienen. Nun möchte ich dir einen weiteren Segen geben. Ich weiß, dass deine Frau bald ein Kind gebären wird.“

„Wie weißt du das?“

„Ich weiß alles. In zwei Monate wirst du einen Sohn, einen wunderschönen Sohn erhalten. Dein Sohn wird wirklich spirituell sein, viel besser als du. Er wird nie einen spirituellen Menschen schlagen. Wenn er einen spirituellen Meister annehmen wird, wird er seinem Meister bedingungslos dienen, was du nicht tun konntest. Du wolltest mein Schüler werden und hast mir ein wenig gedient. Dann hast du begonnen, Dinge von mir zu verlangen und als ich dein Verlangen nicht auf deine eigene Weise erfüllte, hast du begonnen mich zu quälen. Dein Sohn wird sich nicht so benehmen.“

Der Dorfbewohner berührte die Füße des Meisters und bat um Vergebung.

Der Yogi sagte: „Warum sollte ich dir vergeben? War ich je über dich verärgert? Da ich nie über dich verärgert war, brauche ich dir auch nicht zu vergeben. Führe jedoch von nun an ein spirituelles Leben. Wenn du wirklich willst, dass deinem Leben etwas Gutes entspringen soll, dann sei freundlich zu einem gewöhnlichen Menschen, wo immer du jemandem begegnen magst und sei ergeben zu einem spirituellen Menschen.“

Der Dorfbewohner sagte: „Ich habe noch nie einen solch großen spirituellen Meister gesehen wie du es bist. Ich möchte dein Schüler werden. Bitte nimm mich als deinen Schüler an.“

Der Yogi erwiderte: „Dann komm mit mir in meinen Ashram. Ich habe Hunderte von Schülern. Heute habe ich den Ashram früh am Morgen verlassen um zu fasten und um still zu sein, weil ich über das Benehmen und die fehlende Strebsamkeit meiner Schüler zutiefst enttäuscht war. Ich kam hierher, um von niemandem belästigt zu werden. Doch hier hast du mich auf so viele Weisen belästigt. Ich bin nun zur Erkenntnis gelangt, dass meine Schüler die äußere Welt darstellen, die Welt der Unwissenheit. Wenn ich sie vervollkommnen kann, dann werde ich beginnen, die äußere Welt zu vervollkommnen. Überall in der Welt gibt es Unwissenheit. Wenn ich jedoch an einem Ort Erleuchtung schenken kann, dann werden auch die anderen Orte bis zu einem gewissen Grad erleuchtet werden. Ich gehe zu meinen Schülern zurück. Ich muss sie erleuchten, ich muss sie vervollkommnen. Ich muss den Supreme in ihnen erfüllen. Wenn sie erfüllt sind, dann wird die ganze Welt erfüllt sein, denn mein Ashram ist eine Miniaturwelt. In der Transformation meines Ashrams wird der Beginn der Transformation der gesamten Welt liegen.“

From:Sri Chinmoy,Aufstieg und Fall der Schüler, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2007
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/add