{{htmlmetatags>metatag-robots=()}} Die Erd-Erleuchtungs-Trompeten der göttlichen Heimat, Teil 3

Die Erd-Erleuchtungs-Trompeten der göttlichen Heimat, Teil 3

Arjuna besucht fünf heilige Orte

Diese Geschichte handelt von Arjuna, welcher der dritte der Pandava-Brüder war. Er wollte auf eine Pilgerreise gehen. Jeder weiß, dass man von den kosmischen Göttern und Göttinnen besondere Segnungen erhält, wenn man sich auf eine Pilgerreise begibt und an diesen heiligen Orten betet und meditiert. Arjuna wollte diese Reise unternehmen, um die Macht zu erlangen, seine Feinde zu vernichten.

Arjuna brach alleine auf. Es gab fünf sehr wichtige Pilgerorte an den Ufern des südlichen Meeres, die er besuchen wollte. Er ging zu jedem dieser berühmten Orte, doch von jedem dieser Orte wurde er aufs Tiefste enttäuscht, denn er konnte dort nicht eine Person finden, die betete oder meditierte. „Etwas stimmt hier nicht“, sagte er sich „Entweder habe ich mich an die falschen Orte verirrt oder mit diesen heiligen Orten ist etwas nicht in Ordnung.“

Nachdem er den fünften und letzten Platz besucht hatte, trat Arjuna seine Heimreise an. Sein Verstand war von Traurigkeit erfüllt. Er war noch nicht sehr weit gegangen, als er einen Weisen meditieren sah. Arjuna trat zu dem Weisen und sagte: „O Weiser, ich habe gerade die fünf heiligen Pilgerorte besucht. Wieso betet und meditiert dort niemand an den Ufern des Flusses?“

„Das hat einen bestimmten Grund“, antwortete der Weise.

„Bitte nenne mir den Grund dieses Geheimnisses“, erwiderte Arjuna.

Der Weise erzählte Arjuna: „Der Grund dafür ist folgender: Wenn du zu diesen Orten gehst, musst du ein Bad im Fluss nehmen, bevor du mit der Anbetung beginnst. Doch sobald die Menschen ins Wasser steigen, taucht eine furchterregende Kreatur auf und verschlingt sie. Diese Kreatur lebt im Wasser. Sobald du einmal ins Wasser gestiegen bist, kommst du nicht mehr heraus. Das spielt sich an jedem dieser heiligen Orte ab. Aus diesem Grund geht niemand mehr dorthin, um zu beten oder zu meditieren. Die Menschen haben Angst. Sie wissen, dass sie zuerst ein Bad im Fluss nehmen müssen und sie wollen nicht von jenem Ungeheuer getötet werden.“

„Ach, das ist der Grund?“, sagte Arjuna. „Dann werde ich umkehren und mir die Sache selbst ansehen. Ich habe keine Angst!“

Arjuna ging zum nächst gelegenen Ufer und stieg ins Wasser. Sofort erfasste ihn ein riesiges Krokodil mit seinen Fängen und zog ihn in die Tiefe. Das Krokodil wollte Arjuna verschlingen, aber Arjuna hatte enorme Kraft und begann mit dem Krokodil zu ringen. Ein erbitterter Kampf spielte sich unter Wasser ab und letztendlich besiegte Arjuna das Krokodil. Er kam aus dem Wasser und zog das Krokodil hinter sich her. Sobald das Krokodil aus dem Wasser war, verwandelte es sich in eine wunderschöne Apsara oder göttliche Nymphe.

Arjuna war erstaunt. „Wie ist das möglich?“, rief er. „Du hast mit mir in Form eines Krokodils so wild gekämpft und nun hast du dich in eine solche Schönheit verwandelt!“

Die Nymphe verbeugte sich vor Arjuna. „Du hast mich gerettet! Nun bitte ich dich, die anderen vier Krokodile zu erlösen. Sie sind meine Freundinnen.“

„Wie ist dieses Schicksal über euch gekommen?“, fragte Arjuna.

Die Nymphe antwortete: „Einst meditierte ein großer Weiser an einem der heiligen Orte. Er meditierte so intensiv, dass die kosmischen Götter besorgt waren. Sie baten uns, seine Meditation zu stören, da der Weise sie sonst an spiritueller und okkulter Kraft übertreffen würde. Wir gehorchten den großen kosmischen Göttern und traten vor den Weisen. Aber als wir versuchten seine Meditation zu stören, wurde er wütend und verfluchte uns, so dass wir Inkarnationen als Krokodile annehmen mussten. Der Weise sagte, dass wir gezwungen wären, hier in diesen Flüssen an diesen fünf heiligen Orten zu leben und alle Pilger zu töten und zu verschlingen, die ins Wasser stiegen. Wir müssten so lange hierbleiben, bis jemand diese heiligen Orte besuchen käme, der sehr religiös und gleichzeitig sehr stark sei. Der Weise sagte uns, dass wir nicht in der Lage sein würden, diesen Mann zu verschlingen. Er würde mit uns kämpfen und uns besiegen. Wenn er uns aus dem Wasser zöge, würden wir wieder Apsaras werden. Wir haben so lange auf dein Kommen gewartet! Heute hast du mich gerettet und ich bin dir so dankbar! Bitte, bitte, rette auch meine Freundinnen!“

Arjuna wusste, dass er die vier anderen Nymphen auch von ihrem traurigen Schicksal erlösen musste. Er ging zu den übrigen Orten, stieg ins Wasser und kämpfte mit den riesigen Krokodilen, die ihn angriffen. Eines nach dem anderen besiegte er und zog es aus dem Wasser. Auf diese Weise konnten sie von dem Fluch des Weisen befreit werden und ihre wunderschöne Form zurückerhalten.

Die Herkunft von Vishnus Sudarshana-Chakra

Dies ist die Geschichte, wie Vishnus Sudarshana-Chakra ins Dasein kam.

Die Asuras oder Dämonen waren außerordentlich böse. Sie quälten stets die kosmischen Götter. Einmal litten die kosmischen Götter so sehr unter den Angriffen der Dämonen, dass sie zu Lord Vishnu gingen. Sie suchten seine Hilfe, um die Dämonen zu besiegen.

Vishnu sagte zu ihnen: „Ich besitze nicht genügend Macht, um die Dämonen zu besiegen oder zu vernichten. Ich muss Shiva um Hilfe bitten. Ich werde ihn um eine besondere Waffe bitten, die mir hilft, die Dämonen zu besiegen.“

Als Vishnu zu Shiva ging, fand er Lord Shiva in Trance. Vishnu wollte Shivas Meditation nicht stören. Deshalb begann er zu Shiva zu beten. Vishnu betete inständig, in der Hoffung, dass Shiva eines Tages aus seiner Trance erwachen würde.

Jeden Tag, Jahr für Jahr, betete Vishnu zu Shiva, meditierte auf Shiva und chantete sehr ergeben Shivas Namen. Er brachte ihm täglich tausend Lotusblüten dar. Jedes Mal, wenn er Shiva eine Lotusblüte darbrachte, chantete er Shivas Namen.

Das ging lange Zeit so, doch Shiva war noch immer fest in Trance versunken. Armer Vishnu, er war hilflos! Die Götter wurden gnadenlos von den Dämonen gequält und es war ihm nicht möglich ihnen zu helfen.

Schließlich erwachte Shiva nach vielen tausend Jahren aus seiner Trance. Vishnus Freude kannte keine Grenze. Er lief los, um eintausend Lotusblüten zu pflücken, so dass er Lord Shiva anbeten und um einen besonderen Gefallen bitten könne.

Shiva hatte schon entschieden, dass er Vishnus Wunsch erfüllen würde, aber zuerst wollte er Vishnu einen Streich spielen. Er ging heimlich zu dem Platz, wo Vishnu die Lotusblüten hingelegt hatte und stahl eine Blüte. Nun waren es nur noch 999 Blüten.

Nachdem Vishnu alle seine Vorbereitungen getroffen hatte, begann er Shiva höchst ergeben anzubeten. Eine Lotusblüte nach der anderen bot er dar, während er Shivas Namen chantete. Als er dem Ende nahte, bemerkte er, dass eine Blüte fehlte. Er hatte nur 999 Blüten gezählt. Das bedeutete, dass er noch eine Lotusblüte suchen musste. Anstatt das zu tun, riss er sich sofort einen Augapfel heraus und legte ihn vor Shiva nieder.

Als Shiva sah, dass Vishnu solche Ergebenheit für ihn hegte, sagte er: „Ich will dir jeden Wunsch erfüllen, um den du mich bittest.“

„Bitte gib mir etwas, was mir hilft, die Asuras zu besiegen“, sagte Vishnu.

Shiva erwiderte: „Ich gebe dir diese runde Scheibe. Sie wird dir helfen, alle deine Feinde zu besiegen. Gleich, wie viele Dämonen dich und die anderen Götter angreifen, du wirst in der Lage sein, alle mit diesem Diskus zu besiegen.“

Der Name dieser Scheibe war Sudarshana-Chakra. Als Lord Krishna eine Inkarnation annahm, gab ihm Vishnu dieses Chakra, weil Krishna die Verkörperung von Vishnu war. Krishna konnte das Chakra jederzeit sofort einsetzen, es war sein Eigentum. Sri Chaitanya gebrauchte das Sudarshana-Chakra auch einige Male. Er war in der Lage, es zu rufen und es kam dann zu ihm. Er rief es bei­spielsweise, als er Jagai und Madhai töten wollte. Diese zwei Raufbolde sahen es vom Himmel kommen und wurden außerordentlich ängstlich. Sie ergaben sich Sri Chaitanya, bevor es sie erreichte.

Das Sudarshana-Chakra wird nicht geworfen. Es wird mit der Willenskraft gegen die Feinde geschickt. Es dreht sich blitzschnell, sobald es losgeschleudert wird, um dem Feind nachzujagen. Das Chakra selbst ist rund und hat entlang der Außenkante so etwas wie kleine Pfeilspitzen. Es besitzt ungeheure okkulte und spirituelle Kraft, um alles zu zerstören. Niemand kann dem Sudarshana-Chakra standhalten.

Die Macht von Lord Shivas Namen

Die folgende Geschichte handelt von einem Ehepaar. Obwohl sie aus dem Zeitalter unserer indischen Puranas stammt, könnte diese Geschichte in vielfacher Hinsicht im Amerika des zwanzigsten Jahrhunderts spielen.

Der Ehemann stammte aus der Vaishya- beziehungsweise der Kaufmanns-Kaste. Er war ein sehr reicher Händler und reiste gewöhnlich von Dorf zu Dorf. Als er sich eines Tages gerade auf dem Heimweg befand, sah er eine wunderschöne Frau am Straßenrand. Er verliebte sich sofort in sie und begann sich häufig mit ihr zu treffen. Als die Leute in Erfahrung brachten, dass er mit dieser Frau verkehrte, begannen sie schlecht über ihn zu sprechen. Das war zu viel für seine arme Ehefrau.

Sie redete auf ihn ein: „Was tust du? Die Leute reden so schlecht über dich. Bitte bringe keine Schande über unsere Familie! Wir waren so viele Jahre glücklich verheiratet. Wir haben so wunderbare Kinder. Bitte gib das nicht alles wegen dieser Frau auf.“

Leider weigerte der Ehemann sich, auf seine Frau zu hören. Er setzte seine Beziehung zu dieser Frau fort und besuchte sie sogar in ihrem Haus. Die Frau duldete das schlechte Benehmen ihres Mannes jahrelang. Schließlich drohte sie: „Wenn du dein schlechtes Leben nicht aufgibst, dann werde ich dasselbe tun. Ich werde mir auch einen Freund suchen.“

Der Ehemann nahm seine Frau nicht ernst. Seiner Meinung nach war es für ihn zulässig, ein ungöttliches Leben zu führen, aber er konnte nicht glauben, dass seine Frau dasselbe tun würde. Er missachtete einfach ihre Drohung.

Die Frau war so aufgebracht, dass sie bereit war, ihren Mann umzubringen. Schließlich beschloss sie, ihre Drohung wahr zu machen und ein ungöttliches Leben zu führen. Sie war der Meinung, dass dadurch ihr Mann erkennen würde, wie schlecht er sie behandelt hatte und dann seine Freundin aufgeben würde.

Die Frau fand einen Freund und lud ihn zu sich nach Hause ein. Sie wollte ihrem Mann eine Lektion erteilen. Sowohl der Ehemann als auch die Ehefrau führten jetzt ein ungöttliches Leben. Eines Tages kam der Ehemann nach Hause und entdeckte den Freund seiner Frau im Haus. Der Ehemann wurde von Wut gepackt. Er schlug den Freund nieder und verletzte ihn so ernsthaft, dass der Freund zum Arzt gebracht werden musste. Der Ehemann war sich sicher, dass der Hausfreund nach dieser Tracht Prügel es nicht nochmal wagen würde, in sein Haus zu kommen.

Doch leider begann die Frau ihren Freund in dessen Haus zu besuchen. Tagsüber war ihr Mann bei seiner Freundin und wenn er nachts nach Hause kam, musste er feststellen, dass seine Frau irgendwo anders war. Was für eine Geschichte!

Das ging mehrere Jahre hin so, bis der Freund der Frau das Interesse an ihr verlor. Er fand eine andere, die ihren Platz einnahm. Die Frau war sehr traurig und verwirrt. „O Gott“, weinte sie bitterlich, „für ihn gab ich meinen Mann auf und nun hat er mir so etwas angetan! Er hat eine andere gefunden!“ Dann sagte sie zu sich selbst: „Ach, das liegt sicher daran, dass ich zu alt bin. Ich bin nicht mehr so schön wie ich früher war. Deswegen will er mich nicht mehr sehen. Ich kann meine verlorene Schönheit nicht mehr zurückgewinnen und ich kann all die Jahre, die ich damit vergeudet habe, ein unglückliches Leben zu führen, nicht zurückerhalten. Was soll ich nur mit meinem Leben machen? Ich weiß, dass ich bald sterben werde. Möglicherweise ist es zu spät für mich, spirituell zu werden, doch ich werde sehen. In der kurzen Zeit, die mir noch auf Erden bleibt, werde ich versuchen zu beten und zu meditieren.“

Die Frau verließ ihr Zuhause und wanderte aufs Geratewohl von Ort zu Ort, während sie betete und meditierte. Eines Tages kam sie zu einem Tempel, der Lord Shiva geweiht war. Vor dem Tempel befand sich ein Teich, an dem die Leute saßen und Verse aus den Schriften über Shiva rezitierten.

Sie sah einen Mann am Teich stehen und fragte ihn: „Was rezitieren diese Leute?“

„Sie preisen Lord Shiva“, antwortete er. „Das sind Verse aus den Schriften, die von der Größe und der Güte Lord Shivas erzählen. Lord Shiva vergibt jedem Menschen auf der Erde. Es gibt niemanden, dem Lord Shiva nicht vergibt.“

„Wird Er auch mir vergeben?“ fragte sie gespannt.

„Hast du diese Leute chanten gehört oder nicht?“ sagte der Mann.

„Ja, ich habe sie chanten gehört.“

„Das heißt, dass dir bereits vergeben ist.“

„Aber ich habe nicht zu Lord Shiva gebetet.“

„Das macht nichts“, versicherte ihr der Mann. „Selbst wenn jemand nur Lord Shivas Namen hört, ist ihm vergeben. Du hast lange Zeit hier gestanden und hast gehört, wie sie Lord Shivas Namen wieder und wieder ge­chantet haben. Folglich hat dir Lord Shiva mit Sicherheit vergeben.“

„Wie kann ich wissen, dass mir vergeben ist?“, fragte die Frau. „Ich bin so schlecht! Ich habe in meinem Leben so viele Dinge falsch gemacht.“

Der Mann erklärte: „Bei deinem Tod wirst du sehen, dass dir vergeben wurde. Deine Seele wird in Lord Shivas Region, in sein Reich, gehen.“

„Ich muss nicht in die Hölle gehen für die schlechten Dinge, die ich getan habe?“

„Nein, nein, nein! Da du nun Lord Shivas Namen gehört hast, wirst du direkt in den Himmel gehen, das verspreche ich dir.“

Im Laufe der Zeit verstarb die Frau und ihre Seele ging in den höchsten Himmel, wie der Mann es vorhergesagt hatte. Sie war sehr glücklich in diesem Reich.

Nach einiger Zeit begann sie Nachforschungen über ihren Freund, der auch gestorben war, anzustellen. Die Bewohner des Himmels sagten: „Er war ein schlechter Bursche! Seine Seele ist in die Hölle gegangen und er erfährt ungeheures Leid.“

„Könnt ihr mir auch etwas über meinen Mann sagen?“ fragte sie.

„Dein Mann und dein Freund sind von der gleichen Kategorie“, war die Antwort. „Aber da dein Mann diese falschen Handlungen begonnen hat, leidet seine Seele noch mehr als die Seele deines Freundes. Dein Mann ist der schlimmere Schurke, also haben wir ihn in eine bestimmte Hölle geschickt, die unendlich viel schlimmer ist als alle anderen.“

Die Frau begann die Wesen im Himmel zu bitten: „Ich flehe euch an, könnt ihr nicht etwas tun, um meinem Mann zu helfen? Trotz allem waren wir beide gleich schlecht. Nur dank der Gnade von Lord Shiva bin ich hier. Ich hörte nur seinen Namen bei einem Tempel und mir wurde vergeben. Es scheint nicht gerecht, dass ich den Himmel genießen darf, während mein Mann so viel leidet. Wir waren schließlich so lange Zeit glücklich verheiratet. Wie kann ich die Seele meines Mannes in den Himmel bringen? Ich bin bereit, zu beten und zu meditieren. Bitte sagt mir, was ich tun soll.“

„Niemand wird es wagen, in diese tiefste Hölle zu gehen“, sagten die Himmels-Wesen. „Es gibt nichts, was wir tun könnten.“

Wenn ich bete und meditiere, würde das einen Unterschied machen?“ fragte die Frau.

„Ja“, sagten sie. „Du kannst sicherlich beten und meditieren. Wer weiß, eines Tages vergibt Lord Shiva vielleicht auch deinem Mann, so wie er dir vergeben hat.“

Also begann die Frau inbrünstig zu beten und zu meditieren. Nach einiger Zeit kam ein Bote von Lord Shiva und sagte: „Lord Shiva ist mit deiner Aufrichtigkeit sehr zufrieden. Er weiß, was du möchtest und er wird dir den Wunsch erfüllen. Wenn du in die tiefste Hölle hin­unter steigen möchtest, um deinen Mann zurückzuholen, wird er jemanden mit dir schicken. Einer der himmlischen Musikanten wird dich begleiten. So wie du befreit wurdest, als du hörtest, wie Lord Shivas Anhänger seinen Namen so ergeben und seelenvoll chanteten, so wird dein Mann von seinen Sünden befreit werden, wenn er hört, wie dieser Musiker Lobpreisungen für Lord Shiva singt. Dann wird dein Mann mit dir zusammen im Himmel sein können.“

Die Frau war überglücklich. Sie ging mit dem himmlischen Musikanten zu dieser schlimmstmöglichen Hölle. Als sie diesen unerträglichen Ort erreicht hatten, sang der Musikant viele Loblieder auf Lord Shiva. Als der Mann sie hörte, wurde auch er von seinen Missetaten erlöst und ging mit seiner Frau, um im Himmel zu leben. Dank Lord Shivas Mitgefühl und seiner Vergebung wurden sie beide im Himmel aufgenommen.

In Indien glauben die Menschen noch immer, dass – gleich welches Leben man führt – alle Sünden weggewaschen sind, sobald man jemanden hört, der ergeben zu Lord Shiva betet oder ihm zu Ehren Loblieder singt.

Lord Krishna trifft Radha

Als Krishna ein kleiner Junge im Alter von vier oder fünf Jahren war, nahm ihn sein Vater mit auf die Weide, wo das Vieh graste. Krishna wollte seinen Vater mit einer Überraschung erschrecken und löste deshalb ein heftiges Gewitter aus. Es begann sehr stark zu regnen und die Bäume wurden wild hin und her gerissen.

Obwohl Krishna für den Sturm verantwortlich war, tat er so, als ob er von nichts wüsste. Er begann zu weinen und zu schreien und klammerte sich schutzsuchend an seinen Vater.

Nanda versuchte verzweifelt sein Kind zu schützen und auch das Vieh. Er stellte fest, dass er beides nicht gleichzeitig tun konnte und so befand er sich in einer schrecklich misslichen Lage. Er musste einerseits seinem geliebten Kind helfen und andererseits das Vieh in Sicherheit bringen. Nanda sah keinen Weg, sowohl das Vieh als auch das Kind sicher nach Hause zu bringen.

Plötzlich tauchte eine wunderschöne Frau auf. Nanda war sehr erleichtert, als er diese unbekannte Frau erblickte, die gerade im entscheidenden Augenblick gekommen war. „Würdest du bitte auf mein Kind aufpassen?“ fragte er. „Ich muss das Vieh heimbringen. Dann komme ich wieder. Ich bin sicher, dass du meinen Sohn beschützen kannst.“

Die Frau versicherte Nanda: „Sei unbesorgt. Ich werde gewiss gut auf dein Kind aufpassen.“

Nanda machte sich mit dem verschreckten Vieh auf den Heimweg. Als Krishna und die Frau alleine waren, tat Krishna etwas Ungewöhnliches. Er schuf eine sehr bezaubernde Kulisse und nahm die Form eines Jünglings an. Dieser Jüngling war dunkelhäutig, er trug ein orange­f­arbenes Gewand und seine Stirne war mit einer Pfauenfeder geschmückt. In seiner Hand hielt er eine Flöte, auf der er ganz ergreifend spielte. Krishna sah die Frau an und fragte sie: „Erinnerst du dich an diesen Vorfall, als wir im Himmel waren?“

Die unbekannte Frau war Radha, die Krishnas treueste Geliebte war.

Radha antwortete: „Ich erinnere mich daran. Es ist mir sehr vertraut.“ Krishna zeigte Radha eine Szene aus ihrem gemeinsamen Leben im Himmel, bevor sie Inkarnationen auf der Erde angenommen hatten. Er wollte Radha an ihr immerwährendes Einssein erinnern.

Die Zeit verstrich zu schnell und Krishnas Vater würde bald zurückkommen, um seinen Sohn nach Hause zu holen. Krishna beendete die Vorstellung im Himmel und wurde wieder ein kleines Kind. Er begann bitterlich nach seinem Vater zu weinen. Nach geraumer Zeit begann Radha sich zu sorgen, da Nanda noch immer nicht zurückgekommen war. Sie überlegte, was sie tun sollte, als sie eine Stimme vernahm, die ihr sagte, sie solle das Kind zu Nandas Haus bringen.

Radha war traurig und unglücklich, dass sie Krishna zu seinen Eltern zurückbringen musste, nachdem sie mit ihm auf der Erde wieder vereint war. Sie fürchtete, dass sie ihn nicht mehr sehen würde. Aber die Stimme sagte zu ihr: „Bring das Kind zurück zu Nanda und Yashoda. Wenn du auf mich hörst, versichere ich dir, dass du deinen Lord Krishna jeden Abend besuchen kannst. Du wirst ihn treffen und er wird für dich auf seiner Flöte spielen. Ein Teil deines Herzens wird immer mit ihm sein.“

In diesem Augenblick erschien Brahma, der Schöpfer. Seit sechzigtausend Jahren hatte Er zum Höchsten gebetet, nur um einen flüchtigen Blick auf Radha werfen zu können. In seiner Meditation hatte er Krishna und Radha zusammen auf der Erde gesehen und er war tief bewegt. Deshalb kam Brahma persönlich, um Radha zu besuchen, welche die Verkörperung der Universellen Kraft ist.

Radha gehorchte der inneren Botschaft, die sie von der Stimme erhalten hatte und brachte das Kind zurück zu Nandas Haus. Danach kam sie jeden Abend und besuchte Krishna.

Das ist eine Version der Geschichte, wie Krishna und Radha sich das erste Mal trafen. Es gibt noch eine andere Version dieser Geschichte. In der zweiten Version glaubt man, dass Radhas Vater ein sehr reicher König war. Als Radha noch ein kleines Mädchen war, beschloss er, dass es für sie an der Zeit war zu heiraten. Er traf alle notwendigen Vorbereitungen für die Heirat mit einem Nachbar-Prinzen.

Doch Radha wollte nicht heiraten, sie wollte nur bei Krishna sein. Deshalb nahm sie ihre Seele aus ihrem Körper und ließ nur einen Teil von sich, einen Schatten ihres wirklichen Daseins, in ihrem Körper. Der Prinz, für den sie bestimmt war, heiratete einen Schatten.

Radha brachte ihre Seele zu Nandas Familie, weil sie wusste, dass Lord Krishna dort aufwuchs und nahm eine Geburt in Nandas Familie an. Radha und Krishna wurden Bruder und Schwester, und waren einander innig verbunden.

Kartikeya und die fünf Prinzessinnen

Als Kartikeya drei Jahre alt war, nahm ihn seine Mutter Parvati eines Tages mit zum Fluss. Kartikeya spielte glücklich im Schilf, das am Rande des Flusses wuchs. Parvati dachte, sie würde ihn für ein paar Minuten dort lassen, während sie nach Hause ging, um etwas zu erledigen.

Doch ach, als sie zurückkam, konnte sie Kartikeya nirgends finden. Parvati war außer sich und tief besorgt. Sie durchsuchte jeden Winkel nach ihm, leider vergebens. Schließlich musste sie ohne ihn heimgehen und Shiva die traurige Nachricht überbringen. Es brach Shiva das Herz, dass ihr liebstes Kind verschollen war.

In Wirklichkeit hatte sich folgendes ereignet: Während Parvati weg war, kamen fünf Prinzessinnen vorbei. Sie sahen das kleine Kind im Schilf spielen und konnten der Versuchung nicht widerstehen. Es war so himmlisch schön! Sie nahmen Kartikeya mit zum Palast und sorgten für ihn wie für ihr eigenes Kind.

Nun, jene Prinzessinnen waren sehr spirituell. Aufgrund ihrer Gebete und Meditationen wurden sie manch­mal von den kosmischen Göttern persönlich besucht. Kurz nachdem sie Kartikeya zu sich genommen hatten, kamen eines Tages vier oder fünf kosmische Götter zu ihrem Palast.

„Woher habt ihr ein so wunderschönes Kind?“ fragten die Götter. „Wir wissen, dass ihr unverheiratet seid.“

„Wir haben das Kind entführt“, gaben die Prinzessinnen zu.

„Wie könnt ihr so etwas tun?“ riefen die Götter. „Wem gehört dieses Kind?“

Wir wissen nicht, wessen Kind es ist“, antworteten die Prinzessinnen wahrheitsgetreu.

„Wir haben ihn nur im Schilf spielen sehen und konnten der Versuchung nicht widerstehen, ihn mitzunehmen. Er sah so bezaubernd aus! Jetzt ziehen wir ihn groß.“

„Durch wie viel Leid müssen die armen Eltern gehen!“ klagten die Götter Sie fügten hinzu: „Nun, da ihr nicht wisst, wer die rechtmäßigen Eltern sind, kann er hierbleiben. Doch gebt uns die Möglichkeit, ihn sehr kraftvoll und stark zu machen.“

Die kosmischen Götter begannen Kartikeya Bogenschießen und all die anderen Kampfkünste zu lehren. Die Jahre vergingen und Kartikeya wurde äußerst geschickt und kräftig. Die kosmischen Götter waren sehr zufrieden mit ihm. Sie erklärten: „Wir sind mehr als zufrieden mit deinem Fortschritt. Wir haben dich so viele Dinge gelehrt und du hast sie alle sehr gut gemeistert. Du bist zweifellos der stärkste Krieger. An Geschicklichkeit hast du sogar uns übertroffen. Wir erklären dich zum Oberbefehlshaber der kosmischen Götter.

Bald erreichte auch Shiva und Parvati die Nachricht, dass ein Neuling höchster Führer der kosmischen Götter geworden sei. „Sie sagen, dass seine Stärke unvergleichlich ist“, sagte Shiva zu seiner Frau. „Ich habe gehört, dass alle kosmischen Götter ihm geholfen haben.“

„Dann lass uns zu ihm gehen“, schlug Parvati vor.

Als Parvati Kartikeya sah, fühlte sie sofort, dass dies ihr vor langer Zeit verlorengegangener Sohn war. Shiva war wie gewöhnlich unschlüssig. Er bezweifelte, dass dieser tapfere Krieger der schöne kleine Sohn sein könnte, den sie vor vielen Jahren verloren hatte. Aber Parvati war überzeugt. Sie bat Shiva, nach Kartikeyas Herkunft zu fragen.

Shiva und Parvati erfuhren, dass Kartikeya von fünf unverheirateten Prinzessinnen aufgezogen worden war und dass sie ihn alleine im Schilf am Flussufer spielend gefunden hatten. Als die Prinzessinnen die Umgebung des Schilfes beschrieben, rief Shiva aus: „Das ist genau die Stelle, an der wir unser Kind verloren haben!“

So wurde Kartikeya Ober-Befehlshaber der kosmischen Götter und ist schlussendlich wieder zu seinen leidgeplagten Eltern zurückgekehrt.

Radhas hundertjähriger Fluch

Eines Tages erfuhr Radha, dass Krishna sich lange mit einer der Gopis namens Brinda unterhalten hatte. Radha wurde wütend. Sie wollte unbedingt sowohl Krishna als auch Brinda beschimpfen und beleidigen.

Als Brinda hörte, dass Radha wutentbrannt war, bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie wusste nicht, welche Folgen das ganze haben würde und so beging sie Selbstmord.

Krishna war zufällig mit einem seiner besten Freunde, Shridhama, zusammen, als Radha kam und ihn beschimpfte. Sridhama stand immer zu Krishna und er konnte es nicht ertragen, dass man Krishna beschimpfte. Shrid­hama sah Radha an und sagte: „Wenn du meinen Lord noch einmal beleidigst, werde ich dich verfluchen.“

„Ich werde es sein, die dich verflucht!“ sagte Radha und ihre Stimme bebte vor Zorn. „Du wirst dich in einer sehr niederen Familie inkarnieren und du wirst schrecklich leiden.“

Shridhama erwiderte sofort: „Radha, ich verfluche dich. Einhundert Jahre lang wirst du nicht mit meinem Lord zusammen sein. Es wird eine lange Trennung sein, die einhundert Jahre dauern wird!“

Radha und Sridhama tauschten ihre schrecklichen Flüche aus und beide Flüche wurden wahr. Was Radha betrifft, so heißt es, dass sie mit Sri Krishna die ersten elf Jahre von Krishnas Leben zusammen war. Dann verließ Krishna Brindaban und blieb einhundert Jahre in Mathura und an anderen Orten. Er war ein König und Krieger. Während dieser Zeit fand die Schlacht von Kurukshetra statt und Krishna wurde der Wagenlenker von Arjuna. Danach zog sich Krishna zurück und Radha kam, um die letzten vierzehn Jahre seines Lebens mit ihm zu verbringen. Gemäß der Purana, die auf dieser Version gründet, lebte Sri Krishna insgesamt 125 Jahre.

Wenn diese Geschichte wahr ist und Krishnas Lebensspanne 125 Jahre betrug, dann kann die Geschichte von dem Jäger, dessen Pfeil Krishnas Fuß durchbohrte, nicht richtig sein. Es heißt, dass dieser Jäger für Krishnas weltlichen Tod verantwortlich war.

Als die Schlacht von Kurukshetra vorüber war, wurde Krishnas Sohn Samba von einigen Verwandten zu schlechtem Benehmen angestiftet. Das hatte zur Folge, dass er von drei großen Weisen verflucht und Krishnas ganze Familie völlig ausgelöscht wurde. Dem Fluch, der über Samba ausgesprochen wurde, ging ein Fluch von Gandhari voraus. Sie fühlte, dass Krishna den Krieg insgesamt hätte verhindern können.

Gemäß dieser Version der Geschichte trat Radha nach ihrer gemeinsamen Kindheit in Brindaban überhaupt nicht wieder in Krishnas Leben. Natürlich gibt es große indische Gelehrte, welche sagen, dass Radha nicht einmal existierte! Sie sagen, sie existierte nur in der Vorstellung. Sehr viele Bände sind über die Nicht-Existenz von Radha geschrieben worden!

Das erinnert mich an unseren großen Vedantin-Gelehrten Shankaracharya. Er reiste von einem Ende Indiens zum anderen, nur um seine Philosophie zu predigen, dass die Welt unwirklich sei. Er wurde häufig gefragt: „Wenn die Welt unwirklich ist, wie du sagst, warum verschwendest du deine Zeit, um von Ort zu Ort zu ziehen? Von deinem Zimmer aus könntest du auch kundtun, dass die Welt unwirklich ist. Doch wir glauben, dass die Welt wirklich ist.“

Shankaracharya antwortete dann: „Wenn ich nicht von Ort zu Ort gehe und die Nachricht verbreite, dass die Welt unwirklich ist, werden die Leute meine Philosophie nicht hören. Du lebst an einem Ort und deine Freunde leben an einem anderen Ort. Ich muss also auch zu deinen Freunden gehen, um meine Erkenntnisse mit ihnen zu teilen.“

Abermals fragten seine Kritiker: „Wenn diese Welt unwirklich ist, warum verschwendest du dann deine Zeit und deine Energie? Bete einfach zu Gott, dass Er dich wegnehmen soll!“

Shankaracharya sagte: „Nein, das kann ich nicht tun. Gott bittet mich, den Menschen zu sagen, dass die Welt unwirklich ist.“

Es gibt viele derartige, überaus lustige und amüsante Geschichten aus unserer indischenVegangenheit. Meiner Ansicht nach sind sie sehr unterhaltsam und zugleich lehrreich. „Wer weiss im Falle Krishnas wirklich, was sich vor so langer Zeit ereignet hat? Historiker sagen, dass er vor fünftausend Jahren gelebt hat, aber meiner Ansicht nach lebte er vor neun- oder zehntausend Jahren. Das ist mein inneres Gefühl.

Was wir sicher wissen ist, dass der höchste Lord Krishna sich stets selbst transzendiert. Von Geburt an vollbrachte er unzählige Wunder. Selbst heute, Tausende Jahre später, leitet, erleuchtet und schützt uns sein Bewusstsein auf unvorstellbare Art und Weise.

Shiva lässt Parvati zurück

Eines Tages wollte Shiva zu dem Berg Mandara gehen. Er war schrecklich in Eile, doch Parvati war noch nicht fertig. Schließlich beschloss Shiva ohne sie zu gehen. Einige Apsaras und Gandharvas beziehungsweise himmlische Musikanten begleiteten ihn.

Als sie ihren Bestimmungsort erreichten, tat es Shiva leid, dass er nicht auf Parvati gewartet hatte, die ihn begleiten wollte. Deshalb beauftragte er Nandi, dass er zurückkehren und Parvati holen sollte.

Währenddessen schmollte Parvati. Wie konnte Shiva ohne sie gehen? Als Nandi ankam, sagte sie zu ihm: „Du bist gekommen, um mich zu holen, aber ich bin noch nicht fertig und ich weiß nicht, wann ich fertig sein werde. Du kannst zurück gehen und Shiva sagen, dass ich noch nicht fertig bin.“ Parvati war sehr traurig und niedergeschlagen.

Nandi kehrte um und informierte Shiva darüber, dass Parvati noch immer nicht fertig war. Diesmal sagte Shiva zu ihm: „Nandi, gehe zurück und warte auf sie. Egal wie lange es dauert, warte auf sie. Du musst sie hierherbringen.“

Nandi kehrte abermals zu Parvati zurück und wartete und wartete, dass sie fertig wurde. Unterdessen hegten einige Apsaras und Gandharvas die Absicht, Lord Shiva einen Streich zu spielen. Die Apsaras waren die Anstifter. Eine von ihnen nahm die Form von Parvati an und einer der Gandharvas nahm die Form von Nandi an. Sie sahen genau wie die echte Parvati und der echte Nandi aus.

Diese Apsara erschien mit dem Gandharva vor Lord Shiva. Der falsche Nandi sagte: „Ich habe Parvati gebracht“ und die falsche Parvati fügte hinzu: „Ja, mein Lord, ich bin gekommen.“ Shiva war überglücklich. Er dachte, es handle sich um die echte Parvati und den echten Nandi.

O Gott, nach ein paar Minuten kamen die echte Parvati und der echte Nandi und es gab eine große Verwirrung. Die zweite Parvati bestand darauf, dass sie die echte sei und die erste Parvati bestand darauf, dass sie die echte sei. Zwischen beiden Seiten brach ein Kampf aus, doch die echte Parvati und der echte Nandi besiegten mühelos die falschen.

Dann vergab Lord Shiva aufgrund seines unendlichen Mitgefühls der falschen Parvati und dem falschen Nandi.

Wer ist der Größte: Brahma, Vishnu oder Shiva?

Unsere Indische Dreieinigkeit besteht aus Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma ist der Schöpfer, Vishnu ist der Erhalter und Shiva ist der Verwandler. Nach Ansicht einiger ist Shiva der Zerstörer, wir aber nennen ihn Verwandler.

Einst wurde Brahma Opfer seines Stolzes. Er sagte zu seinen Ergebenen: „Von nun müsst ihr mich als das Höchste ansehen. Ich habe nicht den gleichen Standard wie Vishnu und Shiva. Was machen sie denn schon? Vishnu erhält nur und Shiva beschäftigt sich mit Dämonen. Aber ich bin der Schöpfer.

Brahmas Anhänger verbeugten sich vor ihm und sagten: „Du bist der Höchste.“

Als sie Brahma lobpreisten, erschien Vishnu. „Was sagt ihr da?“ fragte er die Anhänger.

Sie antworteten: „Brahma hat uns wissen lassen, dass er der Höchste ist und wir wiederholen seine Worte.“

„Das kann niemals sein!“ rief Vishnu aus. „Er erschafft nur, aber ich habe die Schwierigheiten des Er­haltens. Meine Aufgabe ist weit schwieriger, weil sie viele Jahre in Anspruch nimmt. Meine Geduld, meine Vergebung und mein Mitleid übersteigen bei weitem Brahmas Akt des Erschaffens. Der Schöpfungsakt nimmt nur kurze Zeit in Anspruch, aber die Schöpfung zu erhalten, erstreckt sich über unbestimmte Zeit. Ich bin derjenige, den ihr als Höchsten lobpreisen solltet!“

Brahmas Anhänger sagte Vishnus Argumentation ganz und gar nicht zu. Sie meldeten Vishnus Fall Brahma und dann begannen Brahma und Vishnu heftig zu streiten und zu kämpfen. Der Streit wollte kein Ende nehmen.

Die vier Vedas konnten diesen Konflikt nicht ertragen. Sie nahmen die Form von vier göttlichen Wesen an und stellten sich vor Brahma und Vishnu, die eine hitzige Diskussion führten. Die Vedas sagten: „Wir glauben, dass Shiva bei weitem der Beste in der Dreieinigkeit ist. Ihr zwei streitet und kämpft, aber er steht über diesen Dingen. Nur gewöhnliche Menschen streiten und kämpfen auf diese Weise.

In dem Augenblick kam Lord Shiva vorbei: „Was geht hier vor?“ fragte er.

Vishnu fasste die ganze Geschichte zusammen: „Brahma denkt, er sei der Größte und ich denke, ich bin der Größte.“

Nun war Shiva an der Reihe. „Keiner von euch ist der Größte und Höchste“, sagte er. „Ich bin der Größte und Höchste.“

Vishnu ergab sich. „Ich kann nicht länger streiten, ich will gerne kundtun, dass du der Größte bist“, erklärte er.

Shiva war mit Vishnu sehr zufrieden, aber Brahma widersetzte sich Shiva heftig. Er sagte: „Ich bin zweifellos der Größte. Du gibst dich nur mit Geistern und Dämonen ab. Dich interessiert deine psychische Existenz nicht. Du trägst Totenschädel um deinen Nacken. Du glaubst nicht an die Schöpfung!“

„Genug!“, schrie Shiva. „Ich werde deine Beleidigungen nicht länger dulden. Ich fordere dich zum Kampf heraus!“

Als sich Shiva zum Kampf vorbereitete, trat ein Wesen aus seinem Körper und sagte: „Ich werde für dich kämpfen.“ Brahma und dieses Wesen schlugen sich gegenseitig sehr hart, aber das Wesen konnte Brahma schließlich einen seiner Köpfe abschlagen und Brahma fiel tot zu Boden. Ursprünglich hatte Brahma fünf Köpfe, aber dieses Wesen schlug einen seiner fünf Köpfe ab.

Shiva betrübte es, Brahma leblos am Boden liegen zu sehen. „Trotz allem“, sagte er, „war Brahma einmal mein Freund. Was habe ich getan? Dieses Wesen und ich sind schuld daran.“

Also belebte Shiva Brahma wieder, aber Brahma hatte nun nur mehr vier Köpfe. Brahma verfluchte sofort dieses Wesen: „Der Kopf, den du mir abgeschlagen hast, wird immer an deiner Hand haften bleiben.“

So blieb Brahmas fünfter Kopf an der Hand des Wesens haften, dessen Name Nandi war.

Eine andere Version dieser Geschichte besagt, dass der Kopf an Shivas Handfläche haften blieb. Wenn sich Shiva niederlegt, kann man ihn sehen.

Eine dritte Version besagt schließlich, dass Nandi von Ort zu Ort ging, um den Kopf von seiner Handfläche zu lösen. Letztendlich ging er zu Krishna, der ihm riet: „Geh nach Benares. Das ist der heiligste aller Orte. Dort wird die Heiligkeit des Ortes in deine Handfläche eintreten und du wirst sehen, dass der Kopf von deiner Handfläche abfallen wird.“

Nandi hörte auf Krishnas Rat und ging nach Benares. Sobald er diese heilige Stadt erreicht hatte, siehe da, löste sich Brahmas Kopf.

Shiva war sehr zufrieden mit Nandi, weil er den Kampf mit Brahma gewonnen hatte. Er sagte zu Nandi: „Ich bin sehr zufrieden mit dir. Du warst in der Lage, Brahma zu töten. Du bist sehr stark. Ich möchte, dass du bei mir bleibst. Von nun an wirst du der Führer aller Dämonen und Geister sein, die meine Untergebenen sind.“ So wurde Nandi Shivas ranghöchster Gefolgsmann.

Shiva beleidigt seine Frau

Es gab einen Asura, der unsterblich werden wollte, deshalb betete und meditierte er viele, viele Jahre. Schließlich erschien Brahma vor ihm, um ihm einen Gefallen zu gewähren und der Asura bat um die Gabe der Unsterblichkeit.

Brahma sagte: „Ich kann dir diesen Wunsch nicht erfüllen, doch eines kann ich zumindest für dich tun: Kein Mann wird die Fähigkeit besitzen, dich zu töten.“

Der Asura war sehr glücklich, denn er würde nun der stärkste und mächtigste unter den großen Kämpfern sein. Er drang sofort in den Himmel ein und warf Indra hinaus. Dann begann er den Himmel zu zerstören und vertrieb alle kosmischen Götter, einen nach dem anderen.

Die kosmischen Götter eilten zu Brahma und beklagten sich: „Was hast du nur getan, mein Lord? Jetzt musst du uns retten!“

Brahma sagte: „Ich bin der Schuldige. Ich habe diesen Wunsch gewährt, doch jetzt besitze ich nicht die Stärke, euch zu schützen. Ich muss zu Shiva gehen. Nur er kann euch aus dieser misslichen Lage befreien. Ich werde zu Shiva gehen und ihn fragen, was zu tun ist.“

Daraufhin ging Brahma zu Shiva und erklärte ihm die ganze Situation. Er sagte: „Ich schenkte diesem Asura die Gabe der Unbesiegbarkeit, und nun hat er Indra und alle anderen kosmischen Götter aus dem Himmel vertrieben. Es gibt nur einen einzigen Weg, wie er besiegt werden kann und das ist durch ein weibliches Wesen. Hast du nicht ein sehr mächtiges weibliches Wesen, das imstande ist, diesen Asura zu töten?“

Shiva dachte einen Augenblick nach. „Das ist eine sehr schwierige Aufgabe“, sagte er schließlich, „aber ich will mein Bestes versuchen. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann.“

Während Shiva nachdachte, wie dieses Problem zu lösen war, kam zufällig Parvati vorbei. Parvati war wunderschön und hatte einem hellen Teint. Ganz plötzlich sprach Shiva sie aus einem nicht bekannten Grund mit ‘Kali’ an. Sobald Parvati hörte, dass ihr Mann sie mit Kali anredete, wurde sie wütend.

„Warum rufst du mich bei diesem Namen?“, schrie sie. „Du hast mich geheiratet, weil ich so schön war. Warum verunglimpfst du mich nun? Bin ich dunkel geworden? Bin ich nicht mehr so schön? Ich verabscheue dich! Wer hat dich gebeten mich zu heiraten? Ich werde nicht bei dir bleiben. Wenn du denkst, dass ich dunkelhäutig bin, werde ich dich augenblicklich verlassen!“

Shiva unternahm keinen Versuch, seine Worte zurückzunehmen und so verließ Parvati ihn und ging in den Wald. Sie begann zu beten und zu meditieren und widmete sich strengen spirituellen Übungen. Eines Tages näherte sich ihr ein Tiger, als sie dasaß und meditierte. Er wollte sie töten und verschlingen. Als sie den Tiger sah, dachte Parvati: „Wie gut dieser Tiger ist! Ich meditiere hier ganz alleine und er ist gekommen, um mich zu beschützen.“ Sie trat in die Seele des Tigers ein und entfernte aus lauter Dankbarkeit und Liebe alle wilde Qualitäten des Tigers. Der Tiger blieb an ihrer Seite und wurde ihr ergebenster Anhänger.

Parvati meditierte weiterhin auf Brahma. Schließlich kam er sie besuchen. Er sagte: „Ich bin sehr zufrieden mit dir. Nun, was kann ich für dich tun?“

„Ich wünsche mir einen schöneren Teint“, sagte Parvati. „Shiva hat mich Kali genannt. Was für eine Beleidigung! Das heißt, meine Haut ist nicht mehr schön. Ich kann es nicht ertragen, wenn man mich dunkelhäutig bezeichnet. Ich möchte schöner sein.“

„Gut“, sagte Brahma, „ich werde dir diesen Wunsch erfüllen. Aus den Zellen deines Körpers wird ein dunkles Wesen heraustreten. Es wird fast schwarz sein. Wenn dein Körper von diesem Wesen befreit ist, wirst du schön, schöner, am schönsten werden. Von nun an wird man dich als ‚Gauri’ kennen, die, die den schönsten Teint hat.“

Sofort trat ein sehr dunkles und sehr mächtiges Wesen aus den Zellen von Parvatis Körper. Es nahm eine weibliche Form an und Brahma stattete es mit allen Arten spiritueller und okkulter Kräfte aus. Dieses Wesen kämpfte gegen den Asura und besiegte ihn. Dann kehrten Indra und alle anderen Götter zurück in den Himmel und lebten wieder in vollkommener Freude. Unterdessen ging Parvati zu Shiva zurück und auch sie waren wieder sehr glücklich zusammen.

Die beispiellose Schönheit der Göttin Parvati

Einmal wollte die Göttin Parvati schöner, schöner, am schönsten werden. Sie war bereits ausnehmend schön, aber ihre gegenwärtige Schönheit stellte sie nicht zufrieden. Ihre Schönheit sollte einzigartig sein.

Parvati wusste, dass diese Art der Schönheit nur durch die Kraft intensiven Gebets und intensiver Meditation erreicht werden konnte. Sie beschloss, ihren Mann Shiva zu verlassen und sich in die Abgeschiedenheit zu begeben, so dass sie sich fortwährend spirituellen Übungen widmen konnte.

Bevor sie aufbrach, bat sie Nandi, keiner Frau, die so aussah wie sie, zu erlauben Lord Shivas Haus zu betreten. Sie sagte: „Mein Lord ist schon oft von Frauen getäuscht worden, die meine Form annahmen und versuchten, sich ihm zu nähern. Du musst absolut sicher sein, dass ich es bin, die zurückgekehrt ist und niemand anderes. An­sonsten bin ich mir sicher, dass während meiner Abwesenheit einige Frauen versuchen werden, auch dich zum Narren zu halten.“

Nachdem sie strikte Anweisungen gegeben hatte, zog sich Parvati auf unbestimmte Zeit in den Wald zurück. Alle ihre Juwelen und ihre schönen Gewänder ließ sie zurück, damit sie ihre ganze Aufmerksamkeit dem Gebet und der Meditation widmen konnte.

Wenige Monate später wurde ein Asura oder Dämon, der zufälligerweise an Shivas Wohnstätte vorbeikam, auf die riesengroßen Tore vor dessen Haus aufmerksam. Der Dämon fragte einen der Wächter: „Wessen Haus ist das?“

„Es ist das Haus von Lord Shivas“, antwortete der Wächter.

„Ich möchte eingelassen werden“, sagte der Dämon hochmütig.

„Das ist streng verboten“, sagte der Wächter. „Ich habe die Anweisung von Parvati erhalten, dass niemand eingelassen werden darf.“

Äußerlich tat der Dämon so, als ob es ihm gleichgültig sei. „Gut“, sagte er, „wenn du den Leuten nicht erlaubst einzutreten, was kann ich tun?“

Innerlich kochte er vor Wut. Er ging heim und kehrte einige Tage später zum Tor zurück. Dieses Mal nahm er die Form eines winzigen Geschöpfs an. Er verwandelte sich in eine Art Schlange. Da dieses Geschöpf so klein war, konnte es unbemerkt an dem Wächter vorbei durch das Tor gelangen. Es war mit bloßen Augen fast nicht erkennbar. Sobald das Geschöpf in Shivas Haus war, nahm es die Gestalt von Parvati an. Es war über alle Maßen schön.

Als Shiva seine Frau vor sich stehen sah, war er voller Freude. Er näherte sich ihr, um sie zu umarmen. Doch als er seine Arme um die falsche Parvati legte, nahm der Dämon plötzlich seine alte Form an. Der Dämon griff Shiva an und ein schrecklicher Kampf brach los.

Schließlich gewann Shiva die Oberhand und der Dämon lag sterbend am Boden. Mit seinem letzten Atemzug sagte der Dämon zu Shiva: „Du hast mich getötet, aber ich warne dich. Eines Tages wird mein Bruder kommen und dich töten. Er wird ebenfalls Parvatis Form annehmen und dich töten. Er ist viel stärker als ich.“

Es war bekannt, dass dieser Dämon keinen Bruder hatte. Seine Drohung war nur Lüge. Er wollte, dass Shiva die wahre Parvati zerstörte, sobald sie vom Wald zurückkehrte.

Das Problem der falschen Parvatis setzte sich viele, viele Jahre fort. Genau wie Parvati vorhergesagt hatte, nahmen andere Wesen ihre Form an und versuchten die Wächter zu täuschen. Manchmal verwehrten ihnen die Wächter den Zutritt und andere Male, wenn es ihnen gelang einzutreten, erkannte Shiva sie. Shiva wollte kein zweites Mal zum Narren gehalten werden.

Nach einer langen Zeit kam eine Parvati und verlangte Einlass. Sie verhielt sich so sehr wie die wahre Parvati, dass die Wächter das Tor öffneten. Sie trat ein und ging zu Shiva. Shiva verdächtigte sie sofort. „O Gott“, seufzte er, „wieder will mich eine zum Narren zu halten.“

Shiva bereitete sich darauf vor, sich noch einmal zu verteidigen. Dieses Mal traten unzählige Wesen aus seinem Körper hervor, um die falsche Parvati zu zerstören. Aber zu Shivas größter Überraschung traten auch unzählige Wesen aus dem Körper dieser Parvati aus. Ein ungeheurer Kampf entbrannte zwischen den beiden Seiten.

Als Shiva die vielen Wesen bestaunte, die für Parvati kämpften, merkte er, dass nur die wahre Parvati diese Art spirituelle Kraft haben konnte.

„Du bist meine wahre Parvati!“, rief er und warf die Waffen nieder. Shiva drang zu ihr vor. Als er näherkam, bemerkte er, dass seine Frau jetzt unendlich viel schöner war als zuvor. Da sie so viele Jahre lang gebetet und meditiert hatte, war sie unvergleichlich schön geworden.

Kannst du dir vorstellen, eine göttliche kosmische Göttin, eine erhabene Göttin will unbedingt Schönheit erlangen! Es ist kein Wunder, dass sich alle Frauen jede Sekunde ihres Lebens nach Schönheit sehnen. Es begann alles mit unserer erhabenen Göttin Parvati.

From:Sri Chinmoy,Die Erd-Erleuchtungs-Trompeten der göttlichen Heimat, Teil 3, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2005
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/eit_3