{{htmlmetatags>metatag-robots=()}} Gehorsam – Herzensduft

Gehorsam – Herzensduft

Vorwort

In unserer Philosophie spielen Liebe, Ergebenheit und Hingabe eine sehr bedeutende Rolle. Wenn ich von Liebe spreche, meine ich göttliche Liebe. Wenn ich von Ergebenheit spreche, beziehe ich mich auf göttliche Ergebenheit und nicht auf menschliche Bindung. Und wenn ich von Hingabe spreche, dann spreche ich nicht von menschlicher Hingabe an eine überlegene Kraft, eine Hingabe, die aus Angst geschieht, sondern von göttlicher Hingabe, welche aus reiner Liebe und Ergebenheit anerboten wird.

Ich wollte, dass unsere Reise mit Liebe beginnt und dann weiterführt. Ich dachte, dass sich Ergebenheit auf der weiterführenden Reise entwickeln würde und dann nach einer gewissen Wegstrecke die Hingabe hinzukommen würde. Aber nun habe ich erkannt, dass bevor Liebe überhaupt in Erscheinung tritt, es zuvor noch etwas anderes geben sollte. Und dieses nennt sich Gehorsam.

Es gab eine Zeit, da dachte ich, wenn man jemanden liebt, sich Ergebenheit und Hingabe automatisch einstellen würden. Aber nun erkenne ich, dass selbst jemanden zu lieben, eines der schwierigsten Dinge auf Erden ist. Permanente Liebe ist äußerst schwierig, während selbstlose Liebe sogar außer Frage steht. Niemand kann jemand anderen bedingungslos lieben, es sei denn, er oder sie ist Gottverwirklicht.

Deshalb sage ich nun, dass Gehorsam zuerst kommen muss. Ich beginne unsere Philosophie mit einem weiteren Schritt. Wenn es freudigen Gehorsam gibt, dann werden Liebe, Ergebenheit und Hingabe folgen.

Guru Nanaks bester Schüler

Der Begründer des Sikhismus war Guru Nanak, ein sehr großer spiritueller Meister. Guru Nanak akzeptierte die Welt und wurde Teil der Welt, aber er war niemals an die Welt gebunden. Er war in der Welt und für die Welt, aber nicht von dieser Welt.

Guru Nanak hatte nicht wenige Schüler. Einige von ihnen gehorchten ihm bis zu einem gewissen Grad, während andere ziemlich ungehorsam waren. Guru Nanak hatte ebenfalls zwei Söhne und eine Tochter. Die bei­den Söhne waren extrem ungehorsam. Was für ein wunderbares Schicksal er hatte!

Guru Nanak besaß ein großes Stück Land, das er als Bauer bepflanzte. Eines Tages schnitt er Gras und band es zu vier oder fünf Bündeln zusammen. Da er bereits sehr betagt war, bat er seine Söhne, die Grasbündel zu seinem Haus zu tragen.

Doch beide Söhne weigerten sich diese Arbeit zu tun. Sie entgegneten ihm: „Nein, wir sind deine Söhne. Es ist unter unserer Würde, eine solche Arbeit zu verrichten. Wir werden es nicht tun.“ Daraufhin wandte sich Guru Nanak an einen seiner Schüler und bat ihn, die Bündel zu tragen. Dieser bestimmte Schüler war einst ein sehr, sehr reicher Mann. Zu jener Zeit war er auch verheiratet und hatte Kinder. Er hatte alles aufgegeben – seine Familie und sein materielles Leben – um ein spirituelles Leben zu führen.

Dieser bestimmte Schüler war so glücklich, dass sein Guru ihn bat, die Grasbündel zu tragen. Fröhlich packte er sie auf seine Schultern und machte sich auf den Weg zum Haus seines Gurus.

Als Guru Nanaks Söhne das sahen, sagten sie zu ihm: „Du stammst aus einer reichen Familie. Warum schuftest du hier wie ein Kuli? Das ist unter deiner Würde.“

Der Schüler erwiderte: „Nein, wenn ich Gott zufrieden stellen will, wenn ich für Gott hier auf Erden etwas erreichen will, dann muss der Gehorsam gegenüber meinem Guru an erster Stelle stehen. Es gab eine Zeit, da ich zwar auf der materiellen Ebene alles besessen hatte, jedoch nicht die Segnungen und die Liebe meines Gurus. Doch genau das ist es, was ich am meisten benötige. Ich brauche nichts weiter.“

Heiter setzte er seinen Weg fort und trug die Grasbündel zu Guru Nanaks Haus. Guru Nanak war äußerst zufrieden mit ihm.

Bei einer anderen Gelegenheit, es war mitten in der Nacht und begann es in Strömen zu regnen. Das Dorf wurde von einem heftigen Orkan heimgesucht und eine Wand von Guru Nanaks Haus wurde fast völlig weggeweht. Genau diese Wand war Teil des Zimmers, in welchem Guru Nanak lebte. Er hatte mehrere Räume in seinem Haus, aber aus einem bestimmten Grund wollte er in diesem bestimmten Zimmer sein. Deshalb weckte er so­gleich seine Söhne auf, und bat sie, in sein Zimmer zu kommen, um die Wand zu reparieren.

Beide erwiderten: „Du bist verrückt, uns um diese Uhrzeit rufen zu lassen! Es regnet in Strömen und der Sturm tobt immer noch. Außerdem ist es nicht unsere Aufgabe, Wände zu reparieren. Wir verstehen nichts davon. Morgen früh werden wir den Bauarbeitern Bescheid geben, damit sie kommen, um die Wand zu reparieren.“

Guru Nanak dachte an den Schüler, der die Grasbündel getragen hatte. Er ließ ihn rufen und bat ihn, die Wand zu reparieren. Der Schüler wusste nicht wie man Wände repariert, da er während der meisten Zeit seines Lebens reich gewesen war, doch er sagte zu sich selbst: „Mein Guru hat mich gebeten seine Wand zu reparieren. Ich muss es machen.“

Der arme Bursche fing an die Wand zu reparieren. Es dauerte einige Zeit, aber schließlich war es vollbracht. Als Guru Nanak die Wand begutachtete, sagte er zu seinem Schüler: „Es ist nicht zu meiner Zufriedenheit getan. Reiß die Wand ab und versuche es noch einmal!“

Ohne das geringste Zögern riss der Schüler die Wand ein und versuchte es erneut. In der Zwischenzeit beobachteten Guru Nanaks Söhne das Geschehen. Nach­dem der Schüler die Wand zum zweiten Mal fertig gestellt hatte, stellte Guru Nanak erneut Fehler fest: „Hier ist stimmt etwas nicht, dort stimmt etwas nicht. Mir gefällt die Wand überhaupt nicht. Reiß sie ab und beginn von neuem!“

So riss der Schüler die Wand wieder ein und begann sie erneut aufzubauen. Auf diese Weise baute der Schüler die

Mauer, drei oder viermal auf und jedes Mal sagte der Guru, dass er nicht zufrieden sei.

Guru Nanaks Söhne begannen über den Schüler zu lachen: „Wie viele Male willst du das noch tun? Unser Vater ist von Sinnen, dass er dich bittet, diese Arbeit auszuführen, und du bist verrückt, dass du auf ihn hörst. Es ist nicht deine Aufgabe. Morgen früh werden wir die Handwerker kommen lassen und sie werden die Wand zur Zufriedenheit unseres Vaters reparieren. Lass dir von uns einen vernünftigen Rat geben.“

Der Schüler erwiderte ihnen geduldig: „Ganz gleich wie viele Male es in Anspruch nimmt, die Wand zu reparieren, ich werde weiter versuchen meinen Meister, meinen Guru, zufrieden zu stellen.“

Der Schüler war darauf gefasst, die Wand wieder und wieder aufzubauen, doch nachdem er sie zum siebten Male aufgebaut hatte, sagte sein Meister: „Jetzt bin ich zufrieden. Du hast mich mit deinem Gehorsam wirklich zufrieden gestellt. Du hättest über mich verärgert sein können. Aber nein, du hast weiterhin aufrichtig versucht, mich zufrieden zu stellen. Du bist wahrlich mein bester Schüler, dank deines Gehorsams.“

**Kommentar**

Gehorsam ist von größter Wichtigkeit. Zu Beginn nennen wir es Gehorsam. Aber wenn unser inneres Wesen zum Vorschein kommt, wenn unser Verstand, unser Vitales und unser gesamtes physisches Bewusstsein erweckt sind und zum Licht emporstreben – zu dieser Zeit erkennen wir, dass Gehorsam nichts anderes ist, als unser völliges Einssein mit unserem eigenen höchsten Selbst. Unser niederes Selbst ist unwissend; es kennt nur Ungehorsam und Revolte. Doch wenn unser niederes Selbst einmal gegenüber dem Licht erwacht ist, dann gibt es nicht länger Fragen über höher und tiefer. Zu dieser Zeit ist alles Einssein. Das unerleuchtete Selbst wird eins mit dem erleuchteten Selbst und ist nicht länger uner­leuchtet.

Es ist wie mit dem Verstand und den Füßen. Nehmen wir einmal an, der Verstand repräsentiert unseren höheren Teil und die Füße repräsentieren unseren niederen Teil. Wenn unser Verstand unsere Füße bittet, uns beim Gehen zu helfen und die Füße gehorchen dem Verstand, dann gibt es zwischen den beiden keine Trennung. Wir betrachten unseren Verstand nicht höher als unsere Füße. Wir betrachten beide als integrierte Bestandteile unseres Körpers und erkennen, dass beide die ihnen zugeteilten Rollen spielen, so dass wir gehen können.

Doch leider revoltieren die Leute sofort, wenn sie das Wort „Gehorsam“ hören. Wenn dein Meister dich darum bittet, etwas zu tun, übermittelt er dir lediglich die Botschaften deiner eigenen Seele. Wenn jene, die sich meine Schüler nennen, ihren eigenen Seelen gegenüber gehorsam sein können, dann werden all ihre Probleme und all meine Probleme gelöst sein.

Der Gelehrte und der Dieb

Ein großer Gelehrter, der eine intellektuelle Größe war, las in einem Buch, dass man im Leben Glück und Vollkommenheit nur erlangen kann, wenn man einen wahren, lebenden spirituellen Meister hat. Der Gelehrte sagte sich: „Ich habe so viele Bücher gelesen, aber es ist mir nicht gelungen, glücklich zu werden. Ich will mich deshalb aufmachen und nach einem spirituellen Meister suchen.“

Er wollte einen spirituellen Meister finden, der in jeder Hinsicht absolut vollkommen war. Er ging zu einem spirituellen Meister, doch dann er sah, dass dieser Meister eine Brille trug. Der Gelehrte sagte zu sich selbst: „Schau dir das an! Ich brauche keine Brille, während er eine braucht. Was für eine Art Vollkommenheit ist das? Ich brauche diesen spirituellen Meister nicht!“

Er ging zu einem anderen spirituellen Meister und fragte ihn etwas. Der Meister beugte sich vor und hielt seine Hand ans Ohr. Der Gelehrte dachte: „Oh mein Gott, das bedeutet dass sein Gehör schlecht ist. Ich brauche auch diesen Meister nicht!“

Dann setzte er seine Suche fort, um einen anderen spirituellen Meister zu treffen, aber er fühlte, dass dieser zu alt war. Er sagte sich: „Dieser spirituelle Lehrer ist so alt, dass er sich nicht einmal mehr bewegen kann. Wie kann ich ihn als meinen Lehrer akzeptieren.“

So ging er von einem Meister zum anderen. Die Leute sagten ihm, dass dieser oder jener Meister die höchste Höhe erreicht hatte, aber da er seinen Verstand gebrauchte, sah er nur Unvollkommenheit in diesen Meistern. Jedes Mal kam er zu der Schlussfolgerung, dass er vollkommener war, als der Meister, den er gerade besuchte. Er fühlte sich sehr unglücklich, da er keinen passenden Meister finden konnte.

Eines Tages, nachdem er sein Abendmahl zu sich genommen hatte, fragte ihn seine Frau: „Warum bist du so traurig?“

Er antwortete: „Ich habe gelesen, dass man nur glücklich sein kann, wenn man einen spirituellen Meister hat. Ich habe so viele Meister besucht, von denen ihre Schüler gesagt haben, dass sie großartig, großartiger, am großartigsten seien. Doch jeder von ihnen wies solch beklagenswerte Mängel auf. Ich fühle, dass ich größere Vollkommenheit besitze als sie! Ich glaube nicht, dass ich jemals einen Guru finden werde. Das bedeutet, dass ich niemals wirkliches Glücklich­sein in meinem Leben erlangen werde. Was soll ich nur machen?“

Seine Frau fragte: „Macht es dich glücklich, wenn du spürst, dass du vollkommener bist als diese Meister?“

Der Gelehrte sagte: „Nein, ich bin nicht glücklich. Ich suche sie auf, um durch sie Glücklichsein zu erhalten, aber wenn ich sie sehe, fühle ich mich noch elender.“

Seine Frau sagte: „Das kommt daher, weil du auf deine eigene Weise nach Vollkommenheit suchst. Nun gut, ich habe eine Idee. Lass uns morgen gleich nach unserem Abendessen an den Waldrand gehen und dort warten. Die erste Person, die du siehst, ist jene, die du als deinen Meister annehmen musst.“

Der Gelehrte sagte: „All meine Versuche einen Meister zu finden sind fehlgeschlagen. Deshalb werde ich deinen Weg ausprobieren. Wen immer ich zuerst sehe, diese Person werde ich als meinen Meister annehmen.“

Seine Frau sagte: „Du musst dein Versprechen halten. Ansonsten wirst du den Rest deines Lebens damit zubringen, nach einem Meister Ausschau zu halten und wirst niemals einen finden. Ansonsten wird es immerzu so weitergehen.“

Der Ehemann willigte ein. So machten sie sich am darauf folgenden Abend auf und gingen zum Rand des Waldes. Nach einer Weile sahen sie einen Mann vorbeikommen. Er schien es furchtbar eilig zu haben. Die Frau deutete auf ihn und sagte: „Dort ist derjenige, den du annehmen musst! Er ist dein Guru!“

Der Gelehrte rief dem Fremden zu: „Halt, halt! Ich muss dich etwas fragen!“ Aber der Mann hatte keine Zeit, um mit dem Gelehrten zu sprechen und begann wegzulaufen. Doch der Gelehrte war sehr stark und er hielt den Mann einfach fest. Der Mann rief aus: „Ich kann nicht warten ich muss gehen!“ Er war in großer Eile, da er ein Dieb war, der gerade einen Überfall verübt hatte und nun davonlief. Doch der Gelehrte war stärker als der Dieb. Der Dieb war der Meinung, dass er wegen seinem Verbrechen festgehalten wurde.

Der Gelehrte sagte: „Ich möchte, dass du mein Guru wirst.“

Der Dieb traute seinen Ohren nicht. Er erwiderte: „Nein, nein ich kann nicht dein Guru sein. Ich bin ein schlechter Mensch. Ich bin ein Dieb. Ich habe gerade einen Überfall begangen und bin nun auf der Flucht. Als du mich festgehalten hast, hatte ich schon Angst, dass du mich der Polizei ausliefern würdest. Lass mich deshalb bitte, bitte von hier verschwinden!“

Der Gelehrte bat ihn: „Nein, du musst mein Guru sein!“

Der Dieb überlegte einen kurzen Moment und sagte dann: „Wenn ich dein Meister werde, wirst du mir dann gehorchen?“

Der Gelehrte sagte sogleich: „Ja, ich werde dir um jeden Preis gehorchen.“

Der Dieb sagte: „In diesem Fall werde ich dein Meister sein. Als erstes möchte ich, dass du deine Augen schließt.“

Der Gelehrte schloss seine Augen.

„Nun, pack deine Ohren an und halte sie auf diese Art fest.“ Auch diesmal gehorchte der Gelehrte.

„Nun möchte ich, dass du niederkniest und so bleibst, bis ich zurückkomme. Da ich nun dein Meister bin, musst du mir gehorchen. Für den Schüler kommt Gehorsam an erster Stelle!“ Dann rannte der Dieb davon.

Die Frau war unglücklich, aber was konnte sie machen? Der Guru hatte die Anweisung gegeben, dass ihr Ehemann niederknien sollte, seine Augen geschlossen halten und dazu seine Ohren fest halten sollte, bis der Guru zurückkehrt. So verharrte der Mann die ganze Nacht in der gleichen Stellung.

In der Zwischenzeit hatte der Dieb den Mann völlig vergessen und führte sein eigenes Leben. Den folgenden Tag ging er wieder auf Diebestour, doch dieses Mal wurde er von der Polizei erwischt und der Richter steckte ihn ins Gefängnis. Folglich fühlte sich der Dieb sehr elend.

Auch der große Gelehrten fühlte sich sehr elend. Sein Leiden war unerträglich, doch er wollte seinem Meister gegenüber nicht ungehorsam sein, indem er sich von seinen Knien erhob oder den Platz verließ.

Im Himmel fühlte sich Gott Vishnu elend, dass sich diese Geschichte auf der Erde ereignete. Deshalb erschien er mit all seinem Glanz vor dem Gelehrten und sagte zu ihm: „Ich bin der Herr; ich bin der Guru von jedermann. Deshalb bitte ich dich nun, deine Ohren loszulassen und deine Augen zu öffnen, damit du sehen kannst, wer Ich bin. Du musst nicht durch noch mehr Askese gehen.“

Der Gelehrte sagte: „Oh nein, ich werde nicht auf dich hören. Mein Guru hat mir aufgetragen, dass ich so verharren muss bis er zurückkommt. Und genau das ist es, was ich tun werde.“

Gott Vishnu entgegnete ihm: „Aber ich bin Gott! Ich bin dein Guru; ich bin der Guru deines Gurus; ich bin jedermanns Guru.“

Der intellektuelle Gigant wiederholte: „Ich werde nicht auf dich hören!“

„Aber du leidest doch!“, sagte Vishnu.

Der Mann erwiderte: „Ich leide, das ist wahr. Aber trotzdem muss ich warten, bis mein Guru kommt.“

Da der Mann nicht auf ihn hören wollte, erschien Gott Vishnu dem Richter in dieser Nacht in einem Traum. Der Richter war sehr glücklich, dass so ein schönes, strahlendes Wesen zu ihm kam. Das strahlende Wesen sagte: „Ich habe dir so viel Freude, so viel Licht gegeben. Kannst du nun nicht etwas für mich tun? Könntest du den Dieb entlassen, den du erst jetzt ins Gefängnis gesteckt hast?“

Der Richter sagte: „Du hast mir so viel Freude geschenkt. Sicher werde ich das tun.“

Am folgenden Tag entließ der Richter den Dieb. Er sagte zum Dieb: „Ich entlasse dich in die Freiheit, aber stiehl von jetzt an nicht mehr.“ Dann erschien der Gott Vishnu vor dem Dieb und sagte zu ihm: „Dein Schüler hört nicht auf Mich. Bitte geh zu ihm und erlöse ihn. Ich werde dir Freude und Erleuchtung geben.“

Der Dieb ging zum Waldrand, wo der Schüler immer noch kniete und sagte zu ihm: „Dein Guru ist gekommen. Sieh, ich bin hier! Öffne deine Augen und löse deine Hände!“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Gott Vishnu den Dieb bereits erleuchtet. Der große Intellektuelle, der nun auch eine spiritueller Größe war, öffnete seine Augen und fiel zu Füßen seines Meisters nieder. Dann erhielt auch er Erleuchtung.

**Kommentar**

Gott ist in jedem. Egal an wen du glaubst, Gott wird in der Lage sein, dir in und durch diese Person zu helfen. In diesem Fall erhielt der Schüler Erleuchtung von einem Dieb. Gott in Seiner eigenen transzendentalen Form, als Gott Vishnu, war es nicht möglich, diesen Burschen zu erleuchten, aber Gott war in der Lage ihm Erleuchtung, durch einen Dieb zu gewähren. Gott war nicht eifersüchtig, dass Er den Gelehrten nicht erleuchten konnte; Er fühlte Sich nicht traurig oder unglücklich. Alles was Gott interessiert ist unsere Erleuchtung. Wenn Er uns in und durch diese Person erleuchten kann, dann ist Er glücklich.

Diese Geschichte zeigt uns, dass Gehorsam von größter Wichtigkeit ist. Wenn du deinem Meister gehorchst, ganz gleich wie unvollkommen er sein mag, dann wird der Absolute Lord Supreme in der Lage sein, dich auf Seine eigene Weise zu erleuchten und zu erfüllen. Beginne deine spirituelle Reise mit Gehorsam. Wenn du Gehorsam besitzt, dann wird der Tag kommen, an dem du in deinem Gehorsam auch göttliche Liebe finden wirst. Und wenn du göttliche Liebe hast, dann werden auch Ergebenheit und Hingabe an den Supreme folgen.

An dem Tag, an dem du deinen Guru annimmst, wird dir etwas tief in deinem Innern sagen, dass du ihm gehorchen, ihn lieben und erfüllen willst. An diesem Tag vereinst du dich mit deiner Seele und gibst dir selbst das Versprechen, dass du deinem Meister gehorchen willst. Dein Meister verspricht dir nicht, dass er dir gehorchen wird. Nein, nein! Wenn der Schüler den Lehrer annimmt, dann willigt der Schüler ein, dem Lehrer zu gehorchen. Und nicht umgekehrt.

Manche Schüler wollen die Geschichte abändern. Manche Schüler erwarten und verlangen ständig etwas von ihrem Meister. Sie denken, dass sie mehr wissen als er. Aus diesem Grund denken sie, dass der Meister verpflichtet ist, sich nach ihnen zu richten. Aber Gott selbst will die Geschichte nicht ändern. Er möchte, dass die Geschichte sich so fortsetzt, wie er sie einst begonnen hat. Gott will, dass der spirituelle Lehrer, die Schüler lehrt, da der Meister ein wenig mehr weiß als die Schüler.

Wenn du die innere Stärke besitzt, deinem Meister zu gehorchen, wirst du der glücklichste Mensch sein. Wenn dein Meister dich bittet, ihm zu gehorchen, dann bittet er dich nicht dem Menschlichen in ihm zu gehorchen. Weit gefehlt! Er ist nicht wie ein Fußballspieler, der den Ball von der einen zur anderen Seite spielt. Er bietet dir lediglich die Nachricht an, die er von oben, von unserem Geliebten Supreme, der mein Guru, dein Guru und jedermanns Guru ist, erhält.

Was wir meinen, wenn wir von Gehorsam sprechen, ist, dass unsere eigene höhere Existenz, die durch den spirituellen Meister repräsentiert wird, unsere niedere Existenz, unseren zweifelnden Verstand und unser rebellisches Vitales zu erleuchten hat. Der Besitzer des Hauses kommt vom dritten Stockwerk in den Keller hinab, und während er herunterkommt, schaltet er auf jedem Stockwerk das Licht an. Schließlich ist das gesamte Haus erleuchtet. Auf diese Art und Weise vollzieht sich auch unsere spirituelle Erleuchtung.

König Shivaji kehrt zu seiner Festung zurück

Du hast sicher vom Taj Mahal gehört, das von König Sajahan erbaut worden ist. Der Sohn Sajahans war Aurangazeb. Aurangazeb war sehr schlecht. Er tötete all seine Brüder, steckte seinen Vater ins Gefängnis und tat viele andere schreckliche Dinge. Dann, am Ende seines Lebens verspürte er Reue.

Einst lud König Aurangazeb König Shivaji, den großen König Maharastras, zu sich in den Palast ein. König Shivaji nahm die Einladung an, da er nicht ängstlich gegenüber Aurangazeb dastehen wollte. Als er mit seinem Sohn eintraf, wurden beide festgenommen und ins Gefängnis geworfen. König Shivaji und sein Sohn, entkamen versteckt in einem Früchtekorb und machten sich, als religiöse Bettelmönche verkleidet, auf den Rückweg zu ihrem eigenen Königreich.

Nach vielen, vielen Tagen des Wanderns, erreichten sie eine Festung, die König Shivaji gehörte. Es war König Shivajis Befehl, dass die Festung von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang verschlossen blieb. Ganz egal wer zur Festung kam, dem Wächter war es nicht erlaubt, das Tor zu öffnen.

Als König Shivaji und sein Sohn die Festung erreichten, wusste der Wächter sehr wohl, dass es König Shivaji und sein Sohn war, die nun nach so vielen Monaten zurückgekehrt waren, und er wusste durch welche schweren Prüfungen sie gegangen waren. Aber trotzdem wollte er das Tor nicht öffnen.

Der Wächter stieg auf das Dach der Festung und befestigte das Ende eines Seils an einem Pfosten. Dann kletterte er an dem Seil außen an der Festung hinab. Sobald er am Boden angekommen war, warf er sich weinend vor Shivajis Füße und berührte ehrfurchtsvoll die Füße seines Königs.

König Shivaji musste ebenfalls weinen, da er so stolz war, dass der Wächter seinen Befehl, das Tor nicht zu öffnen, ausführte. König Shivaji und sein Sohn warteten bis zum Tagesanbruch außerhalb der Festung, obwohl der Wächter den Schlüssel hatte.

Der Schüler beweist seinen Gehorsam

Yoga ist ein Sanskritwort und bedeutet Vereinigung. Ein Yogi ist jemand, der seine Vereinigung mit Gott erlangt hat, der seinen Willen mit dem Willen Gottes vereint hat. Wenn du erst einmal Einssein mit Gottes Willen erlangt hast, beherrschst du automatisch bestimmte Kräfte. Diese Kräfte können entweder okkulte oder spirituelle Kräfte sein. Normalerweise erlangt man zuerst okkulte Kräfte, bevor man spirituelle Kräfte erlangt.

Es gab einmal einen großen Yogi. Dieser bestimmte Yogi besaß die Fähigkeit, im Himmel zu fliegen, auf dem Wasser zu laufen und so gut wie ohne Nahrung zu leben. Jeden Tag ging er um Essen bettelnd von Tür zu Tür. Wenn er bemerkte, dass er für den jeweiligen Tag genug Nahrung hatte, hörte er mit dem Betteln auf. So ging es jahrelang. Zu dieser Zeit kümmerte er sich nicht darum, Schüler anzunehmen.

Eines Tages kam er, um Essen bittend, an das Haus einer reichen Familie. Er wusste nicht im geringsten, ob die Besitzer des Hauses reich oder arm waren. Die Dame des Hauses gab ihm ausgezeichnetes Essen, welches sie selbst zubereitet hatte.

Er bemerkte, dass die Dame sehr traurig und depressiv war und so fragte er: „Mutter, warum bist du heute so traurig?“

Sie antwortete: „Ich bin nicht nur heute traurig. Ich bin bereits seit langer langer Zeit traurig.

„Warum?“, fragte der Yogi.

Die Dame erzählte ihm: „Ich bin nicht mit Kindern gesegnet, und ich hätte gerne zumindest ein Kind.“

Er sagte: „Das ist eine sehr einfache Sache.“

„Einfach?“, fragte die Dame.

„Ja“, antwortete der Yogi. Ich werde dir eine kleine Menge Asche geben. Diese sollst du einnehmen, und nach einer gewissen Zeit wirst du ein Kind bekommen.“

Die Dame war zutiefst beeindruckt. Nachdem der Yogi ihr Essen genommen hatte und gegangen war, ging sie zu ihren Nachbarn und erzählte ihnen, was der Yogi gesagt hatte.

All ihre Freunde lachten sie aus, und sagten zu ihr: „Diese Yogis sind nichts anderes als Gauner. Wie kannst du diesem Mann trauen?“

Die Nachbarn überschütteten sie mit Zweifeln und sie verlor das Vertrauen in den Yogi. Nun, anstatt die Asche einzunehmen, schüttete sie diese auf einen großen Heuhaufen. Nach zwölf Jahren kam derselbe Yogi zu dem eben erwähnten Haus zurück und bat nochmals um Essen. Als dieselbe Dame kam, um ihm Essen zu geben, sagte er zu ihr: „Mutter, wie geht es deinem Kind?“

Sie erwiderte: „Mein Kind? Wann habe ich ein Kind gehabt?“

Er sagte: „Du wolltest ein Kind haben, und ich gab dir Asche, die du einnehmen solltest.“

Die Dame erklärte: „Ach, meine Nachbarn sagten, dass ihr Yogis alle Gauner seid, daraufhin habe ich die Asche nicht eingenommen.“

Der Yogi begann zu lachen: „Was hast du mit der Asche gemacht?“

„Ich habe sie weggeschüttet.“ Dann zeigte sie ihm den großen Heuhafen, auf den sie die Asche geschüttet hatte. Der Yogi ging dorthin und hob ihn hoch. Unterhalb des Heus, saß ein wunderschöner zwölf Jahre alter Junge in einer meditativen Stellung. Er meditierte und atmete ganz normal.

Die dumme Frau wollte den Jungen für sich behalten, aber der Yogi sagte: „Nein!“ Der kleine Junge folgte dem Yogi und lebte fortan bei ihm.

Der Yogi schulte den Jungen im spirituellen Leben. Als der Junge noch in zartem Alter war, war der Meister in der Lage ihm okkulte und spirituelle Kräfte zu geben. Der Meister war mit dem Jungen sehr zufrieden, aber er wollte sehen, wie viel Hingabe und Gehorsam der Junge besaß. Wenn man reine Hingabe besitzt, dann ist Gehorsam so einfach, wie das Trinken eines Glases Wasser. Aber wenn es an Hingabe mangelt, ist es äußerst schwer, Gehorsam aufzubringen.

Eines Tages nahm der Meister seinen jungen Schüler mit, um für Essen zu betteln. An einem Haus gab die Familie ein Fest, und sie hatten ein äußerst wohlschmeckendes Essen zubereitet. Hunderte von Leuten waren beim Festmahl. Der Meister und der Schüler waren sehr hungrig und aßen die Speisen gierig auf. Sie waren mit dem Essen sehr sehr zufrieden.

Am folgenden Tag schickte der Meister den Jungen zum selben Haus und sagte ihm: „Geh und bring von der Familie das gleiche Essen, wie sie es uns gestern gegeben haben; es muss sehr wohlschmeckend sein.“

Der junge Mann ging zu dem Haus und sagte der Dame: „Bitte, mein Meister hat mich gesandt, das gleiche Essen wie gestern zu holen. Es muss äußerst wohlschmeckend sein.“

Die Dame sagte: „Wie kannst du das gleiche Essen erwarten? Gestern hatten wir hier ein Fest. Heute gibt es nichts. Niemand ist hier. Siehst du das nicht? Für das gestrige Mahl hatten wir einen Koch engagiert; deshalb ist es so gut gewesen. Heute wird es meine Zubereitung sein, und ich bin nicht ans Kochen gewöhnt. Ich habe so viele Angestellte und Diener, die das machen. Wie kannst du von mir erwarten, dass ich das gleiche Essen mache wie gestern?“

Er sagte: „Mein Meister hat mich gesandt, um sehr wohlschmeckendes Essen von dir zu holen. Ich habe es zu holen.“

Sie sagte: „Wie kannst du deinem Meister gehorchen? Es ist unmöglich; du kannst das nicht tun.“

Der Junge sagte: „Ich gehe nicht weg von diesem Haus, bis du mir nicht dieses wohlschmeckende Essen gegeben hast. Es ist der Befehl meines Meisters.“

Die Dame sagte: „Hörst du wirklich auf diesen dummen Meister, wenn er dich bittet etwas zu tun, das unmöglich ist?“

„Da gibt es nichts, das unmöglich ist“, erwiderte der Junge. „Wenn mein Meister mir befiehlt etwas zu tun, werde ich in der Lage sein es zu tun.“

Letztendlich sagte die Dame: „In Ordnung, ich bin bereit den Koch herbeizuholen, den ich gestern engagiert hatte und dir das gleiche wohlschmeckende Essen für deinen Meister zu geben, aber nur wenn du etwas Unmögliches tust.“

Er sagte: „Was ist unmöglich?“

Sie sagte: „Ich möchte, dass du dir vor mir dein Auge herausnimmst.“

Der Junge sagte: „Oh, das ist sehr einfach.“

Der Junge legte seine Finger um seinen Augapfel und begann ihn herauszureißen. Sofort strömte Blut aus seinem Auge.

Die Frau schrie: „Aufhören, aufhören, aufhören! Ich kann dich das nicht tun lassen.“

Dann ließ sie sogleich nach dem Koch schicken und sagte: „Der Koch wird das gleiche Essen wie gestern bereiten.“

Der junge Mann wartete, während das Essen zubereitet wurde. Es war sehr wohlschmeckend. Er brachte seinem Meister das Essen und dieser aß wieder sehr gierig. Dann fragte der Meister ihn: „Was ist mit deinem Auge passiert? Warum blutet es?“

Der Junge erzählte seinem Meister die ganze Geschichte: „Die Dame sagte, sie würde mir nicht eher das Essen geben, bis ich ihr nicht mein Auge gegeben hätte. Ich wollte es für sie herausnehmen, aber sie hielt mich zurück.“

Der Meister sagte: „Mein Kind, das nenne ich Gehorsam! Das nenne ich Hingabe! Das nenne ich Liebe für mich! Ich wollte, dass du beweist, dass du solche Liebe, solche Ergebenheit und solche Hingabe besitzt.“

Dieser bestimmte junge Mann wurde schließlich selbst ein großer Yogi und er war mit allen möglichen okkulten und spirituellen Kräften ausgestattet.

Dieser bestimmte Yogi war zwar in Bengalen geboren, doch in Nepal wurde er sehr bekannt.

Mehrere Tempel in Nepal sind ihm gewidmet. Sein Name war Gorakshanath und der Name seines Meisters war Matsyendranath.

From:Sri Chinmoy,Gehorsam – Herzensduft, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2007
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/ohf