Frage: Wenn der Verstand von einer anderen Seele angenommen wird, trägt der Verstand das Karma seines vergangenen Lebens mit sich?

Sri Chinmoy: Der Verstand wird die Essenz all seiner schlechten Eigenschaften behalten; das ist seine Bestrafung oder sein Karma. Diese Essenz der schlechten Eigenschaften wirkt wie eine sehr, sehr hohe Dosis homöopathischer Medizin; sie besitzt eine enorme Potenz. Du nimmst zwei Kügelchen homöopathischer Medizin ein und in einer Sekunde wird dein Geschwür aufbrechen! Stelle dir diese Potenz vor! Genauso trägt der Verstand die volle Potenz seiner schlechten Eigenschaften mit sich. Das ist der Grund, warum sich der Verstand kaum weiterentwickelt und nur ein geringes Ausmaß an Erleuchtung besitzt. Darin liegt auch der Grund, weshalb der Verstand keine plötzliche Erleuchtung erlangt, wenn er in die Welt des Verstandes eintritt. Wenn man bis jetzt nur einen Dollar verdient hat, kann man nicht erwarten, plötzlich eintausend Dollar zu bekommen. Folglich leidet der Verstand die meiste Zeit. Nur wenn die Person einen Unfalltod stirbt, wie zum Beispiel bei einem plötzlichen Autounfall, wird der Verstand nicht bestraft. Wenn eine Person lange lebt, besteht für den Verstand die Möglichkeit, sein Karma aufzuheben. Angenommen eine Person hegte zehn oder zwanzig Jahre lang sehr schlechte Gedanken oder benahm sich anderen Menschen gegenüber sehr grausam. Wenn diese Person nun mit Gebet und Meditation beginnt und versucht, die folgenden zwanzig Jahre ein gutes Leben zu führen, dann kann sie die schlechten Qualitäten ihres Verstandes reinigen, erleuchten oder auch völlig aufheben, während sie sich hier auf der Erde befindet. Doch bei vielen Menschen verhält es sich leider genau umgekehrt. Solange sie jung sind, haben sie einen reinen, offenen und mitfühlenden Verstand und entwickeln dann langsam, Schritt für Schritt, einen gierigen und zerstö­rerischen Verstand. Auf diese Weise werden all die guten Eigenschaften des Verstandes aufgehoben.

From:Sri Chinmoy,Sri Chinmoy antwortet, Teil 7, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2006
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/sca_7