Wenn ich die Vogelzeichnungen anfertige, binde ich mich nicht an ein starres Zeitschema. Für die eine Zeichnung benötige ich vielleicht nur vier Sekunden, weil die Seele dieses Vogels in hohem Maß empfänglich ist und ich bereits nach dieser kurzen Zeit mit der Zeichnung sehr zufrieden bin. Bei einer anderen Zeichnung lasse ich mir mehr Zeit, weil der Vogel dadurch mehr Licht von mir empfangen kann. Doch wenn keine Empfänglichkeit existiert, ist eine längere Fertigungsphase unnötig. Die Seelen sind also nicht gleich. Leider oder Gott sei Dank weisen manche Vögel mehr Potential auf. Oder man könnte sagen, manche kommen von einer höheren Welt und andere kommen von einer niedrigeren Welt. Sie stammen nicht alle von derselben Ebene.
Erst kürzlich verwendete ich für meine Vogelzeichnungen tagelang immer nur weißes Papier und manchmal geschah es, dass die einzelnen Seiten unterschiedliche Empfänglichkeit aufwiesen. Du wirst dich fragen: „O Gott, wie kann eine leere Seite empfänglich sein? Die Empfänglichkeit befindet sich doch nur im Vogel-Bewusstsein.“ Doch das stimmt nicht; sogar das Papier kann empfänglich sein. Wenn ich z. B. auf eine Seite erst sechs Vögel gezeichnet habe, so erkenne ich ganz deutlich, dass ich keinen weiteren mehr zeichnen muss. Ich bin zufrieden, da die Empfänglichkeit der leeren Seite groß genug war. Manchmal zeichne ich auch zwanzig Vögel, weil ich sehe, dass die Empfänglichkeit dieser Seite noch größer ist. Doch zu anderen Zeiten bin ich mit der Empfänglichkeit eines Blattes nicht zufrieden, aber ich zeichne weiter und weiter. Und erst wenn ich zwanzig, dreißig oder vierzig Vögel zu Papier gebracht habe, bin ich zufrieden mit dem, was ich diesem bestimmten Blatt geben konnte.From:Sri Chinmoy,Sri Chinmoy antwortet, Teil 8, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2007
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/sca_8