{{htmlmetatags>metatag-robots=()}} Ein Sucher des 20. Jahrhunderts

Ein Sucher des 20. Jahrhunderts

Ein Sucher des 20. Jahrhunderts1

Der Sucher des 20. Jahrhunderts leidet. Er leidet unter der lieblosen Dürre seines Herzens. Er leidet unter dem Verwirrungs-Markt seines Verstandes. Er leidet unter der Macht-Taktik seiner Lebenskraft. Er leidet unter der Lethargie-Überlegenheit seines Körpers.

Deprimiert hat er das Lied der Selbstaufgabe gesungen. Gedemütigt ist er auf der Straße des Welt-Protestes entlang marschiert.

Siehe, Gott, der Schöpfer alles Guten, hat aus Seinem unendlichen Mitgefühls-Licht heraus die Welt der De­pres­­sions­-Nacht aus dem Strebsamkeitsleben des Suchers entfernt. Gott, der Schöpfer alles Guten, hat den ergebenen Atem der Demütigungs-Hilflosigkeit aus dem Widmungs-Leben des Suchers entfernt. Kein Selbstaufgabe-Lied mehr; kein Welt-Protest-Marsch mehr! Der Sucher genießt nun das Lebens-Annahme-Lächeln. Seine freudige Annahme des Lebens ist seine Befreiung von der Untätigkeits-Nachsichtigkeit.

Es gab einmal eine Zeit, als das Leben des Suchers im luftleeren Raum zwischen den alten Ängsten und den neuen Zweifeln hing. Aber die fesselnden Ängste und die verblendenden Zweifel sind endlich verschwunden. Sie wurden durch unbesiegbaren Mut und unerschütterliches Vertrauen ersetzt.

Der Sucher strebt jetzt, weil er Gottes allbefreiende Höhen braucht. Der Sucher dient jetzt, weil er Gottes all-erleuchtende Tiefen braucht.

Des Suchers inneres Streben ist Gottes Stille-Leben. Des Suchers Widmung ist Gottes Klang-Leben. Stille-Leben ist Gott, die Saat; Klang-Leben ist Gott, die Frucht.

Des Suchers inneres Streben ist Gottes Visions-Leben. Gottes Vision sagt ihm, dass er der Erfolg der Unendlichkeit und der Fortschritt der Ewigkeit ist. Erfolg empfängt; Fortschritt erreicht. Erfolg empfängt Gott-Zufriedenheit von der äußeren Welt der Pflicht. Fortschritt erreicht Gott-Vollkommenheit von der inneren Welt der Schönheit. Des Suchers Widmung ist Gottes Manifestationsleben. Gottes Manifestation sagt ihm, dass er Gott gehört und für Gott da ist. In der inneren Welt gehört er Gott. In der äußeren Welt ist er für Gott da. In der inneren Welt ist er Gottes Traum-Wirklichkeit. In der äußeren Welt ist er Gottes Wirklichkeits-Traum.

  1. TCS 1. 18. Juni 1975, St. Francis Xavier Church, New York.

Die fünf Pfade der Liebe und Ergebenheit

Es gibt fünf Pfade der Liebe und der Ergebenheit. Auf einem Pfad findet der Sucher den Zugang zu Gott durch eine ruhige, sanfte, engelhafte und freudige Haltung.

Auf dem zweiten Pfad nähert sich der Sucher Gott auf die Weise, wie sich ein Sklave seinem Herrn nähert. Möchte der Sucher den Zugang zu Gott durch die Eigenschaften eines Dieners finden, dann ist dies der richtige Pfad für ihn. Hier ist der Sucher der ewige Sklave Gottes.

Auf dem dritten Pfad betrachtet der Sucher Gott als seinen ewigen Freund und Kameraden. Auf diesem Pfad spricht der Sucher ganz frei und offen mit Gott, ohne Hemmungen. Wir können die Verkörperung dieses Pfades in der Beziehung sehen, wie sie zwischen Arjuna und Krishna bestand. Arjuna näherte sich Lord Krishna als Freund. Doch schließlich veränderte sich seine Beziehung zu Krishna und Arjuna wurde zu einem vollkommenen, ergebenen Schüler.

In der vierten Beziehung betrachtet der Sucher Gott als sein eigenes Kind. Genau wie wir von einem Kind niemals etwas erwarten, so erwarten wir auch nichts von Gott. Wenn wir uns Gott auf diese Weise nähern, hegen wir keinen bewussten oder unbewussten Wunsch, etwas von Ihm zu fordern, so wie wir auch nichts von einem kleinen Baby fordern würden. Wir sind nur bestrebt, das Baby auf seine Weise zufrieden zu stellen. In Indien gibt es viele Verehrer von Lord Krishna, die an ihn als ewiges Kind denken. Dies ist ein sehr bedeutungsvoller Pfad, doch für den Westen ist er eher ungewöhnlich.

Der fünfte Pfad ist der Pfad der Süße. Hier werden der Liebende und der Geliebte eins. Auf diesem Pfad sehen wir die Vereinigung der strebenden menschlichen Seele mit der erfüllenden göttlichen Seele. Die menschliche Seele und das transzendentale Selbst werden kraft der absoluten Hingabe des Suchers untrennbar eins. Wenn ein Strebender seine innere und äußere Existenz vollständig, fröhlich, rückhaltlos und bedingungslos seinem inneren Führer, dem Supreme, hingeben kann, ist es ihm möglich, das süßeste, untrennbare Einssein mit dem inneren Führer zu erreichen.

Dies sind die fünf Zugangsmöglichkeiten auf dem Pfad der Liebe, Ergebenheit und Selbsthingabe. Jeder Strebende kann auf diesem Pfad eine, zwei oder auch drei dieser Zugangsmöglichkeiten nutzen.

Der Sucher kann aber auch alle Zugangsmöglich­keiten nutzen, wenn er es will. Es hängt ganz davon ab, welche Art der Beziehung der jeweilige Strebende mit seinem inneren Führer oder dem Supreme in seinem spirituellen Meister aufbauen möchte.

Frage: Vergrößert die äußere Nähe zu einem spirituellen Meister die eigene Fähigkeit?

Sri Chinmoy: Es gibt viele, die vor einem spirituellen Meister sitzen können, mit ihm sprechen, alle möglichen persönlichen Erfahrungen mit ihm haben können und trotzdem nichts aufnehmen. Nur das innere Streben des Suchers befähigt ihn, die göttlichen Eigenschaften des Meisters zu empfangen. Wenn der Sucher kein inneres Streben besitzt, dann ist es egal, welche Höhe der spirituelle Meister hat oder welche inneren Schätze er besitzt. Der Meister wird in diesem Falle nicht fähig sein, dem Sucher irgend etwas zu geben. Um den größten Gewinn von deinem spirituellen Leben zu haben, ist inneres Streben von größter Bedeutung. Kraft deines inneren Strebens kannst du Frieden, Freude, Liebe, Kraft und aufrichtige innere Anteilnahme von deinem spirituellen Meister erhalten. Dies sind die Qualitäten, die du in deinem spirituellen Leben benötigst.

Frage: Können der Meister und sein Pfad getrennt werden?

Sri Chinmoy: Der Lehrer und sein Weg sind untrennbar. Wenn du mich annimmst, musst du auch meinen Pfad annehmen. Wenn du meinem Pfad folgst, dann musst du auch mich annehmen. Vision und Wirklichkeit können niemals getrennt werden; echte Vision und die Wirklichkeit sind eins. So könnt ihr in mir sehen, dass die Vision nicht von der Wirklichkeit getrennt werden kann, genau wie das Feuer nicht von seinen Flammen getrennt werden kann.

Frage: Besteht deine Aufgabe darin, deine Schüler zu inspirieren?

Sri Chinmoy: Ich sage meinen Schülern, dass nicht ich ihr Führer bin. Der wirkliche Führer ist Gott. Gott ist dein Führer, mein Führer, jedermanns Führer. Gott hat mir aufgetragen, meine Schüler zu inspirieren, solange ich auf der Erde bin. Ich bin die Quelle ihrer Inspiration. Aber ich sage ihnen nicht, dass ich Gott bin. Ich sage nicht, dass ich ihre Verwirklichung bin. Ich sage nur, dass ich ihre Inspiration bin. Gott Selbst ist ihre Verwirklichung.

Frage: Beurteilst du als Guru deine Schüler und behandelst du jeden von ihnen unterschiedlich?

Sri Chinmoy: Gott hat uns zehn Finger gegeben und sie haben nicht alle dieselbe Form; sie haben nicht alle dieselbe Länge und Breite. Ebenso hat jeder Schüler seine eigene Entwicklungsstufe und der spirituelle Meister muss jeden individuell führen. Wenn jemand weiterentwickelt ist, muss der Meister ihn auf eine bestimmte Art behandeln. Wenn jemand weniger weit entwickelt ist, muss der Meister ihn ebenfalls anders behandeln. Es gibt da keine allgemein gültige Regel. Ein Löwe, eine Katze, ein Esel und ein Affe können nicht alle den gleichen Standard haben. Der Meister sagt also folgendes zu jedem seiner Schüler: „Komm alleine zu mir und meditiere mit mir. Ich werde dir deine Meditation geben und ich werde wissen, wenn du innerlich etwas erreichst.“

Frage: Könnte es passieren, dass es mir nicht bewusst ist, dass du mein wirklicher Meister bist?

Sri Chinmoy: Es könnte sein, dass du aus Angst oder wegen Zweifeln nicht sofort erkennen würdest, dass ich dein Meister bin. Doch nach und nach würdest du Freude spüren. Deine innere Freude würde wie ein Muskel wachsen und sehr stark werden. Der Meister besitzt größte Liebe für seine Schüler. Diese Liebe des Meisters wird im Herzen des Schülers in Freude verwandelt. Wenn du mit einem spirituellen Meister zusammen bist und große Freude verspürst, dann fühle bitte, dass dieser Mensch dein wahrer Meister ist. Wenn du starkes Vertrauen in dein spirituelles Leben hast und eine bestimmte Person dein wahrer Meister ist, dann wird dich schon allein seine Gegenwart von dieser Tatsache überzeugen. Eine weitere Möglichkeit, deinen wahren Meister zu erkennen, besteht darin, dass in dem Augenblick, wo du ihm begegnest, du zu einem spirituellen Kind wirst. Wenn du dich durch die Anwesenheit des Meisters wie ein göttliches Kind fühlst, weißt du, dass diese Person dein wahrer Meister ist.

Frage: Wieviel Zeit benötigst du, um zu entscheiden, ob du jemanden als Schüler annimmst?

Sri Chinmoy: Wenn ich jemanden sehe, der mein Schüler werden möchte, ist die Antwort bereits da, noch bevor diese Person überhaupt fragt, ob sie angenommen wird. In deinem Fall möchte ich dir sagen, dass ich dich von ganzem Herzen annehme. Bevor du die Frage formuliert hattest, wusste ich es bereits. Wenn ich Sucher bitte, mir ein Foto und einen kurzen Lebenslauf von sich zu schicken, brauche ich nur eine flüchtige Sekunde, um zu entscheiden, ob ich sie annehme oder ablehne. Der Supreme in mir fällt diese Entscheidung.

Frage: Wenn Leute deinen Pfad verlassen, bedeutet das, dass sie nicht dazu bestimmt waren, deine Schüler zu werden?

Sri Chinmoy: Wen immer ich auswähle, der ist auch ganz sicher für unseren Pfad bestimmt. Die Leute kommen nicht aus einer bloßen Laune heraus zu uns. Sie kommen, weil sie eine innere Verbindung zu uns haben. Sie haben vielleicht von mir geträumt oder spürten eine intensive Freude beim Lesen meiner Bücher. Doch selbst wenn sie nie zuvor von mir gehört hatten, bevor sie mich das erste Mal sahen – wenn ich sie annehme, bedeutet das, dass sie ganz sicher für mich bestimmt sind. Wenn sie dann fortgehen, geschieht das nicht, weil sie den falschen Pfad gewählt haben, nicht weil es ein Fehler war, dass sie zu mir kamen. Ihr Fehler ist das Fortgehen.

Frage: Was ist die beste Haltung, die deine Schüler dir gegenüber einnehmen können?

Sri Chinmoy: Ich pflege immer zu sagen, dass ich ihr ewiger Vater, ihre ewige Mutter und ihr ewiger Freund bin.

Frage: Guru, manchmal habe ich Angst vor dir.

Sri Chinmoy: Warum hast du Angst vor mir? Bin ich ein Löwe oder ein Tiger? Ich bin ein vollkommen hingegebenes Instrument Gottes, gleichzeitig bin ich dein ewiger spiritueller Vater. Bitte habe keine Angst vor mir. Im spirituellen Leben musst du weit laufen – sehr, sehr weit. Wenn du keine Angst vor mir hast, sondern voller Liebe und Hingabe zum Supreme in mir bist, kannst du am schnellsten laufen. Fühle bitte, dass der Supreme in mir und durch mich arbeitet. Dann wirst du bedeutend schneller laufen können.

Frage: Sind alle Schüler auf irgendeine Art miteinander verbunden?

Sri Chinmoy: Unter den Schülern gibt es viele Seelen, die schon früher zusammen waren und so haben sie in dieser Inkarnation erneut ein inneres Einssein aufgebaut. Stell dir vor, fünf, zehn oder fünfzehn Leute haben ein inneres Einssein miteinander aufgebaut. Ihre guten Gedanken werden sie untereinander viel mehr inspirieren und auch ihre schlechten Gedanken werden sich viel stärker aufeinander auswirken als auf andere. Ich weiß mit Sicherheit, dass es einige Gruppenseelen unter meinen Schülern gibt. Sie leben vielleicht nicht alle hier in New York; einige sind auch in anderen Zentren. In der inneren Welt gibt es keine Trennung. Manchmal haben diese Seelen die gleichen Träume, nur auf verschiedenen Ebenen. Du hast zum Beispiel einen Traum auf einem bestimmten Zweig des Wirklich­keitsbaumes und auf einem anderen Zweig hat jemand anderes den selben Traum. Am folgenden Tag hast du den Traum vielleicht schon vergessen, aber du wirst sehr gute Gefühle gegenüber dieser anderen Person hegen. Wenn du nun durch die Straßen bummelst, oder bei der Arbeit bist, wird dir diese Person plötzlich durch den Kopf gehen, obwohl du überhaupt nicht an sie gedacht hast.

Frage: Legst du wirklich mehr Wert auf Schüler von hoher Qualität als auf eine große Anzahl von Schülern?

Sri Chinmoy: Das ist absolut richtig. Ich ziehe Qualität immer der Quantität vor. Ich bin Tausenden und Abertausenden von Suchern begegnet, von denen viele sehr aufrichtig waren; aber sie waren nicht für unseren Pfad bestimmt. Von den siebzigtausend oder noch mehr, denen ich begegnet bin, habe ich nur siebenhundert als Schüler angenommen. Wenn ich zu Gott gehe, wird Er mich nicht fragen, wie viele Schüler ich hatte; Er wird nur nach denen fragen, die für mich bestimmt waren. Der Chef hat mich gebeten, eine bestimmte Aufgabe zu erledigen und ich werde genau das tun. Er wird mich nach denen fragen, für die ich verantwortlich bin und ich werde antworten: „Ja, das sind die Menschen, um die ich mich kümmern sollte und ich habe es getan.“

Frage: Waren alle deine Schüler dazu bestimmt, in dieser Inkarnation zu dir zu kommen?

Sri Chinmoy: In den meisten Fällen war es vorherbe­stimmt, dass sie zu mir kommen sollten. Es gibt viele Seelen, die jetzt mit mir zusammen sind und die schon in früheren Inkarnationen mit mir verbunden waren. Es gibt aber auch eine große Anzahl, die ich aus der Region der Seele kenne. Als sie anfingen, hier auf der Erde zu streben, suchten sie nach mir. Doch es sind nicht alle Seelen für mich bestimmt.

Heute bei den Vereinten Nationen sagte der Freund eines Schülers zu mir: „Wenn ich hierher komme, schenkst du mir echte Freude, aber ich habe jemand anderen als meinen Lehrer angenommen.“ Seine Seele zieht ihn zu mir, aber sein Vitales zieht ihn wieder fort. Ich habe ihn nicht ermutigt. Ich sagte ihm, er solle bei seinem Guru bleiben.

Die meisten Seelen, die zu mir gekommen sind, sind für mich bestimmt, selbst die, die mich verlassen haben – außer vielleicht ein oder zwei, die der Supreme auf Seine Weise fortnahm, da Er nicht wollte, dass sie bei mir blieben. Er wird sich um diese kümmern, aber die anderen, die mich verlassen haben, müssen warten, bis ich ihnen wieder einen inneren Anstoß gebe – weil ich derjenige bin, der zu hundert Prozent für sie verantwortlich ist. Die Schüler mögen mich auf der physischen Ebene verlassen, doch in der inneren Welt bleiben ihre Seelen meine wahren Schüler.

Die Mission der Schüler

In fünfzig, sechzig, achtzig oder hundert Jahren werdet ihr die Resultate der Samen sehen, die wir jetzt säen. Selbst wenn nur zwanzig oder dreißig Leute einen meiner Vorträge besuchen, macht das nichts. Manchmal tut es mir sehr leid, wenn nur wenige Leute kommen, aber selbst wenn überhaupt niemand erscheint, bin ich bereit zu den Wänden des leeren Raumes zu sprechen. Ich muss Vorträge geben, weil der Supreme das von mir erwartet. Wenn anderer­seits mehr Leute kommen – um so besser, denn dann haben viele Leute die Gelegenheit, von spirituellen Dingen zu hören. Wenn jeder von euch fühlt, dass meine Mission eure Mission ist, dann werdet ihr auf jede er­denkliche Weise unsere Mission unterstützen.

Ein Schüler von Sri Ramakrishna, der sich der Mission seines Meisters voll gewidmet hatte, schwor eines Tages, dass er ein Sri Ramakrishna Zentrum in Madras aufbauen würde. Als er von Bengalen nach Madras kam, waren seine einzigen Besitztümer ein Regenschirm und ein Bild von Sri Ramakrishna. Ob Regen oder Sonnenschein, dieser junge Mann trug immerzu das Bild und den Regenschirm bei sich. Jahrelang arbeitete er nahezu ohne Mittel. Er kämpfte so hart und jetzt ist das Ramakrishna Zentrum in Madras in ganz Indien bekannt.

Eines Tages hielt er einen Vortrag im Mylapore Centre. Da es ein regnerischer Tag war, erschien niemand zum Vortrag. Der Redner stand auf und sagte: „Niemand ist da? Wo könnte ich ein besseres Publikum als die Wände finden?“ Er hielt seinen Vortrag. Anschließend sagte er: „Die Wände haben so hingegeben zugehört; sie sind mein bestes Publikum. Die Wände diskutieren nicht, sie machen keinen Lärm, sie widersprechen meinen Ansichten nicht. Andere zweifeln und sind misstrauisch; sie haben andere Ansichten. Aber die Wände haben alles aufgenommen, was ich geben wollte. Heute war mein Publikum wirklich göttlich.“

In meinem Fall verhält es sich ebenso. Wenn Leute kommen, wird das Licht, das ich anzubieten habe, an unzählige Menschen verteilt. Aber wenn wir keine Zuhörer haben, sagen wir wie Sri Ramakrishnas Schüler: „Die Wände haben mich angenommen“. Als ich kürzlich an der Brandeis Universität sprach, waren dort sehr wenig Leute zugegen. Aber hinter dem Publikum, genau mir gegen­über, sah ich den Supreme. Er sagte zu mir: „Ich höre zu. Ich bin der Zuhörer.“ Er wird uns zuhören, selbst wenn wir kein Publikum sehen.

Jeder von uns kann hingebungsvollen Dienst leisten. Ich bete, dass jeder meiner Schüler die Botschaft des Supreme mit Hingabe und Widmung verbreiten kann. Wenn du dies ohne Stolz, Eitelkeit oder Ego tust, dann erfüllst du den Supreme auf die Art, die der Supreme von dir erwartet.

Frage: Wie können wir spontanere Instrumente werden, um dein Licht zusammen mit anderen Schülern zu manifestieren?

Sri Chinmoy: Die anderen Schüler sind alle Mitglieder deiner spirituellen Familie, du musst dir also deshalb keine Sorgen machen. Wenn du deinem Bruder etwas mitteilst, missversteht er dich vielleicht und wird ärgerlich, aber er wird dir schon kurze Zeit darauf wieder vergeben. Du solltest dich selbst als Kind sehen und deine spirituellen Brüder und Schwestern ebenfalls als Kinder. Denke nicht, dass sie vierzig, fünfzig oder sechzig Jahre alt sind und du erst fünfundzwanzig. Wenn du mit ihnen sprichst, denke, dass du vier Jahre alt bist und sie ebenfalls vier Jahre alt sind. Fühle, dass sie den selben Standard wie du haben. In Bezug auf Aufrichtigkeit, Einfachheit, Reinheit und andere göttliche Eigenschaften haben sie den selben Standard wie du. Sie haben vielleicht auf der äußeren Ebene weit mehr erreicht als du, aber da du spirituell sein möchtest und sie spirituell sein möchten, habt ihr alle den selben Hintergrund. Du möchtest dich ihnen mit Spiritualität nähern und sie möchten sich dir mit Spiritualität nähern. Wenn du die Situation so betrachten kannst, wirst du automatisch spontaner werden.

Frage: Ich würde gerne wissen, welche Form von spiritueller Aktivität in deinen Augen nützlicher ist: zu meditieren und der Menschheit Wohlwollen zu schenken oder an der äußeren Manifestation teilzunehmen?

Sri Chinmoy: Beides ist gleichermaßen wichtig. Wie auch immer, du solltest wissen, welche Art von Dienst du anbietest. Viele der spirituellen Meister und verwirklichten Seelen Indiens haben niemals Vorträge gehalten oder Bücher geschrieben. Sie wollten nichts mit der Menschheit zu tun haben. Daher verbrachten sie ihre Zeit in den Höhlen des Himalayas und an anderen einsamen Orten. Während sie meditierten, schenkten sie der Menschheit ihr Wohlwollen. Dies war ihr hingegebener Dienst. Wenn man gute Gedanken verbreitet, ist das ganz sicher eine Form ergebenen Dienens. Wenn aber jemand meditiert und gute Energie auf der inneren Ebene verbreitet und außerdem ergebenen Dienst auf der physischen Ebene leistet, dann gibt er mehr und sein ergebener Dienst ist größer. Wenn ich mit meinen Schülern meditiere, bringe ich Frieden, Licht und Seligkeit für sie herab und biete ihnen meinen inneren Reichtum an. Wenn ich zu den Vereinten Nationen und verschiedenen Universitäten gehe und Vorträge gebe und Meditationen halte, biete ich meinen ergebenen Dienst auch den Suchern an. Ich bin der Meinung, wenn jemand beide Hände gebrauchen kann, die innere gute Schwingung und den äußeren ergebenen Dienst, dann kann er einen besseren Beitrag für Mutter Erde leisten, als wenn er der Menschheit nur auf der inneren Ebene dienen würde.

Frage: Wie erwirbt man Hingabe?

Sri Chinmoy: Es gibt zwei Arten der Hingabe: eine menschliche und eine göttliche. Menschliche Hingabe ist die Hingabe eines Sklaven an seinen Meister. Der Sklave liegt dem Meister zu Füßen und der Meister ist normalerweise grob, unfreundlich und grausam. Der Sklave besitzt keine eigene Existenz. Der Sklave muss sofort tun, was der Meister befiehlt, sonst wird er vom Meister bestraft. Die andere Art der Hingabe ist die spirituelle Hingabe. Hier gibt man seine eigene, niedere Existenz seiner höheren Existenz hin. Du kannst an deine Füße als deine niedere Existenz denken und an dein Herz als deine höhere Existenz. Du weißt, dass deine Füße dir gehören und ebenso dein Herz. Du kannst deine Füße kritisieren, indem du sagst: „Meine Füße besitzen nicht die Weisheit, die mein Herz besitzt. Mein Herz ist voller Weisheit.“ Doch wenn du deine Füße in dein Herz aufnimmst – wenn du das Niederste zum Höchsten bringst – wird das Niedere mit dem Höchsten eins und empfängt alle göttlichen Eigenschaften des Höchsten in grenzenlosem Maße.

Frage: Was geschieht, wenn wir versuchen, uns hinzugeben, es uns aber misslingt? Erhalten wir Freude durch den bloßen Versuch?

Sri Chinmoy: Große Freude liegt nicht nur im Erfolg, sondern ebenso im Versuch. Wenn wir dem Supreme das Ergebnis schenken, empfangen wir die größte, die alles erleuchtende Freude. Wenn wir etwas Spirituelles tun, sollten wir dem Supreme immer unsere Dankbarkeit aner­bieten. Selbst wenn wir keinen Erfolg haben, sollten wir wirklich dankbar sein, dass wir die Gelegenheit erhalten haben, Ihm zu dienen, während andere diese göttliche Gelegenheit nicht hatten.

Frage: Als ich einschlief, hörte ich eine Stimme „Ma!“ rufen. Woher kam sie?

Sri Chinmoy: Das ist dein innerer Ruf, den du mit deinen physischen Ohren gehört hast. Dein innerer Ruf ist zum Vorschein gekommen, um deinem äußeren Wesen mitzuteilen, dass es bewusster sein soll. Du betest und meditierst gut, aber du kannst in all deinen täglichen Aktivitäten bewusster sein, göttlich und spirituell bewusster. Dein innerer Ruf sagt deinem äußeren Wesen, dass es ständig achtsamer und ergebener sein soll. Manchmal bist du bereit, alles für die Welt, für die Manifestation zu tun. Doch wenn nicht in jedem deiner Gedanken Reinheit wohnt, wird zwischen deinem inneren Ruf und deinen äußeren Tätigkeiten immer ein gähnender Abgrund bestehen. Alles, was du in deinem Leben tust, muss durch deinen inneren Ruf geführt und geordnet werden. Glaube nicht, dass dieser innere Ruf aus dem menschlichen Teil deines Wesens kommt; er kommt vom göttlichen Kind in dir. Dein inneres Wesen sehnt sich danach, dass du dir deines erhabenen Zieles ständig bewusst bist.

Individualität und Persönlichkeit

Der Lotos als Blume hat seine eigene individuelle Identität, doch jedes seiner Blütenblätter besitzt ebenfalls eine eigene Individualität. Manche Blütenblätter sind klein, andere groß und jedes Blatt hat seine eigene Form. Wenn wir die Blütenblätter des Lotos einzeln betrachten, erhalten wir große Freude, weil wir die Individualität oder Persönlichkeit jedes Blattes wahrnehmen können. Wenn wir hingegen die Blätter als Ganzes betrachten, erhalten wir ebenfalls Freude, da wir nun die Individualität und die Persönlichkeit des ganzen Lotos wahrnehmen.

Die Schüler sind alle zusammen in meinem Boot, aber ich möchte nicht, dass ihr euch alle so benehmt wie einige militärische Sportler, die ich einmal gesehen habe. Wie gleichförmig sie waren! Wenn es zuviel Gleichförmigkeit gibt, wird alles monoton, mechanisch, maschinell; es ist kein Leben mehr darin vorhanden. Wir sind zusammen und arbeiten zusammen, aber trotzdem treten neues Licht und neue Inspiration in uns ein. Nehmen wir an, dass gerade in diesem Augenblick neue Inspiration in dir entsteht. In einigen Stunden tritt dieselbe Inspiration in einen anderen Schüler ein. Auf diese Weise wächst deine eigene Persönlichkeit und Individualität und sie weitet sich aus, wenn du ein Teil der Gruppe bist.

Eine Person kann viele Fähigkeiten besitzen, jede mit einer eigenen Individualität und Persönlichkeit. Sie kann ein Musiker sein und gleichzeitig Architekt, Zimmermann und Koch. Diese unterschiedlichen Fähigkeiten schaffen keine Konflikte in ihrem Leben, die Fähigkeit als Musiker wird nicht durch ihre Fähigkeit als Zimmermann bedroht. Nein! Die Fähigkeiten passen vollkommen harmonisch zuein­ander, da die Person weiß, dass sie alle zu ihr gehören und sie die Fähigkeiten ganz als ihr eigen annimmt. In einer Gruppe ist einer ein Sänger, ein anderer ein Tänzer, eine weitere Person ein Dichter; aber sie harmonieren alle mit­einander. Die Gruppe ist nur eine Erweiterung des Bewusstseins jedes Einzelnen.

Ein Klavier hat viele Tasten. Jede Taste hat ihre bestimmte Note oder ihren bestimmten Ton, ihre eigene Individualität und Persönlichkeit. Wenn die Tasten zusammen gespielt werden, verlieren sie ihre Persönlichkeit nicht; sie arbeiten als Einheit und schaffen etwas ganz Besonderes. In einem Orchester werden viele Instrumente gespielt und jedes Instrument repräsentiert oder verkörpert eine Art von Individualität und Persönlichkeit. Wenn sie zusammen gespielt werden, erschaffen sie gemeinsam eine göttliche Atmosphäre; sie schaffen den Himmel auf Erden. Wenn du sie einzeln betrachtest, hat jedes seine eigene Individualität, aber als Individuum können sie nicht das Königreich des Himmels auf die Erde bringen. Wir ergänzen und stärken uns, wenn wir zusammen sind.

Meine Schüler haben einmal das Theaterstück aufgeführt, das ich über Lord Krishna geschrieben habe. Vom spirituellen Gesichtspunkt aus gesehen hatte der Schüler, welcher die Rolle von Lord Krishna spielte, den wichtigsten Part. Er spielte seine Rolle äußerst gut und ich war sehr stolz auf ihn. Aber Lord Krishnas Freund Sudam, die bedeutungsloseste Person, der Ärmste der Armen, hat seinen Part ebenfalls gut gespielt. Sri Krishna war der König, der Herr der Schöpfung und der andere, Sudam, besaß überhaupt keinen Status. Als sie sich trafen, hatte Sudam seine eigene Individualität und Persönlichkeit und Sri Krishna hatte auch seinen eigenen Status; aber als sie beide zusammen sprachen, wurden sie eins. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich Sudam und auch keinen anderen in dem Stück von Lord Krishna unterscheiden. Sie spielten gemeinsam. Die Persönlichkeit und Individualität jedes Einzelnen trafen zusammen und es wurde ein großartiges Schauspiel. Wenn wir wollen, können wir die Charaktere trennen, einer ist Lord Krishna und der andere ist Sudam. Wenn beide zusammenarbeiten oder zusammen sind, verlieren sie weder ihr Bewusstsein noch ihre Individualität. Ganz im Gegenteil. Ihre Persönlichkeit und Individualität wird gestärkt, da die Stärke des einen in den anderen eintritt und umgekehrt. Wenn wir zur gleichen Familie gehören, wird meine Stärke in dich eintreten und deine Stärke wird in mich eintreten.

Wenn ihr meditiert, behaltet ihr eure eigene Persönlichkeit und Individualität, doch ihr dehnt euch aus. Wenn ihr während eurer Meditation auf jemand anderen schaut, erweitert ihr euer Bewusstsein. Ihr glaubt es vielleicht nicht, ihr bemerkt es möglicherweise nicht oder versteht es nicht, aber es geschieht. Wenn ihr gemeinsam mit den Mitgliedern eurer Familie meditiert, werdet ihr sehen, dass euer Kind, euer Ehemann, eure Ehefrau eine Erweiterung eures Bewusstseins sind. Wenn Leute vor mir meditieren, sehe ich manchmal den Sohn oder die Tochter im Gesicht oder im Herzen der Mutter oder des Vaters, selbst wenn die Kinder nicht anwesend sind. Manchmal werden die Kinder durch die Meditation ihrer Eltern im Centre zutiefst berührt, selbst wenn sie zu Hause geblieben sind. Obwohl ihr euch durch die Meditation immer mehr ausdehnt, bleibt ihr als Individuum doch immer ihr selbst. Eine Familie sieht so schön aus, wenn sie hier zusammen ist; ich sehe alle als eine Einheit gemeinsam wachsen. Die Tochter mag vielleicht noch sehr jung sein, aber sie ist dennoch Teil der selben Familie. Ich würde niemals sagen, dass das Kind der Mutter unterlegen ist, dass es nicht neben ihr stehen oder mit ihr zusam­men sein darf. Nein, ich werde einfach tief berührt sein, wenn ich sie zusammen sehe.

Wenn ihr euch während der Meditation ausdehnt, berührt ihr nicht nur eure Familienmitglieder, sondern ebenfalls eure Freunde. Angenommen ihr habt eine hohe Meditation im Centre und ein naher Freund von euch, der nicht mein Schüler ist, kommt euch in den Sinn. Die Seele eures Freundes ist vielleicht nicht fähig, direkt zu mir zu kommen, doch da diese Seele eine große Affinität zu eurer Seele fühlt, möchte sie Hilfe von euch. Ihr selbst bekommt Hilfe von mir, aber echte Hilfe für die Seele eures Freundes wird durch euch kommen und nicht direkt von mir. Das ist natürlich nicht dasselbe, als wenn ihr an ein Familienmitglied denkt, das ebenfalls Schüler ist. Im Fall eurer Familienmitglieder erhalten ihre Seelen direkte Hilfe von mir, da ihre Herzen und ihre Seelen bewusst hier bei mir sind.

Frage: Sollten wir fühlen, dass es in deiner Verantwortung liegt, uns zu vervollkommnen, wenn wir Unvollkommenheiten in uns überwinden wollen?

Sri Chinmoy: Tamasische Hingabe, die Hingabe eines Faulpelzes, ist nicht gut. Du wirst dein Möglichstes versuchen, um deine Unvollkommenheiten zu überwinden. Dann musst du fühlen: „O Lord Supreme! Ich habe mit den Fähigkeiten, die Du mir gegeben hast, mein Möglichstes versucht. Jetzt bleibt mir nichts mehr außer meiner Hingabe.“ Nachdem du dein Bestes versucht hast, musst du dich mit absolutem völligem Vertrauen dem Supreme im Meister hingeben.

Unvollkommenheit ist wie Erde und schmutziger Sand, in dem ein Kind spielt. Obwohl das Kind im Vergnügen des Schmutzes schwelgt, weiß es doch, dass es jemanden gibt, der immer bereit ist, es wieder zu säubern, nämlich seine Mutter, und es vertraut dieser Person felsenfest. Das Kind weiß, wie sehr es seine Mutter liebt und wie sehr sie es liebt. Wenn es also bereit ist, den Schmutz hinter sich zu lassen und sauber zu werden, läuft es direkt zu seiner Mutter, ohne nach rechts oder links zu schauen. Es weiß, dass seine Mutter es aufgrund ihres Einsseins waschen wird – weil sie das Kind ganz als ihr eigen ansieht und das Kind seine Mutter ganz als sein eigen ansieht. Wenn es zu ihr kommt, greift die Mutter sofort zu Wasser, Seife und Handtuch und wäscht es in wenigen Minuten. Das Kind weiß, wie Seife aussieht, wie ein Handtuch und wie Wasser aussieht, aber es hat nicht die Fähigkeit, all diese Dinge zu finden und sie richtig zu gebrauchen. Wenn es zuerst lernen müsste, sich selbst zu waschen, bevor es zu seiner Mutter kommen kann, würde es nie zu seiner Mutter kommen.

Euch Schülern möchte ich sagen, dass ihr Gott mit eurem eigenen inneren Streben erreichen werdet, nicht mit der Strebsamkeit von jemand anderem. Eure Strebsamkeit und die Gnade und das Mitgefühl des Supreme in mir werden euch zu Gott bringen. Doch ihr könnt schwerlich etwas von mir empfangen, wenn ihr mich als einen Fremden betrachtet. Wenn ihr kein Einssein mit mir fühlt, werdet ihr euch nicht an mich wenden, wenn ihr euch in Schwierigkeiten befindet. Dann bin ich hilflos und kann euch nicht helfen. Wenn ihr an mich denkt, müsst ihr fühlen, dass ihr zu mir gehört und ganz für mich seid und dass ich zu euch gehöre und ganz für euch bin. Dann werde ich euch helfen können.

Allein nach Vollkommenheit zu streben ist wie das Unterfangen, den gebogenen Schwanz eines Hundes für immer glätten zu wollen. Solange ihr seinen Schwanz festhaltet, bleibt er gerade. Aber sobald ihr ihn loslasst, biegt er sich sofort wieder. Dies hat Swami Vivekananda als Vergleich genannt und es stimmt. Erst wenn ein spiritueller Meister die Natur des Schülers verwandelt und erleuchtet, entwickelt sich wirkliche spirituelle Vollkommenheit. Sonst haltet ihr den Hundeschweif eine Weile gerade und ermüdet allmählich. Im gleichen Moment, wo ihr loslasst, biegt er sich wieder. So ist nun mal die menschliche Natur.

Wenn du dein inneres Streben anerbietest und ich mein Mitgefühl anerbiete, wird der Erfolg unweigerlich nahen. Doch wenn du mein Mitgefühl ausnutzt, bist du am Ende angelangt. Ich handle so, wie der Supreme es von mir verlangt. Missverstehe also mein Mitgefühl nicht, nutze mein Mitgefühl nicht aus und sei nicht eifersüchtig auf andere. Eifersucht ist der schlimmste Feind meiner Schülerinnen. Bei den männlichen Schülern ist das Ego der schlimmste Feind. Die Eifersucht und das Ego sind gleichermaßen schlecht und beide müssen überwunden werden. Wenn ich von Ego spreche, meine ich das Gefühl der Überlegenheit, das Gefühl, dass du besser als andere sein musst. Diese Gefühle müssen überwunden werden. Versucht nicht andere zu beherrschen und sie zu besiegen, sondern versucht eure eigenen ungöttlichen Eigenschaften zu beherrschen und zu besiegen. Ihr solltet sagen: „Wenn ich Zweifel habe, dann will ich ihn besiegen; wenn ich Angst habe, dann will ich sie besiegen.“ Wenn du deine eigenen ungöttlichen Eigenschaften überwinden kannst, dann wird das Ego sofort verschwinden. Wen musst du übertreffen? Nur dich selbst!

Ich habe einmal gesagt, dass ich gern dreizehn bedingungslos hingegebene Schüler möchte. Kein anderer Meister hat diese Art der Hingabe erhalten, die wie eine überaus köstliche Frucht ist. Lasst uns sehen, ob irgendeiner meiner Schüler diese Art von Liebe für mich hat und aufrichtig sagen kann: „In dieser Inkarnation werde ich mich vollständig dem Supreme in dir hingeben“. Wenn du dich fünf Minuten lang hingeben kannst, dann versuche, dich fünfzig Jahre lang hinzugeben. Doch leider tauchen unsere Bedingungen bereits nach fünf Sekunden auf.

Frage: Auf welche Weise können wir uns am besten von Depressionen befreien?

Sri Chinmoy: Sobald du deprimiert bist, solltest du fühlen, dass du dir absichtlich ein schweres Gewicht auf die Schultern geladen hast. Fühle, dass du ein Läufer bist, der ein Ziel hat und dass du deinem Ziel entgegenläufst. Je schneller du läufst, desto schneller wirst du deine Bestimmung erreichen. Wenn du dir absichtlich ein schweres Gewicht auf deine Schultern lädst, fällt es dir natürlich schwer, schnell zu laufen. Handle deshalb weise! Du nimmst an diesem Rennen teil und versuchst, gut abzuschneiden. In diesem Rennen wetteiferst du nicht mit jemand anderem; du wetteiferst mit dir selbst. Du läufst gegen Depression, Zweifel, Angst, Eifersucht und all die anderen negativen Kräfte. Treten Depressionen und andere negative Kräfte in deinen Verstand oder deine Lebenskraft ein, dann versuche bitte, diese schweren Lasten loszuwerden, damit du mit der schnellsten Geschwindigkeit laufen kannst. Du wirst sie ablegen – wirf sie einfach weg – und dann wirst du dem dir bestimmten Ziel so schnell du nur kannst entgegenlaufen.

Frage: Glaubst du, dass unsere Besitztümer ein Hindernis für die Entwicklung der Seele darstellen?

Sri Chinmoy: Ganz und gar nicht! Besitz ist kein Hindernis für die Entwicklung der Seele. Es ist nur die Frage, wie wir unsere Besitztümer gebrauchen und wie sehr wir daran verhaftet sind. Doch selbst dann, wenn wir sehr an unserem Besitz hängen, sollten wir unsere Besitztümer nicht als Hindernis betrachten. Wir sollten sie vielmehr als eine Gelegenheit betrachten, unsere Verhaftungen zu überwinden und unsere Natur zu vervollkommnen. Wir sollten generell eine andere Haltung zu den Problemen und den Tätigkeiten des Lebens einnehmen. Selbst wenn wir zu Beginn etwas als ein Hindernis betrachten, sollten wir es nicht als eine Störung ansehen, sondern als eine Gelegenheit betrachten, um unsere inneren Fähigkeiten zu entwickeln und unserem Ziel näher zu kommen. Erst wenn wir die Fähigkeit entwickeln, jede mögliche Hürde zu überwinden, wird wahrhafte Vollkommenheit in unserer Natur dämmern.

Frage: Ich hatte mehr an die vielen Fernsehprogramme gedacht, die wir zur Auswahl haben und dass wir möglicherweise dazu neigen, lieber zu Hause zu bleiben und fernzusehen, anstatt zu Meditationen zu gehen. Ich betrachte das als Hindernis.

Sri Chinmoy: Das ist überhaupt kein Hindernis; dies ist einfach ein Mangel an Weisheit. Wenn ich Geld habe, bedeutet das nicht, dass ich es unbedingt verschwenden muss. Ich muss nur wissen, wann ich es gebrauchen kann und wie ich es für den richtigen Zweck, den göttlichen Zweck einsetzen kann. Es gibt allgemein viele Dinge, die mich davon ablenken oder daran hindern, ein inneres Leben zu führen. Aber ich bin der Herr meines Besitzes und ich muss entsprechend den Vorgaben meiner Seele mit ihm umgehen. Wenn ich ein Fernsehgerät in meinem Zimmer habe, dann bin ich es, der das Fernsehgerät benutzen sollte; das Fernsehgerät sollte nicht mich benutzen. Ich muss lernen, meinen Verstand zu kontrollieren und zu sagen: „Nein. Ich muss gehen und einen spirituellen Vortrag hören. Das ist weit wichtiger als eine Fernsehsendung anzuschauen.“

Frage: Aber ist es nicht wahrscheinlicher, dass man eher zu einem spirituellen Vortrag gehen würde, wenn man kein Fernsehgerät besitzen würde?

Sri Chinmoy: Nein, das ist nicht unbedingt so! Selbst wenn du überhaupt keine Besitztümer hättest, könnte dich Faulheit überkommen oder du könntest sagen: „Wen kümmert dieser dumme Vortrag? Das spirituelle Leben ist nichts für mich; es ist etwas Unwirkliches.“ Das Fehlen von Besitz bringt uns nicht schneller dazu, ein spirituelles Leben zu führen. Es gibt sowohl in Indien als auch hier Bettler, die sich nicht für das spirituelle Leben interessieren. Wenn jemand arm ist und nichts besitzt, hegt er womöglich der Welt und Gott gegenüber schlechte Gefühle. Er wird sich nicht unbedingt der Spiritualität zuwenden. Armut bedeutet nicht, dass du Gott auch nur einen Zentimeter näher bist. Deine Besitztümer sind nicht für deine Handlungen verantwortlich, es ist vielmehr der Besitzer, der dafür verantwortlich ist. Ich bin sicher, dass du schon einmal von König Janaka gehört hast, der ein riesiges Königreich besaß. Trotz seines Reichtums und seiner Macht widmete er sein ganzes Leben Gott und der Suche nach Gottver­wirk­lichung. Ebenso muss der materielle Wohlstand im Westen kein Hindernis für die Gottverwirklichung darstellen. Du darfst einfach den Dingen, die du besitzt, nicht erlauben, dich zu besitzen. Du musst den Besitzer von den Besitztümern trennen. Du besitzt ein Fernsehgerät und willst deshalb kein spirituelles Seminar besuchen; doch jemand, der keinen Fernseher besitzt, geht möglicherweise auch nicht zu dem spirituellen Seminar, weil er an etwas anderes denkt. Ihm fehlt vielleicht auch das innere Streben. Ob du Spiritualität praktizierst oder nicht, hängt davon ab, ob du innerlich strebst und nicht ob du ein Fernsehgerät besitzt.

Frage: Wie kommt es, dass du immer bei mir bist, wenn ich in Nöten bin?

Sri Chinmoy: Es gibt zwei Gründe, weshalb ich immer bei dir bin, wenn du in Schwierigkeiten bist. Der erste Grund und das ist absolut wahr - deine Schwierigkeiten sind auch meine eigenen Schwierigkeiten. Der zweite Grund ist der, dass ich dich wie ein Gärtner, der Ableger von einem Baum oder einer Pflanze nimmt und in die Erde pflanzt, aus der Seelenwelt genommen habe und in die Familie deiner Eltern und auf unseren spirituellen Weg gebracht habe. Daher begann meine Verantwortung bereits, bevor du auf die Erde kamst, als du noch in der Seelenwelt warst. Jetzt bist du in der physischen Welt, doch meine Verantwortung in Bezug auf deine Existenz begann bereits in der Seelenwelt. Darum wirst du mich immer sowohl in deinen Schwierigkeiten als auch in deinem Erfolg, deinem Fortschritt, deinen Errungenschaften und deiner Erfüllung finden.

Frage: Wie gehen wir am besten mit Leuten um, die uns feindlich gesonnen sind?

Sri Chinmoy: Es gibt zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit besteht darin, sich auf die gleiche Ebene mit diesen Leuten zu begeben und ihre Herausforderung anzunehmen. Wenn sie dich kritisieren, weil du einem spirituellen Pfad folgst, dann hast du selbstverständlich das Recht, ihnen zu sagen, dass du tust, was du für dich als das Beste erachtest. Lass sie mit dem zufrieden sein, was sie haben; du wirst mit dem zufrieden sein, was du hast. Sie tun das, von dem sie fühlen, dass es das Beste für sie ist; und du tust das, von dem du fühlst, dass es das Beste für dich ist. Auf diese Weise kannst du dich auf ihre Ebene begeben und es austragen. Aber wenn du voller Frieden, Licht und Seligkeit bist und in deinem Bewusstsein sehr hoch hinaufgehen kannst, dann wirst du sehen, dass du unendlich mehr Macht hast als die Person, die dich beschimpft. Wenn du fühlst, dass du etwas Solides, etwas Konkretes in dir erreicht hast, dann kannst du auf deiner eigenen Höhe bleiben. Du betrachtest die Person, die dich kritisiert und siehst, dass sie wie eine Ameise oder ein winziges Insekt ist. Du stehst weit über der Kritik oder dem Lob der anderen Person; nichts, was sie sagt, wird dich beeinflussen. So wirst du die andere Person mit einer unendlich überlegenen Kraft besiegen, welche die Ausgeglichenheit deiner Seele ist.

Frage: Wie kommt es, dass so viel geschieht, dessen du dir bewusst bist, von dem wir jedoch gar nichts wissen?

Sri Chinmoy: Weil ihr mehr schlaft als ich! Im äußeren Leben schlafe ich nicht und in der inneren Welt schlafe ich auch nicht. Spirituelle Meister haben sehr wenig Ruhe in der inneren Welt. Wenn du auf einem Gebiet Experte bist, kennst du dich in unzähligen Dingen darüber aus. Wenn jemand ein Experte auf dem Gebiet der Kraftfahrzeugmechanik ist, weiß er natürlich sehr viel über Autos. Ihr Leute seid genauso wie Autos. Ihr habt einen Experten, der sich um euch kümmert.

Frage: Wie kann ich den Schlaf besiegen?

Sri Chinmoy: Im Augenblick braucht dein Körper jede Nacht sechs, sieben, acht oder zehn Stunden Schlaf. Wenn du versuchst, den Schlaf zu besiegen, während dein Körper noch Schlaf braucht, wirst du verrückt. Doch wenn du schläfst, ohne dass dein Körper Schlaf benötigt, dann tust du auch etwas Falsches. Angenommen dein Körper benötigt zur Zeit sieben Stunden Schlaf pro Nacht. Wenn du deinem Körper nicht die Ruhe gibst, die er braucht, begehst du ein Verbrechen. Du gehst von einem Extrem ins andere. Nach einigen Jahren, wenn du auf dem spirituellen Weg Fortschritt gemacht hast, wird es etwas anderes sein. Dann wird es falsch sein, wenn du jede Nacht sieben Stunden schläfst. Aber im Moment braucht dein Körper Schlaf und du musst ihm Schlaf geben. Der Schlaf hilft uns beträchtlich, all unsere Sorgen und Ängste zu beseitigen, so dass wir wieder mit frischer Kraft den nächsten Tag beginnen können.

Frage: Sollten sieben Stunden das Maximum sein?

Sri Chinmoy: Meinen Schülern sage ich immer sieben Stunden. Jede Regel hat jedoch ihre Ausnahmen. Bei einer Person, die gewohnt ist, elf Stunden zu schlafen, würde ich nicht wagen den Rat zu geben, dass sie ihre Schlafenszeit sofort auf sieben Stunden reduzieren soll. Diese Person sollte ihren Schlaf nach und nach auf zehn Stunden, dann auf neun, acht und schließlich auf sieben Stunden reduzieren. Wenn du acht oder neun Stunden geschlafen hast, dann versuche daraus sieben Stunden zu machen. Andererseits seht ihr auch, dass einige Leute, die selbstlosen Dienst tun, nur fünf Stunden schlafen oder noch nicht einmal so viel, denn Notwendigkeit kennt kein Gesetz. Es gibt eine Schülerin, die früh am Morgen in die Druckerei kommt und dann bis Mitternacht oder ein Uhr morgens arbeitet. Am nächsten Morgen muss sie wieder kommen. Es gibt einige Schüler, die ständig für den Supreme in mir arbeiten und die niemals mehr als sechs Stunden Schlaf erhalten. Sie besiegen den Schlaf automatisch, so wie ich den Schlaf besiege, weil sich ihnen einfach die Gelegenheit bietet. Sie bekommen nicht einmal sechs Stunden Schlaf, weil ich ihnen vierundzwanzig Stunden am Tag Arbeit gebe. Aber in deinem Fall solltest du momentan sieben Stunden schlafen, sonst wird es deiner Gesundheit schaden.

Frage: Ist es möglich, Fortschritt zu machen, während man schläft?

Sri Chinmoy: Während des normalen Schlafes bist du müde und erschöpft und machst nicht viel Fortschritt. Aber es gibt auch etwas, das man den Yogi-Schlaf oder „tonlosen“ Schlaf nennt. Während dieses Schlafes träumst du nicht, du hast keinen Wunsch, du hast keinen Konflikt mit dem Endlichen. Du bleibst nur im Unendlichen. Dein Bewusstsein bleibt in der Unendlichkeit und der Ewigkeit. In diesem Schlaf machst du den schnellsten Fortschritt. Im Allgemeinen ist es jedoch nicht Schlaf, sondern bewusstes inneres Streben, das dir helfen wird. Du wirst keine Verwirklichung erhalten, indem du einfach viele Stunden täglich schläfst.

Frage: Empfangen wir etwas von dir, wenn wir während der Meditation einschlafen, außer Schelte natürlich?

Sri Chinmoy: Du hast Recht; manchmal schimpfe ich mit euch, wenn ihr einschlaft. Aber manchmal hilft es euch sogar, etwas von mir zu empfangen, wenn ihr einschlaft. Gelegentlich kommt ihr zur Meditation und seid aufgeregt oder wütend auf einige Schüler oder auf mich. Wenn ihr auf mich wütend seid, verletzt ihr mich bewusst. Anstatt euch dem Supreme in mir hinzugeben, schlagt ihr mich innerlich immer wieder. Wenn euch dies endlich ermüdet und ihr einschlaft, dann habt ihr euch bewusst oder unbewusst dem Göttlichen in mir hingegeben und mit dem Kampf aufgehört. Dann bin ich in der Lage, euch auf meine Schultern zu heben und euch eurem Ziel ent­gegen zu tragen und euch das Licht zu zeigen.

Es ist wie mit einem Kind, das auf seine Mutter böse ist. Es wirft Puppen, Spielsachen und alles, was es nur finden kann, nach ihr und wird schließlich müde davon. Wenn es völlig erschöpft ist, kann die Mutter es überall hintragen. Wenn du also wütend auf mich bist, ist es besser, während der Meditation einzuschlafen, als deinen Ärger und deine Boshaftigkeit auf mich zu werfen. Wenn du einschläfst, dann kann ich dich hochheben und auf meine Schulter setzen. Dann ist alles, was du hast und was du bist, auf meinen Schultern.

Wenn du jedoch mit Ergebenheit, Liebe, innerem Streben und Intensität zur Meditation kommst, dann ist es nicht gut, wenn du einschläfst. Wenn du mir während der Meditation bewusst all deine guten Eigenschaften geben kannst, dann werden wir beide eins und wir werden stärker. Mir stehen unendliches Licht und Seligkeit zur Verfügung. Doch die alleinige Tatsache, dass du mir etwas sehr Gutes und Göttliches gibst, vergrößert sofort unsere gemeinsamen Fähigkeiten. Wenn wir gegen die Unwissenheit, den Tiger, kämpfen müssen, wird es ganz leicht, da du auf meiner Seite bist und ich auf deiner Seite bin. Wenn du also mit innerem Streben kommst, ist es wirklich schädlich für dich einzuschlafen, denn mit deinem inneren Streben kannst du wirklich eine große Hilfe für den Meister darstellen und der Meister kann ebenso für dich eine große Hilfe sein. Aber wenn du nicht mit innerem Streben, sondern aufgeregt, voller Ärger oder Depression kommst, ist es das Beste einzuschlafen.

Frage: Wie treten wir in deinen inneren Fahrstuhl ein?

Sri Chinmoy: Um in meinen inneren Fahrstuhl einzutreten, müsst ihr eure Vorstellungskraft entwickeln. Wissenschaftler und Dichter, ganz zu schweigen von Yogis, haben alle erkannt, dass die Vorstellungskraft der Wegbereiter für die Wirklichkeit ist. Was wir Vorstellung nennen, ist nichts anderes als die Wirklichkeit einer anderen Bewusstseinsebene. Versucht euch deshalb beim Meditieren vorzustellen, dass ich für euch einen inneren Fahrstuhl bringe, der hoch, höher, am höchsten hinauf fährt.

Frage: Wenn wir irgendeine mystische Erfahrung machen, gibst du sie uns oder weißt du davon?

Sri Chinmoy: Mein physischer Verstand ist sich vielleicht nicht aller Erfahrungen, die ihr macht, bewusst, aber das ist überhaupt nicht notwendig. Eines meiner inneren Wesen weiß ganz sicher darüber Bescheid. Ohne meine Zustimmung oder ohne die Hilfe eines meiner inneren Wesen werden meine Schüler keine Erfahrung machen. Dies gilt jedoch nur für meine Schüler; andere können mystische Erfahrungen durch andere Quellen erhalten. Ich möchte jedoch betonen, dass es nicht unbedingt bedeutet, dass ihr der Gottverwirklichung auch nur einen Schritt näher seid, wenn ihr mystische Erfahrungen habt. Ich sage immer, dass es zwei Wege gibt, die zum Ziel führen. Ein Weg ist von Bäumen gesäumt und voller schöner Blumen, während der andere Weg so öde wie eine Wüste ist; doch beide Wege führen den Sucher zum Ziel. Es hängt ganz vom Einzelnen ab, auf welcher Straße er reist. Eine Person wird den schnellsten Fortschritt auf dem Weg machen, der sie am meisten inspiriert, ihr Ziel zu erreichen. Eine bevorzugt vielleicht den Weg, der voller Bäume, Blumen und schöner Ausblicke ist. Sie wird sagen: „Der Weg inspiriert mich. Deshalb wird es mir sehr leicht fallen, das Ziel zu erreichen, von dem ich weiß, dass es unendlich viel schöner und weitaus bedeutsamer sein wird.“ Jemand anderes wird sagen: „Was soll ich mit diesen Blumen und Bäumen anfangen? Ich werde möglicher­weise von ihrer Schönheit völlig bezaubert sein; dann werde ich vielleicht damit zufrieden sein, hier zu bleiben und nicht mehr weiterzugehen. Aus diesem Grunde will ich auf einer Straße gehen, die nichts birgt, was mich versuchen oder faszinieren könnte. Wenn die Straße schmal oder öde ist, ist dies ein großer Segen, denn dann werde ich nicht in Versuchung geraten, stehen zu bleiben.“ Mystische Erfahrungen sind überhaupt nichts im Vergleich zur höchsten göttlichen Verwirklichung. Ein Sucher mag sagen: „Wenn ich einen Bissen Nahrung bekomme, wird mir das helfen, mich auf ein großes Festmahl zu freuen.“ Ein anderer sagt vielleicht: „Bevor ich nicht eine vollständige Mahlzeit erhalte, möchte ich gar nichts essen.“ Jeder einzelne Sucher muss die Wahl treffen.

Teil II — Das schlechte Betragen der Schüler

Frage: Ist es nicht unter deiner Würde, dich mit dem schlechten Benehmen einiger deiner Schüler abzugeben?

Sri Chinmoy: Unglücklicherweise ist nichts unter meiner Würde. Das ist das Problem! Seit ich mit Gottes Willen eins geworden bin, kann ich nicht mehr sagen, dass irgend etwas unter meiner Würde ist. Da Gott in allem und jedem ist, muss ich Ihm überall und in jedem dienen. Manchmal muss ich mit jemandem zusammen sein, der sehr ungöttlich ist. Ich bin in seiner Unwissenheit gefangen. Ich tanze in seiner Unwissenheit, aber ich kann nicht sagen, dass es unter meiner Würde ist. Ich habe nur einen Fehler, einen schweren Fehler gemacht, indem ich diese bestimmte Person als meinen Schüler angenommen habe.

Frage: Wie können wir weniger Konkurrenzdenken und mehr Harmonie unter den Schülern entwickeln?

Sri Chinmoy: Wenn ein Gefühl des Einsseins vorhanden ist, kann es kein Konkurrenzdenken geben. Jeder hat seine eigenen Fähigkeiten und jeder kann Fortschritt machen, indem er seine eigenen Fähigkeiten gebraucht. Eine bestimmte Frau leistet soviel ergebenen Dienst, indem sie Shorts für die Schüler und Kleidung für mich näht. Ihr ergebener Dienst verkörpert ihre ganze Zuneigung, Liebe und Dankbarkeit. Das ist ihre Fähigkeit, ihre Qualifikation und das ist es, was sie anerbietet. Ich bin sehr stolz auf sie. Jemand anderes hat vielleicht die Fähigkeit schnell zu laufen, doch er vernachlässigt sein Training. Er sagt sich: „Ich war vier Jahre lang Erster. Wenn ich jetzt verliere, ist es nicht schlimm; es wird nichts passieren.“ Damit wird sein Bewusstsein sinken, weil er Freundschaft mit der Lethargie und negativen Kräften schließt. Wenn du auf einem bestimmten Gebiet Fähigkeiten besitzt, musst du sie entwickeln. Du entwickelst deine Fähigkeiten auf dem Gebiet, für das du qualifiziert bist; jemand anderes wird seine Fähigkeiten auf dem Gebiet entwickeln, für das er qualifiziert ist. Verschiedene Leute haben verschiedene Fähigkeiten, also gibt es kein Konkurrenzdenken. Das Gefühl des Einsseins ist in allen. Jeder erledigt seine Aufgabe.

Trotz allem kann Konkurrenzdenken manchmal auch einem guten Zweck dienen. Einmal im Jahr haben wir einen Wettkampf an unserem „Sports Day“. Wir veranstalten ihn für unsere körperliche Fitness. Dieser Wettkampf wird dich den Rest des Jahres inspirieren, morgens um 5.30 oder 6.00 Uhr aufzustehen und nach deiner Meditation auf den Sportplatz zu gehen. Sonst würdest du Freundschaft mit dem Schlaf schließen und die Liebe und Zuneigung des Todes genießen. Der Körper muss fit gehalten werden, da das Göttliche, der Supreme in uns, hier auf der Erde durch den Körper und das physische Bewusstsein manifestiert werden muss. Sonst hätten wir im Himmel bleiben können, wo es keine Manifestation gibt.

Wettstreit dient auch einem anderen Zweck: Er wird dich inspirieren, den Versuch zu wagen, deine Fähigkeiten zu übertreffen und auf der physischen Ebene Fortschritt zu machen. Ohne Fortschritt auf der physischen Ebene wirst du auch nicht versuchen, auf der spirituellen Ebene Fortschritt zu machen. Stattdessen wirst du bloß sagen: „Ich stehe um sieben oder acht Uhr auf und alle Jubeljahre meditiere ich einmal. Wer wird das schon sehen?“ Wenn du aufrichtig auf der spirituellen Ebene Fortschritt machen willst, dann kannst du mit deiner Aufrichtigkeit beginnen, indem du auf der physischen Ebene Fortschritt machst. Dann wird der Fortschritt, den du dort machst, in den Verstand und das Herz ausstrahlen.

Ich möchte betonen, dass nichts Falsches daran ist, Wettkampfgeist zu besitzen, vorausgesetzt du fühlst, dass du mit dir selbst konkurrierst. Es muss jedoch einige Regeln und Richtlinien geben und es muss eine gewisse Disziplin herrschen. Wenn wir Preise vergeben, geben wir sie denjenigen, die entsprechend der Regeln und Richtlinien am besten abgeschnitten haben. Du wirfst den Speer und eine andere Person wirft ebenfalls den Speer. Du wirfst vielleicht viel weiter als diese Person, aber du wirst deinen Fortschritt sehen können und die Person wird ihren Fortschritt sehen können. Derjenige, der am weitesten wirft, wird den Preis gewinnen, doch der Preis an sich hat keinen Wert.

Selbst wenn du als Letzter ins Ziel kommst – glaubst du, ich würde dich weniger lieben als denjenigen, der als Erster ins Ziel kommt? Ganz und gar nicht! Deine rechte Hand wirft vielleicht viel weiter als deine linke Hand, aber deshalb wirst du dir deine linke Hand nicht abschneiden und sagen, sie sei nutzlos. Du brauchst beide Hände. Wenn du keine linke Hand hast, wirst du merken, wie seltsam du aussiehst und wieviel Schwierigkeiten du hast. Wenn du gegen jemand verlierst, nachdem du dein Bestes versucht hast, macht das überhaupt nichts. Diejenigen, die dich im sportlichen Wettkampf besiegen, sind deine spirituellen Brüder und diejenigen, gegen die du gewinnst, sind ebenfalls deine Brüder. Wenn jemand langsamer läuft als du, solltest du fühlen, dass er dein eigener schwächerer Teil ist. Wenn jemand schneller ist, solltest du fühlen, dass er dein stärkerer Teil ist. Auf diese Weise wird es ein Gefühl des Einsseins geben. Egal ob du nun Erster oder Letzter wirst, du musst fühlen, dass es das ist, was der Supreme von dir will und du musst das Ergebnis Ihm zu Füßen legen.

Frage: Guru, sind wir uns dessen bewusst, wenn wir dich auf der inneren Ebene angreifen?

Sri Chinmoy: O ja, viele, viele Male sind sich die Leute dessen bewusst, andererseits viele Male auch nicht. Doch in den meisten Fällen sind sich die Leute dessen bewusst, wenn sie mich angreifen. Der menschliche Verstand arbeitet eben auf diese Weise. In diesem Augenblick bin ich dein bester Freund, im nächsten schon dein schlimmster Feind. Jemand kann dein bester Freund sein, aber wenn ihr einen Streit habt, wird er im Nu zu deinem schlimmsten Feind. Wie oft werde ich täglich zum schlimmsten Feind der Schüler! Wenn ich dir nur einen Cent gebe und jemand anderem fünf Cents, wirst du wütend auf mich. Aber du musst dir bewusst sein, dass du heute vielleicht gar nicht in der Lage bist, mehr als einen Cent von mir zu empfangen; entweder hast du nicht die Fähigkeit oder die Weisheit, mit mehr als einem Cent umzugehen, oder du verdienst es nicht, mehr als einen Cent zu erhalten. Vom spirituellen Standpunkt aus gesehen ist ein Cent genau die Menge, die für dich am besten ist. Außerdem musst du wissen, dass du, wenn du heute einen Cent bekommst, morgen vielleicht fünf Cents erhältst und am folgenden Tag du vielleicht einen Dollar bekommst. So ist es eben.

Oder stell dir vor, ich enthalte jemandem etwas vor und gebe es jemand anderem. Derjenige, der es erhält, sagt sofort: „Ach, er hat meinen Wunsch nur erfüllt, damit ich still bin. Er hat mir ein Zuckerstückchen gegeben, damit er den echten göttlichen Nektar diesem oder jenem geben kann.“ Und derjenige, der die Sache nicht erhält, fühlt: „Ach, alles was mir der Meister gibt, ist bloßes Gerede.“ Wenn du etwas bekommst, bin ich schlecht; wenn du nichts bekommst, bin ich auch schlecht. Es gibt keine Möglichkeit, wie ich die Schüler fühlen lassen kann, dass es zu ihrem Besten ist, wenn ich ihnen etwas gebe oder wenn ich ihnen nichts gebe. Wie mich die Leute doch missverstehen können! Sie fühlen, wenn ihr Meister ihnen etwas nicht gibt, dass dies der Beweis ist, dass sie ihm egal sind. Sie sagen: „Da ich heute nichts erhalten habe, kann ich auch in Zukunft nichts von ihm erwarten.“ So lautet ihre Logik. Erst wenn die Schüler sich bedingungslos hingegeben haben, werden sie sehen, dass alles, was ich tue, zu ihrem Besten ist.

Ich finde es manchmal sehr schwierig, Leute anzulächeln. Sie vermuten sofort ein Motiv dahinter. Manchmal fühlen die Schüler, dass es bedeutet, dass ich etwas von ihnen will, wenn ich sie anlächle. Angenommen ich habe gute Laune und schenke jemandem ein Lächeln. Doch derjenige denkt sofort: „Ach, ich habe so viel Geld und er möchte einen großen Teil davon haben. Darum hat er mir ein Lächeln geschenkt.“ Es ist schon so oft passiert, dass ich Angst habe, bestimmte Leute anzulächeln, denn wenn ich lächle, werde ich sofort missverstanden. Wenn ich lächle, denkt ihr sofort, dass ich dafür etwas von euch zurückerwarte. Wenn ich dann nicht lächle, denkt ihr, dass ich mit euch unzufrieden bin oder dass ich nicht lächle, weil ihr mir nichts gegeben habt. Doch ob ihr mich zufriedengestellt habt oder nicht, hat damit möglicherweise überhaupt nichts zu tun.

Frage: Ist es wahr, dass fast alle spirituellen Größen selbst von denen, die ihnen nahestehen, angezweifelt werden?

Sri Chinmoy: Einige von euch mögen mich manchmal anzweifeln, aber unter dieser Art von Unglauben oder Misstrauen haben alle spirituellen Meister gelitten; ich bin da keine Ausnahme. Die Upanischaden sagen über den spirituellen Meister: „Er ist dies und das und gleichzeitig jenseits von beidem. In einem Moment ist er ein Kind, im nächsten ist er ein Großvater und im nächsten Moment ist er die transzendentale Seele.“ Aber sobald ein Meister einen menschlichen Körper annimmt, wird er zum Gegenstand der Zweifel anderer Leute. Gleichgültig, mit wieviel okkulter oder spiritueller Kraft jemand auf die Welt kommt, es ist einfach so.

Sri Krishna hatte vier oder fünf Schüler, die fühlten, dass er gottverwirklicht war; doch andere zweifelten an ihm und sagten viele Dinge gegen ihn. Sri Ramakrishna und Lord Buddha erging es ebenso.

Ich habe einen menschlichen Körper mit Augen, Nase, Armen, Händen, Beinen, mit allem, was dazugehört. Aber ich kann eine ganze Menge Dinge auf okkulte oder spirituelle Weise tun, was die meisten Menschen nicht können. Morgen werdet ihr diese Dinge auch tun können. Aber ich kann euch nicht vorwerfen, dass ihr meine spirituellen Fähigkeiten anzweifelt, da dies in der menschlichen Natur liegt. Der spirituelle Meister wird immer missverstanden. Während er im Körper weilt, ist er ständig ein Opfer von Kritik, selbst von denen, die ihm nahestehen. Erst wenn er den Körper verlässt, wird er angebetet und verehrt.

Frage: Wenn die Leute zur Weihnachtszeit an Christus denken, ist es dann das Christus-Bewusstsein, an das sie denken oder etwas anderes?

Sri Chinmoy: Wenn Leute an das Christus-Bewusstsein denken, weiß ich nicht, an was für ein Bewusstsein sie denken. Aber sie erreichen oder verwirklichen das Christus-Bewusstsein nicht; sie fühlen das Sohn-Bewusstsein. Das Sohn-Bewusstsein bedeutet unendliche Freude, unendliche Liebe, unendliches Mitgefühl und unendliches Einssein.

Frage: Wenn wir beim selbstlosen Dienen zu lange an einer bestimmten Aufgabe arbeiten, sinkt unser Bewusstsein dann, so dass uns deshalb Fehler unterlaufen?

Sri Chinmoy: Wenn du über deine Fähigkeit hinaus arbeitest, ermüdest du geistig und in deiner Lebenskraft. Wenn du dann mit der Arbeit fortfährst, nur um weitere Stunden zu sammeln, wirst du nur alles ruinieren. Es ist dann ratsamer aufzuhören. Arbeite ergeben und seelenvoll drei, fünf oder sieben Stunden und ruhe dich dann aus. Was nützt es, immer weiter zu machen und nur noch Fehler zu begehen. Wenn deine Konzentration sinkt und du ermüdest, dann ist es an der Zeit aufzuhören. Allerdings solltest du immer versuchen, deine Empfänglichkeit zu vergrößern. Bete und meditiere, damit du ein paar Stunden länger arbeiten kannst; versuche, die Fähigkeit zu entwickeln, mehr zu arbeiten.

Frage: Ich weiß, dass ich vitale Probleme habe, aber ich habe dir nie darüber geschrieben. Heißt das, dass ich unaufrichtig bin?

Sri Chinmoy: Nein! Manche Leute sind aufrichtig bis zum Äußersten; sie schreiben über alles. Andere wiederum schreiben nicht, aber das bedeutet nicht, dass sie unaufrichtig sind. Manche fühlen, dass sie mit den Problemen umgehen können und möchten es selbst auskämpfen. Andere schämen sich vielleicht oder meinen, es sei unter ihrer Würde zu schreiben. Dies sind die Gründe, weshalb sie nicht schreiben. Aber Leute, die schreiben, erhalten mehr Mitgefühl vom Supreme in mir. Ich versuche, ihre Probleme wie ein Magnet anzuziehen. Doch meine Hilfe ist nicht genug. Ihre eigene Bereitschaft, diese Kräfte aufzugeben, ist ebenfalls nötig. Wenn sie schreiben, vergrößert sich das göttliche Mitgefühl, aber ihr Sieg kann nicht errungen werden, ohne dass sie selbst diese falschen Kräfte besiegen wollen.

Wenn ich hinfalle und mich verletze und dann zu meiner Mutter laufe, wird sie mir ein Pflaster auf das Knie kleben und mir sofort ihre ganze Anteilnahme schenken. Aber wenn ich mich wieder zu demselben gefährlichen Ort begebe, wo ich gestürzt bin und wieder hinfalle, werde ich dasselbe Problem wieder haben. Nachdem mich meine Mutter gerettet hat, bleibe ich nur geschützt, wenn ich nicht zu dem Ort zurückkehre, der große Gefahren für mich birgt. Die Leute, die mir von ihren vitalen Problemen erzählen, sind also besser dran als jene, die es mir nicht sagen. Aber du wirst deine Probleme nicht allein dadurch lösen, dass du mir davon erzählst. Wenn du mir davon erzählst, kannst du fühlen, dass du jemanden hast, der beim Tauziehen gegen die Unwissenheit auf deiner Seite ist. Aber was passiert tatsächlich? Wenn ich anfange, mit dir in eine Richtung zu ziehen, wechselst du plötzlich die Seiten und beginnst, gegen mich zu ziehen. Du sagst: „Wer will dich denn? Es geht dich nichts an. Ich kann mich um mich selbst kümmern.“ Es ist so, als ob ein Ehepaar sich streitet. Wenn ein Freund versucht zu vermitteln, bekommt er Schläge von beiden Seiten. Der Ehemann und die Ehefrau sagen beide: „Was musst du dich einmischen? Dies ist unsere Sache. Wir können uns streiten; wir können tun was wir wollen. Was musst du uns belästigen?“

Vitale Probleme sind eine Krankheit. Wenn eine Person betroffen ist, können sich viele andere anstecken und wenn jemand das Opfer einer Person ist, wird dieselbe Person von fünf oder sechs anderen Leuten angegriffen werden. Wenn ein Mann Unwissenheitskräfte hegt und diese in ein bestimmtes Mädchen wirft, fangen andere Männer ebenfalls an, diese Kräfte in dieses Mädchen zu werfen. Umgekehrt verhält es sich ebenso mit Frauen, die Pfeile auf die Männer werfen. Reicht nicht ein einziger Pfeil aus, um diese Person zu töten? Wenn du einen Schlag schon nicht überleben kannst, wie sollst du da fünf Schläge überleben? Kürzlich war ein männlicher Schüler das Opfer von fünf Schülerinnen. Ich habe entsprechende Briefe erhalten. Ich werde die Namen des Mannes und der Frauen nicht verraten, ich sage nur, wie sich die Zahl vergrößert. Aber wenn ihr auch nur einen Bruchteil an Visionskraft besitzt, werdet ihr sofort wissen, wer der Mann ist. Wie sehr hat sein Gesicht noch vor einiger Zeit gestrahlt! Jetzt ist dieses Strahlen verschwunden. Aber ihr müsst euch nicht umsehen, um diesen Schüler zu entdecken, denkt einfach an euch selbst. Ich lese diese Briefe und dann zerreiße ich sie, so dass niemand etwas darüber erfährt.

From:Sri Chinmoy,Ein Sucher des 20. Jahrhunderts, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2005
Quelle https://de.srichinmoylibrary.com/tcs