Die Erd-Erleuchtungs-Trompeten der göttlichen Heimat, Teil 1

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Parvati und der wunscherfüllende Baum

Lord Shiva und seine Gemahlin Parvati lebten normaler­weise auf dem Berg Kailash. Dort meditierten sie und spendeten ihren Anhängern ihren Segen. Sie führten ein sehr glückliches und erfülltes Leben.

Eines Tages äußerte Parvati gegenüber ihrem Gemahl Shiva einen besonderen Wunsch. Sie wollte, dass er mit ihr einem Waldhain namens Nandan­kanan besuche.

„Natürlich werde ich dich dorthin begleiten“, versprach Shiva. So gingen sie gemeinsam zu jenem Wald­­hain. Alle Bäume in diesem Hain waren wunderschön. Parvati war äußerst angetan von deren Schön­heit. Sie fragte ihren Herrn: „Bitte sage mir, ob es hier einen Baum gibt, der sich von den restlichen Bäumen unterscheidet. Wenn ich die Bäume betrachte, erscheinen sie mir alle gleich schön. Doch bitte sage mir, ob es hier einen bestimmten Baum gibt, der etwas Besonderes ist oder sich von den anderen unterscheidet.“

Während sie diese Worte sprach, stand Parvati gerade am Fuße eines dieser Bäume. Shiva entgegnete ihr: „Der Baum, an dem du dich gerade anlehnst, hat etwas ganz Besonderes anzubieten.“

„Was ist das Besondere?“ fragte Parvati.

„Dieser besondere Baum wird Kalpataru genannt“, sagte Shiva. Kalpa bedeutet ‚was immer du wünschst’ und taru bedeutet ‚Baum’. Was immer dein Herz begehrt, du wirst es sofort von diesem Baum bekommen.

„Mein Herr, sagst du mir die Wahrheit oder ist das eine Schwindelei?“, fragte Parvati.

„Wenn du mir nicht glaubst, dann bitte den Baum einfach um etwas“, antwortete Shiva.

Parvati meditierte kurz und sagte dann: „O Baum, ich wünsche mir von dir ein wunderschönes Mädchen.“ Sofort trat ein sehr schönes, junges Mädchen aus dem Baum heraus. Parvati war sehr erfreut und überglücklich. Sie nannte das Mädchen Ashokasundari.

Ashokasundari sagte zu der Göttin Parvati: „Du hast mich in diese Welt gebracht. Bitte sage mir, was ich tun soll.“

Parvati schaute sie liebevoll an und sagte: „Im Augenblick brauchst du nichts zu tun. In ein paar Jahren hätte ich jedoch gerne, dass du einen Prinzen namens Nahusha heiratest. Er ist noch nicht geboren und weilt noch im Himmel. Aber er wird eine Inkarnation annehmen und im Laufe der Zeit hätte ich gerne, dass du ihn heiratest. Ich werde dann die Vorbereitungen für dich treffen.“

Ashokasundari freute sich sehr über diese Neuigkeiten. Lord Shiva und Parvati ließen Ashokasundari in dem wunderschönen Waldhain zurück und kehrten heim auf den Berg Kailash.

In der Nähe von Nandankanan lebte ein Dämon namens Hunda. Er behauptete, dass Nandankanan die Hauptstadt seines Landes sei. Eines Tages fiel sein Blick auf dieses wunderschöne Mädchen, nachdem er den Haupthain von Nandankanan betreten hatte. Er verliebte sich auf der Stelle in sie.

Der Dämon näherte sich Ashokasundari und sagte: „Du musst mich heiraten, du musst mich heiraten!“

„Nein, ich werde dich nicht heiraten!“ entgegnete ihm Ashoka­sundari. „Mein zukünftiger Mann ist Nahusha. Ich werde ihn heiraten und sonst niemanden. Verlasse diesen Ort!“

Leider besitzen Dämonen eine besondere magische Kraft. Sie können jede Form annehmen. Nachdem der Dämon von Ashokasundari beleidigt wurde, verließ er den Hain. Einige Tage später nahm er die Form einer sehr schönen Frau an und kehrte nochmals in den Hain zurück, in dem Ashokasundari wohnte. Die schöne Frau tat so, als sei sie sehr traurig und niedergeschlagen.

„Warum bist du so traurig?“ fragte Ashokasundari. „Du scheinst sehr schön zu sein. Was quält dich?“

„Ja, ich bin schön“, sagte die fremde Frau, „aber ich bin sehr unglücklich.“

„Warum bist du so unglücklich?“ fragte Ashokasundari freundlich.

Mit einer mitleidigen Stimme klagte die Frau: „Ich bin eine Witwe. Mein Mann war ein so guter Mensch, aber er wurde von dem Dämon Hunda getötet. Nun fühle ich mich sehr einsam. Möchtest du für einige Tage zu meiner Hütte kommen? Es ist eine sehr einfache Hütte, aber ich halte sie sehr sauber.“

„Ja, ich werde mit dir kommen“, sagte Ashokasundari.

„Bitte sei für einige Tage mein Gast“, sagte die Frau. „Ich würde mich sehr darüber freuen.“

Ashokasundari folgte dieser Frau und verließ den Waldhain. Als sie bei der Hütte der Witwe ankamen, verwandelte sich die Witwe sofort wieder zurück in den Dämon Hunda und ergriff Ashokasundari. Ashokasundari war so wütend, dass sie den Dämon verfluchte: „Bestimmt wird dich mein Mann Nahusha töten.“ Dann gelang es ihr, sich aus dem Griff des Dämonen zu befreien und wegzulaufen. Nun war der Dämon verflucht. Er wusste, dass er getötet werden würde und dass Nahusha derjenige war, der ihn bezwingen würde. Er begann überall nach Nahusha zu suchen, um ihn töten und den Fluch zunichte machen zu können. Natürlich blieb seine Suche erfolglos, weil Nahusha zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren war.

In einem benachbarten Königreich lebte ein sehr guter und frommer König. Er und seine Frau beteten viele, viele Jahre zu Gott und schließlich wurde seine Frau mit einem Kind gesegnet. Sie beschlossen es Nahusha zu nennen.

Sobald der Dämon Hunda von der Geburt Nahushas erfuhr, drang er in den königlichen Palast ein und entführte das Kind. Nahusha war erst ein Jahr alt. Der Dämon brachte ihn heim und trug dem Koch auf, den Jungen zu töten und ihn zu kochen. Auf Befehl des Dämonen Hunda sollte der Koch aus dem Fleisch des Kindes ein besonders köstliches Mahl zubereiten. Der Dämon dachte sich, wenn er Nahusha verspeiste, dass dieser ihn nicht mehr töten konnte, sobald er erwachsen sei.

„Gewiss werde ich ihn töten“, sagte der Koch. „Du bist mein Meister.“

Doch der Koch mochte den kleinen Jungen so sehr, dass er es nicht übers Herz brachte, ihn zu töten. Stattdessen brachte er das Kind in Vashisthas Ashram und ließ ihn dort zurück. Auf dem Rückweg erlegte er einen Hirsch. Diesen Hirsch kochte er und servierte ihn anstelle von Nahusha seinem Meister.

Der Dämon Hunda war überglücklich. „Ach“, sagte er, „jetzt weiß ich sicher, dass Nahusha tot ist! Ich habe ihn verspeist.“

Nahusha wuchs im Ashram des Heiligen Vashistha auf. Vashistha gab ihm spirituellen Unterricht. Er lehrte Nahusha auch Bogenschießen und andere Künste. Aufgrund seiner inneren Schau wusste Vashistha, dass Nahusha ein Prinz war und dass es Parvatis Wunsch war, dass dieser Prinz Ashoka­sundari eines Tages heiratete.

Die Jahre zogen ins Land und Nahusha heiratete Ashoka­sundari. Die beiden waren sehr glücklich zusammen. Weil Hunda in dem Glauben war, dass Nahusha tot sei, war es für Nahusha sehr leicht, den Dämonen zu töten und den Fluch seiner Frau zu erfüllen.

Die Geschichte endet jedoch nicht mit dem Tod von Hunda. Unglücklicherweise hatte er einen Sohn namens Bihunda. Als Hunda getötet wurde, fühlte sich sein Sohn elend. Er beschloss, Nahusha zu töten, um den Tod seines Vaters zu rächen. Deshalb begann er sich sehr strengen spirituellen Übungen zu widmen. Er betete und betete zu den kosmischen Göttern, damit sie ihm die Kraft gewährten, Nahu­sha ein für alle Mal zu töten.

Als die kosmischen Götter sahen, in welchen spirituellen Disziplinen sich Bihunda übte, sorgten sie sich, dass sein Wunsch erfüllt werden könnte und dass er Nahusha töten würde. Sie baten Lord Vishnu inständig darum, ihnen zu helfen.

Lord Vishnu nahm die Form einer sehr schönen Frau an und erschien vor Bihunda. Bihunda verliebte sich auf den ersten Blick in sie und bat sie, seine Frau zu werden. Die schöne Frau antwortete: „Ich werde dich unter einer Bedingung heiraten. Ich möchte, dass du mir eine bestimmte Art von Blumen bringst. Der Name der Blume ist Kamoda. Du musst zehn Millionen von diesen Blumen sammeln und sie Lord Shiva darbringen. Wenn du nach deiner Anbetung von Lord Shiva eine Girlande aus diesen Blüten zu meinen Füßen legen kannst, dann werde ich dich heiraten und du wirst die Fähigkeit haben, Nahusha zu töten. Ich bitte dich als deine zukünftige Frau darum.“

Bihunda rannte los, um diesen besonderen Baum zu suchen, der die Blüte Kamoda hervorbrachte. Er wanderte überall umher und fragte die Menschen: „Wisst ihr, wie die Blume Kamoda aussieht? Wisst ihr, wo ich diesen Baum finden kann?“

Doch niemand wusste, wo der Baum zu finden war oder wie die Blüte aussah. Verzweifelt ging Bihunda zu Shukra­charya, dem Lehrer der Dämonen. Brihaspati ist der Lehrer der kosmischen Götter und Shukracharya ist sein Gegenstück bei den Dämonen. Bihunda erzählte Shukracharya, was sich ereignet hatte und fragte ihn, wo er die Kamoda-Blüte finden könnte.

Shukracharya erklärte: „Diese Frau hat sich überhaupt nicht klar ausgedrückt. Die Kamoda-Blüte wächst auf keinem Baum. Diese besondere Blüte kommt aus dem Mund einer Frau. Sie ist so bezaubernd! Wenn sie lacht, kommen diese Blüten aus ihrem Mund. Die Farbe der Blüten ist gelb und sie sind voller Duft. Wenn du Lord Shiva mit den duftenden gelben Blüten anbetest, wird er dir bestimmt den Gefallen erweisen, Nahusha zu töten. Aber wenn diese Frau weint anstatt zu lachen, wirst du sehen, dass die Blüten, die sie aus ihrem Mund hervorbringt, rot sind und nicht duften. Sei vorsichtig! Jene Blüten darfst du nicht berühren, ansonsten wird schlimmes Unheil über dein Leben kommen. Du darfst nur die gelben Blüten sammeln, die aus ihrem Mund fallen, wenn sie lacht.“

„Wo kann ich sie finden?“ fragte Bihunda begierig.

Shukracharya sagte: „Sie lebt am Ufer des Ganges. Am Abend kannst du sie am Fluss entlang gehen sehen.

Die kosmischen Götter beobachteten alles vom Himmel aus. Sie sahen, was sich ereignete und waren wieder sehr besorgt. Sie baten Narada, den himmlischen Musiker, sie aus ihrer Not zu befreien. Narada nahm stets die Seite der kosmischen Götter ein. Sie informierten Narada: „Wenn Bihunda diese zehn Millionen Blüten bekommt, dann wird er bestimmt in der Lage sein, König Nahusha zu töten. Du musst uns helfen!“

Narada willigte ein, ihnen zu helfen. Er ging zu Bihunda und sagte zum Dämon: „Du bist so groß! Warum musst du persönlich zu dieser Frau gehen, um die Blüten zu bekommen? Ich werde sie bitten, dir diese Blüten zu schicken. Du brauchst nicht selbst zu gehen, um sie zu holen. Ich werde diese Frau bitten, die Blüten in den Ganges zu legen und das Wasser wird sie direkt zu deinem Palast bringen. Es ist unter deiner Würde, selbst zu gehen und um die Blüten zu betteln. Soviel kann ich für dich tun. Wenn ich sie darum bitte, wird sie es bestimmt tun.“

Bihundas Stolz kam zum Vorschein und er sagte zu Narada: „Du hast recht. Warum sollte ich selbst gehen? Ich werde warten, bis mir das Wasser die Blumen bringt.“

Narada ging zum Ufer des Ganges und fand die Frau, welche die Quelle der Kamoda-Blüte war. Nachdem sie ihn mit großem Respekt begrüßt hatte, sagte er zu ihr: „Jetzt möchte ich gerne, dass du weinst und die roten Blüten ohne Duft aus deinem Mund hervorbringst. Ich möchte, dass du sie in den Fluss legst, damit das Wasser sie fortträgt.“

Erfreut gehorchte sie Narada und begann zu weinen. Aus ihrem Mund kamen Tausende und Tausende roter Blüten und sie legte sie alle ins Wasser.

Der Fluss führte direkt an Bihundas Palast vorbei, wo er ungeduldig auf die Blüten gewartet hatte. Als er die Blüten kommen sah, wurde er so aufgeregt, dass er nicht auf ihre Farbe achtete und auch nicht bemerkte, dass sie keinen Duft verströmten. Er sah nur Abertausende von Blüten, die den Fluss hinuntertrieben und war voller Freude. „Narada hatte recht!“ schrie er laut. „Die Blüten kommen zu mir, wie er gesagt hatte.“

Bihunda war so aufgewühlt und aufgeregt, dass er die Warnung seines Lehrers vergaß. Er achtete weder auf die Farbe noch versuchte er herauszufinden, ob die Blüten dufteten. In seiner Vorstellung waren die Blüten alle gelb und dufteten. Seine Freude hatte ihn in eine andere Welt versetzt.

Er sammelte alle Blüten ein und begann Lord Shiva anzubeten. Nun sah Parvati, dass jemand auf der Erde Lord Shiva mit Blüten, die keinen Duft hatten, anbetete. Und die Blüten selbst waren überhaupt nicht bezaubernd. Sie sagte: „Das sind keine Blüten, die Lord Shiva mag. Wer kann so respektlos zu meinem Mann sein?“

Parvati kam auf die Erde herunter und tötete mit ihrem dritten Auge den Dämon Bihunda. Sie brauchte dazu keine Waffe.

Wir begannen unsere Geschichte mit Parvati. Sie war es, die den Kalpataru-Baum bat, ihr ein junges Mädchen zu geben. Dann führte der Fluch dieses Mädchens den Tod des Dämonen Hunda und seines Sohnes Bihunda herbei, welche unbarmherzig unschuldige Menschen gequält hatten.

Indra verliert sein Königreich

Indra ist der König der kosmischen Götter. Eines Tages packte ihn der Stolz und während er erhaben im Himmel weilte, vernachlässigte er Mutter Erde, Prakriti. Darüber wurde Prakriti so aufgebracht, dass sie Indra verfluchte. Sie sagte zu ihm: „Du wirst alles verlieren, was du hast – deinen Thron, dein Königreich, alles. Selbst dein Lehrer Brihas­pati wird dich strafen.“

Nachdem er von Prakriti verflucht worden war, wurde Indra sehr traurig und niedergeschlagen. Er verfiel buchstäblich der Verzweiflung. Wer sollte da zu ihm kommen, wenn nicht sein eigener Lehrer Brihaspati, welcher der Guru aller kosmischen Götter ist? Da Indra so niedergeschlagen war, zeigte er seinem Guru gegenüber keinerlei Respekt; er stand nicht einmal auf. Brihaspati wurde wütend. Er sagte: „Warum ist es unter allen kosmischen Göttern ausgerechnet dir nicht möglich, mir Respekt entgegenzubringen? Weißt du nicht, wer vor dir steht? Es ist dein eigener Guru! Ich verfluche dich! Du wirst dein Königreich verlieren, du wirst deinen Thron verlieren, du wirst all deinen Besitz verlieren. Alles, was du hast, wirst du verlieren. Du wirst zum Bettler werden.“

Prakritis und Brihaspatis Flüche wurden Wirklichkeit. Indra wurde zu einem wirklichen Bettler. Da hatte Brihaspati Mitleid mit Indra und er änderte seinen Fluch ein wenig. Er sagte zu Indra: „Nach sechzigtausend Jahren werde ich dir dein Königreich zurückgeben.“ So betete und meditierte Indra sechzigtausend Jahre lang und danach wurde ihm sein Königreich zurückgegeben. Leider entdeckte er, dass sein Königreich nicht mehr so schön war, wie es früher gewesen war. Sein Palast bedurfte einer Umgestaltung und viele andere Orte bedurften ebenfalls einer Restaurierung. Indra war von Traurigkeit erfüllt, weil sein Königreich nicht so vollkommen war wie früher. Deshalb beauftragte er den himmlischen Architekten Vishwa­karma damit, das Nötige zu erledigen.

Vishwakarma arbeitete viele Monate daran. Aus den Monaten wurden Jahre, aber Indra war noch immer nicht zufrieden. Er fand stets Fehler an Vishwakarmas Arbeit. Jeden Tag musste sich Vishwakarma Indras Beschimpfungen und Beleidigungen anhören. Außerdem blieb Vishwa­karma keine Zeit für seine anderen wichtigen Arbeiten und er fühlte sich deshalb unglücklich.

Eines Tages ging Vishwakarma zu Vishnu und sagte: „O Vishnu, bitte rette mich, rette mich! Indra hat mich damit beauftragt sein Königreich wieder aufzubauen. Ich habe so hart daran gearbeitet, um ihn zufrieden zu stellen, aber er ist mit meiner Arbeit nicht zufrieden. Er beschimpft und beleidigt mich ständig.“

„Ich will sehen, was ich für dich tun kann“, antwortete ihm Vishnu.

Vishnu nahm die Form eines sehr bemerkenswerten jungen Knaben an und erschien vor Indra. „Dieses Königreich ist dein Königreich?“ fragte er. „Genau, es ist mein Königreich!“, sagte Indra. „Wer sonst könnte solch ein Königreich besitzen? Es ist meine Schöpfung. Da es so schön ist, bewunderst du es.“ Der Knabe sprach weiter: „Kein anderer Indra hat ein solch schönes Königreich oder einen solch glänzenden Palast. Hast du von jemandem Hilfe erhalten?“

„Ja“, sagte Indra „Vishwakarma hat mir ein wenig geholfen, aber er hat so gut wie nichts gemacht.“

„Kein anderer Vishwakarma kann bei der Umgestaltung eine Hilfe sein, kein anderer“ sagte der Junge geheimnisvoll.

„Was meinst du damit?“, schrie Indra. „Du sagst, kein anderer Indra und kein anderer Vishwakarma. Heißt das, es gibt mehr Indras und mehr Vishwakarmas?“

„Ja, ja, es gibt andere“, begann der Knabe. Indra wurde wütend. Als er sich vorstellte, dass es mehr als einen Indra gab, verlor er das ganze Interesse an seinem Königreich. Es machte ihm überhaupt nichts aus, dass es anscheinend noch andere Vishwa­karmas gab. Aber der Gedanke, dass es noch weitere Indras gab, war für ihn zu viel.

„Ich möchte dieses Königreich nicht länger“, sagte Indra mit trauriger Stimme. „Was soll ich jetzt tun?“

Vishnu nahm seine Form als kosmischer Gott wieder an. Er sagte zu Indra: „Geh und bade im Fluss und du wirst gereinigt werden. Nachdem du rein geworden bist, wirst du sehen, dass dein Königreich, dein Palast und all dein Besitz genauso vollkommen sind, wie sie es waren, bevor Prakriti dich verfluchte.

So erhielt Indra sein Königreich zurück und war vollkommen zufrieden.

An acht Stellen gekrümmt

Das ist eine Geschichte über Krishna und Radha. Es war eine Mondscheinnacht und Krishna spielte unwiderstehlich auf seiner Flöte. Radha und alle anderen Gopis hörten zu. Sie bewunderten die Musik von Krishnas Flöte und waren in seine himmlische Schönheit versunken. Sie waren im siebenten Himmel der Wonne.

Nach einiger Zeit beendete Krishna sein Flötenspiel und sagte: „Ich habe euch alle in eine Welt der reinsten Glückseligkeit gebracht. Nun, da ihr alle von Glückseligkeit erfüllt seid, werde ich einen Spaziergang im Wald machen.“

Krishna sah, dass Radha ihn begleiten wollte und sagte zu ihr: „Du kannst mitkommen.“ Die anderen Gopis wagten nicht, sich ihnen anzuschließen. Sie hegten sehr große Achtung für Radha.

So wanderten und wanderten Krishna und Radha, bis sie an eine bestimmte Stelle im Wald kamen. Krishna drehte sich zu Radha um und sagte: „Radha, ich bin in der Stimmung, einige Geschichten zu erzählen. Möchtest du meine Geschichten hören?“

„Sicherlich, mein Herr!“, rief Radha aus. „Bitte erzähle mir einige Geschichten. Ich bin begierig darauf, sie zu hören.“

Krishna sagte: „Ich werde dir erzählen, was mir gerade in den Sinn kommt.“ Krishna wollte gerade mit seiner Geschichte beginnen, als ganz plötzlich ein fremd aussehender Mann auftauchte. Sein Körper war an acht verschiedenen Stellen gekrümmt. Seine Beine waren krumm, seine Arme waren krumm, alles war unnatürlich. Dieser Mann war bekannt als Astabakra – ‚ast’ bedeutet acht und Astabakra bedeutet ,an acht Stellen krumm’.

Sobald Radha diesen unglückseligen Menschen sah, begann sie aus irgendeinem Grund zu lachen.

„Wie kannst du über diesen armen Mann lachen?“, fragte Krishna.

„Sein Körper ist an acht verschiedenen Stellen gebogen! Ich kann mein Lachen bei einem so komischen Anblick nicht zurückhalten“, antwortete Radha.

Krishna schimpfte sie aus: „Es ist nicht schön über andere Menschen zu lachen. Du solltest dich nicht so benehmen.“ Doch Radha hörte nicht auf zu lachen.

Astabakra hatte gedacht, dass Radha voller Anteilnahme für ihn sein würde, da sie Krishnas Lieblingsschülerin war. Er konnte einfach nicht verstehen, warum sie so herzlos über ihn lachte. Er stand voller Ergebenheit und Liebe vor ihr, doch ihr Lachen verletzte ihn tief.

Krishna sagte zu Radha: „Wenn ich dir von Astabakra erzähle, wirst du dann aufhören, über ihn zu lachen?“

„Sicherlich, mein Herr“, war Radhas Antwort.

„Dann höre auf zu lachen und höre dir folgende unglückliche Geschichte an.“ Als Krishna begann, die Geschichte zu erzählen, verbeugte sich Astabakra vor Krishna und Radha und verließ sie still.

Krishna erzählte folgende Geschichte:

Astabakra war einst ein hochrangiger Brahmin. Er war verheiratet und verbrachte viele Jahre mit seiner Frau. Dann, Gott allein weiß aus welchem Grund, fühlte er sich von seiner Frau angewidert. Er legte ein Gelübde ab und sagte: „Von nun an werde ich niemals, niemals mehr mit irgendeiner Frau zusammen sein! Alle Frauen sind so schlecht. Dies hier ist der untrügliche Beweis. Meine Frau hat bewiesen, dass Frauen unerträglich sind. Ich werde keine Verbindung, keinen Umgang mehr mit irgendeiner Frau aus Gottes gesamter Schöpfung haben. Ich werde nicht einmal mehr eine Frau anschauen.“

Das war das strenge Gelübde, das der Brahmin nach seiner traurigen Erfahrung, die er mit seiner Frau gemacht hatte, ablegte. Zu jener Zeit war sein Körper keineswegs gekrümmt. Er war kräftig und von stattlichem Aussehen.

O Gott! Eine Nymphe aus Indras Palast wurde auf diesen Brahmin aufmerksam und verliebte sich in ihn. Der Name dieser Nymphe oder Apsara war Rambha. Sie war äußerst schön. Sie kam zu dem Brahmin und sagte zu ihm: „Ich habe mich in dich verliebt und ich möchte dich heiraten.“

Der Brahmin wurde wütend. Er sagte: „Ich habe ein Gelübde abgelegt, dass ich niemals wieder heiraten werde. Meine erste Frau war genug für mich. Sie war die erste und die letzte!“

Rambha begann ihn anzuflehen. Sie sagte: „Du musst mich heiraten, denn ich habe meine Liebe zu dir erklärt.“

„Niemals!“ beharrte der Brahmin. „Ich will mit keiner weiteren Frau in diesem Leben zusammen sein.“

Als Rambha sah, dass der Brahmin seine Meinung nicht änderte, wurde sie sehr ärgerlich und wütend. „Du hast so eine widerwärtige Zunge! Wie wagst du es, so zu mir zu sprechen? Ich bin eine Tänzerin im Palast von Indra. Ich verfluche dich, weil du meine Liebe zurückgewiesen hast. Dein Körper wird sich an acht verschiedenen Stellen krümmen. Du wirst so hässlich sein, dass dich keine Frau jemals wieder ansehen will.“

Nachdem sie den Brahmin verflucht hatte, verschwand Rambha. Armer Brahmin! Sein Körper wurde sofort verbogen und verdreht. Jedes seiner Glieder zeigte in eine andere Richtung. Er konnte sich nur mit größter Mühe bewegen.

Verzweifelt sagte der Brahmin: „Was ist der Sinn, dieses Leben aufrecht zu erhalten? Rambha hat mich verflucht und das hier ist nun das Ergebnis. Warum sollte ich noch länger auf dieser Welt bleiben? Ich werde meinen Körper opfern.“

Plötzlich erschien Lord Vishnu vor ihm und sagte: „Es ist nicht gut, sich selbst zu töten. Bete, bete und bete. Nach einiger Zeit werde ich wiederkommen und du wirst geheilt sein. Dann wirst du wieder, wie zuvor, mit deinem physischen Körper hier auf der Erde glücklich sein. Du sagst, dass du keine Frauen mehr ansehen willst. Keine Sorge! Du wirst in der Lage sein, dein Gelübde zu halten. Nun beginne zu beten und bald werde ich wieder vor dir erscheinen.“

Der Brahmin hörte auf Lord Vishnu und begann äußerst aufrichtig zu beten.

„Wann wird Lord Vishnu kommen und den Brahmin heilen?“ fragte Radha, als Krishna an diesem Punkt seiner Geschichte angekommen war.

Krishna lächelte lieblich. „Vishnu ist bereits gekommen“, sagte er und begann den Weg nach Hause einzuschlagen. Krishna war eine Emanation von Lord Vishnu. Sie waren und sie sind ein- und derselbe. Und so heilte Krishna Astabakra.

Wie Shiva den Namen „Rudra“ bekam

Einmal sprachen und sprachen und sprachen Brahma und Vishnu endlos. Sie sind in allem endlos! Wenn sie schweigsam sind, sprechen sie Tausende von Jahren kein Wort; wenn sie jedoch anfangen sich zu unterhalten, können sie Tausende von Jahre ununterbrochen erzählen.

Bei dieser Gelegenheit, sie erfreuten sich gerade an einem ihrer geburtlosen und todlosen Gespräche, erschien Shiva ganz unerwartet. Aus irgendeinem Grund wurde Shiva manchmal sehr grob. Zu jener Zeit legte Shiva bei bestimmten Anlässen raue Manieren an den Tag. An diesem Tag war alles an ihm ungehobelt. Shiva hat nicht die feine Art der anderen Götter. Um seinen Nacken trägt er eine Kette aus Schädeln, er ist geschmückt mit Schlangen; seine Freunde sind die Geister und sein Lieblingsplatz ist der Verbren­nungsplatz für die Toten. Shivas Benehmen ist auch nicht unbedingt kultiviert. Man kann sagen, dass er nicht umgänglich ist.

In dieser unschicklichen Erscheinung kam er zu Brahma und Vishnu. Vishnu erkannte Shiva, aber Brahma erkannte ihn nicht. Schließlich wurde Brahma wütend über den Eindringling. „Wie kannst du es wagen, hierher zu kommen und dich vor uns zu stellen!“ rief er aus. „Wir sind zwei kosmische Götter! Du hast keinen Respekt vor uns!“

„Erkennst du Lord Shiva nicht?“ fragte Vishnu.

„Das ist nicht Shiva!“ beharrte Brahma.

In diesem Augenblick öffnete Vishnu Brahmas drittes Auge. „O mein Gott“, sagte Brahma. „das ist Shiva!“ Er sagte zu Shiva: „Bitte verzeih mir, verzeih mir!“

„Schon gut, ich verzeihe dir“, willigte Shiva ein. Zu­nächst war Shiva wütend gewesen, als Brahma ihn beleidigte. Shiva wollte sein drittes Auge öffnen und Brahma auf der Stelle vernichten. Aber sobald Brahma um Vergebung bat, brachte Shiva seinen Mitgefühls-Aspekt zum Vorschein. Er vergab Brahma bedingungslos.

Noch war Brahma nicht ganz zufrieden. Er sagte zu Shiva: „Du musst beweisen, dass du mir vergeben hast.“

„Welchen Beweis möchtest du?“ fragte Shiva.

„Du musst dich in meiner Familie inkarnieren“, erklärte Brahma. „Du musst als mein Sohn geboren werden.“

„Gut, gut“, sagte Shiva. „Ich werde mich in deiner Familie inkarnieren. Ich werde dein Sohn sein.“

Nachdem es entschieden war, dass Shiva auf der Erde als Brahmas Sohn geboren werden würde, verließ Shiva die Gesellschaft von Vishnu und Brahma.

Da Vishnu und Brahma so lange Zeit geredet hatten, waren nun beide völlig erschöpft. Vishnu sagte: „Ich will eine kleine Pause einlegen.“ Auch Brahma sagte: „Ich will ebenfalls eine Pause einlegen, eine kurze Pause.“

Sobald sich Vishnu niedergelegt hatte, schlief er ein und begann zu schnarchen. Er war in einer vollkommen anderen Welt. Brahma legte sich in Vishnus Nähe nieder. Sie lagen sozusagen Seite an Seite. Brahma war noch teilweise wach. In dem Augenblick, als Vishnu einschlief, geschah etwas Merkwürdiges. Aus einem seiner Ohren tauchte ein winziges Wesen auf und dieses Wesen wollte Honig essen.

Einige Minuten später wachte Vishnu auf. Mittlerweile kam aus seinem anderen Ohr ein weiteres Wesen hervor. Dieses andere Wesen war wie ein Insekt. Es liegt in der Natur eines Insekts zu stechen, und so wollte es Brahma stechen. Diese zwei winzigen Wesen waren schlechte Kräfte oder Dämonen. Ihre Namen waren Madhu und Koitava. Madhu bedeutet Honig und Koitava kommt von dem Wort Drachen und bedeutet Insekt. Unsere indische Mythologie ist übersät mit diesen zwei Worten.

Madhu und Koitava sahen alle beide, dass Brahma die Person war, die ihnen am nächsten war und so machten sich beide daran, ihn zu töten. Sie waren das inkarnierte Böse. Obwohl einer wie ein Insekt und der andere auch sehr klein war, können Dämonen jede Form annehmen, die sie wünschen. Madhu und Koitava wurden also plötzlich riesig und stark. Sie sahen äußerst hässlich aus und waren unfassbar dick.

Nachdem sie diese riesige und schreckliche Gestalt angenommen hatten, begannen sie den schutzlosen Brahma anzugreifen. Er schrie laut: „Was macht ihr?“ Er kämpfte, aber er konnte sie nicht töten, doch auch den Dämonen gelang es nicht, ihn zu töten. Dann kam Vishnu dazu. Er wurde wütend.

„Ihr zwei seid aus meinem Körper hervorgekommen, und das ist nun die Art und Weise, wie ihr euch benehmt?“ donnerte er. Daraufhin tötete er die beiden Dämonen.

Brahma war hocherfreut, als er Madhu und Koitava tot am Boden liegen sah. Er begann zu meditieren. Plötzlich sagte er: „Shiva versprach, dass er sich in meiner Familie inkarnieren würde. Er sagte, er würde mein Sohn werden. Schau dir seine Lügen an! Shiva hält sein Versprechen nie – nie, nie, nie!“ Brahma dachte einen Moment nach und fuhr fort: „Ich muss zu Shiva beten und ihn noch einmal an sein Versprechen erinnern. Er versprach, dass er als mein Sohn zu mir kommen würde.“

Brahma betete also fünftausend Jahre lang zu Shiva, aber Shiva zeigte sich nicht. Eines Tages begann Brahma bittere Tränen zu vergießen, da Shiva sein Versprechen nicht gehalten hatte. Brahma sagte: „Ich will nicht vergeblich weitermachen. Auch nachdem er meine Tränen gesehen hat, ist Shiva nicht gekommen. Ich weine wie ein Kind, aber er erhört meine Gebete nicht. Ich habe mich nun entschieden, Selbstmord zu begehen. Shiva ist ein Lügner. Er wird nicht kommen. Also ist es das Beste, mich selbst zu opfern.“

Nach diesen Worten beging Brahma Selbstmord. Sobald er es getan hatte, trat Shiva aus Brahmas Mund. Während er herauskam, weinte Shiva bitterlich und Brahma wurde wiederbelebt. Brahma war überglücklich, seinen Sohn zu sehen. Als er Shivas Tränen sah, war er sehr besorgt.

„Warum weinst du, mein Kind?“ fragte er.

Shiva sagte, dass er weine, weil er in die Welt der Unwissenheit eintrete, während er eine menschliche Inkarnation annahm. Aus diesem Grund gab ihm Brahma den Namen ‚Rudra’, was bedeutet: ‚einer, der herzzerreißend weint.’ Es gibt auch einen anderen Aspekt dieses Namens, welcher bedeutet: ‚der, welcher zerstört.’ Im Laufe der Zeit manifestierte Shiva auch diesen anderen Aspekt, indem er die Kraft des dritten Auges gebrauchte.

Das ist also die Geschichte, wie Shiva zu dem Namen Rudra kam.

Die vielen Namen von Shiva

Hier ist noch eine andere Version der vorhergehenden Geschichte. Zu vielen der Geschichten aus den Puranas existieren verschiedene Versionen. Einige widersprechen sich sogar. Du kannst dir aussuchen, welche dir besser gefällt.

Brahma meditierte darauf, einen Sohn zu bekommen. Ganz plötzlich, nach Tausenden von Jahren der Meditation, sah er ein Kind in seinem Schoß. Er war überglücklich, aber das Kind begann sofort zu weinen. Sein Körper zitterte vor lauter Schluchzen. Brahma fragte das Kind: „Sag mir, mein Sohn, warum weinst du?“

Der kleine Junge schluchzte: „Ich brauche einen Namen.“

„Du brauchst einen Namen?“ wiederholte sein Vater. Sofort gab ihm Brahma den Namen Rudra, welcher bedeutet: einer, der bitterlich weint.’

Ein paar Minuten später fing das Kind wieder an zu weinen. „Warum weinst du?“ fragte sein Vater.

„Ich brauche noch einen Namen“, sagte das Kind.

Brahma stimmte zu und gab ihm den Namen Pinaki. Aber die Tränen des Kindes begannen wieder zu fließen. Diesmal gab ihm Brahma den Namen Bibhola. Danach erhielt er den Namen Trishuladhari, welcher bedeutet: ‚einer, der den Dreizack hält.’ Alles in allem erhielt das Kind acht Namen von Brahma.

Schließlich sagte es zu seinem Vater: „Jetzt hast du mir so viele Namen gegeben. Was soll ich mit diesen Namen machen? Welchen soll ich gebrauchen?“

Er war es doch, der Brahma gebeten hatte, ihm die Namen zu geben und jetzt fragte er, was er mit ihnen tun solle.

Brahma sagte zu Rudra: „Alle diese Namen, die ich dir gegeben habe, haben eine ganz besondere Bedeutung. Jeder verkörpert eine deiner göttlichen Qualitäten, und ich möchte, dass du sie auf der Erde manifestierst.“

Schließlich manifestierte Rudra all die göttlichen Qualitäten, die Brahma ihm in Form dieser verschiedenen Namen gegeben hatte.

Krishnas Sohn entführt die Kaurava-Prinzessin

Dies ist eine Geschichte über die Ironie des Schicksals. Als Duryodhanas Tochter Laksmana in das heiratsfähige Alter kam, wollte sie sich einen Ehemann auswählen. Zu jener Zeit war es üblich, dass der Vater eine besondere Feier namens Swayamvara abhielt, sobald es für die Prinzessin an der Zeit war zu heiraten. Alle Prinzen der umliegenden Königreiche wurden eingeladen und die Prinzessin legte eine Girlande um den Hals desjenigen, den sie zu heiraten wünschte.

So hielt auch Duryodhana ein Swayamvara für seine Lieblingstochter ab und viele Prinzen von königlichen Familien anderer Königreiche kamen. Jeder Prinz kam mit der Hoffnung, dass sie ihn als ihren Ehemann auserwählen würde.

Auch Krishnas Sohn Samba besuchte die Feier. Doch statt abzuwarten, ob die Prinzessin ihm die Girlande um den Hals legen würde, entführte er sie gewaltsam vor den Augen aller. All die anderen Prinzen wie auch die Familienmitglieder der Prinzessin waren empört, dass Samba es gewagt hatte, so etwas zu tun. Es war unfassbar, dass sich Krishnas eigener Sohn so benahm. In ihren Streitwagen jagten sie Samba hinterher und schließlich wurden sie seiner habhaft. Samba wurde gefangen genommen und im Königreich der Kauravas ins Gefängnis geworfen. Durch seine unbesonnene Tat war er nun vielen Demütigungen ausgesetzt.

Unterdessen wurde Duryodhanas Tochter gebeten, jemand anderen zu erwählen, zumal die meisten Prinzen noch auf dem Fest waren. Die arme Prinzessin war bereits so traurig und unglücklich, dass dies in ihrer gegenwärtigen Gemütsverfassung eine unmögliche Aufgabe für sie darstellte. Außerdem hegte sie tief in ihrem Herzen eine Zuneigung für Samba.

Angesichts ihrer Notlage schlugen einige Anwesende vor, den Swayamvara auf einen anderen Tag zu verschieben. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“, sagten sie. „Die Prinzessin steht noch zu sehr unter Schock. Sie soll sich erst von dieser Strapaze erholen, bevor sie einen Ehemann erwählt.“

So kehrten die Prinzen enttäuscht in ihre Königreiche zurück und Samba blieb im Gefängnis. Die Neuigkeit von seiner Gefangennahme erreichte bald seinen Vater Krishna, der sehr traurig und bestürzt war. „So etwas muss mir mein Sohn antun!“ rief er aus. „Er weiß, dass die Kauravas unsere schlimmsten Feinde sind. Ich werde mich nicht aufmachen, um ihn zu befreien.“

Doch Krishnas Bruder Balarama war gerade von diesem Neffen sehr angetan. Er sagte zu Krishna: „Ich werde nicht erlauben, dass mein Neffe Samba im Königreich der Kauravas gefangen gehalten wird. Ich werde hingehen und ihn zurückbringen.“

Krishna erwiderte: „Tue, was immer du willst. Das Verhalten meines Sohnes hat mich in eine äußerst peinliche Lage gebracht. Gehe und tue, was du für richtig hältst.“

Balarama begab sich zum Königreich der Kauravas. Er sagte zu Duryodhana: „Ich bin gekommen, um meinen Neffen mit nach Hause zu nehmen.“

Duryodhana und seine Brüder begannen sich über Bala­rama lustig zu machen. „Dein Neffe ist so schlecht!“ sagten sie. „Warum willst du mit ihm in Verbindung gebracht werden?“

Balarama antwortete: „Es spielt keine Rolle was er getan hat, mein Herz ist voller Liebe zu ihm. Nun lasst ihn bitte frei.“

Aber Duryodhana wollte nicht erlauben, dass Samba frei gelassen wurde. Das machte Balarama wütend. Seine wichtigste Waffe war die Pflugschar. Er begann die Pflugschar zu schwingen und die Mauern des Gefängnisses niederzureißen. Die Soldaten, die das verhindern wollten, wurden alle vernichtet.

Als die Kauravas sahen, wie mächtig Balarama war, wurden sie ängstlich und ließen Samba frei. Dann sagte Balarama: „Ich verlange das Mädchen, Duryodhanas Tochter. Nun, da ich euch alle besiegt habe, will ich, dass Laksh­mana meinen Neffen heiratet.“

Wieder begannen die Kauravas über Balarama zu lachen. „Sie hat die Girlande nicht um den Hals deines Neffen gelegt“, behaupteten sie. „Wie kannst du verlangen, dass sie ihn heiratet?“

Balarama sagte: „Nein, doch ich weiß, dass sie ihn liebt.“

Duryodhana wusste, dass Balarama die Fähigkeit besaß, alle Kauravas zu vernichten und war daher sehr besorgt. Er sagte zu sich: „Das Beste ist, meine Tochter wegzugeben. Andernfalls wird Balarama jeden töten, wenn ich sie behalte. Meiner Tochter wegen würde das ganze Königreich zerstört werden.“ Aus Angst ließ er Lakshmana mit Balarama und Samba ziehen. Er fragte sie nicht einmal, ehe er seine Entscheidung traf. Er sagte nur zu ihr: „Geh nun.“ Als Mitgift gab Duryodhana Tausende von Pferden und Wagen sowie Hunderte von herrlichen Elefanten.

Balarama kehrte mit Samba, Duryodhanas Tochter und all diesen Reichtümern von den Kauravas zurück nach Dwaraka, der Hauptstadt von Krishnas Königreich. Wieder einmal war Krishna sehr glücklich.

Kann man sich das vorstellen! Musste Krishnas Sohn Samba von allen Prinzessinnen ausgerechnet die Tochter von Krishnas ärgstem Feind, Duryodhana, für die Entführung aussuchen?

Natürlich sperrte Duryodhana den Knaben ein und warf ihn ins Gefängnis. Doch Balaramas Liebe zu seinem Neffen war so groß, dass er sich selbst auf den Weg machte und für Sambas Freiheit kämpfte. Als sich die Kauravas unterwarfen, gaben sie Balarama nicht nur Samba, sondern auch Duryodhanas Tochter und zusätzlich unermesslichen Reichtum.

Krishna, Arjuna und Duryodhana gehörten alle drei der Krieger-Kaste an. Sie waren Kshatriyas. Zu jener Zeit war es den Kshatriyas erlaubt, eine Frau zu entführen, doch es geschah gewöhnlich mit der gemeinsamen Zustimmung beider Parteien. Als Arjuna Krishnas Schwester Subhadra entführte, geschah dies mit Krishnas vollem Einverständnis, weil Krishna wusste, dass sich beide liebten. Aber als Balarama bemerkte, dass Arjuna Krishnas Schwester entführt hatte, wollte er Arjuna mit seinem Wagen folgen und ihn töten. Krishna musste Balarama beruhigen, indem er sagte, dass Arjuna der beste Krieger sei und es keine Schande wäre, ihn als Familienmitglied zu haben.

Der Brauch, eine Frau zu entführen, begann mit Vish­ma. Er entführte drei Schwestern für seinen Neffen Vichi­travirya, den Großvater der Pandavas. Die Namen dieser drei Schwestern waren Amba, Ambalika und Ambika. Weil er sie gegen ihren Willen mitnahm, wurde Vishma verflucht und von diesem Tag an lief alles bei ihm schief.

Brahmas Stolz

Das ist eine Geschichte über den Stolz Brahmas, unseres Schöpfers. Eines Tages meditierte Brahma. In seiner Meditation ging er höher als das Höchste und tiefer als das Tiefste. Er war in Ekstase. Brahma sagte zu sich selbst: „Wie sehr wünschte ich, dass ich die ganze Zeit in dieser erhabenen Meditation verbringen könnte!“

Plötzlich erschien eine wunderschöne Nymphe oder Apsara vor ihm. Ihr Name war Mohini. Sie sagte zu Brahma: „Ich möchte dich heiraten.“

Brahma wurde wütend. „Ich war in solcher Ekstase, in einem Zustand der höchsten Glückseligkeit und da kommst du daher und bezauberst mich! Nie! Komm mir nicht zu nahe. Lass mich in Ruhe!“

Mohini war zutiefst beleidigt. „Ich lasse dich in Ruhe, aber zuvor verfluche ich dich. Von nun an wird dich niemand mehr verehren, niemand! Die anderen kosmischen Götter werden verehrt und angebetet werden, aber du wirst nie, nie mehr von irgendeinem Menschen verehrt werden!“

Mohinis Fluch ging in Erfüllung und Brahma wurde nicht länger angebetet. Er fühlte sich elend und deshalb ging er zu Vishnu, um sich Rat zu holen. Während er in Vishnus Palast wartete, sah er jemanden, der genauso aussah, wie er selbst, mit Ausnahme, dass diese Gestalt zehn Köpfe hatte.

Dann sah er noch eine Gestalt, die ihm glich, aber mit hundert Köpfen und eine dritte mit tausend Köpfen. Alle sahen genauso aus wie er, aber er hatte nur vier Köpfe.

Als Vishnu den Raum betrat, fragte ihn Brahma, wer diese anderen Gestalten seien: „Das sind alles Brahmas wie du. Du bist nicht der einzige Brahma! Du musst wissen, dass es viele Universen gibt und jedes Universum wird von einem Brahma, einem Schöpfer, repräsentiert. Es gibt Hunderte Universen und Hunderte Brahmas. Sie sehen genauso aus wie du, aber du hast nur vier Köpfe, während sie weit, weit mehr Köpfe haben.“

Armer Brahma! Er war zu Vishnu gekommen, um getröstet zu werden, aber Vishnu hatte seinen Stolz zerschmettert. Dann erzählte Brahma Vishnu von Mohinis Fluch und fragte Vishnu ganz demütig, wie er diesen Fluch aufheben könne.

Vishnu sagte: „Du kannst Mohinis Fluch nur entkräften, wenn du auf mich hörst. Du musst sechzigtausend Jahre lang meditieren und dann musst du zum heiligen Fluss Ganges gehen und baden. Nur dann wirst du von dem Fluch befreit sein.“

Die indische Mythologie besagt, dass ein Fluch sechzigtausend Jahre währt und man sechzigtausend Jahre meditieren muss, um von ihm befreit zu werden. Also musste der arme Brahma sehr, sehr lange meditieren.

Krishna betet für einen Sohn

Krishna hatte den brennenden Wunsch, einen Sohn zu haben. Also machte er sich auf, um bei einem bestimmten Weisen um Rat zu bitten. Als der Weise Krishna kommen sah, war er freudigst überrascht. Alle riefen: „Krishna kommt, Krishna kommt!“ und begannen Krishna anzubeten.

Der Weise fragte Krishna: „Bitte sage mir, was ich für dich tun kann. Gibt es etwas Bestimmtes, das ich für dich tun soll?“

Krishna antwortete: „Mein Wunsch ist sehr bescheiden. Ich möchte einen Sohn haben. Bitte sage mir, wie ich einen Sohn haben kann.“

„Nur Shiva kann in dieser Sache helfen“, sagte der Weise. „Du musst zu Shiva beten. Zuerst musst du eintausend Blumen pflücken. Mit diesen Blumen musst du Shiva viele Jahre lang anbeten. Wenn Shiva mit deiner Anbetung zufrieden ist, wird er dir einen Sohn schenken.“

Krishna verließ die Hütte des Weisen und begab sich in die Abgeschiedenheit. Er streute sich Asche auf seinen Körper und kleidete sich mit einer Baumrinde. Viele Jahre lang betete er, um einen flüchtigen Blick von Shiva zu erhalten und ihn um einen Gefallen zu bitten.

Parvati sah mit ihrem dritten Auge, dass Krishna ganz allein im Wald inständig betete. Sie sagte zu ihrem Mann: „Mein Herr, was tust du? Warum antwortest du nicht? Lord Krish­na betet schon seit so vielen Jahren zu dir, nur zu dir.“

„Was erwartest du, dass ich tue?“ fragte Shiva.

„Geh einfach und tritt vor ihn hin“, bat Parvati. „Lass uns am besten zusammen gehen.“

Parvati und Shiva erschienen vor Krishna. Shiva sagte zu ihm: „Was machst du? Warum solltest unter all den Menschen gerade du zu mir beten? Du bist Narayana, du bist Vishnu, du bist der Avatar dieses Zeitalters, du erfüllst alles. Warum betest du dann zu mir?“

Krishna antwortete: „Lord Shiva, ich weiß, dass du der Einzige bist, der meinen Wunsch erfüllen kann.“

„Gibt es einen Wunsch, den du dir nicht selbst erfüllen kannst?“ fragte Shiva.

„Man hat mir gesagt, dass nur du diesen bestimmten Wunsch erfüllen kannst. Deswegen bin ich zu dir gekommen.“ antwortete Krishna.

„Was ist dein Wunsch?“ fragte Shiva. „Ich wünsche mir einen Sohn, der genau so ist wie du.“ sagte Krishna zu Shiva. „Er soll genau so sein wie du, sonst will ich ihn nicht.“

Shiva und Parvati lächelten und sofort gewährte Shiva Krishna den Wunsch. Krishna kehrte nach Hause zurück und nach einiger Zeit gebar seine Frau Jambavati einen Sohn. Sie nannten ihn Samba.

Was bedeutet es, einen Sohn zu haben, der genauso ist wie Shiva?

Einerseits ist Shiva immer in Trance. Aber andererseits ist es Shivas Aufgabe zu zerstören. Von Zerstörung kommt Umwandlung. Dieser Knabe Samba tat im Laufe seines Lebens viele unerträgliche Dinge. Schließlich brachte er die totale Zerstörung über Krishnas Familie. Man kann also sagen, dass Krishna wusste, dass Umwandlung notwendig war und der Umwandlung die Zerstörung vorausgehen muss. Deswegen betete er um einen Sohn, der wie Shiva war.

Parvati sehnt sich danach, Shiva zu heiraten

Parvati war erst acht Jahre alt, als ihr Vater Himavan sie eines Tages mitnahm, um Lord Shiva zu besuchen. Seit ihrer Geburt war Parvati immer sehr spirituell gewesen. Sie wollte immer etwas über Gott erfahren, daher war sie sehr begierig, Lord Shiva zu sehen. Doch Lord Shiva war in einem meditativen Bewusstsein und schenkte dem kleinen Mädchen keine Beachtung.

Nach dieser ersten Begegnung kam Parvati jeden Tag, um Lord Shiva zu sehen. Sie brachte ihm frische Blumen in der Hoffnung, dass er eines Tages seine Augen öffnen und zu ihr sprechen würde. Im Hinterkopf hatte sie die Idee, dass das der Mann war, den sie heiraten wollte.

Aus den Tagen wurden Jahre und Parvati wuchs zu einer wunderschönen jungen Frau heran. Noch immer war Shiva in seiner Trance versunken. Wie könnte jemand Shivas Trance stören? Wenn er einmal in Trance ist, genießt er die höchste und tiefste Glückseligkeit. Warum also sollte er diesen Zustand aufgeben?

Eines Tages vertraute Parvati ihrem Vater an: „Ich möchte Lord Shiva wirklich gerne heiraten. Er meditiert unablässig. Ich wünsche mir so sehr, dass ich auch so meditieren könnte wie er.“

Himavan war sehr traurig, dass Shiva seiner schönen Tochter, die in jeder Hinsicht tiefst spirituell war, überhaupt keine Aufmerksamkeit schenkte. So beschloss er, Shiva einen Streich zu spielen: Er rief den Gott der Liebe an, um Lord Shivas Meditation mit seiner Hilfe zu stören. Der Name dieses bestimmten Gottes war Madana. Madana hatte einen Bogen und einige Pfeile, die aus Blumen gemacht waren. Er schoss diesen Pfeil auf seine Opfer und dann wurden sie von Gefühlen emotionaler Liebe erfüllt.

Auf Himavans Bitte richtete Madana seinen Pfeil auf Lord Shiva und die Pfeile fielen als Blumen zu Lord Shivas Füßen. Plötzlich öffnete Shiva sein drittes Auge und sah den Gott der Liebe mit seinem Bogen in der Hand vor ihm stehen. Sofort verbrannte Shiva diesen unglücklichen Gott zu Asche, weil er durch ihn in seiner Meditation gestört wurde.

Unterdessen stand Parvati mit einer wunderschönen Girlande in ihren Händen in der Nähe, aber Lord Shiva beachtete sie überhaupt nicht. Es war, als ob sie überhaupt nicht existierte. Er schloss einfach wieder seine Augen und verfiel in Trance.

Parvatis Eltern waren Zeugen dieser ganzen Geschichte und sie waren wütend auf Lord Shiva. Sie hatten das Gefühl, dass er ihre liebste Tochter beleidigt hatte. „Du kannst ihn nicht heiraten, Parvati“, sagten sie zu ihr. „Dieser Shiva hat dich schon so viele Jahre lang beleidigt. Du darfst deine Zeit nicht länger an ihn verschwenden.“

Aber Parvati wollte sich nicht von der Stelle rühren. „Ich bleibe hier“, erklärte sie. „Ab jetzt werde ich nur noch Blätter essen, nasse Blätter.“ Schweren Herzens kehrten Parvatis Eltern ohne sie nach Hause zurück.

Parvati blieb mehrere Jahre in Shivas Nähe und ernährte sich nur von nassen Blättern. Dann begann sie, nur noch trockene Blätter zu essen. Als sie nach einigen weiteren Jahren auch aufhörte Blätter zu essen, wurde ihr Name Aparna, was soviel wie ‚Eine, die nicht einmal ein Blatt isst’ bedeutet. Parvati wurde damals wegen ihrer extremen Tapasya (spirituellen Disziplin) zur Göttin Aparna.

Als die Zeit verstrich, ging Parvati noch einen Schritt weiter. Sie hörte auf, Wasser zu trinken. Sie lebte nur noch von Luft. Himavan sah, dass seine Tochter sehr schwach wurde. Er wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie starb. Deshalb ging Himavan zu Lord Shiva und sagte: „Kannst du nicht sehen, was du meiner Tochter antust? Ihr ganzes Leben lang wollte sie nur eines, nämlich dich heiraten. Aber du hast sie nicht einmal angesehen. Wenn du entschlossen bist, sie nicht zu heiraten, schaue sie wenigstens an. Sonst wird sie sicherlich sterben.“

Shiva ließ sich dazu herab, Parvati anzusehen, aber er sagte zu sich selbst: „Ich möchte sie ein letztes Mal prüfen, bevor ich sie heirate.“ Arme Parvati, sie hatte so vielen Prüfungen standgehalten und noch immer wollte Shiva ihre Liebe und Ergebenheit prüfen. Er nahm die Gestalt eines gewöhnlichen Mannes an und erschien vor ihr. „Du bist ein wunderschönes Mädchen“, sagte er. „Warum verschwendest du hier deine Zeit? Ich habe gehört, dass du Shiva heiraten möchtest, doch was für eine Art Mensch ist er? Er verbringt seine ganze Zeit auf dem Leichen-Verbrennungsplatz zusammen mit seinen Geister-Freunden. Die Kette um seinen Hals ist aus Totenköpfen gemacht. Wie kannst du jemanden so Furchterregendes wie Shiva heiraten? Vergiss ihn! Heirate einen ganz normalen Mann wie mich.“

Parvatis Augen funkelten. „Was du sagst stimmt nicht. Geh weg von hier und lasse mich in Ruhe! Ich weiß, wer Shiva ist. Versuch nicht, deine Zweifel und Verdächtigungen in mich zu werfen. Dich werde ich niemals heiraten, niemals! Ich werde nur meinen Lord Shiva heiraten. Wenn du mich nicht sofort in Ruhe lässt, werde ich dich verfluchen.“

In diesem Augenblick nahm Shiva wieder seine wahre Form an. Parvati war tief bewegt und überwältigt, Shiva vor sich stehen zu sehen. Shiva sagte zu ihr: „Alles, was du willst, werde ich dir gewähren.“

„Weißt du zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht, welchen Wunsch ich habe?“ fragte Parvati. „Alles was ich mir wünsche ist dich zu heiraten.“

„Der Wunsch ist dir gewährt“, sagte Shiva.

Nachdem Shiva und Parvati verheiratet waren, erfuhr Parvati, dass sie in ihrer vorhergehenden Inkarnation auch Shivas Frau gewesen war. Damals war ihr Name Sati und sie opferte sich selbst, weil ihr Vater Daksha Shiva beleidigt hatte. Aber das ist eine andere Geschichte!

Brahma kann alles verschlingen

Eines Tages wurde Brahma von Stolz erfasst. Er sagte: „Da ich ganz Feuer bin, kann ich alles verschlingen. Deshalb will ich alles verschlingen und beweisen, dass ich unter den kosmischen Göttern der Größte bin. Wer kann es wagen mir entgegenzutreten? Ich kann Feuer verschlingen! Ich bin Feuer! Ich bin Brahma!“

Als Vishnu das Ausmaß von Brahmas Stolz sah, nahm er die Form eines kleinen Jungen von vier oder fünf Jahren an. Dieser kleine Junge trat mit einem trockenen Schilfrohr in der Hand vor Brahma.

Der kleine Knabe sagte: „Lord Brahma, du bist der Größte unter all den Göttern. Hier ist ein trockenes Schilfrohr. Zeige mir, wie du es verbrennst oder verschlingst.“

Brahma umhüllte den kleinen Knaben sofort mit Flammen. Die Flammen wollten nicht nur das Schilfrohr verschlingen, sondern auch den kleinen Jungen. Doch obwohl die Flammen intensiv brannten, konnten sie dem kleinen Knaben nichts anhaben und sie berührten nicht einmal das trockene Schilfrohr in seiner Hand.

„Wie kann das sein?“ rief Brahma. „Ich kann alles verbrennen, doch um ein einziges trockenes Schilfrohr und einen kleinen Jungen zu verbrennen, dazu reichen meine Fähigkeiten nicht aus? Das verstehe ich nicht.“

Da nahm Vishnu seine wahre Form an und sagte zu Brahma: „Das kommt alles nur von deinem Stolz. Ich wollte nur deinen Stolz brechen, indem ich dir zeige, dass du einem Schilfrohr nichts anhaben kannst. Nun solltest du nicht mehr prahlen. Du musst still sein.“

Das war die Geschichte, wie Brahma von Vishnu gedemütigt wurde.

Diese Bücherreihe kann zitiert werden unter Verwendung des Zitierschlüssels eit-1