Ein Universum von Heiligen

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Keine Wichtigtuerei, sondern inneres Einssein

Ein spiritueller Meister beauftragte eines Nachmittags einen seiner neuen Schüler damit, in der Vorhalle seines Centers ein Bild aufzuhängen. Der Meister deutete auf einen Punkt an der Wand und sagte zu dem Schüler: „Bitte schlage den Nagel hier ein.“ Natürlich war der neue Schüler überglücklich, dass der Meister ihn dazu aufforderte. Voller Eifer nahm er den Hammer und schlug den Nagel ein. Obwohl der Meister ausgerechnet ihn damit beauftragt hatte und viele andere Schüler in der Nähe waren, die ihm zuschauten, erfüllte der Schüler die Aufgabe seelenvoll und demütig, ohne jegliche Angeberei.

Währenddessen unterhielt sich ein Schüler, den der Meister als einen schlechten Schüler betrachtete, mit einigen seiner Freunde am anderen Ende der Halle. Als der schlechte Schüler bemerkte, dass der neue Schüler diese Arbeit für den Meister ausführte, stieg sofort Eifersucht in ihm auf. Er sagte sich: „Ach, der neue Schüler ist dem Meister wichtiger als ich, deshalb hat der Meister ihn gebeten, den Nagel in die Wand zu schlagen.“

Etwas später bat der Meister den neuen Schüler höflich, die Küche zu fegen. Auch dieses Mal erfasste den anderen Schüler die Eifersucht, weil der Meister wieder den neuen Schüler dazu aufgefordert hatte und nicht ihn. „Ach, der Meister hat ihm die Sache aufgetragen“, sagte sich der unglückliche Schüler. „Es ist zwar lediglich Küchenarbeit, aber es macht mich innerlich ganz krank, weil ich diese Möglichkeit nicht bekommen habe.“

Währenddessen saß einer der besten Schüler des Meisters, der dem Meister gegenüber wirklich hin­gebungs­­voll und treu ergeben war, im nahe gelegenen Medi­tationsraum. Er sagte zu sich: „Ich bin dem Meister ja so dankbar, dass er nicht mich, sondern den neuen Schüler damit betraut hat, das Bild aufzuhängen und den Boden zu fegen. Dadurch hat er mir die Gelegenheit gegeben, die Zeit für Meditation zu nützen. Ich fühle wahrhaftig, dass der Meister dies zu meinem Besten arrangiert hat.“

Ein weiterer guter Schüler des Meisters hatte den Vorgang gleichfalls beobachtet. Er war in keinem meditativen Bewusstsein und fühlte sich gerade ziemlich niedergeschlagen. Dieser Schüler sagte sich: „Es freut mich, das zu sehen. Ich weiß, dass der Meister nur mein Bestes will. Heute bin ich in keiner guten Verfassung und wenn der Meister mich gebeten hätte, das Bild aufzuhängen oder den Boden zu fegen, hätte ich damit nur angegeben. Ich hätte nur meinen Stolz und meine Eitelkeit sowie meine anderen ungöttlichen Eigenschaften zur Schau gestellt. Ich danke dem Meister, dass er mir vergeben hat; er hat mich nicht in den Mittelpunkt gerückt und meine Unwissenheit bloßgestellt. Er hat mir heute keine Gelegenheit gegeben, mich selbst in Verlegenheit zu bringen.“

Auf okkulte Weise hatte der Meister in den Gedanken dieser drei Schüler gelesen. Er war sehr stolz auf seine beiden guten Schüler und ziemlich verstimmt über die Reaktion des schlechten Schülers. Der Meister beschloss, zu allen anwesenden Schülern über die richtige innere Einstellung in Bezug auf selbstloses Dienen zu sprechen. Er bat die Schüler in den Meditationsraum zu kommen und sagte: „Der so genannte selbstlose Dienst wirft in meinem Ashram ein Problem auf. Ich möchte nicht das Wort ‚Ego’ gebrauchen, sondern das Wort ‚Wichtigtuerei’; es ist unsere Wichtigtuerei, die Probleme solcher Art verursacht.“

„Ein guter Schüler wird stets etwas Gutes an der Art finden, wie der Meister die Aufgaben verteilt. Er wird glauben, dass es zu seinem eigenen Besten ist, wenn der Meister jemand anderen um einen Dienst bittet. Sogar wenn er in einer schlechten Stimmung ist, wird er dem Meister dankbar sein, dass dieser seine Unwissenheit nicht zur Schau gestellt hat. Wenn der Schüler in einem guten Bewusstsein ist, dann fühlt er, dass ihm sein Meister die Möglichkeit gegeben hat, zu meditieren, tief nach innen zu tauchen und in der inneren Welt zu arbeiten. Ein guter Schüler wird stets wissen und fühlen: Mein Meister wird mir stets geben, was für mich gut ist, er wird anderen geben, was für sie gut ist und das ist zugleich das Beste für mich. Ein schlechter Schüler wird jedoch niemals auf solch göttliche Weise denken. Er wird immer in der Annahme sein, dass der Meister sich weit mehr um andere kümmert als um ihn. Wenn ihr die göttliche Haltung des guten Schülers einnehmt, könnt ihr euch stets vor dem Angriff der Eifersucht retten, welche nichts anderes als Unwissenheit ist.“

Der besagte schlechte Schüler fühlte innerlich, dass der Meister seine Gedanken gelesen hatte. Doch äußerlich sagte er: „Meister, bitte erkläre uns, was du meinst!“ Der Meister betrachtete den Schüler ein paar Augenblicke lang und erwiderte dann: „Wenn ich jemand anderen auffordere, etwas zu tun und du ein schlechter Schüler bist, wirst du sofort sagen: ‚Ach, der Meister hat ihn gebeten, diese Arbeit zu tun; das bedeutet, dass er sich nur um ihn kümmert.’ Dann wird in dir deine ganze Welt zusammenbrechen, weil ich jemand anderen und nicht dich darum gebeten habe. Wenn du jedoch ein guter Schüler bist, wirst du sofort sagen: ‚Ich bin dem Meister so dankbar, da er mir erlaubt hat zu meditieren und nach innen zu tauchen, um mich an unendlichem Frieden, unendlichem Licht und an unendlicher Glückseligkeit zu erfreuen.’ Dies ist die absolut beste Haltung, die göttliche Haltung. Nun sieh zu, wie du deine Haltung ändern und dich selbst retten kannst.“

Der schlechte Schüler schämte sich, dass der Meister seine falsche Haltung öffentlich dargestellt hatte. Der Meister fuhr fort: „Du solltest jedoch noch einen Schritt weitergehen und sagen: ‚Wenn der Meister mich bittet, sofort einen Nagel in die Wand zu schlagen oder den Küchen­boden zu fegen, dann werde ich diese Aufgabe mit der gleichen Freude erledigen, denn für mich ist Meditation und das Fegen des Küchenbodens von gleicher Wichtigkeit. Aber im Augenblick ist es so, dass etwas von mir verlangt wird und etwas anderes nicht verlangt wird. Ich bin froh, dass ich etwas für den Meister tun kann. Wenn ich in der Unwissenheit verbleibe und mich von der Eifersucht angreifen lasse, dann wird man mir niemals erlauben, den Boden zu fegen oder einen Nagel in die Wand zu schlagen. Auch werde ich nicht gut meditieren können.’ Gute Schüler werden stets etwas Positives an den Tätigkeiten finden, um die man sie gebeten hat und schlechte Schüler werden immer einen niedrigen Beweggrund hinter der Bitte des Meisters vermuten. Wenn du in die Rolle des guten Schülers schlüpfst, dann wird nicht nur dein Problem, sondern auch Gottes Problem, das Problem der uralten Unwissenheit des Menschen sofort gelöst werden.“

Der Meister machte eine Pause. „Einen Punkt möchte ich noch hinzufügen und dann werde ich meine Predigt beenden. Wenn eine Familie Zuwachs bekommt, wenn ein Kind geboren wird, jedoch die älteren Geschwister nicht reif sind, dann werden sie ziemlich eifersüchtig auf das neue Familienmitglied sein. Sie glauben, dass die Eltern ihnen zuvor viel Aufmerksamkeit schenkten und dass nun der Neuankömmling die gesamte Aufmerksamkeit erhält und sie selbst leer ausgehen. Wenn sie wirklich gut und göttlich sind, dann werden sie sich sehr darüber freuen, dass sie ein neues Familienmitglied, einen kleinen Bruder haben. Sie fühlen: ‚Nun ist unsere Familie um ein Mitglied gewachsen. Wenn wir mit einer Familie in der Nachbarschaft Streit haben, dann wird unser kleiner Bruder für uns kämpfen, wenn er erwachsen ist.’ Das ist die Haltung, die sie einnehmen.“

„Meister“, sagte der schlechte Schüler höchst aufrichtig, „bitte sage uns, wie wir diese Anschauung in unserem spirituellen Leben praktizieren können.“

Der Meister sagte: „In unserem Fall ist die benachbarte Familie die Unwissenheit. Du siehst, dass in unserer spirituellen Familie die Anzahl der Mitglieder steigt. Wenn du die Haltung einnimmst, dass jeder, der neu zu uns kommt, ein echtes Familienmitglied ist und keine Bedrohung darstellt, wird dies unsere Familie stärken. Auch du wirst viel kraftvoller gegen den Feind ankämpfen können, der sich direkt neben dir befindet: Unwissenheit. Versuche immer zu fühlen, dass du die Anzahl deiner eigenen Soldaten im Kampf gegen die Unwissenheit erhöhen kannst, wenn du neu dazugekommene Schüler annimmst. Wenn du einem neuen Schüler Sympathie und Liebe entgegenbringst, dann wird diese Person auf deiner Seite stehen und im Tauziehen wird die Kraft auf deiner Seite zunehmen, stetig zunehmen. Die andere Seite, die Unwissenheit, wird sich dir natürlich beugen müssen. Also sei der neu dazugekommenen Person dankbar dafür, dass sie im Tauziehen deine Seite einnimmt, denn jetzt gewinnst du mehr Kraft und bekommst eine größere Chance, die Unwissenheit zu besiegen.“

„Meister“, sagte der Schüler, „dein Erleuch­tungs-Licht hat uns alles klar verständlich gemacht. Von nun an keine Wichtigtuerei und keine Eifersucht mehr, sondern nur noch innere Sympathie und Liebe gegenüber unseren Mitschülern. Wir werden es versuchen und mit Hilfe deines Lichtes wird es uns ganz bestimmt gelingen.“

Ein Universum von Heiligen

Einst lebte ein sehr großer spiritueller Meister, der sich uneingeschränkt all seinen Ashrams rund um den Globus widmete. Der Meister hatte einen sehr hohen Standard und erwartete viel von seinen Schülern. Doch bedauerlicherweise erfüllten viele seiner spirituellen Centers im Verlauf eines bestimmten Jahres seine Anforderungen nicht mehr und sein geliebter Supreme zwang ihn dazu, die betreffenden Centers eines nach dem anderen aufzulösen. Jedes Mal, wenn der Meister ein Center verlor, fühlte er, dass er einen Teil seines eigenen Herzens und seiner eigenen Seele verloren hatte. Schließlich blieb dem Meister nur noch ein Center in einem weit, weit entfernten Land übrig.

Eines Nachts sah der Meister mit seiner okkulten Schau, dass dieses Center kurz vor einer großen Katastrophe stand und dass ihn der Supreme in ihm dazu zwingen würde, auch dieses Center aufzulösen. Der Meister war außer sich vor Kummer. Unverzüglich traf er Vorbereitungen, um am nächsten Tag zu diesem Center zu fliegen. Gleich nach der Ankunft rief der Meister all seine Schüler zusammen. Der Meister begann: „Meine liebsten spirituellen Kinder, dies wird eine meiner Strafpredigten werden. Ich bin in der letzten Zeit so pessimistisch. Der Optimismus hat mich verlassen; pessimistische Gedanken sind gekommen. Zu euch sage ich immer: ‚Wir wollen hoffnungsvoll sein’, aber nun haben mich alle Centers in einem solchen Ausmaß enttäuscht, dass ich nur noch Dunkelheit rings umher sehe. Es tut mir leid, dies sagen zu müssen, aber es könnte sein, dass ich gezwungen werde, auch dieses Center aufzulösen.“

Die Schüler waren traurig und schockiert, als sie hörten, dass die Situation bereits an diesem kritischen Punkt angekommen war. „Um was genau handelt es sich denn, Meister?“, fragte einer von ihnen.

Der Meister sagte: „In einigen meiner anderen Centers gab es Leute, die ihre ganze Aufmerksamkeit dem selbstlosen Dienst widmeten und für das Meditieren überhaupt nichts übrig hatten. Meditation ist jedoch unabdingbar. Im spirituellen Leben ist beides von höchster Wichtigkeit. Doch leider schenkt ihr in diesem Center weder der Meditation noch dem hingebungsvollen Dienst eure Aufmerksamkeit.“ „Meister, warum haben wir dich hinsichtlich unseres selbst-losen Dienens enttäuscht?“

„Wir haben hier nur sehr wenige Möglichkeiten, unserem selbstlosen Dienen Ausdruck zu verleihen. Aber jeder Einzelne von euch kann viel, viel mehr tun. Einige von euch arbeiten wirklich hart, was das Drucken meiner Bücher betrifft oder wenn es darum geht, Spenden für das Center zu sammeln. Doch ich muss euch sagen, wenn ihr aufrichtiger, hin­gebungsvoller und ergebener gewesen wärt, hätten wir die Zahl unserer Enterprises und anderer Formen des hingebungsvollen Dienens erweitern können. Man hätte viele, viele andere Dinge erreichen können, wenn ihr euer hingebungsvolles Dienen ernster genommen hättet.“

„Dann sage uns bitte, was wir tun sollen, um uns zu ändern, Meister“, bat ein Schüler.

„Wenn jeder von euch fühlen kann, dass er für den Erfolg und den Fortschritt dieses Centers hundertprozentig verantwortlich ist, nicht neunundneunzig-, sondern hundertprozentig, dann gibt es keinen Grund, warum dieses Center nicht überleben und den schnellstmöglichen Fortschritt machen kann. Wenn ihr jede Sekunde wirklich fühlt, dass ihr Gottes auserwählte Kinder seid, dann möchte ich sagen, dass dieses Center, mein liebstes Center, ein anderes Schicksal haben wird. Diese Veränderung kann über Nacht erreicht werden.

Wenn wir in einer Sache dem Ungöttlichen anheim fallen, werden wir in allem ungöttlich. Wenn jemand wirklich schlecht ist, ist er in allem schlecht. Aber wenn jemand wirklich gut ist, ist er in allem gut. Jeder sollte in erster Linie die Rolle eines Heiligen spielen. Wenn jedes Einzelne meiner spirituellen Kinder daran glaubt, dass es ein Heiliger ist, dann können wir ein Universum von Heiligen haben. Doch im Augenblick sehen wir uns nicht auf diese Weise. Wie können wir so annehmen, dass wir die Heiligen übertreffen?“

„Meister, wir wissen, dass wir voller Unvollkommenheit sind“, sagte darauf ein Schüler. „Wie kannst du sagen, dass wir alle wie Heilige sind?“

„Ich sage euch“, antwortete der Meister, „dass ihr die auserwählten Instrumente Gottes seid. Auserwählte Instrumente Gottes sind den Heiligen weit überlegen. Ein Heiliger ist sehr gut, aber er ist nicht tapfer genug. Er nimmt eine hohe Stellung ein, doch er möchte nicht mit Dingen in Berührung kommen, die unter seiner Würde liegen, und er möchte nicht unbedingt mit anderen sprechen. Er fürchtet sich davor, von der dunklen Tinte der Welt befleckt zu werden. Für gewöhnlich ziehen sich die indischen Heiligen in die Höhlen des Himalayas zurück. Sie führen ein sehr reines Leben, doch sie arbeiten nicht an der Offenbarung Gottes. Hier aber ist jeder Einzelne von euch als göttlicher Held vom Supreme auserwählt worden. Ihr verkörpert bereits die heiligen Eigenschaften des inneren Strebens und das Gefühl des Einsseins. Nun bietet ihr diese göttlichen Eigenschaften der ganzen Welt an. Deshalb bezeichnen wir euch als auserwählte Instrumente des Supreme. Ihr müsst weit, sehr weit über die Heiligen hinauswachsen und gegen Angst, Zweifel, Eifersucht, Unvollkommenheit und Begrenzungen gemäß dem Willen des Supreme ankämpfen.“

Alle waren von den Worten des Meisters zu­tiefst bewegt. Aber ein Schüler fragte: „Meister, was sollen wir tun, wenn die Leute unser Angebot ablehnen?“

Der Meister sagte: „Die Fähigkeit eines Skorpions besteht darin, dass er stechen kann. Die ureigene Natur eines ungöttlichen Menschen besteht darin, andere zu verletzen. Doch wenn du ein Heiliger bist, wirst du den Skorpion nicht umbringen, nachdem er dich gestochen hat. Was wirst du tun? Du wirst ihn einfach dorthin zurückbringen, wohin er hingehört. Es ist deine ureigene Natur, so zu handeln, weil du göttlich bist. Wenn dich jemand verletzt, wirst du ihm deine Fähigkeit zeigen, die in deiner edlen Grundhaltung besteht. Dies ist keineswegs vergebens, meine Kinder. Selbst ein ungött­licher Mensch wird bewusst oder unbewusst etwas Licht aus eurem edlen Handeln empfangen.

Dieses Center kann sich jeden Tag verbessern, wenn jeder Einzelne fühlt, dass er ein Heiliger ist. Es ist nichts Verkehrtes daran, zuerst in dieser Weise zu denken; es ist die absolut richtige Einstellung. Indem du sagst: „Ich bin ein guter Mensch, ich bin ein aufrichtiger Mensch“, wirst du eins mit deiner Seele. Sobald du mit deiner Seele eins bist, kannst du nichts mehr tun, was falsch ist. Wenn du den positiven Weg wählst und sagst: „Ich bin ein Kind des Supreme“, oder wenn du einige Male wiederholst: „Ich bin Gottes Sohn“ oder „Ich bin Gottes Tochter“, dann werden alle positiven Eigenschaften zu dir kommen. Aber wenn du das Gefühl hegst, ein Klumpen Dreck oder eine Anhäufung von Unwissenheit zu sein und dass Gott jemand anderer ist, der sich weit entfernt befindet, wirst du dein Ziel nie erreichen. Du wirst die ganze Zeit am Weinen und Klagen sein. Das ist die falsche Annäherung an Gott. Du musst fühlen, dass du in deinen Anlagen das bist, was Gott ist. Wenn Gott groß ist, wenn Er gnädig, liebevoll und voll Vergebung ist, dann besitzen wir diese Eigenschaften ebenfalls. Alle Eigenschaften, die wir Gott zuschreiben, besitzen auch wir.“

„Aber im Augenblick sind sie ganz gewiss verborgen“, sagte ein Schüler.

„Wir besitzen diese Anlagen in einem winzigen Ausmaß, während Gott sie in unendlichem Ausmaß besitzt. Doch so wie wir spirituell heranwachsen, mehren sich diese Eigenschaften in unendlichem Ausmaß. Deshalb sollten wir das innere Gefühl hegen, dass wir das, was Gott in grenzenlosem Ausmaß besitzt, ebenfalls besitzen. Auf den ausdrücklichen Wunsch des Supreme hin müssen wir dann unseren Reichtum uneingeschränkt der Menschheit anbieten.

Gott ist der Ozean und der Einzelne ist der winzige Tropfen. Wenn dieser winzige Tropfen in den Ozean eintritt, wie können wir ihn dann vom Ozean unterscheiden? Er wird zum Ozean selbst. Umgekehrt ist es aber auch so, dass der Ozean leer wäre, wenn man alle Tropfen herausnehmen würde. Wenn ich als ein Tropfen und du als ein Tropfen vom Ozean, der Gott ist, weggenommen würden, dann wäre der Ozean unvollständig. Der Tropfen überlässt sein Schicksal dem Ozean und wird selbst zum Ozean. Zugleich nehmen das Mitgefühl des Ozeans und die Liebe des Ozeans den Tropfen als untrennbaren Bestandteil ihrer selbst an, als etwas, das zu ihrer Stärke beitragen wird.“

„Möchtest du damit sagen, dass der Tropfen tatsächlich etwas zum Ozean beiträgt, Meister?“, fragte ein Schüler.

„Das ist vollkommen richtig“, antwortete der Meister. „Wenn dein Vater eintausend Dollar besitzt und du als Kind deinem Vater einen Dollar bringst, dann erhöht sich die Summe auf eintausendundeinen Dollar. Dann besitzt dein Vater nicht mehr nur eintausend Dollar; er hat nun eintausendundeinen. Auf die gleiche Weise solltet ihr alle fühlen, dass eure Anstrengung, euer spiritueller Beitrag von größter Notwendigkeit ist. Jeder einzelne Beitrag trägt zu Gottes Wirklichkeit und Seinen Fähigkeiten auf Erden und im Himmel bei.

Bitte versuche stets zu fühlen, dass du das auserwählte Kind des Supreme bist. Wie du weißt, kann es direkt neben deinem Haus Leute geben, die sehr, sehr schlecht, von niedriger Natur und sehr un­göttlich sind. Du würdest niemals die Dinge tun, die sie tun. Du fühlst sofort, dass du aus einer geachteten Familie stammst, eine gute Erziehung genossen hast und ein spirituelles Leben führst; deshalb ist es dir unmöglich, die gleichen Dinge zu tun, die sie tun, es ist schlichtweg unter deiner Würde. Ihr Standard und dein Standard sind völlig verschieden. Dein Standard ist sehr hoch; ihr Standard ist sehr niedrig.

Aber du musst auch wissen, dass die Dinge, die du im Augenblick tust, im Vergleich zum Standard eines Heiligen sehr niedrig sind. Dennoch sagt dir Gott, dass du einem Heiligen weit überlegen bist. Du hast das spirituelle Leben angenommen und nun hast du die Kraft, sein auserwähltes Instrument zu werden. Dies beanspruchen wir immer für uns. Lasst uns stets an das denken, was wir wirklich sind.“

„Meister, bitte vergib mir, aber ich verstehe dich nicht. Zuerst schimpfst du mit uns; dann lobst du uns über alle Maßen.“

„Meine Lieben“, sagte der Meister, „wenn ich euch sage, dass ihr Gottes Kinder seid, so schmeichle ich euch nicht. Nein! Ich sehe in euch, was ihr wirklich seid. Doch leider seht ihr nicht, was ihr wirklich seid. Darin liegt das Problem. Betrachtet euch als göttlich. Dann werden euch die ungött­lichen Eigenschaften von selbst verlassen, denn sie werden erkennen, dass sie an der falschen Türe anklopfen, an der Türe eines Fremden. Es wird mit Sicherheit die Zeit kommen, in der euer Leben und das Leben der Unwissenheit und Begrenzung einander völlig fremd sein werden. Deshalb, meine Kinder, versucht euer Schicksal zu ändern. Gottes Gnade ist bereits da.“

Das vollkommene Buch

Es lebte einmal ein junger, herausragender spiritueller Meister, der nur vierzig Schüler hatte. Eines Nachts hatte der Meister einen Traum. In diesem Traum kam sein geliebter Supreme zu ihm und bat ihn, ein Buch über das spirituelle Leben zu schreiben, damit Sucher in der ganzen Welt die Möglichkeit hätten, sein unvergleichliches Licht und seine einzigartige Weisheit zu empfangen. Darüber hinaus sagte der Supreme dem Meister, dass dieses Buch auch die seelenvolle und hingebungsvolle Liebe seiner Schüler zum Supreme und ihren seelenvollen und hingebungsvollen Dienst am Supreme in ihrem Meister und am Supreme in der Menschheit verkörpern sollte. Es sollte das vollkommene Buch werden.

Am nächsten Morgen rief der junge Meister seine Schüler zusammen, um ihnen mitzuteilen, was nun zu geschehen hätte. „Dieses Buch wird den Supreme in mir und den Supreme in euch nur dann zufrieden stellen, wenn wir im richtigen Bewusstsein arbeiten, auf die eigene Weise des Supreme. Damit wir in der richtigen Weise dienen können, werde ich euch nun meine erhabenen Geheimnisse des selbstlosen Dienens anvertrauen. Diese Geheimnisse gelten selbstverständlich für alle Arten hinge­bungs­voller Arbeit. Meine Kinder, wenn es uns gelingt, sie hier anzuwenden, dann wird dieses Buch innerlich wie äußerlich vollkommen sein.“

Der Meister beauftragte verschiedene Schüler mit der Erledigung der Arbeiten, die zur Fertigstellung des Buches notwendig waren. Dann sagte er: „Das erste Geheimnis ist eure Liebe zu mir. Wenn ihr mich wirklich liebt, wenn euch wirklich etwas an mir liegt, dann werdet ihr meine Arbeit mit aufrichtiger Liebe und Hingabe verrichten.

Wie können Fehler unterlaufen, wenn Liebe da ist? Und selbst wenn jemand einen Fehler übersieht, wird eure Sorgfalt und eure Anteilnahme den Fehler finden und ihr werdet ihn berichtigen. Das Sprichwort: ‘Jedermanns Angelegenheit ist Niemandes Angelegenheit’ gilt hier nicht. Ihr alle werdet dieses Buch als euer ureigenes beanspruchen und danach streben, es mit allen euch zur Verfügung stehenden Mitteln zu einem vollkommenen Buch zu machen.“

Zuerst sprach der Meister zu den Schülern, die das, was er diktieren oder handschriftlich zu Papier bringen würde, abtippen sollten. „Wie von allen anderen Gruppen wünsche ich mir auch von dieser Gruppe seelenvolle und hingebungsvolle Arbeit. Ich möchte eine ernsthafte Bemühung und Hingabe in eurer Arbeit erkennen. Bleibt stets aufmerksam, ob ihr nun versucht, meine handschriftlichen Aufzeichnungen zu lesen oder ob ihr eure eigenen Notizen nochmals überprüft. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, so scheut euch nicht, mich zu fragen. Stellt sicher, dass jedes Wort korrekt ist und achtet darauf, keine eigenen Ideen einzubringen.“

„Wir freuen uns sehr, dass du uns ausgewählt hast, Meister“, sagte eines der Mädchen aus der Gruppe. „Wir werden alles tun, um dich zufrieden zu stellen.“ Der Meister segnete die fünf Schüler. Dann wandte er sich den sieben Schülern zu, die seine Texte ordnen und zusammenstellen würden. „Dieses Buch wird vor allem mein Bewusstsein beinhalten. Ganz gleich, welche Zeile ich lesen werde, ich werde den Atem meines Bewusstseins einatmen können. Es könnte allerdings sein, dass ihr gelegentlich hier und da ein Wort oder einen Ausdruck korrigieren müsst, um den Fluss aufrecht zu erhalten.“

„Warum sollten wir etwas verändern wollen, Meister?“, fragte ein Mädchen. „Für uns ist alles, was du tust, vollkommen.“

Der Meister erklärte: „Wenn ich die Zeit hätte, alles selbst auszuarbeiten, dann wäre es nicht nötig, dass ihr bei den redaktionellen Arbeiten für die Veröffentlichung des Buches mitzuhelfen bräuchtet. Allenfalls würde von Zeit zu Zeit einmal ein Satzzeichen fehlen, oder ihr müsstet hier und da ein Wort einfügen. Aber etwas auszuarbeiten braucht Zeit und wenn ich alles selbst schreiben muss, kann ich wegen meines großes Arbeitspensums nicht viel erledigen. Notgedrungen werde ich also das meiste diktieren und euer hingebungsvoller Dienst ist erforderlich, um dies für die Veröffentlichung aufzubereiten.“

Der Meister lächelte. „Englisch ist nicht meine Muttersprache; ich habe meine eigene, indische Art, Dinge auszudrücken. Ihr könnt dies reizend finden oder linkisch, aber es ist meine ureigene Art, Dinge auszudrücken. Ich weiß, dass jede Seite dieses Buches dank eures hingebungsvollen Dienstes meinen eigenen Stil haben wird.“ Als Nächstes sprach der Meister zu den Mädchen, die das fertige Manuskript abtippen würden. „Ich sage stets, dass Schnelligkeit im spirituellen Leben von größter Wichtigkeit ist. Aber hier bedeutet Schnelligkeit nicht, etwas im Handumdrehen zu erledigen. Es bedeutet vielmehr, einer Sache die größtmögliche Bedeutung beizumessen, ihr in eurem Leben erste Priorität einzuräumen. Ihr müsst euch selbst gegenüber ehrlich sein, um herauszufinden, ob ihr einer bestimmten Aufgabe die ihr zustehende Wichtigkeit einräumt. Wenn ihr meiner Arbeit absolute Priorität einräumt, kommt die Schnelligkeit von alleine. Ich erwarte nicht, dass ihr einhundertzwanzig Wörter pro Minute tippt; ich erwarte von euch, dass ihr mit Hingabe tippt. Glaubt nicht, dass ich nur dann zufrieden bin, wenn ihr sehr schnell arbeitet. Nein! Ich bin zufrieden, wenn ihr sorgsam, mit Engagement und hingebungsvoll arbeitet. Tippt langsam, falls notwendig, um so wenige Fehler wie möglich zu machen. Natürlich sollt ihr nicht anfangen und dann stundenlang telefonieren oder alle fünf Minuten Besorgungen machen. Ihr werdet die Arbeit so schnell beenden, wie es euch möglich ist, ohne dabei zahllose Fehler zu machen.“

„Darf ich etwas sagen, Meister?“, fragte ein Junge. „Ich selbst bin eine absolute Niete, wenn es um das Maschinenschreiben geht, aber ich würde gerne anmerken, dass ich es sehr inspirierend und erfrischend finde, wenn ich an sauberen, sorgfältig getippten Textvorlagen arbeiten kann.“

„Das stimmt.“, sagte der Meister. „Ich sage immer, dass Sauberkeit und Ordnung, Liebe und Hingabe zusammengehören. Opfert Genauigkeit und ordentliches Aussehen nicht zugunsten der Schnelligkeit. Denkt daran, dass die Liebe und Hingabe einer Person auf die nächste übertragen werden kann. Bei der Herstellung dieses Buches werdet ihr auf Schritt und Tritt Liebe, Ergebenheit und Selbsthingabe finden.“

Der Meister wandte sich an die Schüler, die das Buch drucken würden. „Der Supreme hat uns mit einer sehr guten Maschine gesegnet, um den endgültigen Druck herzustellen. Wenn ihr den Raum betretet, in dem die Maschine steht, dann fühlt bitte, dass ihr euch etwas nähert, das sehr empfindlich ist und das ihr mit höchster Sorgfalt behandeln müsst. Wenn ihr die Maschine berührt, so fühlt, dass ihr mich berührt. Ihr wisst, wie hingebungsvoll und liebevoll ihr mich berühren würdet, wenn die Notwendigkeit dazu gegeben wäre und wie seelenvoll ihr meinen Segen empfangt. Schenkt deshalb auch dieser Maschine all eure Liebe und Hingabe.“ Ein Mädchen sagte: „Das wird sehr inspirierend sein, Meister. Ich werde fühlen, dass ich dich berühre und ich werde fühlen, wie du mich während der Arbeit segnest.“

„Ich bin sehr stolz auf deine Einstellung, meine Tochter. Wenn ihr alle den größtmöglichen Nutzen aus eurem hingebungsvollen Dienst ziehen wollt, dann konzentriert euch die ganze Zeit auf mich. Denkt nur an mich, während ihr mit der Maschine schreibt und konzentriert euch auf das, was ihr schreibt. Erlaubt eurem Verstand nicht, bis in alle Enden der Welt abzuschweifen, an diese oder jene Person zu denken oder zu überlegen, wer wohl das Korrekturlesen übernimmt oder die Berichtigungen macht. Und erlaubt es der Unsicherheit nicht, euch gefangen zu nehmen. Glaubt nicht, dass andere mir näher sind oder dass ihr anderen unterlegen seid. Nein, macht eure Aufgabe einfach gut. Konzentriert euren Verstand und euer Herz auf mich, auf mich allein. Seid so spirituell wie möglich während ihr arbeitet. Dann werde ich euren hingebungsvollen Dienst in der inneren Welt fühlen und entgegennehmen.“

„Meister“, sagte ein Mädchen aus dieser Gruppe, „das, was du uns hier aufträgst, ist echte Sadhana, echte Meditation. Um auf diese Weise zu arbeiten, bedarf es ganz bestimmt größtmöglicher Disziplin im Körper, im Verstand, im Herzen und in der Seele.“

„Diese Intensität, dieses zielgerichtete Arbeiten ist das, was der Supreme von uns allen will“, sagte der Meister. Indem er sich an diejenigen wandte, die das Korrekturlesen übernehmen sollten, sagte der Meister: „Es ist eure Aufgabe, euch immerfort in echter Konzentration und vollständiger Aufmerksamkeit zu üben. Das Buch wird von euch aus direkt in Druck gehen, also seid ihr für dessen äußere Vollkommenheit verantwortlich.“

Der Meister segnete jeden Schüler. „Das, was ich jeder Gruppe gesagt habe, stellt das Ideal dar. Wenn ihr an diesem Buch arbeitet, so strebt stets danach, innerlich und äußerlich vollkommen zu sein. Dann wird es uns zweifellos gelingen, dem Supreme das vollkommene Buch anzubieten.“

Die Regeln des Meisters

Es lebte einmal ein spiritueller Meister, der mit seinen Schülern sehr streng war. Einmal in der Woche jedoch traf er sich mit neuen Schülern und jenen, die die Absicht hatten, Schüler zu werden. Mit diesen Suchern war er nicht streng. Nun geschah es, dass der Meister im vorhinein wusste, dass er in der kommenden Woche zu diesem Treffen mit Verspätung eintreffen würde. Deshalb beauftragte er einen seiner engen, langjährigen Schüler damit, vor seiner Ankunft einige Regeln und Vorschriften vorzulesen.

Doch leider, noch bevor dieser Schüler alle Texte vorgelesen hatte, begannen die Anwesenden, ihm Fragen zuzurufen und ihn zu beschimpfen. Sie beschwerten sich heftig über die neuen Anweisungen, die besagten, dass Schüler keine Drogen nehmen dürften, dass Männer keine Bärte tragen und ihre Haare kurz tragen sollten sowie dass sich die Schüler zurückhaltend kleiden sollten. Der bedauernswerte Schüler fühlte, dass es wohl das Beste für ihn sei, den Raum zu verlassen.

Als der Meister ankam, erzählte ihm der Schüler, was geschehen war. Der Meister wurde wütend. Er betrat den Meditationsraum, um das Treffen formell zu eröffnen. Er meditierte, der Gruppe zugewandt, lediglich fünf Minuten lang und sagte dann: „Einige Leute hier beschimpfen die Schüler, die dafür verantwortlich sind, diese Regeln niederzuschreiben bzw. sie euch vorzulesen. Aber es war mein Wunsch, dass diese Anweisungen so ausgedrückt werden sollten und es war mein ausdrücklicher Auftrag, dass dieser Schüler sie heute Abend hier vorlesen sollte. Ich übernehme hierfür die volle Verantwortung.

Manche unter euch finden diese Grundvoraussetzungen sehr streng, vielleicht sogar ungöttlich. Wenn die Formulierungen streng und ungöttlich scheinen, dann müsst ihr wissen, dass ich selbst gnadenlos unter vielen ungött­lichen Schwingungen litt, die durch das schlechte Benehmen sowohl der Schüler als auch der Nicht-Schüler hervorgerufen wurden. Ich fühle, dass nun die Zeit gekommen ist, etwas strenger zu sein und meine Überzeugung unmissverständlich zu vertreten. Wenn euch neue Sucher auf diese Regeln ansprechen, so gebt ihnen bitte weiter, was ich gerade gesagt habe.“

Ein neuer Schüler, der einen Bart trug, sagte: „Meister, ich bin etwas verwirrt, da einige deiner guten Schüler Bärte haben.“

Der Meister sagte: „Mein Sohn, du bist noch neu in unserem Center. Wenn du mein treuer Schüler sein willst, dann versuche bitte, meinem Wunsch nachzukommen. Nun, es gibt keine Regel ohne Ausnahmen. Wenn ich einen unter zweihundert oder dreihundert bitte, seinen Bart zu behalten, dann bin ich dafür voll verantwortlich. Wenn du unter meinen Schülern jemanden entdeckst, der einen Bart hat oder lange Haare trägt, dann musst du wissen, dass derjenige entweder mein Einverständnis hat oder dass ich ihn persönlich darum gebeten habe. Es ist entweder mein Bedürfnis oder es ist das Bedürfnis der betreffenden Person. Wenn ich etwas erlaube, das gegen meine Regeln ist, so gilt das nur für die betreffende Person; diese Erlaubnis gilt nicht für alle.“

Ein junger Mann sprang auf und sagte in aggressivem Tonfall: „Jesus Christus hatte langes Haar.“

Sofort erwiderte der Meister: „Wenn du behauptest, Jesus Christus habe langes Haar gehabt, stimme ich dir zu. Wenn ich Christus sehen werde, werde ich hingehen und seine Füße berühren. Aber wenn ich dich sehe, werde ich einfach davonlaufen. Wenn du im Besitz des Christus-Bewusstseins bist, dann kannst du lange Haare haben. Ich habe viel über lange Haare geschrieben und gesprochen.

Meiner Meinung nach sollten Männer wie Männer und Frauen wie Frauen aussehen, gemessen an dem derzeit gültigen Standard. Vor hunderten von Jahren hatten die Männer lange Haare, aber deshalb haben wir im zwanzigsten Jahrhundert nicht das Recht, das Gleiche zu tun, nur weil es damals so war. Meistens denken die Leute, dass ihnen langes Haar eine Art sanfte, weiche und milde Qualität verleihen würde. Aber das ist nicht wahr. Trotz langer Haare kannst du eine sehr störende Schwingung haben. Ich habe beobachtet, dass lange Haare heutzutage eine bösartige Schwingung hervorrufen. Von nun an solltest du dein Haar kurz tragen und deinen Bart abrasieren. Deine Kleidung sollte sauber und ordentlich sein.“ „Glaubst du, dass es gerecht ist, uns am Konsumieren von Drogen hindern zu wollen?“, fragte ein anderer arrogant. Der Meister sagte: „Wenn du immer noch Drogen nimmst, dann klopfst du an die falsche Tür. Unsere Tür wird dir nicht länger offen stehen. Ich kann dem Gebrauch von Drogen und Alkohol weder zustimmen noch es tolerieren. Ich sage immer, dass ihr das Rauchen oder das Kaffee- bzw. Teetrinken allmählich, Schritt für Schritt, aufgeben sollt. Im Falle von Drogen sage ich den Suchern nicht: ’Nach und nach könnt ihr damit aufhören.’ Ich sage ihnen: ‚Hört sofort damit auf!’“

„Bist du auch so streng, wenn es um die Einhaltung der Essensvorschriften geht?“ fragte ein Mädchen.

„Fleisch und Fisch“, erklärte der Meister, „und ganz besonders Fleisch bietet uns tierisches Bewusstsein an. Wenn wir Fleisch essen, erregt dies unsere subtilen Nerven. Fisch ist ebenfalls ungöttlich. Wenn wir Fisch zu uns nehmen, werden die subtilen Nerven lethargisch. Wir sind immer noch halbe Tiere. Wir streiten und kämpfen stets mitein­ander. Warum sollten wir unsere tierischen Eigenschaften stärken?“

Es gilt das gleiche, was ich bereits beim Trinken von Tee oder Kaffee erwähnt habe. Wenn es euch nicht gelingt, Fleisch oder Fisch auf einmal aufzugeben, dann macht euch keine Sorgen darüber. Ihr könnt versuchen jede Woche die Menge ein wenig zu reduzieren. Da ihr einem spirituellen Weg folgt, warum solltet ihr euren tierischen Eigenschaften noch etwas hinzufügen.?“

An diesem Punkt sagte ein Sucher: „Ich lerne noch bei einem anderen Meister, und er ist nicht so streng mit seinen Schülern.“

Der Meister erwiderte: „Genauso wenig wie wir das Recht haben, jemanden zu bekehren, hast auch du nicht das Recht, unseren Frieden, unser inneres Gleichgewicht und unser Gebet zu stören. Wir betteln nicht darum, dass du unseren Weg einschlägst. Wenn du von einem anderen Weg kommst, so macht das nichts, vorausgesetzt, du spürst die Notwendigkeit, nur unseren Weg zu gehen. Aber wenn du immer noch einen anderen Meister hast und gleichzeitig unseren Weg oder auch andere ausprobierst, wirst du keinen Fortschritt machen. In der gewöhnlichen Schule gibt es viele Unterrichtsfächer. Natürlich brauchst du für jedes Fach einen anderen Lehrer. Doch in der inneren Schule kann dies niemals der Fall sein. Im spirituellen Leben gibt es nur ein Fach und einen Lehrer. Wenn du verschiedene Wege beschreitest, machst du einen Fehler.“

Zum Abschluss sprach der Meister zu allen Suchern und neuen Schülern. „Die meisten meiner Schüler sind sehr aufrichtig und ernsthaft bemüht; deshalb fühle ich, dass ich meine Autorität ausüben kann. Wenn ihr unseren Weg nicht hingebungsvoll, seelenvoll und als einzigen gehen wollt, dann wollen wir euch hier nicht haben. Ihr könnt nicht zwei Meistern gleichzeitig dienen. Der, der allen dienen will, dient niemandem. Wenn ihr unserem Weg folgen möchtet, solltet ihr uns eine Chance geben. Wenn ihr nach sechs Monaten, einem Jahr oder zwei das Gefühl habt, dass euch dieser Weg nichts geben kann, solltet ihr zu jemand anderem gehen. Aber solange ihr in meinem Boot bleibt, müsst ihr euch an meine Regeln halten, die für meine Schüler seelenvolle Bedürfnisse sind.“

Dann stand der Meister auf, um das Treffen zu beenden.

Du gehörst zu Gott

Vor einhundertfünfzig Jahren lebte ein bestimmter spiritueller Meister in Indien, der zu Beginn eines jeden Jahres einen Beschluss darüber fasste, was er mit seinen Schülern tun würde. Auf diese Weise versuchte der Meister jedes Jahr mit einem neuen Vorsatz den Fortschritt seiner Schüler zu beschleunigen. Diesem Vorsatz blieb er das ganze Jahr über treu. An einem Neujahrstag kündigte der Meister an, dass das kommende Jahr das Jahr des Über- sich-selbst-Hinauswachsens sei. Er hielt eine sehr inspirierende Rede darüber, wie man Hindernisse überwinden kann:

„Das neue Jahr bedeutet neue Hoffnung, neue Entschlossenheit, neue Verwirklichung und eine neue Manifestation. Wir können jeden Tag neue Hoffnung, neue Entschlossenheit, neue Verwirklichung und eine neue Manifestation haben, doch leider geschieht dies normalerweise nicht. Deshalb sollten wir zumindest einmal im Jahr einen inneren Ansporn erhalten und dadurch neue Errungenschaften und eine neue Wirklichkeit zum Vorschein bringen. Nachdem dies heute der Fall ist, möchte ich sagen, dass wir jetzt eine goldene Gelegenheit erhalten, unsere Begrenzungen nicht nur zu überwinden, sondern sie auch zu verwandeln. Während wir streben, gehen wir schließlich über unsere Errungenschaften hinaus. Wenn wir über das Erreichte hinausgehen, gehen wir gleichzeitig auch über unsere Begrenzungen hinaus. In jeder Sekunde können wir etwas erreichen und darüber hinausgehen, und indem wir über uns hinauswachsen, können auch unsere Begrenzungen leicht verwandelt werden. Auf diese Weise lernen wir allmählich mehr und mehr über unsere göttliche Wirklichkeit.“

Nach dieser Rede bat der Meister seine Schüler darum, einzeln zu ihm hinaufzukommen, um seinen spirituellen Segen zu empfangen. Nachdem der Meister sie gesegnet hatte, fragte ein enger Schüler des Meisters: „Meister, kannst du einem jeden Einzelnen von uns sagen, welche Begrenzungen er persönlich überwinden sollte?“

Der Meister sagte: „Meine spirituellen Kinder, wir haben lediglich eine Begrenzung und diese Begrenzung besteht in dem Gefühl, dass Gott jemand anderem gehört und nicht uns. Wir haben gelernt: ‚Gott gehört ihm; er hat eine Vorliebe für ihn und nicht für mich.’ Das ist unsere einzige Begrenzung. Wenn wir diese Haltung einnehmen, dann glauben wir, dass wir selbst die nutzloseste Begrenzung sind. Aber nun wollen wir versuchen zu fühlen, dass Gott anderen gehört und dass Er uns ebenso gehört. Jeder Einzelne muss den Glauben haben, dass er schließ­lich die fortwährende Anwesenheit Gottes fühlen wird. Mit diesem Gefühl können wir all unsere Begrenzungen überwinden.“

Plötzlich stand ein junger Mann auf. „Meister, was kann ich tun? Ich bin seit zehn Jahren dein Schüler, aber ich fühle mich noch immer voller Begrenzungen.“

„Zunächst“, sagte der Meister, „ist es falsch anzunehmen, dass du ein unwürdiger Schüler oder dass du mein schlechtester Schüler bist. Diese Gefühle sind nicht gut. Es gibt zwei Wege um uns selbst zu zerstören. Der eine Weg besteht darin zu glauben, dass wir groß, sehr groß, bei weitem die Besten sind; alle sind uns unterlegen. Dies ist eine Eigenschaft des Egos: Überheblichkeit. Der andere Weg uns zu ruinieren besteht darin, anzunehmen, dass wir hoffnungslos sind, dass wir nutzlos sind; alle sind uns weit überlegen. Indem wir fühlen, dass wir zu nichts taugen, erhalten wir eine Art subtiler Freude. Indem wir fühlen, dass uns alle zu Füßen liegen, dass wir alle übertreffen, erhalten wir ebenfalls eine Art Freude. Auf diese zwei Arten arbeitet das Ego. Auf dem einen Weg nähren wir unsere Überheblichkeit, und auf dem anderen Weg lassen wir unseren Traum und unsere Wirklichkeit verhungern. Beide Wege sind schlecht.“

„Und was sollten wir dann fühlen, Meister?“ fragte der junge Mann.

„Der positive Ansatz ist: ‚Ich bin Gottes Sohn. Es liegt an mir, Ihm auf Seine Weise zu gefallen, und es liegt an Ihm, seine Wirklichkeit in mir und durch mich zu manifestieren.’ Wenn du diese Haltung einnimmst, wirst du niemals ein Gefühl der Unterlegenheit haben, und du wirst niemals einen Gedanken daran verschwenden, dass du mein schlech­­tester Schüler bist. Wer ist der Beste? Wer ist der Schlechteste? Das weiß Gott allein. Aber indem du denkst, dass du bei weitem der Beste oder der Schlechteste bist, gewinnst du gar nichts. Wenn du dein Ego vergrößerst, tust du etwas Falsches und wenn du deine eigene Wirklichkeit absichtlich klein machst, tust du ebenfalls etwas Falsches.“

„O Meister“, sagte der junge Mann, „du hast Hunderte von Schülern; es ist nicht so einfach zu fühlen, dass ich ein auserwählter Schüler von dir bin.“

Der Meister sagte: „Fühle bitte von nun an, dass du Gottes Sohn bist und dass du unter Millionen und Abermillionen von Menschen auf Erden erweckt wurdest. Du folgst unserem Weg. Sobald jemand einen spirituellen Weg geht, ist diese Person höchst auserwählt. Hier ist das Gefühl der Unwürdigkeit fehl am Platz. Ihr alle folgt unserem Weg. Ihr seid für unseren Weg auserwählte Schüler. Und für euch ist unser Weg der Weg, der euch zu Gott bringen wird.“

Warum die Schüler nicht kommen

Eines Tages, während ein spiritueller Meister einen Spaziergang machte, traf er zufällig einen seiner früheren Schüler auf dem Gehweg.

„Venu“, sagte der Meister, „du stehst mir so nahe. Warum kommst du nicht mehr in meinen Ashram?“

Beschämt senkte der Schüler seinen Kopf und sagte: „Meister, ich muss ehrlich sein. Nur weil dieser Schurke Tushar zu dir geht, komme ich nicht mehr. Ich will sein Gesicht nicht mehr sehen.“

„Venu“, rief der Meister aus. „Was für ein Grund ist das denn?“ Der Meister machte eine kurze Pause und sagte dann traurig: „Ich habe von einem spirituellen Meister gehört, der zwei Frauen als Schülerinnen hatte: eine Inderin und eine Amerikanerin. Die Inderin und die Amerikanerin wurden enge Freundinnen. Leider hielt diese Freundschaft nicht lange an und bald standen sie mit­einander auf Kriegsfuß. Eines Tages kam die indische Frau zum Meister und sagte: ‚Meister, ich verlasse deinen Ashram.’ Der Meister fragte: ‚Warum, warum?’ Sie sagte: ‚Wenn diese amerikanische Dame die Gottverwirklichung erhält, dann brauche ich sie nicht. Es ist unter meiner Würde, etwas zu bekommen, das sie auch bekommt. Ich brauche deine Gottverwirk­lichung nicht. Ich könnte niemals mit etwas zufrieden sein, das sie auch bekommen könnte.’ Und nun, mein Venu, benimmst du dich genauso.“

Venu sagte: „Vergib mir, Meister. Ich weiß, meine Argumentation klingt absurd, aber allein die bloße Anwesenheit Tushars ist ein Dorn in meinen Augen.“

„Venu“, sagte der Meister, „es gibt noch mehr Schüler, die mich verlassen haben. Auch sie verließen mich aufgrund eines persönlichen Grolls gegen einen anderen. Auch sie stritten sich mit Schülern, die weiterhin in meinen Ashram kommen. Deiner Ansicht nach ist Tushar selbstverständlich ein schlechter Mensch. Aber weil er weiter meditiert, weil er immer noch in unserem Boot ist, wird er Gott ganz bestimmt früher verwirklichen als du.“

„Meister“, rief Venu aus. „Ich kann es nicht ertragen, dich das sagen zu hören!“

Der Meister fuhr fort: „Du hast den Weg wegen deiner Meinungsverschiedenheiten mit jemand anderem verlassen. Hier besteht unsere Schwierigkeit darin, dass es uns an Weisheit mangelt. Wir ziehen dabei nicht in Betracht, was wir uns damit selbst antun. Wenn wir an anderen etwas auszusetzen haben, stechen wir nur auf uns selbst ein und sonst gar nichts. Wir müssen immer versuchen weise zu sein, göttlich weise.“

Der Meister machte eine Pause. „Venu, lassen wir deine Schwierigkeiten mit Tushar einmal bei­seite. Was glaubst du, wie groß der Fortschritt ist, den du im Augenblick machst?“

Venu blieb still.

Der Meister sagte: „Was überaus schmerzt, ist die Tatsache, dass du viel mehr Inspiration und Strebsamkeit hattest, als du zu mir kamst. Das bedeutet, dass du vor vier, fünf oder sechs Jahren ein besserer Sucher warst als heute. Genau wie du besaßen andere Schüler äußerste Aufrichtigkeit, Hingabe und Strebsamkeit, als sie neu zu mir kamen. Manche meiner Schüler waren wirklich so rein, so göttlich; sie waren absolute Engel im wahrsten Sinne des Wortes. Sie waren so vielversprechend, dass sie es in dieser Inkarnation bis zur Schwelle der Verwirklichung oder tatsächlich bis zur Gottver­wirk­lichung geschafft hätten. Nun geben uns diese Schüler eine andere Erkenntnis. Auf ihrem Weg zur Gottverwirklichung haben sie versehentlich etwas anderes als Gott verwirklicht und das ist die Unwissenheit. Nun, was ist mit ihnen geschehen? Um sie zu beschreiben, kann ich nur den Begriff „gefallen“ verwenden; und dieses Wort trifft auch voll auf dich zu, mein Sohn.“

Venu vergrub sein Gesicht in seinen Händen. „Meister, was kann ich jetzt tun?“

„Mein Sohn, es ist nichts verloren. Du hast die Leiter deiner spirituellen Entwicklung nicht verloren, sie ist direkt vor dir. Während du hinaufgestiegen bist, hattest du den Halt unter deinen Füßen verloren, deshalb bist du hinuntergefallen. Doch nun kannst du wieder versuchen hinaufzusteigen. Aber du musst stets aufpassen, dass du deinen Fuß auf die richtige Sprosse stellst. Dann wirst du wieder die Höhe erreichen können, auf der du vor ein paar Jahren warst. Was du einst erreicht hattest, ist nicht verloren. Pass nur auf und trage Sorge um deinen sicheren Stand, damit du deine alte Höhe wieder erreichen kannst. Dann kannst du hoch, höher, am höchsten steigen, weit über das hinaus, was du in der Vergangenheit erreicht hast.“

Aufrichtigkeit bestimmt das Ziel

„Meister, stehen meine Ziele immer an derselben Stelle?“

„Was meinst du damit, meine Tochter?“

„Meister, manchmal denke ich, dass meine Ziele näher zu mir heranrücken und manchmal denke ich, dass sie sich von mir entfernen. Doch bewegen sie sich jemals wirklich?“

„Meine spirituelle Tochter, jedes Ziel ruft danach, zu uns zu kommen, wenn wir aufrichtig sind, wenn wir hingebungsvoll sind, wenn wir sehr spirituell sind. Es gibt drei Ziele, die von Bedeutung sind. Das erste Ziel ist die Gott-Verwirklichung, die für dich noch in weiter Ferne liegt. Als nächstes kommt die Gott-Enthüllung. Dieses zweite Ziel liegt im Augenblick außerhalb deiner Vorstellungskraft. Das dritte Ziel ist die Gott-Manifestation, die noch weitreichender ist.

Ein Schüler, der sich um die Gott-Verwirklichung bemüht, ist wie ein Kind, das zu seiner Mutter krabbelt. Wenn die Mutter sieht, dass das Kind mit größter Aufrichtigkeit versucht, zu ihr hinzukrabbeln, dann läuft sie dem Kind entgegen. Auf die gleiche Weise kommt Gott zu dem aufrichtig strebenden Sucher. Mit der Gott-Enthüllung, dem zweiten Ziel, verhält es sich genauso. Gott beobachtet dich ständig. Wenn du das erste Ziel erreicht hast und dich aufrichtig danach sehnst, das zweite Ziel zu erreichen, wird er am zweiten Bestimmungsort stehen und dir entgegenkommen. Schließlich wird er am dritten Zielpunkt stehen, der Gott-Manifestation und wiederum zum richtigen Zeitpunkt da sein.“

„Warum denke ich dann manchmal, dass sich mein Ziel entfernt, Meister ?“

„Meine Tochter, dies hängt ausschließlich von deiner Aufrichtigkeit ab. Wenn du völlig aufrichtig bist, dann wird Er, der dir Verwirklichung, Enthüllung und Manifestation gewähren wird, dir näher kommen. Aber wenn du nicht aufrichtig bist, dann wird sich das Ziel beständig entfernen. Ver­wirk­lichungsziel, Enthüllungsziel, Manifestationsziel: Alle drei Ziele werden weit, weiter, am weitesten von dir abrücken, wenn es dir an Aufrichtigkeit mangelt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, meine Tochter, warum du bisweilen denkst, dass sich dein Ziel von dir entfernt.“

„Welcher Grund ist das, Meister? Ich brenne darauf, es zu erfahren.“

„Mein Kind, jedes Mal, wenn du an jemandem etwas auszusetzen hast, solltest du fühlen, dass du einen Schritt mehr tun musst, um zu deinem Ziel zu gelangen. Nehmen wir einmal an, dein Ziel befände sich in einhundert Meter Entfernung vor dir. Von dem Augenblick an, an dem du dich über jemanden ärgerst, dich mit jemandem streitest, auf jemanden eifersüchtig bist, von dem Augenblick an bleibt dein Ziel nicht mehr einhundert Meter von dir entfernt, sondern es ist einhundert und ein Meter von dir entfernt. Jedes Mal, wenn du dich an ungöttlichen Gedanken über Dritte erfreust, wächst die Entfernung zu deinem Bestimmungsort, rückt dein Ziel weiter weg. Nun kannst du also erkennen, wer in diesem Fall der Verlierer ist. Nur ein Dummkopf wird seinen Fortschritt verzögern wollen. Du willst kein Dummkopf sein.“

„Meister, ich will natürlich nicht versuchen, absichtlich etwas Falsches zu tun. Aber das Ziel ist so weit weg. Macht dieser eine zusätzliche Schritt tatsächlich einen so großen Unterschied?“

„Liebste Tochter, du versuchst deinen Bestimmungsort schnellstmöglich zu erreichen, da du unsere Philosophie studiert hast und du weißt, dass selbst die Verwirklichung nicht das höchste Ziel ist. Nehmen wir einmal an, dass du deinen Doktortitel erwerben willst, aber im Augenblick noch nicht einmal das Gymnasium besucht hast. Zuerst brauchst du das Abitur, danach einen Abschluss an der Universität und schließlich wirst du deinen Doktortitel bekommen. Dein Ziel liegt sehr weit weg. Was tust du also im Augenblick? Du bemühst dich mit all deinem Eifer, um deinen ersten Abschluss zu bekommen. Aber was wird geschehen, wenn du nicht zur Schule gehst? Ähnlich verhält es sich in deinem Leben des inneren Strebens. Was wird geschehen, wenn du Eifersucht, Unsicherheit, Ärger und Aggression studierst, was die völlig falschen Fächer sind? Jedes Mal, wenn du etwas Falsches tust, fühle bitte, dass du einen Schritt mehr tun musst, um deine Aufgabe zu erfüllen. Du studierst mit größter Anstrengung. Du möchtest deinen endgültigen Erfolg nicht einmal um eine Sekunde verzögern.“

„Meister, im Augenblick sind diese Ziele für mich die reinste Unmöglichkeit. Warum strebe ich trotz allem über­haupt danach?“

„Warum du diese Ziele erreichen möchtest? Weil du Erfüllung brauchst, deswegen. Es gibt keinen anderen Grund. Du willst dich auf göttliche Weise erfüllen, auf Gottes eigene Weise. Wenn du Erfüllung möchtest, musst du etwas dafür tun, um diese Erfüllung zu erreichen. Wenn du einen Mangobaum hinaufkletterst, dann nimmst du dir eine Mango und isst sie. So schmeckt die Mango weitaus süßer, als wenn sie dir jemand ohne dein persönliches Zutun einfach gegeben hätte. Wenn du keinen Finger dafür gerührt hättest, würdest du die Mango vielleicht wegwerfen. Die Person, die dir die Mango gebracht hat, mag zwar sagen, dass sie überaus köstlich schmeckt, aber weil du keinen persönlichen Anteil an der Arbeit hattest, wird dir die Mango nicht so köstlich vorkommen.

Wenn du dich selbst anstrengst, wirst du Gottes Gnade erhalten. Wenn du den Baum hinaufklettern möchtest, dann hilft dir jemand beim Klettern und dieser Jemand ist der Supreme in dir. Aber wenn du den Baum nicht hin­aufklettern willst und der Supreme an deiner Stelle hinaufklettert, um dir die Mango zu bringen, dann kann ich dir versichern, dass du keine Zufriedenheit erhalten wirst. Deshalb müssen deine persönliche Anstrengung und Gottes Gnade Hand in Hand gehen, denn nur dann wirst du göttlich erfüllt sein.“

„Meister, du hast unermessliches Licht in meine Fragen gebracht. Aber sage mir bitte, wie ich damit aufhören kann, diese falschen Dinge zu tun.“

„Meine Tochter, du bist in meinem Ashram, du bist in meinem Boot, du bist untrennbar mit meiner Mission verbunden. Heute repräsentierst du Gottes Traum hier auf Erden, morgen wirst du Gottes Wirklichkeit verkörpern. Wenn du diese erhabene Wahrheit im Gedächtnis behältst, werden deine Frustrations-Krank­­heit, deine Depressions-Krankheit, deine Ärger-Krank­heit, deine Unsicherheits-Krankheit, deine Eifer­suchts-Krankheit, deine Versagens-Krankheit – all diese Krankheiten werden im Handumdrehen verschwinden. Du weißt, was deine letztendliche Bestimmung ist. Wenn du erst einmal das Ziel erreichst, wenn du zum Ziel wirst, wirst du erkennen, dass es das ist, was du schon immer gewesen bist.“

Der Meister segnete seine ihm teure Schülerin. „Nun gut mein Kind, du hast dir meine Predigt angehört. Es ist meine Fürsorge, die spricht, es ist mein Mitgefühl, das spricht, es ist meine Dankbarkeit, die spricht. Betrachte mein Weisheits-Licht stets auf diese Weise.“

Die Schelte des Meisters

„Meine Tochter, warum siehst du heute so traurig aus ? Du solltest froh und stolz sein, dass ich dich gebeten habe, in meinen Ashram zu kommen und für mich zu arbeiten.“

„Es tut mir leid, Meister. Ich muss immer an deine Schelte von gestern denken.“

„Es stimmt, dass ich dich gestern gnadenlos gescholten habe, aber heute zeige ich dir meine unendliche Liebe und Zuneigung. Weshalb musst du immer an meine Schelte denken?“

„Ich weiß es nicht, Meister.“

„Bist du verärgert?“

„Meister, ist es ein Gefühl der Verbitterung oder ein Gefühl der Hilflosigkeit?“

„In diesem Fall, meine Tochter, handelt es sich nicht um ein Gefühl der Hilflosigkeit; es ist eine innere Auflehnung.“

„Meister, was sollte ich tun, damit ich mich nicht auf diese Weise auflehne?“

„Du solltest fühlen, dass alles, was ich sage, völlig richtig, absolut notwendig ist. Ganz gleich, was ich sage, selbst wenn ich dies auf eine scherzhafte Art tue, es ist zum Wohle meiner Schüler. Wenn du über etwas, das ich sage, verärgert bist oder es dich verlegen macht, wirst du mein Licht nicht empfangen.“

„Manchmal fühle ich mich wirklich nutzlos und hoffnungslos, wenn du meine Begrenzungen und Schwächen so deutlich herausstellst.“

„Wenn dies der Fall ist, fühle dich nicht niedergeschlagen oder entmutigt, mein Kind. Fühle stattdessen, dass es da jemanden gibt, der dich wirklich liebt, der bedingungslos für dich sorgt.“

„Fühlst du dich jemals entmutigt, wenn ich wieder und wieder die gleichen Fehler mache?“

„Wenn ich ein gewöhnlicher Mensch wäre, hätte ich meine Bemühungen um dich schon längst aufgegeben. Ich hätte gesagt: ‚Sie ist nutzlos, hoffnungslos. Ihre Natur zu verwandeln ist eine unmögliche Aufgabe.’ Aber das Göttliche in mir wird sich niemals so verhalten. Wenn es sich um meine spirituellen Schüler handelt, dann wirkt meine bedingungslose Liebe, meine bedingungslose Fürsorge und mein bedingungsloses Mitgefühl. Ganz gleich, was du getan hast, ganz gleich, was du tust, ich werde nicht aufhören, dir meine bedingungslose Fürsorge zu zeigen.“

„Meister, es tut mir leid, dass ich dessen nicht würdig bin.“

„Alles ist bedingungslos, mein Kind. So, wie ich dich gebeten habe, dass du in deiner Liebe, deiner Ergebenheit und deiner Selbsthingabe bedingungslos und rückhaltlos sein solltest, so bin auch ich bedingungslos, was dich betrifft. Ich predige nicht nur, ich praktiziere auch. Wieder und wieder werde ich zu dir kommen und dir meine bedingungslose Führung in der Hoffnung anbieten, dass du dich nach und nach verbesserst.“

„Verbessere ich mich, Meister? Werde ich mich verbessern?“

„Gestern habe ich anderthalb Stunden zu dir gesprochen. Das bedeutet, dass ich der Ansicht bin, dass du mein Licht und meine Weisheit aufnehmen kannst. Du solltest glücklich und stolz sein, dass ich so viel Zeit mit dir verbracht habe. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass dein Fall hoffnungslos ist, hätte ich den Kampf ganz einfach aufgegeben. Dein Problem besteht darin, dass du nicht das nötige Vertrauen hast, dass du deine Schwächen überwinden kannst. Doch wenn du mich ständig in deinem Herzen fühlen kannst, wirst du Vertrauen in dich selbst haben.“

„Meister, es gibt noch etwas, das ich dir sagen sollte. Manchmal schäme ich mich so wegen meiner Schwächen.“

„Tochter, wenn ich dein höchster Herr, dein geliebter Supreme bin, was du mir ja immer sagst, dann solltest du nicht das Gefühl haben, irgend etwas vor mir verbergen zu müssen. Es gibt nichts, was du versuchen solltest, von mir fernzuhalten, es gibt nichts in deiner Natur, dessen du dich schämen müsstest. Wenn du weißt, dass ich dein liebster Herr bin, dann fühle nur das Einssein, dein untrennbares Einssein. Die Schöpfung versucht nicht, sich vor dem Schöpfer zu verbergen. Wenn du einen Klumpen Lehm hast und ihn darbringst, damit er geformt werde, wird er nicht länger ohne Form, schmutzig und unrein bleiben. So kann ich auch deine Unwissenheit verwandeln, wenn du sie mir anbietest. Meine Tochter, fühlst du nicht, wie liebevoll und göttlich ich dich geführt, geformt und an dir gearbeitet habe?“

Der Meister machte eine Pause. „Wie stark ist deine Hingabe deines Selbst an mich, mein Kind? Wenn ich dir aufgetragen hätte, woanders arbeiten zu gehen: würdest du die Arbeit genauso fröhlich verrichten wie in meinem Beisein? Wenn ich dich um etwas bitte, tust du es bereitwillig, fröhlich, bedingungslos?“

„Meister, ich gebe zu, dass meine Hingabe nicht sehr stark ist. Normalerweise bin ich die meiste Zeit des Tages nicht bei dir und deshalb nehme ich nicht an, dass ich ein wesentlicher Bestandteil deines Lebens bin.“

„Tochter, vergeht ein Tag, ohne dass ich dich sehe oder mit dir telefoniere? Auf so vielfältige Weise bringe ich dich näher zu mir. Indem ich dich mit allen möglichen Arten des selbstlosen Dienens beauftrage, gebe ich dir die Möglichkeit, ein untrennbarer Bestandteil meines Lebens zu werden. Wenn du für mich arbeitest, ist es so einfach, in meinem Bewusstsein zu sein, mich in deinem Herzen zu fühlen. Worauf es ankommt ist nicht, wie oft du in meiner Gegenwart bist, sondern wie sehr du mich in deinem Herzen bewahrst. Meine Schwester, die tausende Meilen von hier entfernt lebt, ist mir so teuer. Und ich bedeute ihr alles, ich bin ihre ganze Welt. Aber ich kann lediglich zwei- oder dreimal im Monat mit ihr telefonieren. Glaubst du, dass sie mir nicht sehr lieb ist?“

„Meister, ich sollte mir nicht so viele Gedanken über andere Schüler machen, die mehr mit dir zusammen sind als ich.“

„Meine liebste Tochter, ich weiß, was für dich am besten ist, was dich in die Lage versetzt, schnellsten Fortschritt zu machen. Ich tue für jeden meiner Schüler das Richtige.“

„Selbst wenn ich mit dir zusammen bin, Meister, bin ich mir oft schmerzhaft meiner Begrenzungen gewahr, auf die du mich hingewiesen hast.“

„Warum erlaubst du diesen geistigen Kopfschmerzen, dass sie dich quälen? Wie viel Vertrauen hast du in mich? Kannst du nicht fühlen, dass ich alles für dich tun werde? Du solltest froh sein, dass es jemanden gibt, der dich wahrhaft bedingungslos und rückhaltlos liebt. Komm, mein Kind, ich werde dich segnen.“

Der Meister segnete die Schülerin. „Glaubst du, was ich sage?“

„Ich glaube es.“

„Fühlst du es?“

„Ich fühle es, Meister.“

„Dann wachse in das hinein, mein Kind. Glaube daran, dass ich alles für dich tue. Fühle mich jederzeit in deinem Herzen. Vergrößere deine Liebe zu mir. Mache deine Hingabe freudig und bedingungslos. Du wirst meine wahre Freude, mein höchster Stolz sein. Und du wirst ewig sicher, glücklich und erfüllt sein.“

Nichts als Spott für einen Heiligen

Es lebte einmal ein spiritueller Meister, der ungefähr zweihundert Schüler hatte. Darunter war eine Dame mit sieben Kindern. Die älteren Kinder hatten für Spiritualität überhaupt nichts übrig und dies stimmte die Mutter über­aus traurig. Ihr Ehemann war spirituell, aber seine Spiritualität war Dummheit. Jeden Tag war er mehr als bereit, seinen Meister zu wechseln: heute diesen Meister, morgen jenen Meister, heute diesen Swami, morgen jenen Swami, heute diesen Guru, morgen einen anderen Guru. Seine Spiritualität war nutzlos. Doch seine Frau besaß ein wenig Vertrauen in ihren Meister. Wenn es ein Unglück oder eine Krise in der Familie gab, griff sie sofort zum Telefon, um den Meister um Hilfe zu bitten.

Nun geschah es, dass diese Dame dem Meister seit fast einem Jahr nicht mehr geschrieben, beziehungsweise nicht mehr mit ihm telefoniert hatte. Eines Nachmittags dann erhielt der Meister einen Anruf von dieser Schülerin. Sie weinte und lamentierte lauthals.

„Was ist passiert?“ fragte der Meister.

„Heute werden wir alles verlieren! Mein Mann wird heute von einer angesehenen Familie verklagt.“

Ihr Mann war Arzt. Anscheinend beschuldigten ihn einige andere Ärzte, dass er ein falsches Medikament verschrieben und damit den Tod eines Patienten verursacht hatte.

Nun verklagten die Verwandten des verstorbenen Mannes ihren Gatten. „Wenn mein Mann heute die Verhandlung verliert, dann muss er einhundertfünfunddreißigtausend Dollar bezahlen oder eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßen! Meister, wir besitzen keine einhundertfünfunddreißigtausend Dollar! Du musst meinen Mann und meine Familie retten.“

Der Meister sagte: „In Ordnung!“

Die Gerichtsverhandlung sollte um ein Uhr stattfinden. Der Meister konzentrierte sich und tat etwas auf okkulte Weise. Durch Gottes Gnade gewann der Ehemann der Dame den Fall. Sein Anwalt konnte seinen Ohren nicht trauen. Er sagte seinem Klienten, dass das, was er zu dessen Verteidigung gesagt habe, äußerst schwach und unangemessen gewesen war. Er hatte erwartet, dass der Richter über seine Ausführungen lachen würde. Er hatte nie, nie damit gerechnet, dass dieser Arzt den Fall gewinnen würde. Er war einfach überrascht.

Der Arzt kam voller Freude nach Hause und sagte zu seiner Frau: „Es ist nicht vergebens, dass wir beide meditieren. Ganz bestimmt hat heute eine besondere göttliche Kraft gewirkt. Nur weil wir beide meditieren, hat eine göttliche Kraft eingegriffen.“

Die Frau sagte ihrem Mann, dass der Meister geholfen hätte. Einige Sekunden lang schenkte ihr der Arzt Glauben. Dann sagte er: „Es ist unmöglich! Er ist weit, weit weg und die Verhandlung fand hier statt. Es ist einfach unmöglich! Aber da wir den Fall gewonnen haben, können wir deinem Meister unsere Dankbarkeit zeigen. Wie dem auch sei: Wir können unsere Dankbarkeit jedoch genauso gut irgendjemandem zeigen, Gott oder sogar einem Bettler auf der Straße. Wenn wir verloren hätten, hätten wir gewusst, wen wir dafür verfluchen sollten, aber nun können wir allen unsere Dankbarkeit zeigen.“

Einige Zeit später kam der Meister auf einen kurzen Besuch bei der Dame vorbei. Ihr ältester Sohn, der alles andere als göttlich war, war ebenfalls anwesend. Für ihn war Spiritualität eine Sache, die einem auf die Nerven geht. Er hatte sich noch nie für das spirituelle Leben interessiert. Das romantische Leben war sein normales Leben, das vitale Leben war sein normales Leben. Doch aus seiner unendlichen Gnade heraus segnete der Meister diesen Jungen und schenkte ihm eine kleine Anstecknadel. Die Mutter war wirklich erstaunt darüber, dass sich der älteste Sohn nicht über die Anstecknadel lustig machte oder den Meister verspottete. Er hätte dies leicht tun können, tat es aber nicht. Er behielt die Anstecknadel in seiner Brieftasche.

Ein paar Monate später ging dieser Junge während eines Gewitterregens mit einem seiner Freunde über eine Wiese. Zwischen ihnen war lediglich ein Abstand von wenigen Metern. Plötzlich schlug der Blitz ein und tötete seinen Freund. Der Sohn der Dame wurde wie durch ein Wunder verschont. Ziemlich verblüfft telefonierte er mit seiner Mutter und berichtete ihr, dass die Anstecknadel „gewirkt“ habe.

Nun, der Meister hatte gewusst, dass das Leben dieses Jungen von einem Angriff bedroht wurde. Er hatte den Schatten des Todes auf dem Gesicht des Jungen gesehen. Deshalb schenkte der Meister dem Jungen die Anstecknadel, um ihm Gottes Schutz zukommen zu lassen. Das Leben des Jungen war gerettet. Aber wenn du jetzt den Jungen über diesen Meister befragst, wird sein Kommentar nicht aus Dankbarkeit bestehen, sondern aus purem Spott.

Im spirituellen Leben gibt es Leute, die ihren spirituellen Meister verspotten, obwohl sie bedingungsloses Mitgefühl und bedingungslose Fürsorge erhalten. Der Meister tut alles für sie bedingungslos, sie betrachten dies jedoch als selbstverständlich. Sie denken, dass es die Pflicht und Schuldigkeit ihres Meisters ist, ihnen jederzeit zu Diensten zu sein. Sie hören noch nicht einmal auf den Meister. Monatelang berührt der Meister praktisch ihre Füße. Warum? Nur, um ihnen gefällig zu sein, nur, um sie glücklich zu machen. Aber die Schüler können dem Meister kein fröhliches Gesicht zeigen, es ist unmöglich für sie.

Der Meister will von ihnen nicht einen einzigen Dollar. Der Meister will keine Hilfe, gleich welcher Art. Er braucht keine Hilfe, sein Gott kann sich um ihn kümmern. Wenn der Meister mit gefalteten Händen zu seinen Schülern kommt, sie inständig darum bittet, glücklich zu sein, besitzen die Schüler noch nicht einmal die Bereitwilligkeit oder die Fähigkeit, dies zu tun. Mehr noch, sie glauben, dass es die Aufgabe des Meisters ist, ihnen allen seine ständige Aufmerksamkeit zu widmen. Der Meister gibt ihnen wirklich all seine grenzenlose Liebe und Fürsorge, aber sie empfangen sie nicht. Sie kennen und erwarten nur menschliche Bindung, doch wenn sie die bedingungslose Fürsorge des Meisters empfangen, ist dies für sie eine Währung aus einer anderen Welt, die sie nicht schätzen können.

Vorwort des Autors

Man sagt, dass das Leben das erhabene Geschichtsbuch ist, in welchem die Darsteller in unendlich viele Rollen schlüpfen.

In der Geschichte des Lebens gibt es nichts, was es nicht gibt und alle Darsteller spielen ihre Rolle in der Absicht, den erhabenen Geschichtenerzähler, der jeden Spieler mit einer unsichtbaren Hand führt, zu erfüllen.

Ein spiritueller Meister ist jemand, der in unserem Leben lesen kann, so wie wir in den Seiten dieses Buches lesen können. Er kennt jedes einzelne Leben mit all seinen Freuden und Leiden in allen dazu gehörenden Schattierungen. Die Geschichten, die er schreibt, sind mitten aus dem Geschichtsbuch des Lebens gegriffen, sowohl aus seinem eigenen als auch aus dem von uns allen. Hier wird der Autor unmittelbar eins mit der Suche des Menschen und der Erleuchtung des Göttlichen. Zur Mutter Erde sagt er: „Mutter, ich werde.“ Zum Vater Himmel sagt er: „Vater, ich bin ewiglich.“

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