Dankbarkeits-Himmel und Undankbarkeits-Meer

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Das Lächeln des Meisters

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der nur dreißig Schüler hatte. Gott hatte ihm ein gutes Herz gegeben, doch viele Leute nützten sein Herz aus. Er befasste sich sehr oft persönlich mit seinen Schülern. Er tröste sie und versuchte ihre Unwissenheit zu erleuchten, wenn sie im Verstand oder im Vitalen krank waren. Doch sie schätzten seine Freundlichkeit, seine Zuneigung, sein Mitgefühl und seine Liebe nicht. Sie zeigten nie irgendeine Form von Dankbarkeit, weder innerlich noch äußerlich und betrachteten alles, was er tat, als selbstverständlich. Er bat sie um keine Spenden, um keinen Beitrag und verlangte für seine Beratungen nie irgendeine Gebühr. Alles war gratis. Er hatte ein sehr kleines Einkommen von einer Quelle außerhalb seiner spirituellen Tätigkeit. Dies setzte sich jahrelang so fort.

Eines Tages fühlte er sich traurig und bedrückt, weil sein Licht nicht richtig angenommen wurde und seine Schüler keinen zufriedenstellenden spirituellen Fortschritt machten. In jener Nacht führte er ein langes Gespräch mit Gott. Er sagte zu Gott: „Du weißt wie viel Zeit ich für diese hoffnungslosen, nutzlosen und undankbaren Leute aufgebracht habe, doch es gelingt mir nicht, etwas für Dich hier auf der Erde zu tun. Auch wenn es sich darum geht, das Licht in mir zu erkennen, ganz zu schweigen von dankbar zu sein, bemerke ich keine Reaktion, weder in meinen Schülern noch in meinen Freuden und Bekannten. Es scheint, dass Dankbarkeit auf der Erde noch nicht geboren ist.“

Gott lächelte ihn an und sagte: „Gut. Ich werde dir beweisen, dass Dankbarkeit tatsächlich auf der Erde existiert. Eines Tages wirst du bestimmt Menschen treffen, die dir dankbar sein werden.“

Am folgenden Morgen verlies der spirituelle Meister sein Haus und ging zum Park, um dort zu meditieren. Auf dem Weg dorthin begegnete er einer seiner unaufrichtigen Schülerinnen. Diese Frau erzählte dem Meister: „Meister, ich habe einen Freud, der dich schon seit langer Zeit gerne treffen möchte. Hättest du nicht einige Minuten Zeit für ihn? Er weilt gerade in meinem Haus, das ganz in der Nähe ist. Ich weiß, dass du keinen Kaffee und keinen Tee trinkst, doch ich habe Milch und Fruchtsaft zuhause, das ich dir anbieten könnte. Ich wäre so glücklich und dankbar und würde mich sehr geehrt fühlen, wenn du zu mir nach Hause kommen und meinem Freund einige Fragen beantworten könntest.“

Da es sich nur um einige Minuten handelte, war der Meister einverstanden. Der Freund dieser Frau sagte zum Meister: „Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ Der Meister antwortete: „Gut, danke,“ und streckte seine Hand aus. Der Mann schüttelte die Hände des Meisters. Der Meister lächelte ihm zu, verließ plötzlich das Haus und ging zurück zum Park.

Als der Meister zwei Stunden später nach Hause zurückkehrte, wartete die betreffende Schülerin vor seiner Türe auf ihn. Sie sagte: „Meister, Meister, hier ist ein Zehn-Dollarschein. Mein Freund sagte, dein Lächeln hat alle seine Fragen beantwortet. Du hast ihm nur eine kurze Sekunde zugelächelt, doch in dieser kurzen Sekunde wurden alle seine lebenslangen Fragen beantwortet. Er sendet dir diese zehn Dollar mit größter Liebe und Dankbarkeit. Er ist ein armer Mann, sonst hätte er dir viel mehr Geld gegeben. Er hat mir gesagt, ich solle dir sagen, dass er voller Dankbarkeit sei und dir für dein Lächeln ewig dankbar sein werde.“

Der Meister erinnerte sich an sein Gespräch mit Gott in der Nacht zuvor, als Gott ihn getröstet und ihm versichert hatte, dass Dankbarkeit auf der Erde tatsächlich existierte. Es kamen ihm Tränen der Dankbarkeit gegenüber seinem inneren Führer. Er schwamm im Meer der Dankbarkeit und sagte seiner Schülerin: „Es ist nicht wegen der zehn Dollar, dass ich so voller Dankbarkeit bin, sondern wegen seiner Empfänglichkeit, weil ein kurzes Lächeln in ihm eine solche Empfänglichkeit zum Vorschein bringen konnte. Seine Empfänglichkeit zieht die ganze Dankbarkeit meines Herzens auf sich. Die Dank­barkeits-Blume, die liebste aller Blumen, wurde im Herzen eines Lächelns, eines kurzen Lächelns geboren.“

14. September 1974

Das Mitgefühl des Meisters kann man nicht kaufen

Es war einst ein spiritueller Meister, der nur zwanzig Schüler hatte. Die meisten seiner Schüler waren aufrichtig, ergeben und strebsam. Nur zwei oder drei Personen waren sehr unspirituell und ungöttlich. Eine dieser unspirituellen Personen pflegte zweimal die Woche zum Haus des Meisters zu kommen und brach dann vor dem Meister in Tränen aus. Diese Schülerin war bereits in ihren späten Sechzigern und dem Alter nach, die älteste Schülerin des Meisters. Sie weinte immerzu, doch wenn der Meister sie nach dem Grund fragte, antwortete sie stets: „Ach, eines Tages werde ich es dir sagen, eines Tages werde ich es dir sagen.“

Dies setzte sich etwa eineinhalb Jahre lang so fort. Dann sagte sie eines Tages: „Es tut mir so leid, dass ich dir sagen muss, dass mein Mann während den letzten Jahren sehr krank gewesen ist. Kürzlich hat er einen kleinen Schlag erlitten. Nun kann er seine rechte Hand nicht mehr bewegen. Als wir beide jung waren, liebten wir uns sehr, doch nun hassen wir einander. Zurzeit leben wir nur noch aus Angst zusammen, dass die Leute sich über uns lustig machen oder schlecht über uns reden, wenn wir auseinander gehen. Trotzdem fühle ich mich traurig, dass mein Mann soviel leiden muss. Sag mir bitte, ob du in diesem Falle auf irgendeine Weise helfen kannst?“

Der Meister antwortete: „Ich kann dir nicht helfen. Ich hätte dir nur helfen können, wenn du selbst sehr spirituell gewesen wärst und wenn dein Mann spirituell gewesen wäre. Doch dein Mann ist bis jetzt noch nie in mein Haus gekommen.“

„Ach, Spiritualität ist nichts für ihn“, erwiderte sie, „doch ich komme regelmäßig hierher.“

„Du kommst regelmäßig, doch deine Strebsamkeit ist nicht intensiv genug.“

„Kannst du meinen Mann nicht wenigstens einmal treffen?“ bat die Schülerin.

„Sicher kann ich deinen Mann treffen. Du kannst ihn hierherbringen und ich werde kurz mit ihm sprechen.“

So brachte die Frau ihren Mann zum Meister. Mit aufrichtigem Mitgefühl berührte der Meister die rechte Hand des Mannes und plötzlich bewegte sie sich einige Male. Dann liebkoste und massierte der Meister die Hand und zum größten Erstaunen der Schülerin kam ein wenig Leben in die Hand. Sie und ihr Mann waren beide begeistert und verließen das Haus des Meisters überglücklich.

Doch diese Lebensenergie floss nur ein paar Stunden lang. Dann verebbte sie und er konnte die Hand erneut nicht mehr bewegen. Die Frau wurde sehr traurig. Als sie das nächste Mal im Haus des Meisters war, fragte sie ihn: „Wie kommt es, dass deine Heilkraft nicht anhält?“

Der Meister sagte: „Gott will das vergangene Karma deines Mannes nicht auslöschen. Deshalb kann ich nicht mehr als das tun.“

Dreimal brachte sie ihren Mann und jedes Mal vollführte der Meister diese Art von flüchtigem Wunder. Danach fügte der Meister stets hinzu: „Ich kann nicht mehr tun, denn es ist nicht der Wille Gottes.“

Beide, der Mann und die Frau, waren sehr verärgert über den Meister, doch es gab nichts, was sie in diesem Falle tun konnten. Die Frau kam weiterhin regelmäßig zum Haus des Meisters. Sie gab die Hoffnung nicht auf, dass der Meister eines Tages mit ihr wirklich zufrieden sein und ihren Mann gänzlich heilen würde.

Eines Tages kam die Frau ein brillanter Plan in den Sinn, von dem sie dachte, damit könne sie möglicherweise die Meinung des Meisters ändern. Sie gab dem Meister einen Zehn-Dollarschein und ließ ihn fühlen, dass dies alles sei, was sie sich leisten könne; ansonsten hätte sie ihm weit mehr gegeben. Einige Tage später schob sie einen weiteren Zehn-Dollarschein in die Tasche des Meisters. Und einige Zeit später tat sie das Gleiche nochmals. Auf diese Weise erhielt der Meister dreißig Dollar von ihr und das war alles, was sie ihm während der drei Jahre gegeben hatte, in denen sie seine Schülerin gewesen war. Ihre Brüder- und Schwester-Schüler pflegten sie zu necken, denn sie wussten, dass sie sehr, sehr reich war und dass ihr Mann früher wahrscheinlich noch wesentlich reicher war. Sie hatte stets Tausende von Dollar auf ihrem Bankkonto, doch sie legte nie etwas in die Kasse für Liebesgaben. Auf jeden Fall sagte ihr der Meister weiterhin, dass das Karma ihres Mannes nicht ausgelöscht werden könne.

Sechs Monate später zog der Meister in eine andere Stadt und plötzlich gab es sehr viele Sucher, die seinem Weg folgen wollten. Im Verlauf von drei Monaten erhielt der Meister Tausende von Schülern. Als die Frau sah, dass der Meister Tausende von Schülern hatte, dachte sie, es wäre unmöglich, ihn dazu zu bringen, ihrem Mann zu helfen. Sie dachte für sich: „Selbst als er nur zwanzig Schüler hatte, konnte ich ihn nicht beeinflussen. Sogar in jenen Tagen war es schwierig, zu ihm zu kommen. Doch nun, wo er Tausende von Schülern hat, wird es ein völlig nutzloses Unterfangen sein. Das Beste für mich wird sein, wenn ich seinen Weg aufgebe.“ Und so verließ die Frau ihren Meister.

Für ihren Mann kam noch eine Zeit, wo er sehr viel leiden musste, bis er schließlich verstarb. Bevor diese Schülerin den Weg verlassen hatte, hatte sie eine Reihe von Geschichten gehört, wie der Meister die Seelen von verstorbenen Menschen angerufen und gesegnet hatte. Doch es war alles eine Sache des Glaubens. Früher, hatte es eine Zeit gegeben, wo sie all diesen Geschichten Glauben schenkte, doch jetzt, da sie den Meister verlassen hatte, hatte sie keinen Glauben mehr an ihn. So beschloss sie, den Meister nicht über den Tod ihres Mannes zu unterrichten.

Diese Frau hatte eine enge Freundin, die immer noch eine Schülerin des Meisters war. Ihre Freundin sagte: “Heutzutage, wo der Meister Tausende von Schülern hat, schenkt er uns überhaupt keine Aufmerksamkeit mehr. Du hast ihn verlassen, weil er dir keine Aufmerksamkeit geschenkt hat und auch ich werde ihn sehr bald aus demselben Grund verlassen. Doch ich habe ein wenig Glauben an ihn und ich habe das Gefühl, dass er wirklich die Fähigkeit besitzt, Frieden für verstorbene Seelen herab zu bringen. Ich habe wirklich das Gefühl, dass du ihn über den Tod deines Mannes informieren solltest.“

„Mein Man ist gestorben und befindet sich nun in vollkommenem Frieden. Wenn dein Meister die Seele meines Mannes anruft, wird sofort Leben in seine Seele dringen und ihn stören. Dann wird er sich miserabel fühlen und all sein Frieden wird ruiniert sein. Außerdem befürchte ich, dass ich mich danach verpflichtet fühle, dem Meister Geld zu geben, wenn er sagt, er hätte etwas für meinen Mann getan. Und außerdem, ich glaube an das Ganze überhaupt nicht. Ich bin zudem nicht bereit, ihm Geld zu geben, obwohl ich, wie du weißt, ja einiges an Geld besitze.“

Diese beiden Frauen kannten sich sehr gut. Daher fragte ihre Freundin: „Wie viel Geld hast du denn wirklich?“

Sie antwortete: „Ich will im Augenblick nicht darüber sprechen. Doch weil du meine Freundin bist, zeige ich dir mein Sparbuch.“ Sie hatte sechsundsiebzigtausend Dollar auf ihrem Sparbuch. Ihre Freundin schaute, als wäre sie vom Himmel gefallen, so überrascht war sie. „Sechsundsiebzigtausend Dollar!“, rief sie aus.

„Ja und ich werde das gesamte Geld einem entfernten Neffen, geben. Er verdient es. Er hat vor ein Spital für Arme zu eröffnen. Das ist eine gute Sache. Doch diesem Schuft, diesem Fremden, der einmal mein Meister war, werde ich keinen Cent geben. Wer weiß, er würde vielleicht nur mein ganzes Geld nehmen und in sein Herkunftsland zurückkehren und sich dort wie ein König aufführen. Daher ist es meiner Ansicht nach das beste, wenn ich ihm nichts gebe. Und wenn du meine wirkliche Freundin bist, dann sage dem Meister bitte nicht, dass mein Mann gestorben ist. Sonst wird er wieder Probleme für mich schaffen und sagen, er hätte dieses und jenes für die Seele meines verstorbenen Mannes getan und ich werde mich verpflichtet fühlen, ihm Geld zu geben. Doch ich möchte nichts mit ihm zu tun haben.“

Die Schülerin, die immer noch beim Meister war, fühlte eine Art inneren Schmerz, eine innere Notwendigkeit, eine Art Gewissensbiss. Sie sagte sich selbst: „Meine Zeit naht schnell. Auch ich werde den Meister bald verlassen. Doch solange ich bei ihm bin, sollte ich ein wenig aufrichtig sein. Deshalb werde ich ihm sagen, was geschehen ist.“

Nachdem die Frau ihm die Geschichte erzählt hatte, sagte der Meister: „Obwohl sie keinen Glauben an mich hat, fühle ich eine Art innere Verpflichtung, diesem Mann zu helfen; einfach, weil ich ihn gesehen habe, während er noch auf der Erde weilte. In der äußeren Welt bin ich ein Bettler. Doch ich weiß, wer ich in der inneren Welt bin. In der inneren Welt bin ich ein Kaiser. Und deshalb ist es meine Pflicht, dieser Seele einen Dienst zu erweisen.“

Die Frau sagte: „Auf der einen Seite bin ich sehr froh, dass ich es dir gesagt habe. Doch auf der anderen Seite habe ich Angst, dass meine Freundin Recht hatte, als sie sagte, du würdest die Seele nur aufschrecken, wenn du sie anrufst. Was geschieht, wenn der Seele irgendetwas Falsches zustößt?“

Der Meister lachte und lachte. Er sagte: „Wenn du meine spirituelle Fähigkeit in einem solchen Ausmaß anzweifelst, solltest du nicht meine Schülerin bleiben.“ Dies war der Tag, an dem der Meister seine zweite Schülerin verlor, denn auch diese Frau verließ seinen Weg.

Inzwischen drang der Meister in die Welt der Seelen ein und half der Seele des Mannes beträchtlich. Die Seele des Mannes war dem Meister zutiefst dankbar und kam in einem Traum zu seiner Frau und sagte: „Dein Meister hat mir soviel geholfen. Er hat mich auf eine sehr hohe Ebene hinaufgehoben. Wenn er mir nicht geholfen hätte, hätte ich nie an diesen Ort kommen können. Niemals, niemals, niemals. Es ist jenseits meiner Vorstellungskraft. Ich möchte daher, dass du von den sechsundsiebzigtausend Dollar, die ich dir hinterlassen habe, mindestens viertausend Dollar dem Meister gibst. Es ist so ein armer Mann. Ich bin sicher, er hat kein Geld. Wenn du ihm viertausend Dollar gibst, kannst du mit dem Rest tun was du willst.“

Als die Frau aufwachte, sagte sie sich sofort, dass der Traum nur eine geistige Halluzination gewesen sei und beachtete ihn nicht. Doch am folgenden Tag kam die Seele ihres Mannes wieder und überbrachte ihr dieselbe Botschaft. Dies ging zehn oder elf Tage lang so weiter und die Frau begann nervös und aufgebracht zu werden. Sie sagte sich: „Was soll ich tun, wenn das nun jede Nacht so weitergeht? In den letzten drei oder vier Tagen ist er in einer solch drohenden Haltung gekommen. Er hat mir gesagt: „Du musst ihm das Geld geben, sonst werde ich etwas mit dir tun. Ich werde dich strafen.“

Sie bekam schreckliche Angst. Sie hatte den Weg des Meisters vor einem Jahr verlassen, doch jetzt kam sie ins neue Haus des Meisters, verbeugte sich vor ihm und weinte bitterlich. „Ist es wahr, dass die Seele meines Mannes zu mir gekommen ist? Hast du das Richtige getan, als du zu meinem Mann gegangen bist und ihm gegen meinen ausdrücklichen Willen geholfen hast? Ich habe meine Freundin wiederholt gebeten, dich nicht zu informieren. Du hat mir gegen meinen Willen eine Gunst erwiesen. Du hast mich hereingelegt und nun willst du, dass ich dir viertausend Dollar gebe. Ich habe zwar sechsundsiebzigtausend Dollar, doch ich will dir davon nicht einen Cent geben.“

Der Meister antwortete: „Ich habe es aus reiner Gutmütigkeit gemacht. Ich habe deinen Mann getroffen, als er noch auf der Erde weilte, doch wegen seines vergangenen ungöttlichen Karmas konnte ich ihm nicht in der Weise helfen, wie ich wollte. Doch jetzt, wo er in der Welt der Seelen ist, kann ich ihm auf eine andere Weise helfen. Doch dafür schuldest du mir keinen Cent. Ich will dein Geld nicht und brauche es nicht.“

„Natürlich willst du etwas von mir, sonst hättest du ihm nicht geholfen. In dieser Welt hilft niemand einem anderen ohne einen Grund.“

„Ich sage dir wieder und wieder, ich habe es aus reiner Gutmütigkeit getan. Ich brauche nichts von dir. Als du noch in mein spirituelles Center gekommen bist, hast du nie eine Andeutung gemacht, dass du soviel Geld besitzt. In den drei Jahren hast du mir dreißig Dollar gegeben. Glaubst du denn, ich hätte deinem Man wegen deines Geldes geholfen? Nein. Es war mein Mitgefühl, das ihm geholfen hat. Habe ich denn die Seele deines Mannes gebeten, zu dir zu kommen und dich in der Nacht zu stören?“

Die ehemalige Schülerin sagte: „Wenn es dir wirklich nicht um des Geldes wegen ist, kannst du dann nicht etwas für mich tun? Kannst du die Seele meines Mannes nicht bitten, mich nicht mehr zu belästigen? Du weißt, dass ich dir kein Geld geben will.“

Der Meister sagte: „Natürlich kann ich das tun. Ich werde deinen Mann bitten, nicht mehr zu dir zu kommen und dich nicht mehr zu belästigen.“

In dieser Nacht ging der Meister in die Welt der Seelen und sagte zu der Seele des Mannes: „Schau nur, was für ein Problem du für mich geschaffen hast. Ich habe dir geholfen und bin immer noch bereit, dir aus reiner Gutmütigkeit und reinem Mitgefühl zu helfen. Doch deine Frau versteht mich falsch. Sie beschimpft mich und hat an allem etwas auszusetzen. Es ist am Besten, wenn du nicht mehr zu ihr gehst, sie nicht mehr belästigst und nicht mehr darauf bestehst, mir viertausend Dollar zu geben. Ich brauche nichts. Ich arbeite nicht für Geld. Ich arbeite aus Liebe.“

Die Seele des Mannes war zutiefst entrüstet. „Was für eine undankbare Frau habe ich! Diesmal werde ich sie wirklich strafen. Ich werde aus der vitalen Welt Wesen bringen, um sie zu bedrohen und einzuschüchtern. Dann wird sie gezwungen sein, dir viertausend Dollar zu Füßen zu legen. Mit dem Rest des Geldes kann sie tun, was sie will. Doch ich hätte sie bitten sollen, dir mehr Geld zu geben. Sag’ mir bitte, wenn du mehr Geld brauchst. Ich kann sie zwingen, dir noch mehr Geld zu geben.“

„Nein, nein. Ich brauche kein Geld. Ich brauche nur deine Freude. Du bist glücklich hier und so bin ich glücklich, dass ich dir einen Dienst erweisen konnte.“

Doch der Mann erwiderte: „Nein, ich werde nicht auf dich hören. Diesmal werde ich ihr wirklich etwas antun. Ich werde ein paar Wesen von der vitalen Welt holen und sie auf solche Weise einschüchtern, dass die dir wahrscheinlich sogar mehr als viertausend Dollar gibt.“

Der Meister war sehr bedrückt und fragte: „Bist du glücklich in der Seelenwelt, in die ich die gebracht habe?“

„Ich bin so glücklich, so dankbar.“

„Wenn du in irgendeiner Weise Probleme für deine Frau schaffst, indem du von der vitalen Welt Wesen herunterbringst oder sie auf eine andere Art einschüchterst, dann werde ich dir nicht erlauben, in dieser Ebene zu bleiben. Ich werde meine bewusste Kraft und mein Licht wegnehmen und du wirst an einen viel niederen Ort gehen müssen, der diesem Ort deutlich unterlegen ist. Du wirst dahin zurückkehren müssen, wo du warst, bevor ich dich hierher gebracht habe. Erinnerst du dich? Dort hattest du sehr wenig Freude, sehr wenig Genugtuung. Gott allein weiß, wie viele Inkarnationen du gebraucht hättest, um an diesen Ort zu gelangen.“

Die Seele sagte: „Ich möchte wirklich hierbleiben und ich weiß, dass du mich eines Tages auf eine viel höhere Ebene als diese bringen wirst, wenn ich dir meine aufrichtigste Dankbarkeit zeige. Ich überlasse es daher dir und Gott, mit meiner Frau zu tun, war ihr wollt.“

Der Meister sagte: „Ich lasse das Schicksal deiner Frau zu Gottes Füßen. Er weiß, was für sie am Besten ist. Er weiß, was für mich am Besten ist. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo jeder seinen eigenen Weg gehen sollte. Doch wenn du meine Hilfe brauchst, kannst du auf mich zählen. Und wenn du mich rufst, werde ich dir bestimmt auf jede mögliche göttliche Weise helfen. Deine Frau jedoch lege ich zu Füßen des Höchsten Herrn.“

14. September 1974

Die Dankbarkeit eines Suchers

Es gab einen spirituellen Meister, der nur vierzig Schüler hatte. Er war sehr stolz auf seine Schüler, denn alle waren aufrichtig und ergeben. Kein einziger Schüler war unaufrichtig. Andere spirituelle Meister, die ungöttliche Schüler hatten, taten ihm wirklich leid. Doch er war Gott zutiefst dankbar, dass Er ihm so spirituelle, hingebungsvolle, göttliche Schüler gewährt hatte. Er dankte Gott aus der Tiefe seines Herzens. Der Meister war äußerst nett zu seinen spirituellen Kindern und sie ihrerseits waren sehr großzügig gegenüber dem Meister. Sie kümmerten sich um die physischen Bedürfnisse des Meisters, so wie er sich um ihre inneren spirituellen Bedürfnisse kümmerte.

Der Meister erlaubte seinen Schülern jeden Abend zu ihm zu kommen und mit ihm zu meditieren. Entweder stand er vor ihnen oder bat sie, zu kommen und vor ihm zu stehen. Er segnete jeweils alle Schüler und gab ihnen Blumen. Da es nur vierzig Schüler waren dauerte es etwa drei Stunden. Danach speisten sie gewöhnlich zusammen und unterhielten sich bis spät in die Nacht hinein, um am folgenden Abend wieder zusammen zu treffen. Dies setzte sich über Monate hin so fort.

In jenen Tagen erlaubte der Meister allen zu seinem Haus zu kommen und zu meditieren. Man brauchte keine Erlaubnis. Eines Tages erschien eine junge Frau im Haus des Meisters, die ein völliger Neuling war. Wie gewöhnlich kam der Meister zu allen, die anwesend waren und gab ihnen entweder eine wunder-schöne Rose oder eine andere Blume. Als der Meister dieser betreffenden Dame eine Blume anbot, brach sie in Tränen aus. Der Meister fragte: „Darf ich wissen, was dich quält?“ Sie sagte: „Es ist etwas ganz Geheimes und Privates. Ich kann es dir hier nicht sagen.“

„Gut“, sagte der Meister, „wenn du willst, kannst du es mir nach dem Treffen sagen.“

Während des ganzen Treffens hörte die Frau nicht auf zu weinen und zu schluchzen. Nach einer gewissen Zeit sagte der Meister leise zu ihr: „Bitte, bitte, komm in die Küche und sage mir, was dich quält. Ich habe großes Mitgefühl mir dir und wenn ich dir auf irgendeine Weise helfen kann, werde ich zweifellos mein Bestes tun. Meine Schüler meditieren hier sehr hingebungs- und seelenvoll. Bitte höre auf zu weinen und zu schluchzen, damit du sie nicht weiter störst.“

Auf diese Weise brachte der Meister sie dazu, schließlich mit ihm in die Küche zu kommen. Dort fiel sie zu seinen Füßen und sagte: „Meister, ich bin nicht verheiratet und bin schwanger und nun hat mich dieser Schuft verlassen. Rette mich, rette mich. Ich komme aus einer sehr respektablen Familie. Bitte rette mich.“

Nun lag es am Meister, in Tränen auszubrechen. „Was soll ich tun?“ fragte er.

„Du kannst alles tun, wenn du willst“, sage die Frau. „Ich weiß, dass spirituelle Meister alle möglichen Dinge tun können. Bitte rette mich. Ich getraue mich nicht, meinen Eltern zu erzählen, was geschehen ist.“

Der Meister sagte: „Diese traurige Geschichte schmerzt mein Herz zutiefst. Nun, wo ich weiß, was die Ursache deines Leidens ist, werde ich die Sache dem Supreme vorlegen. Ich habe keine Ahnung, was Er machen wird. Es liegt völlig an Ihm zu entscheiden, was Er mit deinem Leben tun will. Bitte tu mir einen Gefallen. Wenn du hier meditieren willst, dann bleibe entweder in der Küche oder komme in den Meditationsraum und meditiere still. Bitte weine nicht mehr.“

Die Frau sagte sofort: „Wirst du all dies dem Supreme in die Hände legen?“

Der Meister sagte: „Natürlich. Doch ich habe keine Ahnung, wie Er sich entscheiden wird. Darüber weiß ich nichts.“

Sie war dem Meister so dankbar. Sie sagte: „Wenn du Ihm das Problem nur darlegst, dann ist es genug.“

Der Meister ging zurück in den Meditationsraum und meditierte mit seinen Schülern. Sie hatten nichts von diesem Gespräch gehört. Sie waren alle glücklich und von der Strebsamkeit dieser neu gekommenen Frau, die fortwährend geweint hatte, zutiefst bewegt. Sie dachten, der Grund für ihre Tränen sei das Licht und der Segen des Meisters gewesen, das sie in viel tieferer Weise empfangen hätte, als alle anderen. Als die Schüler später am Essen waren, fragten sie: „Meister, warum hast du diese Frau gebeten, in die Küche zu kommen, als sie aus reiner Ergebenheit geweint und geschluchzt hat. Stimmt irgendetwas nicht mir ihr?“

Der Meister sagte: „Das ist eine private Angelegenheit. Ich möchte das nicht mit euch besprechen.“

„Wenn es etwas Privates ist, dann hat es also nichts mit ihrem spirituellen Leben zu tun?“

Der Meister sagte: „Gibt es irgendetwas, das nicht mit dem spirituellen Leben in Beziehung steht? Hier auf der Erde ist alles spirituell. Wir müssen nur wissen, wie wir uns Gott gegenüber verhalten und welche Haltung wir annehme, wenn wir all unsere Handlungen zu Seinen Füßen legen.“ Nach dieser Antwort des Meisters schwiegen alle.

Wie der Meister versprochen hatte, brachte er dieses Problem seinem Vorgesetzten, dem Supreme, vor. Der Supreme sagte: „Nun, da du Mir das alles erzählt hast, ist es genug. Du hast nichts mehr damit zu tun. Du wirst keine bestimmte Partei ergreifen. Nun, da Ich es weiß, liegt es an Mir, dieser jungen Frau Güte oder Mitgefühl zu zeigen. Du weißt natürlich, ob Ich ihr helfen werde oder nicht, denn Ich kann nichts vor dir verbergen, genau wie du nichts vor Mir verbergen kannst. Da wir nichts voreinander verbergen können, wirst du wissen, was Ich tun werde, doch es ist nicht deine Sache, dich in diese Angelegenheit einzumischen.“ So blieb der Meister still und anerbot dem höchsten Führer seinen ergebenen Gehorsam.

Am folgenden Tag kam die betreffende Frau nicht zum Meister. Sie kam ein, zwei, ja drei Monate lang überhaupt nicht mehr zum Meister. Während diesen drei Monaten dankte der Meister Gott, dass sie nicht zurückgekommen war. Niemand fragte den Meister nach ihr und ihre Geschichte geriet in Vergessenheit. Doch drei Monate später sah der Meister, als er nach Hause kam, die Frau vor seiner Türe. Der Meister erschrak. Er sagte sich: „Was für ein Unglück, was für schlechte Nachrichten wird sie mir diesmal wieder bringen?“ Doch diesmal hatte die Frau eine andere Geschichte zu erzählen.

Sie legte fünfundvierzig oder fünfzig Geldscheine zu Füßen des Meisters und sagte dann zu ihm: „Mein Leben wird dir ewig dankbar bleiben. Du hast mich gerettet. Du hast mein Glück gerettet. Du hast mein Prestige gerettet. Meine Eltern wissen nichts und ich bin immer noch ihr liebstes Kind. Meine Freunde und Verwandten wissen ebenfalls nichts darüber. Ich weiß was geschehen ist, Meister. Du hast mich gerettet.“

Der Meister sage: „Was ist geschehen?“

„Ich ging nochmals zu den Ärzten, die mir gesagt hatten, ich sei schwanger. Doch diesmal sagten sie, sie hätten sich geirrt. Ich weiß, was du für mich getan hast. Du hast deine spirituelle und okkulte Kraft gebraucht und irgendetwas getan.

Meister, ich komme zwar von einer reichen Familie, doch ich besitze kein Geld. Meine Eltern geben mir kein Geld. So bin ich in verschiedene kleine Läden gegangen, in Friseurläden, in Boutiquen und in viele andere Geschäfte und habe ihnen allen dasselbe erzählt. Ich habe gesagt: „Ich habe einen spirituellen Meister gesehen. Ich kann euch kam sagen, wie groß er ist, wie freundlich und wie mitleidsvoll er ist, denn er hat mir in diesem Leben so viel geholfen, dass ich ihm zutiefst dankbar bin. Bitte gebt mir einen, zwei oder drei Dollar, die ich ihm geben kann. Ich verspreche euch, dass mein Meister dieses Geld erhalten wird. Ich selbst werde das Geld nicht gebrauchen.“ Die Leute sahen in meinem Gesicht und in meinem Herzen meine wirkliche Liebe und Ergebenheit für dich, Meister. Und sie gaben mir zwei Dollar, vier Dollar, zehn Dollar, fünfzehn und zwanzig, ja sogar dreißig Dollar. Auf diese Weise habe ich fast vierhundert Dollar gesammelt, Meister. Nun gebe ich dir das Geld mit der tiefsten Dankbarkeit meines Herzens, meiner ewigen Dankbarkeit. Du hast mich gerettet. Du hast mein Leben gerettet, doch du weißt, Meister, dass ich für ein spirituelles Leben nicht bereit bin, geschweige denn für deinen Weg, der so rein, so hoch, so göttlich ist. Wenn meine Stunde schlägt, bin ich sicher, dass ich deine Schülerin werden kann. Doch im Augenblick bin ich nicht bereit für das spirituelle Leben. Wie sehr ich mir nur wünschte, für deinen Weg bereit zu sein!“

Der Meister sagte. „Wie weißt du, dass du für das spirituelle Leben nicht bereit bist? Du bist mehr als bereit, meinem Weg zu folgen. Ich werde dich von ganzem Herzen annehmen.“

Doch die Frau antwortete: „Meister, ich kenne meine Schwächen. Ich kenne meine Fehler, meine Begrenzungen, meine Anhaftungen an das irdische Leben, an das Leben des Vergnügens. Warum sollte ich dein Mitgefühl missbrauchen, indem ich bei dir bleibe und deinen Weg annehme? Ich weiß, die Zeit wird kommen, wo ich durch deine göttliche Gnade für deinen spirituellen Weg bereit sein werde. Wenn jener Tag dämmert, werde ich es wissen und ich werde zweifellos kommen und zu deinen Füßen sitzen. Ich bin sicher, du wirst mich annehmen. Doch in der Zwischenzeit möchte ich dir als Zeichen meiner Dankbarkeit dieses Geschenk geben. Bitte fühle, dass mein Leben eine Girlande von Dankbarkeit ist, die ich dir zu Füßen legen möchte.“

Dem Meister kamen Tränen der Dankbarkeit. Er sagte zur Sucherin: „Du magst zwar fühlen, dass du noch nicht bereit bist. Ich möchte dir jedoch sagen, dass du mehr als bereit bist. Doch da es dein Leben ist, da du das Gefühl hast, die Zeit werde kommen, in der deine Bereitschaft größer sein werde, werde ich auf diese Stunde warten. Nimm dir Zeit. Möge Gott dich segnen. Möge Er seinen tiefsten und auserwähltesten Segen auf die tiefste, innere Sehnsucht deines Herzens und die unangetastete Aufrichtigkeit deines Lebens fließen lassen.“

14. September 1974

TDer Gipfel der Undankbarkeit

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der nur hundert Schüler hatte. Die meisten seiner Schüler waren voller Zuneigung und Liebe für ihn. Auch der Meister war voller Liebe und Zuneigung für sie. Doch er besaß spezielle Anteilnahme für jene, die im Vergleich schwach und unsicher waren und das Gefühl hatten, ihr Leben sei nutzlos.

Es gab eine ganz bestimmte Schülerin, eine Frau von ungefähr fünfundfünfzig Jahren, die sehr unsicher war. Abgesehen davon hatte sie auch gewisse Schwierigkeiten mit einer ihrer Lungen. Daher hatte der Meister spezielle Anteilnahme für sie. Sie hatte bereits viele Ärzten konsultiert, doch die Ärzte konnten sie nicht heilen. Von Zeit zu Zeit pflegten sie das Licht des Meisters zu empfangen und dann fühlte sie sich ein wenig besser. Doch wenn sie sein Licht nicht empfing, litt sie stark. Manchmal konnte sie wegen ihrer schwachen Lunge nicht schlafen und der Meister musste ihr auf der physischen Ebene okkulte Ratschläge geben, wie sie einschlafen könne. Dann konnte sie jeweils einige Tage lang schlafen, doch bald begann sie erneut zu leiden.

Der Meister war dieser Frau gegenüber voller Mitgefühl, doch er wusste, dass ihr Leiden erst dann ein Ende nehmen würde, wenn er die Erlaubnis erhalten würde, ihr offen den Grund dafür zu sagen. Sie bat ihn stets: „Bitte sei offen mit mir und sage mir, warum ich so stark leide.“

Der Meister fragte Gott, ob er der Frau sagen könne, warum sie eine schwache Lunge bekomme hätte. Doch Gott sagte ihm: „Wenn du ihr sagst, warum sie leidet, wird sie dich morgen verlassen.“

Der Meister antwortete: „Brauche ich sie denn?“

„Zugegeben, du brauchst sie nicht“, sagte Gott, „Doch wenn sie auf deinem Weg bleibt, wenn sie weiterhin zu dir kommt, um spirituelle Führung zu erhalten, dann besteht eine gewisse Hoffnung, dass sie eines Tages wirklich dein Licht in großem Maße empfangen wird. Dann wirst du ihre Lunge heilen können. Doch wenn du ihr sagst, sie leide wegen ihres emotionalen, wegen ihres niederen vitalen Lebens und sie müsse dieses Leben aufgeben, wird sie dann die Fähigkeit haben, das zu tun? Sie führt zwar im Augenblick ein Doppelleben. Sie ist fünfundfünfzig Jahre alt und nicht verheiratet, doch sie lebt in der emotionalen Welt. Wenn du ihr sagst, sie solle ein reines Leben führen und ihre ganzen vitalen Beziehungen aufgeben, wird sie das unmöglich tun können. Sie wird höchstens ihr spirituelles Leben aufgeben. Am besten ignorierst du daher diese Seite und hilfst ihr so viel du kannst. Du weißt, wie viel sie wegen ihres emotionalen Lebens leidet.“

Der Meister sagte: „Gerade, weil sie durch ihr emotionales Leben leidet, wäre es doch klug, ihr offen den Grund ihres Leidens zu zeigen, selbst wenn ich mir dabei wie ein Metzger vorkomme.“

Gott wurde sehr ernst und sagte dem Meister: „Handle nicht gegen Meinen Willen. Du darfst ihr nie sagen, warum sie leidet. Gib ihr einfach soviel Licht, wie du kannst. Das möchte Ich von dir.“

Der Meister unterwarf sich sofort Gottes Willen und sage: „Selbstverständlich.“

Der Meister fuhr fort, dieser Frau sein tiefstes Mitgefühl zu zeigen. Er wusste, dass es für jemand, der an einem Lungenleiden litt, am besten sei, nur sehr einfache Arbeiten zu verrichten. Er machte sie zu seiner Gärtnerin und gab ihr einige Aufgaben als Sekretärin. Manchmal musste sie Interviews für ihn arrangieren und bei seinen Treffen die Anwesenheitsliste erstellen oder bei verschiedenen Aktivitäten Notizen machen.

Der Meister ermutigte sie auch, sich mit der Blumenwelt zu beschäftigen. Er tat es in der geheimen Absicht, dass eine gewisse Reinheit in ihr Leben eintreten und sie ein besseres Leben führen würde, wenn sie in der Blumenwelt verweilte. Natürlich war diese Hoffnung absurd. Wenn dies wirklich der Fall wäre, dann würden Gärtner und Blumenhändler so zu erstklassigen reinen Seelen werden. Man kann Blumen berühren und ihren Duft einatmen, doch der Verstand kann trotzdem ein Abfallhaufen bleiben. Aber da Blumen Reinheit verkörpern, hoffte der Meister entgegen allem Wissen, dass die Blumen in ihrem Herzen, in ihrem Verstand und in ihrer physischen Existenz eine gewisse Reinheit erschaffen würden.

Dies ging einige Zeit lang so weiter. Die Frau litt und der Meister litt. Eines Tages sagte sie zu einer der liebsten Schülerinnen des Meisters: „Dieser Meister ist wertlos. Er besitzt keine spirituelle Kraft, keine okkulte Kraft, nichts, nichts, absolut nichts. Ich habe an ihn geglaubt. Manchmal habe ich ihn insgeheim ‘Vater’ genannt und am Vatertag habe ich ihm eine Karte gegeben, auf die ich geschrieben hatte: ‘Väter kommen, Väter gehen. Doch hier ist ein Vater, der mich nicht verlassen wird, selbst wenn ich ihn verlassen will. Er ist mein ewiger Vater, der Vater meiner Ewigkeit.’ Nun erkenne ich, dass alles, was ich von ihm gedacht habe, falsch war.

Hätte mein physischer Vater irgendwelche Fähigkeiten oder Geld gehabt, hätte er mir alles gegeben, was er mir hätte geben können, wenn ich ihn darum gebeten hätte. Ich nannte diesen Mann meinen Vater, doch er will mir nicht helfen. Entweder hat er die Fähigkeit nicht oder er hat die Fähigkeit, will sie aber für mich nicht gebrauchen. Mein Gefühl ist, dass er die Fähigkeit nicht besitzt. Warum sollte ich an die andere Möglichkeit denken? Er hat die Fähigkeit nicht und deshalb ist es das Beste für mich, ihn zu verlassen und einen anderen Meister zu suchen.“

Als die Schülerin dies dem Meister erzählte, sagte der Meister: „Ich bin so glücklich, dies zu hören. Wenn sie mich verlässt, werde ich der glücklichste Mensch sein. Ich habe gelitten und sie hat gelitten und ich kann ihr nicht mehr helfen.“

Die Schülerin fragte: „Warum kannst du ihr nicht mehr helfen?“

„Ich kann einfach nicht mehr“, antwortete der Meister. „Die Fähigkeit, die Gott mir gegeben hat, ist sehr begrenzt. Ich kann ihr nicht weiterhelfen.“

In dieser Nacht kam Gott zum Meister und sagte: „Nun ist die Zeit gekommen, deiner Schülerin zu sagen, dass du sie wegen ihres vitalen Lebens nicht heilen kannst.“

Der Meister erzählte alles, was er von der Freundin dieser Frau gehört hatte. Gott lachte und sagte dann:

„Ich sage dir, die Zeit ist gekommen. Sage es ihr morgen.“

Da diese Frau dem Meister nahestand, ließ er sie am nächsten Tag rufen. Sie kam dann, um in seinem Garten zu arbeiten. In jenen Tagen hatte der Meister nicht so viele enge Schüler, die für ihn kochten und er selbst kochte höchst selten, vielleicht einmal im Jahr. Doch an diesem Tag fühlte der Meister ein überwältigendes Mitgefühl in sein Leben eintreten. Da er von seinem Chef, dem höchsten Supreme, angehalten worden war, die Atombombe fallen zu lassen, hatte er das Gefühl, dass es das Beste sei, diese Frau im Vorhinein zu trösten. Als erstes wollte er ihr ein Meer von Zuneigung und Anteilnahme zeigen.

So kochte der Meister selbst eine Mahlzeit mit genießbaren oder ungenießbaren Bestandteilen, doch jedenfalls mit tiefster Liebe, Anteilnahme und tiefstem Mitgefühl. Er bereitete einige Speisen vor und lud die Schülerin dann ein, in die Küche zu kommen und mit ihm zu essen. Die Schülerin war so dankbar. Sie war erfüllt von Dankbarkeit und sagte zum Meister: „Heute zeigst du mir solche Zuneigung, solche Anteilnahme, solches Mitgefühl. Warum heilst du mich immer noch nicht? Du weißt, wie sehr ich leide. Erst letzte Nacht habe ich so viel gelitten.“

Der Meister dachte sofort daran, was Gott ihm aufgetragen hatte und sagte: „Wie kannst du von mir erwarten, dass ich dich heile, wenn du genau weißt, was für eine Art von Leben du führst? Du führst ein sehr unreines Leben.“

„Ha“, schrie die Schülerin und wurde wütend. Sie stand auf und fegte dabei einen Teller weg, der auf den Fußboden fiel und zerbrach. Was für eine Szene sie machte! „Das hast du also von mir gedacht. Solche Gedanken sind durch deinen Kopf gegangen. Du weißt, was für ein Leben ich geführt habe: das reinste Leben. Ich bin ledig. Ich war nie verheiratet, sondern kam stattdessen zu dir, um Gott zu verwirklichen. Und heute nun, nach so vielen Jahren, sagst du mir so etwas. Ist irgendeiner deiner Schüler so rein wie ich?“

Der Meister lachte und sagte: „Gibt es einen unter meinen Schülern, der so heuchlerisch ist wie du? Wenn meine anderen Schüler ein ungöttliches Leben führen, dann sagen sie mir alles. Sie sagen es mir selbst auf der physischen Ebene. Ich brauche mich nicht auf die inneren Ebenen zu konzentrieren, um zu wissen, was in ihrem Leben auf der physischen, vitalen und emotionalen Ebene geschieht. Sie machen ihr Leben zu einem offenen Buch für mich. Doch während der letzten drei Jahre hast du mich getäuscht. Eine Zeitlang hat mich Gott gebeten, dir nichts zu sagen, denn wenn ich es dir gesagt hätte, hättest du meinen Weg schon lange verlassen. Doch jetzt hat mich Gott gebeten, dir gegenüber ganz offen zu sein. Deshalb sage ich dir dies.“

„Bleibe mit deinem Gott. Ich brauche dich nicht und ich brauche deinen Gott nicht. Ich kann dir nur soviel sagen: Du irrst dich hundertprozentig!“

Der Meister wurde zornig und sagte: „Wen versuchst du zu täuschen? Du kannst die ganze Welt täuschen, aber nicht mich. Wer ist vor sechs Tagen um drei Uhr morgens um deine Türe geschlichen? War es nicht dein Freund? Du hast die Türe nicht geöffnet, obwohl er immer wieder klingelte. Warum? Einfach, weil dich deine Seele erleuchtete. Ich versuchte, das Licht deiner Seele in dein Vitales, dein emotionales Leben zu bringen und du hast mich innerlich gesehen. Am folgenden Tag bist du zu mir gekommen und hast gesagt: ‘Meister, ich habe dich in einem Traum gesehen. Du warst so schön, so leuchtend. Ich war so erfreut, dich in meinem Haus zu sehen.’ Ich lächelte dir zu. Hast du diesen Vorfall vergessen? Weil das Licht meiner Seele in deine Seele eingetreten war, warst du so bewegt, dass du deinem Freund nicht geantwortet hast. Was hättest du mit deinem Freund zu jener Stunde getan? Warum war er gekommen?“

„Ach, ach, ach, mein Freund, er kam… Er lebt nicht hier… Er lebt woanders. Er war ins Kino gegangen und war betrunken. Er hatte sich verlaufen und konnte nicht heimgehen und so dachte er, wenn er ein paar Stunden …“

„Ich weiß, ich weiß. Ich kenne alle diese Geschichten. Ich sage dir einfach, warum Gott mir verboten hatte, dir den Grund zu sagen, warum ich dich nicht heilen konnte. Er wusste, dass ich dich an dem Tag verlieren würde, an dem ich offen mit dir redete. Gott will jedoch nicht, dass du weiterhin auf meinem Weg bleibst. Er möchte nun, dass du mich verlässt, denn du bist ein hoffnungsloser Fall. Du musst deine eigenen Wege gehen und ich muss mit meinen Schülern meinen eigenen Weg gehen. Nun kannst du gehen. Die Zeit ist gekommen. Täusche mich nicht länger.“

Sie verließ ihn, doch ihre Wut verließ sie nicht und sie wollte den Meister bestrafen. Der Meister besaß einige spirituelle Zentren und ging eines seiner Zentren besuchen, das zweitausend Meilen entfernt lag. Als er von seiner Reise zurückkam, erwartete ihn ein schmerzvoller Schock: diese ehemalige Schülerin hatte ihren Freund, ein in dieser Hinsicht berüchtigten Kerl dazu gebracht, zwei anderen Halunken zu einem Einbruch anzustiften. In der Abwesenheit des Meisters hatten diese die Türe aufgebrochen und waren in sein Haus eingedrungen. Im Schlafzimmer und im Meditationsraum hatten sie einen großen Schaden angerichtet und viele teuere Dinge gestohlen.

Der Meister war schockiert. Er spielte mit dem Gedanken, seine Ex-Schülerin anzurufen und ihr ein wenig von seiner okkulten Kraft zu zeigen. Doch sein Boss, der Supreme, sein ewiger Geliebter, sagte: „Es liegt unter deiner Würde, mit diesen Leuten auf ihrer eigenen Ebene umzugehen. Sobald du mit Menschen offen sprichst, kommen ihre tierischen Eigenschaften zum Vorschein, sofern sie nicht wirklich aufrichtig sind, sofern sie nicht wirklich das spirituelle Leben annehmen wollen. Ich hatte dich schon lange gewarnt. Drei Jahre lang hatte Ich dich gewarnt. Dann habe ich deinem Vorschlag zugestimmt, weil Ich das Gefühl hatte, dass diese Schülerin dich ruhig verlassen kann, da sie ein hoffnungsloser Fall war. Dies ist die letzte Strafe, das letzte Leiden, das du von ihr über dich ergehen lassen musst. Deine Geschichte mit dieser bestimmten Schülerin wird nun vorbei sein.“ Und die Geschichte mit dieser bestimmten Schülerin endete wirklich. Der Supreme hatte wie gewöhnlich recht.

Kommentar: Man kann versuchen, die Unwissenheit zu erleuchten, man kann freundlich sein, voller Zuneigung sein, voller Anteilnahme sein, jeden Augenblick zusätzliche Anstrengungen machen, um einen ungöttliches Menschen zu erleuchten. Und als Gegenleistung wird einem das Haus ausgeraubt! Dann muss man hart arbeiten, um alles wieder zu ersetzen. Was sonst ist der Gipfel der Undankbarkeit, wenn nicht dies?

So ist das Leben. Zuerst bellt der Hund. Dann wenn bellen nicht genügt, beißt er einem so stark, dass es unser Leben gefährdet. Doch wenn Gottes Schutz, Gottes Mitgefühl und Gottes Licht in einem und durch einem wirken, dann kann man den Biss des Hundes leicht überleben, wie es der Meister tat.“

14. September 1974

Aufrichtigkeit währt am längsten

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der nicht einen einzigen Schüler hatte, obwohl er Gott schon vor vielen Jahren verwirklicht hatte. Er hatte jedoch ein paar Freunde und Bewunderer.

Eines Tages war er mit einigen seiner Bewunderer in das Haus eines bekannten Anwalts eingeladen. Der Anwalt war, obwohl er sich nicht für Spiritualität interessierte, dem spirituellen Meister gegenüber sehr nett und freundlich. Der Anwalt wollte sich nicht vor den anderen lächerlich machen, weil er nichts von Spiritualität verstand und fragte daher den spirituellen Meister aus reiner Neugierde und auch, weil die Freunde des spirituellen Meisters alle etwas über Spiritualität wussten, ob er ihn Meditation lehren könne. Der Anwalt sagte, er wäre äußerst froh und dankbar, wenn der Meister auch ihm einige Ergebnisse seiner Meditation vermitteln könnte.

Der Meister war nett genug, dem Juristen zu sagen: „Ich werde dich alles über Spiritualität lehren. Komm mit mir. Lass uns einen kleinen Spaziergang machen.“ Der Meister sagte zu seinen Freunden: „Bitte wartet hier. Wir machen einen kleinen Spaziergang, werden jedoch bald zurück sein.“

Unterwegs sprach der Meister nur ein paar Worte zum Anwalt. Der Meister war in einer sehr hohen kontemplativen Stimmung und der Jurist war sehr unspirituell, er war ein ganz gewöhnlicher Mensch. Er kannte sich zwar gut in den Gesetzen aus, doch das Leben der Spiritualität war nicht für ihn bestimmt, zumindest nicht im Augenblick. So konnte der Meister ihm nur wenig Frieden, ein klein wenig Frieden geben, weil er nicht bereit war, mehr zu empfangen.

Nach einer Weile kehrten sie zum Haus des Anwalts zurück, wo alle auf das Essen warteten. Als sie das Haus betraten, brach der Anwalt plötzlich in Tränen aus und rief: „Zum ersten Male in diesem Leben habe ich einen spirituellen Meister gesehen. Er hat mir solchen Frieden gegeben. Ich habe so gut meditiert, dass ich voller Frieden und innerem Licht bin. Mein ganzes Leben habe ich mich mit Gesetzen befasst, doch jetzt sehe ich, dass alles eine Täuschung, eine reine Täuschung ist.“ Der Anwalt zeigte dem Meister gegenüber tiefe Dankbarkeit, weil er, wie er sagte, so viel von ihm erhalte habe.

Die drei Töchter des Anwalts waren von den Tränen ihres Vaters tief gerührt. Und auch die Frau war gerührt. Äußerlich schienen die Freunde des Anwalts höchst zufrieden zu sein. Doch innerlich fühlten sie: „Dieser spirituelle Meister ist bereits seit so langer Zeit unser Freund, doch uns hat er keine Freude, kein spirituelles Licht gegeben. Er hat uns keine seiner Fähigkeiten gezeigt und uns diese Erfahrungen nicht gegeben.“ Aus diesem Grunde waren sie innerlich erbost über den spirituellen Meister. Doch sie fühlten, dass der Anwalt etwas erhalten hatte und dachten, dass auch sie etwas vom spirituellen Meister erhielten, wenn sie wirklich aufrichtig würden.

Doch der Meister wusste, wie wenig er diesem Anwalt zu geben vermochte. Als der Meister die Übertreibung des Anwalts hörte, war der Meister über dessen Unaufrichtigkeit tief betrübt.

Die Jahre gingen vorbei und der Meister kam mit diesem Anwalt nicht mehr in Kontakt. Unterdessen war der Meister bekannt geworden. Er hatte Hunderte und Tausende von Schülern. Eines Tages geschah es, dass ein Freund des Meisters den Meister und einige Sucher zu sich nach Hause einlud. Die Freunde des Meisters waren glücklich und stolz, dass er als spiritueller Meister bekannt geworden war und als ihr alter Freund zu ihnen nach Hause kam.

Wie es der Zufall wollte, war derselbe Anwalt mit seiner Frau anwesend; doch er war inzwischen alt geworden. Sobald die Frau des Anwalts den spirituellen Meister sah, war sie hoch erfreut. Sie sagte ihm: „Erst letzte Woche habe ich einen Brief von meiner Tochter Judith erhalten. Sie hat dich kürzlich an einer Universität gesehen. Es waren ungefähr fünfhundert Zuhörer dort. Sie war so tief bewegt. Sie hörte deinem Vortrag zu und hat nachher gesagt, dass du ihr Leben erleuchtet hättest. Nachher hatte sie eine innere Vision von dir und sie war erfüllt von Freude und Glückseligkeit. Dies alles hast du ihr gegeben.“

Als der Meister vor einigen Jahren zu diesem Haus des Anwalts gegangen war, hatten sich die Mädchen überhaupt nicht für das spirituelle Leben interessiert und hatten dem Meister keine Fragen zu stellen. Sie hatten sich im Gegenteil auf lächerliche Weise amüsiert, als sie den spirituellen Meister gesehen hatten. Deshalb war der Meister ein wenig überrascht. Er sagte: „Aber sie ist nach dem Vortrag nicht zu mir gekommen.“

„Sie hatte das Gefühl, dass du sie nicht wieder erkannt hättest, aber sie hatte dich wieder erkannt, weil du nun groß und bekannt geworden bist. Als du vor fünfzehn Jahren zu uns gekommen bist, warst du unbekannt und deshalb hatte sie dir keine Aufmerksamkeit geschenkt. Nun bist du groß geworden und Größe zieht Bewunderung und Verehrung auf sich.“

Während dieses Gesprächs verbrachte der Anwalt und die Freunde des Meisters einen wunderschönen Abend. Sie sprachen über viele spirituelle Meister und spirituelle Themen und hatten eine höchst erfreuliche Konversation. Plötzlich sagte der Anwalt zu allen Anwesenden: „Schaut auf diesen spirituellen Meister.“ Dann wandte er sich dem Meister zu und sagte: „Du erinnerst dich, wie ich dich vor vielen Jahre gebeten habe, mir zu zeigen, wie man meditiert. Glaub mir, die Meditation, die ich hatte, während ich mit dir einen kurzen Spaziergang machte, verbliebt bis heute in meinem Verstand und in meinem Herzen. Dies war die bedeutsamste Erfahrung, die ich je gehabt habe. Seitdem habe ich unzählige Male an verschiedenen Orten meditiert, doch nie habe ich seither eine solch hohe Erfahrung erhalten.“

Der Meister sah innerlich, dass die Worte des Anwalts einmal mehr eine Schmeichelei waren. Nun, da der Meister wirklich bekannt geworden war, wollte der Anwalt seine Fähigkeit, seine Großzügigkeit und sein Mitgefühl ausnützen, indem er den Freunden und Bewunderern des Meisters zeigte, dass er den Meister bereits vor vielen Jahren kennen gelernt hatte und dass der Meister damals zu seinem Haus gekommen war.

Der Meister war traurig, fühlte sich unwohl und sagte zum Anwalt: „Bitte komm mit mir.“ Sie gingen an einen stillen Ort und dort sagte der Meister: „Erlaube mir bitte, mit dir zu meditieren.“

Der Anwalt war tief gerührt, dass der Meister aus so vielen Anwesenden ihn ausgewählt hatte. Er war von Freude und Stolz erfüllt. Der Meister meditierte zehn Minuten lang und während dieser Zeit beobachtete ein junger Mann von achtzehn oder neunzehn Jahren die Meditation des Meisters und Tränen der Dankbarkeit strömten von seinen Augen über die Wangen. Dieser junge Mann schwamm im Meer der Freude und der Dankbarkeit, weil er nun diesen Meister von Angesicht zu Angesicht sehen konnte. Er hatte diesen spirituellen Meister fünf oder sechs Mal bei seinen Vorträgen gesehen und hatte schon immer den Wunsch gehegt, ein Schüler des Meisters werden. Er hatte einen Brief geschrieben, doch der Meister hatte ihm nicht geantwortet. Als er auf seinen Brief keine Antwort erhielt, war er der Meinung, er sei nicht für den Weg dieses Meisters geeignet und begann nach anderen Meistern Umschau zu halten und wurde schließlich ein Schüler von jemand anderem. Doch nun sah er in diesem Meister etwas von sich selbst, etwas, das ganz ihm gehörte. Er konnte seine innere Emotion nicht beherrschen und brach in Tränen aus.

Als der Anwalt diesen jungen Mann weinen und schluchzen hörte, wurde er wütend und sagte: „Verschwinde von hier. Du ruinierst meine Meditation. Der Meister will mir etwas sehr Hohes geben und alles, was du machst ist weinen. Lass uns alleine. Verschwinde von hier.“

Dem Meister tat der junge Mann sehr leid, da er wusste, dass der Junge äußerst aufrichtig war. Er schenkte ihm daher einen Blick voller Liebe und Mitgefühl. Der junge Mann warf sich auf den Boden zu Füßen des Meisters und er wurde vom Meister gesegnet.

Der junge Mann ging dann weg, und der Anwalt konnte wieder Frieden und Licht vom Meister empfangen. Diesmal war es dem Meister möglich, dem alten Mann weit mehr zu geben. Es lag nicht daran, dass der alte Mann größere Empfänglichkeit entwickelt hatte und auch nicht wegen seiner echten Spiritualität, sondern weil er nun wirkliche Verehrung und Bewunderung für den Meister empfand, da dieser in der Zwischenzeit Tausende von Schülern hatte.

Nach der Meditation ging der Anwalt zurück in den Raum, wo die anderen miteinander plauderten und sagte: „Heute habe ich wirklich etwas empfangen. Ich habe eine Erfahrung gehabt, die nicht von einer anderen Erfahrung übertroffen werden kann. Heute hat mir euer Freund, der Meister, wirklichen Frieden und grenzenloses Licht gegeben. Mein ganzes Leben lang habe ich mich nach Frieden gesehnt und unter dem Mangel an Frieden gelitten, doch heute habe ich diesen Frieden empfangen. Er hat mir seinen Frieden gegeben und diese Erfahrung wird immer in meinem Verstand und in meinem Herzen bleiben, zusammen mit meiner überfliesenden Dankbarkeit gegenüber dem Meister.“

Einmal mehr war der Meister betrübt, weil die Worte des Anwalts wiederum reine Täuschungen waren. Zweifellos hatte der Anwalt dieses Mal viel mehr vom Meister empfangen. Doch zu sagen, sein ganzes Wesen sei von Frieden und Licht überflutet und sein Herz fließe über von Dankbarkeit, war eine große Übertreibung. Der Meister sagte zu sich selbst: ‘Was soll ich mit diesem Menschen tun? Wenn er wirklich aufrichtig gewesen wäre, hätte ich so viel, so viel für ihn tun können.’ Der Meister fühlte sich wirklich traurig.

Vor seiner Frau und all seinen Freunden setzte sich der alte Anwalt unmittelbar dem Meister gegenüber und bat ihn: „Bitte, lege deine Hände auf meinen Kopf. Dies ist heute mein einziger Wunsch. Wenn du dies tust, werde ich fühlen, dass ich wirklich gesegnet bin und dass mein Leben von jemandem gesegnet worden ist, der im spirituellen Leben wirklich groß ist, von jemandem, der ein wahrer Botschafter von Frieden und Licht auf Erden ist.“

Der Meister war hilflos und legte seine Hände auf den Kopf des alten Mannes, obwohl er wusste, dass der Anwalt seinen Segen eigentlich nur wollte, damit die anderen seine spirituelle Tiefe bewundern würden. Während der Meister seine Hände auf den Kopf des Anwalts legte, richtete er ungeheure Kraft auf ihn, damit er sofort große Aufrichtigkeit entwickeln würde. Der Meister machte ihn völlig aufrichtig und segnete ihn mit der inneren Liebe und dem Licht seines Herzens.

Diesmal sagte der Anwalt zu den Anwesenden: „Als ich euch vor fünfzehn Jahren sage, ich hätte unendliches Licht empfangen, übertrieb ich maßlos. Ich hatte sehr wenig empfangen. Als ich vor einige Minuten behauptete, ich hätte so viel erhalten, übertrieb ich wieder, obwohl ich viel mehr erhalten hatte als das erste Mal. Doch nun habe ich wirklich Frieden, Licht und Glückseligkeit in höchstem Maße erhalten. Diesmal spricht meine Aufrichtigkeit. Ihr könnt den Meister fragen, ob das, was ich sage, richtig ist.

Der Meister sagte: „Ja. Die Aufrichtigkeit hat im Schlachtfeld deines Lebenskampfes gewonnen.“

Und der alte Mann fügte hinzu: „Noch etwas: Mein Leben ewig wachsender Dankbarkeit hat über mein Leben schamloser Undankbarkeit triumphiert.“

16. September 1974

Das Geld-Mantra

Es gab einmal einen spirituellen Meister, der nur zehn oder zwölf Schüler hatte, wovon nur zwei oder drei wirklich strebsam waren. Er hatte eine bestimmte Schülerin, die immer sehr viel sprach. Sie pflegte dem Meister Ratschläge zu geben, wie er auf der materiellen Ebene sehr reich werden könne und sehnte sich selbst stets nach Geld und nach materiellem Reichtum.

Sie hegte auch sehr großes Interesse für äußere Schönheit, obwohl sie bereits die Fünfziger überschritten hatte. Sie wollte anderen immer zeigen, dass sie nicht alt sei, sondern recht jung. Manchmal wollte sie ihre eigenen Töchter an Schönheit übertreffen und wetteiferte mit ihnen. Die Töchter waren schockiert, dass ihre Mutter sich mit ihnen an Schönheit messen wollte. Manchmal lachten sie über ihre Mutter, manchmal zeigten sie ihr Mitgefühl.

Die Mädchen hatten einen Bruder, der in den Krieg ziehen musste, denn das Land kämpfte gegen ein anderes Land. So weinte die Mutter des öfteren und bat den Meister: „Bitte, bitte, rette meinen Sohn. Mein Sohn ist im Krieg. Mein sehnlichster Wunsch ist es, dass er gesund zurückkehrt!“

„An dem Tage, an dem ich dich angenommen habe, habe ich auch alle deine Probleme angenommen“, erwiderte der Meister, „sorge dich deshalb nicht. Dein Sohn wird sicher zurückkommen, wenn der Krieg zu Ende ist.“

Der Krieg endete und der Sohn kam gesund zurück. Die Mutter war dem Meister äußerst dankbar. Der Meister war glücklich, nicht weil sie dankbar war, sondern weil er sein Wort hatte halten können. Der Sohn war sicher zurückgekommen.

Doch diese Frau hegte den Wunsch reich, sehr, sehr reich zu werden. Sie wollte sich mit ihren Freundinnen messen, die wirklich reich waren und bat daher den Meister um ein spezielles Mantra. Eine andere Schülerin, die zufällig zugegen war, sagte: „Wenn der Meister wirklich ein besonderes Mantra hätte, glaubst du nicht, dass er es angewendet hätte, um sich selbst zu bereichern? Er könnte das Geld so dringend für materielle Dinge gebrauchen.“

Der Meister lächelte ihr zu und sagte: „Ja, du hast recht.“ Eine andere Schülerin stand auf und sagte: „Oh nein. Es liegt unter seiner Würde, zu Gott um Geld zu beten. Gott hat ihm inneren Reichtum gegeben und innerer Reichtum ist wichtiger. Äußerer Reichtum ist für spirituelle Meister nicht notwendig. Deshalb bittet er nicht darum. Obwohl er selbst kein Geld braucht oder sich nicht dafür interessiert, kann er es jemand anderem geben, falls er mit dem Betreffenden zufrieden ist. Wenn jemand materiellen Reichtum braucht und will, dann gibt ihm der Meister vielleicht ein solches Mantra.“

Der Meister schenkte ihr sein breitestes Lächeln und sagte: „Das ist völlig wahr. Ich kenne gewisse Mantren, welche die Macht haben, materiellen Reichtum zu schenken. Wenn es der Wille des Supreme ist, werde ich diese Mantren geben. Sie sind von vielen Menschen gebraucht worden und diese Personen waren alle erfolgreich damit, vorausgesetzt, sie wiederholten die Mantren aufrichtig und ergeben. Die Meister ihrerseits legen zusätzliche spirituelle Kraft in diese Mantren, sonst haben die Leute keinen Glauben an sie und betrachten sie als gewöhnliche Worte ohne jegliche Kraft. Die Meister hauchen diesen Mantren durch ihr eigenes spirituelles Licht Leben ein. Wenn sie diese Mantren weitergeben, können die Leute sehr reich werden. Wenn Gott will, dass ich jene bestimmten Mantren gebe, kann ich sie geben. Wenn nicht, werde ich sie nie, nie geben können.“

Die besagte Dame faltete sofort ihre Hände und sagte dem Meister vor allen anderen: “Meister, Meister, ich bin dir so dankbar. Du hast meinen Sohn sicher nach Hause gebracht. Du weißt, wie ich innerlich und äußerlich zu dir gebetet habe, mich reicher zu machen. Und ich bin ja so aufrichtig, das weißt du. Ich schäme mich nicht, vor allen anderen für diese Dinge zu bitten. Schau auf meine Aufrichtigkeit. Betrachte mein Bedürfnis.

Wie du weißt, gebe ich dir gegenwärtig fünf Dollar in der Woche. Ich verdiene fünfzig Dollar in der Woche und gebe dir davon fünf. Wenn ich reich wäre, werde ich dir denselben Prozentsatz geben. Ich werde dir immer zehn Prozent meines Einkommens geben. Mach mich also reich, Meister, mach mich reich und ich werde auch dich reich machen. Ich weiß, dass du nicht gerne in der äußeren Welt arbeitest und warum solltest du? Doch um ein richtiges Leben zu führen, brauchst du auch materielle Dinge. Mach mich also bitte reich, Meister, mach mich reich! Ich bin eine Sekretärin und dekoriere gerne Häuser. Gewisse Leute nennen mich eine Innenausstatterin, obwohl ich das eigentlich nicht bin. Doch durch deine Gnade kann ich vieles tun. Wenn du mir das Mantra gibst, werde ich zweifellos reich werden und meinen Beruf als Sekretärin und Dekorateurin aufgeben. Ich werde ganz und gar spirituell werden. Ich werde immer beten und meditieren.“

„Warum brauchst du denn Geld?“

„Ich brauche ein großes, gut ausgestattetes Haus, damit ich mir keine Sorgen machen muss“, antwortete ihm die Frau. „Gegenwärtig muss ich sehr, sehr hart arbeiten, um Geld zu verdienen. Wenn ich viel Geld hätte, müsste ich nicht so hart arbeiten und könnte meine gesamte Zeit dem spirituellen Leben widmen. Das ist alles, was ich brauche. Ich möchte wirklich Gott. Doch bevor ich an Gott denken und zu ihm beten kann, brauche ich ein Minimum an Zeit. Und nur wenn ich Geld habe, werde ich Zeit haben.“

Der Meister sagte: „Gut. Komm mit mir und ich werde dir dieses Mantra geben.“

Sie sagte: „Ich bin dir so dankbar, Meister, für all das, was du bereits für mich getan hast. Doch wenn ich wirklich reich werde, werde ich dir zutiefst und ewig dankbar sein.“

#Manche Anwesenden lachten, während andere sehr eifersüchtig wurden. Der Meister sagte: „Mein inneres Wesen sagte mir, ich soll dir dieses Mantra geben. Und so gebe ich es dir. Lasst uns sehen, was geschieht.“

So erhielt sie das Mantra ganz privat und nach drei Wochen gewann sie 23.000 Dollar in einer Lotterie. Danach verbrachte sie sechs Monate lang damit, um die Welt zu reisen und darüber nachzudenken, was sie mit ihrem Geld tun könne. Wenn sie jedoch auch nur daran dachte, zehn Prozent dem Meister zu geben, lief sie wortwörtlich in Gefahr, in Ohnmacht zu fallen.

Ihre Töchter hatten ihr Versprechen mitbekommen und erinnerten sie daran. Sie sagten: „Bitte gib dem Meister wenigstens ein wenig Geld, denn du hast ja sein Mantra wiederholt.“

„Was ist das für ein Mantra?“ sagte die Mutter. „Es ist nur ein Wort oder zwei. Haben jene Worte irgendwelchen Wert?“ „Die Worte haben vielleicht keinen Wert, doch vielleicht war es die Kraft, die er in das Wort gelegt hatte, um dich den Preis gewinnen zu lassen.“

„Nein, nein. Das ist nicht wahr. Das ist völlig falsch. Es war mein Schicksal. Gott war mir gut gesinnt, deshalb habe ich es bekommen. Es war einfach Glück. Es hatte nichts mit dem Meister, nichts mit dem Mantra zu tun.“

Die Töchter sagten: „Du bist ja undankbar.“ Die Mutter wischt ihnen eins aus und sagte: „Ihr wollt mich über Dankbarkeit und über Undankbarkeit belehren? Ich weiß, was er für mich getan hat. Er hat meinen Sohn gerettet, das ist wahr. Er war so nett, so zuvorkommend zu mir. Er tröstete mich, wenn ihr Mädchen mir Probleme bereitete. Zu jener Zeit war ich ihm dankbar. Diesmal jedoch war es nicht sein Mantra, das mir das Geld gebracht hat, es war Gott allein. Darum brauche ich ihm nicht dankbar zu sein. Ich bin nur Gott dankbar und ich bin den Leuten dankbar, die für die Lotterie verantwortlich sind und mir das Geld gegeben haben. Sie verdienen meine Dankbarkeit, nicht der Meister. Ich brauche ihm gegenüber überhaupt nicht dankbar zu sein.“

Es erübrigt sich hinzuzufügen, dass sie den Meister verließ. Ebenso verließ sie ihren Sohn und ihre Töchter.

16. September 1974

Dankbarkeit erhalte ich, wenn ich sie nicht verdiene und

Undankbarkeit erhalte ich, wenn ich sie nicht verdiene.

Es gab einen spirituellen Meister, der nur sehr wenige Schüler hatte. Eines Tages kam einer seiner jungen Schüler traurig und deprimiert zu ihm. Als der Meister ihn nach dem Grund seiner Traurigkeit fragte, antwortete der junge Mann: „Ich habe genug von meiner Schwester Reva. Sie belästigt mich ständig. Sie hat einen Freund, der ein Taugenichts ist. Er hat viele Freundinnen und meine Schwester ist eine von ihnen. Wenn er sie vernachlässigt, fühlt sie sich traurig und deprimiert. Dann erzählt sie mir ihre ganzen pathetischen Geschichten. Natürlich habe ich vollstes Mitgefühl für sie, doch mein Mitgefühl kann ihre Probleme in keiner Weise lösen. Ich habe sie des öfteren gebeten, diese nutzlose Freundschaft aufzugeben, doch es fällt ihr sehr schwer, meinen Rat anzuhören. Gleichzeitig fällt es mir sehr schwer, all ihren Geschichten über ihren Freund zuzuhören. Du weißt, Meister, wie diese Geschichten mein Bewusstsein herabziehen. Sie ruinieren buchstäblich mein inneres Streben. Meister, bitte rette mich vor meiner Schwester und rette meine Schwester vor ihrem Freund.“

Der Meister fragte den Schüler: „Sag mir, Gokul, ist der Freund deiner Schwester sehr reich?“

„Ja Meister, er ist sehr reich, er kommt aus einer sehr reichen Familie. Doch ich glaube nicht, dass sie sich wegen des Geldes nach ihm sehnt.“

„Was ist dann der Grund?“ fragte der Meister.

„Nun, er besitzt viele gute Eigenschaften. Er besitzt ein sehr gutes Herz. Er hat ein Lehramt an einer Universität und ist sehr intelligent. Kürzlich hat er einen akademischen Preis für englische Literatur gewonnen.“

Der Meister sagte: „Ich verstehe, ich verstehe.“ Dann schloss der Meister seine Augen und konzentrierte sich einige Minuten lang. Als er seine Augen wieder öffnete, sagte er: „Ich kann ganz klar erkennen, dass deine Schwester diesen jungen Mann erhalten wird. Innerhalb eines Jahres werden sie heiraten und deine Schwester wird unserem Ashram eine große Summe Geld geben.“

„Aber meine Schwester interessiert sich weder für dich noch für das spirituelle Leben“, erwiderte Gokul.

„Zugegeben, sie interessiert sich weder für das spirituelle Leben noch für mich, doch sie wird denken, ich sei dafür verantwortlich, dass sie diesen jungen Mann erhalten hat, obwohl ich dir offen sage, dass ich in dieser Beziehung nichts machen werde. Ich bin nicht in die Welt gekommen, um solche Dinge zu tun. Ich sage dir nur, was ich okkult sehe.“

„Doch Meister, gewöhnlich misst du Voraus­sagungen keine Bedeutung zu. Warum sagst du heute etwas voraus? Ich bin dir natürlich zutiefst dankbar dafür.“

„Richtig mein Sohn, ich messe Voraussagungen keine Bedeutung zu. Doch jede Regel erlaubt Ausnahmen. Hier ist eine ungewöhnliche Ausnahme.“

„Meister, bitte erkläre mir, warum du von Voraussagungen nichts hältst.“

„Gokul, du hast keine Ahnung, wie viele Probleme Vorhersagen schaffen können. Wenn du meine Bücher liest, wirst du viel darüber erfahren. Doch du weißt, dass ich dies nicht deshalb voraussage, weil deine Schwester mir in der Zukunft Geld geben wird, sondern einfach deshalb, weil sie wegen ihres Freundes soviel gelitten hat. Es ist ein Akt göttlicher Gnade, um den mich ihre Seele gebeten hat. Deshalb erfülle ich die Bitte ihre Seele. Geh nach Hause und sage deiner Schwester, dass sie diesen Mann definitiv erhalten wird. Innerhalb einer Woche wird sie von ihm hören und von dann an werden sie einander sehr, sehr nahestehen und werden schließlich heiraten.“

Gokul rannte nach Hause. Als er nach Hause kam, fand er seine Schwester traurig und deprimiert im Wohnzimmer sitzend, auf ein Bild ihres Freundes schauend. Ihr Bruder überbrachte ihr die freudige Botschaft des Meisters.

Reva war überglücklich, als sie die Botschaft des Meisters von Gokul vernahm. Sie sagte ihrem Bruder: „Ich sage dir, an dem Tag, an dem wir heiraten, werde ich deinem Meister zehntausend Dollar geben. Obwohl er dir gesagt hat, dass er nichts mit unserer Heirat zu tun hat und keine spirituelle Kraft anwenden wird, um unsere Heirat herbeizuführen, so sagt mir mein Gefühl im Herzen, dass er zweifellos etwas tun wird. Ich glaube nicht, dass ich sonst je diesen Freund als zukünftigen Gatten erhalten würde.“

Gokul sagte: „Reva, ich kann dir nur eines sagen: die Voraussage meines Meisters kann nie falsch sein.“

Reva sagte: „Ich weiß, ich weiß, ich kann es fühlen.“

Als Gokul am folgenden Tag zum Ashram des Meisters ging, war sein Herz überglücklich, weil er dank der Gnade seines Meisters seine Schwester glücklich machen konnte. Doch als er dem Meister über das Versprechen seiner Schwester erzählte, bemerkte er zu seiner größten Überraschung, dass der Meister sehr traurig wurde. Er fragte seinen Meister, warum er so traurig und deprimiert sei.

Sein Meister antwortete: „Ich werde zwar zweifellos das Geld deiner Schwester erhalten, doch ich werde dich dabei verlieren.“

Gokul war zutiefst getroffen durch diese düstere Voraussage seines Meisters. „Wie kann das sein? Ich werde dich nie aus eigenem Antrieb verlassen, Meister und ich hoffe, du wirst mich nie bitten, dich zu verlassen.“

Der Meister sagte: „Ich sehe, dass es vorausbestimmt ist. Doch vergessen wir es für den Augeblick. Ich möchte nicht jetzt an meinem zukünftigen Verlust leiden. Alles ist vorausbestimmt – was kann ich tun?“

„Meister, ich bin sicher, du machst einen Spaß mit mir. Das kann nie wahr sein.“ Der Meister schenkte ihm ein breites Lächeln.

„Ich wusste es, ich wusste es“, sagte Gokul zum Meister, „du hast nur Spaß mit mir gemacht.“

Sieben Monate später heirateten Reva und der Professor. Reva vergaß nicht, ihr Versprechen an ihren Bruder zu erfüllen. Sie hatte ihrem Mann bereits viele, außerordentliche Dinge über den spirituellen Meister ihres Bruders erzählt. Nach der Hochzeit sagte der Professor zu seiner Frau: „Wer weiß, vielleicht werden wir uns beide eines Tages für das spirituelle Leben interessieren. Gegenwärtig sind wir dafür nicht bereit, doch auch ich habe das starke Gefühl, dass der Meister deines Bruders für unsere Heirat verantwortlich ist. Ich kann dir offen sagen, dass ich, nachdem der Meister deinem Bruder über unsere Zukunft erzählt hatte, eine besondere Art von Liebe für dich entwickelt habe. Langsam, langsam entwickelte sich meine Liebe für dich in einem solchen Maße, dass ich alle meine anderen Freundinnen beiseite ließ. Nun sind wir eins geworden, untrennbar eins. Ich bin sicher, das ist alles sein Werk. Ich bin diesem spirituellen Meister zutiefst dankbar.“

Reva war vor Freude überwältigt und sagte ihrem Mann: „Lass uns mein Versprechen an diesen spirituellen Meister halten.“

Der Professor sagte: „Natürlich. Heute haben wir geheiratet; ich werde das Geld holen und dann werden wir es deinem Bruder geben, damit er es seinem Meister überbringen kann. Benutzen wir diese Gelegenheit, um diese zehntausend Dollar zu Gokuls Meister zu bringen und dein Versprechen zu erfüllen.“

Sie übergaben das Geld Gokul. Doch ach, ein ungött­licher Gedanke drang in seinen Verstand ein. Die Versuchung überwältigte ihn. Er hatte noch nie in seinem Leben zehntausend Dollar in bar gesehen. Er sagte zu sich: „Der Meister hat es mir gegenüber sehr klar ausgedrückt, dass er mit dieser Heirat nichts zu tun hat. Es war eine reine Voraussage; deshalb verdient er dieses Geld nicht. Ich brauche jedoch dringend Geld. Ich werde ihm fünftausend Dollar geben und die anderen fünftausend werde ich für mich behalten. Denn schließlich war ich es, der ihm über meine Schwester erzählt hat. Ohne mich hätte er meine Schwester nie kennen gelernt. Die Prophezeiung wäre nie zustande gekommen und er hätte die zehntausend Dollar von meiner Schwester und ihrem Mann nie erhalten. Ich habe einen guten Plan. Ich gehe mit diesem Geld in ein Land weit weg und eröffne ein lukratives Geschäft. Nach einigen Jahren gebe ich meinem Meister nicht zehntausend Dollar, sondern einhunderttausend Dollar. Wenn ich dies nun dem Meister sage, wird er natürlich nicht in meinen Plan einwilligen; deshalb gehe ich am besten einfach weg, ohne ihn überhaupt zu treffen.“

Gokul entschied sich, sofort zu verreisen. Er flüchtete in ein Land Tausende von Kilometern weg von seinem Heim, um dem Meister, seiner Schwester und ihrem Mann zu entfliehen.

Der Meister hatte von Gokul selbst erfahren, an welchem Tag seine Schwester heiraten würde. Obwohl der Meister mit seiner okkulten Schau sah, dass es für Gokul ein schicksalsschwerer, wenn nicht fataler Tag war, erwartete er, dass Gokul zu ihm käme, um ihm zumindest ein paar gute Nachrichten zu überbringen. Er hatte ihn bereits gewarnt: „Um der Schwester einen Gefallen zu tun, verliere ich den Bruder.“

Am selben Tage hatte jedoch der Professor eine besondere Erfahrung. Am Abend seines Hochzeitstages wollte der Name des Meisters nicht mehr von ihm weichen. Es war ein süßes Gefühl in ihm, für das er keine Erklärung geben konnte. Es war ihm ohne jeden Zweifel klar, dass er inneren Frieden und Licht fühlte. Am folgenden Tag sagte er zu seiner Frau: „Reva, ich muss heute Gokuls spirituellen Meister besuchen gehen. Ich erhalte soviel innere Freude und inneren Frieden. Ich bin sicher, es kommt alles von ihm. Ich möchte hingehen und ihm persönlich die tiefste Dankbarkeit meines Herzens schenken.“

Reva sage: „Ich glaube dir, ich glaube dir. Ich möchte auch mit dir kommen.“

So gingen beide zusammen zum spirituellen Ashram des Meisters. Der Professor sagte zum Meister: „Verehrter Meister, als Zeichen unserer tiefsten Dankbarkeit sandte ich dir gestern ein kleines Geschenk durch Gokul. Heute sind wir gekommen, um dir für das, was du für uns getan hast, die tiefste Dankbarkeit unseres Herzens anzuerbieten.“

Der Meister sagte zu ihnen: „Gokul? Wo war Gokul gestern? Er kam nicht zu meinem Haus. Ich dachte, er sei bei eurer Hochzeit sehr beschäftigt und hätte keine Zeit gehabt.“ Reva und ihr Mann waren beide zutiefst erstaunt, dies zu hören. Sie konnten nicht glauben, dass Gokul so unaufrichtig war. „Gokul, mein Bruder Gokul ist mit unserem Geschenk nicht zu dir gekommen? Wir müssen ihn suchen!“ rief Reva.

Der Meister sage: „Warte, Reva, lass mich konzentrieren. Ich werde meine okkulte Kraft gebrauchen und herausfinden, wo er ist.“ Der Meister konzentrierte sich einige Minuten lang und sagte dann: „Ach, ach, er befindet sich in diesem Augenblick auf dem Weg nach Indien. In ein paar Stunden wird er in Indien ankommen. Er hat das Gefühl, ich verdiene dieses Geld nicht, weil ich nichts für euch getan hätte; ich hätte ja nur eine Voraussage gemacht. Er hat das Gefühl, er selbst verdiene das Geld, weil er mir über deine Probleme erzählt hat und mich in die Lage versetzt hat, diese Voraussage zu machen. Er rechtfertigt sein Benehmen dadurch, dass er sich sagt, ich werde ihm in späteren Jahren viel dankbarer sein, wenn er mir von seinem Geschäft in Indien viel mehr als zehntausend Dollar überbringen wird.“

Der Professor und seine Frau konnten ihren Ohren kaum glauben. Doch gleichzeitig konnten sie auch am spirituellen Meister nicht zweifeln. Einige der Schüler, die zugegen waren und dieser erstaunlichen Geschichte zuhörten sagten: „Bist du sicher, Meister? Das ist ganz und gar nicht Gokuls Art.“

Der Meister wurde wütend und sagte: „Ihr Taugenichtse! Ihr seid bereits seit vielen Jahren bei mir, einige von euch sind zehn Jahre bei mir und zweifeln immer noch an mir. Schaut hingegen auf diese Neulinge! Sie haben unseren Weg nicht einmal angenommen, sie sind heute zum ersten Mal gekommen. Schaut, wie selbstverständlich sie mir geglaubt haben. Wie aufrichtig sie mir geglaubt haben. Ich kann euch sagen, es hängt nicht davon ab, wie viele Jahre ihr bei mir seid oder wie spirituell entwickelt und reif ihr seid. Jeden Augenblick kann euch die Versuchung packen. Seht nur Gokul. Er hat mich verlassen. Die Macht des Geldes, die Macht der Versuchung hat ihn von mir weggerissen. Und was euch Toren betrifft – euer fehlender Glaube wird auch euch bald wegreißen.“

Alle protestierten heftig: „Nie, nie, nie, Meister!“

„Ihr wisst genau, was ich Gokul gesagt habe – dass ich ihn verlieren würde, wenn der schicksalsträchtige Tag kommen würde. Und nun seht ihr, dass ich ihn wirklich verloren habe. Genauso werde ich auch euch verlieren. Doch ich bin nicht der wirkliche Verlierer. Ihr werdet die wirklichen Verlierer sein, genau wie Gokul. Ich weiß, wer ich bin.“

Reva und ihr Mann fielen zu Füßen des Meisters und sagten: „Meister, Meister morgen werden wir dir noch einmal zehntausend Dollar bringen. Und wenn es dein Wille ist, dass wir versuchen Gokul zurück zu bringen, werden wir unser Bestes versuchen. Wenn wir Erfolg haben und ihn finden, wird alles Geld dir gehören, das er noch nicht ausgegeben hat.“

Der Meister entgegnete: „Das ist unmöglich; ihr werdet Gokul nie wieder zurückbringen können. Gokul wird nicht aus eigenem Antrieb zurückkommen und ich möchte auch nicht, dass er in irgendeinem Fall zurückkommt. Es wird euch nicht gelingen, ihn zurück zu bringen und ich werde nicht in der Lage sein, ihn wieder annehmen zu können. Ihr könnt weiter nichts tun. Dieses Kapitel seines Lebens ist vorbei. Ich möchte nicht einmal, dass ihr nach ihm sucht – es ist eine traurige Geschichte.

Doch ich bin sehr glücklich über euch beide. Ihr werdet in eurem Eheleben beide glücklich sein. Ich weiß, dass ihr zwei unseren Weg annehmen werdet und ich versichere euch, dass ich euch nicht wegen eurem Geld annehmen werde, sondern wegen eurem inneren Streben und inneren Glaubens. Sogar bevor ihr meinen Weg angenommen habt, habt ihr so aufrichtig an mein inneres Wissen geglaubt. Als ich Reva sagte, dass ihr zwei heiraten würdet, hat sie mir völlig geglaubt und noch vor ein paar Minuten, als ich euch vor allen meinen Schülern über Gokul erzählte, seid ihr beiden die Einzigen gewesen, die mir geglaubt haben. Schaut diese nutzlosen Leute an! Und einige von ihnen sind bereits sieben Jahre oder zehn Jahre mit mir zusammen. Ach, ach, dies ist mein Schicksal. Dankbarkeit erhalte ich, wenn ich sie nicht verdiene und Undankbarkeit erhalte ich, wenn ich sie nicht verdiene. Zumindest halten sich die beiden so ziemlich die Waage.

23. September 1974

Vorwort

Dieses Buch enthält die ersten Geschichten einer Serie, die Sri Chinmoy über das Thema Dankbarkeit und Undankbarkeit verfasst hat.

Die Begebenheiten dieser Geschichten basieren teilweise auf Erfahrungen die er mit seinen eigenen Schülern gemacht hatte. Teilweise sind es auch Geschichten, von denen er wusste, dass andere Meister diese Erfahrungen mit ihren Schülern gemacht haben.

So bemerkenswert manche von diesen Geschichten erscheinen, sie sind alle Teil der täglichen Erfahrungen eines wahren spirituellen Meisters, dessen grenzenloser Liebe und dessen uneingeschränktes Mitgefühl gegenüber der Menschheit manchmal mit Dankbarkeit belohnt wird, und manchmal jedoch auch mit beklagenswerter Undankbarkeit.

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