Zehn göttliche Geheimnisse

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Teil I — Zehn göttliche Geheimnisse

TDS 1-10. Am 6. Mai 1976, während einer Feier anlässlich seines Geburtstages, hatte Dulal Sri Chinmoy gebeten, einige seiner inneren Geheimnisse zum Nutzen der Schüler zu enthüllen. Die folgenden 10 Kapitel enthalten die Antworten die Sri Chinmoy auf diese Bitte hin gab.

Wunder

In der äußeren Welt ist ein Wunder etwas Besonderes, das uns als Mensch fasziniert. In der inneren Welt ist ein Wunder eine normale wirkliche Erfahrung. In der äußeren Welt erzeugt ein Wunder enorme Verwirrung im menschlichen Verstand. Es fasziniert den Verstand, beeinträchtigt jedoch gleichzeitig die spirituelle Wirklichkeit. In der inneren Welt ist jedes sogenannte Wunder nur ein Ereignis, ein Vorfall, eine Notwendigkeit, welche dazu dient, das äußere Leben zu erwecken, zu vervollkommnen und zu erfüllen, ohne dem Zweifel, der Angst, der Frustration und der Unreinheit zum Opfer zu fallen. Es gibt nicht einen einzigen Tag, an dem ich nicht unzählige Wunder in der inneren Welt vollbringe. Wenn ich aber etwas direkt und unmittelbar in der äußeren Welt tue, dann wird es zu etwas Erstaunlichem, etwas Fantastischem, zu etwas, das möglicherweise auch Probleme schafft. Dies ist eines der Geheimnisse.

Die Wirklichkeit der inneren Welt

Wenn ich singe oder ein Instrument spiele, bleibt meine Verwirklichung die gleiche, ganz gleich wie schlecht ich spiele oder singe, ganz gleich wie viele Fehler ich mache. Wenn ich spiele, lachen manche Schüler innerlich und andere schlafen einfach ein. Doch ihr solltet euch bewusst sein, dass auch dann, wenn ich in der äußeren Welt etwas tue, sich gleichzeitig unzählige Dinge in der inneren Welt ereignen. Jedes Mal, wenn ich etwas Bedeutungsvolles für die Menschheit tue, kommen die kosmischen Götter und die spirituellen Meister höchsten Ranges, um es zu würdigen. Ich bin ihr Bruder; ich bin eins mit ihnen. Wenn ich etwas tue, dann kommen sie und schätzen mein Schaffen.

Was soll ich aber mit den Menschen tun, die in der Welt der Unsicherheit, Unreinheit und Eifersucht leben? Soll ich sie als Wirklichkeit annehmen und die innere Welt als einen Traum? Oder soll ich sie als Traum sehen und die innere Welt als Wirklichkeit? Die innere Welt ist für mich viel realer. Wenn ich dich ansehe, dann sehe ich in dir den Supreme, den Höchsten, und ich sehe auch deine menschliche Unvollkommenheiten. Ich sehe das Wirkliche in dir, und zur gleichen Zeit sehe ich etwas anderes, das nicht wirklich ist. Ich sehe das Göttliche und das Menschliche. In jedem Menschen ist der gleiche Supreme, doch die äußere Erscheinung ist gänzlich verschieden.

Unsicherheit und Selbstzufriedenheit

Ich sage immer wieder, dass Unsicherheit sehr schlecht ist. Warum solltest du unsicher sein? Einssein ist die einzige Wirklichkeit. Derjenige, der Einssein mit Gott erreicht hat, besitzt keine Unsicherheit. Aber bis dieses Einssein erreicht ist, muss der Sucher sehr vorsichtig sein. Er muss immer daran denken, dass er hierher kam, um Gottes vollkommenes Instrument zu werden. Wenn er nicht zu einem vollkommenen Instrument Gottes wird und Gott nicht auf Gottes eigene Weise dient, wird die Erfüllung der Mission des Meisters ein Wunschtraum bleiben.

Jeden Tag und jede Stunde sollte der Sucher den Gedanken hegen: “Ich möchte zu einem vollkommenen Instrument werden.” Selbst wenn er in der äußeren Welt hoch angesehen ist, sollte er kein Gefühl von Selbstzufriedenheit hegen. Sobald der Sucher Selbstzufriedenheit hegt, wird er keine Anstrengungen unternehmen, um besser zu werden und wird so keinen Fortschritt machen.

Gott transzendiert Sich selbst jeden Augenblick. Unsere Rolle in Gottes Kosmischem Spiel liegt darin, uns bewusst zu werden, dass wir Vollkommenheit brauchen und uns dann um die Vollkommenheit zu bemühen, um die größt mögliche Vollkommenheit, welche sich stets immer weiter transzendiert. Wenn wir uns unsicher fühlen, weil wir unser Ziel noch nicht erreicht haben und weil wir immer noch unvollkommen sind, dann ist diese Art der Unsicherheit eine Hilfe. Wir sind unvollkommen, und wir wissen es, aber wir versuchen keinesfalls, die Unsicherheit anderer Menschen zu vergrößern. Solange wir diese Art der Unsicherheit hegen, werden wir jeden Tag versuchen Fortschritt zu machen, bis wir zu vollkommenen Instrumenten Gottes werden. Dieses Gefühl der Unsicherheit hilft uns. Wenn wir uns elend fühlen, weil Gottverwirklichung für uns in weiter Ferne liegt, dann wird unser nächster Schritt darin bestehen, unsere Bemühungen zu intensivieren, um Fortschritt zu machen.

Manche Schüler entwickeln Selbstzufriedenheit, weil sie von mir äußere Zu­neigung erhalten. Wenn sie nicht ständig ihr Verlangen nach Selbstvoll­kom­men­heit vergrößern, wird Vollkommenheit für sie unerreichbar bleiben.

Kämpfe in der inneren Welt

Vor einiger Zeit sahen wir Muhammad Ali während einer Sendung im Fernsehen beim Boxen zu. Eine meiner Schülerinnen fragte mich: „Wie kannst du bei solch einem Kampf zusehen? Es ist so brutal!“ Da erzählte ich ihr, dass zwei meiner Schüler einige Wochen zuvor in der inneren Welt gekämpft hatten, und dass ihr Kampf weitaus brutaler war. Ungefähr einen Monat zuvor hatte sie selbst mit jemandem in den vitalen Welten gekämpft. Wenn du in der äußeren Welt kämpfst oder boxt, dann brichst du dir vielleicht die Nase oder deine Schulter und musst dann mit dem Kampf aufhören. Doch wenn du in der inneren Welt kämpfst, insbesondere in der vitalen Welt, dann können deine inneren Fähigkeiten bleibenden Schaden erleiden oder gänzlich zerstört werden. Du kannst all deinen Glauben an deine innere Wirklichkeit, an Gott und an deinen Guru verlieren. Wenn der Zweifel deinen Glauben besiegt, dann ist das Ende des spirituellen Lebens nahe.

Wenn ich Schüler in der äußeren Welt kämpfen sehe, oder wenn sie eifersüchtig sind, dann ignoriere ich sie manchmal einfach. Im Vergleich zu dem, was in der inneren Welt geschehen kann, ist dies belanglos. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf die innere Welt. Mein ganzes Interesse gilt ihrem inneren Leben. Sobald ihr inneres Leben erleuchtet ist, wird ihre streitsüchtige Natur in kürzester Zeit umgewandelt werden.

Innere Arbeit

Es mag Leute geben, die der Meinung sind, dass ich beim Essen oder Sprechen mein spirituelles Leben vergesse. Doch ihr solltet wissen, dass ich in der inneren Welt viele Dinge gleichzeitig tun kann. Wenn jemand Auto fährt, dann macht er alles Mögliche zur gleichen Zeit. Er schaut geradeaus und wirft auch einen Blick in den Rückspiegel und zur Seite. Er gebraucht seine Hände und seine Füße, um das Fahrzeug zu bedienen und zur gleichen Zeit kann er sprechen oder Radio hören. Ein gewöhnlicher Mensch besitzt genügend Konzentrationskraft, um in der äußeren Welt mehrere Dinge gleichzeitig tun zu können. Ein Yogi kann all diese Dinge in der äußeren Welt tun und darüber hinaus gleichzeitig auf der inneren Ebene noch weit mehr Dinge erledigen. Ich gehe in der inneren Welt sehr weit nach oben, während ich in der äußeren Welt mit anderen spreche oder scherze. Dies ist ein weiteres Geheimnis, welches ich anbieten kann.

Die Seelen der Schüler nähren

Ob du es glaubst oder nicht – ich nähre jeden Tag die Seelen der Schüler. Es ist zwangsläufig die Pflicht einer Mutter ihren Kindern jeden Tag Essen zu geben, ganz gleich, ob die Kinder nun essen wollen oder nicht. Und genauso ist es auch meine Pflicht, meine göttlichen Kinder, die hier auf der Welt sind, und auch diejenigen, die von uns gegangen sind, zu ernähren. Ich gebe auch vielen anderen Menschen innere Nahrung, die nicht meine Schüler sind, die aber erkannt haben, wer ich bin.

Es gibt Zeiten, wo ich dich in meinem subtilen Körper besuche, während du schläfst. Wie eine Krankenschwester komme ich mit größtem Mitgefühl, um nach dir zu sehen, und zu schauen, ob alles in Ordnung ist und um sicherzugehen, dass keine falschen Kräfte in dir wirken. Wenn ich sehe, dass bei dir alles in Ordnung ist, gehe ich in Stille wieder. Viele Male siehst du mich, aber bevor du aufstehst, wirken andere Kräfte und du vergisst, dass ich da war.

Die Erfahrung meiner Anwesenheit kann drei bis vier Tage andauern. Doch es kann auch sein, dass die Erfahrung keine fünf Minuten anhält, wenn die Unwissenheit deinen Verstand wie eine dunkle Wolke verschleiert.

Schüler, die den Weg verlassen haben

Es gibt sehr viele Schüler, die unseren Weg verlassen haben, und einige habe ich auch gebeten, den Weg zu verlassen. Ich möchte sagen, dass jene, die uns verlassen haben, den einen Raum verlassen haben und in einen anderen Raum gewechselt sind. Ich habe zwei Räume, die mir gehören. Wenn jene nun in unserem Raum bleiben würden, dann würden sie die anderen, die hier sind, stören. Deshalb habe ich sie entweder innerlich oder äußerlich gebeten, in den Raum des universellen Herzens zu gehen. Der erste Raum ist für die wenigen Auserwählten, die sich von tiefstem Herzen nach Verwirklichung sehnen, die bereit sind, der Verwirklichung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Jene, welche die Fähigkeit haben, am schnellsten zu laufen, jene, welche den gleichen Standard haben, sollten zusammenbleiben. Beides, der Tiger und die Ziege sind Tiere, aber wie kann man einen Tiger und eine Ziege zusammen bringen?

Schüler, die gegangen sind, oder die ich gebeten habe, uns zu verlassen, bleiben nicht mit den wenigen Auserwählten in meiner Familie, aber sie bleiben definitiv in meinem universellen Herzen. Gibt es irgendetwas, das vom universellen Herzen getrennt ist? Nein, das gibt es nicht. Wie können wir dann behaupten, dass irgendjemand mein Herz verlassen hat?

Aber mein persönliches Herz, welches auch Unendlichkeit und Unsterblich­keit beherbergt, brennt darauf, jenen zu helfen, die noch in meinem Boot verweilen. Es ist bereit, euch Verwirklichung, Vollkommenheit und Zufriedenheit so schnell wie möglich darzubieten, während die anderen warten müssen. Sie gehören zur Ewigkeit. Euch aber winkt die Ewigkeit jetzt zu. Für euch hat Gottes Stunde geschlagen. Jene anderen werden das Ziel auch erreichen, doch ihr habt gelernt, die Zeit zu schätzen.

Das ewige Neusein des Lebens

Unsere Verwirklichung kennt kein Ende, unsere Manifestation kennt kein Ende. Es gilt stets neue Ziele zu erreichen oder in etwas Neues hineinzuwachsen. Jene, die nicht in ihrem Herzen leben, sind wie eine hängengebliebene Schallplatte. Sie fahren fort, immer wieder die gleiche Melodie der Unwissenheit zu spielen. Doch wenn wir wirkliche Sucher sind, müssen wir jeden Tag eine neue Aufnahme machen, ein neues Lied singen, eine neue Melodie entdecken. Jene, die in meinem Boot sind, die bewusst nach Höherem streben, singen jeden Tag ein neues Lied.

Der Umgang mit falschen Kräften

Weil die Schüler einige Dinge falsch gemacht haben, werden sie manchmal von falschen Kräften angegriffen. Wenn die Kräfte sie angreifen, dann leiden sie. Sie bitten mich dann um ein Gespräch. Sie denken, wenn ich mit ihnen spreche, wird alles vorbei sein. Aber ich habe innerlich entdeckt, warum sie leiden. Ich weiß, dass sich ihr Leiden verschlimmert, wenn ich ihnen äußerliche Aufmerksamkeit schenke. Was falsche Kräfte anbelangt, so habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass sie brutaler angreifen, sobald sie Liebe und Mitgefühl in der äußeren Welt sehen. Wenn diese Kräfte mich mit Liebe, Anteilnahme und Zuneigung in die äußere Welt kommen sehen, dann greifen sie extrem heftig an, weil sie sich sehr stark bedroht fühlen. Es ist wie eine letzte Anstrengung. Ihr Angriff ist so stark, dass sich das Opfer mit ihnen identifiziert und sich ihnen ausliefert. Der Schüler wird dann zu einem Instrument der falschen Kräfte und die Depression und Frustration nimmt zu. Dies ist viele Male geschehen. Wenn die depressive Person daraufhin um ein Gespräch bittet, gestehe ich ihr dies nicht zu, weil ich die Konsequenzen kenne. Ich weiß, dass die Person leidet, aber ich darf den zerstörerischen Aspekt nicht unterstützen. Deshalb behandle ich die Schüler in der inneren Welt mit größtem Mitgefühl, größter Liebe und Anteilnahme. Auch wenn es in der äußeren Welt den Anschein hat, als ob ich euch ignoriere, so solltet ihr euch bewusst sein, dass ich euch in der inneren Welt nicht ignoriere.

Wenn Depression und Frustration in eurem Leben eine große Rolle spielen, dann müsst ihr zumindest ein wenig Empfänglichkeit mitbringen, wenn ihr mein Licht empfangen möchtet. Mein Heilmittel könnt ihr gemäß eurer Empfänglichkeit empfangen. Was ist eure Empfänglichkeit? Eure Empfänglichkeit ist eure Fröhlichkeit. Wenn ihr depressiv seid besitzt ihr keine Empfänglichkeit. Dann kann äußerlich nichts dagegen getan werden. Wenn ein Patient tot ist, was kann der Arzt dann noch tun? Ganz gleich, wie viel Injektionen der Arzt ihm verabreicht, der Patient kann nicht geheilt werden. Nur wenn noch ein klein wenig Lebensenergie vorhanden ist, gibt es etwas Hoffnung. Wenn der Patient mit einem kleinen Funken Freude, welche spirituelle Lebensenergie ist, beginnt, dann wird euer Guru Arzt fähig sein, diese Freude sofort zu nähren. Selbst wenn ihr seit langer Zeit leidet, aber mit Freude zu mir kommt, kann ich eure Leiden heilen. Eure Freude ist wie eine Knospe, die erblühen möchte. Aber wenn da keine Knospe ist, wie wollt ihr dann eine Blüte erhalten? Deshalb müsst ihr mit Empfänglichkeit kommen. Wenn ihr innere Freude zeigt, dann bin ich bereit, euch innerlich und äußerlich zu helfen. Doch ohne eure Freude, werde ich in der gleichen Minute versagen, in der ich euch äußerlich zu helfen versuche und eure Depressionen werden sich unendlich verschlimmern. So müsst ihr etwas Fröhlichkeit mitbringen, um euch selbst zu retten.

Äußerlich versuche ich oft die Schüler auf ihre Art zufriedenzustellen, damit sie auch mich auf meine Weise zufriedenstellen können. Wenn ich sie zehn Mal auf ihre Weise zufriedenstelle, denke ich, dass sie mich zumindest einmal auf meine Weise zufriedenstellen können. Aber menschliche Bedürfnisse und Begierden kennen kein Ende. Je mehr ich versuche, meine Schüler zu erfreuen, desto mehr zwingen sie mich, sie zufrieden zu stellen. Ich denke, dass sie zumindest wie ein Gentleman handeln sollten. Wenn ich sie zehn Mal zufriedenstelle, dann sollten sie mich mindestens einmal zufriedenstellen. Stattdessen ziehen sie es lieber vor, der Unwissenheit zu gefallen, als mich ein einziges Mal zufriedenzustellen.

Würden sie mich zufriedenstellen, dann würden sie die Fähigkeit erlangen, sich dem Licht, Mitgefühl und der Freude zu öffnen. Statt dessen sagen die Schüler: „Du hast nicht mit mir gesprochen, Du machst viele Dinge falsch. Du hast jemand anderen angelächelt und mich eifersüchtig gemacht. Du handelst falsch, lässt mich leiden und schaust dann einfach nur zu. Du sitzt einfach da, malst, oder spielst Flöte. Du hältst uns zum Narren und willst keine unserer Bedürfnisse erfüllen.“ Wenn die Schüler dies fühlen, was kann ich da tun? Ich bin dann hilflos.

Erfüllung von Wünschen

Ich bin nicht auf diese Welt gekommen, um eure Wünsche zu erfüllen. Ich bin gekommen, um den göttlichen Willen zu erfüllen. Wenn ihr Wünsche habt, dann seid ihr für die Erfüllung dieser Wünsche verantwortlich. Ich möchte euch aber sagen, das jene, die das innere Leben aufgegeben haben, um ihre Wünsche zu befriedigen, nur Frustration entdeckt haben. Entweder waren sie nicht fähig, ihre Wünsche und Begierden zu befriedigen, oder sie fanden heraus, dass das Erfüllen ihrer Wünsche ihnen nicht die wahre Zufriedenheit gebracht hat. Deshalb sollten wir weise sein und einen anderen Weg gehen. Ich bin euer spiritueller Lehrer. Früher habt ihr auf euren Verstand gehört und seid enttäuscht worden. Doch das Herz ist die wahre Wirklichkeit. Ihr seid auf der Suche nach Licht, habt es aber noch nicht gefunden. Das Herz hat euch geraten, meine Führung anzunehmen. Wenn ihr etwas machen möchtet, der Lehrer euch aber rät, es nicht zu tun, dann solltet ihr es unterlassen. Wenn ich euch gewisse Dinge nicht erlaube, dann deshalb, weil es Gottes Wille ist. Ihr seid mit einem uralten Gebrechen zu mir gekommen: Unwissenheit. Gebt mir einfach die Chance euch zu heilen. Unwissenheit beherrscht euch seit Jahrtausenden, weil ihr versucht habt, eure Wünsche zu befriedigen. Versucht von nun an euer inneres seelenvolles Streben zu befriedigen. Gottes Stunde wird zweifellos kommen.

Diese höchsten Geheimnisse sind mein Geschenk an euch. Es sind echte, innere Geheimnisse, und ich denke, sie werden euch in eurem inneren Leben helfen. Wenn euch diese Geheimnisse nicht bewusst sind, versucht sie euch bewusst zu machen. Andere innere Geheimnisse werden für euch schwierig zu verstehen sein. Sie sind zwar wahr, aber sie werden euch auf keine Weise helfen. Wenn alle Schüler auf die Geheimnisse hören würden, die ich gerade erzählt habe, wären sie fähig, am schnellsten zu laufen. Ansonsten laufen sie Gefahr, zu stolpern und auf die Straße zu fallen.

Teil II — Vortrag

Jeder Augenblick ist eine Gelegenheit1

Jeder Augenblick ist eine Gelegenheit. Jeder Augenblick während einer Meditation bietet die größte Gelegenheit, ganz gleich in welchem Bewusstsein ihr während des restlichen Tages seid oder selbst bevor ihr in den Meditationsraum kommt. Es hilft rein gar nichts, wenn ihr eine andere Person, die ganze Welt oder euch selbst tadelt, wenn eure Meditation wegen diesem oder jenem nicht gut war. Der Höchste klopft während jeden Augenblicks der Meditation an die Türe eures Herzens. Er steht vor eurer Herzenstüre und klopft an, damit ihr Ihm öffnen könnt. Haltet ihr die Tür geschlossen, dann geht Er einfach wieder.

Jeder Augenblick eures Lebens ist wichtig, aber jede Sekunde während der Meditation ist von absoluter und äußerster Wichtigkeit. Wenn ihr Depression, Frustration, Ärger, Unsicherheit, Eifersucht, Unreinheit, ungöttliche Gedanken, ungöttliche Ideen oder ein Leben ohne spirituelles Streben habt, so müsst ihr all diese Dinge während der Meditation in den Mitleids-Ozean des Höchsten werfen. Sonst werdet ihr zum höchst bedauernswerten Verlierer.

Sobald ihr das spirituelle Leben angenommen habt, müsst ihr äußerst weise handeln. Es gibt viele, viele Menschen auf der Welt, die das spirituelle Leben nicht angenommen haben. Sie wissen nicht und sie werden niemals, niemals wissen, was eine göttliche, eine höchste Gelegenheit ist. Jeder Augenblick während der Meditation ist eine goldene Gelegenheit und zugleich eine innere Prüfung. Wenn ihr diese innere Prüfung nicht besteht, dann werdet ihr praktisch derselbe unentwickelte, uner­leuchtete Mensch bleiben, ganz gleich wie viele Jahre ihr mit eurem Meister zusammen seid oder wie viele Male ihr auf diese Welt kommt.

Als Sucher solltet ihr fühlen, dass ihr außerordentliches Glück gehabt habt, weil ihr in einem göttlichen Boot seid. Ihr solltet euch noch unendlich glücklicher fühlen, weil der Höchste Führer unendliches Mitgefühl und Anteilnahme für euch bereit hält. Er steht unter keiner Verpflichtung zu geben, aber aus Seiner unendlichen Freigebigkeit heraus gibt Er bedingungslos. Wenn ihr nicht ohne Vorbehalt annehmt, was Er gibt, dann wird nichts fähig sein, euch zu helfen, euch zu schützen, euch zu erleuchten oder euch zum anderen Ufer zu bringen. Wenn ihr wegen Angst, Sorge, Depression, Frustration, Ärger, Furcht und allen anderen negativen Eigenschaften vergesst, die wertvollste Sache – sowohl auf dieser Erde als auch im Himmel – nämlich das Mitgefühl des Höchsten, des Supreme, zu schätzen, dann werft ihr ein unvergleichliches göttliches Geschenk weg.

Außer dem unendlichen Mitgefühl unseres geliebten Supreme wird nichts im Leben eines Suchers dauerhaft sein. Wenn ihr dieses unendliche Mitgefühl empfangen könnt, dann wird für euch die Himmelstür weit offen stehen, wenn ihr euren Körper verlasst. Aber wenn ihr dieses Mitgefühl missbraucht, dann werdet ihr dem himmlischen Torhüter nichts vorweisen können. In den meisten Fällen missversteht oder ignoriert ihr das unendliche Mitgefühl und die unendliche Anteilnahme des Supreme. Entweder besitzt ihr nicht die Empfänglichkeit, sie zu fühlen, oder ihr achtet sie nicht.

Es ist das Mitgefühl des Supreme, das ihr in eurem Leben an die erste Stelle setzen müsst. Solange ihr das Mitgefühl des Supreme nicht achtet, wird die Dankbarkeitsblume in euch niemals erblühen. Und wenn ihr keine Dankbarkeit entwickelt, dann befindet ihr euch immer noch im Reich der Tiere. Achtet deshalb stets das höchste Mitgefühl des Supreme, das ständig von oben herabkommt. Wenn ihr es empfangen und schätzen könnt, wenn ihr es jederzeit in Ehren halten könnt, als etwas, das in eurem inneren und äußeren Leben ohne Gleichen ist, dann werdet ihr ein Leben höchster Zufriedenheit führen.

Name, Ruhm, irdischer Wohlstand und irdische Errungenschaften werden sich immer als nutzlos, nutzlos, nutzlos herausstellen, selbst für jene, die keine aufrichtigen Sucher sind. Der Tag wird kommen, an dem selbst ein ganz gewöhnlicher Mensch, der das spirituelle Leben nicht angenommen hat und es auch nie ernsthaft annehmen wird, ohne Zögern sagen wird, dass alle irdischen Errungenschaften nur in Frustration enden. Die Besitztümer und Errungenschaften die wir durch das Begierdeleben erhalten, werden schlussendlich immer in Frustration enden. Nur Eines hat die Fähigkeit, Erfüllung zu schenken und immer Erfüllung zu geben, und dies ist Einssein, bewusstes, dauerhaftes, vollständiges, uneingeschränktes und bedingungsloses Einssein mit dem Willen des Supreme.

Wer sagt, dass ihr den Willen des Höchsten nicht kennt? Gibt es jemanden, der den Willen des Supreme nicht kennt? Nein! Wenn ihr im Herzen verweilt, dann werdet ihr jeden Augenblick spüren, was Gottes Wille ist. Doch wenn ihr im Verstand verweilt, werdet ihr niemals, niemals fähig sein, den Willen des Supreme zu kennen. Ihr hegt vielleicht großartige Gedanken und hochfliegende Ideen, aber diese werden nicht den Willen des Supreme verkörpern. Sieg oder Niederlage, Annahme oder Ablehnung des Lebens sind nicht die letztendliche Wirklichkeit in den Augen des Supreme. Er lacht über unsere Annahme oder Ablehnung des Lebens, über unsere Siege und Niederlagen. Aber Er lächelt uns triumphierend zu, wenn Sein Wille zu unserem Willen wird. Wir müssen in der äußeren Welt nicht berühmt werden, um der Welt oder Ihm zu beweisen, dass wir Seine würdigen Instrumente sind. Er interessiert sich nicht für unseren weltlichen Status. Er interessiert sich nur für eines: unser dauerhaftes Einssein mit Seinem Willen.

Wir glauben, dass wir Bettler sind. Aber wir sollten wissen, dass der Supreme auch ein Bettler ist. Jeden Augenblick bitten wir Ihn, uns Millionen Dinge zu geben. Er aber bittet uns schlaflos, Ihm nur eines zu geben: unser seelenvolles, sich hingebendes Einssein. Dies ist sein einziger Wunsch. Ihr könnt sagen: „Warum muss Er uns bitten, wo Er doch alles hat und alles ist?“ Er bittet uns, weil Er fühlt, dass dies der einfachste, sicherste und wirkungsvollste Weg ist, die Menschheit näher zu Ihm zu bringen. Wenn Er Seine allmächtige Kraft benützt, um uns Ihm näher zu bringen, dann zerbricht Er uns nur in Stücke. Wenn Er uns jedoch Sein süßes Mitgefühl, das unendliche Fließen Seines Mitgefühls fühlen lassen kann, und wenn wir uns an dieses Mitgefühl erinnern, dann ist dies der gefahrloseste und sicherste Weg, unsere Hingabe hervorzubringen.

In jedem Augenblick könnt ihr die glücklichste Person sowohl im Himmel als auch auf der Erde sein. Das universelle Bewusstsein und das transzendente Bewusstsein können eure dauerhaften, erleuchtenden und erfüllenden Freunde sein, wenn ihr sie euer eigen nennen wollt. Ihr müsst dafür nur eines tun: gebt, was ihr habt und was ihr seid. Was ihr habt ist Bereitschaft, und was ihr seid ist Bereitwilligkeit. Eure Bereitschaft, vollständig und dauerhaft Sein Instrument zu werden und eure Bereitwilligkeit, von Ihm in jedem Augenblick auf Seine Art benutzt zu werden. Wenn ihr dies gebt, müsst ihr nichts anderes geben. Dann werdet ihr zu seinem unvergleichlichen, ewig unvergleichlichen Instrument werden.


  1. TDS 11. Sri Chinmoy gab den folgenden Vortrag am 5. Januar 1980 in Honolulu, Hawaii.

Teil III — Fragen & Antworten über die Ehe

TDS 12-39. Die folgenden Fragen wurden in der “Kirche aller Engel” in Manhattan, New York am 10. September 1976 beantwortet.

Frage: Was ist der spirituelle Zweck der Ehe?

Sri Chinmoy: Der spirituelle Zweck der Ehe ist zu zeigen, dass zwei leicht eins werden können, dass ein Gefühl von Trennung in Einheit und Einssein transformiert werden kann.

Frage: Was ist nach Ihrer Meinung die übliche Basis für die meisten Ehen?

Sri Chinmoy: Die meisten Ehen gründen entweder auf dem Bedürfnis, die Einsamkeit zu lindern oder auf dem Bedürfnis, das Verlangen des niederen Vitalen zu stillen. Einsamkeit muss das Menschliche in uns verlassen, deshalb ist in manchen Fällen Gesellschaft von größter Bedeutung. Und wenn das Verlangen des niederen Vitalen sehr stark wird, fühlen Menschen die unvermeidliche Notwendigkeit, es zu stillen.

Frage: Glauben Sie, dass es für ein Paar notwendig ist, sich standesamtlich trauen zu lassen?

Sri Chinmoy: Solange Menschen in Gesellschaft leben möchten, und solange die Gesellschaft etwas zum Wohlergehen der Welt zu sagen hat, ist standesamtliche Heirat sehr wichtig.

Frage: Was ist die Bedeutung der Heirat selbst, und was ist ihre innere Bedeutung?

Sri Chinmoy: Die äußere Bedeutung der Heirat ist Freude mit anderen, mit Verwandten und Freunden zu teilen. Die innere Bedeutung der Eheschließung liegt darin, den Verstand zu überzeugen, dass hier auf der Erde, wo Trennung die höchste Herrschaft inne hat, auch Einssein seine Rolle spielen kann.

Frage: Warum glauben Sie, dass die Ehe mit dem spirituellen Leben vereinbar ist?

Sri Chinmoy: Die Ehe mag im Einzelfall mit dem spirituellen Leben vereinbar sein – oder auch nicht. Es entscheidet die jeweilige Person, ob die Ehe mit seinem oder ihrem spirituellen Leben vereinbar ist oder nicht. Ein Sucher ist auf keinen Fall verpflichtet, eine Ehe einzugehen. Es hängt ganz von der Person ab. Zu behaupten, dass die Ehe mit dem spirituellen Leben vereinbar ist, bedeutet etwas zu behaupten, das in manchen Fällen möglicherweise weit von der Wahrheit entfernt sein mag. Es ist die individuelle Person, die entscheidet, ob die Ehe und das spirituelle Leben für ihn oder für sie zusammen passen oder nicht. In einer guten Ehe werden sofort zwei Augen zu vier Augen, werden zwei Arme zu vier Armen. Alles wird verdoppelt: Kraft, Bewusstsein, Wirklichkeit, Göttlichkeit, einfach alles. In einer schlechten Ehe wird alles geschwächt. Die Frustration wächst und letztendlich spielt Zerstörung ihre höchst unbarmherzige Rolle. Es gibt keine allgemeine Regel, die besagt, dass man im spirituellen Leben heiraten soll oder nicht. Es hängt ganz von der Entscheidung der Seele ab. Manche Seelen fühlen, dass sie in einer Ehe schneller Fortschritt machen, während andere fühlen, dass die Ehe eine Behinderung für ihren spirituellen Fortschritt sein würde. Gott und die individuelle Seele müssen die Entscheidung treffen, nicht der menschliche Verstand.

Frage: Was denken Sie, welchen Stellenwert nimmt die Sexualität im spirituellen Leben ein?

Sri Chinmoy: Zwei Sucher, die das spirituelle Leben angenommen haben und mehr Fortschritt machen möchten, müssen langsam und nach und nach das niedere Vitale reinigen. Es ist ein langsamer, stetiger, erleuchtender und überzeugender Prozess. Die Bewegungen des niederen Vitalen können so nach und nach in tiefere innere Ekstase transformiert werden.

Frage: Glauben Sie, dass Treue in der Ehe wichtig ist und wenn ja, warum?

Sri Chinmoy: Treue ist von überragender Wichtigkeit im ehelichen Leben. Wenn im Evolutionsprozess ein Wesen in das Reich der Menschen eintritt, dann muss dieses Wesen die Anforderungen des menschlichen Reiches erfüllen. Jedes Reich hat seine Regeln und Vorschriften. Das Pflanzenreich und das Tierreich haben ihre eigenen Regeln und Vorschriften. Entsprechend hat auch das Reich der Menschen seine Regeln und Vorschriften. Wenn jemand im Reich des Menschen – und nicht im Tierreich verbleiben möchte, dann ist Treue aus spiritueller Sicht von höchster Notwendigkeit.

Frage: Was halten Sie für die wichtigsten Eigenschaften einer Ehe, in der sich beide Partner spirituell entwickeln können?

Sri Chinmoy: Gemeinsamer Glaube, gegenseitige Liebe, gegenseitige Opfer­bereitschaft und gegenseitiges Selbstgeben sind die Grundlagen für eine erfolgreiche spirituelle Ehe.

Frage: Glauben Sie, dass für eine harmonische Ehe formelle spirituelle Übungen nützlich sind? Wenn ja, welche Art von Übungen würden Sie empfehlen?

Sri Chinmoy: Ja, es gibt einige spirituelle Übungen. Diese Übungen helfen den Suchern, Harmonie in ihre Ehe zu bringen. Dazu gehört Reinheit im Denken und im Handeln, sowie Geduld, sowohl im inneren als auch äußeren Leben, und immer mehr im liebenden Herzen als im zweifelnden Verstand zu leben. Dies sind die spirituellen Übungen, die eine Ehe unterstützen.

Frage: Was sollte die Einstellung eines Familienoberhauptes hinsichtlich den Arbeiten in der Welt sein?

Sri Chinmoy: Die Einstellung eines Familienoberhauptes sollte all-dienend und all-erleuchtend sein. Das Familienoberhaupt sollte fühlen, dass die äußere Welt nur eine Erweiterung seiner oder ihrer eigenen Welt ist. Die äußere Welt ist nicht von seiner oder ihrer Welt getrennt. Das Familienoberhaupt sollte fühlen, dass die weite Welt und die Welt, die er/sie selbst repräsentiert oder verkörpert, Hand in Hand gehen müssen. Der Mikrokosmos und der Makrokosmos, das Endliche und das Unendliche, gehören zusammen.

Frage: Wann glauben Sie, ist der Zeitpunkt für eine Scheidung gekommen?

Sri Chinmoy: Wenn alles andere versagt hat. Wenn die Kraft des Einsseins versagt hat, wenn die Kraft der Liebe versagt hat, wenn die Kraft der Kompromisse versagt hat, wenn alles versagt hat, zwei Leben zusammen zu halten, dann ist eine Scheidung die beste Lösung.

Frage: Was ist Ihre Empfehlung, um Streit und Missverständnis in der spirituellen Ehe zu vermeiden?

Sri Chinmoy: Dauerhaftes Beten um einen friedvollen Verstand, um das Hervortreten der Seele, um die Ausdehnung der all-liebenden Fähigkeit des Herzens, kann alleine alle Missverständnisse und Streitigkeiten lösen.

Frage: Wie sollte die Einstellung des Ehegatten gegenüber seiner Frau und die der Gattin gegenüber ihrem Mann sein?

Sri Chinmoy: Beide Ehepartner müssen fühlen, dass der Gatte der Sohn Gottes ist und die Gattin die Tochter Gottes ist, welcher Vater und Mutter zugleich ist. Die Quelle ist Gott der Vater und Gott die Mutter, und sie beide sind Gottes Kinder. Sie sollten ihre Rolle hingebungsvoll und seelenvoll im kosmischen Drama Gottes spielen.

Frage: Was ist die richtige Einstellung eines Familienoberhauptes zu Geld und Besitztümer?

Sri Chinmoy: Familienoberhäupter müssen Geld als materielle Macht annehmen, welche auf göttliche Weise benutzt werden soll. Geld ist nicht dazu da, um andere zu beherrschen, sondern um den Notwendigkeiten des Lebens zu begegnen. Diese Macht muss verständig, hingebungsvoll und auf eine erfüllende Weise benutzt werden. Geld hat beträchtliche Macht, aber ob sie gut oder schlecht ist, ist vom Einzelnen abhängig. Der Mensch kann die Geldmacht auf göttliche oder ungöttliche Weise nutzen. Wenn die Macht des Geldes richtig genutzt wird, ist sie ein göttliches Geschenk. Wenn sie missbraucht wird, ist sie wahrlich ein Fluch.

Frage: Wann ist Ihrer Meinung nach eine Scheidung nachteilig?

Sri Chinmoy: Eine Scheidung ist nachteilig, wenn die inneren Wesen weiterhin zusammen bleiben möchten, wenn die inneren Wesen fühlen, dass sich im Laufe der Zeit beide Ehepartner besser verstehen werden und ein erleuchtenderes Leben führen werden. Die inneren Wesen müssen entscheiden, ob die Ehe weitergeführt werden soll oder nicht. Wenn die Sucher nicht auf die Stimme ihrer inneren Wesen hören, wenn ihr äußerer Verstand eine Scheidung erzwingt, dann wird die Scheidung für ihren spirituellen Fortschritt nachteilig sein. Es sind die inneren Wesen, die über eine Heirat oder Scheidung entscheiden sollten.

Frage: Glauben Sie, dass Rituale für ein harmonisches Familienleben nützlich sind?

Sri Chinmoy: Wenn die Mitglieder der Familie an Rituale glauben, dann werden Rituale sicherlich nützlich sein. Aber nur weil es Leute gibt, die an Rituale glauben, heißt das noch nicht, dass alle Paare Rituale befolgen sollten. Rituale sind vorbereitende Ebenen im spirituellen Leben wie zum Beispiel der Kindergarten. Manche Kinder gehen in den Kindergarten, bevor sie zur Schule kommen. Manche Schüler überspringen den Kindergarten. Es hängt vom individuellen Fall ab.

Frage: Was halten Sie für die hauptsächlichen Gründe, wieso sich die Menschen Kinder wünschen?

Sri Chinmoy: Die meisten Menschen möchten Kinder, weil sie die Notwendigkeit fühlen, sich auszudehnen. Auf der menschlichen Ebene möchten sie zeigen, dass sie eine Familie und ein komfortables Leben haben. Durch das Lächeln ihres Kindes erhalten sie größte Freude. Auf der inneren Ebene ist es das gleiche Lied: Ausdehnung. Eines möchte zu vielen werden.

Frage: Was ist nach Ihrer Meinung die Ursache, warum sich Menschen keine Kinder wünschen?

Sri Chinmoy: Menschen möchten keine Kinder haben, weil sie nicht mehr Verantwortung haben wollen. Sie glauben, dass sie ihr angestrebtes Ziel um so schneller erreichen können, je weniger Verantwortung sie haben.

Frage: Was ist der spirituelle Grund, Kinder zu haben?

Sri Chinmoy: Dies hängt völlig vom Sucher ab. Der Sucher muss auf die innere Stimme hören. Wenn die innere Stimme sagt, dass zwei Sucher Kinder haben sollen, damit die Manifestation Gottes in und durch mehrere Mitglieder einer Familie wirken kann, dann kann dies der einzige spirituelle Grund sein.

Frage: Wann, glauben Sie, sollte ein Ehepaar Kinder haben?

Sri Chinmoy: Ein Paar sollte nur dann Kinder haben, wenn es in seinem spirituellen Leben gut gefestigt, völlig sicher und reif ist, und wenn es der Wille Gottes ist – und nicht vorher.

Frage: Wann sollte Ihrer Meinung nach ein Paar keine Kinder haben?

Sri Chinmoy: Ein Paar sollte keine Kinder haben, wenn sie nicht gut miteinander auskommen, wenn sie im spirituellen Leben nicht gut gefestigt sind, und wenn es nicht Gottes Wille ist.

Frage: Was ist die beste Einstellung bei der Kindererziehung?

Sri Chinmoy: Die beste Einstellung bei der Kindererziehung beinhaltet Führung, Mitgefühl, Vergebung und bewusstes Einssein.

Frage: Welche Pflichten hat die Mutter bei der Kindererziehung?

Sri Chinmoy: Die Pflicht der Mutter ist, das Kind zu lehren, wie man betet, wie man einfach, aufrichtig und liebevoll ist. Dies sind ein paar Dinge, die die Mutter als ihre Pflicht ansehen sollte, um die Kinder zu erziehen.

Frage: Welche Pflichten hat der Vater bei der Kindererziehung?

Sri Chinmoy: Der Vater hat die Pflicht, sein Wissen und seine Weisheit zu lehren und die Botschaft der weiten Welt zu seinen Kindern zu bringen. Die kleine Familie ist nicht alles; es gibt auch noch eine große Familie. Die Mutter wird all ihre Liebe, ihr Vertrauen und ihre herzlichen Qualitäten benützen. Der Vater wird das auch tun, aber er wird auch die Botschaft der äußeren Welt zu seinen Kindern bringen. Die Mutter wird die kleine Familie von innen heraus mit allergrößter Liebe formen, und der Vater wird seinen Kindern die äußere Welt näher bringen. Er wird sie spüren lassen, dass es eine andere Welt gibt, die in der kleinen Welt einen Platz haben muss, oder dass die kleine Welt ein Teil dieser großen Welt ist.

Frage: Wie sollten Eltern bei der Kindererziehung zusammenarbeiten?

Sri Chinmoy: Wie ich erwähnt habe, sollten Eltern ihren jeweiligen Pflichten nachkommen. Was immer der Vater tun muss, sollte er gerne, seelenvoll, hingebungsvoll, unermüdlich und bedingungslos tun. Was immer die Mutter tun muss, sollte sie ebenfalls gerne, seelenvoll, hingebungsvoll, unermüdlich und bedingungslos tun. Dies ist der einzige Weg, um Kinder zufriedenstellend zu erziehen.

Frage: Welche Verantwortung haben Eltern für die äußere Erziehung ihrer Kinder?

Sri Chinmoy: Die Eltern müssen die volle Verantwortung für die äußere Erziehung ihrer Kinder tragen. Sie müssen die Kinder zur Schule schicken und müssen dem Lernen der Kinder, ihrem äußeren Verhalten und ihrem inneren Wachstum aufrichtige Beachtung schenken. Kinder sollten nicht alleine gelassen werden. Die Eltern sollten jederzeit großes Interesse am Wohlergehen der Kinder haben. In den Jahren der Entwicklung müssen die Eltern eine äußerst bedeutsame Rolle übernehmen. Kinder sind wie winzige Schößlinge oder Pflanzen. Sie müssen von den Eltern beschützt und richtig behandelt werden, bis sie zu großen und starken Bäumen herangewachsen sind.

Frage: Welchen Rat können Sie allein erziehenden Eltern geben?

Sri Chinmoy: Jenen, die durch Scheidung zu allein erziehenden Eltern geworden sind, kann ich nur den Rat geben, dass sie vor ihren Kindern nicht schlecht über den anderen Partner reden. Die Kinder sollten nicht beeinflusst werden. Lasst die Kinder auf die Stimme ihres eigenen Herzens hören. Lasst sie fühlen, dass sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter gut sind. Lasst ihre Herzen die guten Eigenschaften von Vater und Mutter wie ein Magnet anziehen. Weder der Vater noch die Mutter sollten Ihre Kinder bewusst oder unbewusst gegen den anderen Partner beeinflussen.

Eltern sollten sehr vorsichtig sein, wenn es zu einer Scheidung kommt. Sie sollten ihren Kindern dann besondere Aufmerksamkeit schenken, denn wenn die Familie zerbricht, zerbricht auch automatisch das Bewusstsein der Kinder. Und wer ist dafür verantwortlich? Die Eltern sind hundertprozentig dafür verantwortlich. Deshalb sollten sie alles tun, um die Situation, soweit sie können, zu verbessern. Das können sie nur tun, indem sie ihren Kindern mehr Liebe, reichlich mehr Liebe geben und ihren Kindern zeigen, dass ihre Trennung in keiner Weise ihre Liebe zu ihnen beeinträchtigt. Liebe ist von allergrößter Wichtigkeit. Sie müssen ihren Kindern grenzenlose Liebe schenken.

Frage: Glaubst du, dass es sich bei Kindern auswirkt, wenn sie nur ein Elternteil haben, und wenn dem so ist, wie beeinflusst sie diese Situation?

Sri Chinmoy: Es wirkt sich sehr oft auf Kinder aus, wenn sie nur ein Elternteil haben. Kinder wollen beides haben, einen Vater und eine Mutter. Nur dann fühlen sie, dass die Familie vollständig ist. Doch andererseits haben wir in unzähligen Fällen gesehen, dass ein Elternteil dazu fähig ist, den Kindern die Liebe und Aufmerksamkeit von beiden Elternteilen zu geben. Wenn der Vater nicht mehr am Leben ist, erwartet man natürlich und zwangsläufig von der Mutter, dass sie auch die Liebe des Vaters ersetzt. Und wenn die Mutter nicht mehr am Leben ist, dann muss der Vater auch die Rolle der Mutter spielen. Wenn aber ein Elternteil nicht die Rolle beider spielen kann, dann wirkt sich dies natürlich auf die Kinder aus.

Teil IV — Allgemeine Fragen und Antworten

TDS 40-47. Die folgenden Fragen wurden von Chetana an ihrem Geburtstag, am 10. Oktober 1976 an Sri Chinmoy gestellt.

Chetana: An welchem Datum werde ich Gott verwirklichen?

Sri Chinmoy: Zuerst einmal, woher weißt du, dass du Gott nicht verwirklicht hast? Jeder hier hat Gott verwirklicht. Es gibt allerdings etwas, was man bewusste Verwirklichung Gottes nennt und etwas, was man unbewusste Verwirklichung Gottes nennt. Unbewusste Verwirklichung von Gott hast du bereits, weil du bewusst das spirituelle Leben angenommen hast. Sobald du einmal das spirituelle Leben angenommen hast, hast du auch unbewusst Gott verwirklicht. Nun musst du Gott bewusst verwirklichen. Du musst bewusst, seelenvoll und bedingungslos beten und meditieren.

Es gibt einen irdischen Kalender, und es gibt einen himmlischen Kalender. Das Datum deiner Gott-Verwirklichung ist noch nicht im irdischen Kalender eingetragen, doch im himmlischen Kalender ist es vermerkt. Aber eine flüchtige Sekunde im himmlischen Kalender entspricht Hunderten von Jahren im irdischen Kalender. Ein Millionstel einer Sekunde im himmlischen Kalender wird zu Hunderten von Jahren hier auf der Erde. Da du eine spirituelle Sucherin bist, nehme ich an, dass du dich nach dem himmlischen Kalender richtest. In Bezug auf die himmlische Zeit wirst du Gott sehr bald verwirklichen. In Bezug auf die irdische Zeit musst du möglicherweise noch ein paar Jahre warten.

Chetana: Warum wache ich am Morgen nicht auf?

Sri Chinmoy: Du hast zwei Freunde, einen alten Freund und einen neuen Freund. Dein neuer Freund ist Sri Chinmoy Kumar Ghose. Dein alter Freund ist Mister Unwissenheit. Du bist immer noch unfähig deinem alten Freund zu sagen: „Mister Unwissenheit, ich will mit dir nichts mehr zu tun haben. Es ist alles aus zwischen uns. Ich habe genug von dir. Ich will keine Freundschaft mehr mit dir.“ Wenn du dies fertig bringst, und wenn du zu Sri Chinmoy Kumar Ghose sagst, dass er dein bester Freund ist, dein ewiger Freund, dein einziger Freund, dann wird Mister Unwissenheit eifersüchtig auf Sri Chinmoy Kumar Ghose. Mister Unwissenheit wird sagen: „Wer will schon Chetana zur Freundin haben? Wer braucht sie, wo sie jetzt die Freundin von jemand anderem ist?“

Du musst Mister Unwissenheit ernsthaft beleidigen und schimpfen, damit er dich nicht länger belästigt. So lange du deinem alten Freund erlaubst dich zu belästigen, wird es dir kaum möglich sein, morgens früh aufzustehen. Du musst dich zwischen deinem alten Freund und deinem neuen Freund entscheiden. Du kannst keine Freunde haben, die mitein­ander auf Kriegsfuß stehen. Wähle den alten oder wähle den neuen Freund. Wenn du den neuen Freund wählst, musst du loyal zu ihm sein. Wenn du den alten Freund wählst, dann kannst du nicht erwarten, morgens früh aufzustehen, um zu meditieren. Die Wahl liegt einzig bei dir.

Chetana: Was muss ich tun, um die größt mögliche Empfänglichkeit zu entwickeln?

Sri Chinmoy: Jede Eigenschaft wird auf eine bestimmte Art und Weise empfangen. Wenn du mich fragst: „Auf welche Weise kann ich am besten Frieden empfangen?“ werde ich dir dazu antworten. Wenn du mich fragst, was du tun sollst, um Licht, Kraft oder eine andere göttliche Eigenschaft zu empfangen, wird meine Antwort anders lauten, weil wir nicht alles auf die gleiche Weise empfangen können. Wenn du stärkere Armmuskeln haben möchtest, musst du ein spezielles Training für die Arme machen. Auch bei deiner Frage hier musst du genauer angeben, welche Eigenschaft du am meisten stärken möchtest.

Chetana: Die Eigenschaft stärken, die ich am meisten brauche.

Sri Chinmoy: Die Eigenschaft, die du und alle anderen Sucher am meisten benötigen, ist Dankbarkeit. Jeder Sucher - ohne Ausnahme - benötigt eine besondere Eigenschaft, und das ist Dankbarkeit. Nun stellt sich die Frage, wie entwickelt man diese Eigenschaft? Man entwickelt sie nicht, indem man in seine weit zurückliegende Vergangenheit blickt und seine Leben als Stein, als Pflanze und als Tier betrachtet. Selbst wenn wir unser menschlichen Leben betrachten, was eini­ger­maßen gut ist – was warst du da in der Vergangenheit? Ein Bündel von Begierden, ein Bündel von Eifersucht, ein Bündel von Unsicherheit und ein Bündel von Falschheit. Und nun, was ist aus dir geworden? Bist du noch die gleiche himalayische Falschheit? Nein, weit davon entfernt. Nun lebst du in der Wahrheit, von der Wahrheit und für die Wahrheit. Was ließ dich fühlen, dass du in der Wahrheit, von der Wahrheit und für die Wahrheit oder für das höchste Leben bist? Deine innere Sehnsucht ist die Antwort. Und wer gab dir diese innere Sehnsucht? Gott.

Gott hat dir ein so starkes inneres Sehnen gegeben. Was wirst du Gott geben? Du kannst ihm das geben, von dem du das Gefühl hast, dass es für Ihn das Beste ist. Gott fühlt, dass Sein Mitgefühl für dich das Beste ist. Durch Sein Mitgefühl hast du das spirituelle Leben angenommen. Du solltest fühlen, dass deine Dankbarkeit das Beste ist, was du Gott dafür anbieten kannst. Deine Dankbarkeit ist bei weitem deine beste Eigenschaft, deshalb gib Ihm deine Dankbarkeit. Je mehr Dankbarkeit du Ihm schenken kannst, desto größer wird deine Fähigkeit, etwas vom Ihm zu empfangen.

Chetana: Wie kann ich den Namen Chetana manifestieren?

Sri Chinmoy: Zuerst musst du dir deines Namens bewusst sein. Dein Name und mein Name haben die gleiche Bedeutung. Nur in meinem Fall hat meine Familie noch moy mit beigefügt, was voll bedeutet. Dein Name ist Chetana, was Bewusstsein bedeutet. Mein Name lautet Chit, was auch Bewusstsein bedeutet. Moy bedeutet voll und die Kombination wird zu Chinmoy.

Indem ich meinen Namen verwirklicht und manifestiert habe, habe ich meine Aufgabe erledigt. Wie? Indem ich mich innerlich aufrichtig und dauerhaft Jahr um Jahr von tiefstem Herzen danach gesehnt habe. Wenn du dich auch so sehr danach sehnst, dann wirst du auch völlig bewusst. Wenn du nicht völlig bewusst bist, dann ist es dir nicht möglich, die Bedeutung deines Namens zu verwirklichen.

Bewusstsein durchdringt das ganze Universum. Wie oft bist du dir während des Tages, der Woche oder selbst eines Monats der Bedeutung dieses Namens bewusst? Manchmal vergehen Monate, während denen du dir deines Namens nicht bewusst bist. Wie dir geht es vielen, wenn nicht allen Schülern. Sie unternehmen keine Anstrengung, sich da­ran zu erinnern, ganz zu schweigen davon, sich dessen bewusst zu sein, was der Name, der ihnen gegeben wurde, bedeutet. Sie vergessen, dass es nicht nur ein Name ist.

Früher hattest du einen Namen, und nun hast du einen anderen. Doch solange du dich nicht an die Bedeutung deines neuen Namen erinnerst, gibt es keinen Unterschied. Dein ehemaliger Name war Loren. Zwischen Loren und Chetana gibt es keinen Unterschied, solange du nicht ständig fühlst, dass Chetana nicht nur ein anderer Name ist. Du musst deinen Seelennamen ernst nehmen, sonst wird er dir nicht helfen.

Wenn du der Form Wichtigkeit beimisst, dann wirst du eines Tages fähig sein, dem Geist volle Bedeutung beizumessen. Dein Seelenname und deine Seele sind wie ein Tempel und ein Schrein. Wenn der Tempel nicht richtig geehrt und beachtet wird, dann wird der Schrein baufällig. Der Schrein ist die Bedeutung des Namens Chetana, welches die vorherrschende Eigenschaft deiner Seele ist, und das Wort Chetana ist der Tempel. Wenn du nicht an den Tempel denkst, wie willst du dann an den Schrein in deinem Tempel denken? Wenn du also Chetana sagst, oder wenn eine andere Person den Namen sagt, dann denke sofort an den Tempel. Die Essenz dieses seelenvollen Wortes ist der Schrein. Ohne Tempel kann der Schrein leicht von feindseligen Kräften zerstört werden. Aber wenn du dich daran erinnerst, dass du einen Tempel hast, welcher Chetana heißt, dann wirst du dich auch daran erinnern, dass in ihm ein Schrein ist, welcher die Essenz oder der Inbegriff des Wortes ist. Auf diese Weise gehören Geist und Form zusammen.

Chetana: Wie kann ich mein Körperbewusstsein vergessen und in dein Bewusstsein eindringen?

Sri Chinmoy: Bete und meditiere. Bete, bete, bete und bete zum Höchsten, zum Supreme. Meditiere und meditiere auf den Höchsten, den Supreme. Verliere auf der physischen Ebene etwas Gewicht. Verliere auf der vitalen Ebene etwas Unsicherheit. Verliere auf der mentalen Ebene etwas Unreinheit. Damit hast du dein Rennen gewonnen. Es gibt keinen anderen Weg.

Die physische Ebene repräsentiert Lethargie, welche sich oft in der Form von übermäßigem Gewicht manifestiert. Die vitale Ebene repräsentiert Unsicherheit. Die mentale Ebene repräsentiert Unreinheit. Dein Ziel wird nicht länger nur ein Traum bleiben, wenn du all dies bezwingst.

Chetana: Was kann ich tun, um dir am meisten zu gefallen?

Sri Chinmoy: Was du tun kannst, um mir am meisten zu gefallen? Gefalle mir am meisten. Ich antworte jetzt wie ein Zen-Lehrer. Die Zen-Lehrer würden dir diese Frage wie folgt beantworten: mit einem Koan. Du wirst fragen, wie du mir am meisten gefallen kannst, und ich werde antworten: „Indem du mir am meisten gefällst.“ Wie kannst du mir am meisten gefallen? Indem du mir am meisten gefällst.

Nicht mit versuchen, sondern mit tun. Das ist die Antwort. Es sollte kein „Wie“ geben, keine Frage. Du musst nur sagen: „Ich tue es.“ Sage nicht: „Ich will es tun.“ Oder: „Ich werde es tun.“ Tue es einfach. Wenn du nicht sagen kannst: „Ich habe es getan“, was unglücklicherweise ein Stück von der Wahrheit entfernt ist, dann sage: „Ich tue es.“

Chetana: Guru, es scheint mir, dass ich fast nichts tue. Ich meditiere nicht so oft, wie ich es tun sollte. Ich mache nichts richtig, und trotzdem bist du immer noch so nett zu mir.

Sri Chinmoy: Du bist mir, meiner Mission, meiner Manifestation nicht vorsätzlich feindlich gesinnt. Es ist meine Pflicht, jenen zu helfen, die mir nicht vorsätzlich feindlich gesinnt sind, solange sie in meinem Boot bleiben. Andererseits gibt es einige, die vorsätzlich feindlich sind, aber da sie weiterhin bei mir sind, fühle ich eine innere Verpflichtung, ihnen zu helfen. Es ist wie mit einem Haustier, das du ernähren und für das du sorgen musst. Dieses Haustier beißt oder tritt dich vielleicht, aber was willst du machen? Solange du das Tier behältst, musst du für es sorgen. Wenn das Tier sehr sanft und gehorsam ist, macht es dem Besitzer nichts aus, für es zu sorgen, selbst wenn es nicht für ihn arbeitet oder ihm auf irgendeine Weise hilft. Solange das Tier nicht wie eine zerstörerische Kraft handelt, macht es dem Besitzer nichts aus.

In deinem Fall taucht dieses Problem erst gar nicht auf. Du bist nicht zerstörerisch oder ungehorsam. In deinem Fall ist es nur deine Freundschaft mit der Unwissenheit, die dich aufhält. Wenn diese Freundschaft endet, dann wirst du in deine Seele eintreten.

Es gibt drei Arten von Schüler. Die eine Art von Schülern betet zum Höchsten, zu mir oder zum Höchsten in mir, um dem Höchsten jeden Augenblick auf Seine eigene Weise zu gefallen. Ein anderer Teil betet oder meditiert, um dem Höchsten in mir zu fünfzig Prozent der Zeit zu dienen und fünfzig Prozent der Zeit erwarten sie vom Höchsten in mir, ihnen auf ihre eigene Weise zu dienen. Die dritte Kategorie betet zum Höchsten, ihnen zu hundert Prozent der Zeit auf ihre eigene Weise zu dienen.

Nun wähle du die Kategorie aus, zu der du gehören möchtest. Sieh, ob du sagen kannst: „Ich probiere es auf meine Weise, in der ersten Kategorie zu sein, um ein erstklassiger Schüler des Höchsten, des Supreme, zu werden, um Ihm die ganze Zeit auf Seine Weise zu dienen. Dies ist mein Gebet.“ Wenn du es nicht sagen kannst, dann lerne es zu sagen. Jeder sollte versuchen, den Höchsten auf Seine Weise zu dienen. Dann werdet ihr alle zu erstklassigen Schülern.

Teil V — Andere Fragen und Antworten

TDS 48-49. Die folgenden Fragen wurden von anderen Schülern an Chetanas Geburtstag gestellt.

Frage: Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich großen Fortschritt mache. Dann, während der Nacht, wenn ich schlafe, fühle ich, dass etwas passiert. Ich spüre, dass etwas meinen Fortschritt stört und wenn ich aufwache, weiß ich, dass ich etwas verloren habe. Gibt es einen Weg, wie ich mich während des Schlafs schützen kann?

Sri Chinmoy: Ich empfehle euch immer wieder, vor dem Schlafengehen einige Minuten auf das Nabelzentrum zu meditieren. Es ist das Zentrum, das die vitale Welt beherrscht, die ungöttlichen, unreinen Kräfte. Wenn ihr bewusst auf das Nabelzentrum meditiert, um zu versuchen, dort etwas Reinheit zu etablieren, und wenn Reinheit erscheint, oder von oben herabkommt, dann können euch diese Kräfte nicht überwältigen oder belästigen.

Aber wenn du fühlst, dass du Fortschritt gemacht hast, dann solltest du wissen, dass dieser Fortschritt nicht über Nacht verloren geht. Es gibt Zeiten, wo du möglicherweise einen Schritt zurück gehen musst, um dann wieder schneller vorwärts zu gehen. Angenommen, du seist ein guter Weitspringer und bist fünf Maßeinheiten weiter gesprungen. Du bist sehr glücklich, weil du etwas Fortschritt gemacht hast. Wenn du aber von dort springen willst, wirst du nicht viel Erfolg haben. Du hast die Möglichkeit, viel weiter zu springen, wenn du wieder ein paar Schritte zurück gehst und Anlauf nimmst, bevor du springst. Du wirst feststellen, dass indem du ein paar Schritte zurück gehst und Anlauf nimmst, die Entfernung, die du springen kannst, zunimmt. Der kalkulierende, menschliche Verstand wird sagen: „Schau, sie ist soweit zurück gegangen.“ Er wird nicht erkennen, wie weit und wie schnell es dir nun möglich ist, vorwärts zu kommen.

Wenn du also entmutigende, unerfreuliche Träume hast, oder wenn du das Gefühl hast, dass du während deines Schlafes Rückschritt gemacht hast, dann solltest du wissen, dass du vielleicht in ein paar Tagen einen sehr bedeutungsvollen, erleuchtenden und erfüllenden Traum haben kannst. Dein physischer Verstand wird denken, dass du einen Schritt zurück gemacht hast, dass du gefallen bist. Aber dein spirituelles Herz wird fühlen, dass es vielleicht notwendig war.

Ein paar Schritte zurück zu gehen, damit wir einen guten Start haben – dies alles geschieht auf der menschlichen Ebene. Auf der spirituellen Ebene trifft dies nicht zu. Ganz gleich, wo du dich auf der spirituellen Ebene befindest, du gehst von dort aus immer vorwärts. Aber da der physische Verstand arbeitet, empfehle ich, die physische Methode anzuwenden. Bei der spirituellen Methode funktioniert der Verstand überhaupt nicht. Dort musst du ständig von dem Punkt, an dem du dich gerade befindest, vorwärts schreiten. Wenn du bemerkst, dass es dir nicht möglich ist, auch nur einen Schritt weiter vor­wärts zu gehen, dann stell dir die Frage, was dich davon abhält. Dann werde ich dir erklären, dass du bewusstes Gewahrsein von dem, was du tust und von dem, was du nicht tust, benötigst. Wenn du dir darüber bewusst gewahr bist, was du während des Tages tust, dann wirst du schneller voranschreiten.

Möglicherweise träumst du von etwas, das du vor zehn Jahren getan hast. Ein spiritueller Meister verspeiste in seinen jungen Jahren jeden Tag ein ganzes Hühnchen. Im Alter von vierzig Jahren hörte er damit auf. Aber selbst als er sechzig oder siebzig Jahre alt war, kam diese Erfahrung im unterbewussten Verstand in Form von Träumen zu ihm. Habe also keine Angst. Diese Dinge geschehen einfach. Doch wenn du eine unangenehme Erfahrung oder einen unangenehmen Traum hattest, solltest du dich sofort fragen: „Will ich diese Erfahrung wirklich haben?“ Wenn die Antwort nein ist, wird sie keine Macht mehr haben. Wenn du ihr aber Bedeutung beimisst und sagst: „Oh, dies ist etwas Unangenehmes, was meinen ganzen Fortschritt zerstört“, dann wirst du wirklich davon beeinflusst.

Habe keine Angst vor einem Traum. Wenn du vor einem Traum Angst hast, wird dir dieser betreffende Traum all seine ungöttlichen Freunde bringen. Wenn du heute Angst vor einem bestimmten Traum hast, dann wird dieser ungöttliche Traum viele weitere ungöttliche Träume einladen, um dich zu erobern. Hast du aber keine Angst, wird dich dieser Traum niemals wieder belästigen. Dann wird er dich nicht mehr beeinflussen können.

Frage: Wie können wir wissen, ob wir Fortschritt gemacht haben?

Sri Chinmoy: Es gibt nur einen Weg, um den eigenen Fortschritt einzuschätzen. Stelle dir die seelenvolle Frage: „Brauche ich nur den Höchsten, den Supreme, oder brauche ich irgendetwas oder irgendjemand anderes?“ Wenn du sagst, dass du den Höchsten, den Supreme, zu neunundneunzig Prozent brauchst und etwas oder jemanden zu einem Prozent brauchst, dann gibt es keinen wirklichen Fortschritt. Wenn du sagen kannst: „Ich will den Supreme zu hundert Prozent“, dann fängst du an, Fortschritt zu machen. Wenn der Anfang gemacht ist und der wirkliche Fortschritt beginnt, fängt der Höchste an, Frieden, Licht und Seligkeit zu dir zu bringen, um dir zu helfen, auf der Straße der Ewigkeit entlang zu laufen.

Im spirituellen Leben beginnt der wirkliche Fortschritt erst dann, wenn der Sucher sieht und fühlt und vollkommen davon überzeugt ist, dass er oder sie den Supreme zu hundert Prozent braucht und nicht zu neunundneunzig Prozent. Zuvor glauben wir vielleicht, dass wir Fortschritt machen, wenn wir feststellen, dass wir weniger Wünsche, weniger Unsicherheit, weniger Unreinheit haben als zuvor. Aber dieser Fortschritt ist kein wirklicher Fortschritt. Solange wir Gott noch nicht verwirklicht haben und in dieser menschlichen Form auf Erden weilen, werden wir immer diese dunklen Kräfte besitzen. Wenn wir zuvor zehntausend Begierden hatten und jetzt nur noch eine, dann denken wir wahrscheinlich, dass wir Fortschritt gemacht haben. Aber ich möchte sagen, dass dies kein wirklicher Fortschritt ist. Aus diesem einen Wunsch können tausende Wünsche entspringen.

Wenn ein Tropfen Begierde zurückbleibt, denkst du möglicherweise, dass du keine weiteren Tropfen mehr besitzt. Doch in diesem Tropfen sind Tausende und Millionen von verlangenden Kräften verborgen. Wo bleibt da der Fortschritt? Alles, was du sagen kannst, ist, dass du früher etwas in großem Ausmaß besessen hast und dies nun in kleinem Ausmaß besitzt, jedoch hoch konzentriert. Dein einzelner Tropfen ist so mächtig, dass er sich leicht in eine sehr große Menge ausweiten kann. Dieser eine Tropfen, dieses winzige Körnchen Begierde kann so mächtig sein wie Hunderte von Wünschen, weil er konzentriert ist.

Der Fortschritt, den wir nach irdischen Begriffen machen, ist kein Fortschritt. Wir können nur dann Fortschritt machen, wenn wir fühlen, dass unsere Existenz zu hundert Prozent dem Höchsten, dem Supreme, gewidmet ist. An diesem Tag beginnt unser spiritueller Fortschritt. Dann gewährt uns der Supreme Seinen Frieden, Seine Seligkeit und Sein Licht. Wir empfangen dann bewusst Seine göttlichen Eigenschaften. Wirklicher innerer Fortschritt beginnt erst an dem Tag, an dem wir bewusst fühlen, dass wir nur Gott alleine wollen, und dass wir für alles von Gott abhängig sein wollen. Wir können nur dann fühlen, dass wir Ihn alleine brauchen, wenn wir jederzeit bei jedem kleinsten Gedanken, bei jeder Handlung von Ihm abhängig sein wollen.

Teil VI — Weitere Fragen und Antworten

Teil VI — Weitere Fragen und Antworten[fn:: TDS 50-52. Die folgenden Fragen wurden am 30. Januar

Frage: Wie können wir fühlen, dass die innere Welt wirklicher ist als die äußere Welt?

Sri Chinmoy: Der Körper, unser äußerer Mantel ist die äußere Welt, und innerhalb dieses Körpers ist die innere Welt. Was besitzen wir innerhalb des Körpers? Das Herz. Innerhalb des Herzens ist die Seele und innerhalb der Seele ist Gott. Es stimmt, Gott ist überall. Aber innerhalb der Seele ist die Wirklichkeit Gottes unendlich mehr manifestiert, sichtbarer und greifbarer. Derjenige, der diese Seelenwirklichkeit bewusst, dauerhaft und bedingungslos verkörpert, enthüllt und manifestiert Gott zweifellos mehr als irgend jemand anders.

Als Menschen schenken wir unserem Herzen besondere Aufmerksamkeit. Wir sind uns bewusst, dass wir hinter den Vorhang der Ewigkeit treten müssen, wenn das Herz versagt. Auch wenn jemand nicht nach Gott strebt, nicht betet und meditiert, sobald seinem Herzen etwas zustößt, wird er sich elend fühlen, denn das Herz steht ihm näher als alles andere. Jemand mag ein ausgesprochener Verstandesmensch sein, doch sobald er aus dem Herzen spricht, fühlt er, dass seine Wirklichkeit im Herzen bedeutender ist als seine Wirklichkeit in irgendwelchen anderen Ebenen. Die Wirk­­­­lichkeit des Herzens ist sehr viel wichtiger als die Wirklichkeit des Verstandes, die Wirklichkeit des Vitalen oder die Wirklichkeit des Physischen.

Alles, was für uns wirklicher ist, ist wichtiger und sinnvoller für uns. Weiterhin ist alles, was für uns wichtiger ist, wirklicher für uns. Gott ist am wichtigsten, weil Er am wirklichsten ist. Er ist die einzige wahre Wirklichkeit in Seinem gesamten Universum. Gott ist uns am wirklichsten und gleichzeitig ist Gott für uns am wichtigsten.

Wenn wir etwas für wichtig halten, dann wird dies für uns automatisch Wirklichkeit. In dem Augenblick, wo wir es seiner Bedeutung berauben, hat es keinen Wert mehr für uns. Wenn wir das innere Leben wirklich schätzen, dann muss das innere Leben Wirklichkeit werden.

Wenn wir nicht beten und meditieren, sehen wir nur die physische Welt um uns herum. Wir denken, dass dies absolute Wirklichkeit darstellt. Wenn wir aber beten und meditieren, sehen und fühlen wir, dass es noch eine andere Welt gibt, und dass diese physische Welt nur ein Ausdruck jener Welt ist. Wir müssen aber auch erkennen, dass wir selbst der Schöpfer dieser anderen Welt sind, so wie wir der Schöpfer dieser physischen Welt sind. Die physische Welt ist wie ein Haus, das wir mit unseren Händen, mit unseren äußeren Fähigkeiten erbauen. Entsprechend erschaffen wir die innere Welt mit unserer Willenskraft – nicht bloß mit der Gedankenkraft, sondern mit der Willenskraft. Wenn wir in der inneren Welt mit unserer Willenskraft etwas erschaffen und das, was wir erschaffen, rein, göttlich und unsterblich ist, dann fühlen wir, dass wir sicher sind.

Wie können wir fühlen, dass die innere Welt wirklicher ist? Wie ich schon sagte, hängt die Wirklichkeit davon ab, wie wichtig wir etwas finden beziehungsweise welchen Wert wir ihm geben. Die Wirklichkeit hängt von der Notwendigkeit ab. Wenn wir hungrig sind, wird sofort vor uns, um uns herum, innerlich, äußerlich, Essen zu unserer einzigen Wirklichkeit. Alles, was unsere Aufmerksamkeit oder Konzentration fordert, muss real sein, gleichgültig ob es materielles Essen ist oder innerer Frieden, Licht und Seligkeit. Die Wirklichkeit von einer Sache hängt ganz davon ab, wie notwendig es für uns ist. Wenn wir etwas brauchen, dann muss dieses bestimmte Etwas Wirklichkeit werden.

Andererseits, wenn dieses Etwas, das wir brauchen, keine innere Wirklichkeit hat, wird es auch kein inneres seelenvolles Streben von unserer Seite her geben. Wenn Gott nicht real wäre, dann würden wir auch nicht nach Gott rufen. Die Wirklichkeit selbst besitzt reichlich Kraft, um Hunger in anderen hervor zu rufen.

Es verhält sich wie mit einem Profi-Läufer, der Anfänger unterrichtet, wie man dem Ziel entgegenläuft. In diesem Augenblick ist er am Ziel und winkt ihnen zu, im nächsten Moment ist er am Start oder in der Mitte der Strecke direkt neben ihnen. Genauso ist Gott, die Wirklichkeit, der Startpunkt und ist Gott, die Wirklichkeit, das Ziel. Wir nennen es aber nicht „das Ziel“, da der Supreme ständig Fortschritt macht; Er ist das sich ständig transzendierende Jenseits. So ist heute Gott, der Startpunkt, unsere höchste Notwendigkeit. Deshalb ist der Startpunkt vollkommen real für uns. Morgen werden wir nach Gott, dem Ziel, streben, und dann wird das Ziel für uns Wirklichkeit sein.

Die innere Welt ist Wirklichkeit, weil wir wissen, dass alles, was innen ist, eines Tages zum Vorschein kommt und erblühen wird. Der Samen ist unter dem Boden, in Mutter Erde. Aber eines Tages keimt er, wächst zu einer Pflanze und wächst letztendlich zu einem riesigen Banyan-Baum heran. Am Anfang ist alles im Inneren. Von innen kommen wir nach außen.

Die Seele ist im Herzen, und das Herz ist im Körper. Je tiefer wir gehen, desto schneller bemerken wir, dass die wirkliche Wirklichkeit in uns liegt und nicht außerhalb von uns. Aber wir können nur dann das Spiel zu Ende bringen, wenn wir nicht nur innerhalb der inneren Wirklichkeit verweilen. Wir müssen heraus kommen, zur äußeren Wirklichkeit. Sonst wird es nur einen Mieter geben, aber kein Haus, in dem er leben kann. Der Mieter und das Haus, beide Parteien sind gleich wichtig. Nur wenn es einen Mieter gibt, werden wir das Gefühl haben, dass auch eine Notwendigkeit für ein Haus besteht. Wenn es ein Haus gibt, dann werden wir mit Sicherheit auch einen Mieter brauchen. Die Seele ist der Mieter, und der Körper ist das Haus.

Wie sollen wir dem innere Leben Achtsamkeit schenken? Wir sollten das innere Leben langsam, beständig, aufrichtig und hingebungsvoll achten. Wenn wir es auf diese Weise achten, dann wird uns das innere Leben zwangsläufig unendlichen Frieden, unendliches Licht und unendliche Glückseligkeit gewähren. Das innere Leben ist das normale Leben. Gott ist immer normal. Okkulte Kraft, spirituelle Kraft und all die anderen Kräfte sind normale Kräfte. Sie sind nicht unnormal. Wir haben unnatürliche Kräfte entwickelt, indem wir uns mit Unwissenheit und Falschheit abgegeben haben. Nur wenn wir unser göttliches Geburtsrecht nicht anerkennen, handeln wir wie unnormale Menschen. Das äußere Leben ist unglücklicherweise unnormal geworden, weil wir immer gleich das sofortige Ergebnis vom äußeren Leben als solches haben wollen oder zumindest versuchen, es zu bekommen. Wir wollen nicht tief nach innen tauchen; wir sind immer mit einem Tropfen zufrieden, und nicht mit dem Ozean. Wenn wir aber das Normale in uns schätzen, wenn wir wieder normal werden wollen, dann schenken wir dem inneren Leben ganz automatisch unsere Achtsamkeit.

Frage: Wie können wir unsere Brüder und Schwestern noch mehr mit einem spirituell hingegebenen Herzen betrachten?

Sri Chinmoy: Vereinfachen wir diese Frage. Wie können wir unsere Zuneigung, Liebe und Anteilnahme zeigen und unser Einssein mit unseren spirituellen Brüdern und Schwestern begründen? Wir müssen uns hier bewusst sein, dass wir alle Schüler sind. Jeden Tag, an dem wir beten und meditieren, lernen wir mehr vom Höchsten, vom Supreme. Er lehrt uns jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, wie wir freundlich, herzlich, liebevoll, erleuchtend und erfüllend werden können. Sobald wir etwas vom Höchsten lernen, versuchen unsere inneren Wesen sofort dieses Wissen mit anderen zu teilen. Wir nennen sie „andere“, weil wir noch nicht mit ihnen eins geworden sind. Wenn wir beten und meditieren, erhalten wir etwas. Wenn wir dieses Etwas mit anderen teilen, vermehrt es sich sofort. Je mehr wir unser irdisches Wissen teilen, desto mehr erhalten wir. Himmlisches Wissen, welches Weisheit und Einssein ist, vermehrt sich in unendlichem Maße, wenn wir es teilen. Mit einem Licht, mit einer Lampe können wir eine andere Lampe entzünden. Mit einer Flamme können wir zwei Flammen oder drei Flammen entzünden. Dies ist ein Weg, wie wir mit unseren Brüdern und Schwestern eins werden können.

Ein anderer Weg besteht darin, von innen die ganze Wissens-Sonne und die ganze Weisheits-Sonne hervor zu bringen. Dann werden wir automatisch all unsere spirituellen Brüder und Schwestern als Flamme innerhalb der Sonne sehen. Weiterhin verkörpert jede Flamme eine andere Sonne. Die Sonne selbst verkörpert unzählige Flammen, und gleichzeitig dämmert in jeder Flamme eine neue Sonne.

Wenn wir unsere spirituellen Brüder und Schwestern betrachten, müssen wir sie als ein genaues Abbild unseres eigenen Lebens, unserer eigenen Wirklichkeit ansehen. Wir müssen fühlen, dass hier zwei Körper existieren, aber nur ein Ziel und eine Quelle. Jeden Augenblick sollten wir uns an das Ziel und an die Quelle, von der wir kamen und zu der wir eines Tages wieder zurück kehren werden, erinnern. Wenn wir uns daran erinnern, werden wir automatisch freundlicher, liebenswerter, erleuchtender und erfüllender.

Du spielst die Bratsche und auch einige andere Instrumente. Wenn du während deines Spiels bemerkst, dass eine Saite nicht richtig funktioniert, was machst du dann? Du reparierst sie. Du konzentrierst dich nicht nur auf eine Saite, sondern auf alle Saiten. Wenn dir eine Saite Probleme bereitet, kannst du nicht gut spielen. Versuche ebenso zu fühlen, dass jeder deiner spirituellen Brüder und Schwestern eine Saite in deinem Herzen ist.

Die Bratsche, die du spielst, ist die äußere Wirklichkeit. Es gibt aber auch eine innere Wirklichkeit, eine innere Bratsche, auf der du jeden Tag, jede Stunde und jede Minute spielst. Die Saiten dieses Instrumentes sind Aufrichtigkeit, Einfachheit, Demut, Reinheit und Göttlichkeit. Wenn du dich selbst betrachtest, dann stelle dir vor, dass du dieses Instrument bist und dass deine Saiten Aufrichtigkeit, Demut, Reinheit, Göttlichkeit und so weiter sind. Wenn Aufrichtigkeit verschwindet, wenn Aufrichtigkeit nicht funktioniert, ist das ganze Instrument nutzlos. Wenn die Reinheits-Saite nicht funktioniert, dann wird deine innere Musik ruiniert sein. Du musst alle Saiten in einwandfreiem Zustand halten. Du wirst nur dann richtig zufrieden sein, wenn du alle Saiten in einwandfreiem Zustand halten kannst. Wenn du sie in einem guten Zustand hältst, kannst du eine Familie, ein Bewusstsein, eine Wirklichkeit, eine Seele und ein Ziel haben.

Frage: Wie können wir an strenger Disziplin Freude finden?

Sri Chinmoy: Was der Verstand Disziplin nennt, nennt das Herz einen Prozess, durch den wir etwas erreichen oder gewinnen. Die Seele nennt es nicht einmal einen Prozess. Die Seele fühlt, dass das, was wir Disziplin nennen, nicht nur die Wirklichkeits-Glückseligkeit verkörpert, sondern die Wirklichkeits-Glückseligkeit ist.

Wann immer wir etwas tun möchten, legt der Verstand sein Veto ein. Selbst wenn der Verstand dieselbe Sache zwei Tage oder zwei Jahre zuvor selbst wollte, ist er nun bereit, sein Veto einzulegen. Das ist unser trickreicher Verstand. Selbst wenn er gestern etwas gewünscht hat, zieht er heute seine bewusste Bereitwilligkeit zurück. Mit unserem Herzen oder unserem Vitalen möchten wir etwas, aber der Verstand sagt sofort: „Nein, nimm es nicht“. Deshalb hat Disziplin in unserem normalen Leben nichts mit Bestrafung zu tun – aus dem einfachen Grund wegen dieser Unwilligkeit unseres Verstandes.

Hier in Amerika hat niemand an Malaria gelitten und ich hoffe, dass niemand je an dieser Krankheit leiden wird. Wie sehr habe ich an Malaria gelitten als ich noch in Indien war! Einmal wurden mein Bruder und ich am selben Tag davon befallen. Man kann sich nicht vorstellen, wie schmerzhaft diese Krankheit ist. Alle Nerven, selbst die subtilen Nerven beginnen zu tanzen. Es ist unglaublich schmerzhaft! Man ruft und schreit einfach nur. Zuvor konnte man vielleicht keine akrobatischen oder besonderen Körperübungen vollbringen, aber sobald man Malaria bekommt, wird man ein Experte darin. Unsere besten Akrobatik-Künstler könnte man mit diesen Übungen herausfordern. Der Schmerz veranlasst einen dazu, es zu tun. Wenn man mich zu einem anderen Zeitpunkt gebeten hätte, diese akrobatischen Übungen auszuführen, hätte ich geantwortet: „Das ist unmöglich“. Doch als ich Malaria bekam, hatte ich solche Schmerzen, dass ich alle möglichen akrobatischen Übungen ausführte.

Die einzige Medizin, die gegen Malaria hilft, ist Chinin. Diese Medizin ist sehr, sehr bitter. Keine andere Medizin ist so bitter wie Chinin, aber durch sie kommt die Rettung. Wie sollten wir unser Fieber bekämpfen, wenn wir diese Medizin nicht einnehmen? Im Augenblick ist Unwissenheit unser Gebieter. Unwissenheit ist unser Meister, aber wir wollen diesen Meister nicht mehr. Wir brauchen jemanden, der stärker ist als unser jetziger Meister, jemand der ihn überwältigen kann. Wir wollen, dass Wissen unser Meister wird. Wissen kommt in Form von Disziplin, welche wie Chinin ist. Wir können die Unwissenheit nur dann besiegen, wenn wir diese Disziplin akzeptieren. Aus diesem Grund müssen wir der Disziplin erlauben, unser neuer Meister, unser neuer Führer, unser neuer Erlöser zu sein. Deshalb lasst uns der Disziplin den höchsten Posten geben.

Wenn wir an Disziplin denken, haben wir das Gefühl, dass dies nichts anderes als eine Bestrafung ist, welcher wir ständig ins Auge blicken. Doch stattdessen sollten wir fühlen, dass Disziplin unsere Hilfe, unser Führer, unsere Inspiration, unser inneres Streben, ja selbst unsere Verwirklichung ist. Es ist Disziplin, die unsere ungöttlichen Kräfte in und um uns herum besiegen kann und wird. Deshalb sollten wir die Disziplin als neuen Meister betrachten, der uns hilft, etwas Neues, Bedeutungsvolles, Seelenvolles und Fruchtbares zu erlernen, so dass wir nichts mehr von unserem alten Meister lernen müssen. Unser alter Meister war Lethargie, Dunkelheit, Unwissenheit und all die negativen Kräfte. Nun müssen wir unserem neuen Meister, der Disziplin, die größtmögliche Aufmerksamkeit schenken. Disziplin verkörpert Licht und ist mehr als bereit, uns Licht anzubieten. Wenn wir dies fühlen können, werden wir keine Angst mehr vor der Disziplin haben. Lasst uns deshalb daran denken, dass sie uns das geben wird, was wir im Augenblick nicht haben. Wenn wir diese Art von Vergleich anstellen, werden wir erkennen, dass wir in einem Meer der Unwissenheit schwimmen und die Disziplin zu uns sagt: „Armes Kind, warum leidest du? Ich habe grenzenloses Licht, grenzenlose Glückseligkeit, grenzenlosen Frieden und grenzenlose Wonne. Komm her, es ist alles für dich.“

Lasst uns dorthin gehen, wo es nur Licht und Glückseligkeit gibt. Wer gibt uns dieses Licht und diese Glückseligkeit? Die Disziplin, unsere Führung, unsere Rettung.

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