Frage: Guru, anstelle uns strenge Genügsamkeit zu lehren, willst du, dass wir immer genug essen und dass es uns an nichts mangeln solle. Warum?

Sri Chinmoy: Als Buddha kein Essen zu sich nahm, verwirklichte er da Gott? Er erlangte die Erleuchtung erst, als er den Mittelweg für sich entdeckte. Auch wir streben keine Extreme an. Mein Mitgefühl, meine Zuneigung und Freundlichkeit treten aufgrund meiner indischen Herkunft zum Vorschein. Sie veranlasst mich zu fragen: „Habt ihr gegessen?“ Ich will nicht, dass ihr unersättlichen Tieren gleich Nahrung in euch hineinstopft, sondern dass ihr so viel esst, wie euer Körper braucht.

Eine bengalische Mutter wird ihr Kind zum Essen auffordern, obwohl sie ganz genau weiß, dass es bereits gegessen hat: „Für jede Süßigkeit, die du isst, bekommst du ein Geldstück.“ Dann wird sie das Kind mit der Süßspeise Rasgulla verwöhnen. Ich hatte diese Art von Mutter; sie wollte mich immer satt sehen. Das kann man entweder Zuneigung oder Dummheit nennen. Selbst nachdem das Kind gegessen hat, steckt sie ihm noch etwas Essbares in den Mund und freut sich, wenn das Kind es schluckt. Doch am nächsten Tag wird auch sie die Leidtragende sein, wenn das Kind über Bauchschmerzen klagt.

Sri Chinmoy, Sri Chinmoy antwortet, Teil 8, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2007
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