Die Kraft der Güte und andere Geschichten

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Beethovens Aufrichtigkeit spricht[fn:: POK 1. Sri Chinmoy erzählte seinen Schülern die folgenden drei

Geschichten am 5. Januar 2003, in Cairns, Australien, während ihrer jährlichen Weihnachtsreise.]

Aufrichtigkeit inspiriert, ermutigt, erleuchtet und erfüllt die Welt.

Ludwig van Beethoven, ein unsterblicher Komponist und Musiker höchsten Ranges, gab einst eine großartige Klavierdarbietung. Das Publikum zollte ihm stehenden Applaus, der lange, lange Zeit andauerte.

Am Ende des Programms kam eine ältere Dame auf Beethoven zu und sagte: „Ich wünschte, ich könnte auch so ein Genie sein wie Sie! Ich wünschte, auch solch magische Hände wie Sie zu besitzen!“

Beethoven erwiderte sofort: „Gnädige Frau, das hier hat nichts mit Genie zu tun, es ist keine Magie im Spiel. Wenn Sie bereit sind, so wie ich, vierzig Jahre lang täglich acht Stunden zu üben, dann können Sie mit Leichtigkeit so wie ich spielen. Beginnen Sie einfach täglich stundenlang zu üben, und praktizieren Sie dies über viele, viele Jahre hinweg. Eines Tages werden Sie definitiv so gut spielen wie ich, das versichere ich Ihnen.“

Kommentar: Es gibt viele andere große Musiker, die von der Welt als wahre Genies bewundert werden, und gewiss hegen sie meist den Gedanken oder haben das Gefühl, dass ihre musikalischen Fähigkeiten weit, weit über der Reichweite gewöhnlicher, ja selbst außergewöhnlicher Menschen liegen. Sie benehmen sich möglicherweise so, als wären sie das wertvollste Geschenk des Göttlichen an die Menschheit. Beethoven war einer der größten Musikgenies, die die Welt je gesehen hat, doch er war keineswegs mit Stolz oder Arroganz erfüllt. Welche wunderbare Ermutigung vermittelte er der älteren Dame! Andere Musiker wären wahrscheinlich nicht so aufrichtig gewesen. Wahrscheinlich hätten sie stolz geantwortet: „Danke! Es ist wahr, dass ich ein Genie bin, und dieses Genie kommt direkt von Gott. Von Geburt an hat Gott mich zu einem erhabenen Musiker gemacht.“

Wir alle müssen die aufrichtige Ermutigung erhalten, die Beethoven anerboten hat. Wenn diese Ermutigung von den größten Menschen auf irgendeinem Gebiet kommt, hat sie eine enorme Kraft. Wie hart diese Genies jahrelang arbeiten, und oft bleiben sie jahrzehntelang völlig unerkannt. Es gibt so viele außergewöhnliche und herausragende Wissenschaftler, Musiker, Künstler und andere, die jahrelang Tag für Tag extrem, extrem hart arbeiten.

In der Zeit als Beethoven lebte und bereits Jahrhunderte zuvor boten Menschen, die etwas wirklich Großartiges geschaffen oder entdeckt hatten, es einfach der Welt an. Gewöhnlich haben sie keine besondere Anerkennung oder zusätzliches Geld erhalten.

Wenn heutzutage ein Wissenschaftler etwas Außerordentliches entdeckt, gibt es beispielsweise das Nobelkommitee, das dem Wissenschaftler eine Million Dollar überreicht. Wenn das nicht der Fall ist, wird dem Wissenschaftler von einer großen Universität ein neues Labor angeboten oder Ähnliches offeriert. Dann wird die Person sehr reich. Er bietet seine große Entdeckung an und erhält auch eine entsprechende Vergütung dafür.

Doch die Entdeckungen der früheren Zeiten standen den heutigen Entdeckungen in nichts nach. Was haben die brillanten Wissenschaftler vor etwa zwei- oder dreihundert Jahren erhalten? Einerseits füllten sie ihre Taschen nicht mit viel Geld bzw. konnten es nicht. Andererseits kam ihnen eine Flut von Anerkennung, Bewunderung und Liebe entgegen. Aufgrund ihres großen Herzens boten sie ihre Entdeckungen und ihre Arbeit zur Verbesserung der Menschheit kostenlos an. Gott selbst entschädigte diese großen Wissenschaftler mit Seinen unendlichen Segnungen, mit Seiner Liebe und Seinem Stolz.

Jeder Mensch muss sich entscheiden, was er will: Geld-Macht oder Herzens-Kraft. Ist es unser Wunsch, unsere Geld-Macht zu vergrößern, oder streben wir nach der Ausdehnung unserer Herzens-Kraft? Während die beiden manchmal Hand in Hand gehen, ist das innere Streben des Einzelnen von größter Bedeutung.

Napoleon verbeugt sich vor dem Heiligen Franziskus

Napoleon der Große war einst mit seinen mächtigen Truppen, darunter mehrere seiner Generäle, durch Italien unterwegs. Er stand an der Spitze einer sehr großen und majestätischen Truppe und hatte zu dem Zeitpunkt bereits viele Länder erobert.

Auf dem Weg zu ihrem nächsten Ziel sah Napoleon eine Statue des Heiligen Franziskus von Assisi. Napoleon befahl der gesamten Truppe, sofort anzuhalten. Dann nahm er seine Kopfbedeckung ab und verbeugte sich. Die Generäle waren schockiert. Sie sagten zu Napoleon: „Sire, Sie sind der größte Mann der Welt. Sie verbeugen sich nie vor jemandem, noch bringen Sie anderen Menschen hier auf der Erde Respekt entgegen. Die ganze Welt kennt Sie und verehrt Sie als die unbezwingbarste Gestalt, die je auf dieser Erde wandelte. Wie kommt es, dass Sie jetzt Ihre Kopfbedeckung abgenommen haben?“

Napoleon erwiderte: „Ich brauche Waffen und Kanonen, um die Welt zu erobern. Sobald ich ein Land erobert habe, rebelliert ein anderes Land, und dann muss ich dorthin gehen, um ihren Aufstand zu unterdrücken und das Land zurückzuerobern. Meine Siege sind in keiner Weise von Dauer.

Seht euch den Heiligen Franziskus an! Er war so ein großer Heiliger. Er hatte keine Waffen – kein Gewehr, keine Kanone. Ich habe unzählige Waffen, während er nur eine Waffe besaß: Liebe. Mit dieser Liebes-Waffe eroberte der heilige Franziskus die ganze Welt. Trotz all meiner Waffen, Kanonen, Munition, Armeen und vielem mehr sind meine Siege nie, nie von Dauer. Aber sein Sieg ist ewig, und seine einzige Waffe war die Liebe.“

Die Generäle waren tief bewegt von der Demut Napoleons. Der größte und mächtigste Mensch der Welt erkannte seine eigenen Grenzen. Napoleon Bonaparte verkündete seiner gesamten Truppe, dass ein einfacher Heiliger weit, weit mächtiger sei als er selbst. Auf diese Weise gewann Napoleon die direkte Liebe, Bewunderung, Hingabe und Loyalität seiner Truppen.

Abraham Lincoln betet für Gottes Sieg

Der große amerikanische Präsident Abraham Lincoln hatte viele heilige Eigenschaften. Er hat viele gute und bedeutende Dinge für Amerika getan. Diese Geschichte spielte sich ab, als er während des Bürgerkriegs in den Reihen seiner Armee kämpfte. Es gab einen gewaltigen Kampf, und nur Gott allein wusste, welche Seite gewinnen würde.

Lincolns Generalkommandeur fragte ihn: „Wissen Sie, was in Gottes Plan steht? Haben Sie das Gefühl, dass wir siegen werden, oder werden wir in einer schändlichen Niederlage untergehen?“

Abraham Lincoln antwortete: „Mein Problem ist nicht der Sieg. Mein Problem ist, sicher zu sein, dass ich auf Gottes Seite bin. Ich bete zu Gott. Ich weiß nicht, ob wir diesen Krieg gewinnen oder verlieren werden. Aber mein ständiges Gebet gilt dem Sieg Gottes. Ich bete, dass Er mich und diese Nation annimmt, um auf Seiner Seite zu sein. Ich bete überhaupt nicht zu Gott, dass Er auf unserer Seite steht und unsere Feinde besiegt. Nein, niemals! Ich will Gottes Sieg, nicht meinen Sieg. Das ist mein einziges Gebet.“

Der Generalkommandant und all seine Männer waren zutiefst berührt von Lincolns spiritueller Tiefe, die er auch während des harten Kampfes beibehielt.

In seiner zweiten Antrittsrede, kurz vor seinem Sieg, bekräftigte Lincoln noch einmal seinen Glauben an Gott und sein Gebet, dass Gottes Wille erfüllt werden möge. In Bezug auf den Norden und den Süden sagte Lincoln: „Beide lesen die gleiche Bibel und beten zum gleichen Gott; und jeder ruft Seine Hilfe gegen den anderen an. Es erscheint seltsam, wie Menschen es wagen, einen gerechten Gott um Hilfe zu bitten, ihr Brot aus dem Schweiß und der Mühsal anderer Menschen zu wringen; aber lasst uns nicht urteilen, auf dass wir nicht gerichtet werden…..der Allmächtige hat Seine eigenen Ziele.“

Wie sich herausstellte, wurde Gottes Sieg definitiv in und durch die äußerst mutige Führung von Präsident Lincoln errungen. Leider wurde er nur wenige Tage nach diesem unsterblichen Sieg ermordet.

Die Kraft der Güte[fn:: POK 4-20. Sri Chinmoy erzählte die folgenden Geschichten

am 20. und 23. Januar 2003 in Cairns, Australien.]

Der Güte-Aspekt des Lebens bringt uns unserem Ziel sehr, sehr viel näher. Wie kann Freundlichkeit die menschliche Natur zum Besten verändern!

Es gab eine Schule mit etlichen Schülern. Die meisten davon waren hervorragende Schüler. Es gab nur einen bedauerlichen Jungen, der leider überhaupt kein guter Schüler war. Gleichzeitig hatte er eine sehr schlechte Angewohnheit: er pflegte zu stehlen. Nicht selten verpasste dieser Junge den Unterricht, um Geld und andere Wertsachen der Leute zu stehlen.

Einige der Jungen lebten in einem Wohnheim und von Zeit zu Zeit stellten sie fest, dass ihnen Geld fehlte. Das ging lange so weiter und die Schüler waren darüber äußerst frustriert. Sie hatten keine Ahnung, wer der eigentliche Dieb war.

Einem der intelligentesten Studenten kam eine brillante Idee in den Sinn. An einem bestimmten Tag meldete sich dieser Junge krank und kam nicht zum Unterricht. Er versteckte sich im Schlafsaal. Wie es das Schicksal wollte, kam der Student, der die Angewohnheit hatte zu stehlen, in den Raum, um etwas zu stehlen. Dabei wurde er auf frischer Tat ertappt. Der gute Schüler informierte sofort die Schulleitung. Die Nachricht, dass der Dieb erwischt wurde, verbreitete sich sehr schnell in der Schule. Alle Schüler bekamen mit, wer der Täter war, und sie begannen, ihn unerbittlich zu beschimpfen.

Die Lehrer wollten die Angelegenheit der Polizei übergeben. Sie sagten: „Dieser Junge sollte bestraft werden! Er sollte ins Gefängnis kommen!” Der Schulleiter teilte ihnen entschlossen mit: „Nein, das werde ich nicht zulassen. Das wird Schande über meine Schule bringen. Außerdem möchte ich diesem Jungen und auch den anderen Schülern wirklich helfen.”

Der Direktor rief alle Schüler und Lehrer zusammen, einschließlich des Jungen, der das Geld gestohlen hatte. Er sagte zu den Studenten: „Ihr müsst ehrlich zu mir sein. Ich möchte, dass jeder von euch, dem Geld abhanden gekommen ist, mir sagt, wie viel ihm abhanden gekommen ist.“

Ein Schüler sagte: “Ich habe zehn Dollar verloren.” Andere sagten zwanzig, dreißig, vierzig und so weiter. Der Gesamtbetrag belief sich auf 300 Dollar. Gleich an Ort und Stelle nahm der Schulleiter 300 Dollar aus seiner eigenen Brieftasche und gab jedem Schüler, dem Geld abhanden gekommen war, genau den Betrag zurück, der ihm gestohlen worden war.

Der Junge, der das ganze Geld gestohlen hatte, wurde schwer gedemütigt. Dann sagte der Schulleiter zu ihm: „Du kannst in dein Klassenzimmer zurückkehren. Du solltest all deine Seminare zu Ende bringen.“

Der Junge gehorchte dem Schulleiter und besuchte wieder den Unterricht. Aber die anderen Schüler schauten weiter auf diesen Jungen herab. Sie tuschelten hinter seinem Rücken über ihn und machten auch direkt vor ihm Späße über ihn. Als der Schulleiter hörte, was los war, wurde er extrem traurig. Er sagte zu den Schülern: „Die Art und Weise, wie ihr euch benehmt, ist nicht gut. Wir müssen die Menschen mit unserer Güte besiegen. Ihr seid alle meine Schüler. Ich werde der stolzeste Mensch sein, wenn es euch gelingt, Güte, Mitgefühl und Vergebung zu zeigen.“

Der Schulleiter war ein wirklich ausgezeichneter Mensch. Leider hörten weder die Schüler noch die Lehrer auf ihn. Es gelang ihnen einfach nicht, diesen bestimmten Schüler freundlich oder positiv zu betrachten. Nachdem der Junge beim Stehlen erwischt wurde, hörte er sofort mit damit auf. Er war entschlossen, ein gutes Leben zu führen, aber er wurde immer wieder wegen seiner früheren Taten verspottet.

Wiederholt bat der Schulleiter seine Schüler und Lehrer eindringlich: „Ich bitte euch, seid bitte nett zu diesem Jungen. Er hat das Stehlen ganz aufgegeben. Wir alle haben Schwächen, die wir überwinden müssen. Bitte versucht, Güte, Mitgefühl und Vergebung in eurem Herzen zu finden.“

Langsam, aber sicher, wirkte die eindringliche Bitte des Schulleiters. Die Menschen begannen, den Jungen mit aufrichtiger Freundlichkeit und Anteilnahme zu behandeln.

Nach vier oder fünf Jahren schloss er sein Studium ab und nahm eine Arbeit auf. Er erhielt eine ausgezeichnete Stelle im Bauwesen. Gleich nachdem sein erstes Gehalt überwiesen wurde, bestand seine erste Tat darin, 300 Dollar in bar abzuheben und zu seiner alten Schule zu gehen. Der Schulleiter war noch da.

Mit gefalteten Händen bot der junge Mann dem Schulleiter das Geld an und sagte zu ihm: „Ich bin Ihnen ewig dankbar. Sie haben mir das Leben gerettet. Alle anderen wollten mich ins Gefängnis werfen, aber Sie haben es nicht zugelassen. Ich habe 300 Dollar gestohlen, die Sie selbst den Studenten gegeben haben, von denen ich das Geld gestohlen hatte. Jetzt gebe ich Ihnen die 300 Dollar zurück.“

Dem Schulleiter kamen Tränen der Freude und des Stolzes. Er umarmte den jungen Mann und sagte: „Mein Sohn, meine Güte wurde aufs höchste belohnt. Ich bin so stolz auf dich und so dankbar. In der Zukunft, mein Junge, stiehl nicht. Stiehl niemals.” Der junge Mann antwortete: „Ich habe ganz aufgehört zu stehlen. Nie wieder in meinem Leben werde ich stehlen. Ich habe ein neues Kapitel aufgeschlagen, und das liegt alles an Ihrer Güte. Ich versichere Ihnen, wenn ich Kinder habe, werden meine Kinder von dem, was ich getan habe, nicht betroffen sein. Sie werden nicht so sein wie ich. Ich werde nur Aufrichtigkeit, Güte, Anteilnahme und Mitgefühl in die Herzen und das Leben meiner Kinder einfließen lassen, so wie Sie es bei mir gemacht haben.”

Wieder und wieder bedankte sich der junge Mann beim Schulleiter und sagte: „Sie haben mein Leben gerettet! Sie haben mein Leben gerettet!” Dann verbeugte sich der junge Mann noch einmal sehr tief vor dem Schulleiter und verabschiedete sich.

Am nächsten Tag erzählte der Schulleiter allen Schülern von diesem besonderen Vorfall. Die meisten der Schüler, die von der Diebstahl-Episode wussten, hatten bereits ihre Prüfungen abgelegt und ihren Abschluss gemacht.

Der Schulleiter sagte: „Vor vielen Jahren handelte jemand in dieser Schule falsch. Er stahl vielen Schülern Geld, während sie im Unterricht waren. Als er schließlich erwischt wurde, zeigte jemand diesem Jungen gegenüber Güte. Die meisten Leute wollten ihn ins Gefängnis stecken, aber dieser Jemand ließ das nicht zu. Der Junge krempelte sein Leben um und wurde sehr, sehr gut und nett. Ich sage euch das alles, weil ich nicht möchte, dass ihr die gleiche Geschichte wiederholt.

„Ihr dürft euch nicht angewöhnen, etwas zu stehlen. Gleichzeitig dürft ihr euch nicht angewöhnen, auf andere herabzublicken. Wir alle haben Schwächen. An welchem Punkt unsere Schwächen überhand nehmen werden, wissen wir nicht. Wenn wir zu anderen gütig und mitfühlend sind, besteht die Möglichkeit, dass unser Mitgefühl, unsere Güte und Vergebung sowohl in ihrem Leben wie auch in unserem Leben Wunder wirken.”

Die göttliche Bestrafung

Es gab einmal einen spirituellen Meister in Indien, der etwa zehn Schüler hatte. Der Meister war mit allen seinen Schülern äußerst streng. Manchmal schlug er sie tatsächlich, wenn sie sich nicht richtig verhielten. Irgendwann wurde der Meister sehr krank. Dennoch schimpfte er drei seiner Jünger sehr heftig, weil er mit ihrem inneren Streben unzufrieden war. Die Schüler konnten ihren Zorn nicht unter Kontrolle halten und begannen, den Meister grün und blau zu schlagen.

Der arme Meister war dem Tod nahe. Er sagte zu den drei Schülern: „Ihr habt mich schwer geschlagen. Ich werde jetzt sterben, aber ich werde euch verfluchen. Ihr werdet nicht glauben, was mein Fluch ist: Aus der inneren Welt werde ich euch zu einem Meister schicken, der unendlich höher ist als ich.“ Wenige Tage später trat der Meister hinter dem Vorhang der Ewigkeit.

Etwa ein Jahr lang erschien der Meister diesen drei Schülern wiederholt in ihren Träumen. Er versuchte, sie zu inspirieren, er flehte sie an und befahl ihnen, zu einem anderen spirituellen Meister zu gehen. Er sagte ihnen: „Ihr werdet diesen Meister nicht schlagen können. Er ist unendlich viel höher als ich. Geht zu ihm! Euer neuer Meister wird in der Nähe des Golfs von Bengalen sein und hat viele Schüler.“

Ihr Meister gab ihnen eine vollständige Beschreibung des neuen Meisters, aber er erwähnte den Namen nicht. Die drei Schüler suchten nach dem neuen Meister und fanden ihn in der Nähe des Golfs von Bengalen. Sie schlossen sich seinem Ashram an und begannen, aufrichtig zu streben. Schließlich schrieben sie ein Buch darüber, wie sie für den Tod ihres ehemaligen Meisters verantwortlich waren.

Seht den Edelmut und die Weite des Herzens ihres Meisters! Seine Strafe war es, sie zu einem höheren Meister zu schicken.

Swami Vivekanandas Wunsch nach Initiation

Gott spielt solch geheimnisvolle Spiele mit jedem Einzelnen. Wir haben keine Ahnung, an welchem Punkt ein unerwartetes Ereignis in unser Leben eintreten wird.

Swami Vivekananda war eine große, große spirituelle Gestalt. Er war ein gewaltiger Riese in den inneren Welten. Nur ein oder zwei Tage vor Sri Ramakrishnas irdischem Abschied – einige sagen, es war sogar nur ein paar Stunden zuvor – sagte Naren (Swami Vivekananda) zu seinem Meister: „Du verlässt uns. Was hast du mir gegeben? Was kannst du tun?“ Sri Ramakrishna antwortete: „Ich gebe dir jetzt alles.“ Er konzentrierte sich auf Naren und trat in einen Trancezustand. Danach sagte er zu Naren: „Jetzt bin ich ein Bettler. Dir habe ich alles gegeben. All meinen inneren Reichtum habe ich dir gegeben.“

Naren war Sri Ramakrishnas liebster Schüler. Sri Ramakrishna hatte Narens Seele auf die Erde gebracht, damit er für ihn und seine Gemahlin Sarada Devi arbeitet. Er brachte Naren stets unendliche Zuneigung und Liebe entgegen. Oft schwärmte er vor den anderen Schülern von Narens Größe.

Bei einem anderen Anlass, es war nachdem Swami Vivekananda bereits das Herz Amerikas erobert und weltberühmt geworden war, kam plötzlich ein starker Wunsch in ihm auf. Zu dieser Zeit hatte Sri Ramakrishna den Körper verlassen, aber Sarada Devi war noch im Physischen.

Swami Vivekananda sagte: „Thakur (Sri Ramakrishna) hat mich nicht initiiert. Ich brauche die Einweihung, um Fortschritt zu machen.“

Kann man sich das vorstellen! Durch das Mitgefühl, die Segnungen und die Gnade seines Meisters war Swami Vivekananda zu einer der absolut höchsten spirituellen Gestalten geworden. Doch nun suchte er die Initiation bei einem anderen spirituellen Meister, Pavhari Baba, der in Ghazipur lebte. Swami Vivekananda hatte zu dieser Zeit bereits seine eigenen Schüler, dennoch hatte er immer noch das Gefühl, dass er eine Initiation brauche!

Swami Vivekananda ging nach Ghazipur. Er besuchte Pavhari Baba in seinem Haus und bat ihn um Einweihung, nicht einmal, sondern sechzehn Mal! Jedes Mal, wenn er zu Pavhari Baba ging, hatte Swami Vivekananda eine Vision von seinem eigenen Guru, Sri Ramakrishna, der ihn mit einem sehr traurigen Gesicht ansah. Schließlich verlor Swami Vivekananda seinen ganzen Wunsch nach Initiation. Er sagte: „Ich werde nicht mehr zu Pavhari Baba oder einem anderen großen Meister gehen. Ich werde meinen Meister nicht mehr quälen.”

Selbst wenn ein Mensch einen sehr, sehr hohen spirituellen Zustand erreicht, darf er nicht glauben, dass er vor Fehlern sicher ist. Warum Dinge geschehen, wissen wir nicht; aber wir müssen immer zu unserem geliebten Höchsten Herrn um Seinen Schutz beten.

Sarada Devi tröstet Swami Vivekananda

1898 war Swami Vivekananda mit einigen seiner Schüler, darunter Schwester Nivedita, in Kaschmir. Dort hatte er eine sehr ungewöhnliche und beunruhigende Erfahrung.

Ein Schüler eines muslimischen Fakirs pflegte zu Swami Vivekananda zu kommen und hörte ihm zu. Dieser Schüler fühlte sich sehr von Swami Vivekananda angezogen. Sein eigener Meister hatte ein wenig okkulte Macht, aber er war praktisch unbekannt, während Swami Vivekananda zu dieser Zeit ziemlich berühmt war. Eines Tages bat der Mann darum, Swami Vivekanandas Schüler zu werden, und Vivekananda nahm ihn an.

Als der Guru dieses Mannes, der Fakir, herausfand, was passiert war, wurde er richtig wütend. Er sagte zu seinem Schüler: „Vivekananda hat dich von mir weggenommen. Sag ihm, dass ich ihm zwei Wochen gebe. Wenn er dich länger als zwei Wochen als seinen Schüler behält, werde ich meine okkulte Kraft nutzen, und er wird Blut erbrechen. Du bist mein Schüler! Er hat kein Recht, dich als seinen Schüler anzunehmen.“

Als Swami Vivekananda diese kraftvolle Botschaft hörte, sagte er dem Suchenden: „Gut! Wenn du mein Schüler bleiben willst, werde ich dich definitiv behalten. Du kannst bei mir bleiben. Seine Drohung wird keine Auswirkungen auf mich haben.“

Der Schüler blieb. Doch nachdem zwei Wochen vergangen waren, wurde Swami Vivekananda schwer krank. Er begann, Blut zu erbrechen, und bekam schwere Magenprobleme. Sein Zustand war sehr ernst. Als dieser bestimmte Schüler sah, was geschehen war, eilte er zu seinem ursprünglichen Meister zurück.

Das Ganze stimmte Swami Vivekananda traurig und machte ihn deprimiert und wütend. Er reiste zurück nach Bengalen. Noch immer schmollte er und war wütend. Vor Sarada Devi stehend sagte er: „Thakur (Sri Ramakrishna) sagte immer, dass ich sein Liebster sei, sein Liebster! Wie kommt es dann, dass ich unter dieser Art von Demütigung leiden muss? Wie konnte er zulassen, dass so etwas geschieht? Was hat Thakur gemacht? Konnte er nicht sehen, wie sehr ich durch die Hände dieses Meisters und seines Schülers gelitten habe? Er hat mir überhaupt nicht geholfen. Was nützen mir all meine Erkenntnisse, wenn ich mich nicht vor den okkulten Kräften des Fakirs schützen konnte?“ Swami Vivekananda war extrem wütend auf Sri Ramakrishna und auf sich selbst.

Sarada Devi besaß solche Weisheit. Sie verkörperte vollkommen die Mutter des Mitgefühls. Sie sagte zu Swami Vivekananda: „Mein Sohn, dieser Schüler hatte einen spirituellen Vater. Wenn du einen Schüler hättest, der zu jemand anderem ginge, jemand, der bedeutender ist als du, wärst du darüber nicht traurig? Anders gesagt, wenn du zu anderen Meistern gehst und ihr Schüler werden willst, bricht es deinem spirituellen Vater das Herz. Sri Ramakrishna ist in der Seelenwelt, das ist wahr. Doch wenn jemand in dein Leben gekommen ist, um dein spiritueller Vater zu sein, solltest du ihm treu bleiben. Unabhängig von der Größe des anderen Meisters, brich nicht die Bindung, die Gott geschaffen hat. Gott schuf eine Person als Meister und eine als Schüler. Dieser Schüler gehört seinem ursprünglichen Meister. Ebenso sollen diejenigen, die deine Schüler sind, bei dir bleiben. Wenn sie zu einem anderen Meister gehen, wird es dich dann nicht traurig stimmen?”

Die spirituelle Mutter fuhr fort: „Wenn der Meister, der seine okkulte Kraft gebrauchte, eine höhere Weisheit gehabt hätte, wenn er Einssein mit dem Willen Gottes gehabt hätte, dann hätte er gesagt: ‚Wen kümmert es, wenn dieser Schüler von mir zu einem anderen Meister geht? Wenn er die Verwirklichung mit Hilfe eines anderen Meisters erhält, dann soll er gehen. Meine Bestreben liegt einzig darin, Menschen zu helfen, das Ziel zu erreichen.‘ Wenn dieser Meister eine höhere Weisheit gehabt hätte, hätte er keine okkulte Kraft benutzt, um dein Leben elend zu machen. Er hätte seinem Schüler erlaubt, bei dir zu bleiben. Er mag traurig gewesen sein, aber okkulte Macht zu nutzen, um einen anderen Meister zu bestrafen, ist sehr schmerzhaft und nicht richtig. Zum Abschluss, mein Sohn, möchte ich dich daran erinnern, dass Thakur an die Synthese aller Religionen geglaubt hat. Fühle dich daher nicht traurig, dass dieser Schüler zu seinem eigenen Meister zurückgekehrt ist.“

Trinkgeld für den Meister

Fünf Schüler eines Meisters, der nicht mehr im Physischen weilte, kamen einst zu mir nach New York. Lasst uns diesen Meister Guru Sukha nennen. Dieser Guru besaß eine sehr, sehr gute Seele und hatte viele Schüler.

Fünf dieser Schülern hatten nach und nach während des Schlafs Träume, in denen ihnen der Meister erschien und sie bat: „Bitte geh zu Sri Chinmoy, bitte geh zu Sri Chinmoy.“ Er erzählte ihnen auch sehr nette Dinge über mich in ihren Träumen.

Zuerst kam einer von Guru Sukhas Schülern zu mir. Zwei Monaten danach kam ein anderer und dann noch einer und noch ein einer. Alle von ihnen hatten die gleiche Geschichte: „Der Meister kommt immer wieder in meinen Träumen zu mir und fleht mich an, dein Schüler zu werden.“

Leider blieb keiner dieser Schüler auf meinem Weg. Sie alle dachten, ich sei zu hoch für sie!

Unter diesen Schülern befand sich auch eine Friseuse. Sie erzählte all ihren Kunden von mir. Wenn sie ihnen von mir erzählte, hatte sie Tränen der Ergebenheit in ihren Augen. Ihre Kunden waren davon so berührt, dass sie der Dame oft ein kleines Trinkgeld für ihren Meister gaben, und sie nahm ihre Spenden gerne entgegen. Nach einiger Zeit verließ sie den Weg.

Vier oder fünf Jahre später, ganz unerwartet, kam diese Dame zu mir nach Hause. Ich war auf meiner Veranda, als sie mit einer sehr großen Tasche voller Münzen, sowie Ein- und Fünf-Dollar-Scheinen ankam, um mir diese Tasche zu geben. Ich fragte sie: „Was ist passiert?“

„Ich bin nicht bereit, deine Schülerin zu sein“, antwortete sie, „aber ich spüre diese tiefe innere Sehnsucht, wenn ich meinen Kunden von dir erzähle. Ich denke die ganze Zeit an dich. Wenn ich mit meinen Kunden spreche und ihnen von dir erzähle, sind sie so bewegt. Sie geben mir Geld für dich, also habe ich dir das Geld gebracht, das sie dir geben wollten.”

Ich sagte: „Warum kommst du nicht auf unseren Weg zurück?“

„Oh, nein, dein Weg ist zu hoch für mich! Ich kann nicht“, antwortete die Dame.

Guru Sukha war ein sehr guter und echter Meister. Einige Meister wollen, dass ihre Schüler auf ihrem Weg bleiben, auch wenn die Schüler bei einem anderen Meister sein wollen. Wiederum senden Meister wie Guru Sukha ihre eigenen Schüler zu einem anderen Meister, wenn sie das Gefühl haben, dass ein bestimmter Meister ihren Schülern helfen kann, weiterhin Fortschritt zu machen. Das ist schon viele, viele Male passiert. Um ehrlich zu sein, es gibt viele Wege, um zum Ziel zu gelangen.

Nur Gott kann sie heilen

Vor etwa hundert Jahren lebte in Indien ein sehr guter und freundlicher spiritueller Meister. Nennen wir ihn Guru Raghunath. Damals war er fünfundachtzig oder neunzig Jahre alt und sehr krank. Sein liebster Schüler war eine Frau. Eines Tages kam sie, um sich um ihren Meister zu kümmern, aber sie wurde aus irgendeinem dummen Grund wütend auf ihn. Sie schlug ihn mit einem sehr großen Holzlöffel. Guru Raghunath fiel von seinem Bett herunter und starb.

Es waren drei oder vier weitere Schüler im Raum anwesend, die alles mit angesehen hatten. Sie waren sehr aufgebracht über diese Frau, haben sie aber nicht bei den Behörden angezeigt.

Die Geschichte endet nie! Viele Jahre später war ein anderer Meister – nennen wir ihn Guru Achal – in Nordindien, um einen Vortrag zu halten. Noch bevor der Vortrag begann, stand ein Mann auf und kam ganz nah zu ihm heran. Der Mann schrie: „Wo ist dein Kreuz? Wo ist dein Kreuz?“

Der Mann wollte, dass Guru Achal sein Kreuz zeigt. Andernfalls fühlte er, dass Guru Achal nicht berechtigt war, zu sprechen.

Ein anderer Mann stand auf und sagte: „Jesus Christus war selbst ein Jude!“ Eine weitere Gruppe kam dem Meister zu Hilfe und schrie den ersten Mann an: „Zeig du Jesus Christus dein Kreuz!“

Schließlich beruhigten sich alle und der Meister konnte seinen Vortrag halten. Nachdem alles vorbei war, kam eine Dame zum Meister und sagte: „Guru Achal, Guru! Bitte tue mir einen Gefallen.“ Er fragte sie: „Welche Art von Gefallen möchtest du?“

Sie antwortete: „Bitte sag mir die Wahrheit. Ich bin Guru Raghunaths Schülerin. Die Leute sagen, dass ich meinen Meister geschlagen und getötet habe. Ist es wahr?“

Das war die Frage, die die Dame Guru Achal stellte! Er war so schockiert. Er sagte zu ihr: „Bin ich derjenige, der diese Frage für dich beantwortet? Du weißt nicht, ob du deinen Meister getötet hast?“

„Oh, nein, du musst es mir sagen!“

Er antwortete: „Ich weiß nicht, ob du deinen Meister geschlagen hast oder nicht. Du bist diejenige, die diese Frage beantworten muss.“

Dann legte die Dame ihre Hände auf ihren Hals und fing an, ihn zu massieren. Sie sagte: „Bitte rette mich!“

„Was ist passiert?“, fragte er.

„Ich habe einen Tumor im Hals. Du kannst mich heilen!“

„Ich besitze diese Kraft nicht,“ entgegnete Guru Achal der Dame. „Es gibt andere Meister, die diese Kraft haben, aber nicht ich.“ Sie fuhr fort: „Nein, nein. Ich weiß, dass du mich heilen kannst. Kannst du nicht wenigstens meinen Hals berühren?“

„O Gott! Ich kann deinen Hals nicht berühren. Es tut mir sehr leid“, sagte Guru Achal. „Aber ich kann eine Sache tun.“

„Was?“ fragte sie.

Der Meister antwortete: „Ich kann zu Gott beten, dass er dich heilt.“ Die Dame war sehr glücklich, dass er in ihrem Namen zu Gott beten würde.

Anstatt zu Gott zu beten, um sie zu heilen, betete der Meister zu Gott: „Lass deinen Willen geschehen.“

Ein spiritueller Meister rettet den anderen

Es gab einen sehr, sehr hohen spirituellen Meister. Nennen wir ihn Meister Balakrishna. Eines Tages meditierte er äußerst kraftvoll in einem Wald. Leider war der Wald extrem trocken und es brach ein Feuer aus. Dabei wäre Meister Balakrishna selbst fast zu Asche verbrannt. Ein anderer spiritueller Meister – nennen wir ihn Lalit – wurde sich der Notlage bewusst, in der sich Balakrishna befand. Lalit hatte das Feuer besiegt; daher konnte ihm Feuer nichts anhaben. Er nahm eine andere Form an, so dass Balakrishna ihn nicht erkennen konnte. Er ging zu Balakrishna, nahm ihn wie ein Kind in die Arme und trug ihn vom Feuer weg. Auf diese Weise rettete Lalit Balakrishna das Leben.

Viele Jahre später ging Balakrishna zu Lalit, weil Lalit ein so großer spiritueller Meister war. Als Lalit Balakrishna sah, sagte er: „Erinnerst du dich an den Vorfall, als du in einem Wald meditiertest und dort Feuer ausgebrochen ist?“

„Was ist dann passiert?“ erkundigte sich Balakrishna.

„Jemand kam und….“

„Ja!“ rief Balakrishna aus. „Jemand kam aus heiterem Himmel. Er packte mich und brachte mich aus dem Wald in Sicherheit. Diese Person hat mir das Leben gerettet!“

Lalit fragte: „Wer war diese Person?” Dann nahm er die gleiche Form an, die er angenommen hatte, als er Balakrishna rettete. „Siehst du“, sagte er, „ich bin derjenige, der dich gerettet hat.“

Balakrishna wusste, dass jemand gekommen war und ihn vor dem Feuer gerettet hatte, aber er hatte keine Ahnung, wer es war. Es gab überhaupt keine Ähnlichkeit zwischen Lalits gewöhnlicher Form und der Form, die er angenommen hatte, als er in den Wald ging, um Balakrishna zu retten.

Nach dieser Offenbarung standen Balakrishna und Lalit einander sehr nahe. Lalit wollte immer, dass Balakrishna viel höher geht und seine eigene gegenwärtige spirituelle Höhe überschreitet. Er pflegte Balakrishna zu sagen: „Du kannst immer noch viel höher, viel höher gehen! Warum gehst du nicht so hoch, wie du kannst?”

Zu dieser Zeit hatte Balakrishna viele Schüler. Ihnen gegenüber kritisierte Lalit auch Balakrishna. „Ihr habt einen so schlechten Meister!”, pflegte er zu sagen. „Er geht nicht annähernd so hoch, wie er gehen könnte.” Seine Schüler ärgerten sich sehr darüber. Sie pflegten zu sagen: „Du hast kein Recht, schlecht über unseren Meister zu sprechen. Wie kannst du es wagen, ihn zu kritisieren!” Die Zeit kam, als Lalit beschloss, sein irdisches Dasein zu beenden. Er sagte zu Balakrishna: „Wenn ich den Körper verlasse, möchte ich, dass du dich um meinen Ashram und alle meine Jünger kümmerst.” Balakrishna war fassungslos. „Nein, das kann ich nie tun“, sagte er. „Du sagst immer so schlimme Dinge über mich. Du kritisierst mich ständig. Wie kann ich mich um deine Jünger kümmern?“

Meister Lalit sagte: „Nein, nein, nein! Meine Jünger sind dir nicht gewachsen. Du bist viel, viel weiter entwickelt als sie, nur möchte ich, dass du noch höher gehst. Deshalb habe ich dich vor deinen Jüngern kritisiert.“

Meister Balakrishna antwortete: „Ich will deine Position nicht einnehmen. Das werde ich nicht tun.“

„Alles in Ordnung, alles gut”, sagte Lalit. „Alles, worum ich dich bitte, ist, dass du aufrichtiger betest und meditierst.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Balakrishna viel okkulte Kraft erworben und er hatte viele, viele hohe, höhere und höchste spirituelle Erfahrungen gemacht. Er hatte auch viele eigene Jünger. Er hatte drei oder vier Meister, die ihm sehr geholfen haben. Er hatte für ein paar Jahre einen Meister, und nahm sich anschließend jemand anderen als Meister. Doch er akzeptierte nie einen einzigen spirituellen Meister.

Sri Aurobindo TranszEndiert die Errungenschaft seines Gurus

Während der Zeit, die Sri Aurobindo in Baroda verbrachte, suchte er nach jemandem, der ihm in seiner Sadhana helfen konnte. Sein Bruder Barin hatte von einem Guru namens Vishnu Bhaskar Lele gehört, und dieser Guru wurde eingeladen, nach Baroda zu kommen und Sri Aurobindo zu initiieren.

Sri Aurobindo traf sich 1908 mit Lele. Lele besaß große Aufrichtigkeit, und er stimmte zu, Sri Aurobindo zu unterrichten. Lele selbst hatte viele Jahre gebraucht, um seinen Verstand ruhig und still zu machen. Sri Aurobindo blieb mit Lele drei Tage lang in einem kleinen Raum. Während dieser Zeit gelang es ihm, das zu erreichen, wofür Lele Jahre gebraucht hatte. Viel später schrieb Sri Aurobindo, dass sein Verstand „voll von ewiger Stille“ wurde.

Wer hat diese große Leistung verkündet? Lele selbst. Er war so stolz auf seinen Schüler. Er sagte zu Sri Aurobindo: „Ich habe sieben Jahre gebraucht, um meinen Verstand ruhig zu stellen, und du hast es in nur drei Tagen geschafft!“

Der Meister war genau wie ein Vater in seinem Stolz auf seinen Schüler. Wenn der Sohn die Leistungen seines Vaters überschreitet, wird der Vater zum stolzesten Menschen!

Leles Rat für Sri Aurobindo

Einige Wochen nachdem er Lele getroffen hatte, sollte Sri Aurobindo eine sehr wichtige Rede in Bombay halten. Es wurden viele Menschen erwartet, und die Veranstaltung war von großer Bedeutung. Leider kam Sri Aurobindo keine Inspiration für die Rede, ihm kamen keine Ideen in den Sinn. Durch seine spirituelle Praxis unter der Führung von Lele war sein Geist ruhig und still geworden. Sri Aurobindo war äußerst beunruhigt darüber, was ganz verständlich ist.

Lele ermutigte Sri Aurobindo weiterzumachen und die Rede zu halten. Lele beteuerte ihm, dass alles in Ordnung gehen würde. Anschließend riet er Sri Aurobindo: „Geh einfach auf die Bühne und verbeuge dich vor Lord Narayan. Sobald du dich verbeugst, wirst du feststellen, dass du deine ganze Rede halten kannst.“

Sri Aurobindo glaubte an Lele, und er tat genau das, was sein Meister ihm geraten hatte. Dann hielt er eine wunderbare und seelenberührende Rede. Nach dieser Rede befolgte Sri Aurobindo diesen Ratschlag bei alle Reden, die er hielt. Seine berühmteste und historische Rede hielt er am 30. Mai 1909 in Uttarpara, kurz nach seinem Freispruch im Alipore-Bomben-Fall. Zehntausend Menschen waren im Publikum. In dieser unsterblichen Rede beschrieb Sri Aurobindo ausführlich seine ganzen spirituellen Erfahrungen während seiner Zeit im Gefängnis von Alipore.

Viele Jahre später sagte Sri Aurobindo: „Ich habe drei Dinge von Lele erhalten: das stille brahmanische Bewusstsein mit seiner unendlichen Weite – eine Erfahrung, die konkret war, die Kraft zu sprechen und zu schreiben, ohne den Verstand zu benutzen und die Gewohnheit, mich unter die Führung einer Macht zu stellen, die höher ist als der Verstand.“

Die Wege von Sri Aurobindo und Lele trennen sich

Durch einen unglücklichen Zufall beendeten Sri Aurobindo und Meister Lele ihre Beziehung. Lele erkannte, dass Sri Aurobindo sehr schnellen spirituellen Fortschritt machte. Einmal gab er Sri Aurobindo einen Rat zu einem bestimmten Aspekt der höheren Spiritualität, der von Sri Aurobindo überhaupt nicht angenommen wurde.

Lele sagte zu Sri Aurobindo: „Wenn du meinen Rat nicht akzeptierst, dann sage ich dir, dass du vom Teufel erwischt wirst.“

„Schön! Ich bin bereit, vom Teufel erwischt zu werden“, antwortete Sri Aurobindo. „Aber ich will dir nicht mehr zuhören.“ Zu diesem Zeitpunkt war Sri Aurobindo weit, weit höher als sein Meister gegangen. Er brauchte keinen menschlichen Guru mehr.

Lele hatte vier sehr enge Schüler. Nachdem Sri Aurobindo und Lele dieses bedauerliche Gefühl füreinander entwickelt hatten, verließen diese Schüler Lele und begannen, Sri Aurobindo zu folgen. Später kamen sie alle in den Sri Aurobindo Ashram. Alle vier Schüler von Lele wurden von Sri Aurobindo angenommen. Sie wurden seine allerengsten Begleiter und waren rund um die Uhr für ihn da. Viele Jahre später kam einer dieser Säulen des Ashrams nach New York, und ich ehrte ihn. Sein Name war Champaklal. Er war zu jedem Zeitpunkt des Tages für Sri Aurobindo verfügbar.

Wenn es um Geschichten von den Meistern und ihren Schülern geht, gibt es keine feste und schnelle Regel darüber, was ein spiritueller Meister tun wird, wenn der Schüler eines anderen Meisters seinen Weg gehen will. Im Fall von Sri Aurobindo nahm er die Schüler von Lele an.

Chaitanyas liebster Schüler

Sri Chaitanyas liebster Schüler war Nityananda. Nityananda entsagte der Welt und wollte nur dem spirituellen Leben folgen. Er hatte sich entschieden, stets das einfache Gewand eines Sanyassins zu tragen und ein sehr reines Leben zu führen. Er legte ein Gelübde ab, nie zu heiraten.

Sri Chaitanya sagte zu seinem Schüler: „Mein Sohn, dein Rückzug aus der Welt ist nicht richtig für deine Spiritualität. Ich will, dass du heiratest.“

Nityananda rief aus: „Ich, Meister? Du willst, dass ich heirate?“

„Ja, mein Sohn“, antwortete Sri Chaitanya.

Das war weit jenseits von Nityandas abenteuerlichster Vorstellungskraft. Er hatte der Welt völlig entsagt und führte ein reines und einfaches Leben des Gebets und der Meditation. Er hatte das Gefühl, dass das genau das sei, was sein Meister von ihm wollte.

Sri Chaitanya sagte: „Wenn du der Welt entsagst, dann werden andere das Gefühl haben, dass Ehe und Spiritualität nicht Hand in Hand gehen können. Du musst heiraten, Nityananda. Ich möchte dies für deinen eigenen spirituellen Fortschritt. Ich möchte, dass du die Welt akzeptierst. Schließlich bist du mein liebster Schüler. Die meisten meiner Schüler wollen durch die Ehe gehen. In ihrem Fall ist es ihre eigene Entscheidung, ob sie heiraten und Kinder bekommen wollen. Aber in deinem Fall musst du beweisen, dass du, selbst wenn du heiratest, deine Spiritualität bewahren kannst. Ich versichere dir, du wirst nicht einen Zentimeter in deiner spirituellen Höhe fallen, Nityananda. Bitte heirate.“

Nityananda hörte auf seinen Meister.

Sri Chaitanya riet nicht vielen seiner Schüler zu heiraten. Sie waren spirituell viel schwächer. Nur denjenigen, die spirituell sehr stark waren, erlaubte er zu heiraten.

Brahmananda verliert seine kleine Fessel

Neben Swami Vivekananda war Brahmananda Sri Ramakrishnas liebster Schüler. Er erreichte höhere Höhen als Vivekananda. In jeder Hinsicht stand er Sri Ramakrishna sehr, sehr nahe.

Brahmanandas Kindheitsname war Rakhal. Bereits in seiner frühen Jugend hatte sein Vater eine Heirat für ihn arrangiert. Sein Vater war ein Brahmane, und es war ihm sehr wichtig, dass sein Sohn verheiratet war. Rakhal wurde von ihm buchstäblich zum Heiraten gezwungen.

Nachdem Rakhal verheiratet war, sagten die meisten seiner spirituellen Brüder: „Ach, unser Bruder ist gefallen! Er ist so tief gefallen!“

Sri Ramakrishna schimpfte sie sofort. Er sagte: „Ich will nichts von diesem Gerede hören! Ihr wisst, wie sehr ich meinen liebsten Rakhal mag.“ Dann bekamen Rakhal und seine Frau einen kleinen Jungen. Wieder einmal kritisierten die Jünger Rakhal gnadenlos. Sie sagten: „Er ist ganz vom spirituellen Leben abgewichen. Er ist total gefallen.“

Erneut ermahnte Sri Ramakrishna seine Jünger. „Ihr dürft Rakhal nicht kritisieren. Kritisiert ihn nicht!“

Eines Tages starb Rakhals Sohn. Er und seine Frau waren so traurig, dass sie ihren liebsten Sohn verloren hatten.

Als die Schüler davon hörten, fühlten sie aufrichtig mit ihrem geliebten Bruder. „Was für ein schrecklicher Schicksalsschlag, den Rakhal erlitten hat! Unser Bruder und Freund hat seinen einzigen Sohn verloren“, sagten sie.

Die Jünger rannten zu Sri Ramakrishna und riefen: „Meister, Meister, Rakhals Sohn ist gerade gestorben!“

Zur großen Überraschung aller begann Sri Ramakrishna zu singen und zu tanzen. Er war äußerst glücklich. Dann sagte Sri Ramakrishna: „Rakhal hatte eine kleine Fessel. Jetzt hat Mutter Kali diese Fessel weggenommen. Ich bin so glücklich! Ich bin sehr, sehr glücklich.“

Die Wege des Meisters sind unergründlich

Wer kann die Wege eines spirituellen Meisters verstehen? Mit dem gewöhnlichen menschlichen Verstand können wir niemals, niemals die Wege des Meisters erkennen. Sie sind unergründlich.

Sri Ramakrishna war ein großer Meister der höchsten Höhen. Zu einer Person sagte er: „Geh und iss Fleisch. Nichts wird passieren.“ Zu einem anderen Menschen sagte er: „Wenn du Fleisch ist, wird alle Rastlosigkeit in dich eindringen. Du solltest niemals Fleisch essen!“ Wenn die erste Person Fleisch aß, würde das ihr Bewusstsein nicht im Geringsten berühren. Wenn die zweite Person Fleisch aß, würde sofort die Rastlosigkeit der Tiere in sie eindringen und sie an den abgrundtiefen Abgrund ihres Bewusstseins bringen.

Nachdem er Gott erkannt hatte, aß Swami Vivekananda Fleisch und Fisch. Seine Bruder-Schüler und andere Kritiker pflegten zu sagen: „O mein Gott, er isst Fleisch! Er ist mit Sicherheit gefallen.“

Swami Vivekananda pflegte zu antworteten: „Als ich in Armut war, habt ihr mir nicht einmal eine Rupie gegeben. Diese Art von gutherzigen Menschen wart ihr! Nun bin ich in der Lage, Fleisch zu essen, und ihr kritisierst mich gnadenlos. Raubt mir das Essen von Fleisch die Spiritualität? Bin ich am Fallen? Ihr seid mir Gratulanten! Wo war euer Mitgefühl, als ich wochenlang ohne Geld war?”

Sri Aurobindo aß ein Jahr lang ziemlich regelmäßig Huhn, auch wenn er in seinem hohen, höheren und höchsten Bewusstsein war. Nichts hat ihn beeinflusst. Und während er sein großes Werk Das göttliche Leben schrieb, pflegte sein Diener mit einer sehr großen burmesischen Zigarre zu ihm zu kommen. Sri Aurobindo rauchte, um sich inspirieren zu lassen. Das alles steht in offiziellen Büchern über Sri Aurobindos Leben.

Sri Ramakrishna rauchte häufig eine Wasserpfeife, bevor er in seine höchste Meditation eintrat. In den meisten Fällen, wenn Menschen rauchen, können sie ihr Bewusstsein nicht einmal um ein Jota erhöhen. Selbst wenn jemand neben einem Nichtraucher raucht, ist für den Nichtraucher alles vorbei! Dieser Person wird es nicht gelingen, höher zu gehen.

In unserem spirituellen Leben müssen wir uns alle bewusst sein, wie groß unsere Fähigkeit ist.

Dem Meister eine Freude Bereiten

Sri Aurobindo schrieb auf Bengali eine Geschichte mit dem Titel Kshamar Adarsha (Das Ideal der Vergebung). Dort beschrieb er, wie der vedische Weise Vashishtha dem König Vishwamitra verzieh, obwohl Vishwamitra hundert seiner Jünger getötet hatte.

Als ich dreizehn Jahre alt war, übertrug ich diese Geschichte in zweihundert Zeilen reimender bengalischer Verse. Schüchtern und ergeben reichte ich dieses Gedicht bei der Mutter des Sri Aurobindo Ashrams ein. Aus ihrem unendlichen Mitgefühl für mich gab die Mutter es Sri Aurobindo. Ein paar Tage später, nachmittags um vier Uhr dreißig, als ich gerade auf dem Weg zum Volleyballplatz war, hielt mich einer von Sri Aurobindos liebsten Betreuern, Mulshankar, an und sagte: „Chinmoy, Nirod liest Sri Aurobindo dein langes Gedicht vor und Sri Aurobindo lächelt.“

Als ich das hörte, war ich im siebten Himmel der Glückseligkeit! Ein paar Stunden später lies Nirod-da mich rufen und gab mir das Gedicht zurück. Er erzählte mir, dass Sri Aurobindo angemerkt hatte: „Es ist ein schönes Stück Poesie. Er besitzt Fähigkeit. Sag ihm, er soll weitermachen.“

Letzten August fühlte ich mich inspiriert, dieses Gedicht zu vertonen, und heute hat Kailashs Gruppe das Lied sehr seelenvoll und sehr kraftvoll gesungen. Einst hatte ein dreizehnjähriger Junge seinem Meister eine Freude bereitet. Er ist jetzt einundsiebzig Jahre alt, und nun haben seine Schüler ihm sehr, sehr viel Freude bereitet. In aller Aufrichtigkeit sage ich euch aus meiner eigenen inneren Vision, dass die Freude, die mir meine Schüler heute mit ihrem Singen gegeben haben, unendlich größer ist, als die Freude, die ich Sri Aurobindo mit meinem Gedicht gegeben habe. Es war ausgezeichnet, wie sie dieses Liedes gesungen haben.

Kurz bevor Kailashs Gruppe begann, radelte ich auf dem Standrad in unserem Meeting-Raum. Gleich von Anfang an, wen habe ich gesehen? Ich sah Sri Aurobindo im Raum. Dann sah ich auch die Mutter und Nolini-da. Sie beobachteten und beobachteten mich aus der Ecke auf der anderen Seite dieses Raumes. Sie waren sehr glücklich.

Erst als ich anfing zu laufen, wurden sie sehr traurig. Sie waren tief, tief traurig über den Schmerz, den ich in meinen Beinen empfand. Diese Traurigkeit kann ich nicht in Worten ausdrücken.

Hridays Respekt gegenüber seinem Lehrer

Mein ältester Bruder, Hriday, besuchte das Gymnasium und später die Universität. Er studierte die Veden, die Upanishaden und viele andere unserer heiligen Schriften. Hriday war ein brillanter Schüler und Gelehrter.

Wie es der Zufall wollte, so wurde der Grundschullehrer meines Bruders nach einer Lücke von vielen Jahren auch mein Grundschullehrer. Der Name dieses Lehrers war Shivashankar. Er war die verkörperte Strenge in Person. Für den Fall, dass ein Schüler seine Aufgaben nicht machte oder sich in irgendeiner Weise schlecht benahm, hatte Shivashankar einen sehr langen Rohrstock, mit dem er den ungezogenen Schüler zu schlagen pflegte. Nicht nur das, der Schüler musste sich hinknien und an seinen Ohren ziehen. Er musste diese schwierige Haltung so lange beibehalten, wie unser Lehrer es wollte. Danach schmerzten die Knie, der Rücken und alles andere sehr. Diese Art strenger Lehrer war Shivashankar!

Nach zwölf Jahren im Sri Aurobindo Ashram kehrte mein Bruder für ein Jahr nach Hause zurück. Er ging zu Shivashankar und zollte ihm seinen Respekt. Als er Shivashankar sah, fiel mein Bruder flach zu Füßen seines ersten Lehrers.

Der alte Mann sagte zu meinem Bruder: „Was machst du da? Du bist jetzt so ein großer Mann! Du bist ein spiritueller Sucher und warst im Sri Aurobindo Ashram. Wie kannst du das tun?“

Hriday antwortete: „Nein, nein! Du bist derjenige, der mir zuerst die Augen für das Wissen geöffnet hat. Du bist derjenige in meinem Leben, der das verdient.“

Direkt vor uns, mit äußerster Aufrichtigkeit, beugte sich Hriday nieder und empfing den Segen von Shivashankar. Der alte Mann vergoss Tränen über Tränen der Freude.

Diese Art von Respekt erhalten einige wunderbare Lehrer von ihren ehemaligen Schülern.

„Stehle mein Herz!”

Vor vielen, vielen Jahren als ich in Jamaika, in den Antillen war, gab ich in einer Kirche einen Vortrag über Spiritualität. Es waren etwa achthundert Besucher im Publikum. Sie waren sehr beeindruckt von meinem Vortrag. Anschließend stellten sie mir viele, viele Fragen über Gebet, Meditation und verschiedene Aspekte des spirituellen Lebens. Irgendwie habe ich es geschafft, sie zufrieden zu stellen.

Die Kirche wurde von einer Pastorin geleitet. Sie wurde Schülerin und blieb viele Jahre lang in unserem Jamaika-Center.

Am Ende des Programms sagte einer meiner jamaikanischen Schüler: „Wir sind Sri Chinmoy alle sehr dankbar für seinen Vortrag und dass er heute so viele Fragen beantwortet hat. Wir hoffen, dass seine Antworten euch bei eurer eigenen spirituellen Suche geholfen haben.“

Dann erklärte der Schüler, dass unser spiritueller Weg Menschen aller Glaubensrichtungen einschließe und Sucher in der Religion, der sie angehören, sehr ermutigt. Der Schüler fragte, ob jemand im Publikum unserem Weg folgen und mein Schüler werden möchte. Könnt ihr euch das vorstellen! Alle achthundert Mitglieder des Publikums wollten meine Schüler werden.

Sie standen in einer langen Schlange. Da ich wusste, dass unser Weg nicht für alle in der Gemeinde bestimmt ist, sagte ich: „Ich bitte alle Anwesenden langsam und in einem meditativen Bewusstsein an mir vorbeizugehen. Ich werde auf jede Person meditieren.“

Nachdem ich kurz auf jede Person meditiert hatte, sah ich, dass siebzig oder achtzig definitiv meine Schüler sein sollten. Einer nach dem anderen, jeden, den ich in unserem Center aufgenommen hatte, kam und stand auf einer Seite. Dem Rest der Leute bot ich den liebenden guten Willen meiner Seele an. Ich wusste, dass sie auf einem anderen spirituellen Weg besser vorankommen würden.

Danach gingen alle neuen Schüler in das Haus des Center-Leaders, der ich den Namen Durga gegeben hatte. Ich stimmte zu, mich mit jeder Person einzeln zu treffen.

Ein sehr dünner Polizist kam in den Raum und setzte sich vor mich. Ich habe einen Witz mit ihm gemacht. Ich sagte: „Ich bin so froh, dass du gekommen bist. Wenn ich zufällig etwas stehle, dann bist du die erste Person, die mich verhaftet!“

Er antwortete: „Nein. Ich bin hierher gekommen, damit du mein Herz stiehlst!“

Ich war tief berührt. Der Polizist war so nett.

Gleich nachdem der Polizist gegangen war, betrat seine Frau den Raum. Sie wollte, dass ich all ihre Familienprobleme löse. Leider hatte sie mir gegen ihren Mann einiges zu sagen!

Gib niemals auf!

Es gab eine Schülerin in Jamaika, Antillen, der ich einen spirituellen Namen gab, der auf Bengali „schön“ bedeutet. Ihre Seele war sehr schön.

Der Ehemann dieser Frau hatte Probleme mit seinen Augen, so dass er nicht mehr Autofahren durfte. Eines Tages kam sie zu mir und sagte: „Guru! Guru! Bitte hilf mir. Ich habe Fahrstunden genommen, da mein Mann fast nichts sehen kann. Jetzt muss ich eine Fahrprüfung ablegen, um meinen Führerschein zu machen. Ich bin so nervös! Bitte hilf mir.“ Ich sagte ihr: „Ich werde definitiv dafür beten, dass du es gut machst.“

Am nächsten Tag kam sie mit einem ganz niedergeschlagenen Gesicht zu mir. Sie sagte: „Guru, die Prüfung ist furchtbar gelaufen. Ich war so nervös, dass ich den Test so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Das Ergebnis war, dass ich bei den ersten Querstraßen nicht langsamer gefahren bin, um zu schauen, ob ein Auto kommt. Ich bin einfach durchgefahren. Nach nur zwei Minuten ließ mich der Prüfer durchfallen.“

„Es tut mir so leid für dich“, sagte ich. „Biete diese Erfahrung dem Supreme an und mache weiter. Übe einfach noch ein oder zwei Tage und versuche es dann noch einmal, gutes Mädchen.“

Die arme Frau machte die Fahrprüfung zum zweiten Mal. Wieder kam sie mit einem sehr traurigen Gesicht zu mir. „Ich bin so eine schlechte Fahrerin, Guru! Ich bin wieder durchgefallen. Diesmal bin ich rechts statt links abgebogen und von der falschen Richtung in eine Einbahnstraße eingebogen. Unnötig zu sagen, dass der Prüfer mich sofort durchfallen lies. Ich weiß nicht, ob ich es jemals schaffen werde.“

Mit größter Liebe und Anteilname tröstete ich sie und sagte: „Bitte sorge dich nicht. Versuche es noch einmal. Du wirst es mit Sicherheit schaffen.“ Genau wie in den vorigen Fällen versuchte sie es und scheiterte sechs Mal. Dennoch erlaubten ihr die Behörden erneut, den Test zu wiederholen, weil sie ihren Mann fahren musste. Ich fühlte mich elend für meine unglückliche Schülerin. Ich sagte ihr: „Diesmal bin ich sehr ernst. Ich werde mich mit aller Kraft auf dich konzentrieren. Bitte versuche noch einmal, die Prüfung zu bestehen.“

Sie ging zur siebten Fahrprüfung und diesmal bestand sie den Test. Ich habe mich so für sie gefreut.

In meinem eigenen Fall habe ich zweimal meine Fahrprüfung nicht bestanden. Beim ersten Mal stoppte der Prüfer den Test gleich auf der ersten Straße! Als ich den Test zum dritten Mal machte, war mein Prüfer so freundlich. Er ermutigte mich während des gesamten Tests in jeder Hinsicht. Am Ende sagte er: „Ich habe noch nie einen Fahrer gesehen, der so sorgsam und gut ist wie du!“ Mein Motto ist immer: „Gib niemals auf! Gib niemals auf!“

Parvati wird die Tochter eines Fischers1

Ich bin inspiriert, eine Geschichte zu erzählen, die mit dem Berg Kailash zu tun hat, denn Kailash massiert mich gerade. Wie ihr wisst, ist der Berg Kailash unser heiligster Berg.

Lord Shiva kann schnell, sehr schnell zufrieden gestellt werden. Man kann ihn mit einem einfachen Blatt, dem Tulasi-Blatt, anbeten, das in Indien überall verfügbar ist. Wenn man nur ein wenig Wasser auf das Blatt spritzt und es dann zu Füßen von Lord Shiva legt, wird er einem alles geben. Manchmal gibt er den Menschen Segnungen, doch manchmal schafft er sich auch selbst Probleme!

Lord Shivas Gefährtin ist Parvati, und ihr Wohnort befindet sich auf dem Gipfel des Berges Kailash. Lord Shiva pflegte jeden Tag Parvati sehr schwierige Texte aus den Veden zu erläutern. Viele Dinge in unseren heiligen Büchern sind sehr schwer zu verstehen, daher hat er sie ihr sorgfältig erklärt. Das ging jahrelang so.

Eines Tages fand Parvati die Erklärung von Lord Shiva langweilig und verlor ihre Konzentration. Als Lord Shiva bemerkte, dass sie ihre Konzentration verloren hatte, verfluchte er sie mit seinem dritten Auge – welches sein Zerstörungsaspekt ist. Er sagte: „Du hörst mir nicht zu, daher verfluche ich dich. Du musst eine menschliche Inkarnation als Fischerin annehmen!“

Ein Fluch ist ein Fluch. Daher musste Parvati auf die Erde herabkommen. Sie nahm die Form eines vierjährigen Mädchens an und erschien am Fuße eines Baumes. Das kleine Kind war sehr schön.

Der Chef der Fischer dieser Gegend fand das hilflose Kind und brachte es in seine Hütte. Er adoptierte sie und begann, ihr all seine Zuneigung, Liebe, Süße und Zärtlichkeit zu schenken. Er selbst hatte keine Kinder. Das Lustigste ist, dass der Fischer ihr auch den Namen Parvati gab. Ihr ursprünglicher Name auf dem Berg Kailash war Parvati, und als sie die Rolle der Tochter spielte, erhielt sie denselben Namen.

In der Zwischenzeit fühlte sich Lord Shiva recht elend. Er weinte kläglich: „Was habe ich getan? Was habe ich getan? Warum habe ich meine Wut hochkommen lassen? Schau mich an! Ohne sie kann ich nicht einmal einen Augenblick lang existieren.”

Lord Shivas hauptsächlicher Begleiter ist ein weißer Stier namens Nandi. Obwohl er ein Stier ist, kann Nandi sprechen. Er fühlte sich elend, dass Lord Shiva litt, und sagte: „Warum bringst du Parvati nicht hierher zurück? Du hast so viel okkulte Kraft. Du musst nur dein drittes Auge benutzen und sie zurückbringen.“

Lord Shiva antwortete: „Nein, das kann ich nicht tun. Ich sehe sehr deutlich, dass sie einen Fischer heiraten wird. Jetzt ist sie erst dabei, erwachsen zu werden. Leider weiß ich nicht, wann sie zu mir zurückkehren kann.“

Nandi sagte: „Ich kann dich nicht so leiden sehen. Es ist unerträglich! Ich werde dein Problem lösen.“ Lord Shiva war so überrascht. „Du willst mein Problem lösen?“ Es war, wie wenn ein Sklave sagt, dass er das Problem des Herrn lösen wird. Dann fuhr Lord Shiva fort: „In Ordnung, bitte löse mein Problem.“

Nandi nahm die Form eines Wals an und ging dort ins Wasser, wo die Fischer dieses Dorfes gewöhnlich auf Fischfang gingen. Jeden Tag fuhren sie in ihren kleinen Booten hinaus, um Fische zu fangen und verkauften sie später auf dem Markt. Dieser riesige Wal begann den Fischern das Leben schwer zu machen. Außerdem fraß er die kleinen Fische, die sie zu fangen pflegten. Die Fischer fühlten sich so hilflos. Sie fingen keine Fische mehr, und ihre Boote wurden oft vom Wal umgeworfen. Sie wurden alle recht traurig und fühlten sich elend.

Die Fischer kamen zum Oberhaupt der Fischer ihrer Gemeinde, dem Adoptivvater von Parvati, und berichteten ihm von ihrem gegenwärtigen Pech. Er sagte: „Auch ich bin hilflos. Was können wir gegen diesen Wal machen?“

Da kam ihm eine brillante Idee. Er sagte: „Wer den Wal töten kann, dem werde ich meine Tochter als Ehefrau geben. Das ist mein Versprechen. Und meine Tochter ist außerordentlich schön.“

Viele Fischer versuchten vergeblich, den Wal zu töten. Leider wurden viele, anstatt den Wal zu töten, von ihm verschlungen. Sie scheiterten alle! Inzwischen hatten die Menschen Angst vor dem Wal. Die Fischer, die noch übrig blieben, wagten es nicht, in seine Nähe zu gehen. Sie wollten keine weiteren Versuche mehr wagen, den Wal zu töten. Jetzt fühlten sie sich noch elender als zuvor. Sie konnten keinen Fisch fangen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und sie wussten, dass sie auch keine Chance bekommen, dieses schöne Mädchen zu heiraten.

Eines Tages kehrte Nandi mit einer Botschaft zu Lord Shiva zurück. Er sagte: „Das Oberhaupt der Fischer sagt, dass derjenige, dem es gelingt, den Wal zu töten – womit er mich meint –, seine schöne Tochter als Ehefrau bekommt. Das ist sein Versprechen. Kannst du nicht die Form eines Fischers annehmen und dort als der stärkste und mächtigste Mann erscheinen? Du kannst den Wal töten, und anschließend ist es dir möglich, deine wunder-schöne Frau zurückzubringen.“

„Oh, das ist eine großartige Idee!“ sagte Lord Shiva. „Ich gehe.”

Lord Shiva nahm die Gestalt eines jungen Mannes an, der in jeder Hinsicht stark und gut aussehend war. Dann erschien er den Fischern dieses Dorfes. Sie hatten noch nie einen so starken und gut aussehenden Mann gesehen. Sie waren so glücklich, ihn in ihrer Mitte willkommen zu heißen. Der Chef der Fischer sagte: „Ich freue mich sehr! Wer bist du?“ Lord Shiva antwortete: “Ich möchte nicht sagen, wer ich bin. Sag mir nur, wirst du dein Versprechen halten, wenn ich den Wal töte?“

Der Hauptfischer sagte: „Auf jeden Fall! Wenn du den Wal tötest, dann werde ich mein Versprechen halten. Du wirst meine Tochter bekommen.“

Lord Shiva ging ins Wasser und tötete diesen Wal. Auf diese Weise wurde Nandi von seinem eigenen Herrn getötet. Anschließend vermählten sich Shiva und Parvati auf der Erde und kehrten wieder auf den Berg Kailash zurück. Nandi kam auch zurück und wurde erneut Lord Shivas engster Begleiter.

Danach sagte Lord Shiva, dass er seiner Frau nie wieder die Veden beibringen würde. Er wollte Parvati nicht ein zweites Mal verlieren!


  1. POK 21-22. Sri Chinmoy erzählte seinen Schülern diese beiden Geschichten am 29. November 2004 in Sanya, China, wo sie während ihres jährlichen Christmas Trips zusammengekommen waren.

Der Asura verbrennt zu Asche

Diese zweite Geschichte über Lord Shiva ist eine, die ihr alle kennt, aber ich werde sie einfach ein wenig auf meine eigene dörfliche Weise ausschmücken.

Die meisten unserer indischen kosmischen Götter und Göttinnen verhalten sich weise, wenn sie Segnungen geben. Sie prüfen, ob die Person es wirklich verdient, bevor sie eine Segnung geben. Im Falle von Lord Shiva ist es anders, er kümmert sich nicht darum. Wenn er mit jemandem zufrieden ist, will er nicht wissen, ob die Person die Segnungen verdient oder nicht.

Es gab einmal einen sehr mächtigen Asura (Dämon) namens Bhasmasur. Über Jahre hinweg genoss er das Leben auf seine eigene Weise in vollen Zügen. Er tötete hier und dort Menschen, aber er spürte dabei kein inneres Glücklichsein. Schließlich erkannte er, dass es kein wirkliches Glück im bloßen Genuss gibt. Dann begann er, unablässig zu meditieren. Er meditierte jahrhundertelang.

Jeden Tag schnitt Bhasmasur ein Stückchen seines Körpers ab. Um Lord Shiva zu gefallen, opferte er nach und nach seinen eigenen Körper. Früher war er ein riesiger Asura, aber allmählich glich er mehr einem Skelett. Schließlich erschien Lord Shiva vor Bhasmasur und fragte: „Was willst du?“

Der Asura antwortete: „Ich habe gebetet und meditiert. Ich habe dich zufriedengestellt. Jetzt möchte ich etwas zurückbekommen, eine Macht, die niemand sonst auf Erden hat. Bitte versprich mir, dass du diesen Segen niemand anderem geben wirst.“

Lord Shiva sagte: „In Ordnung, ich werde dir einen Segen geben, den ich niemand anderem gewähren werde. Du wirst der Einzige sein, der diese Wunderkraft besitzt.“

Der Asura sagte: „Ich will die Gabe haben, dass sobald ich den Kopf eines Menschen berühre, diese Person zu Asche verbrennt.“ Lord Shiva sagte: „Du hast mich mit deinem Gebet und deiner Meditation sehr zufriedengestellt. Es ist so einfach für mich, dir diese Art von Segen zu gewähren. Ich kann ihn dir jetzt geben, ganz einfach! Außerdem verspreche ich, dass ich diesen besonderen Segen niemandem sonst geben werde.“

Gleich an Ort und Stelle gab Lord Shiva Bhasmasur den Segen, den er sich wünschte. Der Asura war so glücklich und begeistert, dass er der Einzige war, der diesen besonderen Segen besaß. Wen immer er berührte, diese Person würde sich in Asche verwandeln. Der Asura wollte diese Gabe sofort bei Lord Shiva ausprobieren!

Lord Shiva rief: „O mein Gott! Was habe ich getan, was habe ich getan, was habe ich getan?“ Sofort rannte Lord Shiva los, er rannte schneller als der Schnellste und war schneller als dieser Asura. Schließlich kam Lord Shiva im Palast von Lord Vishnu an. Lord Vishnu ist einer der hinduistischen Dreieinigkeit: Brahma, Vishnu, Shiva. Brahma erschafft, Vishnu bewahrt und Shiva transformiert.

„Rette mich, rette mich!” sagte Shiva zu Vishnu.

Vishnu fragte: „Was stimmt nicht?”

Shiva erklärte: „Ich habe einem Asura einen Segen gewährt: In dem Moment, wo er jemanden berührt, wird diese Person zu Asche verbrannt. Jetzt will er diese Gabe an meinem Kopf testen!“ Vishnu sagte: „Mach dir keine Sorgen. Ich habe einen sehr großen Palast. Du versteckst dich irgendwo. Ich werde mich um ihn kümmern.“

Lord Shiva hatte sich im Palast von Lord Vishnu versteckt, als Bhasmasur keuchend ankam. Der Asura sagte zu Vishnu: „Was ist passiert, was ist passiert? Shiva gab mir einen Segen, und als ich ausprobieren wollte, ob der Segen auch wirklich funktioniert, begann er einfach wegzulaufen, und ich konnte nicht mit ihm Schritt halten. Was soll ich jetzt machen?“

Lord Vishnu zeigte dem Asura ein mitfühlendes Gesicht. Er sagte: „Mach dir keine Sorgen. Du bist jetzt hier. Du kannst in meinem Palast wohnen, und ich werde dich sehr gut behandeln. Shiva? Er ist ein erstklassiger Lügner, der beste von allen! Weißt du, er trinkt und trinkt immer, und weiß nicht einmal, was er sagt! Wie bist du überhaupt dazu gekommen, ihm zu glauben? Niemand glaubt, was Shiva sagt, niemand, daher bist du ein Dummkopf! Du hättest ihm nicht glauben sollen. Er hat es immer mit Schlangen zu tun, und er isst alles Mögliche. Er weiß nicht einmal, welcher Wochentag ist. Er erfreut sich einfach seines Lebens. Du hättest ihm nicht vertrauen sollen. Ich versichere dir, diese Art von Macht besitzt er nicht. Ich weiß es, weil er ein Freund von mir ist.

Wie auch immer, selbst wenn er dir diesen Segen gegeben hätte – eine Macht, die sonst niemand hat, – warum musst du dir die Mühe machen, nach ihm zu suchen? Versuche es einfach mit deinem eigenen Kopf. Ich sage dir, es wird nichts passieren. Nein, nichts wird passieren, denn Shiva besitzt diese Art von Macht nicht. Shiva prahlt nur.“ „Das ist wahr“, sagte Bhasmasur.

Dann fuhr Lord Vishnu fort: „Ich versichere dir, dir wird nichts passieren, rein gar nichts. Da nichts passieren wird, kannst du deine Hand auf deinen eigenen Kopf legen. Dann werde ich dir helfen, Shiva zu fangen, weil er so ein Lügner ist. Du kannst mir vertrauen!“

Der Asura vertraute Lord Vishnu und legte seine Hand auf seinen eigenen Kopf. Er starb augenblicklich und verbrannte an Ort und Stelle zu Asche. Dann lies Vishnu nach Shiva suchen, der sich in seinem Palast versteckt hielt. Als Shiva kam, konnte er nicht glauben, was passiert war. Vishnu hatte sein Dilemma gelöst.

Diese drei kosmischen Götter – Brahma, Vishnu und Shiva – helfen einander gegenseitig. Wenn Vishnu in Schwierigkeiten steckt, kommt Shiva um zu helfen. Wenn Brahma in Schwierigkeiten steckt, eilen die anderen beiden herbei, um ihm zu helfen. Sie sind Freunde, aber keine menschlichen Freunde. Menschliche Freunde besitzen nicht die Fähigkeit, sich gegenseitig zu verherrlichen. Es wird immer ein Freund an der Spitze stehen wollen, um der Beste der Dreien zu sein. Was die kosmischen Götter betrifft, sie versuchen, sich selbst zu demütigen. Sie sagen: „Nein, jener ist größer als ich, der andere ist größer.“ Jeder versucht, die anderen zu verherrlichen.

Diese Geschichte kennt ihr alle. Ich habe sie nur ausgeschmückt.

Viele, viele Male in New York, wenn ich mich im Bankdrücken übte – sagen wir 1.000 Pfund – während ich etwa zwischen 4:30 Uhr und 5:00 Uhr morgens daliege, oben in meinem zweiten Zimmer – sehe ich Lord Shiva auf meinem Bett sitzen. Mit solcher Freude, solcher Liebe, solcher Mitgefühlskraft beobachtet er mich, beobachtet mich und beobachtet mich.

Lord Vishnus grosser Bewunderer[fn:: POK 23. Sri Chinmoy erzählte die folgende Geschichte

am 2. Dezember 2004 in Sanya, China.]

Es gab einst einen sehr, sehr berühmten König, der inkarnierte Güte, inkarniertes Mitgefühl und inkarniertes Selbst-Geben war.

Normalerweise ist es für einen Menschen unmöglich, alle zu erfreuen, aber in seinem Fall waren alle seine Untertanen äußerst zufrieden mit ihm, sie waren ihm sehr dankbar und immens stolz auf ihn. Der Name dieses Königs war Ambarish.

Der König war ein sehr großer und sehr aufrichtiger Verehrer Lord Vishnus. Einmal beschloss er, drei Tage lang ohne Unterbrechung zu fasten, zu beten und zu meditieren, um Segen von Lord Vishnu zu empfangen. Es war ein besonderes religiöses Ritual, das er ausführen wollte.

Drei Tage lang fastete, betete und meditierte Ambarish. Dann fühlte er sich so beschwingt und dankbar, dass er ihm gelungen war, seinen Wunsch zu erfüllen, dass er beschloss, die Wünsche all seiner Untertanen zu erfüllen.

„Da es für mich schwierig sein wird, alle meine Untertanen in meinen Palast zu bringen, möchte ich mit den Priestern beginnen“, sagte Ambarish. „Wir haben so viele Priester. Da es sich um spirituelle Menschen handelt, möchte ich sie zuerst zufrieden stellen.“

Der König lud alle Priester zu einem aufwendigen Bankett ein. Nach dem Bankett wollte er jedem Gast Gaben geben. Ambarish selbst wollte nicht einmal ein Stückchen Essen oder einen einzigen Tropfen Wasser nehmen. Nichts von alledem! Er fastete nicht bis zum Tod; es gab keine Bedrohung. Ambarish versuchte, den besonderen Segen von Lord Vishnu zu erlangen, indem er diese Buße ausführte.

Die Priester waren alle bereit, mit dem Festmahl zu beginnen. Plötzlich erschien der große Weise Durvasha. Durvasha war bekannt für sein sehr schnelles Temperament. Innerhalb einer Sekunde konnte er einen jeden zerstören. Er besaß diese Art okkulter Macht und hatte sie millionenfach missbraucht.

Alle waren schockiert, Durvasha zu sehen. König Ambarish begrüßte ihn äußerst respektvoll. „O großer Weiser“, sagte er, „wir fühlen uns durch deine Anwesenheit sehr geehrt. Ihr seid unser Ehrengast. Bitte erlaubt mir, Euch zuerst zu bedienen.“

„Nein, Ambarish“, antwortete Durvasha, „ich werde in einem nahe gelegenen Fluss baden. Nachdem ich mich vollständig gewaschen habe, werde ich zum Essen kommen.“

Durvasha ging zum Fluss. Eine halbe Stunde verging, dann eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden. Er genoss es, im Wasser zu sein. Auch nach vier Stunden gab es keine Anzeichen für seine Rückkehr. Für die besondere Art der Anbetung, die König Ambarish vollbrachte, muss man zu einer bestimmten Stunde wieder mit dem Essen beginnen, nachdem man das Fasten beendet hat. Einer der Priester sagte zu Ambarish: „O König, wenn du in dieser besonderen Stunde nicht isst, begehst du entsprechend unseren Shastras eine Sünde.“

„Was soll ich tun?“ fragte der König. „Wenn ich nicht auf Durvasha warte und ihm zuerst Essen anbiete, wird er mich verfluchen. Und wenn ich in dieser bestimmten Stunde nicht esse, begehe ich eine Sünde.“

Die Priester beratschlagten sich und rieten dem König anschließend: „Du bist ein so guter, warmherziger König. Wir wollen nicht, dass du leidest. Dieser von Wut durchdrungene Weise sollte leiden! Trink nur einen Tropfen Wasser. Dann kannst du Durvasha sagen, dass du noch nicht gegessen hast, aber gleichzeitig ist es dir möglich, Gott zu erfreuen, weil du etwas zu dir genommen hast.”

Ambarish gab einen kleinen Tropfen Wasser auf seine Handfläche und war dabei, es zu trinken, als Durvasha plötzlich erschien. Er war wutentbrannt. „Was für eine Kühnheit ist das?“, rief er. „Ich bin so ein großer Weiser. Wie kannst du es wagen, etwas zu trinken, ohne mir vorher Essen zu geben? Ich verfluche dich!“

Er nahm ein paar Strähnen von seinem verfilzten Haar und verwandelte sie in ein Chakra, eine Wurfscheibe. Er ließ die Scheibe los, und sie flog sehr schnell auf Ambarish zu, um ihn zu töten. Ambarish betete zu Lord Vishnu: „O Lord Vishnu, was habe ich getan? Ich wollte nicht trinken, aber meine Priester sagten, ich solle es tun. Sie sagten, dass ich sonst eine Sünde begehen würde, weil ich mein Gelübde nicht erfüllen würde. Jetzt muss ich mich Durvashas Zorn stellen.“

Lord Vishnu schickte sofort sein Sudarshan-Chakra um einzugreifen. Dieses Chakra kam von oben herab und zerbrach Durvashas Chakra in Stücke. Aber das war nicht alles. Vishnus allgegenwärtiges Sudarshan-Chakra begann Durvasha zu verfolgen – hierhin, dorthin, überall hin. Durvasha rannte um sein Leben. Er rannte sogar in den Fluss und dachte, dass die Scheibe ihm dorthin nicht folgen würde, aber ganz gleich, wohin er sich wendete, Vishnus Sudarshan jagte ihn. Jeden Moment war er dabei, sein Leben zu verlieren.

Schließlich ging der Weise zu Brahma, dem Schöpfer, und flehte: „O Brahma, bitte, bitte, rette mich, rette mich! Vishnus Chakra ist dabei, mich zu töten.“

„Du Narr!“, antwortete Brahma. „Wie kann ich es wagen, Vishnus Chakra herauszufordern? Ich werde nichts tun.“

Dann ging Durvasha zu Lord Shiva. Shiva liebt Vishnu so sehr. Shiva wurde wütend auf Durvasha. „Lauf einfach von hier weg!“, sagte er. „Sonst werde ich dich vernichten! Du wirst nicht auf Vishnus Chakra warten müssen. Ich werde dich hier und jetzt zerstören! Was für eine undenkbare Sache, die du mit Vishnus Verehrer gemacht hast! Unsere Verehrer sind uns teurer als unser Leben selbst.“ Shiva schimpfte und beleidigte Durvasha gnadenlos.

In unserer indischen Philosophie ist ein Meister, wenn er einen sehr aufrichtigen und ausgezeichneten Anhänger hat, bereit, sein eigenes Leben für den Anhänger zu opfern.

Darauf ging der hilflose, hoffnungslose und nutzlose Durvasha zu Lord Vishnu, um bei ihm um Vergebung zu bitten. „Werde ich dir verzeihen?”, sagte Vishnu. „Ambarish ist mir lieber als der Liebste. Er ist teurer als mein Leben selbst. Ich werde dir nicht helfen. Wie konntest du einem so guten König so etwas Undenkbares antun? Geh und bitte Ambarish um Vergebung!“

Der arme Durvasha musste zu Ambarish gehen und um Vergebung bitten. „Bitte, vergib mir, vergib mir, vergib mir, vergib mir! Rette mich!” schluchzte er.

Ambarish sagte zu Durvasha: „Ich habe keine Macht. Ich kann nur zu Lord Vishnu beten. Er ist derjenige, der dabei ist, dich zu töten.“ Ambarish betete zu Vishnu: „Mein Herr, bitte, bitte, vergib ihm.“

Vishnu sagte: „Nur wegen dir vergebe ich ihm. Weil du mir so lieb bist, werde ich immer auf deine Bitte hören, aber nicht auf seine Bitte.“

Daraufhin vergab Vishnu Durvasha und Vishnus Chakra hörte auf, ihn zu verfolgen. Durvasha fragte Ambarish: „Wie ist das möglich? Brahma wagte es nicht, sich Vishnus Chakra entgegenzustellen. Auch Shiva hat es nicht gewagt. Im Gegenteil, sie beleidigten mich beide und schimpften mich gnadenlos. Vishnu selbst hat mir nicht verziehen, aber deine Vergebung hat sofort zu einem Erfolg geführt.“

„O Durvasha, du weißt, dass es nicht meine Macht ist“, antwortete Ambarish. „Es ist die Mitgefühls-Kraft meines Lord Vishnu. Ich betete zu ihm nur, um ein besserer König zu werden. Aus diesem Grunde habe ich diesen besonderen religiösen Ritus des Fastens drei Tage lang durchgestanden. Es war nichts. Jeder könnte es tun – nur drei Tage Fasten. Ich habe nichts getrunken, ich habe nichts gegessen. Aber das Mitgefühl meines Lord Vishnu ist unendlich. Seine Liebe zu mir ist unendlich. Es ist seine Liebe zu mir, die dich bestrafen wollte. Es ist sein Mitgefühl für mich.“

In Indien gibt es Millionen von mythologischen Geschichten über diese Art von Ungerechtigkeit und Vergeltung. Wenn jemand einem aufrichtigen Verehrer etwas antut, dann kommt die Bestrafung von oben, und zwar nicht nur von diesen drei großen kosmischen Göttern – Brahma, Vishnu und Shiva – auch andere Götter bestrafen den Täter. Wann immer ihre superexzellenten Verehrer in Schwierigkeiten sind, stehen die kosmischen Götter sofort auf ihrer Seite.

Dies ist eine authentische Geschichte darüber, wie Lord Vishnu Ambarish verherrlichen wollte, denn als König war Ambarish inkarnierte Güte, inkarniertes Mitgefühl und inkarniertes Selbst-Geben.

Nicht um zu urteilen, sondern nur um zu lieben1

Einmal wurde ein bekannter spiritueller Meister vom Bürgermeister einer bestimmten Stadt eingeladen, um dort einen Vortrag zu halten. Der spirituelle Meister war noch nie zuvor in dieser Stadt gewesen. Er nahm die Einladung sehr gerne an und beschloss, allein dorthin zu reisen. Obwohl er im ganzen Land viele, viele Schüler hatte, hatte er keine in dieser Stadt.

Der Bürgermeister traf alle Vorkehrungen für den Besuch des Meisters. Er reservierte einen großen Saal, in dem der Meister seinen Vortrag halten konnte, und ließ überall Plakate aufhängen, dass alle Interessierten zur Teilnahme eingeladen sind. Alle waren sehr glücklich und stolz, dass ein so berühmter spiritueller Meister in ihre Stadt kam.

Ein spiritueller Sucher namens Jyotish fragte seinen Freund: „Hast du die Nachricht gehört? Ein sehr großer Meister kommt in die Stadt. Er wird meditieren und einen Vortrag halten. Wer weiß, vielleicht zeigt er uns sogar etwas von seiner okkulten Kraft!“

Sein Freund Madhu antwortete: „Fantastisch! Das wusste ich nicht. Das sollten wir nicht verpassen.“

So wie in diesem Beispiel wurde der bevorstehende Besuch des Meisters zum Thema der Stadt. Alle freuten sich sehr auf die Ankunft des berühmten Meisters. Schließlich kam der Tag des Vortrags. Die Menschen aus der Stadt und selbst viele Menschen aus den umliegenden Dörfern waren gekommen, um dem Meister zu lauschen und mit ihm zu meditieren.

Am frühen Morgen rief Madhu seinen Freund aufgeregt an. „Jyotish, wir müssen mindestens vier Stunden früher kommen, um einen guten Platz zu bekommen!”

„Ja, natürlich”, antwortete Jyotish.

Die Freunde vereinbarten, um elf Uhr zum Rathaus zu gehen, wo der Meister seine Rede halten würde. Sie fand im größten Versammlungssaal der ganzen Stadt statt und sollte um vier Uhr nachmittags beginnen. Der Bürgermeister selbst würde nicht anwesend sein, aber er hatte ausgezeichnete Arbeit geleistet, und alle Bewohner seiner Stadt über das Kommen des Meisters informiert.

Eine unglaubliche Welle spiritueller Begeisterung hatte sich in der ganzen Stadt ausgebreitet. Alle Menschen waren von der freudigen Erwartung erfüllt, in der Gegenwart einer großen spirituellen Gestalt zu sein. Die Männer trugen ihre reinsten weißen Dhotis und Kurtas, und die Frauen trugen reinweiße Saris.

Bereits Stunden vor dem Vortrag des Meisters strömten die Menschen in großer Zahl durch die Hauptstraße der Stadt. In der Nähe des Bürgermeisterhauses und nur wenige Blocks vom Rathaus entfernt, sahen alle Vorbeigehenden einen alten, ungekämmten Mann am Straßenrand schlafen. Sein graues Haar war lang und zerzaust, der Bart war völlig ungepflegt. Seine Kleidung war das Einfachste vom Einfachen. Niemand hatte diesen alten Mann je zuvor gesehen.

Da die Menschen an einer spirituellen Veranstaltung teilnehmen wollten und sich in einem guten Bewusstsein befanden, brachten die meisten von ihnen dem alten Mann Mitgefühl entgegen. Einige gutherzige Menschen schenkten ihm Bananen und anderes Essen.

„Hier, nimm das, alter Mann“, sagte eine nette Mutter. Sie war mit ihren vier Kindern auf dem Weg, um den Meister zu hören. Sie stellte eine kleine Schüssel Reis direkt vor den alten Mann. Dann gingen sie und ihre Kinder weiter ihres Wegs.

Einige wenige Leute waren weit weniger freundlich, und einige von ihnen beschimpften den Mann sogar. „Schrecklich! Schrecklich! Bist du überhaupt ein Mensch? Verschwinde von hier“, schrien sie den armen, zerzausten Mann an. „Wie kannst du es wagen, hier zu sein, derart gekleidet an einem so heiligen Tag wie heute! Geh! Geh weg!“ Aber der alte Mann schien nur zu schlafen und zu schlafen.

Schließlich kam die Zeit für den Vortrag des Meisters. Als der Meister die Halle betrat, ging ein fassungsloses Raunen durch das Publikum. „Was! Das ist der Meister? Das ist der Meister? Das muss ein Fehler sein!“, wetterten sie. Sie waren alle schockiert, denn der Meister war niemand Geringeres als derselbe alte Bettler, an dem sie alle vorbeigegangen waren, während er auf der Straße lag und schlief.

Der Meister verbeugte sich einfach und meditierte mehrere Minuten lang in völliger Stille. Dann sprach er langsam und mit ungeheurer Intensität. „Ich bin euch allen sehr dankbar, dass ihr heute hierher gekommen seid, um an meinem Vortrag teilzunehmen. Ich bin nicht hier, um über euch zu urteilen. Ich bin nur hierher gekommen, um euch zu lieben.“

Dann fuhr der Meister fort: „Alle von euch, die heute Nachmittag an mir vorbeigekommen seid, haben mich gerichtet. Ihr habt zu euch selbst gesagt: „Dieser Mann ist so arm! Er ist so schmutzig! Warum schläft dieser alte Mann an einem so wichtigen Tag auf der Straße? Wie kann er es wagen? Einige von euch waren sehr freundlich zu mir und boten mir sogar ihr Essen an. Andere waren weniger freundlich. Sie machten sich über mich lustig oder zeigten ihre Wut. Ich möchte euch sagen, dass das spirituelle Leben nicht dazu da ist zu richten, sondern nur um zu lieben. Wenn ihr alle dieser einen göttlichen Lehre folgen könnt, dann werdet ihr gewaltigen Fortschritt in eurem spirituellen Leben machen. Ihr werdet sofort bemerken, welchen Unterschied es in eurem eigenen inneren Leben des Strebens und in eurem äußeren Leben der Widmung machen wird.“

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, segnete der Meister in Stille jede einzelne in der Halle anwesende Person. Dann verbeugte er sich noch einmal und schritt langsam aus der Halle.

Als der Meister nach Hause zurückkehrte, warteten seine spirituellen Kinder bereits sehr gespannt darauf zu hören, wie seine Reise verlaufen sei. Der Meister lächelte einfach und sagte: „Ich hielt eine Rede. Es ging sehr gut. Ich sagte, dass ich nicht in die Welt gekommen bin, um über jemanden zu urteilen. Ich bin nur in die Welt gekommen, um alle und alles zu lieben.“

Alle Schüler waren tief bewegt. Sie verbeugten sich vor dem Meister und marschierten leise aus dem Raum.


  1. POK 24. Sri Chinmoy narrated the following story on 12 December 2004 in Xiamen, China

Der gehorsame Schüler[fn:: POK 25. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichte am 2. Dezember 2005

bei einer Veranstaltung im Pangkor Island Beach Resort in Malaysia während seiner jährlichen Weihnachtsreise mit seinen Schülern. Später sagte er: „Das ist eine sehr wichtige Geschichte. Ich wäre euch dankbar, wenn ihr diese besondere Geschichte gelegentlich lesen würdet. Dann werdet ihr die wahre Bedeutung von Gehorsam erfahren.“]

Ein Lehrer oder Guru lehrte sowohl religiöses wie auch gewöhnliches Wissen im alten Indien. In Indien wird sogar ein Schullehrer als Guru bezeichnet. Am Morgen gingen etwa fünfzehn bis zwanzig kleine Jungen zur Schule ihres Lehrers um zu lernen und zu spielen, und am späten Nachmittag gingen sie wieder nach Hause.

Eines Tages bat der Lehrer einen bestimmten Jungen, etwas zu tun. Was war es? Während die Schüler spielten, rief der Lehrer den kleinen Jungen zu sich und sagte zu ihm: „Wirf mein Kind in den Brunnen“. Das Kind des Lehrers war erst fünf oder sechs Jahre alt, aber der Schüler zögerte nicht, nicht einen flüchtigen Augenblick. Er packte das Kind und warf es in den nahe gelegenen Brunnen. Die anderen Schüler bemerkten es und kamen herbeigerannt. Zwei oder drei kletterten in den Brunnen und brachten das Kind wieder heraus, und andere Studenten schlugen den bestimmten Schüler, der das Kind in den Brunnen geworfen hatte. Der Schüler sagte kein Wort. In der Zwischenzeit beobachtete der Lehrer die ganze Situation. Auch er sagte nichts dazu.

Ein paar Monate später, während die Schüler spielten, rief der Lehrer denselben Jungen zu sich und sagte zu ihm: „Zünde mein Haus an“. Wieder zögerte der Junge nicht eine Sekunde lang. Er setzte sofort das Haus seines Gurus in Brand. Die Frau des Gurus befand sich im Haus, sie schrie und rief um Hilfe. Dann, wie bereits zuvor, wurde dieser Junge von den restlichen Schülern erbarmungslos geschlagen. Sie sagten: „Wie konntest du es wagen, das Haus unseres Gurus in Brand zu setzen?“ Wieder sagte der Junge kein Wort. Er erzählte nicht, dass sein Guru ihn darum gebeten hatte. Auch der Lehrer schwieg und sagte nichts. Die anderen Schüler konnten es nicht fassen: wie konnte der Lehrer so gleichgültig sein?

Während die Tage in Wochen, die Wochen in Monate und die Monate in Jahre gingen, kam eine Zeit, in der die Schüler erwachsen wurden und ihren eigenen Lebensweg betraten. Zu dem Zeitpunkt war der Lehrer schon sehr, sehr alt. Daher lud er alle seine unterschiedlichen Schüler aus den vergangenen und gegenwärtigen Lehrjahren ein, ihn zu besuchen. Alle kamen, und der Lehrer begann, ihnen segensvoll einige materielle Gegenstände zu geben, wie z.B. Grundstücke und andere Dinge. Was auch immer er hatte, er wollte es an seine Schüler weitergeben. Sie waren alle sehr glücklich. Dann bemerkten sie, dass aus irgendeinem Grund dieser bestimmte Schüler nichts erhalten hatte, vielleicht weil der Guru das Gefühl hatte, dass er kein guter Schüler war. Die anderen fragten sich, warum der Guru ihm nichts gegeben hatte.

Endlich sagte der Lehrer zu dem Jungen: „Ich habe dir auf der materiellen Ebene nichts zu geben, das deinem Gehorsam entspricht. Ich habe noch nie jemanden gesehen und werde auch nie jemanden sehen, der seinem Lehrer gegenüber so ergeben ist. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so gehorsam ist wie du, und was ich auf der materiellen Ebene gebe, wird nicht deinem Gehorsam entsprechen.“

Schließlich sagte der Lehrer zu dem Jungen: „Ich gebe dir einen Segen. Der Segen ist folgender: In einigen Jahren wird der Höchste Herr selbst als dein Schüler zu dir kommen. Lord Krishna wird kommen und dein Schüler sein. Das ist das größte Geschenk, das ich dir machen kann. Ich bin der glücklichste Mensch, dir zu sagen, dass der Höchste Herr selbst kommen und mit dir lernen wird.“ Der Name dieses besonderen Schülers war Sandip Muni. Er wurde der Guru von Sri Krishna. Er zeigte diese Art von Gehorsam, um die Wünsche seines Lehrers zu erfüllen.

Anandamayee Ma versteckt ihre Schönheit1

Dieser Vorfall ereignete sich, als Anandamayee Ma frisch verheiratet war. Sie war damals etwa sechzehn Jahre alt. Ihr Mann, Bholanath, war viel älter als sie. Eines Tages brachte ihr Mann einen Freund mit nach Hause. Bholanath wollte damit angeben, was für eine schöne Frau er hatte.

Zu dieser Zeit war der Rufname von Anandamayee Ma noch Nirmala Sundari. Sie war sehr schön, sowohl innerlich als auch äußerlich. An diesem Tag, als Bholanath mit seinem Freund nach Hause kam, sah Bholanath zu seiner großen Überraschung, dass sich seine Frau ein Handtuch über den Kopf geworfen hatte und ihr Gesicht bedeckt hielt.

Bholanath fragte sie: „Was machst du da? Was machst du da? Willst du nicht meinen Freund kennenlernen?”

Aber Nirmala hörte nicht auf ihn. Sie behielt das Handtuch auf dem Kopf. Dann wurde Bholanath wütend. Er fragte sie: „Was glaubst du, wer du bist?“

Nirmala nahm das Handtuch ab und sagte: „Ich bin der alles durchdringende Brahman.“

Der Ehemann wurde wütend und der Freund amüsierte sich.


  1. POK 26-35. Sri Chinmoy erzählte die folgenden Geschichten über Anandamayee Ma am 14. Februar 2000.

Der Guru und die Schülerin in einer Form

Anandamayee Ma hatte keinen Guru. Zuerst dachte sie, dass es notwendig sei, einen Guru zu haben. Dann spürte sie, dass es nicht notwendig war. Sie betete und meditierte. Schließlich fühlte sie in einer tiefen Meditation, dass ihr höchstes Selbst der Guru und ihr niederes Selbst die Schülerin war. In diesem Augenblick spielte sie die Rolle einer Schülerin; im nächsten Augenblick spielte sie die Rolle ihres Meisters. Auf diese Weise hat sie sich selbst initiiert.

Von Gott besessen

Anandamayee Ma hörte nicht auf ihren Mann. Sie verbrachte ihre Zeit mit Gebet und Meditation. Die ganze Zeit war sie in sich selbst versunken. Ihr Mann konnte dieses Verhalten nicht ertragen und schlug sie ziemlich hart, bis sie grün und blau war. Das zog sich jahrelang so hin.

Eines Tages sagte sie ihm: „Warte noch zwei weitere Jahre. Dann wirst du mich nicht mehr schlagen können.“

Was geschah dann? Innerhalb von zwei Jahren sammelten sich viele Anhänger um sie, und ihr Mann bekam es mit der Angst zu tun. Er konnte seine Frau nicht mehr so hart behandeln. Er berührte ihre Füße und bat sie um Verzeihung. Dann wurde er ihr erster wirklicher Schüler.

Darüber waren alle Dorfbewohner schockiert. Wie konnte ein Mann der Schüler seiner Frau werden? Aber Bholanath sagte: „Ich sehe ihre Göttlichkeit. Früher dachte ich, dass sie von Dämonen besessen sei. Jetzt sehe ich, dass sie von Gott besessen ist.“

Anandamayee Ma weigert sich, selbst zu essen

Eines Abends, es war im Jahr 1924, sagte Anandamayee Ma: „Ich werde keine Nahrung mehr mit meiner eigenen Hand zu mir nehmen.“ Von diesem Tag an wurde sie immer von ihren Schülerinnen gefüttert. Sie mussten ihr das Essen in den Mund stecken. Dies behielt sie bei, bis sie 1982 den Körper verließ.

Jeder hat Recht

Einmal wurde Anandamayee Ma von einem Schüler gefragt: „Bitte sag mir, wer du bist. Ich möchte es wissen.”

Sie antwortete: „Es liegt an dir. Was auch immer du von mir denkst, das bin ich. Wenn du denkst, dass ich jenes bin, bist du im Recht. Wenn eine andere Person denkt, dass ich etwas anderes bin, hat sie Recht. So wie ihr an mich denkt, so bin ich.”

Anandamayee Ma löst die religiöse Streiterei

Indiens größtes religiöses Fest ist die Kumbha Mela. Sie findet alle zwölf Jahre statt. Millionen von Menschen nehmen daran teil, darunter viele religiöse Führer und alle Arten von Anhängern.

Manchmal besuchen religiöse Führer das Fest, um sich am Diskutieren zu erfreuen, doch ab und zu kommt es zu Streitereien und sogar zu Kämpfen.

Anandamayee Ma besuchte das Fest auch einige Male. Einige Führer waren der Meinung, dass sie zu ihr gehen sollten, um ihr Weisheits-Licht zu bekommen. Sie kamen zu ihr und wurden von ihr beraten. Einige Jahre lang kamen die Führer religiöser Gruppen zu ihr, um ihr Weisheits-Licht zu empfangen. Auf diese Weise war sie diejenige, die sie daran hinderte, sich zu streiten und zu kämpfen.

Die westliche Welt lernt Anandamayee Ma kennen

Es war Paramahansa Yogananda, der das Licht von Anandamayee Ma nach Amerika brachte. Als er die Autobiographie eines Yogis schrieb, widmete er ihr das Kapitel „Die glückseelige Mutter aus Bengalen”.

Nur weil Paramahansa Yogananda über sein Treffen mit Anandamayee Ma schrieb, erfuhr die westliche Welt von ihr.

Der wahre Guru

Anandamayee Ma war der Meinung, dass jede Person ihr eigener Guru sei, weil jede Person auf sich selbst hört. Jede Person hört auf ihren Verstand oder ihr Herz, daher ist jede Person ihr eigener Guru. Was immer einer Person in den Sinn kommt, das macht sie. Was auch immer eine Person fühlt, dementsprechend handelt sie. Deshalb ist jede einzelne Person Ihr eigener Guru.

Nochmal zum Verständnis – sie spürte, dass es nur einen wahren Guru gibt, einen höchsten Guru, und das ist das Selbst.

Anandamayee Mas einfacher Rat

Anandamayee Ma pflegte ihren Schülern den Rat zu geben, zu lachen, zu lachen und nochmals zu lachen. Sie sagte: „Wenn ihr lacht, dann minimiert ihr euer Leiden und entlastet auch die Traurigkeit und die Sorgen anderer Menschen.“

Aus diesem Grund ermutigte sie ihre Schüler, nach Herzenslust zu lachen.

Das Bad der Mutter als Thema

In den letzten Jahren ihres Lebens nahm Anandamayee Ma manchmal kein Bad. Einmal sagte eine Schülerin zur anderen: „Mutter nimmt überhaupt kein Bad.”

Die andere Schülerin entgegnete: „Warum muss sie ein Bad nehmen? Sie hat einen so schönen und angenehmen Duft in ihrem Körper. Sie muss nicht baden. Sie ist nicht wie wir.”

Die Mutter bekam ihr Gespräch mit und badete am nächsten Tag dreißig Mal! Die Schülerinnen waren entsetzt, und sie brachten dieses Thema nie wieder zur Sprache. Anschließend ging es wie gewohnt weiter, Anandamayee Ma hörte auf, regelmäßig zu baden.

Die Geburt von Lord Ganesha[fn:: POK 36-37. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichten am 31. März 2007

am Aspiration-Ground in Jamaica, New York.]

Lord Shiva meditierte und meditierte die ganze Zeit. Auf der Erde hatte er so viele Anhänger und Verehrer. Jeder sprach in den höchsten Tönen von Lord Shiva.

Lord Shiva hatte eine ganze Reihe von Leibwächtern – Nandi, Bhringi und andere. Er hatte auch viele Assistenten. Seine Gemahlin, Parvati, hatte ein paar Freunde, die ihr sehr nahe standen. Diese Freunde wurden sehr, sehr eifersüchtig auf Lord Shiva.

Parvatis Freunde sagten ihr immer: „Du tust uns so leid, dass du keine Leibwächter hast.”

Dann protestierte Parvati: „Ich brauche keine Leibwächter, ich brauche sie nicht!”

„Aber du brauchst sie wirklich!”, bestanden sie. „Warum sollten alle nur Shiva schätzen?”

Parvati antwortete: „Wenn die Leute Shiva schätzen, habe ich das Gefühl, dass sie auch mich schätzen.”

Ihre Freunde sagten: „Nein, nein, nein! Dein Name ist nicht Shiva, dein Name ist Parvati. Diese Wachen erwähnen nie Shiva und Parvati. Für sie ist es alles nur Shiva, Shiva. Bitte erlaube uns, etwas in dieser Angelegenheit zu unternehmen. Wir hätten gerne ein paar Leibwächter, ein paar Helfer für dich.”

Noch einmal sagte Parvati: „Nein, ich brauche keine Helfer, ich brauche sie nicht. Wenn die Leute Shiva schätzen, ihn bewundern und lieben, habe ich das Gefühl, dass sie auch mich verehren und lieben. Daher brauche ich keine Helfer.”

Doch ihre Freunde ließen sich davon nicht überzeugen. Sie sagten: „Die Zeit wird kommen, wo auch du Leibwächter, Helfer und so weiter brauchst. Eines Tages wirst du das erkennen.“

Leider geschah es, dass Parvati eines Tages duschte und Shiva versehentlich den Raum betrat. Parvati war sehr verlegen. Sie sagte: „Warum bist du hierher gekommen? Ich dusche gerade.“

Shiva begann zu sagen: „Ich kam hierher –.“

Bevor er den Satz vervollständigen konnte, fing Parvati an, ihn zu beschimpfen und anzuschreien. Shiva sagte, er würde sie nie wieder in so eine Verlegenheit bringen. Er war sehr verärgert. Dann ging er weit weg.

Parvati war jetzt allein. Eines Tages, während sie duschte und ihre Seife benutzte, kam etwas Staub und Dreck von ihrem Körper. Aus diesem Staub und Dreck wurde ein kleiner vier- oder fünfjähriger Junge. Das war ihr Sohn. Sie gab dem kleinen Jungen alle möglichen okkulte und spirituelle Kräfte. Der kleine Junge wurde sehr, sehr stark.

Als er sechs oder sieben Jahre alt war, war sein Vater immer noch nicht zurückgekehrt. Weitere sechs Jahre vergingen, und Lord Shiva wollte nach Hause zurückkehren. Parvati hatte ihrem Sohn gesagt, dass niemand ohne ihre Erlaubnis ihr Haus betreten dürfe. Der kleine Junge hat die ganze Zeit seine Mutter bewacht, bewacht, bewacht und bewacht. Als Lord Shiva kam, wusste der kleine Junge nicht, wer er war, und verweigerte daher seinem Vater den Eintritt.

Lord Shiva sagte: „Es ist unter meiner Würde, gegen diesen kleinen Jungen zu kämpfen!” Er schickte Nandi und Bhringi, seine Wachen, um mit dem Kind zu kämpfen. Doch sie waren dem kleinen Jungen deutlich unterlegen! Dann kamen mehr kosmische Götter, um Shiva zu helfen, doch auch ihnen widerfuhr das gleiche Schicksal. Schließlich kamen Brahma und Vishnu. Selbst sie verloren gegen den kleinen Jungen. Sie konnten es nicht fassen, wie mächtig der kleine Junge war. Einer nach dem anderen unterlag ihm. Darauf flehten sie Shiva an, selbst zu kommen und zu kämpfen.

Lord Shiva kam und kämpfte lange mit dem kleinen Jungen. Schließlich wurde Shiva wütend. Er sagte: „Ich kann so nicht weitermachen. Es bleibt mir nur noch, seinen Kopf abzuschlagen. Ich werde ihn töten. Es ist nicht richtig, wenn ich mit faulen Mitteln gewinne, aber was kann ich machen? Ich muss ihn töten.“ So schlug Shiva dem kleinen Jungen den Kopf ab und warf ihn weg.

Als Parvati erfuhr, dass ihr Sohn getötet wurde, war sie tief erschüttert und traurig. Sie weinte und klagte so untröstlich und war gleichzeitig so wütend, dass sie alle kosmischen Götter töten wollte. Sie rief immer wieder: „Mein Sohn, mein Sohn!“ Sie mochte ihr kleines Kind so sehr.

Vishnu wurde, wie üblich, zum Mediator. Vishnu ging zu Parvati und versuchte, sie zu trösten. Leider gab es keinen Trost. Sie sagte: „Nein, ich will deine Philosophie nicht hören! Mein Sohn muss sein Leben zurückerhalten.“

Dann ging Vishnu zu Shiva und bat ihn: „Bitte, bitte benutze deine okkulte Kraft. Bring sein Leben mit deiner okkulten Kraft zurück.“

Shiva nutzte seine okkulte Kraft und brachte Leben in den Körper des kleinen Jungen, aber der Kopf war verschwunden. Parvati sagte: „Was soll ich mit einem lebendigen Körper ohne Kopf machen? Er braucht einen Kopf. Nur dann wird er vollkommen sein. Ansonsten, wie sollen die Leute ihn ohne Kopf erkennen?“

Parvati war immer noch wütend auf ihren Mann. Dann sagte Shiva: „Es geht alles in Ordnung. Morgen früh werden die kosmischen Götter hinausgehen. Ich werde ihnen befehlen, dass sie von der ersten Person oder dem ersten Lebewesen, das sie sehen, den Kopf abtrennen und zu mir bringen. Ich werde ihn dann auf den kleinen Jungen setzen.“

Als die kosmischen Götter am nächsten Morgen hinausgingen, sahen sie als erstes einen Elefanten, keinen Menschen! Und der Elefant hatte nur einen Stoßzahn. Shiva hatte ihnen befohlen: „Ihr müsst den Kopf des ersten Lebewesens mitbringen.“ Das erste Lebewesen war zufällig ein Elefant. Daher trennten sie den Kopf des Elefanten ab und brachten ihn zu Shiva. Dieser setzte den Kopf dann auf den Körper des kleinen Jungen.

Parvati war sehr, sehr glücklich. Es war ihr egal, ob es ein menschlicher Kopf oder der Kopf eines Elefanten war. Sie war froh, dass ihr Sohn wieder hergestellt war. Dann sagte Shiva: „Ich bewundere diesen kleinen Jungen wirklich. Ich nehme ihn als meinen eigenen Sohn an.“ Er setzte den kleinen Jungen auf seine Schultern und begann, ihm all seine Zuneigung und Liebe zu schenken.

Shiva sagte zu seinem Sohn: „Brahma, Vishnu und ich, wir drei kosmische Götter, werden immer zuerst verehrt. Aber jetzt ändere ich die Reihenfolge. Von nun an wird mein Sohn zuerst verehrt werden. Sein Name wird Ganesha sein. Er muss zuerst angebetet werden, und erst dann werden die Verehrenden uns anbeten.“

Das machte Parvati sehr glücklich, und auch Shiva war sehr, sehr glücklich. Shiva sagte: „Er ist mein teuerstes und liebstes Kind.“ Alle waren überaus glücklich. So endet die Geschichte.

Seitdem wird Lord Ganesha vor jedem anderen kosmischen Gott bzw. kosmischen Göttin verehrt.

Wie die Götter unsterblich wurden

Jetzt werde ich eine Geschichte erzählen, die keine Mutter und keinen Vater hat!

Hunderte von Menschen haben diese Geschichte erzählt. Die Geschichte selbst ist authentisch, aber jeder Autor hat sich eine enorme Freiheit genommen. Ich hatte diese Geschichte bereits vor vielen Jahren erzählt. Heute erzähle ich sie wieder und schmücke sie auf meine Weise aus.

Wir alle wissen, dass die Götter unsterblich sind. Aber es gab eine Zeit, in der die Götter nicht unsterblich waren. Sie waren sterblich wie wir. Es gab ständige Kämpfe zwischen den Göttern und den Asuras bzw. Dämonen. Die Götter wurden ziemlich oft von den Asuras besiegt. Der Lehrer der Asuras ist Sukracharya, und der Guru der kosmischen Götter ist Brihaspati. Sie sind Cousins. Aus astrologischer Sicht ist Brihaspati mein Guru. Ich wurde an einem Donnerstag geboren, und Donnerstag in Bengalen ist Brihaspati-bar, der Tag von Brihaspati.

Sukracharya erlernte irgendwie die Kunst der Unsterblichkeit und konnte so seine Anhänger wiederbeleben. Wenn sie starben, sprach er ein bestimmtes Mantra, um sie wieder zum Leben zu erwecken. Unglücklicherweise kannte Brihaspati dieses Mantra nicht, so dass seine Anhänger, die Götter, sehr leiden mussten.

Die Götter waren darüber sehr, sehr traurig. Die Trinität – Brahma, Vishnu und Shiva – ging zu Brihaspati, um seinen Rat einzuholen. Sie fragten ihn, wie auch sie unsterblich werden könnten. Brihaspati teilte ihnen mit, dass er die Kunst nicht gelernt habe. Auch er war sehr traurig darüber. Brihaspatis Sohn, Kach, hörte zufällig ihr Gespräch mit. Er sagte: „Ich habe eine brillante Idee! Ich werde das Mantra von Sukracharya lernen.“

Einige von ihnen lachten darüber, als sie das hörten. Andere waren besorgt, weil sie das Gefühl hatten, dass, wenn Sukracharya Kach sah, er ahnen würde, aus welchem Grund Kach gekommen ist, und befürchteten, er würde Brihaspatis Sohn töten. Aber Kach hörte nicht auf sie.

Kach ging zu Sukracharya und bat darum, sein Schüler zu werden. Sukracharya antwortete: „Ich bin bereit, dich anzunehmen, aber schaffst du es, so lange zu beten und zu meditieren, bis ich mit dir zufrieden bin?“

Kach sagte: „Ich bin bereit, zehntausend Jahre lang zu üben, wenn es nötig ist.“ Dann sagte Sukracharya: „Wenn du mich innerhalb von zehntausend Jahren zufriedenstellen kannst, dann werde ich dir gewähren, was du willst.“

Kach war überglücklich, dass Sukracharya ihn als seinen Schüler angenommen hatte. Er begann, voller Intensität zu beten und zu meditieren. Es war auch seine Aufgabe, Sukracharyas Kühe zur Weide zu bringen. Er tat alles, um Sukracharya so schnell wie möglich zufriedenzustellen. So vergingen einige Jahre.

In der Zwischenzeit fühlten sich die Asuras sehr, sehr unglücklich. Ihnen war bewusst, dass Kach zu ihrem Lehrer gekommen war, um die Kunst der Unsterblichkeit zu lernen. Daher waren sie sehr wütend und zugleich neidisch auf Kach. Auf alle möglichen Weisen versuchten sie, ihn zu bestrafen und zu quälen. Das zog sich einige Zeit lang hin.

In der Zwischenzeit kam für den armen Kach noch ein weiteres Problem hinzu. Sukracharya hatte eine Tochter namens Devyani, die ein paar Jahre älter war als Kach. Sie war sehr, sehr angetan von Kach, aber Kach war nicht so sehr an ihr intressiert, da er nur eine Absicht in seinem Verstand hegte: von ihrem Vater die Kunst der Unsterblichkeit zu lernen. Devyani verliebte sich ernsthaft in Kach. Er war sehr nett zu ihr, aber er war nicht in sie verliebt.

Eines Tages, als Kach die Kühe auf die Weide brachte, wurde er von den Asuras angegriffen und getötet. Sie ließen seinen toten Körper auf dem Feld liegen, wo Hunde und Schakale ihn bald verschlingen würden.

Jeden Tag, wenn Kach vom Feld heimkam, unterhielt er sich mit Sukracharya, und Sukracharya begann seinen Neffen sehr zu schätzen. An dem Tag, als Kach getötet wurde, machte sich Devyani große Sorgen, da er nicht vom Feld zurückkehrt war. Sie sagte zu ihrem Vater: „Wie kommt es, dass alle Kühe zurück sind und Kach nicht hier ist?”

Sie fing an zu weinen und weinte unaufhörlich. Sie sagte: „Vater, ich liebe ihn so sehr. Ich kann nicht ohne ihn leben.”

Sukracharya antwortete: „Auch ich liebe ihn.”

Die Tochter flehte: „Dann gib ihm sein Leben zurück. Bitte erwecke ihn wieder zum Leben!”

Sukracharya benutzte sein drittes Auge um zu sehen, was passiert war. Plötzlich rief er aus: „O mein Gott! Jetzt wird sein Körper von Hunden und Schakalen verschlungen!”

Daraufhin nutzte Sukracharya seine enorme okkulte Kraft. Er brachte die Teile des toten Körpers aus den Hunden und Schakalen zurück und gab Kach sein Leben wieder. Darüber war er sehr glücklich, und auch Devyani war sehr, sehr glücklich.

Aber die Eifersucht der Asuras war nicht gewichen. Sie wollten Kach ein für alle Mal bestrafen. Dieses zweite Mal töteten sie ihn und warfen ihn Stück für Stück ins Meer. Nun war der Abend angebrochen, aber Kach kam nicht vom Feld zurück. Die Kälber kamen ohne ihn zurück, und Devyani begann, sich Sorgen zu machen. Wo könnte Kach sein? Ihr Vater nutzte wieder seine okkulte Vision und fand heraus, dass Kachs Körper im Wasser verstreut war. Wieder einmal nutzte er seine okkulte Kraft und konnte Kach aus dem Meer zurückholen. Devyani war voller Freude, und Sukracharya war auch froh, Kach wiederzusehen.

Aber leider wären diese Asuras nur zufrieden gewesen, wenn Kach wirklich tot gewesen wäre, und so kam ihnen nun eine höchst geniale Idee. Sie wussten, dass Sukracharya gerne Wein trank. Sie beschlossen, Kach zu töten und seine Knochen zu Pulver zu mahlen. Dann gossen sie das Pulver von Kachs Knochen in Sukracharyas Getränk. Den Rest von Kachs Körper warfen sie weg.

Als Sukracharya wie gewohnt seinen Wein trank, fiel ihm nichts dabei auf. Es gab nichts, keine Reaktion. Doch Devyani war wieder beunruhigt, weil Kach nicht zurückgekehrt war. Sie fing an, sich Sorgen zu machen, und begann zu weinen. Daher konzentrierte sich ihr Vater erneut. O Gott, er sah, dass Kach in seinem eigenen Körper war! Er sagte zu seiner Tochter: „Nun, es gibt ein ernstes Problem. Wenn ich mein Mantra benutze, wird Kach aus mir herauskommen, aus meinem Magen, und ich werde sterben. Wenn nicht, wird er in meinem Körper bleiben. Er wird tot sein. Was soll ich deiner Meinung nach tun?”

Devyani antwortete: „Vater, ich liebe dich und Kach gleichermaßen. Ohne dich kann ich nicht leben und ohne ihn auch nicht.“

Sukracharya sagte: „Was kann ich hier tun?” Er dachte einen Moment lang nach und sagte dann: „Nun, ich weiß, was ich zu tun habe! Geht alle hinaus – keiner bleibt hier. Ich werde Kach im Geheimen mein Mantra beibringen, und dann wird Kach aus mir herauskommen. Wenn Kach aus meinem Körper kommt, wird er das gleiche Mantra benutzen, um mich wieder zum Leben zu erwecken!“

Es war ein wunderbarer Plan. Sukracharya lehrte Kach sein Mantra, und Kach kam aus Sukracharyas Körper heraus. Dann benutzte Kach das gleiche Mantra, und Sukracharya wurde wieder zum Leben erweckt. Es war ein unendlich glücklicher Moment für alle, außer für die Asuras. Sie fühlten sich elend, weil Kach nun das Mantra gelernt hatte.

Jetzt war für Kach die Zeit gekommen, wieder zu gehen. Er hatte das Mantra gelernt; er wusste, wie man tote Körper wieder zum Leben erweckt. Kach sagte zu Sukracharya: „Onkel, du hast mir gesagt, wenn ich dich zufriedenstelle, würdest du mein Gebet erfüllen. Das war mein Gebet: Ich wollte lernen, wie man Menschen, die getötet wurden, das Leben zurückgibt.”

Sukracharya sagte: „Es ist alles in Ordnung. Du hast mich immens erfreut und hast das Mantra jetzt erlernt. Nun kannst du zu deinem Vater zurückkehren.“

Als Kach bereit war, Sukracharyas Wohnung zu verlassen, kam Devyani ganz verzweifelt zu ihm. „Nein, ich werde nicht zulassen, dass du gehst”, sagte sie. „Du musst mich heiraten!”

Kach war entsetzt. „Mein Gott! Ich betrachtete dich als meine Schwester, und du bist älter als ich. Wie kann ein Bruder seine Schwester heiraten?”

„Nein, nein, du musst mich heiraten!”, sagte sie.

Kach weigerte sich, auf sie zu hören. „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht”, sagte er. „Du hast dich in mich verliebt, aber meine Zuneigung gilt dir als der älteren Schwester, einfach als der älteren Schwester. Ich habe mich immer um dich gesorgt und dich geliebt, aber als eine ältere Schwester.”

„Nein, ich liebte dich, und ich wollte deine Frau werden,” beharrte Devyani.

Aber Kach ließ sich nicht beeinflussen. Als er gerade abreisen wollte, sagte Devyani zu ihm: „Ich verfluche dich! Du wirst nie mit einer Frau zufrieden sein. Ich verfluche dich! Du wirst nie glücklich sein, wenn du heiratest.“

Kach lächelte und sagte: „Ich bin ein Sucher. Ich werde nie heiraten, also muss ich mich nicht elend fühlen. Aber du hast mich verflucht, daher verfluche ich jetzt dich. Mein Fluch ist, dass kein Mann jemals einer Frau vertrauen soll!“

Kach ging zu seinem Vater zurück, und die kosmischen Götter waren hoch erfreut, dass sie jetzt auch, gleich den Asuras, unsterblich sein würden. So endet die Geschichte.

Diese Geschichten sind sehr lehrreich und inspirierend. So viele Menschen haben ihre fruchtbare Fantasie genutzt, um die Geschichte von Kach und Devyani zu erzählen.

Das opfern eines Auges[fn:: POK 38. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichte am 15. April 2007

am York College in Jamaica, New York.]

Vor langer, langer Zeit wurden die Götter ziemlich oft von den Asuras besiegt. Die Asuras waren die Dämonen und die Suras waren die Devas – die kleinen Götter und die kosmischen Götter. Der Guru der Asuras, Sukracharya, beherrschte die Kunst, Menschen wieder zum Leben zu erwecken, wenn sie starben.

Das bedeutete, dass die Asuras, wenn sie getötet wurden, wieder zum Leben erweckt wurden. Die Devas, die kosmischen Götter, beherrschten diese Kunst damals nicht. Doch schluss-endlich erhielten sie auf sehr clevere Weise das Wissen und wurden auch unsterblich.

Hier beginnt nun die Geschichte. Einst versuchten die Asuras, bzw. die Dämonen, unbarmherzig die Götter zu besiegen. Die Götter und selbst die kosmischen Götter wurden gnadenlos im Himmel gequält. Die Götter waren den Dämonen nicht gewachsen.

Die Götter beteten unablässig zu Lord Vishnu um Rettung. Lord Vishnu antwortete: „Es tut mir leid. Ich besitze nicht die Macht, die Dämonen zu besiegen, hier seid ihr zur falschen Person gekommen. Aber ich bin bereit, zu Lord Shiva zu gehen. Ihr könnt mich begleiten. Lasst uns alle gehen.“

Dann erwiderten die Götter: „Oh, nein. Geh du alleine. Ihr beide seid so gute Freunde.” So machte sich Vishnu auf, um zu Shiva zu gehen und um seine Hilfe zu bitten. Diese kosmischen Götter sind so nett zueinander. Bei einer Gelegenheit sagen sie, dass Shiva der höchste Gott ist; das nächste Mal sagen sie, dass Vishnu der höchste ist; und ein anderes Mal werden sie sagen, dass Brahma der höchste ist. Diesmal wollte Vishnu die Überlegenheit von Shiva zeigen. Er wollte beweisen, dass er Shiva nicht gewachsen sei, dass Shiva alle spirituelle Kraft und okkulte Kraft hatte und dass Shivas drittes Auge alles zerstören konnte.

Als Vishnu zu Shiva kam, stellte er fest, dass Shiva in Trance war – in hoher, höherer, höchster Trance. Vishnu wollte Shivas Trance nicht stören und wartete daher. Er wartete und wartete Hunderte von Jahren lang. Und so ging es weiter.

Shiva war noch immer nicht zufrieden. Dann entschied sich Vishnu, Shiva jeden Tag mit tausend Lotusblumen anzubeten – mit schönen, voll erblühten blauen Lotusblumen. Dies tat er jeden Tag, um Lord Shiva zufriedenzustellen. Eintausend Jahre lang betete Vishnu stundenlang zu Shiva. Während er betete, legte er eintausend Lotusblumen vor sich. Er hob eine nach der anderen hoch und widmete sie Shiva. Obwohl Shiva nicht antwortete, fuhr Vishnu fort, kontinuierlich zu beten, zu beten und weiter zu beten.

Eines Tages wollte Shiva Vishnu einen Streich spielen. Bevor Vishnu anfing zu beten, sammelte er stets die schönen blauen Lotusblumen. Er legte sie an einen bestimmten heiligen Ort, setzte sich dann vor die Blumen und begann, Shiva anzubeten. Doch ach, bevor sich Vishnu zur Verehrung Shivas hinsetzte, erschien dieser heimlich in subtiler Form und stahl eine Blume, so dass die Zahl der Blumen nicht mehr eintausend war – sondern nur noch 999. Vishnu bemerkte es nicht. Vishnu sah nur die vielen, vielen Blumen. Er fing an, sie Shiva eine nach der anderen anzubieten. Jedes Mal, wenn er einen Lotus anbot, lobte er Shiva und sagte, wie großartig, wie gut und wie gütig Shiva war.

Leider bemerkte Vishnu am Ende seiner Opfergabe, dass es nur 999 Lotusblüten waren. Er war sehr, sehr traurig, weil ein Lotus fehlte. Vishnu begann, überall nach diesem Lotus zu suchen. Schließlich entschied er, dass es sich um einen hoffnungslosen Fall handelte, und zog daher sein linkes Auge heraus. Sein Auge sah auch aus wie ein schöner Lotus. Vishnu legte sein Auge vor sich, und mit diesem Auge betete er Lord Shiva an.

Lord Shiva kam sofort und stand vor Vishnu. Er konnte nicht glauben, dass Vishnu so etwas tun würde. Lord Shiva war so zufrieden mit ihm. Dann sagte Shiva: „Ich gebe dir mein Sudarshan-Chakra, diese runde Wurfscheibe.“

Wir alle wissen, dass dies jetzt Vishnus Chakra ist, aber am Anfang war es Shivas Chakra. Das Sudarshan-Chakra wird sich immer weiter drehen und demjenigen, den es töten will, die Kehle durchtrennen.

Lord Vishnu nahm ergeben das Sudarshan-Chakra von Lord Shiva. Dann gab Lord Vishnu dieses Sudarshan-Chakra den Göttern, um damit gegen die Dämonen zu kämpfen. Auf diese Weise wurden die Dämonen getötet. Anschließend gaben die Götter das Chakra Lord Vishnu zurück. Vishnu sagte: „Jetzt wissen wir, wie wir die ungöttlichen Kräfte töten können.“ Dann fragte er Shiva, ob er das Sudarshan-Chakra zurückhaben wolle.

Shiva erwiderte: „Sobald ich etwas gebe, nehme ich es nicht mehr zurück. Es gehört dir. Du kannst es von jetzt an benutzen, bis in alle Ewigkeit.“

Lord Vishnu benutzte dieses Chakra weiterhin. Als Sri Krishna auf die Erde kam, war er ein Avatar von Lord Vishnu. Er benutzte dieses Chakra und niemand, absolut niemand konnte sich dagegen wehren. So ist Krishna zu dem Chakra gekommen: Shiva hatte es Vishnu gegeben und Vishnu gab es schließlich Sri Krishna.

Diese Art von Opfer konnte Vishnu vollbringen. Er bot Shiva eines seiner eigenen Augen an, und Shiva war sehr, sehr zufrieden mit diesem Opfer.

Es gibt eine ähnliche Geschichte über Gorakshanath, die ihr sicher kennt. Sein Guru, Matsyendranath, wollte, dass er von einer bestimmten Dame ein köstliches Essen mitbringt. Diese Dame hatte am Vortag ein Festessen gegeben, und Matsyendranath wollte die gleiche Art von köstlichem Essen haben, aber an diesem Tag gab es kein Fest.

Um seinen Guru zufriedenzustellen ging Gorakshanath zu dieser besonders reichen Dame. Die reiche Dame erklärte ihm: „Das Fest war gestern. Heute ist alles vorbei. Ich kann kein anderes Festessen zubereiten.“

Gorakshanath bettelte, bettelte und bettelte. Dann begann die Dame ihn zu schimpfen: „Du bist schlimmer als ein Hund! Selbst ein Hund geht nach einiger Zeit, wenn er kein Futter bekommt. Du bist schlimmer als ein Hund!“

Gorakshanath sagte: „Ich bin bereit, schlimmer als ein Hund zu sein. Ich werde dein Haus nicht verlassen, bis du mir das köstlichste Essen für meinen Meister gegeben hast.“

Die Dame sagte: „In Ordnung, beweise mir deine Liebe und Ergebenheit für deinen Guru. Wenn du bereit bist, mir eines deiner Augen zu geben, wenn du bereit bist, es mir anzubieten, werde ich auf den Markt gehen und alle Zutaten kaufen. Dann werde ich ein köstliches Essen zubereiten, das du deinem Guru bringen kannst.“

Sofort nahm Gorakshanath eines seiner Augen heraus und gab es ihr. Die Dame konnte es nicht glauben. Sie ging sofort auf den Markt, kaufte die Zutaten und bereitete wieder eine köstliche Mahlzeit zu.

Als Gorakshanath mit dem Essen zu seinem Guru zurückkehrte, war sein Guru schockiert als er sah, dass sein liebster Schüler nur ein Auge hatte. Er fragte ihn: „Warum hast du das getan?“

Gorakshanath erklärte: „Die Dame war nicht bereit, heute wieder ein köstliches Essen zuzubereiten. Sie wollte eines meiner Augen, und ich gab es gerne.“

Matsyendranath sagte: „In Ordnung, kannst du mir das andere Auge geben?“

Gorakshanath sagte: „Natürlich!“ Dann nahm er auch das zweite Auge heraus und gab es seinem Meister. Der Meister war so erfreut. Er aß das Essen nach Herzenslust, und gab anschließend mit seiner okkulten Kraft seinem liebsten Schüler Gorakshanath beide Augen zurück.

Die Geschichten über Gorakshanath und Vishnu sind sich ähnlich. Shiva prüfte Vishnu um zu sehen, wie viel Liebe und Bewunderung er für Shiva hegte, und Shiva war sehr, sehr zufrieden mit Vishnu. Matsyendranath war auch sehr, sehr zufrieden mit seinem liebsten Schüler.

Wenn wir ein Opfer bringen, haben wir das Gefühl, dass alles vorbei ist. Nein! Gott gibt uns auf Seine ganz besondere Weise viel mehr zurück, und Er erhöht auch unsere innere Kraft, die Kraft unserer Hingabe.

König Shibis Mitgefühl1

Ich habe diese Geschichte bereits vor vielen Jahren erzählt, aber jetzt, da das Alter auf mich niedergekommen ist, erzähle ich sie mit neuer Weisheit.

Es gab einmal einen sehr großen König. Dieser König war inkarnierte Güte, inkarniertes Mitgefühl und inkarniertes Selbst-Geben. Nicht nur seine eigenen Untertanen, auch die Untertanen anderer Könige schätzten ihn sehr. Niemand konnte ihm an Tugendhaftigkeit nahe kommen. Er besaß eine Galaxie an Tugenden.

Nun, es konnte manchmal geschehen, dass Lord Indra von seiner Eifersucht gequält wurde. Er war der König der kosmischen Götter, und so war es zu viel für ihn, dass ein einfacher Mensch von der ganzen Welt so hoch geschätzt, bewundert und verehrt werden konnte. Er beschloss, König Shibi zu testen.

Brahma und Indra waren sehr enge Freunde. Daher ging Indra zu Brahma, um seine Meinung und seinen Rat einzuholen. Brahma gab Indra sofort einen Ratschlag. Anschließend nahmen beide die Gestalt von Vögeln an und statteten der Erde ihren Besuch ab. Indra spielte die Rolle einer schönen Taube, und Brahma nahm die Form eines Falken an.

Indra, die Taube, flog nach unten und fiel auf König Shibis Schoß. Der Vogel schrie um Schutz, er war völlig hilflos. Warum? Er wurde von einem Falken verfolgt, der ihn töten und fressen wollte.

Die Taube bettelte und flehte Shibi um Schutz an. Shibi sagte: „Keine Sorge! Du bist jetzt in meinen Händen. Niemand wird dich töten können. Ich werde dich beschützen, ich werde dir Schutz bieten.“

Die Taube war so glücklich. Sie sagte zum König: „Ich habe gehört, dass du der größte Selbst-Gebende bist. Hier ist der Beweis.“

Noch einmal sagte Shibi: „Ich werde dich beschützen.”

Da kam der Falke und sagte: „Ja, es ist deine Pflicht, o König. Es ist deine Pflicht, die Leidenden und die Bedürftigen zu schützen. Aber wo ist deine Gerechtigkeit? Diese Taube gehört mir. Ich habe die Taube gefunden, und sie ist meine Beute. Ich bin so hungrig! Ich bin so hungrig! Wirst du nicht an mich denken? Hast du keine Anteilnahme für mich? Ich muss fressen, ich muss fressen! Wirst du meinem Hunger keine Beachtung schenken? Das ist nicht meine Gier, sondern mein echter Hunger. Ich habe den Vogel gejagt und jetzt gehört er mir.“ Der Falke argumentierte, dass er das Recht habe, die Taube zu ergreifen.

Zuerst war König Shibi sehr überrascht, dass diese beiden Vögel die Fähigkeit hatten, wie Menschen in einer Sprache zu sprechen, die er verstehen konnte. Dann sagte er zu dem Falken: „Können wir das Fleisch mit dem einer anderen Kreatur ersetzen? Bist du damit einverstanden?“ Dies war nichts anderes als die selbstgebende Edelmütigkeit von König Shibi.

Der Falke antwortete: „Ich werde nur zustimmen, wenn du es mit dem Fleisch eines Menschen ersetzt – insbesondere mit deinem Fleisch!“

Alle, die anwesend waren, wurden wütend. Sie wollten den Falken umbringen. Welche Frechheit besaß er, um nach dem Fleisch ihres geliebten Königs zu fragen!

Es dauerte nicht lange, bis König Shibi sagte: „Ich bin bereit. Wenn du mein Fleisch als Ausgleich willst, werde ich es dir geben, was immer du von meinem eigenen Körper verlangst.“ Dann sagte der Falke: „Es muss die gleiche Menge sein. Auf der Waage muss es ausbalancieren. Was immer das Gewicht der Taube ist, dafür musst du die gleiche Menge Fleisch aus deinem Körper opfern.“

„Ach, das ist nichts!“ sagte Shibi. Dann fing er an, Fleisch von seinem eigenen Körper abzuschneiden und auf die Waage zu legen. Shibis Frau, seine ganze Familie und die Mitglieder des Hofes weinten alle mitleiderregend. Sie schimpften und verfluchten den Falken, aber sie konnten nichts unternehmen, um das, was gerade geschah, zu verhindern. Auf der einen Seite der Waage befand sich die Taube, auf der anderen Seite das Fleisch von Shibi. Er schnitt sein Fleisch weiter ab, bis die beiden Seiten gleich schwer wurden.

Dann, ganz plötzlich verschwanden die Taube und der Falke. Indra und Brahma hatten wieder ihre eigene Form angenommen. Indra segnete Shibi und sagte zu ihm: „Ich bin wirklich zufrieden mit dir. Du bist so ehrenwert, so mutig, so voller Mitgefühl und Großherzigkeit. Und du hältst dein Versprechen.“ Im Handumdrehen gab Indra Shibi seinen perfekten Körper zurück. Shibi erlangte seine volle und robuste Gesundheit zurück.


  1. POK 39. Sri Chinmoy erzählte die folgende Geschichte am 6. Mai 2007 am Aspiration-Ground in Jamaica, New York. 1973 hatte Sri Chinmoy die gleiche Geschichte als ein Ein-Akt-Theaterstück mit dem Titel: „Das erhabene Opfer von King Shibi” veröffentlicht.

Mutter Kali trinkt Blut[fn:: POK 40. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichte am 28. Mai 2007

auf dem Aspiration-Ground in Jamaika, New York.]

Wie ihr wisst, gab es einen ständigen Kampf zwischen den Suras und den Asuras. Die Suras sind die göttlichen Kräfte und die Asuras sind die ungöttlichen Kräfte. Meistens, das kann ich hinzufügen, gewannen die ungöttlichen Kräfte. In jenen Tagen gewannen die göttlichen Kräfte nur von Zeit zu Zeit. Heutzutage ist die Geschichte anders. Jetzt spüren wir, dass die göttlichen Kräfte öfter gewinnen als die ungöttlichen Kräfte. Wir glauben an den Sieg der göttlichen Kräfte.

Diese mythologische Geschichte fand vor Tausenden von Jahren statt. Es gab zwei Asura-Brüder, genannt Sumbha und Nisumbha, die aufs Äußerste ungöttlich waren. Die Devas, die göttlichen Wesen, fühlten sich absolut elend, weil sie gegen diese beiden Asuras verloren hatten. Da sie von den Asuras ständig gedemütigt wurden, baten die Devas die kosmische Göttin, sie zu retten. Der Name der kosmischen Göttin ändert sich immer wieder. In diesem Fall wurde sie als Göttin Ambika angesprochen.

Ambika beschloss, den beiden Asuras einen Streich zu spielen. Anstatt ihre Zerstörungs-Kraft zu zeigen und sie im Kampf zu besiegen, nahm sie die Gestalt einer äußerst schönen Frau an. Dann sagte sie zu Sumbha und Nisumbha: „Kommt! Kommt und kämpft mit mir!“

Sie lachten, lachten, lachten und lachten. „Deine Schönheit will mit uns kämpfen? Wir werden dich zu unserem König schleppen, und unser König wird das Notwendige veranlassen!”

Ambika forderte sie nochmals heraus: „Kämpft erst mit mir und bringt mich dann zu eurem König.“

Die beiden Asuras und ihre Generäle, Chanda und Munda, begannen, gegen die schöne Frau zu kämpfen. Zu ihrer Überraschung fanden sie es sehr schwierig, sie zu besiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ambika ihre schöne Form ganz aufgegeben und die Form der Göttin Kali angenommen. Jedes Mal, wenn es ihr gelang, eine große Menge Blut aus einem der Asuras zu bekommen, gab sie es in eine Schüssel und trank es. Die anwesenden Asuras bekamen es mit der Angst zu tun. Dann verließen etliche Asuras den Kampfplatz, weil sie das Schicksal ihrer Gefährten sahen. Jedes Mal, wenn Kalis Schale bis zum Rand mit dem Blut der Asuras gefüllt war, fing sie an zu trinken. Das war zu viel für die Asuras, und schließlich gingen alle.

Ein paar Tage später kehrten die beiden Brüder Sumbha und Nisumbha zurück. Diesmal kamen sie mit ihren äußerst starken Armeen. Die Göttin änderte nochmals ihre Form. Wieder wurde sie zu einer wunderschönen Frau. Daher sagte Sumbha zu Nisumbha: „Bruder, es lohnt sich nicht, dass wir beide gegen eine Frau kämpfen. Da du dich gerne ausruhst, mach eine Pause. Ich werde hingehen und sie restlos besiegen, und anschließend werden wir sie zum König bringen.”

Nisumbha schrie ihn an: „Du Schurke! Ich weiß, was du denkst. Sie ist so schön, dass du sie für dich selbst haben willst. Doch ich werde es dir nicht erlauben!“

Dann kämpften die beiden Brüder, sie kämpften und kämpften gegeneinander. Sie wollten weder gemeinsam hingehen, um sie zu besiegen, noch wollte einer der beiden dem anderen erlauben, alleine mit ihr zu kämpfen.

Schließlich kam ein Kamerad von ihnen, ein sehr mächtiger Asura namens Raktabija. Er kam, um ihrem Kampf ein Ende zu bereiten. Er sagte: „Wie könnt ihr das auskämpfen? Ihr seid beide gleich stark. Es ist besser, wenn ich hier eine Entscheidung treffe. Ich werde entscheiden, wer mit ihr kämpfen wird.“ Aber die beiden Brüder wollten nicht auf ihn hören. Schließlich fühlte sich Raktabija angewidert und sagte: „Dann macht weiter, kämpft, kämpft, kämpft und kämpft! Kämpft beide! Ich sage euch, sie wird wieder eine ganz schreckliche Form annehmen und dann wird sie euch besiegen.“

Aber die beiden Brüder hörten nicht auf ihn. Sie taten sich nun mit ihren Armeen zusammen, um gegen die schöne Frau zu kämpfen. Wieder nahm Ambika die Form von Kali an und begann, die Asuras zu töten. Der Kampf dauerte lange. Kali tötete und tötete so viele der Asuras. Selbst Raktabija kämpfte bei der Schlacht mit. Er sagte zu Kali: „Diese beiden Brüder sind nutzlos! Sie können nicht mit dir kämpfen. Ich fordere dich heraus!“

Raktabija kämpfte sehr tapfer, aber Kali tötete ihn und goss sein ganzes Blut in ihre Schale. Sie trank nicht die ganze Menge auf einmal, sondern fing an, es Tropfen für Tropfen zu trinken. Schließlich sagten diese beiden Brüder zu Kali: „Es ist unfair! Deine Art zu kämpfen ist ungerecht!“

Was hatten sie dagegen? Es war, weil einige andere Göttinnen kamen, um Kali zu unterstützen, darunter waren auch Brahmas Gefährtin Saraswati, die in der Musikwelt ist, Vishnus Frau Lakshmi und Indras Frau Sachi. Obwohl sie nicht kämpften, standen sie alle in der Nähe von Kali und unterstützten sie mit ihrer inneren Kraft. Lakshmi ist voller Schönheit und ist die Mutter des Reichtums. Saraswati spielte nur auf ihrer Vina und schenkte Weisheit, Musik, Kunst und so weiter. Sachi kämpfte ebenfalls nicht. Hätte eine von ihnen mit diesen Asuras kämpfen müssen, wären sie getötet worden. Sie kamen nur, um ihre Unterstützung für Kali zu zeigen.

Dennoch protestierten die Brüder dagegen. Sie sagten zu Kali: „Einer von uns wird alleine gegen dich kämpfen!“

Kali sagte: „Nein, ihr beiden Brüder werdet zusammen gegen mich kämpfen, und diese Göttinnen werden alle in mich eintreten, weil sie Teil von mir sind.“ Sofort traten die Frauen der anderen kosmischen Götter in Kali ein. Jetzt war sie allein auf dem Schlachtfeld.

Diesmal war sie sehr, sehr wütend. Sie sagte: „Ich kann euch Leute nicht mehr ertragen!“ Sie tötete Sumbha und Nisumbha sowie deren Armeen. Anschließend ging sie zu ihrem König und tötete ihn. Sie zerstörte das ganze Königreich der Asuras. Sie sagte: „Ich will Frieden, Frieden. Meine Anhänger, meine Verehrer, werden nicht mehr unter euren ungöttlichen Taten leiden.“

Das war die Macht von Mutter Kali!

Parvatis aussergewöhnlicher Segen[fn:: POK 41-42. Sri Chinmoy erzählte die folgenden zwei Geschichten

am 6. Juni 2007 bei sich zuhause in Jamaica, New York.]

Sri Krishna hatte offiziell acht Frauen. Auf der Seite der Pandavas machte sich Bhima, der genauso alt war wie Sri Krishna, manch-mal über Sri Krishna lustig. Vor Arjuna und seinen anderen Brüdern sagte Bhima öfters zu Sri Krishna: „Acht! Wir schaffen es nicht mit einer Frau zurecht zu kommen. Wie kommst du mit acht Frauen zurecht?“

Krishna lachte immer über Bhimas Kommentare.

In dieser Geschichte geht es nicht um die Frauen von Sri Krishna, sondern um seine Kinder. Von Rukmini, seiner ersten Frau, hatte Krishna einen Sohn, den er Pradyumna nannte. Pradyumna war sehr attraktiv, stark und mutig. In jeder Hinsicht war er ein vorbildlicher Sohn. Alle liebten und verehrten ihn.

Nun, Sri Krishnas zweite Frau war Satyabhama. Als sie bemerkte, dass Padyumna von allen mit Liebe und Zuneigung überschüttet wurde, kam bei ihr Eifersucht und Unsicherheit auf. Sie sagte zu Sri Krishna: „Ich brauche einen Sohn wie ihn! Ich muss einen Sohn haben wie Rukminis Sohn.“

Der arme Sri Krishna sagte: „Was kann ich tun?“ Er begann zu beten, dass Satyabhama einen Sohn bekommt, aber sein Gebet wurde nicht erhört. Nichts geschah, daher ging Sri Krishna zu einem spirituellen Meister, um seinen Segen und Rat zu suchen. Der spirituelle Meister sagte: „Oh, nein. Ich kann diese Dinge nicht tun. Du musst zu Lord Shiva gehen. Lord Shiva kann dir helfen.“

Sri Krishna begann, zu Lord Shiva zu beten, zu beten und zu beten. Normalerweise braucht Lord Shiva nicht lange, um Gebete zu beantworten, aber in diesem Fall hat er sehr lange gebraucht. Schließlich, nach vielen Jahren, erschien Lord Shiva zusammen mit Parvati vor Sri Krishna. Lord Shiva fragte Sri Krishna: „Warum musst du zu mir beten? Von all den Menschen, musst ausgerechnet du beten?”

Sri Krishna antwortete: „Ja, ich muss zu dir beten. Mein Guru hat mir gesagt, dass ich zu dir beten muss, um von dir einen Segen zu erhalten.“

„Welchen Segen möchtest du?“, fragte Lord Shiva.

Sri Krishna antwortete: „Meine Frau, Satyabhama, will ein Kind haben, genau wie Pradyumna, das mein erstes Kind von Rukmini ist. Was kann ich jetzt tun, was kann ich tun? Satya-bhama ist deshalb ziemlich verstimmt.“

„Deshalb musstest du so viele Jahre lang beten?“, fragte Lord Shiva. Dann fuhr er fort: „In Ordnung, jetzt werde ich dir diesen Segen gewähren. Ich werde dir einen Sohn gewähren, der in jeder Hinsicht die gleichen Fähigkeiten hat.“

Dann sprach Parvati. „Oh, nein, das reicht nicht!“, sagte sie. „Ich gebe dir die Gabe, dass du zehntausendeinhundertacht Kinder haben wirst.“ Könnt ihr euch das vorstellen! Parvatis Segen war zehntausendeinhundertacht Kinder!

Lord Shiva war darüber sehr geschockt. „Was? Was? Was ist das für ein Segen?“

Sri Krishna sagte: „Nein, ich werde es hinbekommen.“

Dann fing Lord Shiva an, Sri Krishna zu kritisieren. „Du wirst nichts hinbekommen! Du kannst nicht mal richtig auf dich aufpassen, wie willst du in der Lage sein, so viele Kinder zu versorgen?“ Lord Shiva wandte sich an Parvati und sagte: „Wie soll sich seine Familie um so viele Kinder kümmern? Werden sie ihn mit zehntausendeinhundertacht Kindern akzeptieren?“

Parvati versicherte Lord Shiva: „Nein, ich sage dir, alles wird perfekt sein. Balarama, Krishnas Bruder, wird sich hauptsächlich um all diese Kinder kümmert. Balarama liebt Sri Krishna so sehr. Es wird ihm nichts ausmachen. Er wird von den zehntausend-einhundertacht Kindern von Sri Krishna begeistert sehr.“

Das war Parvatis Segen. Ich habe es in einem Buch gelesen. Dann las ich es noch einmal, um zu sehen, ob die Zahl richtig war! Lord Shiva gab einen Segen: dass Sri Krishna einen Sohn haben würde, der in jeder Hinsicht genau wie Pradyumna ist. Aber Parvati war damit nicht zufrieden. Sie sagte: „Nein, du wirst in der Lage sein, mit zehntausendeinhundertacht Kindern umzugehen.“ Parvati meinte damit nicht, dass Satyabhama die Mutter von allen sein würde.

Parvati wusste, dass Balaramas Liebe zu seinem Bruder so groß war, dass er alles akzeptieren würde, was Sri Krishna tat. Manchmal, am Anfang, war er darüber aufgebracht, aber dann akzeptierte er es. Balarama war so gutherzig!

Stelle dich niemals gegen Gottes Willen

Es gab einmal einen sehr, sehr guten König, einen herausragenden König. Er war gutherzig, mitfühlend und weise. Er war in jeder Hinsicht gut, unvorstellbar gut. Alle seine Untertanen betrachteten ihn als ihren Vater. Sie mochten ihn so sehr.

Eines Tages massierte die Königin den Kopf des Königs mit Kokosnusswasser. Während sie ihn massierte, hatte sie Tränen in ihren Augen, und diese Tränen tropften auf das Gesicht und den ganzen Körper des Königs.

Der König begann sich Sorgen zu machen. Er fragte: „Warum weinst du? Warum vergießt du Tränen? Habe ich etwas falsch gemacht? Gibt es etwas, das ich nicht für dich tun werde? Sag es mir! Wenn dich jemand beleidigt hat, werde ich diese Person bestrafen. Obwohl ich ein sehr gutherziger Mensch bin, werde ich niemandem verzeihen, der sich dir gegenüber schlecht verhalten hat. Bitte erzähle mir, was nicht stimmt. Du bist mir lieber als das Liebste.“

Die Königin antwortete: „Nein, nein – niemand hat mich beleidigt. Ich weine, weil ich gerade ein weißes Haar auf deinem Kopf gefunden habe.“ Sie zeigte es ihrem Mann und sagte: „Ich weine, weil du alt wirst. Eines Tages wirst du sterben. Wie kann ich dann ohne dich leben? Wer kümmert sich um mich?“

Der König versuchte sein Bestes, um die Königin zu trösten. Er sagte: „Gibt es jemanden, der nicht alt wird? Das Leben ist so. Jeder wird irgendwann einmal alt sein. Ich werde alt, du wirst alt, jeder wird alt.“

Aber die Königin weinte und weinte noch immer. „Ach, du wirst alt, du wirst alt!”, sagte sie. „Du wirst bald sterben!” Schließlich sagte der König: „Du hast Recht.“ Er regierte nur noch ein paar Jahre lang. Schließlich setzte er seinen Sohn auf den Thron und ging mit seiner Frau in den Wald. Er sagte: „Ich kann mich nicht mehr mit den Problemen meines Königreichs befassen. Jetzt bin ich wirklich alt. Daher möchte ich den Rest meiner Tage in Gebet und Meditation verbringen.“ Auf diese Weise begann der König sein spirituelles Leben.

Die Untertanen des Königs liebten ihn so sehr, dass sie ihn in den Wald begleiteten, doch anschließend wollten sie nicht mehr nach Hause zurückkehren. Alle hörten auf zu essen und begannen zum Sonnengott zu beten. Sie beteten und beteten für eine lange Zeit. Der Sonnengott freute sich über ihre Gebete und erschien vor ihnen. „Sehr schön”, sagte er, „Was möchtet ihr?”

Sie antworteten ihm: „Wir möchten unseren König zurück, damit er uns zehntausend Jahre lang regieren kann!“

Der Sonnengott gewährte den Segen und ging dann zusammen mit den Untertanen zum König, um ihn darüber zu informieren. Der König sagte: „Das möchte ich nicht, das möchte ich nicht, nein.“

Doch der Sonnengott zwang den König, in das Königreich zurückzukehren und zehntausend Jahre lang zu regieren. Der arme König sagte: „O mein Gott, o mein Gott! Was soll ich nur machen?“ Im Laufe der Jahre erkannte der König, dass die Menschen, die jünger waren als er, alle vor ihm starben. Seine Untertanen verließen einer nach dem anderen den irdischen Planeten. Der König rief: „Was ist das für ein Segen?“

Daher begann der König nun zum Sonnengott zu beten und zu beten. Sein Gebet lautete: „Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte gib meinen Untertanen auch zehntausend Jahre! Da ich zehntausend Jahre leben soll, sollen meine Untertanen bei mir sein.“

Nach vielen Jahren freute sich der Sonnengott über das Gebet des Königs und gewährte ihm den Segen, den er sich wünschte, so dass jeder im Königreich zehntausend Jahre lang lebte.

Nun geschah es, dass nach ein paar Jahren einige Menschen sich äußerst elend fühlten. Sie sagten: „Wir leben zehntausend Jahren hier auf der Erde, aber es gibt keine Freude. Diese Welt ist langweilig, langweilig! Wir wollen nicht so lange hier sein.“ Sie murrten, weil sie über ihren Segen nicht erfreut waren.

Es schien, dass niemand zufrieden war, daher betete und betete der König noch einmal zum Sonnengott. Diesmal betete er: „Bitte schenke uns etwas Weisheit bezüglich deines Segens.“

Der Sonnengott erwiderte: „Stell dich niemals gegen den Willen Gottes! Wenn Gott will, dass du heute stirbst, stirbst du. Wenn Er will, dass morgen jemand anderes stirbt, dann muss sich auch diese Person hingeben. Es ist alles Gottes Wille. Wenn Gott will, dass du stirbst, solltest du es glücklich annehmen. Sonst wirst du gegen Seinen Willen handeln.“

Zuerst dachten die Leute: „Wir sind unsterblich!“ Aber danach entdeckten sie, dass ihr Leben langweilig war. Was sollten sie zehntausend Jahre lang auf Erden machen? Waren sie glücklich, so lange auf der Erde zu leben? Gott hat ihren Wunsch erfüllt, wahrhaftig; aber wenn Gott unsere Wünsche erfüllt, bedeutet das nicht, dass wir glücklich sein werden. Im Gegenteil, wir werden uns elend fühlen.

Gott sagt zu uns: „Ihr werdet immer unglücklich sein, wenn ihr euch auf eure Weise erfreuen wollt. Doch nur wenn ihr Mich auf Meine Weise erfreut, werdet ihr glücklich sein.“

Das Rätsel[fn:: POK 43. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichte am 17. Juni 2007

am Aspiration-Ground in Jamaica, New York, während eines besonderen Treffens anlässlich des Vatertags.]

Es gab einmal einen König, der eine sehr schöne Tochter hatte. Sie war mit Schönheit, Intelligenz, Selbsthingabe und vielen anderen Tugenden ausgestattet. Als sie in das entsprechende Alter kam, wollte ihr Vater, dass sie heiratet. Sie sagte zu ihrem Vater: „Ich bin bereit zu heiraten, aber zuerst muss ich der Person eine einzige Frage stellen. Wer die Frage richtig beantworten kann, den werde ich ganz sicher heiraten.“

Viele, viele angehende Hochzeiter kamen zum Hof. Sie kamen aus verschiedenen Bereichen des Lebens und waren alle begierig darauf, ein so schönes, intelligentes und frommes Mädchen zu heiraten. Jedem von ihnen stellte sie die gleiche Frage. Ihre Frage war: „Wer ist gleichzeitig blind und nicht blind?“

Einige der Kandidaten waren verwirrt, andere wurden wütend oder waren empört. Einige von ihnen verfluchten sie sogar. Sie alle sagten: „Entweder ist man blind oder nicht blind. Wie kann eine Person gleichzeitig blind und nicht blind sein?“

Dann beleidigten sie den König, teilweise verfluchten sie ihn sogar, weil er seiner Tochter erlaubte, eine so unangemessene Frage zu stellen. „Deine Tochter hat viele gute Eigenschaften“, sagten sie, „aber sie ist sehr hochmütig!“ Der arme König war tief enttäuscht. Von all den jungen Männern, die in der Hoffnung an den Hof gekommen waren, seine Tochter zu heiraten, hat nicht einer den Test bestanden.

Endlich, nachdem alle anderen nach Hause gegangen waren, näherte sich ein alter Mann dem König und seiner Tochter. Sein Haar war lang, sein Bart war lang, und er hatte einen langen Schnurrbart. Alles an ihm war alt, sehr alt.

Als die Prinzessin ihn sah, wurde sie wütend. „Werde ich dich heiraten? Du solltest dich schämen, dass du daran denkst, mich zu heiraten! Ich werde dich nie, nie heiraten. Du bist so ein alter Mann. Es ist absurd!“

Der alte Mann sagte: „Du hattest eine Frage. Wenn ich die Frage beantworte, wirst du mich dann heiraten?“

Die Prinzessin sagte: „Diese Frage wirst du nie beantworten können.“

Er sagte: „Nein, ich kann. Lass es mich versuchen.“

„In Ordnung“, sagte die Prinzessin, „schau, ob du meine Frage beantworten kannst. Wer ist gleichzeitig blind und nicht blind?“

Dieser alte Mann war zufällig ein sehr großer Weiser. Er sagte zu ihr: „Siehst du, ich bin definitiv blind. In diesem Alter habe ich immer noch Probleme mit meinem niederen Vitalen. Warum sollte ich dich sonst heiraten wollen? Du bist wirklich schön, aber ich sollte meine Sinne kontrollieren. Daher bin ich blind. Ich bin blind, weil ich meine vitalen Kräfte noch nicht besiegt habe. Meine Schwäche ist nichts anderes als meine Blindheit.“

Dann fuhr er fort: „Jetzt will ich beweisen, dass ich nicht blind bin. Ich sehe Gott in jedem Menschen. Es gibt keinen einzigen Menschen, in dem ich die lebendige Gegenwart Gottes nicht sehe. Das alles ist auf meinen Yoga zurückzuführen, den ich seit so vielen Jahren praktiziere. In deinem Fall sehe ich Gott sehr lebhaft in dir. Ich sehe sehr deutlich die Gegenwart Gottes. Deshalb liebe ich dich. Nach deinem Verständnis habe ich Schwächen: Ich bin alt und so weiter. Aber ich möchte dir sagen, dass ich Gott so lebhaft in dir sehe. Gott ist unendlich, unendlich viel schöner als du, also möchte ich diese unendlich schönere Person in dir heiraten.“

Als die Prinzessin das hörte, legte sie sofort ihre Girlande um den alten Mann und sagte: „Du hast meine Frage beantwortet.“ Sobald sie ihm die Girlande umgelegt hatte, wurde der alte Mann sehr jung, etwa in ihrem Alter.

Der König war so begeistert. Er sagte: „O mein Gott, wie konntest du so jung werden? Vor wenigen Augenblicken bist du als alter Mann hier angekommen!“

Der Weise sagte: „Das ist es, was Yoga getan hat. Deine Tochter sah mich als einen alten Mann, aber ich bin so stolz auf sie, dass sie trotz meines Aussehens ihr Versprechen gehalten und mich heiraten wollte. Ich wusste, dass sie ihr Versprechen halten würde. Und jetzt, siehst du, bin ich ziemlich jung.“

Der Weise und die Prinzessin heirateten und lebten viele Jahre lang glücklich, glücklich, glücklich.

Die Statue aus Termiten1

Es gab einst einen sehr, sehr großen Weisen. Sein Name war Rishi Bhrigu. Diese Geschichte handelt von Bhrigus Sohn Chyavana.

Bevor die Geschichte beginnt, lasst mich ein bisschen angeben. Vor Tausenden und Abertausenden von Jahren hat Bhrigu das Horoskop aller Inder erstellt, ob ihr es glaubt oder nicht! Für alle Inder, die geboren wurden und noch geboren werden, hat er das Horoskop erstellt. Mein ältester Bruder, Hriday, war auch ein sehr guter Astrologe, der Horoskope erstellen konnte. In Indien erstellen wir Horoskope auf zwei verschiedene Weisen. Eine ist Bhrigus Weise, und dann gibt es noch eine andere. Mein Bruder hegte große Bewunderung und Verehrung für Bhrigu, da er ein sehr großer Weiser war. Daher erstellte er mein Horoskop nach Bhrigus System. Dort steht geschrieben, dass mein Horoskop das gleiche ist wie das Horoskop von zwei spirituellen Meistern höchsten Ranges. Mit einem spirituellen Meister hatte ich achtzehn „Räume“ gemeinsam; mit dem anderen spirituellen Meister zwölf oder dreizehn. Mein Bruder konnte es nicht fassen.

Mein Bruder fand auch heraus, dass in meinem Horoskop steht: „Im Alter von zwölf Jahren wird er seinem Guru begegnen, und sein Schicksal wird ganz von seinem Guru abhängen.” Dort hörte es auf. Bhrigu ging nicht weiter. Mit zwölf Jahren wurde ich permanentes Mitglied im Sri Aurobindo Ashram! Genau das tauchte in Bhrigus System auf.

Bhrigus Frau hieß Puloma, und gemeinsam hatten sie einen Sohn namens Chyavana. Er wurde auch ein sehr großer Weiser. Er war der Entdecker von Chyavana Prash, einer Art Aufbaumittel, das die Menschen noch heute einnehmen. Wenn man es nimmt, wird man sofort stärker als der Stärkste!

In sehr jungen Jahren wollte Chyavana in den Wald gehen, um dort zu beten und zu meditieren. Weil seine Eltern spirituell waren, waren sie überglücklich, dass ihr Sohn sich bereits in einem so zarten Alter dem spirituellen Leben widmen wollte.

Chyavana ging in den Wald und fand einen sehr geheimen und heiligen Ort zum Leben. In der Nähe befand sich ein kleiner Teich, in dem er jeden Tag badete. Er hatte seinen Eltern gesagt, dass sie ihm kein Essen bringen sollten, weil er sich nur von den Früchte ernähren wollte, die er im Wald fand. Anstatt beunruhigt oder besorgt zu sein, waren seine Eltern sehr glücklich. Sie gaben Chyavana die volle Erlaubnis. Sie dachten, wenn er weiterhin mit solcher Intensität betet und meditiert, würde er definitiv in der Lage sein, Gott zu verwirklichen.

Chyavana meditierte für Jahre, in sich selbst versunken, an diesem heiligen Ort. Sein ganzer Körper wurde von Termiten bedeckt, aber das war ihm egal. Inmitten des Termitenhügels war er für andere nicht mehr sichtbar. Es gab nur zwei kleine Löcher, in der Nähe seiner Augen, und aus diesen beiden kleinen Löchern schien ein kleines, kleines Licht heraus.

In der Nähe des Waldes gab es ein kleines Königreich. Eines Tages ging der König dieses Königreichs mit seinem Gefolge in den Wald, um zu jagen und ein Picknick zu veranstalten. Der König hatte eine junge, wunderschöne Tochter, die ihre Eltern begleitete. Ihr Name war Sukanya. Sie streifte alleine durch den Wald und erfreute sich daran.

Als das junge Mädchen eine Art Statue sah, die mit Termiten bedeckt war, überkam sie eine gewisse Neugierde. Mit böswilliger Freude nahm sie einen Stock und steckte ihn in die beiden Löcher. Jetzt kam mehr Licht heraus, aber gleichzeitig hörte sie jemanden im Inneren qualvoll weinen und weinen. Sie lief sofort weg, als sie die menschliche Stimme hörte.

Doch was geschah danach? Aus heiterem Himmel wurden der König, die Königin und alle, die bei ihnen waren, krank. Sie begannen, an verschiedensten Krankheiten zu leiden. Das rastlose Mädchen bemerkte, dass ihre Eltern und andere litten und sagte zu ihren Eltern: „Vielleicht kommt das daher, dass ich jemandem im Innern eines Termitenhügels in die Augen gestochen habe.“

Die Eltern gingen an den Ort, an dem ihre Tochter den Termitenhügel gefunden hatte. Dort sahen sie einen alten Mann, der mit Staub bedeckt war und sich seine Augen hielt. Er sagte zu ihnen: „Ich kam als kleiner Junge hierher. Ich bete und meditiere seit Jahren. Jetzt bin ich ein alter Mann, und das ist es, was deine Tochter getan hat! Ich leide so sehr. Dennoch habe ich sie nicht verflucht. Ich hätte sie verfluchen können, und ich hätte sie sofort mit meiner yogischen Kraft töten können. Aber das habe ich nicht getan.“

Dann baten der König und seine Frau ihn um Vergebung, Vergebung und Vergebung. Der Weise sagte: „Ich werde euch verzeihen, aber unter einer Bedingung: Eure Tochter muss mich heiraten. Wer kümmert sich jetzt um mich? Ich bin ein alter Mann. Ich kann nicht mehr im Termitenhügel bleiben. Jetzt habe ich Gott verwirklicht, aber ich leide unsagbar.“

Der König war bereit, weiter zu leiden, anstatt seiner Tochter zu erlauben, diesen alten Mann zu heiraten. Aber Sukanya sagte: „Nein, nein, nein! Ich werde nicht zulassen, dass du, meine Mutter und unsere Lieben leiden. Ich bin bereit, ihn zu heiraten, und ich werde mein Leben geben, um ihm zu dienen, weil ich die Schuldige bin. Ich habe das getan, also werde ich ihn heiraten, und ich werde ihm gegenüber sehr, sehr ergeben sein.“

Die Eltern waren hilflos. Gegen ihren Willen heiratete ihre schöne Tochter diesen sehr alten Mann. Dann gingen der alte Mann und seine Frau tiefer in den Wald, um dort zu leben. Dort blieben sie einige Jahre lang. Sukanya hielt ihr Versprechen und war Chyavana gegenüber sehr ergeben.

Eines Tages streifte Sukanya durch den Wald, als sie zwei junge Männer sah. Es waren die Ärzte der kosmischen Götter, genannt Ashwini Kumar. Die Ashwini Kumar sind zwei verschiedene Personen, Zwillinge, aber in indischen Geschichten werden sie als eine Person betrachtet, weil sie sich so ähnlich sind.

Diese beiden Ärzte der kosmischen Götter waren zufällig im Wald. Sie waren tief bewegt, als sie dieses junge Mädchen sahen. Sie riefen aus: „Du bist so schön! Bist du verheiratet?”

Sie sagte: „Ja, ich bin verheiratet.“

Dann fragten sie: „Ist dein Mann so schön wie du?“

Sukanya begann zu antworten: „Warum sollte mein Mann….”, aber bevor sie fertig werden konnte, sagten sie: „Ach, du bist verheiratet. Es tut uns leid. Sonst hätten wir dich geheiratet.“

Sukanya wurde wütend. „Ich war meinem Mann so treu und ergeben!“, sagte sie. „Ich kümmere mich um ihn. Wenn ich meinem Mann aufrichtige Hingabe gezeigt habe und wenn ich ihm so viele Jahre lang gedient habe, dann habe ich definitiv etwas innere Kraft erworben. Ich werde meine innere Kraft nutzen und euch beide zu Asche verbrennen!“

Zuerst waren die Ashwini Kumar amüsiert. Dann, als sie ihr in die Augen blickten, erschraken sie. „O mein Gott!“ sagten sie. „Nein, nein, nein! Bitte vergib uns, vergib uns. Kannst du uns zu deinem Mann bringen, damit wir ihn treffen können?“

Sukanya brachte sie zu Chyavana. Die Ashwini Kumar waren schockiert, als sie sahen, wie alt Chyvana war. Innerlich dachten sie: „Wie kann ein so schönes junges Mädchen mit einem so schrumpeligen alten Mann verheiratet sein?“

Äußerlich sagten sie: „Wir haben die Fähigkeit, deinen Mann in einen attraktiven, jungen, starken Mann zu verwandeln. Unsere Medizin hat diese Kraft.“

Sukanya sagte: „Ich will nicht, dass ihr eure Kraft benutzt. Auch wenn mein Mann alt ist, besitze ich eine starke Liebe und Hingabe zu ihm. Ich will nicht, dass ihr etwas ändert. Ich werde meinen Mann weiterhin so lieben, wie er ist. Ich will nicht, dass er jung und attraktiv ist.“

Dann sprach der Weise. Er sagte: „Ich würde gerne sehen, was passiert, wenn ich aus meinem Alter entlassen werde und meine Jugend wieder hergestellt ist.“

Erneut erhob Sukanya Einspruch. „Ich liebe dich so sehr! Du musst nicht schön und stark sein.“

Aber ihr Mann bestand darauf. „Bitte erlaube es mir. Ich will schön, jung und stark werden.“

Die beiden Ärzte, Ashwini Kumar, sagten zu dem Weisen: „Wenn wir das für dich tun, wirst du uns dann einen großen Gefallen erweisen?“

„Ja“, antwortete er, „Ich werde euren Wunsch erfüllen, wenn es innerhalb meiner Fähigkeiten liegt.“

Als Sukanya diese Worte hörte, unterbrach sie. „Deine Fähigkeit? Es gibt nichts, was du nicht tun kannst! Du kannst alles tun. Lass sie dich jung machen, wenn das dein Wunsch ist, und du wirst mit Leichtigkeit ihren Wunsch erfüllen, was immer ihr Wunsch ist.“

Dann erklärten die Ashwini Kumar ihren Wunsch. Diese beiden Ärzte waren eigentlich keine kosmischen Götter. Die kosmischen Götter trinken eine besondere Art von Nektar namens Soma Rasa. Für sie ist es wie Wein, aber er ist ganz anders als unser irdischer Wein. Man kann es nicht mit Worten beschreiben. Der Mensch kann ihn nicht trinken, aber spirituelle Meister höchsten Ranges können ihn trinken. Ich selbst hatte das Glück, diese besondere Art von Nektar in der Innenwelt zu trinken.

Da die Ashwini Kumar keine kosmischen Götter waren, durften sie diesen besonderen Nektar, Soma Rasa, nicht trinken. Sie wurden ausgeschlossen und waren darüber sehr unglücklich. Chyavana fragte sie, wie er ihnen helfen könnte, ihn zu trinken.

Sie antworteten: „Du wirst ein besonderes Opferritual durchführen, ein Yajna. Am Ende, weil du so ein großer Yogi bist, wirst du in der Lage sein, diesen besonderen Nektar zu produzieren. Dann werden die kosmischen Götter kommen, um ihn zu trinken. Da du derjenige bist, der dieses Yajna, dieses Opfer durchgeführt hat, wirst du uns erlauben, den Nektar zu trinken.“

Chyavana sagte sofort: „Natürlich, natürlich werde ich es euch erlauben!“

Jetzt nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Chyavana stimmte zu, dieses besondere Opferritual zu machen, aber er war nicht reich genug, um es auszuführen. Für dieses besondere Opfer war ein großer Reichtum notwendig. In der Zwischenzeit hielten die Ärzte ihr Versprechen und machten ihn zu einem sehr schönen und kräftigen jungen Mann.

Viele Jahre waren vergangen, seit der König und die Königin ihre Tochter gesehen hatten. In ihrem Herzen waren sie immer noch sehr traurig, dass sie gezwungen worden war, einen so alten Mann zu heiraten. Sie sagten: „Vielleicht ist unser Schwiegersohn zu diesem Zeitpunkt schon tot. Er war ein alter Mann, als wir ihn zum ersten Mal trafen. Vielleicht hat auch unsere Tochter ihr Leben aufgegeben. Lasst uns in den Wald gehen und sehen, ob es irgendwelche Spuren von ihnen gibt.“

Der König, die Königin und ihr Gefolge begaben sich in den Wald. Bald sahen sie einen jungen, meditierenden Mann, von dessen ganzem Körper Licht ausstrahlte. Der König und die Königin fühlten sich elend. Wo ist ihre geliebte Tochter geblieben? Vielleicht war sie auch zur gleichen Zeit wie der alte Mann gestorben. Sie beschlossen, sich dem jungen Mann zu nähern und ihn zu fragen.

Sehr respektvoll gingen sie zu ihm und sagten: „Vor vielen Jahren haben wir unsere Tochter im Wald zurückgelassen. Wir dachten, wir würden sie hier mit ihrem Mann finden. Er ist ein sehr, sehr alter Mann.“

„Ich bin der alte Mann!“ sagte Chyavana. „Ich bin nun nicht mehr alt.“

„Nein, du kannst nicht derselbe sein!“, weinten sie. „Wir haben dich mit eigenen Augen gesehen. Wie alt du warst! Wie kannst du so jung, so stark und so männlich sein?“

Chyavana versicherte ihnen: „Nein, nein, ich bin die gleiche Person.“ Dann sahen der König und die Königin ihre Tochter auf sich zukommen. Sie waren immer noch fassungslos. „Was ist passiert, was ist passiert? Wir können nicht glauben, dass das dein Mann ist.“

Sukanya lächelte sie an und sagte: „Doch, er ist mein Mann.“

„Wie? Du hattest doch so einen alten Mann geheiratet, und jetzt - ?“

„Nein, nein, nein, es ist absolut wahr.“

„Wer hat das dann gemacht?“

Sukanya erklärte: „Die Ashwini Kumar haben es getan. Jetzt haben sie uns um einen Gefallen gebeten, daher brauchen wir eure Hilfe.“

Ohne überhaupt zu wissen, was sie tun sollten, sagten der König und die Königin: „Wir werden euch helfen. Jetzt, da du einen so jungen und gut aussehenden Mann hast, sind wir so glücklich.“ Sukanya erzählte ihnen, wie sie ihrem Mann helfen können, das besondere Yajna durchzuführen, um den Soma Rasa zu erhalten. Der König gab einen sehr hohen Geldbetrag und Chyavana führte das Opfer aus.

Die Zeit kam, als der Soma Rasa produziert wurde. Dann kamen alle kosmischen Götter, um daran teilzuhaben. Indra kam als erstes. Die beiden Brüder, die Ashwini Kumar, beobachteten alles.

Chyavana, der Weise, sagte zu ihnen: „Nun trinkt ihr.“

Indra wurde richtig wütend, weil er diese beiden Brüder gut kannte. Er wusste, dass es keine kosmischen Götter waren, daher wollte er sie töten. Wie konnten sie es wagen, den Nektar zu trinken, der für die Götter bestimmt war!

Aber Chyavana besaß enorme okkulte Kraft. Von seiner Stirn brachte er nicht ein göttliches Wesen, sondern einen Dämon hervor. Dieser Dämon war äußerst stärk und erschreckend. Chyavana gab ihm den Namen Mada. Mada begann sofort, Indra zu verfolgen und versuchte Indra zu töten. So rannte und rannte Indra um sein Leben! Schließlich kehrte Indra zurück zu Chyavana, dem Weisen, und bat um Vergebung.

Chyavana sagte: „Diese beiden Ärzte, die Ashwini Kumar, habe ich nun als kosmische Götter eingestuft. Von nun an wird es ihnen möglich sein, so wie du Soma Rasa zu trinken.”

Die Ashwini Kumar tranken zuerst den Nektar, und dann durfte Indra trinken. Alle anderen kosmischen Götter, die sich versammelt hatten, sahen die Macht von Chyavana. Wenn sie mit ihm nicht einverstanden wären, dann wären auch sie in großen Schwierigkeiten, daher tranken sie alle.

Dann gewährte Chyavana diesem Dämon, Mada, den Segen, dass er, nachdem die kosmischen Götter mit dem Trinken fertig waren, auch er den Nektar trinken durfte. So ist es geschehen. Anschließend war das Opfer vorbei. Der König und die Königin segneten ihren Schwiegersohn und ihre Tochter, und Chyavana und Sukanya kehrten in den Wald zurück. Dort lebten sie viele, viele, viele Jahre lang.


  1. POK 44. Sri Chinmoy erzählte die folgende Geschichte am 23. Juni 2007 am Aspiration-Ground in Jamaica, New York.

Vorwort zur ersten Ausgabe

Sri Chinmoy war im Kreise seiner Schüler stets aktiv. Oft komponierte er neue Lieder, diktierte Gedichte oder Aphorismen. Manchmal erzählte er seinen Schülern erleuchtende und inspirierende Geschichten von großen spirituellen Charakteren und weltbekannten Persönlichkeiten, Weisheiten aus traditionellen Erzählungen und teilweise auch Geschichten, die sich direkt oder indirekt auf sein eigenes Leben bezogen.

Einige dieser Geschichten hatte Sri Chinmoy im Laufe der Jahre bereits erzählt, doch jede Erzählung hatte ihre einzigartige Ausschmückung. Die Redaktion wollte diese Erzählungen den Lesern nicht vorenthalten und hat auch die auf neue Weise präsentierten Erzählungen in diesem Buch hinzugenommen.

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