Akt 1, Szene 19

(Himmel. Krishna spielt auf seiner göttlichen Flöte.)

KRISHNA: Ah, Jesus singt mein Lieblingslied auf Erden. Wie gefühlvoll er doch der Menschheit den Reichtum meines Liedes anbietet. Nein, ich muss ganz offen sein. Dieses Lied ist nicht von mir. Ich habe dieses Lied nicht komponiert. Es war unser Höchster Vater, der dieses Lied komponiert hat. Er hat mich dieses Lied gelehrt und ich habe es auf der Erde gesungen. Er hat Jesus dasselbe Lied gelehrt, und jetzt singt er es so seelenvoll und fruchtbar auf Erden.

Ah, heute kommt unser Jesus nach Hause zurück. Wie hart hat er gearbeitet, besonders in den letzten drei Jahren auf Erden. Er braucht und verdient etwas Ruhe hier im Himmel. (Lautes Rufen.) Rama, Buddha, wo seid ihr? Kommt bitte her. (Rama und Buddha treten ein.) Unser Bruder Jesus kommt heute zurück. Vater gab mir heute Morgen die Nachricht.

RAMA UND BUDDHA: Vater sagt dir immer alles zuerst. Du bist Sein Lieblingssohn.

KRISHNA: Ganz und gar nicht. Wir alle sind Seine liebsten Söhne. Was kann der arme Vater tun? Rama, letzte Nacht musstest Du einen tapferen Kampf gegen Satan und die Kräfte der Unwissenheit führen. Deshalb warst du am Morgen todmüde. Natürlich musstest du bis weit in den Morgen hinein schlafen. Vater wollte deinen gesunden Schlaf nicht stören.

Buddha, du bist sehr früh am Morgen aufgestanden und hast angefangen zu meditieren. Du gingst in deine tiefste Trance. Als Vater dich in deiner üblichen Trance sah, wollte er dich auch nicht stören. Und was habe ich am Morgen gemacht? Ich spielte auf meiner Flöte und schwelgte in Erinnerungen an mein Brindavan-Lila auf Erden mit meiner göttlichen Radha und meinen göttlichen Gopis, meinen völlig hingebungsvollen und ergebenen Devotees. Da ich weder schlief noch meditierte, kam Vater zu mir und überbrachte mir die Nachricht von der heutigen Ankunft Jesu.

RAMA UND BUDDHA: Krishna, du bist voller Süße und Anteilnahme für alle deine Devotees. Für uns, deine Brüder, bist du die Verkörperung von Klugheit und Weisheit. Kein Wunder, dass die Welt, besonders Indien, dich so sehr liebt.

KRISHNA: Bruder Rama, Bruder Buddha, lasst uns keine Zeit verlieren. Unser Bruder Jesus wird bald kommen. Seine Kreuzigung hat mich völlig erschüttert.

BUDDHA: Ich war einfach entsetzt, als ich neulich von Vater davon hörte.

RAMA: Als Vater mir von der Kreuzigung Jesu erzählte, war ich einfach nur beschämt. Er hat so viel für die Erde getan, und im Gegenzug bietet die Erde ihm die Kreuzigung an. Die Erde ist nicht bereit für uns.

BUDDHA: Es scheint, dass die Erde niemals bereit sein wird.

KRISHNA: Um meinetwillen, um des Vaters willen, lasst uns bereit sein, Jesus zu empfangen. Lasst uns einen wunderschönen Thron für ihn bauen.

(Sie bauen einen goldenen Thron. Jesus steigt hinauf und erscheint. Sie begrüßen ihn überschwänglich und setzen ihn auf den Thron. Der Vater tritt ein.)

VATER (segnet und umarmt Jesus): Jesus, mein Jesus.

Ich habe dein leidendes Gesicht gesehen.
Ich weinte und weinte.
Ich spürte dein vergebendes Herz.
Ich lächelte und lächelte.
Ich umklammerte deine leuchtende Seele.
Ich tanzte und tanzte.

Sri Chinmoy, Bruder Jesus, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2006
Übersetzungen dieser Seite: Bulgarian
Diese Seite kann zitiert werden unter Verwendung des Zitierschlüssels bj 50