3. AKT 1. SZENE

(Es ist Nacht. Naren meditiert im Kali-Tempel. Nach einiger Zeit wirft er sich vor der Statue der Mutter Kali zu Boden.)

NAREN: Jnana viveka vairagya de ma! Mutter, gib mir das Licht des Wissens, das Licht innerer Unterscheidungskraft und das Licht der Entsagung, so dass ich Dich unaufhörlich sehen kann!
(Sri Ramakrishna tritt eilends ein.)

SRI RAMAKRISHNA: Naren, hast du die Mutter um Geld für deine Familie gebeten? Was hast du getan?

NAREN: Was für eine Überraschung! Das habe ich vollkommen vergessen.

SRI RAMAKRISHNA: Das macht nichts. Ich werde dir noch eine Chance geben. Bitte sie um Geld, um materiellen Reichtum. Mutter wird es dir gewähren.

(Naren wendet sich der Statue zu und beginnt wieder zu meditieren.)

NAREN: Mutter, gib mir das Licht des Wissens, das Licht der Unterscheidungskraft und das Licht der Entsagung. Mutter, meine Mutter, Mutter meines Herzens und meiner Seele.

SRI RAMAKRISHNA: Schon wieder das gleiche? Warum vergisst du, dass deine Mutter und deine Geschwister alle hungern? Bitte die Mutter darum, deine Familie vor der Armut zu retten. Jetzt ist der einzige Zeitpunkt, zu dem du sie darum bitten kannst. Ich werde dir diese Gelegenheit nicht jeden Tag geben können. Ich bin bereit, sie dir jederzeit zu gewähren, aber Mutter wird es nicht erlauben. Heute habe ich es dir versprochen, weil mir Mutter gesagt hat, dass sie deine Gebete heute erfüllen werde, gleichgültig, worum du sie bittest. Nun hast du deine zweite Gelegenheit verpasst. Aber ich will dir noch eine weitere Chance gewähren. Mein Sohn, bitte vergiss es diesmal nicht. Denk daran, du musst die Mutter um materiellen Reichtum bitten. Das ist es, was du brauchst. Im Augenblick benötigst du keinen spirituellen Reichtum.

NAREN: Nein, ich werde keine weiteren Gelegenheiten mehr wahrnehmen. Ich brauche keine materiellen Reichtümer. Ich brauche Nektar von der Mutter und nicht irgendetwas anderes. Ich werde sie nicht um Melonen und Kürbisse bitten. Ich kann nur um die Nektar-Frucht bitten.

SRI RAMAKRISHNA: Da du die Mutter nicht um materiellen Reichtum und Wohlstand bitten kannst, möchte ich dir sagen, dass du niemals ein bequemes Leben haben wirst. Aber von nun an wird es dir gelingen, die Lage zu meistern. Du und deine Familie, ihr werdet nicht hungern. Ihr werdet zumindest von der Hand in den Mund leben können. Soviel wird die Mutter für euch tun. (Er ruft.) Kommt, alle die ihr hier seid! Ganz gleich wo ihr seid! Kommt! Alle meine Schüler, kommt!

(Die Schüler treten ein.)

SRI RAMAKRISHNA: Ihr habt mir erzählt, dass mein Naren ein Atheist geworden ist. Seht her! Er konnte die Mutter nicht um materiellen Reichtum bitten. Wisst ihr, dass er hungert? Seine Mutter und seine Geschwister haben Zuhause nichts zu essen. Und dennoch konnte er Mutter Kali nicht um materielle Güter bitten. Nirgendwo auf der Erde werdet ihr jemanden finden, der meinem Naren ebenbürtig ist. Er ist euer Anführer. Er wird euch führen und leiten. Er wird euch behüten. Dieser, mein Körper, wird seine Aufgabe bald erfüllt haben. Schon bald werde ich der anderen Welt angehören. (Spricht zu Vivekananda.) Naren, mein Kind, sing ein Lied. Ich werde meditieren, während du singst.

(Naren singt. Sri Ramakrishna meditiert in tiefer Versenkung.)

Sundara hate sundara tumi
nandana bana majhe
nishidin jena antare mor
tomari murati raje
tumi chhara mor nayan andhar
sakali mithya sakali asar
chaudike mor bishwa bhubane
bedanar sur baje
pabo kigo dekha nimesher tare
ei jibaner majhe

(Du bist schön, schöner, am schönsten,
unvergleichliche Schönheit im Garten Eden.
Möge sich Deine Gestalt Tag und Nacht
in den Tiefen meines Herzens niederlassen.
Ohne Dich sehen meine Augen nichts.
Alles ist Täuschung, alles ist leer.
Überall um mich, innen wie außen
höre ich die Melodie düsterer Schmerzen.
Die Welt ist von unsagbaren Schmerzen erfüllt.
O Herr, o mein schöner Herr,
o mein Herr der Schönheit,
möge ich in diesem Leben, wenn auch nur
für eine flüchtige Sekunde mit der Gnade gesegnet sein,
Dein Gesicht zu erblicken.)

Sri Chinmoy, Trinkt, trinkt den Nektar meiner Mutter, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2018
Übersetzungen dieser Seite: Czech
Dieses Gedicht kann zitiert werden unter Verwendung des Zitierschlüssels dm 6