Yoga und das spirituelle Leben

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Teil 1: Spirituelle und philosophische Artikel

Der Mensch und Gott

Der Mensch und Gott sind ewig eins. Wie Gott ist auch der Mensch unendlich. Wie der Mensch ist auch Gott endlich. Es gibt keine gähnende Kluft zwischen dem Menschen und Gott. Der Mensch ist der Gott von morgen; Gott ist der Mensch von gestern und heute.

Wie Gott im Himmel ist, so ist Er auch auf der Erde. Er ist hier, dort und überall. Jeder Mensch hat seinen eigenen Gott. Es gibt kein menschliches Wesen ohne einen Gott. Der überzeugte Atheist glaubt nicht an Gott. Aber glücklicherweise glaubt er, oder eher unglücklicherweise muss er glauben, an eine bestimmte Idee nämlich, an irgendeinen Begriff der Ordnung oder Unordnung. Und diese Idee, dieser Begriff, ist nichts anderes als Gott.

Jeder individuellen Seele muss Freiheit, absolute Freiheit gegeben werden, ihren eigenen Weg zu finden. Fehler auf dem Pfad der Spiritualität sind keineswegs zu beklagen, denn Fehler sind einfach niedrigere Wahrheiten. Wir entwickeln uns nicht von der Falschheit zur Wahrheit. Wir entwickeln uns von der am wenigsten enthüllten zu der am meisten enthüllten Wahrheit.

Bis wir Gott verwirklicht haben und mit Gott eins geworden sind, müssen wir uns an Ihn als Meister, Führer, Freund und so weiter wenden. Je nach unserer Beziehung zu Ihm kann sich unsere Haltung zu Ihm ändern. Dies bleibt ohne Folgen. Von höchster Wichtigkeit ist, dass wir Gott ganz als unser Eigen lieben. In unserer aufrichtigen Liebe zu Gott werden wir spontan inspiriert, Ihn zu verehren.

Dazu sollten wir wissen, welche Art der Verehrung zu uns passt, welche Art der Verehrung mit der Entwicklung und der Neigung unserer Seele übereinstimmt. Die Verwirklichung des absoluten Einsseins mit Gott ist die höchste Form der Verehrung. Die nächste in absteigender Linie ist die Meditation. Tiefer liegen Gebete und Anrufungen. Die niedrigste Form der Verehrung ist die Verehrung von Gott in weltlichen Dingen.

Wenn ich denke, die Flöte und der Flötenspieler seien zwei verschiedene Dinge, dann denke ich an mich selbst als Diener Gottes und an Ihn als meinen Meister. Wenn ich hingegen fühle, dass die Flöte einen Teil des Bewusstseins ihres Meisters hat, fühle ich, dass ich Gottes Kind bin und Er mein Vater ist. Wenn ich schließlich erkenne, dass die Flöte und der Flötenspieler eins sind, dann erscheint der Flötist als Geist (Spirit) und ich als Seine schöpferische Kraft.

Der Mensch muss Gott in diesem Körper hier auf der Erde verwirklichen. Der große indische Dichter Kabir sagte:

"„Werden deine Fesseln nicht gesprengt, während du hier auf Erden weilst, welche Hoffnung besteht auf Befreiung im Tod? Es ist ein leerer Traum, dass sich die Seele mit Ihm vereinigen wird, weil sie vom Körper gewichen ist; wird Er jetzt gefunden, ist Er dann gefunden; wenn nicht, gehen wir, um in der Stadt des Todes wohnen.“"

Schwestern und Brüder, sinkt nicht in den Abgrund der Verzweiflung, auch wenn Ihr im Augenblick kein klares Streben nach Gott-Verwirklichung verspürt. Beginnt einfach Eure Reise, aufwärts, um Gottes Traum zu sehen, einwärts, um Gottes Traum zu besitzen, vorwärts, um Gottes Traum zu werden. Dieser Traum ist der Traum der absoluten Erfüllung.

Zahllos sind jene, die sich erst nach unzähligen Schicksalsschlägen oder nach langen Wanderungen durch die Wüsten des Lebens auf den Pfad des inneren Lebens begeben. Glücklich und gesegnet ist in der Tat derjenige, der seinen Körper, seinen Verstand, sein Herz und seine Seele wie Blumen zu Füßen des Herrn legt, bevor er solche Schicksals­schläge erleidet. Es ist wahr, dass die unzähligen Wolken der Weltlichkeit unseren noch unerleuchteten Verstand bedecken. Doch es ist ebenso wahr, dass der Konzentrations-Vulkan des Suchenden und die Wasserstoffbombe seiner Meditation die Wolken, die uralten Nebel der Unwissenheit zerstören können und werden.

Lasst mich ein Wort zu jenen sagen, die verheiratet sind und große familiäre Verpflichtungen haben. Zu ihrem großen Erstaunen werden all diese Verpflichtungen in dem Augenblick in goldene Möglichkeiten verwandelt werden, in dem sie versuchen Gott in ihren Kindern zu sehen und erkennen, dass sie Gott in ihrer Selbstaufopferung dienen. Für die Fähigkeit der Frau, sich unermüdlich und spontan aufzuopfern, den Gatten zu erfüllen, ihn göttlich in der grenzenlosen Weite der Materie einzubetten und sein Bewusstsein in den Bereich des Spirituellen zu erheben, gibt es keinen Ersatz. Für die Fähigkeit des Mannes, die Seele der Frau mit dem Frieden des Jenseits zu überschwemmen, ihr Herz an die ewig lodernde Sonne der Unendlichkeit heranzuwinken und ihr Leben in das Lied der Unsterblichkeit umzuwandeln, gibt es keinen Ersatz. Und jene, die ledig sind, können versichert sein, dass sie allein sind, um auf dem spirituellen Pfad so schnell wie möglich vorwärts zu kommen. Untrennbar sind ihre Strebsamkeit und Gottes Inspiration.

Wenn wir versuchen, tief in uns zu schauen, wenn wir versuchen ein inneres Leben zu leben, dann ist es möglich, dass wir rundherum auf Schwierigkeiten stoßen. Wir rufen: „Schau, Gott, nun, da wir uns Dir zugewendet haben, müssen wir so viele Prüfungen durchstehen! Wir sind verwirrt, weil wir keinen Ausweg finden. Doch warum sollten wir verwirrt sein? Es kann unserem Gedächtnis nicht entgehen, dass wir in unserem Leben Missgeschicke erlitten haben. Bevor wir ein spirituelles Leben zu führen begannen, war Verzagtheit unser ständiger Begleiter. Nun sind wir zumindest in einer besseren Lage, da wir die Fähigkeit haben, den wilden Tiger der Weltlichkeit zu erkennen. Lasst uns Ruhelosigkeit und Schwachheit als Prüfungen auffassen.

Warum sollte uns Gott prüfen? Er tut alles andere als das. Er, der Gnadenvolle, warnt uns vor der drohenden Gefahr. Aber wenn wir diese Warnungen als Prüfungen betrachten, dann müssen wir zu Gott beten, um die Prüfungen zu bestehen. Wir können ein Examen nie bestehen, wenn wir nur an die Schwierigkeiten und Gefahren denken. Um eine Prüfung in der Schule zu bestehen, müssen wir hart arbeiten. Ganz ähnlich müssen wir größere Aufrichtigkeit entwickeln und die Flamme der Strebsamkeit entzünden, um eine innere Prüfung zu bestehen. Während der Meditation müssen wir sehr vorsichtig sein. Manchmal will der Verstand gewissen weltlichen und emotionalen Ideen und Gedanken nachgeben, aber das dürfen wir ihm nicht erlauben.

Während der Meditation ist alles intensiv und wenn wir schlechten Gedanken nachgeben, sind die Folgen ernster und gefährlicher als sonst. In dem Augenblick, in dem unser Verstand ein Opfer selbstnachgiebiger Gedanken wird, werden wir geschwächt. Es liegt in der Natur unseres niedrigen Verstandes, uns zu täuschen. Doch unsere Tränen und die emporsteigende Flamme unseres Herzens werden uns stets zu Hilfe eilen.

Der Mensch und Gott sind eins. Alle Menschen gehören zur selben Familie. Wir sind alle eins. Ein echter Sucher darf nicht auf die absurden Argumente der Skeptiker hören. Sie besitzen auch nicht einen Deut an spirituellem Wissen. Sie sind sich der Tatsache nicht bewusst, dass sie unbewusst eine Parade ihrer Torheit vorführen. Sie sagen: „Wenn alle eins sind, warum habe ich dann kein Kopfweh, wenn du Kopfschmerzen hast? Wenn mein Hunger gestillt ist, warum ist dann deiner nicht gestillt?“ Wir könnten sie im Gegenzug fragen, warum ihr Kopf nicht schmerzt, wenn sie sich an einem Bein verletzt haben, da doch beide Teile zum selben Körper gehören. Das universale Bewusstsein ist in uns allen. Wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, bedeutet dies nicht, dass es nicht existiert. Mein Körper ist mein Eigen. Aber spüre ich Schmerzen in meinem Bein, wenn ich mich am Kopf verletzt habe? Nein! Doch wenn ich mir des göttlichen Bewusstseins gewahr bin, das meinen ganzen Körper durchdringt, werde ich zweifelsohne denselben Schmerz in meinem ganzen Körper spüren. Hier ist die individuelle Seele mein Kopf und die kollektive Seele ist mein ganzer Körper. Um die gesamte Welt als ganz unser Eigen zu fühlen, müssen wir zuerst Gott als ganz unser Eigen fühlen.

Man is Infinity's Heart.
Man is Eternity's Breath.
Man is Immortality's Life.

Unser Ziel ist in uns

Wir sind Gottes all-erfüllender Traum. Unser Inneres ist Gottes grenzenlose Fülle. Unser Ziel ist das Herz der Unendlichkeit und der Atem der Unsterblichkeit. Unser Ziel ist im Innern unseres eigenen Körpers.

In der physischen Welt sagt die Mutter dem Kinde, wer sein Vater ist. In der spirituellen Welt sagt uns unser Streben, wer Gott ist. Wer ist Gott? Gott ist ein unendliches Bewusstsein. Er ist auch das sich selbst erleuchtende Licht. Es gibt keinen Menschen, der nicht in sich dieses unendliche Bewusstsein und dieses sich selbst erleuchtende Licht besitzt.

Wenn wir in der äußeren Welt etwas sehen wollen, brauchen wir zusätzlich zu unseren offenen Augen Licht - Sonnenlicht, elektrisches Licht oder irgendein anderes Licht. Aber in der inneren Welt brauchen wir kein solches Licht. Selbst mit geschlossenen Augen können wir Gott, das sich selbst erleuchtende Licht sehen.

Gott ist nicht etwas, das wir von außen erhalten können. Gott ist das, was von innen her entfaltet werden kann.

Im gewöhnlichen Leben hat jeder Mensch Tausende und Abertausende von Fragen, die er beantwortet haben möchte. In seinem spirituellen Leben wird ein Tag kommen, wo er fühlt, dass es nur eine einzige Frage gibt, die wert ist, gestellt zu werden: „Wer bin ich?“ Die Antwort der Antworten ist: „Ich bin nicht der Körper, sondern der innere Führer.“

Wie kommt es, dass sich ein Mensch selbst nicht kennt, wo dies doch die leichteste seiner Bemühungen sein sollte? Er kennt sich selbst nicht, weil er sich mit seinem Ego identifiziert und nicht mit seinem wirklichen Selbst. Was führt ihn dazu, sich selbst mit seinem Pseudo-Ich zu identifizieren? Es ist Unwissenheit. Und wer sagt ihm, dass das wirkliche Selbst nie und nimmer das Ego ist und sein kann? Es ist seine Selbst-Suche. Was er in den innersten Winkeln seines Herzens sieht, ist sein wirkliches Selbst, sein Gott. Früher oder später muss sich dieses Sehen in ein Werden umwandeln.

Kürzlich sagte ein Schüler zu mir: „Ich kann nicht an Gott denken. Mein Verstand wird rastlos.“ „Was tust du dann?“ fragte ich.

„Warum, ich denke einfach an die Welt.“

„Nun sage mir, wenn du an die Welt mit all ihrem Treiben denkst, kannst du dann auch nur eine Sekunde lang an Gott denken?“

„Nein, nie.“

„Mein junger Freund, ist es nicht absurd, dass die Rastlosigkeit deine Aufmerksamkeit von Gott ablenkt, wenn du an Gott denkst, dass aber, wenn du dich an den Vergnügungen der Welt berauscht, die Rastlosigkeit deinen Verstand nicht ablenkt und zu Füßen deines Herrn legt? Nein, so sollte es nie sein. Wenn du einen echten Hunger nach spiritueller Nahrung hast, wird dieselbe Rastlosigkeit oder was du ‘Unbehagen’ nennen magst, deinen Verstand rasch und dynamisch ergreifen und in dein Herz setzen, wo er den Nektar göttlichen Friedens und göttlicher Erfüllung trinken kann.

Dein Verstand kann nicht zwei Dinge zur selben Zeit tun. Wenn du mit innigem Glauben an Gott denkst, wenn die Flamme des Strebens in deinem Herzen brennt, dann wird dein äußeres Rastlosigkeits-Äffchen, so böswillig es auch sein mag, es nicht wagen, dich zu berühren, geschweige denn, dich zu kneifen oder zu beißen. Du kannst nicht mit voller Aufmerksamkeit gleichzeitig auf beide Schultern schauen. Ebenso kannst du den Unwissenheits-Tiger der äußeren Welt nicht sehen, wenn du Gott klar in dir siehst.“

Als erstes müssen wir das Ego sehen, dann müssen wir es berühren und fangen und schließlich müssen wir es transformieren. Wenn in unserem spirituellen Leben das Ego in uns eindringt und uns belästigt, sollten wir uns selbst als das Brahman, das Eine ohne ein Zweites, sehen und uns als das all-durchdringende Bewusstsein fühlen. Dann verschwindet das Ego im Nichts.

Wir wissen alle, dass der Verstand sowohl in unserem äußeren wie auch in unserem spirituellen Leben eine wichtige Rolle spielt. Deshalb sollten wir den Verstand nicht verwerfen. Genauer gesagt sollten wir uns immer des Verstandes bewusst sein. Der Verstand wird rastlos, aber das heißt nicht, dass wir ihn ständig strafen müssen. Wenn der Herr des Hauses erfährt, dass sein alter Diener es sich seit kurzem zur Gewohnheit gemacht hat zu stehlen, dann wird er ihn nicht sofort entlassen. Die frühere Aufrichtigkeit und Dienstbereitschaft des Dieners sind noch immer frisch in seinem Gedächtnis. Er wartet ab und beobachtet ihn unbemerkt und unbeteiligt, weil er glaubt, dass sein Diener einen Neuanfang machen wird. In der Zwischenzeit wird sich der Diener bewusst, dass sein Herr von seinem Fehlverhalten weiß und er hört auf zu stehlen. Er geht einen Schritt weiter; um seinem Herrn zu gefallen, arbeitet er noch aufrichtiger und ergebener als zuvor. Ebenso müssen wir für einige Zeit schweigen und den Verstand ganz teilnahmslos betrachten, wenn wir uns seiner Rastlosigkeit und seiner Tricks bewusst werden wollen. Bald werden wir sehen, dass unser Verstand, der Dieb, über sein Benehmen beschämt ist. Wir dürfen nicht vergessen, uns während dieser Zeit mit der Seele und nicht mit dem Körper zu identifizieren, denn nur die Seele kann Meister über den Verstand sein. Allein die Seele ist unsere wahre Identität. Zur gegebenen Stunde wird der Verstand beginnen, auf die Weisungen der Seele zu hören.

Tun und Nicht-Tun. Nach der Bhagavad Gita müssen wir das Tun im Nicht-Tun und das Nicht-Tun im Tun sehen. Was heißt das? Es heißt, dass wir während des Handelns in uns selbst ein Meer von Stille und Heiterkeit fühlen sollten. Wenn wir nichts tun, sollten wir in uns einen Quell schöpferischer Energie verspüren. Wir sollten nicht denken, Taten seien unsere Taten. Wenn wir das tun können, werden unsere Taten wirklicher und wirkungsvoller. Wenn ein Diener für seinen Herrn kocht, tut er dies nach seinem besten Können. Warum? Um die Anerkennung und die Gunst des Meisters zu gewinnen. Auf dieselbe Weise werden wir fähig sein, höchst ergeben und erfolgreich zu handeln, wenn wir handeln, um unserer Seele, unserem inneren Führer zu gefallen.

Unser Ziel ist in uns. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns dem spirituellen Leben widmen. Was wir im spirituellen Leben am meisten benötigen, ist Erkenntnis oder Bewusstsein. Ohne dies ist alles eine öde Wüste. Wenn wir an einen dunkeln Ort gehen, nehmen wir eine Taschenlampe oder ein anderes Licht mit, damit wir sehen können, wohin wir gehen. Wenn wir nun etwas über unser unerleuchtetes Leben wissen wollen, müssen wir unser Bewusstsein zu Hilfe nehmen. Wir wollen dies etwas genauer betrachten. Wir wissen, dass die Sonne die Welt erleuchtet. Aber wie werden wir uns dessen bewusst? Durch unser Bewusstsein, das selbst-enthüllend ist. Die Sonne enthüllt ihr Wirken nicht selbst. Erst unser Bewusstsein der Sonne lässt uns fühlen, dass die Sonne die Welt erleuchtet. Es ist unser Bewusstsein, das sich in allem selbst enthüllt. Und dieses Bewusstsein ist ein unendliches Meer der Wonne. Wenn wir vom irdischen Meer einen Tropfen Wasser trinken, schmeckt es salzig. Ebenso werden wir zweifellos Wonne kosten, wenn wir während unserer Meditation einen winzigen Tropfen vom Meer der Wonne trinken können. Diese Wonne ist Nektar. Nektar ist Unsterblichkeit.

Unser Frieden ist in uns

Für den inneren Frieden ist kein Preis zu hoch. Frieden regelt das Leben auf harmonische Weise. Er vibriert vor Lebensenergie. Frieden ist eine Macht, die leicht all unser weltliches Wissen übersteigt. Aber er ist nicht von unserer irdischen Existenz getrennt. Wenn wir in uns die richtigen Kanäle öffnen, kann dieser Frieden hier und jetzt gefühlt werden.

Frieden ist ewig. Es ist nie zu spät, Frieden zu haben. Die Zeit ist immer reif dafür. Wir können unser Leben wahrhaft fruchtbar machen, wenn wir nicht von unserer Quelle - dem Frieden der Ewigkeit - abgeschnitten sind.

Seinen inneren Frieden zu verlieren ist das größte Unglück, das einem Menschen zustoßen kann. Keine äußere Kraft kann ihn dessen berauben. Seine Gedanken, seine eigenen Taten sind es, die ihm seinen Frieden rauben.

Unser größter Schutz liegt nicht in unseren materiellen Errungenschaften und Schätzen. Alle Schätze der Welt sind Leere für unsere göttliche Seele. Unser größter Schutz liegt im Verbundensein unserer Seele mit dem all-nährenden und all-erfüllenden Frieden. Unsere Seele lebt im Frieden und lebt für den Frieden. Wenn wir ein friedliches Leben führen, werden wir immer bereichert und verarmen nie. Horizontlos ist unser innerer Frieden; wie der grenzenlose Himmel umfasst er alles.

Lange haben wir gekämpft, viel haben wir gelitten, weit sind wir gereist. Aber das Gesicht des Friedens bleibt uns noch immer verborgen. Wir können es entdecken, sobald die Kette unserer Wünsche sich im Willen des Höchsten Herrn verliert.

Friede ist Leben. Friede ist ewige Glückseligkeit. Sorgen - mentale, vitale und körperliche - gibt es. Aber es liegt an uns, ob wir sie annehmen oder ablehnen. Denn Sorgen sind nicht unvermeidliche Tatsachen des Lebens. Da unser allmächtiger Vater All-Frieden ist, ist Frieden unser gemeinsames Erbe. Es ist ein Himalaya-hoher Fehler, den breiten Weg zukünftiger Reue noch zu erweitern, indem wir die goldenen Gelegenheiten, die sich uns darbieten, missbrauchen und versäumen. Wir müssen uns hier und jetzt, inmitten all unserer täglichen Tätigkeiten entschließen, uns mit Herz und Seele in das Meer des Friedens zu werfen. Wer glaubt, dass der Frieden gegen Ende seiner Lebensreise von selbst zu ihm kommen werde, der täuscht sich. Zu hoffen, dass man Frieden ohne Spiritualität oder Meditation erreicht, heißt Wasser in der Wüste zu erwarten.

Für Frieden im Verstand ist Gebet von wesentlicher Bedeutung. Auch nur fünf Minuten lang mit voller Konzentration und aufrichtiger Hingabe für Frieden zu beten, ist wichtiger, als lange Stunden in sorgloser und leichtgehender Meditation zu verbringen. Wie sollen wir nun beten? Mit Tränen in unserem Herzen. Wo sollen wir beten? An einem einsamen Ort. Wann sollen wir beten? Dann, wenn unser Inneres es will. Warum sollen wir beten? Dies ist die Kernfrage. Wir müssen beten, wenn wir wollen, dass unsere innere Sehnsucht von Gott erfüllt wird. Was können wir von Gott darüber hinaus erwarten? Wir können von Ihm erwarten, dass er uns alles begreifen lässt: Alles in nichts und nichts in allem, die Fülle in der Leere und die Leere in der Fülle.

Wir müssen immer unterscheiden. Wir müssen fühlen, dass die äußere Welt, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, vergänglich ist. Um etwas Immerwährendes zu besitzen, um sich im Leben ein felsenfestes Fundament zu bauen, müssen wir uns Gott zuwenden. Es gibt keine Alternative. Und es gibt keinen besseren Augenblick, diese Wendung zu vollziehen, als wenn wir uns ganz und gar hilflos fühlen.

Sich hilflos zu fühlen, ist gut.
Besser ist es,
den Geist der Selbsthingabe zu entwickeln.
Am besten ist es,
das bewusste Instrument Gottes zu sein.

Alles hängt vom Verstand ab, bewusst oder unbewusst, einschließlich der Suche nach Frieden. Die Aufgabe der Reinheit im Verstand ist es, die zahllosen Wolken der Weltlichkeit und die Fesseln der Unwissenheit zu zerstören. Ohne Reinheit im Verstand gibt es keinen anhaltenden Erfolg im spirituellen Leben.

Frieden besitzen wir erst, nachdem wir gänzlich aufgehört haben, bei anderen Fehler zu finden. Wir sollten fühlen, dass die ganze Welt unser Eigen ist. Wenn wir die Fehler von anderen beobachten, dringen wir in ihre Unvollkommenheiten ein. Das hilft uns nicht im geringsten. Und seltsam, je tiefer wir tauchen, desto klarer wird uns, dass die Unvollkommenheiten des anderen unsere eigenen Unvollkommenheiten sind, nur in einem anderen Körper und Verstand. Wenn wir aber an Gott denken, dann erweitern Sein Mitleid und Seine Göttlichkeit unsere innere Sicht der Wahrheit. Wir müssen zur Fülle unserer spirituellen Verwirklichung kommen, um die Menschheit als eine Familie zu akzeptieren.

Wir dürfen unserer Vergangenheit nicht erlauben, den Frieden unseres Herzens zu beeinträchtigen und zu zerstören. Unsere gegenwärtigen guten und göttlichen Taten können unseren vergangenen schlechten und ungöttlichen Taten leicht entgegenwirken. Wenn die Sünde die Macht hat, uns zum Weinen zu bringen, dann hat die Meditation zweifellos die Macht, uns Freude zu schenken, uns mit göttlicher Weisheit zu beschenken.

Unser Friede ist in uns, und dieser Friede ist das Fundament unseres Lebens. Lasst uns deshalb beschließen, von heute an unseren Verstand und unser Herz mit den Tränen andächtiger Hingabe, dem Fundament des Friedens, zu füllen. Wenn unser Fundament fest ist, dann kann uns keine Gefahr drohen, wie hoch wir auch den Oberbau errichten. Denn Frieden ist unten, Frieden ist oben, Frieden ist innen, Frieden ist außen.

Wer eignet sich zum Yoga?

Wer eignet sich zum Yoga? Du eignest dich zum Yoga. Er eignet sich zum Yoga. Ich eigne mich zum Yoga. Alle Menschen ohne Ausnahme eignen sich zum Yoga.

Die spirituelle Eignung kann durch unser Gefühl des Einsseins, unseren Wunsch nach Einssein bestimmt werden. Der kleinste Tropfen hat das Recht, den grenzenlosen Ozean als sein Eigen zu betrachten oder danach zu schreien, den Ozean für sich zu haben. Dasselbe gilt für die individuelle Seele und die universelle Seele.

Wo ist Gott und wo bin ich? Gott ist im dritten Stock und ich bin im ersten Stock. Ich steige in den zweiten Stock hinauf. Er kommt in den zweiten Stock herunter. Wir treffen uns. Ich vergesse nicht, Seine Füße mit meinen Freudentränen zu waschen. Noch vergisst Er, mich in Sein Herz unendlichen Mitleids aufzunehmen. Was ist Yoga? Yoga ist Selbsteroberung. Selbsteroberung ist Gott-Verwirklichung. Wer Yoga betreibt, tut zwei Dinge auf einen Streich: Er vereinfacht sein ganzes Leben und erhält freien Zugang zum Göttlichen.

Auf dem Gebiet des Yoga können wir nie etwas vorgeben. Unser Streben muss durch und durch wahr sein. Unser ganzes Leben muss wahr sein. Für einen inbrünstigen Sucher ist nichts unmöglich. Eine höhere Macht führt seine Schritte. Gottes diamantener Wille ist sein sicherster Schutz. Egal wie lange oder wie oft er Fehler macht, er hat immer das Recht, in sein eigenes spirituelles Heim zurückzukehren. Sein Streben ist eine emporsteigende Flamme. Sie erzeugt keinen Rauch, sie benötigt keinen Brennstoff. Sie ist der Atem seines inneren Lebens. Sie leitet ihn zu den Gestaden des goldenen Jenseits. Der Strebende schwingt sich mit seinen Flügeln der Strebsamkeit empor in die Reiche des Transzendenten.

Gott ist unendlich und Gott ist allgegenwärtig. Für einen ehrlichen Strebenden ist dies mehr als bloßer Glaube. Es ist die alleinige Wirklichkeit.

Wir wollen nun unsere Aufmerksamkeit auf das spirituelle Leben richten. Es ist eine falsche Meinung, dass das spirituelle Leben ein Dornenbeet und ein Leben strenger Entbehrung sei. Nein, nie. Wir sind vom Seligen gekommen. Zum Seligen werden wir mit der spontanen Freude des Lebens zurückkehren. Das scheint schwierig, weil wir uns um unser Ego sorgen. Es scheint unnatürlich, weil wir unsere Zweifel nähren.

Die Verwirklichung Gottes ist das Ziel unseres Lebens. Sie ist auch unser edelstes Erbe. Gott ist zugleich unser Vater und unsere Mutter. Als Vater betrachtet Er, als Mutter erschafft Er. Wie ein Kind hören wir nie auf, nach unserer göttlichen Mutter zu verlangen, damit wir die Liebe und die Gnade unserer Mutter gewinnen können. Wie lange kann eine Mutter das Schreien ihres Kindes unbeachtet lassen? Vergessen wir eines nicht: Wenn es irgend etwas auf Erden gibt, auf das alle Menschen vollen Anspruch haben, dann ist es der Mutter-Aspekt des Göttlichen. Diese Mutter ist der einzige Halt unserer Abhängigkeit; sie ist der einzige Halt unserer Unabhängigkeit. Ihr Herz, das Heim der Unendlichkeit, ist jedem Menschen ewig offen.

Wir sollten nun die acht bedeutenden Schritte auf dem Wege des klassischen Yoga kennenlernen, die den Suchenden zu seinem Bestimmungsort leiten. Diese Schritte sind:

Yama - Selbstbeherrschung und moralische Enthaltsamkeit;

Niyama - strikte Beobachtung von Verhalten und Charakter;

Asana - verschiedene Körperstellungen, die uns helfen, in ein höheres Bewusstsein einzudringen;

Pranayama - systematisches Atmen, um den Geist zu beherrschen;

Prtyahara - das Sich-Zurückziehen vom Sinnesleben;

Dharana - Fixierung unseres Bewusstseins auf Gott, zusammen mit allen Körperteilen;

Dhyana - Meditation, der unermüdliche Schnellzug, der dem Ziel zufährt und

Samadhi - Versenkung, das Ende des Tanzes der Natur, das völlige Eintauchen unseres individuellen Bewusstseins in das unendliche Bewusstsein des Transzendenten.

Yoga ist unsere Vereinigung mit der Wahrheit. Es gibt drei sich entfaltende Stadien dieser Vereinigung. Im ersten Stadium muss der Mensch fühlen, dass Gott ihn ebenso braucht, wie er Gott braucht. Im zweiten Stadium muss der Mensch fühlen, dass er ohne Gott nicht eine einzige Sekunde lang existiert. Im dritten und letzten Stadium muss der Mensch erkennen, dass er und Gott nicht nur auf ewig eins sind, sondern dass sie auch ebenbürtig sind, all-durchdringend und all-erfüllend.

Die Kraft der Selbsthingabe

Die Welt von heute will Individualität. Sie verlangt Freiheit. Doch wahre Individualität und Freiheit können nur im Göttlichen atmen. Selbsthingabe ist der unermüdliche Atem der Seele im Herzen Gottes.

Menschliche Individualität ruft in der Finsternis. Irdische Freiheit schreit aus den Wüsten des Lebens. Völlige Selbst-Hingabe hingegen singt allumfassend von göttlicher Individualität und Freiheit im Schoße des Supreme.

In der Selbsthingabe entdecken wir die spirituelle Kraft, durch die wir nicht nur zu Sehern, sondern auch zu Besitzern der Wahrheit werden. Diese Wahrheit ist die allmächtige Kraft. Wenn wir uns in absoluter Stille hingeben können, werden wir selbst zur Wirklichkeit des Wirklichen, zum Leben des Lebenden, zum Mittelpunkt wahrer Liebe, wahren Friedens und wahrer Glückseligkeit. Wir werden zu einem unvergleichlichen Segen für uns selbst.

Ein liebliches Kind zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir lieben es, weil es unser Herz erobert. Aber verlangen wir irgend etwas als Gegenleistung? Nein! Wir lieben es, weil es der Gegenstand unserer Liebe ist; es ist lieblich. Auf dieselbe Weise können und sollten wir Gott lieben, denn Er ist das lieblichste aller Wesen. Spontane Liebe für das Göttliche ist Selbsthingabe, und diese Selbsthingabe ist das größte Geschenk im Leben. Denn wenn wir uns hingeben, gibt uns das Göttliche in kürzester Zeit unendlich viel mehr, als wir je verlangt haben würden.

Selbsthingabe ist ein spirituelles Wunder. Sie lehrt uns, wie wir Gott mit geschlossenen Augen sehen und mit geschlossenem Mund mit Ihm reden können. Furcht tritt nur dann in unser Wesen ein, wenn wir unsere Hingabe vom Absoluten zurückziehen.

Selbsthingabe ist Entfaltung. Sie ist die Entfaltung unseres Körpers, unseres Verstandes und unseres Herzens in die Sonne göttlicher Fülle in uns. Sich dieser Sonne hinzugeben ist der größte Triumph des Lebens. Der Jagdhund des Fehlschlags kann uns nicht einholen, solange wir uns in dieser Sonne befinden. Der Prinz des Bösen kann uns nicht berühren, wenn wir unser Einssein mit dieser ewig lebensspendenden Sonne verwirklicht und begründet haben.

Selbsthingabe und Aufrichtigkeit spielen zusammen, essen zusammen und schlafen zusammen. Ihrer ist die Krone des Sieges. Berechnung und Zweifel spielen zusammen, essen zusammen und schlafen zusammen. Ihrer ist das Schicksal, das zur Enttäuschung verurteilt und zum Misslingen vorausbestimmt ist.

Indien ist das Land der Selbsthingabe. Diese Selbsthingabe ist keine blinde Unterwerfung, sondern vielmehr die Weihung seines begrenzten Selbst an sein ungebundenes Selbst. Viele Geschichten in der Mahabharata handeln von der Selbsthingabe. Sie alle enthalten große spirituelle Wahrheiten. Ich möchte Ihnen eine kurze, doch sehr inspirierende und aufschlussreiche Geschichte über Draupadi, die Königin der Pandavas, erzählen. Als der gehässige Duhshasana erbarmungslos versuchte, sie zu entkleiden, betete sie zu Gott, er solle sie retten. Dabei hielt sie jedoch die ganze Zeit ihr Gewand mit ihren Fäusten fest. Ihre Hingabe war nicht vollständig und ihr Gebet wurde nicht erhört. Duhshasana versuchte weiter, der unglücklichen Königin das Gewand auszuziehen. Doch da kam der Augenblick, wo Draupadi aufhörte, ihre Kleider festzuhalten. Sie begann mit erhobenen Händen zu Gott zu beten: „O Herr meines Herzens, o Fährmann meines Lebens, möge sich Dein Wille erfüllen“! Siehe, die Macht ihrer absoluten Selbsthingabe! Gottes Schweigen brach. Seine Gnade strömte über Drau­padi. Als Duhshasana ihr den Sari wegzuziehen versuchte, entdeckte er, dass er endlos war. Sein Stolz war gebrochen.

Gottes allerfüllende Gnade kommt nur herab, wenn die bedingungslose Selbsthingabe des Menschen emporsteigt.

Unsere Selbsthingabe ist etwas äußerst Wertvolles. Gott allein verdient sie. Wir können unsere Selbsthingabe einem anderen Menschen anbieten, aber nur um der Suche nach Gott-Verwirklichung willen. Wenn der Mensch sein Ziel erreicht hat, kann er uns auf unserer spirituellen Reise helfen. Wenn wir uns jedoch jemandem anbieten, bloß, um diesen Menschen zu befriedigen, dann begehen wir einen Himalaya-hohen Fehler. Wir sollten uns vorbehaltlos Gott in ihm anbieten; dann tun wir das Richtige.

Was immer wir tun, wir sollten es tun, um Gott zu gefallen und nicht, um Applaus zu ernten. Unsere Taten sind zu geheim und zu heilig, um sie vor anderen zur Schau zu stellen. Sie sind für unseren eigenen Fortschritt, für unsere eigene Vervollkommnung und Verwirklichung bestimmt. Für unsere Selbsthingabe gibt es keine Grenze. Je mehr wir uns hingeben, desto mehr Möglichkeiten gibt es, sich hinzugeben. Gott hat uns Fähigkeiten gegeben. In dem Maß, in dem wir dazu fähig sind, verlangt Gott von uns ihre Manifestation. Manifestation, die unsere Fähigkeiten übersteigt, hat Gott nie verlangt und wird Er auch nie verlangen.

In der vollständigen und absoluten Selbsthingabe des Menschen liegt seine Verwirklichung: Die Verwirklichung des Selbst, die Verwirklichung von Gott dem Unendlichen.

Meditation: individuell und kollektiv

Meditation ist das Auge, das die Wahrheit sieht, das Herz, das die Wahrheit fühlt und die Seele, die die Wahrheit verwirklicht. Durch die Meditation wird sich die Seele ihrer Entwicklung auf ihrer ewigen Reise voll bewusst. In der Meditation sehen wir die Form ins Formlose, das Endliche ins Unendliche wachsen und wir sehen, wie das Formlose zur Form, das Unendliche zum Endlichen wird.

Die Meditation spricht. Sie spricht in der Stille. Sie enthüllt. Sie enthüllt dem Strebenden, dass Geist und Materie eins sind, dass Quantität und Qualität eins sind, dass das Immanente und das Transzendente eins sind. Sie enthüllt, dass das Leben nie bloß das Dasein von siebzig oder achtzig Jahren zwischen Geburt und Tod sein kann, sondern die Ewigkeit selbst ist. Unsere Geburt ist ein bedeutsames Ereignis in Gottes eigener Existenz. Ebenso unser Tod. In unserer Geburt lebt das Leben im Körper; in unserem Tod lebt das Leben im Geist.

Meditation: individuell und kollektiv. Wie das Individuum und das Kollektiv im innersten Wesen ein sind, so verhält es sich auch mit der individuellen und der kollektiven Meditation. Wir alle sind Gottes Kinder. Unser Körper sagt, wir seien menschlich. Unsere Seele sagt, wir seien göttlich. Ganz gleich, ob wir menschlich oder göttlich sind, wir sind eins, unvermeidlich und auf ewig eins. Wir sind die untrennbaren Teile des Ganzen. Wir vervollständigen das Ganze.

Weit ist der Ozean. Du siehst einen Teil davon. Er sieht einen Teil davon. Ich sehe einen Teil davon. Aber die volle Ausdehnung des Ozeans liegt weit jenseits unseres Blickwinkels. Unsere Sicht ist begrenzt. Aber der Teil, den jeder von uns sieht, ist nicht vom Ozean getrennt und kann es nie sein.

Was erzeugt ein Orchester? Es erzeugt eine sympho­nische Einheit. Verschiedene Töne von verschiedenen Instrumenten bilden die Symphonie. Wie jedes Instrument seine eigenen Noten spielt, so kann jeder Mensch auf seine eigene Weise meditieren. Aber schließlich werden alle beim selben Ziel, bei der grundlegenden Verwirklichung des Einsseins angelangen. Und diese Verwirklichung ist nichts anderes als Befreiung - Befreiung von Knechtschaft, Unwissenheit und Tod.

Tat twam asi: „Das bist du.“ Dies ist in der Tat das Geheimnis, das in der Meditation enthüllt werden kann. Dieses „du“ ist nicht der äußere Mensch. Dieses „du“ ist unsere Seele, unsere innere Göttlichkeit. Unsere unerleuchtete und ungöttliche Natur versucht uns das Gefühl zu geben, dass der Körper alles sei. Unsere erleuchtete und göttliche Natur lässt uns fühlen, dass unsere Seele, die weder Anfang noch Ende kennt, alles ist. In Wirklichkeit ist die Seele der Atem unseres Daseins, im Himmel wie auf Erden.

Das Wissen über sich selbst und das universelle Wissen sind nicht zwei verschiedene Dinge. Alles im Universum wird in dem Moment unser, in dem wir unser Selbst erkennen. Und was ist dieses Universum? Es ist der äußere Ausdruck unserer inneren Errungenschaften. Wir sind unsere eigenen Retter. In uns ist unsere Rettung. Wir müssen für unsere Rettung arbeiten. Wir sind die Schmiede unseres eigenen Schicksals. Andere für die ungünstigen Bedingungen unseres Lebens zu beschuldigen, ist unter unserer Würde. Unglücklicherweise ist dieses Beschuldigen anderer eine der ältesten Krankheiten des Menschen. Adam tadelte Eva für seine Versuchung. Arme Eva, was konnte sie tun? Auch sie tadelte jemand anders. Wir dürfen das nicht tun. Wir tragen die volle Verantwortung für unser Tun. Den Folgen unserer Taten entfliehen zu wollen, ist ganz einfach absurd. Weise hingegen ist es, keine Fehler zu begehen; darin besteht die wirkliche Erleuchtung. Plagen und Leiden sind in uns und um uns. Wir müssen sie einfach ignorieren. Wenn ignorieren nicht genügt, müssen wir uns ihnen stellen. Wenn das immer noch nicht genug ist, müssen wir sie hier und jetzt besiegen. Das große Problem besteht darin, wie man diese Plagen und Leiden besiegt. Wir können sie nur durch unser ständiges Streben und Meditieren besiegen. Es gibt keinen anderen Weg, keine Alternative.

Wenn die Meditation tief und zielgerichtet ist, erhalten wir von ihr spirituelles Wissen und reine Ergebenheit, die nicht nur gleichzeitig, sondern auch harmonisch zusammenwirken. Der Weg des Bhakti (Ergebenheit) und des Jnana (Wissen) führen uns am Ende zum selben Ziel. Ergebenheit ist nicht blinder Glaube. Es ist nicht ein lächerliches Festhalten an unserem inneren Gefühl. Es ist ein beispielloser Prozess der spirituellen Entfaltung. Wissen ist weder etwas Trockenes, noch ist es eine aggressive Kraft. Wissen ist die Nahrung, die unserem irdischen und himmlischen Dasein Energie verleiht. Ergebenheit ist Wonne. Wissen ist Frieden. Unser Herz braucht Wonne und unser Verstand braucht Frieden, genau so wie Gott uns braucht, um Sich selbst zu manifestieren und wir Gott brauchen, um uns selbst zu erfüllen.

Meditation: individuell und kollektiv. Es ist leicht, allein zu meditieren. Der Strebende ist glücklich, weil kein Dritter zwischen ihm und Gottes Gnade steht. Es ist leicht, gemeinsam zu meditieren. Einem Schüler macht es Freude, wenn er mit anderen in einer Klasse lernt. Auch hier ist der Strebende glücklich, weil das aufrichtige Streben anderer Sucher ihn inspirieren kann.

Sicher, es gibt auch Schwierigkeiten, wenn man allein meditiert, da man leicht von Lethargie oder Faulheit geplagt wird. Ebenso gibt es Schwierigkeiten, wenn man gemeinsam meditiert, da es sehr gut möglich ist, dass das Unwissen und die Schwächen von anderen unbewusst den Körper, den Geist und das Herz des Strebenden angreifen.

Über eines müssen wir uns im Klaren sein: ob wir nun alleine oder gemeinsam meditieren, wir müssen bewusst meditieren. Sich unbewusst anzustrengen ist vergleichbar, wie wenn man sich zwingt, Fußball zu spielen, obwohl man ganz und gar nicht will. Man spielt, aber man hat keine Freude dabei. Bewusste Anstrengung ist vergleichbar, wie wenn man mit Vergnügen Fußball spielt. Man erhält wirkliche Freude. Auf die gleiche Weise bringt uns bewusste Meditation innere seelische Wonne.

Letztlich muss jeder Mensch die Geistesstärke eines göttlichen Helden haben. Wenn er im dicksten Urwald allein gelassen wird, muss er die innere Stärke besitzen, ohne Furcht zu meditieren. Wenn man von ihm verlangt, er solle am Times Square (belebter Platz im Zentrum New Yorks) meditieren, inmitten eines Menschengedränges, dann muss er die innere Stärke besitzen, zu meditieren, ohne sich im mindesten gestört zu fühlen. Ob er allein oder mit anderen meditiert - der Strebende muss unerschütterlich und furchtlos in seiner Meditation verweilen.

Hat deine Seele eine besondere Aufgabe?

Deine Seele hat eine besondere Aufgabe. Deine Seele ist sich dieser Aufgabe völlig bewusst.

Maya (Illusion oder Vergesslichkeit) gibt dir das Gefühl, endlich, schwach und hilflos zu sein. Das ist nicht wahr. Du bist nicht der Körper. Du bist nicht die Sinne. Du bist nicht der Verstand. Diese sind alle begrenzt. Du bist die Seele, die unbegrenzt ist. Deine Seele ist unendlich machtvoll. Deine Seele trotzt jeder Zeit und jedem Raum.

Kannst du jemals deine Seele erkennen? Kannst du dir deiner Seele völlig bewusst und eins mit ihr sein? Sicher kannst du das, weil du in Wirklichkeit nichts anderes bist als die Seele. Es ist deine Seele, die den natürlichen Bewusstseinszustand darstellt. Aber Zweifel machen es schwierig, die Seele zu erkennen. Der Zweifel ist der fruchtlose Kampf des Menschen in der äußeren Welt. Das Streben ist das fruchtbare Vertrauen des Suchers in der inneren Welt. Der Zweifel kämpft und kämpft. Schließlich macht er seine eigenen Zwecke zunichte. Das Streben fliegt aufwärts zum Höchsten. Am Ende seiner Reise erreicht es das Ziel. Der Zweifel basiert auf äußerer Beobachtung. Das Streben gründet auf innerer Erfahrung. Der Zweifel endet im Fehlschlag, weil er im begrenzten physischen Verstand lebt. Das Streben endet im Erfolg, weil es in der ewig-emporsteigenden Seele lebt. Ein Leben des Strebens ist ein Leben des Friedens. Ein Leben des Strebens ist ein Leben der Glückseligkeit. Ein Leben des Strebens ist ein Leben göttlicher Erfüllung.

Um zu erfahren, was deine besondere Aufgabe ist, musst du tief in dich gehen. Hoffnung und Mut müssen dich auf deiner unermüdlichen Reise begleiten. Hoffnung wird deine innere Göttlichkeit erwecken. Mut wird deine innere Göttlichkeit zum Blühen bringen. Hoffnung wird dich inspirieren, das Transzendente hier auf der Erde zu manifestieren.

Um zu fühlen, was deine besondere Aufgabe ist, musst du unablässig schöpferisch tätig sein. Deine Schöpfung ist etwas, zu der du schließlich selbst wirst. Am Ende wirst du zur Erkenntnis gelangen, dass deine Schöpfung nichts anderes ist als deine Selbst-Offenbarung.

Es ist wahr, dass es so viele Aufgaben wie Seelen gibt. Aber alle Aufgaben erfüllen sich erst, nachdem die Seelen einen gewissen Grad an Vollkommenheit erreicht haben. Die Welt ist ein göttliches Spiel. Der Erfolg hängt von jedem Teilnehmer ab. Die Rolle des Knechtes ist ebenso wichtig wie die des Meisters. In der Vollendung jeder einzelnen Rolle liegt die gemeinsame Erfüllung. Zugleich ist die individuelle Erfüllung erst dann vollkommen, wenn das Individuum seine untrennbaren Beziehungen mit allen Menschen auf der Welt aufgebaut und sein Einssein mit ihnen verwirklicht hat.

Du bist eins von Kopf bis Fuß. Aber an einem Ort heißt du „Ohren“, an einem anderen Ort nennt man dich „Augen“. Jeder Ort an deinem Körper hat seinen eigenen Namen. Und obwohl alle Teile zum selben Körper gehören, kann ein Teil nicht die Aufgabe des anderen übernehmen. Augen sehen, aber sie können nicht hören. Ohren hören, aber können nicht sehen. So ist der Körper eins und doch ist er viele. Ebenso offenbart sich Gott in vielen Formen, obwohl Er eins ist.

Gott teilt uns unsere Aufgabe mit. Aber weil wir Gottes Sprache nicht verstehen, muss Er Sein eigener Interpret sein. Wenn uns andere über Gott erzählen, können sie uns nie vollständig sagen, was Gott ist. Sie stellen etwas falsch dar und wir missverstehen es. Gott spricht in der Stille. Seine Botschaft erläutert Er ebenfalls in der Stille. Lasst uns deshalb auch Gott in der Stille hören und verstehen.

Hat deine Seele eine besondere Aufgabe? Ja. Ihr Auftrag liegt in der tiefsten Tiefe deines Herzens, und dort musst du ihn finden und erfüllen. Es kann keinen äußeren Weg geben, um deine Aufgabe zu erfüllen. Moschus wird vom Hirsch in seinem eigenen Körper erzeugt. Er riecht ihn, ist entzückt und versucht die Quelle ausfindig zu machen. Er rennt und rennt, aber er kann die Quelle nicht finden. Auf seiner endlosen Suche verliert er all seine Energie und schließlich stirbt er. Aber die Quelle, nach der er so verzweifelt gesucht hatte, war in ihm selbst. Wie konnte er sie anderswo finden?

Dasselbe trifft für dich zu. Dein besonderer Auftrag - die Erfüllung deiner Göttlichkeit - liegt nicht außerhalb von dir, sondern in dir. Suche im Innern. Meditiere im Innern. Du wirst deinen Auftrag entdecken.

Wie weit sind wir von der Verwirklichung entfernt?

Avidyaya mrityum tirtha vidyaya amritam snute. „Aus Unwissenheit gehen wir durch den Tod, durch Wissen erreichen wir die Unsterblichkeit.“ Dies ist in der Tat eine wichtige Erkenntnis.

Verwirklichung bedeutet die Enthüllung Gottes in einem menschlichen Körper. Verwirklichung bedeutet, dass der Mensch selbst Gott ist.

Unglücklicherweise ist der Mensch nicht allein. Er hat Wünsche und Wünsche haben eine große Macht. Trotzdem gelingt es ihnen nicht, dem Menschen bleibende Freude und Frieden zu geben. Wünsche sind endlich. Wünsche sind blind. Sie versuchen, den Menschen zu begrenzen, der von Geburt aus grenzenlos ist. Gottes Gnade, die durch den Menschen für Gottes volle Manifestation arbeitet, ist unendlich.

Verwirklichung entspringt der Selbst-Eroberung. Sie wächst in ihrem Einssein mit Gott. Sie erfüllt sich selbst, indem sie das Endliche und das Unendliche umarmt.

Wir sind Sucher nach Gott. Was wir brauchen, ist absolute Erkenntnis. Mit ein bisschen Erkenntnis können wir höchstens wie eine Katze handeln. Mit absoluter Erkenntnis können wir der Unwissenheit wie ein brüllender Löwe entgegentreten.

In dem Augenblick, wo ich sage „mein Körper“, trenne ich mich vom Körper. Dieser durchläuft Säuglingsalter, Kindheit, Jugend, Reife und hohes Alter. Er ist nicht wirklich mein Ich. Das wirkliche „Ich“ bleibt ewig unveränderlich. Wenn ich sage, ich sei dick oder dünn geworden, ist es der Körper, der dick oder dünn geworden ist und nicht das innere „Ich“, das ewig und unsterblich ist.

Verwirklichung sagt, dass es so etwas wie Knechtschaft und Freiheit, auf die wir uns in unserem täglichen Leben so oft beziehen, nicht gibt. Was wirklich existiert, ist Bewusstsein - Bewusstsein auf verschiedenen Ebenen, Bewusstsein, das sich selbst an seinen verschiedenen Manifestationen erfreut. Solange wir glauben, dass wir in der Knechtschaft der Unwissenheit leben, steht es uns frei zu glauben, dass wir ebensogut in Freiheit leben könnten, wenn wir wollten. Wenn wir aus der Knechtschaft heraus das Gefühl erhalten, die Welt sei ein Ort des Leidens, dann kann uns die Freiheit zweifelsfrei fühlen lassen, dass die Welt nichts anderes als das selige Bewusstsein des Brahman ist. Sarvam khalvidam Brahma: „Alles, was Ausdehnung besitzt, ist Brahman.“

Um zu wissen, was Verwirklichung ist, müssen wir zuerst unser inneres Selbst lieben. Der zweite Schritt ist, die Verwirklichung zu lieben. Dies ist die Liebe, die unser Bewusstsein erleuchtet. Liebe und du wirst geliebt werden. Verwirkliche dich und du wirst erfüllt werden.

Verwirklichung ist unsere innere Lampe. Wenn wir die Lampe brennen lassen, wird sie der ganzen Welt ihren leuchtenden Schein übermitteln. Wir haben alle ohne Ausnahme die Kraft zur Selbst-Verwirklichung oder in anderen Worten, zur Gott-Verwirklichung. Wenn wir diese Wahrheit nicht anerkennen, täuschen wir uns selbst erbarmungslos.

Wir erkennen die Wahrheit nicht nur, wenn Freude unseren Verstand erfüllt, sondern auch, wenn Sorge unser Herz umwölkt, wenn der Tod uns in seiner finsteren Brust willkommen heißt und wenn die Unsterblichkeit unser Dasein in den Schoß der Verwandlung legt.

Wie weit sind wir von der Verwirklichung entfernt? Wir können die Antwort in dem Ausmaß wissen, in dem wir uns Gottes Willen hingegeben haben. Es gibt keinen anderen Weg, es zu erfahren. Auch müssen wir wissen, dass jeder einzelne Tag mit einer neuen Verwirklichung dämmert. Das Leben ist eine ständige Verwirklichung für jeden, dessen inneres Auge offen ist.

Warum wollen wir Gott verwirklichen? Wir wollen Gott verwirklichen, weil wir uns selbst zu Kanälen gemacht haben, durch die die Früchte der Gottes-Erkenntnis fließen können. Unser Körper ist eine göttliche Maschine. Daher muss er geölt werden. Die Verwirklichung ist ein göttliches Schmieröl, das sein Werk äußerst wirksam verrichtet.

Verwirklichung kann durch die Gnade Gottes, die Gnade des Gurus und das Streben des Suchenden erreicht werden. Gottes Gnade ist der Regen. Die Gnade des Gurus ist die Saat. Das Streben des Suchenden ist der Akt des Kultivierens. Siehe, die reiche Ernte ist Verwirklichung.

Die Rolle der Reinheit im spirituellen Leben

Reinheit! Reinheit! Reinheit! Wir lieben dich. Wir begehren dich. Wir brauchen dich. Wohne in unseren Gedanken. Wohne in unseren Taten. Wohne in unserem Lebensatem.

Wie können wir rein sein? Wir können Reinheit durch Selbstbeherrschung erlange. Wir können unsere Sinne beherrschen. Es ist unglaublich schwierig, aber nicht unmöglich.

„Ich werde meine Sinne beherrschen. Ich werde meine Leidenschaften besiegen.“ Auf diese Weise können wir nicht erreichen, was wir eigentlich wollen. Der hungrige Löwe, der in unseren Sinnen lebt und der hungrige Tiger, der in unseren Leidenschaften lebt, werden uns nicht verlassen, wenn wir bloß den Gedanken wiederholen: „Ich werde meine Sinne beherrschen und meine Leidenschaften besiegen.“ So kommen wir nirgends hin.

Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf Gott richten. Zu unserem großen Erstaunen werden uns unser nunmehr gezähmter Löwe und unser gezähmter Tiger von sich aus verlassen, sobald sie sehen, dass wir zu arm geworden sind, um sie zu ernähren. Aber in Wirklichkeit sind wir nicht im geringsten arm geworden. Im Gegenteil, wir sind unendlich viel stärker und reicher geworden, da Gottes Wille unserem Körper, Verstand und Herzen Energie verleiht. Wir müssen unseren Körper, unseren Verstand und unser Herz auf das Göttliche ausrichten. So gelangen wir ans Ziel. Je näher wir dem Licht sind, desto weiter sind wir von der Dunkelheit entfernt.

Reinheit kommt nicht plötzlich. Das braucht Zeit. Wir müssen uns tief versenken und uns selbst mit innigem Glauben in der Kontemplation Gottes verlieren. Wir brauchen nicht zur Reinheit zu gehen. Die Reinheit wird zu uns kommen. Und die Reinheit kommt nicht allein. Sie bringt eine immerwährende Freude mit sich. Diese göttliche Freude ist der alleinige Sinn unseres Lebens. Gott enthüllt Sich Selbst und offenbart Sich Selbst nur dann vollständig und uneingeschränkt, wenn wir diese innere Freude haben.

Die Welt gibt uns Wünsche. Gott gibt uns Gebete. Die Welt gibt uns Knechtschaft, Gott gibt uns Freiheit: Freiheit von Beschränkung, Freiheit von Unwissen.

Wir sind die Spieler. Wir können entweder Fußball oder Kricket spielen. Wir haben die Wahl. Ebenso sind wir diejenigen, die wählen können, ob wir mit Reinheit oder Unreinheit spielen wollen. Der Spieler ist der Meister des Spiels und nicht umgekehrt.

Reinheit können wir am leichtesten und am wirksamsten dadurch erlangen, indem wir ein Mantra wiederholen. Ein Mantra ist ein Samen-Laut. Ein Mantra ist eine dynamische Kraft in der Form eines vibrierenden Tones.

Was ist nun Japa? Japa ist das Wiederholen eines Mantras. Ihr möchtet Reinheit, nicht wahr? Dann wiederholt den Namen Gottes fünfhundert Mal, jetzt gleich. Dies ist unser Mantra. Wir wollen es alle zusammen tun. (Die Sucher wiederholen das Mantra zusammen mit Sri Chinmoy)

Danke schön. Wir waren erfolgreich. Nun erhöht bitte die Zahl jeden Tag um hundert. Das heißt, morgen wiederholt ihr den Namen Gottes sechshundert Mal und tags darauf siebenhundert Mal. Nach meiner Rechnung werdet ihr in einer Woche den Namen Gottes zwölfhundert Mal wiederholen. Von jenem Tag an vermindert bitte die Zahl jeden Tag um hundert, bis ihr wieder bei fünfhundert angelangt seid. Bitte fahrt mit dieser Übung fort, Woche um Woche, einen Monat lang. Ob ihr euren Namen ändern wollt oder nicht, die Welt wird euch einen neuen Namen geben. Sie wird euch den Namen Reinheit geben. Euer inneres Ohr wird euch das hören lassen. Es wird eure lieblichsten Vorstellungen übersteigen.

Lassen wir uns durch nichts stören. Lassen wir uns von der Unreinheit unseres Körpers an die spontane Reinheit unseres Herzens erinnern. Lassen wir uns von unseren äußeren, endlichen Gedanken an unseren inneren, unendlichen Willen erinnern. Lassen wir uns von den zahllosen Unvollkommenheiten unseres Verstandes an die grenzenlose Vollkommenheit unserer Seele erinnern.

Die Welt von heute ist voller Unreinheit. Es scheint, als ob die Reinheit eine Währung von einer anderen Welt wäre. Es ist hart, diese Reinheit zu erlangen, aber wenn wir sie einmal erhalten, sind Friede und Erfolg mit uns.

Lasst uns der Welt ins Gesicht schauen. Lasst uns das Leben nehmen, wie es kommt. Unser innerer Führer ist immer auf der Hut. Die verborgenen Strömungen in der Tiefe unseres inneren und spirituellen Lebens werden immer fließen, unbemerkt, unbehindert, unbeängstigt.

Gott mag unbekannt sein, aber Er ist nicht unerkennbar. Unsere Gebete und unsere Meditation führen uns zu diesem Unbekannten. Wir rufen nach Freiheit. Aber seltsamerweise sind wir uns der Tatsache nicht bewusst, dass wir in uns bereits immense Freiheit besitzen. Ohne jede Schwierigkeit können wir Gott vergessen. Wir können Ihn ignorieren und Ihn sogar verleugnen. Aber Gottes Mitleid sagt: „Meine Kinder, ganz gleich, was ihr tut oder sagt, mein Herz wird euch nie verlassen. Ich will euch. Ich brauche euch.“

Die Mutter hält die Hand ihres Kindes. Aber das Kind muss selbst gehen und es geht. Weder derjenige, der schleppt, noch derjenige, der geschleppt wird, kann glücklich sein. Und so sagt Gott: „Meine göttlichen Kinder, in eurem inneren Leben gebe ich euch Inspiration. Ihr seid es, die mit reinstem Herzen streben müsst, um das goldene Jenseits zu erreichen.“

Zwei Geheimnisse: Reinkarnation und Evolution

Um die Geheimnisse der Reinkarnation, der Evolution und der Transformation zu verstehen, müssen wir zuerst das bedeutsamste aller Geheimnisse verstehen: das Geheimnis des Karmas.

Karma ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet ‘Tat’. Das Herz kann sie ausführen, der Verstand kann sie ausführen, der Körper kann sie ausführen.

Es gibt drei Arten von Karma: Sachita Karma, Prarabda Karma und Agami Karma.

Sanchita bedeutet „angehäuft“. Wir warten bewusst oder unbewusst auf die Frucht des Karmas, das wir durch unsere vergangenen Gedanken, Worte, Taten und Willensäuße­run­gen gesät haben. Sanchita Karma ist eine Anhäufung von Taten, die wir in einem vergangenen oder in diesem Leben ausgeführt haben, deren Folgen aber noch nicht abgebaut, deren Wirkungen noch nicht erschienen sind.

Prarabdha Karma bezeichnet das Schicksal als Folge von Taten irgendeiner früheren Geburt. Die karmischen Wirkungen haben begonnen, sind jedoch noch nicht beendet und machen eine Wiedergeburt für ihren Vollzug notwendig. Prarabdha Karma ist derjenige Teil des Sanchita Karma, der begonnen hat, Früchte zu tragen. Wir beginnen in diesem Leben, die Früchte unseres vergangenen Karmas zu ernten, und zur selben Zeit säen wir neue Samen für zukünftige Ernten.

Agami bedeutet „Zukunft oder „herannahend. Agami Karma kann erst ausgeführt werden, nachdem man spirituelle Vollendung erreicht hat, wenn man weder durch die Lockung der Geburt noch durch die Schlingen des Todes gebunden ist. Man handelt dann in der Absicht, der Menschheit zu helfen. Um das Göttliche hier auf Erden zu erfüllen, spielt die befreite Seele eine bedeutsame Rolle im Göttlichen Spiel, das ohne Anfang und ohne Ende ist.

Wir wissen, dass es ein Wesen gibt, das wir Gott nennen. Wir wissen, dass es etwas gibt, das wir Seele nennen. Es war der große amerikanische Philosoph Emerson, der sagte: „Gott ist ein unendlicher Kreis, dessen Zentrum überall, dessen Peripherie jedoch nirgends ist. Wir können mit Bestimmtheit sagen, dass dieses Zentrum die Seele des Menschen ist.

Die Seele ist eine ewige Ganzheit. Was ist ihre Beziehung zur Reinkarnation? Man könnte endlos über Reinkarnation schreiben, dieses wunderbare Konzept, über das man so weitherum spricht und dem man ebenso weitherum keinen Glauben schenkt. Wir wollen das Wesentliche der Sache in einem kurzen Satz zu verstehen versuchen: Reinkarnation ist der Prozess, durch den sich die Seele entwickelt; sie besteht für das Wachstum und die Entwicklung der Seele.

Wir kennen alle die Theorie von Charles Darwin über die Evolution der Arten. Man versteht darunter die Verwandlung des physischen Organismus vom Niederen zum Höheren oder vom Einfacheren zum Komplexeren. Die spirituelle Evolution vollzieht sich parallel zur physischen Evolution. Die Seele existiert in allen Wesen. Es ist wahr, sie ist bereits göttlich und unsterblich. Aber sie hat ihren eigenen inneren Antrieb, noch vollständiger, erfüllender und göttlicher zu werden. Daher muss sie im Verlauf des Evolutionsprozesses vom unvollkommensten zum vollkommensten Körper fortschreiten. Auf jeder Stufe nimmt sie den wirklichen Wert all ihrer irdischen Erfahrungen in sich auf. Auf diese Weise wächst die Seele, bereichert sich selbst und macht ihre Göttlichkeit ganzheitlicher, harmonischer und vollkommener.

Reinkarnation sagt uns, dass wir nicht vom Nichts gekommen sind. Unser gegenwärtiger Zustand ist das Ergebnis von dem, was wir in der Vergangenheit aus uns gemacht haben. Wir sind die Konsequenzen unserer vergangenen Inkarnationen. „Viele Geburten liegen hinter mir und hinter dir, o Arjuna! Ich kenne sie alle, doch du kennst die deinen nicht.“ So sprach der göttliche Sri Krishna zum noch nicht verwirklichten Arjuna.

Evolution ist das Bindeglied zwischen dem, was war, und dem, was sein wird. Ich bin ein Mensch. Ich muss wissen, dass ich nicht nur mein Vater war, sondern dass ich auch mein Sohn sein werde. Ich hatte Probleme. Du hattest Probleme. Er hatte Probleme. Es gibt keine Ausnahme! Wir standen ihnen gegenüber. Wir stehen ihnen auch heute noch gegenüber. Aber wir werden sie unweigerlich lösen.

Was ist das Ziel des Lebens?

Das Ziel des Lebens ist sich der Höchsten Wirklichkeit bewusst zu werden. Das Ziel des Lebens ist der bewusste Ausdruck des ewigen Wesens zu sein.

Leben ist Evolution. Evolution ist die Entfaltung von innen her. Jedes Leben ist eine Welt in sich selbst. In Wirklichkeit ist jedes Leben ein Mikrokosmos. Was immer im weiten Universum atmet, atmet auch in jedem einzelnen Leben.

Es gibt zwei Leben: ein inneres und ein äußeres. Das äußere Leben spricht über seine Prinzipien und versucht dann zu handeln. Es verspricht ohne Unterlass, führt jedoch sehr wenig aus von dem, was es verspricht. Das innere Leben spricht nicht. Es handelt. Sein spontanes Handeln ist die bewusste Offenbarung Gottes.

Unser Leben hat zwei Wirklichkeiten: eine exoterische und eine esoterische. Die exoterische Wirklichkeit befasst sich mit der äußeren Welt. Die äußere Wirklichkeit versucht, sich selbst zu erfüllen, indem sie Wünsche nährt und Leidenschaften stimuliert. Die esoterische oder innere Wirklichkeit findet ihre Erfüllung in der Beherrschung der Leidenschaften und in der Überwindung der Wünsche. Dann schwimmt sie im weiten Meer der Befreiung.

Leben ist Existenz. Die gewöhnliche Existenz kommt von einer tieferen Existenz. Existenz kann nicht von Nicht-Existenz kommen. Leben kommt von Gott. Leben ist Gott. Zwei Dinge sollten wir tun: Wir sollten das Leben ergeben studieren und es göttlich leben.

Zwei Dinge müssen wir haben: Vorstellungskraft und Inspiration. Ein Leben ohne Vorstellungskraft ist ein Leben im Gefängnis. Wir müssen mit den Schwingen der Vorstellungskraft in das Jenseits zu fliegen versuchen. Ein Leben ohne Inspiration ist ein Leben der Stagnation. Durch die Dynamik unaufhörlicher Inspiration werden wir dem Leben einen neuen Sinn geben und das Leben unsterblich machen.

Das Ziel des Lebens ist, Gott zu verwirklichen. Verwirklichung kann nie zu dem kommen, der untätig ist. Wir müssen um die Verwirklichung kämpfen. Wir müssen den Preis dafür bezahlen. Es gibt keine Alternative. Etwas ist sehr wichtig: Du kannst wohl andere überzeugen, wenn du ihnen erzählst, du seist eine verwirklichte Seele, du kannst sogar dein eigenes Herz täuschen, doch Gott kannst du nicht täuschen.

Für Gott-Verwirklichung braucht man als erstes Frieden. Frieden basiert auf Liebe: Liebe für die Menschheit und Liebe zu Gott. Frieden gründet auch auf Nicht-Verhaftetsein. Kein Durst nach Gewinn, keine Furcht vor Verlust - siehe, der Frieden ist dein. Frieden basiert auch auf Verzicht. Dieser Verzicht ist nicht der Verzicht auf weltliche Besitztümer, sondern der Verzicht auf Beschränkungen und Unwissenheit. Dies ist wahrer Frieden, der nicht vom Getöse der äußeren oder inneren Welt beeinträchtigt wird.

Wenn du diese Art von Frieden hast, kann die Verwirklichung nicht umhin, an die Tür deines Herzens zu klopfen. Um genauer zu sein: Der Lotus der Verwirklichung wird in deinem Herzen zu blühen beginnen und ein Blütenblatt nach dem anderen wird sich entfalten. Um Gott zu verwirklichen, sind Tempel, Kirchen und Synagogen nicht unbedingt notwendig. Noch ist ein Kunterbunt von Schriften und Predigten erforderlich. Unerlässlich ist jedoch eines: Meditation. Diese Meditation wird dich Gott, den Unendlichen, in deiner Seele, in deinem Herzen, in deinem Verstand und in deinem Körper verwirklichen lassen.

Das Ziel des Lebens ist, dass wir ein göttliches Leben führen. Wir leben in dieser Welt. Wir wissen, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. Er braucht die Seele, um in der Welt von Gottes Wirklichkeit zu leben. Die Seele allein hat die Fähigkeit, das Bekannte und das Unbekannte, das Existierende und das Nicht-Existierende, den Traum der Vergangenheit, die Errungenschaften der Gegenwart und die Hoffnung der Zukunft zu sehen und zu fühlen.

Lasst uns das innere Leben, das spirituelle Leben annehmen. Es ist unvermeidlich, dass uns auf unserer Reise Fehler unterlaufen. Erfolg ohne Bemühung ist vollkommen unmöglich. Ohne Arbeit kein Fortschritt. Wir müssen die Erfahrung willkommen heißen, da wir ohne Erfahrung nicht lernen können. Erfahrung kann ermutigend oder entmutigend sein. Aber erst die Erfahrung macht uns zu einem wirklichen Wesen und zeigt uns die wahre Bedeutung unseres Daseins.

Wir wollen alle wahrlich spirituell sein. Wir wollen Gott durch unsere ständige Gemeinschaft mit Ihm erkennen. Wir brauchen keine besondere Zeit und keinen besonderen Ort für unsere Meditation. Wir müssen über die Notwendigkeit von Zeit und Raum hinausgehen. Wenn wir tief in uns gehen, fühlen wir, dass sich ein Moment nicht vom anderen, ein Ort nicht von einem anderen trennen lässt. Lasst uns danach streben, im ewigen Jetzt der Gott-Verwirklichung zu leben, im ewigen Jetzt von Gottes Traum und Wirklichkeit. Dieser Traum ist der Traum der ewig fortschreitenden Trans­zendenz. Diese Wirklichkeit ist die Wirklichkeit der immer blühenden Enthüllung.

Was ist Spiritualität?

Spiritualität ist die Einheit von Wahrheit, Licht und Glückseligkeit. Spiritualität ist das bewusste Bedürfnis nach Gott. Spiritualität ist die ständige Gelegenheit zu erkennen und zu beweisen, dass wir alle so groß sein können wie Gott.

Gott ist Wonne. Wonne ist der Atem der Seele. Gott will das Gesicht der Sorge nicht sehen. Gott wird uns in dem Augenblick Unendlichkeit geben, in dem wir bereit sind, Ihm auch nur einen Funken unserer Seelenwonne anzubieten.

Die Welt ist sorgenvoll. Wir sind verantwortlich dafür. Unser Selbst-Interesse und unsere Prahlerei sind dafür voll verantwortlich. Das individuelle Bewusstsein muss sich ausweiten. Der Mensch braucht Inspiration. Der Mensch braucht Tat. Die Spiritualität braucht den Menschen. Die Spiritualität braucht absolute Erfüllung. Die Spiritualität besitzt das innere Auge, das jede Gelegenheit des Lebens mit der inneren Gewissheit verbindet.

Der Mensch kann seine äußeren Bedingungen durch seine spirituellen Gedanken erschaffen und aufheben. Gott ist nur für denjenigen eine lebendige Wirklichkeit, der Ihn in seinen Gedanken und in seinen Taten mit sich trägt.

Spiritualität hat einen geheimen Schlüssel, um die Tür des Göttlichen zu öffnen. Dieser Schlüssel ist Meditation. Meditation vereinfacht unser äußeres Leben und spendet unserem inneren Leben Energie. Meditation gibt uns ein natürliches und spontanes Leben. Dieses Leben wird so natürlich und spontan, dass wir nicht ohne das Bewusstsein unserer Göttlichkeit atmen können.

Meditation ist ein göttliches Geschenk. Sie ist der direkte Weg, denn sie führt den Strebenden zu dem Einen, von dem er herabgekommen ist. Meditation sagt uns, dass unser menschliches Leben etwas Geheimes und Heiliges ist, und sie bestätigt unser göttliches Erbe. Meditation gibt uns ein neues Auge, um Gott zu sehen, ein neues Ohr, um die Stimme Gottes zu hören und ein neues Herz, um die Anwesenheit Gottes zu fühlen.

Das spirituelle Leben ist kein Rosenbeet, noch ist es ein Dornenbeet. Es ist ein Beet der Wirklichkeit und der Unver­meidlichkeit. In meinem spirituellen Leben sehe ich die Rolle des Bösen und die Rolle meines Herrn. Wenn dem Teuflischen Versuchung innewohnt, dann besitzt mein Herr Führung. Wenn das Teuflische Opposition besitzt, besitzt mein Herr Hilfe. Wenn das Teuflische Strafe hat, hat mein Herr Mitleid. Wenn mich das Teuflische in die Hölle bringt, bringt mich mein Herr in den Himmel. Wenn das Teuflische Tod für mich hat, hat mein Herr Unsterblichkeit für mich.

Wir müssen aus der Fülle unseres Herzens und mit tränenerfüllten Augen zu Gott beten. Wir müssen unser Ziel so hoch wie die Gott-Verwirklichung stecken, denn das ist das einzige Ziel unseres irdischen Daseins. Sri Ramakrishna sagte: „Derjenige ist vergebens geboren, der, obwohl er das seltene Privileg hat, als Mensch geboren zu sein, unfähig ist, Gott in diesem Leben zu verwirklichen.“

Die Wissenschaft hat Wunder hervorgebracht. Trotzdem ist ihr Gesichtsfeld begrenzt. Es gibt Welten jenseits der Sinne; es gibt versteckte Mysterien. Die Wissenschaft hat keinen Zugang zu diesen Welten; die Wissenschaft kann diese Mysterien nie lösen. Aber ein spiritueller Mensch kann mit seiner inneren Sicht leicht in diese Welten eindringen und diese Mysterien ergründen. Doch ein spiritueller Mensch ist ein wirklicher Idealist, der nicht Luftschlösser baut, sondern mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht.

Spiritualität ist nicht nur Toleranz. Sie ist nicht einmal nur Annahme. Sie ist das Gefühl universellen Einsseins. In unserem spirituellen Leben schauen wir auf zum Göttlichen, das wir nicht nur in unserem eigenen Gott, sondern im Gott aller Menschen sehen. Unser spirituelles Leben errichtet sicher und fest die Grundlage der Einheit in der Verschiedenheit.

Spiritualität ist nicht bloß Gastfreundlichkeit gegenüber dem Glauben anderer an Gott. Sie anerkennt und akzeptiert den Gottesglauben anderer völlig als ihren eigenen. Das ist wohl schwierig, aber nicht unmöglich, denn dies war die Erfahrung und Haltung aller spirituellen Meister aller Zeiten.

‘Wahrheit’ war in jedem Zeitalter das Problem der Probleme. Die Wahrheit lebt in der Erfahrung. Die Wahrheit in ihrem äußeren Aspekt ist Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Echtheit; Wahrheit in ihrem inneren und spirituellen Aspekt ist die Vision Gottes, die Verwirklichung Gottes und die Manifestation Gottes. Wahrheit ist, was ewig atmet. Seelenerhebend ist der Ruf der upanishadischen Seher: Satyam eva jayate namritam: „Die Wahrheit allein triumphiert und nicht die Unwahrheit.“ Gesegnet ist Indien, dies als sein Motto zu haben, als seinen Lebensatem und als seine weitverbreitete Botschaft universeller Göttlichkeit.

Spiritualität ist nicht in Büchern zu finden. Selbst wenn wir ein Buch ausquetschen, erhalten wir keine Spiritualität. Wenn wir spirituell sein wollen, müssen wir von innen her wachsen. Gedanken und Ideen gehen einem Buch voraus. Der Verstand erweckt Gedanken und Ideen aus ihrem Schlaf. Die Spiritualität erweckt den Verstand. Ein spiritueller Mensch ist, wer auf die Anweisungen seiner Seele hört und wen keine Furcht quälen kann. Die Meinungen der Welt sind zu schwach, um seinen Verstand und sein Herz zu quälen. Diese Wahrheit weiß, fühlt und verkörpert er.

Schließlich habe ich für jene ein offenes Geheimnis, die in ein spirituelles Leben eintreten wollen. Das offene Geheimnis ist: Ihr könnt euer Leben ändern. Ihr braucht nicht jahrelang auf diese Änderung zu warten, nicht einmal monatelang. Sie beginnt, sobald ihr in das Meer der Spiritualität eintaucht. Versucht einen Tag lang, ein Leben spiritueller Disziplin zu leben, einen einzigen Tag lang! Ihr werdet den Erfolg sehen.

Was ist Yoga?

Was ist Yoga? Yoga ist die Sprache Gottes. Wenn wir zu Gott sprechen wollen, müssen wir Seine Sprache lernen.

Was ist Yoga? Yoga ist, was Gottes Geheimnis aufdeckt. Wenn wir Gottes Geheimnis erfahren wollen, müssen wir den Pfad des Yoga einschlagen.

Was ist Yoga? Yoga ist der Atem Gottes. Yoga wird uns zuwinken, wenn wir mit Gottes Auge schauen und durch Sein Herz fühlen, wenn wir in Gottes Traum leben und Gottes Wirklichkeit erkennen, wenn wir Gottes Atem besitzen und schließlich Gott selbst werden wollen.

Yoga ist Vereinigung: Vereinigung der individuellen Seele mit dem höchsten Selbst. Yoga ist die spirituelle Wissenschaft, die uns lehrt, wie die letzte Wirklichkeit im Leben selbst verwirklicht werden kann.

Wir müssen das Leben annehmen und das Göttliche in uns hier auf der Erde erfüllen. Dies kann nur dann geschehen, wenn wir über unsere menschlichen Begrenzungen hinausgehen.

Yoga sagt zu uns, wie weit wir auf dem Weg zur Gott-Verwirklichung fortgeschritten sind. Yoga berichtet uns auch über unsere vorausbestimmte Rolle in Gottes kosmischem Drama. Das letzte Wort des Yoga ist, dass jede menschliche Seele ein göttlicher Vertreter Gottes auf Erden ist.

Es gibt verschiedene Arten von Yoga: Karma Yoga, der Pfad der Tat, Bhakti Yoga, der Pfad der Liebe und Hingabe, und Jnana Yoga, der Pfad des Wissens. Diese drei betrachtet man als die wichtigsten Zweige des Yoga. Es gibt noch andere bedeutende Richtungen des Yoga, aber sie sind entweder Unterarten dieser drei oder eng mit ihnen verwandt.

Diese drei Yoga-Arten sind die drei hauptsächlichen Tore zu Gottes Palast. Wenn wir Gott auf die süßeste und intensivste Weise sehen wollen, müssen wir Bhakti Yoga betreiben. Wenn wir Gott in der Menschheit durch unseren selbstlosen Dienst verwirklichen wollen, müssen wir Karma Yoga betreiben. Wenn wir die Weisheit und die Herrlichkeit von Gottes transzendentalem Selbst erkennen wollen, müssen wir Jnana Yoga betreiben.

Eines ist sicher. Diese drei Pfade führen uns zur Selbst-Verwirklichung in der Gott-Verwirklichung und zur Gott-Verwirklichung in der Selbst-Verwirklichung.

Bhakti Yoga

Sag jemanden, er solle über Gott sprechen, und er wird nicht mehr aufhören. Sag einem Bhakta, er solle über Gott sprechen, und er wird nur zwei Sätze sagen: Gott ist All-Zuneigung, Gott ist All-Süße. Der Bhakta geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: „Ich kann versuchen ohne Brot zu leben, aber nie kann ich ohne die Gnade meines Herrn leben.“

Das Gebet eines Bhaktas ist sehr einfach: „O mein Herr, tritt ein in mein Leben mit Deinem schützenden Auge und Deinem mitleidigen Herzen.“ Dieses Gebet ist der schnellste Weg, an Gottes Türe zu klopfen und auch der leichteste Weg, um zu sehen, wie sich die Türe zu Gott öffnet.

Ein Karma Yogin und ein Jnana Yogin mögen einen Moment lang Zweifel an Gottes Existenz hegen. Aber ein Bhakta kennt kein Leiden dieser Art. Für ihn ist die Existenz Gottes eine axiomatische Wahrheit. Mehr noch, sie ist das spontane Gefühl seines Herzens. Aber ach, auch er unterliegt einer Art Leiden. Sein Leiden ist das Getrenntsein von seinem Geliebten. Mit seines Herzens Tränen der Selbst-Hingabe ruft er nach der Wiederherstellung seiner süßen Vereinigung mit Gott.

Der begründende Verstand vermag den Bhakta nicht zu entzücken. Die harten Fakten des Lebens vermögen seine Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen, geschweige denn, ihn zu absorbieren. Er will ständig in einem Gott-berauschten Reich leben.

Wenn ein Bhakta zu Gott geht, fühlt er, dass Gott ihm entgegeneilt. Er fühlt, dass Gott eine Stunde lang nach ihm ruft, wenn er eine Sekunde lang an Gott denkt. Er fühlt, dass Gott ihn im Meer Seiner ambrosialen Liebe empfangen wird, wenn er mit einem Tropfen seiner Liebe zu Gott geht, um dessen unaufhörlichen Durst zu löschen.

Die Beziehung zwischen einem Verehrer und Gott kann nur gefühlt, nie beschrieben werden. Gott mag glauben, dass kein Mensch auf der Erde Ihn je einfangen könne, da Er unbezahlbar und von unschätzbarem Wert sei. Ach, Er hat vergessen, dass Er Seinem Bhakta bereits Ergebenheit gewährt hat. Zu Seinem großen Erstaunen, zu Seiner tiefsten Freude vermag die hingebungsvolle Andacht Seines Verehrers Ihn einzufangen.

Es gibt Leute, die sich über den Bhakta lustig machen. Sie sagen, dass der Gott eines Bhaktas nichts als ein persönlicher Gott sei, ein unendlicher Gott mit Form, ein verherrlichtes Wesen. Jene Leute frage ich: „Warum sollte ein Bhakta nicht so fühlen? Ein Bhakta fühlt sich aufrichtig als kleinen Tropfen und Gott als unendlichen Ozean. Er fühlt, dass sein Körper ein winziger Teil von Gott, dem grenzenlosen Ganzen ist. Ein Bhakta denkt an einen Gott und betet zu einem Gott nach seinem eigenen Bilde. Und er hat völlig recht. Versetzt euch einmal in das Bewusstsein einer Katze und ihr werdet sehen, dass ihre Vorstellung eines allmächtigen Wesens die Form einer Katze annimmt - einfach in gigantischer Größe. Oder versetzet euch in das Bewusstsein einer Blume, und ihr werdet erkennen, dass die Vorstellung der Blume von etwas, das unendlich viel schöner ist als sie selbst, die Gestalt einer Blume annimmt.

Der Bhakta tut dasselbe. Er weiß, dass er ein Mensch ist und glaubt, dass sein Gott im wahrsten Sinne des Wortes menschlich sein sollte. Nach seiner Überzeugung besteht der einzige Unterschied darin, dass er ein begrenztes und Gott ein unbegrenztes menschliches Wesen ist. Für einen Bhakta ist Gott zugleich voller Glückseligkeit und Gnade. Die Freude seines Herzens gibt ihm das Gefühl, dass Gott voller Glückseligkeit ist und in den Qualen seines Herzens fühlt er, dass Gott gnädig ist.

Ein Vogel singt. Ein Mensch singt. Auch Gott singt. Er singt seine süßesten Lieder der Unendlichkeit, der Ewigkeit und der Unsterblichkeit durch das Herz Seines Bhaktas.

Karma Yoga

Karma-Yoga ist wunschloses Handeln um des Höchsten willen. Karma-Yoga ist die volle Annahme unserer irdischen Existenz. Karma-Yoga ist der furchtlose Marsch des Menschen durch das Schlachtfeld des Lebens.

Karma-Yoga ist nicht gleicher Meinung mit jenen, die die Tätigkeiten des menschlichen Lebens für unwichtig halten. Karma-Yoga erklärt, das Leben sei eine göttliche Gelegenheit, Gott zu dienen. Dieser Yoga ist nicht nur der Yoga äußerer Taten, sondern schließt auch das moralische und innere Leben des Strebenden mit ein.

Jene, die diesem Pfad folgen, beten für einen starken und vollkommenen Körper. Sie beten auch für ein langes Leben. Dieses lange Leben ist nicht nur eine bloße Verlängerung des Lebens in Form von Jahren. Es ist ein Leben, das sich nach der Herabkunft der göttlichen Wahrheit, des göttlichen Lichtes und der göttlichen Macht in die materielle Ebene sehnt. Karma-Yogins sind die wirklichen Helden auf der irdischen Bühne, und ihnen gehört der göttlich-triumphierende Sieg.

Einem Karma-Yogin sind die Wellen der Enttäuschung und Verzweiflung im menschlichen Leben vollkommen fremd. Er sieht im Leben und in seiner Tätigkeit einen göttlichen Sinn. Er fühlt sich selbst als Bindeglied zwischen irdischen Pflichten und himmlischer Verantwortung. Er besitzt viele Waffen, um die Welt zu besiegen, aber sein Nicht-Verhaftetsein ist die mächtigste. Sein Nicht-Verhaftetsein trotzt sowohl den zerschmetternden Schlägen des Misserfolgs, wie den schmeichelnden Wogen des Erfolges. Sein Nicht-Verhaftetsein ist weit jenseits der Schlingen qualvollen Leidens und jenseits der Umarmung erregender weltlicher Freuden.

Viele aufrichtig Strebende haben das Gefühl, dass die ergebenen Gefühle eines Bhakta und das durchdringende Auge eines Jnani im Karma-Yoga keinen Platz haben. Doch hier haben sie sich geirrt. Ein wahrer Karma-Yogin ist, dessen Herz innig an Gott glaubt, dessen Verstand sich Gottes ständig gewahr ist und dessen Körper Gott in der Menschheit ehrlich liebt.

Es ist leicht für einen Bhakta, die Welt zu vergessen, und für einen Jnani, die Welt zu ignorieren. Aber die Bestimmung eines Karma-Yogins ist anderes. Gott will, dass er in der Welt, mit der Welt und für die Welt lebt.

Jnana Yoga

Gott hat drei Augen. Ihre Namen sind Bhakti, Karma und Jnana. Bhakti will in der intimsten Wahrheit seines Vaters leben. Karma will in der allesdurchdringenden universellen Wahrheit leben. Jnana will in der transzendentalen Wahrheit seines Vaters leben.

Der Mensch der Selbst-Hingabe braucht Gottes Schutz. Der Mensch der Tat braucht Gottes Führung. Der Mensch des Wissens braucht Gottes Unterweisung. Der Glaube des Bhaktas an Gott und die Liebe des Karma-Yogins zur Menschheit interessieren einen Jnana-Yogin nicht und inspirieren ihn noch weniger. Er will nichts als den Verstand. Er kämpft mit seiner geistigen Kraft für die persönliche Erfahrung der höchsten Wahrheit. Er denkt sich Gott als die Quelle des Wissens. Er glaubt, dass er sein Ziel durch seinen Verstand erreichen werde. Am Anfang seines Pfades glaubt er, nichts sei so wichtig wie die Erfüllung des Verstandes. Mit der Zeit kommt er zur Erkenntnis, dass er den Verstand transzendieren muss, wenn er im höchsten Wissen leben will.

Das Leben ist ein Mysterium, der Tod auch. Ein Jnana-Yogin will diese zwei scheinbar unlösbaren Mysterien der Schöpfung Gottes ergründen. Auch will er Leben und Tod überwinden und im Herzen der höchsten Wirklichkeit verbleiben.

Der Mensch lebt in der Sinneswelt. Er weiß nicht, ob diese Welt wirklich oder unwirklich ist. Ein gewöhnlicher Mensch ist mit seiner eigenen Existenz zufrieden. Er hat weder die Denkfähigkeit noch ein aufrichtiges Interesse daran, tiefer in die Bedeutung des Lebens einzudringen. Er will den Problemen von Leben und Tod ausweichen. Leider gibt es keine Flucht. Er muss im Meer der Unwissenheit schwimmen. Nur ein Jnana-Yogin kann ihn lehren, wie er über das Meer der Unwissenheit schwimmen und in das Meer des Wissens und des Lichts gelangen kann. Ein Jnana-Yogin sagt: „Neti, neti.“ „Nicht dies, nicht dies.“ Was meint er damit? Er meint damit, dass es eine höhere Welt als diese Sinneswelt, dass es eine höhere Wahrheit als diese erdgebundene Wahrheit gebe. Er sagt, es gebe gleichsam zwei sich gegenüberstehende Parteien. Die eine bestehe aus Falschheit, Unwissenheit und Tod. Die andere Partei bestehe aus Wahrheit, Wissen und Unsterblichkeit. Währenddem er „neti, neti“ ausspricht, bittet er den Menschen, die Falschheit zurückzuweisen und die Wahrheit anzunehmen, die Unwissenheit zurückzuweisen und das Wissen anzunehmen, den Tod zurückzuweisen und die Unsterblichkeit anzunehmen.

Was ist Gottes Plan?

Was ist Gottes Plan? Diese Frage wird oft aufgeworfen und diskutiert. Seltsamerweise zieht die Idee von Gottes Plan nicht nur die Aufmerksamkeit jener auf sich, die an Gott glauben, sondern auch jener, die die Existenz Gottes verneinen.

Hat Gott einen Plan? Nein, niemals! Einen Plan zu machen heißt die Arbeit, die in der Zukunft getan werden muss, abzuschätzen. Es ist oft die Versuchung des Erfolges, die uns dazu bewegt, uns in Taten zu stürzen. Wir wollen in den Erfolg der Zukunft wachsen. Dazu helfen uns Pläne bis zu einem gewissen Grad. Aber Gott braucht keinen Plan. Für Ihn ist die Schau der Zukunft nicht etwas, das erfüllt werden muss, sondern etwas, das bereits der gigantischen Brust der Gegenwart innewohnt.

Die Welt wurde seit jeher durch Bewegung entzückt, hier, dort und überall. Das Schwinden enthusiastischer Bewegung ist der Untergang des menschlichen Lebens. Jede Bewegung muss auf und ab gehen, bevor sie ihr Ziel erreicht. Bewegung ist der äußere Ausdruck eines inneren Dranges. Dieser innere Drang ist der Vertreter von Gottes Willen, der in einem menschlichen Körper mit dem Jenseits zu spielen und das Unendliche im Endlichen zu erwecken sucht.

Gott hat weder einen Plan, noch braucht Er einen. Er ist kein geistiges Wesen das ohne Plan nicht an die Zukunft denken kann. Gott ist Wonne. Gott will, dass wir Wonne haben. Wonne können wir nur spüren, wenn wir alles, was wir haben und was wir sind, der höchsten Wirklichkeit zuwenden.

Wir müssen zuerst über Gottes Existenz nachdenken, und dann, wenn nötig, können wir uns über Gottes Plan Gedanken machen. Existiert Gott? Wo ist der Beweis? Unser eigenes Herz ist der Beweis. Unser Herz verlangt ständig danach, Gott überall und in allem zu sehen. Mit dem Streben unseres Herzens kann Gottes Existenz gefühlt werden. Mit dem Streben unseres Herzens können wir sehen, dass Gottes Himmel, der Stille ist und Gottes Erde, die Macht ist, nicht nur voneinander abhängen, sondern auch sich ergänzende Lächeln von Gottes ewiger Wirklichkeit sind.

Manche Leute sagen, die Welt sei nach einem Plan entstanden, den Gott gemacht habe. Sie sehen, dass die Welt voller Leiden und Unvollkommenheiten ist und meinen, sie hätten eine bessere Welt machen können, wenn sie Gelegenheit dazu gehabt hätten. Ihnen sage ich: „Wer hindert euch daran? Ihr seid es, die die Erde bebauen müsst, um eine reiche Ernte von Vollkommenheit und Zufriedenheit hervorzubringen.“

Vom Leiden und von der Unvollkommenheit haben wir viel gelernt. Was wir nun brauchen, ist Wonne und Vollkommenheit. Diese zwei göttlichen Eigenschaften können wir nicht erlangen, wenn wir Fehler in einem Plan finden, den wir Gott aufgedrängt haben. Wonne und Vollkommenheit können wir nur dann erlangen, wenn wir in Gottes Bewusstsein leben. Es gibt keinen anderen Weg.

Die Art, wie der Mensch das Leiden und die Unvollkommenheit interpretiert, basiert auf seinen vorgefassten mentalen Ideen und Begriffen. Die Art, wie Gott das Leiden und die Unvollkommenheit interpretiert, basiert auf Seiner unmittelbaren Einsicht in ihre absolute und letzte Wirklichkeit. Die Interpretation des Menschen braucht Rechtfertigung. Doch Gottes Interpretation braucht keine Rechtfertigung, weil Er zugleich die verkörperte und die enthüllte Wahrheit ist.

Ebenso schaut ein spiritueller Mensch von einem anderen Gesichtspunkt aus auf Gott als ein gewöhnlicher Mensch. Er glaubt, dass Gott alles ist und alles hat, offenbart und nicht offenbart. Sein Gott ist im ewigen Prozess immer fortschreitender Vollkommenheit. Ein gewöhnlicher Mensch jedoch glaubt, dass Gott erst etwas erreichen müsse, um die Welt zu verwandeln.

Gott ist ein Kind, ein ewiges, göttliches Kind. Wie kann ein Kind einen Plan haben? Unmöglich. Wie ein Menschenkind mit seinen Puppen spielt und sie kleidet und liebkost, so spielt Gott mit Seinen Puppen, den menschlichen Instrumenten. Nur tut Gott, das göttliche Kind, alles bewusst, bedeutsam und göttlich.

Die unbewussten, halb-bewussten, bewussten und spirituell bewussten Pläne des Menschen und Gottes sich selbst-enthüllende Offenbarungen sind untrennbar. Das höchste Geheimnis ist, dass die Pläne des Menschen immer mit dem Atem Gottes vereinigt sind. Der Mensch muss dies wissen. Es gibt nichts weiteres zu wissen. Der Mensch muss dies fühlen. Es gibt nichts Tieferes zu fühlen. Der Mensch muss dies erkennen. Es gibt nichts Höheres zu erkennen.

Teil 2: Abschnitt 1. Fragen über das innere Leben

Frage: Wie kann man den inneren Zerfall und die Rohheit Amerikas mit seinem keimenden spirituellen Bewusstsein in Einklang bringen?

Sri Chinmoy: Deine Frage ist äußerst interessant und regt zum Nachdenken an. Es ist eine Frage, über die man viel sagen könnte. Ich möchte mich darüber nicht vom soziologischen, sondern vom spirituellen Gesichtspunkt her äußern, der oft nicht so gut verstanden wird.

Der innere Zerfall Amerikas ist für mich nicht so schwerwiegend oder dramatisch, wie Sie es empfinden. Ich sehe es als einen Kampf zwischen Dunkelheit und Licht. Wenn wir uns bewusst dem Licht öffnen, kommen unvermeidlich all unsere Schwächen und Beschränkungen zum Vorschein, um uns den Weg zu versperren. Je mehr uns das Licht anzieht, desto stärker werden die unwilligen, ungöttlichen und unbewussten Teile. Dies ist ein unausweichliches spirituelles Gesetz, das man sowohl im Individuum als auch im Kollektiv wirken sieht. Bevor ich auf Ihre Frage eingehe, lassen Sie mich kurz erläutern, warum dieses Gesetz existiert.

Seit jeher hat Unwissenheit die Erde regiert und sie beherrscht auch heute noch das Erdbewusstsein. Die materielle Welt strebte bisher nicht bewusst nach ihrer eigenen inneren Erfüllung, die Teil einer zukünftigen, ganzheitlichen spirituellen Erfüllung der Menschheit sein wird. Dunkelheit war seit jeher der Meister. Sie will nicht, dass eine höhere Macht ihren Platz einnimmt und kämpft deshalb mit all ihrer Kraft darum, ihre Herrschaft aufrecht zu erhalten. Wenn es den göttlichen Kräften nun gelingt, in einem bestimmten Gebiet unseres Erdbewusstseins eine Öffnung zu schaffen und wenn sie dafür mit einem verstärkten Streben belohnt werden, dann verstärken auch die ungöttlichen Kräfte ihre Anstrengungen, indem sie Werte und Ideen schaffen, die jeder höheren Wahrheit entbehren. Dieser ewige Kampf zwischen Dunkelheit und Licht wird noch intensiver, wenn ein neuer und höherer Zyklus in der Evolution der Menschheit beginnt, wie dies heute der Fall ist.

Dies sind die hauptsächlichen Gründe für Ihr Gefühl, dass zwischen den hohen Zielen und Idealen Amerikas einerseits und einigen seiner unerleuchteten Taten und Werten andererseits eine abgrundtiefe Kluft bestehe. Das aufkeimende spirituelle Bewusstsein und die hastige äußere Lebensweise Amerikas arbeiten nicht zusammen; das eine hilft dem anderen nicht. Bis das Licht völlig erstrahlt, kann das wahre Suchen nicht in seiner ganzen Fülle zum Vorschein kommen. Deshalb sind die Werte, die zu einem integralen spirituellen Fortschritt führen, noch wenig sichtbar.

Zudem ist Amerika eine junge Nation. Sie will nicht gehen, sondern so schnell wie möglich laufen, um die Ziellinie als erste zu überqueren. Wenn man so schnell rennt, kann man leicht stolpern oder aus der Bahn geraten. Doch aufgrund von Amerikas dynamischem und aufrichtigem Drang nach Fortschritt wird sein gegenwärtiges Herumtasten und Stolpern angesichts der Versprechen und der Möglichkeiten, die wir für Amerikas zukünftige Erfüllung erblicken können, zur Bedeutungslosigkeit verblassen.

Frage: Glauben Sie nicht, dass nationale Grenzen, wirtschaftliche Ungleichheiten und religiöse Dogmen die Menschen in verschiedene Lager spalten und dadurch eine unspirituelle Umgebung schaffen, die Frieden für den Einzelnen wie für eine Nation zu einem Stern in weiter Ferne machen?

Sri Chinmoy: Ich bin fest davon überzeugt, dass derlei Barrieren das Wachstum unseres sich entwickelnden menschlichen Bewusstseins tatsächlich beeinträchtigen. Aber die Läuterung des Denkens und des Geistes des Einzelnen muss dem Erwachen unserer gesellschaftlichen Institutionen wie Kirchen und Regierungen vorausgehen. Die spirituelle und geistige Elite kann ihr erleuchtendes Licht an die breiten Massen weitergeben. Wie wir wissen, sind die Handlungsweisen von Institutionen und Nationen gewöhnlich ein Ausdruck des allgemeinen Bewusstseins. Diese Handlungsweisen können von erleuchteten Individuen in hohem Maße beeinflusst werden. Insbesondere Mutter Indien hat nie solcher erleuchteten Seelen entbehrt, noch mangelt es ihr heute daran.

Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die Zeit selbst eine Öffnung schaffen wird, damit das spirituelle Bewusstsein in den Einzelnen und in die Gesellschaft eintreten kann. Von unserer Seite her muss eine bewusste spirituelle Anstrengung unternommen werden, damit die höheren Kräfte von oben herabkommen und die Tiefen unserer suchenden Herzen berühren können. Wenn das geschieht, wird die Kluft, die wir jetzt zwischen unserem Aufstreben und seiner Erfüllung in der Gesellschaft sehen, nicht länger bestehen.

Frage: Ich möchte, offen gesagt, wissen, was Indiens Spiritualität je für das Land getan hat. Wie kommt es, dass Indien trotz seiner Yogis und Heiligen immer noch ein armes und rückständiges Land ist?

Sri Chinmoy: Zuerst müssen wir verstehen, wie diese Situation entstanden ist. Im alten Indien lehnte man das materielle Leben nicht ab. In jenen Tagen strebten die Menschen einer Synthese von Geist und Materie an, was ihnen zu einem gewissen Grad auch gelang. Doch zwischen jenen weit zurückliegenden Zeiten und der heutigen Gegenwart liegt eine große Kluft.

In späteren Perioden der Geschichte Indiens gelangten die Seher und Heiligen zu der Auffassung, dass das materielle und das spirituelle Leben nicht miteinander vereinbar seien und dass sie dem äußeren Leben entsagen müssten, um zu Gott zu gelangen. Daher wurde das äußere Leben vernachlässigt. Dies führte zu Eroberungen durch andere Völker und vielen anderen Problemen. Selbst in der heutigen Zeit ist in Indien die Meinung noch weit verbreitet, materielles Wohlergehen und Schönheit seien abzulehnen. Diese Meinung trägt viel zu seiner fortwährenden Armut bei.

Doch heute gibt es in Indien auch große spirituelle Persönlichkeiten, die davon überzeugt sind, dass Gott in seiner Ganzheit verwirklicht werden muss, dass Schöpfer und Schöpfung eins sind und nicht voneinander getrennt werden können. Sie befürworten die Annahme des Lebens und betonen die Notwendigkeit von Fortschritt und Vervollkommnung in allen Bereichen des menschlichen Daseins. Diese neue Auffassung wird im modernen Indien weitgehend akzeptiert.

Indien mag heute voller Armut sein, doch durch seine neue Bewusstheit und sein Aufstreben wird es rasche Fortschritte machen. Indien besitzt nicht nur ein großes Herz, sondern auch genügend Kraft, um die Stärke seiner Seele zum Vorschein zu bringen und durch sie alle seine Probleme zu lösen.

Frage: Können Sie mir bitte sagen, warum die Leute in Indien so viele Götter und Göttinnen verehren und nicht nur einen Gott?

Sri Chinmoy: Können Sie mir bitte sagen, warum Sie den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und so viele Engel und Heilige verehren? In Indien haben wir viele Götter und Göttinnen. Mehr noch, wir glauben, dass jeder Mensch seinen eigenen Gott haben und seinen eigenen Weg finden muss, um Gott zu verwirklichen.

Tatsächlich sind diese Götter und Göttinnen lediglich verschiedene Manifestationen des Einen Absoluten. Jede Gottheit verkörpert einen besonderen Aspekt oder eine besondere Eigenschaft des höchsten Wesens. Unsere Unfähigkeit, in all diesen verschiedenen Aspekten die allumfassende universale Harmonie zu erkennen, ist der Grund für unsere Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten. In dem Augenblick, in dem wir den universellen Geist, das unpersönliche Eine erkennen, können wir mit all den verschiedenen Glaubensformen völlig im Einklang sein. Dann können wir hinter der Auffassung von verschiedenen Göttern und Göttinnen die Wahrheit erkennen.

Frage: Das Kastensystem ist etwas völlig Unsinniges. Warum hat Indien dieses System? Können Sie auch nur ein gutes Wort darüber sagen?

Sri Chinmoy: Entschuldigen Sie, aber da kann ich mit Ihnen nicht einer Meinung sein. In dieser Welt gibt es nichts völlig Unsinniges.

Das Kastensystem hat einem bestimmten Zweck gedient und tut es sogar heute noch. Trotz all seiner Fehlentwicklungen war es ein System, das die verschiedenen Teile der Gesellschaft vereinigt hat. Wenn wir versuchen, es als ein System zu sehen, das die Menschen vereint, statt sie zu trennen, werden wir den Sinn besser verstehen, den es für Tausende von Jahren gehabt hat. Man verstand die Gesellschaft als eine große Familie. Jede Gruppe trug dazu bei, dass sie harmonisch funktionierte. In einer Familie mag der eine Bruder ein spiritueller Lehrer sein, ein anderer Beamter, ein dritter Kaufmann und ein vierter vielleicht Bauer. Jeder hilft der Familie auf seine Weise dort, wo er gebraucht wird. Durch ihr vereintes Wissen und ihre harmonische Zusammenarbeit schaffen sie eine wirkliche Einheit in ihrem Familienleben. So war es ursprünglich mit dem Kastensystem. Jede Gruppe hatte ihren Verantwortungsbereich und ihre Pflichten. Jede Gruppe arbeitete für das Wohl der Allgemeinheit. Das Entscheidende ist, wie man dieses System umsetzt. In seiner idealen Form besitzt das Kastensystem viel Wert und Wahrheit. Aber die falschen Haltungen, die durch menschliche Unwissenheit hineingetragen wurden, machen es erforderlich, das gegenwärtige System durch etwas zu ersetzen, das besser in eine moderne und fortschrittliche Gesellschaft passt.

Frage: Angenommen, ein Inder, der in Amerika lebt, heiratet ein amerikanisches Mädchen. Werden seine Eltern sie akzeptieren, wenn sie nach Indien gehen?

Sri Chinmoy: Das hängt voll und ganz von den Eltern ab. Wenn sie orthodox und konservativ sind, akzeptieren sie das Mädchen möglicherweise nicht. Doch wenn die Eltern liberal sind und höhere Ideale haben, wenn sie auf eine Verbindung zwischen Ost und West Wert legen, dann werden sie ihren Sohn und ihre Schwiegertochter freudig empfangen.

Vom spirituellen Gesichtspunkt aus, im Lichte Gottes betrachtet, ist nicht die Rasse oder die Religion das Entscheidende, sondern die wahre Erfüllung zweier menschlicher Seelen in einer Einheit.

Frage: Ist es wahr, dass es in Indien Menschen gibt, die auf dem Feuer gehen können? Beängstigt oder erstaunt Sie das nicht?

Sri Chinmoy: Ich hatte zweimal die Gelegenheit, einer solchen Vorführung beizuwohnen. Ich hatte keine Angst, da ich glücklicherweise nicht zu den Ausführenden gehörte. Ich war auch nicht erstaunt darüber, da ich mir der Macht des Glaubens bewusst war. Die Vorführenden besaßen einen innigen Glauben an Govinda (Krishna). Sie sangen den Namen Govindas in inbrünstiger Verehrung und gingen unversehrt über das Feuer.

Frage: In Indien unterwerfen sich die Frauen völlig ihren Männern. Warum kümmern sie sich nicht um ihre eigene Individualität?

Sri Chinmoy: Ich hoffe, dass Sie die Bedeutung der Selbsthingabe kennen. In wirklicher Hingabe verlieren wir unsere Individualität nicht. Im Gegenteil, wir erweitern sie. Wenn wir uns zum Beispiel Gott völlig hingeben, werden wir in unserer Verehrung für Gott eins mit Ihm. Seine Macht wird dann der unsrigen hinzugefügt. Hingabe ist völlig freiwillig. Wenn sich jemand einer anderen Person, die mächtiger ist als sie selbst, aus Furcht unterwirft, so ist dies keine Hingabe. Wahre Hingabe ist eine starke Kraft, die sich selbst erfüllt, wenn sie mit dem Objekt ihrer Verehrung eins wird. In Indien geben die Frauen fröhlich und bedingungslos ihr gesamtes Dasein ihrem Gatten hin und erfahren dadurch die wirkliche Freude wahrer Vereinigung.

Frage: Wenn der Mensch mit der Welt unzufrieden ist, ihr entflieht und höhere Ebenen des Daseins aufsucht, wie kann dann die Menschheit je Frieden und Glück auf der Erde begründen?

Sri Chinmoy: Ihre Frage beweist einen bemerkenswerten Sinn für spirituelle Werte. Zugegeben, die Welt ist voller Unvollkommenheiten. Das Leben ist ein großes Fragezeichen. Überall sieht man das Böse. Das sind die Probleme, mit denen wir täglich konfrontiert sind. Je weiter ein Mensch spirituell entwickelt ist, desto größer wird sein Leiden am gegenwärtigen Zustand der Welt. Er sieht die Krankheit, er fühlt die Krankheit, aber er hat kein wirkliches Heilmittel. Und selbst wenn er eines hat, reicht es nicht, um alle irdischen Leiden zu heilen. So hat er oft das Gefühl, sein Kampf sei vergebens, und wählt deshalb den leichteren Pfad, den Pfad der Flucht in die Glückseligkeit der höheren Ebenen.

Doch das kann bei einem göttlichen Krieger nie der Fall sein. Er wird kämpfen, bis der Sieg errungen ist. Was meinen wir mit seinem „Sieg“? Wir meinen damit die Begründung des Königreiches Gottes hier auf der Erde und nicht in irgendeiner höheren Welt. Da er weiß, dass das Göttliche überall gegenwärtig ist, sucht er es im täglichen Leben zu enthüllen. Wenn wir mit der Welt, so wie sie ist, nicht zufrieden sind, so ist das noch kein Grund, sie zu verlassen. Im Gegenteil, wir sollten versuchen, sie zu verändern - physisch, intellektuell oder spirituell, gemäß unserer Entwicklung und unseren eigenen Fähigkeiten.

Gott ist reinste Vollkommenheit. Diese Vollkommenheit kann nur erlangt werden, wenn zwischen Geist und Materie, zwischen innerem und äußerem Leben eine untrennbare Einheit besteht.

Frage: Meine Frau ist der Auffassung, alle religiösen Glaubensvorstellungen seien Wahnvorstellungen, die auf existentieller Angst beruhen. Die meisten Menschen finden den Gedanken unerträglich, dass das Leben keine weitere Bedeutung hat als die biologische und rationale Tatsache des Lebens selbst. Ihrer Meinung nach sollte das aber jedem Menschen ausreichen. Auch die Tatsache des Todes sollte auf gleiche Weise als biologische Wirklichkeit akzeptiert werden. Das ist eine alte Theorie, die wahrscheinlich auf intellektueller Ebene weder bewiesen noch widerlegt werden kann.

Sri Chinmoy: Die letzte Wahrheit bezüglich Leben und Tod kann nie befriedigend erklärt oder ausgedrückt werden. Diese Wahrheit kann nur vom aufstrebenden Menschen gefühlt und von der verwirklichten Seele erkannt werden

Ich stimme völlig mit Ihnen überein, dass Ihre Ansicht, genau wie die Ihrer Frau, nicht intellektuell bewiesen werden kann. Es kann jedoch auch nicht bewiesen werden, dass die Ansicht Ihrer Frau über Leben und Tod der Wahrheit mehr entspricht als Ihre eigene Ansicht.

Das menschliche Gedächtnis hat weder das erste noch das letzte Wort in Bezug auf die Wirklichkeit. Wenn ich mich im Alter von achtzig Jahren nicht mehr an alle Begebenheiten aus meinen ersten vier Lebensjahren erinnern kann, heißt das noch lange nicht, dass ich damals nicht existierte. So wie zwischen dem vierten und dem achtzigsten Lebensjahr eine Reihe von Jahren verstreichen, so gibt es eine Reihe von Leben, die die Gegenwart mit der fernen Vergangenheit verbinden und in die Zukunft hineinwirken.

Dann gibt es auch etwas jenseits des Fassungsvermögens unseres begrenzten Körperbewusstseins. Sogar während ein Mensch in die gewöhnlichsten physischen Tätigkeiten vertieft ist, kann er bisweilen in sich selbst erstaunliche Wahrheiten fühlen. Diese sind in der Regel ungewohnt und zugleich sehr erhebend. Diese Wahrheiten kommen von einer höheren oder tieferen Welt, von einer anderen Bewusstseinsebene, und klopfen an die Türe seines Verstandes. So besitzt er Kräfte und wird von Kräften in Besitz genommen, die jenseits seines Alltagsbewusstseins liegen.

Wenn wir uns mit diesen höheren Kräften - mit der universalen Harmonie - in Einklang bringen, dann hört das Leben auf, unerträglich zu sein. Ich stimme völlig mit Ihrer Frau überein, dass für einen Menschen, der in seinem Leben keinen Sinn und kein Ziel sieht, das Leben durch diese Haltung unerträglich wird. Was jedoch den religiösen Glauben anbelangt, möchte ich hier eine Analogie vorlegen:

Zur Zeit wohne ich in einem Appartement in Brooklyn. Wenn mich nun ein Kind fragt: „Gibt es einen Ort, der Köln heißt?“, dann werde ich ihm antworten: „Sicher, mein Kind. Köln ist eine Stadt in Westdeutschland.“ Nehmen wir an, das Kind sagt nun: „Das musst du mir beweisen!“ Wie kann ich es ihm beweisen, außer dass ich ihm Landkarten und Fotos zeige? Ich kann ihm nur sagen, dass ich Köln persönlich besucht habe, wie Millionen von anderen Menschen auch. Sein Zweifel kann die Existenz der Stadt nicht negieren.

Ebenso haben jene, die Gott verwirklicht haben, jedes Recht, uns zu sagen, dass es einen Gott gibt. Nur weil wir Ihn nicht selbst verwirklicht haben, können wir die Existenz Gottes nicht leugnen. So wie das Kind Köln mit seinen eigenen Augen sehen will, so können wir uns von der Wirklichkeit Gottes nur überzeugen, indem wir Ihn sehen. Diese Suche nach Gott gibt einem sonst zwecklosen Leben eine beispiellose Bedeutung und Richtung.

Frage: Ich glaube, dass Liebe immer dasselbe ist, ob es nun göttliche oder menschliche Liebe ist. Ist das richtig?

Sri Chinmoy: Nein, mein junger Freund, menschliche Liebe und göttliche Liebe sind zwei völlig verschiedene Dinge. Wenn ich dir fünfzig Cent gebe und du gibst mir dafür einen Schokoriegel, nennt man das menschliche Liebe. In göttlicher Liebe wartest du nicht auf meine fünfzig Cent. Du gibst mir den Schokoriegel fröhlich von dir aus. Göttliche Liebe bedeutet Opfer und in diesem Opfer erfüllen wir bewusst oder unbewusst Gottes Willen. In menschlicher Liebe stellen wir die Liebe des Käufers und des Verkäufers zur Schau, was gleichbedeutend mit Eigeninteresse ist. Wohlgemerkt, ich will damit nicht sagen, dass Menschen keine göttliche Liebe ausdrücken können. Sie können es und tun es auch bisweilen. Doch beständige göttliche Liebe findet man bei Menschen zur Zeit selten.

Frage: Sie haben vorhin über Glauben gesprochen. Könnten Sie mir noch ein wenig helfen, seine Bedeutung zu verstehen?

Sri Chinmoy: Ich will es versuchen. Zuerst einmal bedeutet Glaube nicht Leichtgläubigkeit oder blinder Glaube. Er bedeutet nicht, dass Sie ständig an das Unmögliche glauben müssen. Nein, das hat mit Glauben nichts zu tun. Glaube ist ein spontanes Gefühl. Glaube interessiert sich nicht für menschliche Rechtfertigungen. Glaube ist das Auge, das in die Zukunft schaut und das ständig im Einklang mit einer höheren Wahrheit ist. Das Tor des Glaubens steht der Wahrheit des Jenseits stets offen und durch die Tugend des Glaubens wachsen wir über uns selbst hinaus.

Frage: Wie können wir unseren inneren Glauben an Gott stärken, wenn wir in unserem täglichen Leben immer wieder entmutigt werden?

Sri Chinmoy: Versuchen Sie bitte von nun an zu fühlen, dass es Jemanden um Sie herum gibt, der nichts von Ihnen will als Ihre Freude. Es gibt Jemanden, der möchte, dass Sie immer im Meer der Freude und der Wonne schwimmen. Wenn Sie in der Freude verweilen können – wobei ich hier nicht die äußere Freude meine, hierhin und dorthin zu gehen, sich unter die Leute zu mischen und materielle Dinge zu kaufen, sondern wenn Sie wirkliche Freude und innere Erfüllung haben können - dann werden Sie gleichzeitig auch Glauben und Vertrauen in Gott erfahren.

Wenn wir uns sorgen oder vor etwas fürchten, versuchen wir sofort, in uns eine Art selbst auferlegten Glauben an Gott zu erzeugen. Doch dies ist nicht wahrer Glaube. Wenn wir in Gefahr sind, beten wir: „O Gott, rette mich, rette mich!“ Aber das sagen wir nur, um die Gefahr abzuwenden. Dies ist eine Flucht. Diese Art von Glauben ist nicht von Dauer. Alles ist im Innern des Menschen, seine Freude wie seine Erfüllung. Aber wer ist der Besitzer dieser inneren Erfüllung? Gott. Wir sind nur Seine ergebenen Werkzeuge. Wenn wir spontane innere Freude als festen Bestandteil unseres Lebens verspüren und wenn wir die Quelle davon fühlen, dann können wir Glauben an Gott, den unendlichen Besitzer der Freude, haben. Versuchen Sie bitte von nun an, Ihre eigene innere Freude zu fühlen, und der Glaube wird ganz spontan zu Ihnen kommen. Was Ihre äußeren Frustrationen betrifft, versuchen Sie bitte nicht, sie mit Ihrer inneren Freude zu vermischen. Trennen Sie bitte Ihre innere Freude von den äußeren Ereignissen. Nur dann werden Sie Ihren Glauben an Gott stärken können.

Frage: Ich habe viele Bücher und Schriften studiert. Auch predige ich über Spiritualität, Religion, das innere Leben usw. Aber in mir selbst fühle ich eine öde Leere. Was ich tue, schenkt mir überhaupt keine Befriedigung. Ich habe das Gefühl, dass ich meine eigene wertvolle Zeit und die anderer Menschen verschwende. Können Sie mir das erklären?

Sri Chinmoy: Das kann ich Ihnen gut nachfühlen. Hier sind sie nicht allein; so manche menschliche Seele segelt im gleichen Boot wie Sie. Das Studium von Büchern und Schriften kann uns Informationen liefern, die wir zitieren können, sowie ein gewisses Verständnis vermitteln. Bestenfalls können sie uns Inspiration schenken, aber mehr nicht. Wir können in unserem inneren Leben nie wahrhaft erleuchtet werden, indem wir uns Gedanken von anderen ausleihen. Spirituelle Erleuchtung können wir nur erlangen, wenn wir das ewige Buch der Wahrheit in uns studieren und ständig auf die Stimme des inneren Selbst hören. Dann finden wir Freude in unserem äußeren Leben. Zuerst müssen wir Gott sehen und dann können wir gottähnlich werden. Wenn wir wahrhaft gottähnlich sein wollen, muss das Reden dem Werden weichen. Lassen Sie mich eine wahre Geschichte erzählen:

In einem Dorf in Bengalen, einem Teil Indiens, ging der Diener eines reichen Mannes täglich zu dessen Haus, wobei er jeweils mit einer Fähre einen Fluss überqueren musste. Eines Tages herrschte ein starker Sturm. Die Fähre konnte den wilden Fluss nicht überqueren und der Diener, der einen Umweg von vielen Kilometern über eine Fußgängerbrücke machen musste, kam zu spät zu seinem Herrn. Dieser war wütend. „Du Dummkopf“, rief er, „wenn du dreimal den Namen Krishnas aussprichst, wirst du sehen, dass du kein Boot brauchst. Dann kannst du zu Fuß über den Fluss gehen!“

Am Nachmittag sah sich der Diener wieder derselben Situation gegenüber, da der Sturm nicht den Anschein erweckte, bald nachzulassen. Doch in seinem einfachen Glauben gehorchte er den Anweisungen seines Herrn. Aus der Tiefe seines Herzens sprach er den Namen Krishnas aus. Und siehe, welch ein Wunder! Er fühlte eine Kraft, die ihn zum Wasser drängte, und er konnte auf den Wellen gehen. So überquerte er den Fluss.

Als sein Herr dies vernahm, war er außer sich vor Freude. Schwellender Stolz erfüllte seine Brust. War es nicht sein Rat, der diesen Erfolg bewirkt hatte? „Ich wusste gar nicht, dass meine Ratschläge eine solche Macht haben“, dachte er und sagte sich: „Dieses Wunder will ich selbst erleben.“

So ging er zum Fluss, der mittlerweile wieder ruhig dahinströmte. Er sprach den Namen Krishnas dreimal vor sich hin und versuchte anschließend auf den Wellen zu gehen. Doch Furcht und Zweifel quälten sein ganzes Wesen und obwohl er den heiligen Namen Hunderte von Malen ausrief, scheiterte sein Versuch und er ertrank.

Was können wir von dieser Geschichte lernen? Der Diener besaß aufrichtigen Glauben an seinen Herrn. Er besaß auch innigen Glauben an Krishna, seinen Gott. Dieser unumstößliche Glaube an eine göttliche Macht war es, der ihn rettete und die Macht der Gnade Krishnas bewies.

In gleicher Weise kann auch ein Redner in seinen Zuhörern wahren Glauben erwecken, selbst wenn sein eigener Glaube sehr schwach ist. Aber nur wenn er selbst wahrhaft spirituell ist, kann er anderen Menschen wirklich bedeutend helfen. Wenn wir andere von der Wahrheit überzeugen wollen, muss unsere höchste Autorität ausschließlich von der unmittelbaren Erkenntnis der Wahrheit kommen und nicht von irgendeinem Buch. Im göttlichen Spiel spielen unerleuchtete Autoritäten die Rolle der Lampe, während die Erkenntnis der Wahrheit die Rolle des Lichtes spielt.

Frage: Würden Sie mir bitte einen Rat geben? Soll ich meine Frau und meine Kinder verlassen, um tiefer in das spirituelle Leben einzutauchen?

Sri Chinmoy: In Ihrem Fall glaube ich, dass Sie bei Ihrer Frau und Ihren Kindern bleiben sollten. Heute wollen Sie Frau und Kinder verlassen, morgen vielleicht Gott. Sie werden die Verwirklichung Gottes nicht erlangen, indem Sie sich von der Menschheit zurückziehen. Wenn Sie bei Ihrer Familie bleiben, wird Ihre Verwirklichung tiefer und erfüllender sein. Zwar ist es in einem bestimmten Stadium unserer spirituellen Reise notwendig, dem grob-physischen, materiellen Leben zu entsagen, doch in einem höheren Stadium ist es nicht länger erforderlich. Auf der höchsten Ebene suchen wir weder etwas, noch verzichten wir auf etwas.

Frage: Sind spirituelle Erfahrungen unbedingt notwendig, um Gott zu verwirklichen?

Sri Chinmoy: Nein. Viele Wege können zum selben Ziel führen. Auf einem Weg finden wir am Wegrand vielleicht viele schöne Blumen, bei einem anderen nur wenige und bei einem dritten Weg überhaupt keine. Wenn drei Sucher dem Bedürfnis und der Vorliebe ihrer Seele entsprechend drei verschiedene Wege wählen, so werden schließlich doch alle das letzte Ziel erreichen.

Natürlich geben Erfahrungen zusätzliches Selbstvertrauen. Sie schenken Ihnen Mut und spornen Sie an, immer weiter zu gehen. Auch schenken sie Ihnen enorme Freude. Und während Sie diese Erfahrungen haben, können Sie bisweilen die Anwesenheit eines unsichtbaren Führers in Ihrem inneren Wesen spüren, der Sie zum Licht der Wahrheit führt, damit Sie mit der vollen Verwirklichung gesegnet werden können.

Aber es ist auch möglich, ohne so genannte „Erfahrungen“ die volle, umfassende Verwirklichung zu erlangen. Ihr sich erweiterndes Bewusstsein ist, während Sie in Gott hineinwachsen, selbst bereits eine handfeste Erfahrung.

Frage: Warum glauben Sie an die Wiedergeburt? Ich weiß genau, dass ich zu Gott gehen werde, wenn ich sterbe. Und das ist alles.

Sri Chinmoy: Mein Freund, genauso wie Sie zu Gott gehen werden, wenn Sie den Körper verlassen, so werde auch ich es tun. Seien wir weise. Unsere Aufgabe ist es, zu Gott zu gehen. Es ist Gottes Angelegenheit, ob Er uns im Himmel behalten oder auf die Erde zurückschicken will. Das Beste für uns ist, uns Gott zu überantworten und es Ihm zu überlassen, uns auf Seine Weise zu erfüllen. Nachdem wir all unsere vorgefassten Ideen über die Existenz oder Nicht-Existenz der Wiedergeburt abgelegt haben, wollen wir das einzig Wichtige tun: in Sein Bewusstsein eintauchen und uns in Seinen Willen fügen.

Frage: Glauben Sie, dass sich der Mensch in jeder Inkarnation verbessert?

Sri Chinmoy: Ja, weil er sich bewusst oder unbewusst weiterentwickelt.

Frage: Gilt das Gesetz des Karmas für jedermann?

Sri Chinmoy: Das Gesetz des Karmas gilt grundsätzlich für jedermann; man kann jedoch durch Meditation darüber hinausgehen. Das Gesetz des Karmas existiert und doch kann man es durch Einssein mit Gott, die Verwirklichung Gottes und durch die Macht der Spiritualität überwinden.

Frage: Was ist besser: zu Gott zu beten oder Seinen Willen durch Arbeit zu erfüllen?

Sri Chinmoy: Diese Frage beantworte ich gerne. Die Antwort ist sehr einfach: Beide Wege - jener des Gebets und jener der Arbeit für Gott - sind von größter Bedeutung. Beide sind sichere Wege zu einem unausweichlichen Ziel, und dieses Ziel ist die Gottverwirklichung.

Frage: Sie sagten, man könne sich Gott auf verschiedene Weisen nähern: durch Taten, liebende Hingabe und Erkenntnis. Ist es für den Fortschritt eines Suchers von Vorteil, wenn er alle diese Eigenschaften besitzt?

Sri Chinmoy: Sicherlich ist es von Vorteil. Die dienende Haltung, jene der Hingabe und die Suche nach Erkenntnis werden uns gemeinsam helfen, auf harmonische Weise Fortschritt zu machen. An einem bestimmten Punkt in unserem Leben jedoch müssen wir herausfinden, welche der drei Weisen, uns Gott zu nähern, uns am meisten Freude und Inspiration schenkt, und ihr größere Aufmerksamkeit schenken. Jede Seele hat ihre eigene Art, Fortschritt zu machen. Es ist die Veranlagung unserer Seele, welche den Ausschlag dafür gibt, was uns hier auf der Erde am meisten Inspiration schenkt und auf welche Weise wir am schnellsten Fortschritt machen können. Wenn wir alle drei Wege annehmen, wird uns dies enorm helfen; gleichzeitig jedoch müssen wir dem Weg unserer eigenen Seele, dem Weg, der unsere tiefste Sehnsucht am meisten erfüllt, die größte Aufmerksamkeit schenken.

Frage: Könnten Sie bitte etwas über Meditation sagen?

Sri Chinmoy: Zuerst sollten Sie einige spirituelle Bücher lesen, in denen verschiedene Wege aufgezeigt werden, wie man mit dem Meditieren beginnen kann. Dann können Sie zu üben beginnen. Bald aber werden Sie feststellen, dass es nicht ausreicht, Bücher zu lesen. Sie werden spüren, dass Sie einen Lehrer brauchen, der weiß, welche Art der Meditation Ihrem Wesen und Ihrer Seele am meisten entspricht. Wenn Sie keinen Lehrer haben, können Sie zu Gott beten, Ihnen die Meditationsweise zu zeigen, die für Sie am besten geeignet ist. Während eines Traumes oder in einem stillen Augenblick wird Gott Sie dann fühlen lassen, was Sie tun sollten. Anschließend können Sie Ihre Reise beginnen.

Wenn Sie richtig meditieren, werden Sie im ganzen Körper eine Art Freude verspüren. Wenn Sie diese Freude nicht fühlen, sondern im Gegenteil eine geistige Verspannung, Verwirrung oder Unruhe verspüren, dann sollten Sie sich bewusst sein, dass diese Art der Meditation für Sie ungeeignet und nicht ratsam ist. Wenn Sie ein Gefühl spontaner innere Freude erhalten, dann ist die Meditation, die Sie praktizieren, richtig für Sie.

Frage: Wie kann man in engeren Kontakt mit seinem Selbst treten und die Geheimnisse seines inneren Selbst erfahren? Ich glaube, dass man durch die Meditation Antworten über sein inneres Selbst erhält. Ist das richtig?

Sri Chinmoy: Ja, in der Meditation und in der Konzentration. Beides wird helfen. Wenn Sie Ihr inneres Selbst und die inneren Mysterien Ihres Lebens und des universellen Lebens kennen lernen wollen, dann brauchen Sie Meditation und Konzentration.

Frage: Gibt es bestimmte feste Regeln, die man befolgen muss, um richtig zu meditieren?

Sri Chinmoy: Jeder hat seine eigene Art der Meditation. Manchmal geschieht es, dass jemand aus seinem Innern eine Anweisung bekommt, wie er meditieren soll. Mit anderen Worten, das innere Wesen kommt zum Vorschein und sagt ihm, er solle auf diese oder jene Weise beten oder meditieren, dieses oder jenes werde ihm helfen. Manchmal begegnet ein Sucher einem spirituellen Lehrer, der leicht alles über sein inneres und äußeres Leben wissen und sein Wachstum, seine Entwicklung und sein inneres Streben sehen kann. Dann kann ihm dieser spirituelle Lehrer sagen, wie und wann er meditieren soll.

Wenn Sie einen Lehrer haben, können Sie sich außerordentlich glücklich schätzen, besonders wenn es ein echter ist. Wenn Sie keinen Lehrer haben, aber aufrichtige innere Strebsamkeit besitzen, wird Ihnen Gott in Ihrem Herzen die richtige Art der Meditation zeigen. Nicht alle Menschen dieser Welt können einen spirituellen Lehrer haben. Was geschieht, wenn Sie keinen Lehrer finden? Wir alle sind Gottes Kinder. Gott will, dass wir alle Ihn verwirklichen. Wenn Sie also einen Lehrer haben, ist das wunderbar. Wenn nicht, dann gehen Sie tief in sich, um jene Art der Meditation zu entdecken, die Ihnen am meisten entspricht.

Frage: Sehr oft kann ich das innere Selbst nicht erkennen. Ich weiß nicht, ob die Stimme, die ich höre, die innere oder die äußere Stimme ist und das ist sehr verwirrend.

Sri Chinmoy: Ich verstehe Sie vollkommen. Doch wenn Sie einen Lehrer finden, der eine verwirklichte Seele ist, können Sie zu ihm gehen und herausfinden, ob Sie das Richtige tun. Wenn Sie keinen spirituellen Lehrer haben, gehen Sie bitte tief, tief in sich und schauen Sie, ob Sie eine Stimme hören oder einen Gedanken oder eine Idee erhalten. Dann dringen Sie tief in die Stimme, in den Gedanken oder in die Idee ein und schauen, ob er Ihnen ein Gefühl von innerer Freude oder innerem Frieden schenkt, in dem alle Fragen, Probleme oder Zweifel verschwinden. Wenn Sie diesen Frieden und diese innere Freude erhalten, können Sie fühlen, dass die Stimme, die Sie gehört haben, echt ist, dass es die wirkliche innere Stimme ist, die Ihnen in Ihrem spirituellen Leben helfen wird.

Frage: Was genau ist der Unterschied zwischen der Stimme der Stille und der Stimme des Yoga? Gibt es überhaupt einen Unterschied?

Sri Chinmoy: Es gibt einen Unterschied. Die Stimme der Stille gibt Ihnen ein ganz bestimmtes Teilwissen, eine ganz bestimmte Wahrheit. Wenn Sie in Ihr inneres Wesen eintauchen, in das innere Reich, wo die Stille wirklich existiert, und eine bestimmte Botschaft brauchen, dann erhalten Sie sie dort.

Doch Yoga umfasst alles; Yoga ist das gesamte Feld. Im Yoga erhalten Sie Stille. Sie erhalten aber auch Frieden, Licht und Macht. Sie erhalten alles. Die Stimme des Yoga ist für alle Sucher da, besonders aber für jene, die begonnen haben, das spirituelle Leben ernsthaft zu praktizieren. Die Stimme der Stille spricht zu einem bestimmten Sucher zu einer ganz bestimmten Zeit. Wenn Sie zum Beispiel während der Meditation tief in sich gehen, können Sie die Stimme der Stille hören. Doch die Stimme des Yoga können Sie jederzeit hören, ob Sie sich nun äußerlich oder innerlich bewegen. Da Sie das spirituelle Leben angenommen haben, werden Sie spirituelle Schwingungen, Gedanken, Ideen und Botschaften empfangen. Alle diese göttlichen Dinge werden durch die Stimme des Yoga zu Ihnen kommen.

Frage: Wenn ich zu meditieren versuche, entsteht vor meinem geistigen Auge ein Gefühl von Ozeanen und Wasser. Das macht mir Angst und ich kann dann nicht mehr gut meditieren. Wie kann ich meditieren, ohne dieses Gefühl zu bekommen?

Sri Chinmoy: Versuchen Sie bitte den Ozean als einen Teil von Ihnen zu sehen, als etwas in Ihrem inneren Wesen. Statt den Ozean mit seiner Brandung und seinen Wellen zu sehen, betrachten Sie ihn bitte als Ihr eigenes, weitestes Bewusstsein und werfen Sie sich in jenes weiteste und tiefste Bewusstsein hinein. Leider ist Ihre Haltung gegenüber dem Ozean falsch. Es gibt so viele Sucher, die versuchen, sich während ihrer Meditation das Meer vorzustellen, um ihr eigenes Bewusstsein so weit wie den Ozean zu machen. Wenn Sie dieses Bewusstsein wahrnehmen, sollten Sie sich glücklich schätzen.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht auf die Oberfläche des Ozeans, sondern gehen Sie ruhig und bewusst tief in den Ozean hinein, wo Sie Ihre wahre Wirklichkeit, nämlich vollkommene Ruhe und Stille finden werden. Versuchen Sie, Ihr eigenes Bewusstsein in die Weite des Ozeans zu werfen und Sie werden äußerst kraftvoll und erfolgreich meditieren können. Sie werden fähig sein, tief in sich mit dem in Kontakt zu treten, was Ihrer Seele am nächsten und liebsten ist.

Frage: Wann kamen Sie auf den Gedanken, dass es in Ihnen ein inneres Selbst gibt? Und wie nahmen Sie Verbindung auf mit Menschen, die sich ihres inneren Selbst noch nicht bewusst waren, nachdem Sie es in sich entdeckt hatten?

Sri Chinmoy: Ich habe seit meiner frühen Kindheit intuitiv gewusst, dass es in mir ein tieferes Selbst gibt. Jeder von uns hat ein inneres Selbst. Einige sind sich dessen bewusst, andere nicht. Jene, die sich dieses inneren Selbst bewusst sind, nennen wir spirituell fortgeschritten. Um eine Brücke zwischen der äußeren und inneren Welt, zwischen dem äußeren und dem inneren Wesen zu schlagen, schüren Sie das Feuer der Sehnsucht, des inneren Strebens. Dieses innere Streben basiert auf innerer und äußerer Selbstaufopferung.

Angenommen Sie haben Ihr inneres Selbst und Ihr inneres Leben gefunden und die Lösungen zu Ihren inneren Problemen entdeckt. Aber Ihr Nachbar ist sich des inneren Lebens und der inneren Welt in keiner Weise bewusst. Es wäre für Sie äußerst schwierig, sich mit ihm auf irgendeine Art innerlich zu verständigen. Er kann nicht in Ihr Bewusstsein eintreten, denn für einen gewöhnlichen Menschen ist dies sehr schwierig. Aber wenn Sie eine Brücke zu ihm schlagen wollen, können Sie während Ihrer Meditation oder Konzentration folgendes tun: Gehen Sie zuerst tief in sich und bringen Sie alle Ihre süßen, zarten und harmonischen Gefühle von dort hervor. Anschließend werfen Sie diese während Ihrer Meditation bewusst in diesen Menschen, in seinen Verstand, in seinen Körper und in sein Herz. Dann haben Sie eine Brücke zwischen ihm und Ihnen geschlagen.

In Ihrer inneren Welt sind Sie sicher. Ihre Verbindung mit der inneren Welt hat Ihnen enormes Vertrauen gegeben, um der äußeren Welt gewachsen zu sein. Nun können Sie zu diesem Menschen gehen und ihm über das spirituelle Leben und das innere Leben erzählen, das Ihnen wahres Glück schenkt. Dann kann er es für sich selbst versuchen.

Nähren Sie also zuerst Ihr inneres Wesen durch Meditation, so wie Sie einer Pflanze täglich Wasser geben. Dann können Sie mit Ihrer schöpferischen Manifestation in die äußere Welt treten, um eine Brücke zwischen Ihren inneren Errungenschaften und der äußeren Welt zu bauen, wo Ihre zukünftige Erfüllung stattfinden wird.

Frage: In der spirituellen Entwicklung gibt es sieben Bewusstseins-ebenen. Wie kann ich feststellen, auf welcher Ebene ich mich befinde?

Sri Chinmoy: Sie können erkennen, auf welcher Ebene Sie sich befinden, indem Sie Ihren äußeren Verstand in das Meer Ihres aufstrebenden Herzens werfen, dessen Quelle Bewusstsein ist. Dieses Bewusstsein ist der Lebensatem aller Ebenen. Wenn Sie es wahrnehmen, erkennen Sie unmittelbar, wo Sie waren, wo Sie jetzt sind und wie weit Sie noch zu gehen haben.

Sobald Sie sich Ihrer Ebene einmal gewahr sind, versuchen Sie bitte, alle Ihre täglichen Aktivitäten auf dieser Ebene auszuführen. Der leichteste und wirksamste Weg, von dieser Ebene aus zu handeln, besteht darin, Ihr äußeres Wesen zu einem bewussten und ergebenen Instrument Ihrer inneren Schau und Ihres inneren Willens zu machen.

Nehmen wir in Ihrem Fall an, dass Sie vom intuitiven Verstand her handeln wollen. Wenn Sie diese Ebene einmal gesehen haben und sich ihrer gewahr sind, können Sie versuchen, durch das innere Streben Ihres Herzens und Ihren entschlossenen Willen dort zu verbleiben. Dies ist der wahre Weg, um Meisterschaft über eine bestimmte Ebene zu erlangen.

Frage: Sie gebrauchen sehr oft das Wort ‘Bewusstsein’. Was bedeutet es genau?

Sri Chinmoy: Ich werde Ihnen eine sehr einfache Definition geben. Bewusstsein ist jener Lebensfunke, der jeden von uns mit dem universellen Leben verbindet. Es ist der Faden, der uns mit dem Universum in Einklang bringt. Wenn wir ins Transzendente fliegen wollen, brauchen wir den Faden des Bewusstseins.

Bewusstsein ist ein Funke, der uns in das Licht eintreten lässt. Es ist unser Bewusstsein, das uns mit Gott verbindet. Es ist das Bindeglied zwischen Gott und dem Menschen, zwischen dem Himmel und der Erde.

Frage: Können wir unser Bewusstsein beherrschen?

Sri Chinmoy: Ein gewöhnlicher Mensch hat keine Herrschaft über sein Bewusstsein, aber ein spiritueller Mensch kann sein Bewusstsein beherrschen. Er versucht, ein besseres, höheres Leben zu führen, und so bringt er das Licht des Jenseits in die Dunkelheit der Welt herab.

Frage: Wie kann ich an meinem Bewusstsein arbeiten?

Sri Chinmoy: Denken Sie nicht daran, irgendetwas zu tun. Halten Sie einfach die Türe Ihres Bewusstseins offen, aber beobachten Sie, ob es ein Dieb oder ein Freund ist, der eintreten will. Lassen Sie nur herein, wen Sie hereinlassen wollen. Lassen Sie niedere Gedanken draußen. Öffnen Sie die Türe für die höheren, edleren Gedanken. Dies ist der erste Schritt bei Ihrer Arbeit am Bewusstsein. Die nachfolgenden Schritte werden sich von innen her ergeben.

Frage: Was ist die Bedeutung von AUM?

Sri Chinmoy: AUM ist ein Wort, eine Silbe aus dem Sanskrit. Ein Sanskritwort oder eine Sanskritsilbe hat eine besondere Bedeutung und eine schöpferische Macht. AUM ist die Mutter aller Klänge. Wenn wir AUM singen, geschieht folgendes: Wir bringen Frieden und Licht von oben herab und erschaffen eine universale Harmonie in und um uns. Wenn wir AUM wiederholen, wird unser inneres und äußeres Wesen inspiriert und von einem Gefühl der Göttlichkeit und innerer Strebsamkeit durchdrungen. AUM ist unvergleichlich. AUM hat unendliche Macht. Allein durch das Wiederholen von AUM können wir Gott verwirklichen.

Wenn Sie AUM wiederholen, versuchen Sie bitte zu fühlen, dass Gott in Ihnen auf- und absteigt. Hunderte von Suchern in Indien haben nur durch das Wiederholen der Silbe AUM Gott verwirklicht. AUM ist das Symbol Gottes, unseres Schöpfers.

Beobachten Sie bitte, was geschieht, wenn Sie AUM wiederholen. Wenn Sie den Namen einer Katze, eines Hundes oder eines Affen oder selbst eines gewöhnlichen Menschen wiederholen, so wird Ihnen das keine Inspiration schenken. Doch wenn Sie AUM wiederholen, das Symbol des Schöpfers, das den Lebensatem des Schöpfers verkörpert, wächst in Ihrem Innern sofort ein Gefühl, das Sie innerlich und äußerlich anregt, Ihre Sicht zu erweitern und Ihr Leben hier auf der Erde zu erfüllen. Dies ist das ganze Geheimnis von AUM. Wenn Sie Ihr ganzes Leben lang ein Geheimnis hegen wollen, dann haben Sie es hier: Wiederholen Sie seelenvoll AUM und alles gehört Ihnen.

Frage: Ist es besser auf AUM oder auf Gott zu meditieren?

Sri Chinmoy: Für alles gibt es den richtigen Zeitpunkt. Gerade habe ich Ihnen die Bedeutung von AUM erklärt und kurz zuvor habe ich zu Ihnen über Gott gesprochen. Sie müssen wissen, in welches Wort Sie mehr Vertrauen haben. Bei einem Menschen kommen all seine Liebe, sein Vertrauen und seine Hingabe zum Vorschein, wenn er „Gott“ sagt, bei jemand anderem muss das nicht so sein. In Ihrem Fall hatte ich Ihnen geraten, den Namen Gottes zu wiederholen, da Sie in die Kirche gehen und auf christliche Weise beten. In Ihrer Kultur ist der Name „Gott“ gebräuchlich.

In Indien wiederholen wir AUM oder den Namen einer Gottheit oder einer Göttin, wie zum Beispiel Shiva, Krishna oder Kali. Das Wichtigste ist, dass Sie wissen, in welchen Aspekt des Höchsten Sie vollkommenes Vertrauen haben. Als ich zu Ihnen über Gott gesprochen habe, hatte ich das Gefühl, dass Sie ihr ganzes Leben hindurch dazu angehalten wurden, zu Gott zu beten. Heute nun erfahren Sie die große Wirkung und Bedeutung von AUM. Eines Tages werde ich mit Ihnen meditieren und sehen, ob Gott, AUM, Supreme, Unendlichkeit oder ein anderer Aspekt des Absoluten Sie am meisten inspiriert. Das Wichtigste ist immer die Inspiration, die Ihnen der jeweilige Aspekt schenkt.

Frage: Ist Gott ein mentales Wesen?

Sri Chinmoy: Wir haben einen physischen Körper und einen Verstand. Genauso können wir uns Gott als physisches Wesen vorstellen, das einen Verstand besitzt wie wir auch. Die Menschen stellen sich Gott oft als gigantischen Verstand vor und meinen, Er würde wie sie mit dem Verstand arbeiten. Bis heute ist der Verstand die größte Errungenschaft der Menschheit. Mit Hilfe des Verstandes haben die Wissenschaft und unsere physische Welt enorme Fortschritte gemacht. Da der Verstand bis jetzt unsere höchste Errungenschaft war, neigen wir dazu, uns Gott als ein Wesen mit einem äußerst hoch entwickelten Verstand vorzustellen. Aber Gott ist kein mentales Wesen. Gott handelt nicht vom Verstand aus. Er braucht keine geistigen Formulierungen wie wir, um danach zu handeln. Gott muss Seine Ideen nicht auf mentale Weise formulieren. Gewöhnlich denken die Menschen, bevor sie handeln. Im Falle Gottes jedoch ist es anders. Er gebraucht Seine Willenskraft, die gleichzeitig sieht, handelt und sich entfaltet. Gottes Sehen, Handeln und Werden geschehen unmittelbar und gleichzeitig.

Frage: Eine alte Weisheit sagt: „Wohin du deine Füße wendest, dahin wendet sich der Pfad“. Kann uns der Glaube daran wirklich zum Erfolg führen?

Sri Chinmoy: Das ist gut möglich. Wir glauben, zuerst einen Plan haben zu müssen, um in der Zukunft Erfolg haben zu können, indem wir nach diesem Plan vorgehen. Wir arbeiten hart mit unserem Verstand. Der Verstand sagt: „Ich muss etwas erreichen. Ich muss darüber nachdenken, wie ich meinen Plan umsetzen kann.“ Aber Gott tut das nicht. Gott sieht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft auf einen Blick. Wenn wir eins mit Gott sind, wenn wir uns durch beständiges inneres Streben mit dem Bewusstsein Gottes identifizieren, dann wird alles, was wir tun, spontan geschehen. Dann brauchen wir den Verstand nicht, sondern können immer von unserem inneren Bewusstsein her handeln, aus unserer intuitiven seelischen Kraft heraus. Wenn wir diese intuitive seelische Kraft entwickeln, können wir leicht ohne Plan handeln. Dann wird die Möglichkeit der zukünftigen vollständigen Manifestation in jedem Augenblick vor unseren Augen Gestalt annehmen.

Im Moment denken wir, dass sich gewisse Möglichkeiten in Bezug auf unsere Hoffnungen und Bestrebungen innerhalb von, sagen wir, zehn oder zwanzig Tagen manifestieren werden. Doch wenn wir mit Gottes Bewusstsein eins sind, ist dies mehr als eine Möglichkeit. Es ist eine Unvermeidlichkeit, etwas, das schon vollbracht ist. Die Vision und ihre Erfüllung fallen zusammen. Im gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein ist die Vision eine Sache und deren Erfüllung eine ganz andere. Aber wenn wir mit Gottes Bewusstsein eins sind, sind Vision und Erfüllung untrennbar miteinander verbunden.

Frage: Ich habe noch eine Frage über die Vision und ihre Erfüllung. Wie weiß man, ob man eine richtige ‘Vision’ hat?

Sri Chinmoy: Beziehen Sie sich auf sich selbst oder fragen Sie allgemein? Wenn Sie sich auf sich selbst beziehen, kann ich es Ihnen leicht sagen. Ich weiß, dass es in Ihrer Meditation Zeiten gibt, wo Sie tief in sich gehen und Ihre innere Stimme Ihnen, einer plötzlichen Eingebung folgend, sagt, dass etwas bereits getan worden ist. Ihr Verstand kommt nicht und drängt dieser Stimme seine Ideen auf, indem er sagt: „Pass auf, das könnte ein Fehler sein! Tu das nicht, sonst wird in der Zukunft vielleicht dieses und jenes geschehen“ etc. Der Verstand mischt sich hier nicht ein. Sie können sicher sein, dass eine solche Vision, die Sie in tiefer Meditation erhalten, richtig ist und ganz spontan ihre eigene Erfüllung hervorbringen wird.

Frage: Sie sprachen über die Vision ohne den Verstand. Ist dies dasselbe wie Intuition?

Sri Chinmoy: Sie können es entweder Intuition oder die direkte Wahrnehmung der Wahrheit nennen, die keinerlei Hilfe von Seiten des Verstandes bedarf. Es ist Wissen ohne Gedanken oder gedankliche Form, direkt und spontan. Es lässt Sie unmittelbar fühlen, was es ist. Normalerweise sehen Sie etwas und dann geben Sie ihm eine gedankliche Form und sagen: „Das ist es.“ Doch die Intuition lässt Sie einfach Ihre wahre Existenz fühlen. Intuition birgt gleichermaßen die Tiefe der Vision und den Reichtum der Verwirklichung in sich.

Frage: Ist der Verstand selbst eine Art Maschine, die das Höhere mit dem Niedrigeren verbindet?

Sri Chinmoy: Der Verstand ist ein Bindeglied. Durch den Verstand können Sie in die Bereiche weit jenseits des Verstandes gehen. Zugleich können Sie über den Verstand zu Ihrem vitalen Wesen, Ihrem niederen Vitalen gelangen. Der Verstand ist ein Kanal, der uns mit dem verbindet, was darüber und darunter ist.

Frage: In den alten Büchern spricht man von Nama-Rupa, Name und Form. Dies ist aber nicht wirklich Gott. Es sind menschliche Wortschöpfungen. In dem Wort selbst liegt keine Wirklichkeit, oder doch?

Sri Chinmoy: Sie wissen vielleicht, dass sich die Semantik sehr eingehend mit diesem Problem beschäftigt. Wir wissen, dass nicht das Wort selbst uns die meisten Schwierigkeiten bereitet, sondern die Vorstellung, die wir mit diesem Wort verbinden. Nicht das Wort an sich besitzt einen inneren Wert, sondern die Vorstellung, die uns das Wort vermittelt. Jedoch sind gewisse spirituelle Worte mit einer Bedeutung, einem Zustand oder einem Bewusstsein aufgeladen, das sich in ihnen seit Tausenden von Jahren durch ihre spezielle spirituelle Verwendung entwickelt hat. Wenn wir tief in die Bedeutung eines solchen Wortes eindringen und den Lebensatem des Wortes enthüllen und seine innere Wirklichkeit auf der äußeren Ebene manifestieren, dann erfüllt das Wort seinen Zweck sowohl innerlich wie auch äußerlich.

Wenn wir uns diesem Wort-Problem von der spirituellen Seite her nähern, bewegen wir uns von der Form zum Formlosen. Wir müssen durch das Endliche zum Unendlichen gelangen. Das ist die göttliche Logik. Am Anfang hat die Form einen unvergleichlich großen Wert, am Ende aber nicht unbedingt. Für einen Anfänger auf dem spirituellen Pfad ist die Form, die Gestalt absolut notwendig; die Form bedeutet ihm alles. So sagen wir zum Beispiel am Anfang, Gott habe eine Gestalt. Doch wenn der Sucher tief in sich geht und sieht, dass Gott weder ein menschliches noch ein geistiges Wesen ist, sondern ein weites, unendliches Bewusstsein, dann geht er über die Form hinaus zum Formlosen und kann Gott als unendliches Bewusstsein erfahren. Auf der anderen Seite kann Gott, da Er unendlich ist, auch endlich sein. Sonst wäre Er nicht unendlich. Er ist allmächtig, weil Er zugleich im winzigen Atom und im weiten Universum leben kann.

Frage: Sri Chinmoy, in der Hindu-Tradition spricht man davon, dass das Atman dem Brahman, das heißt die individuelle Seele der universellen Seele, ebenbürtig sei. Jesus Christus hat einmal gesagt: „Ich und mein Vater sind eins.“ Bedeuten diese beiden Aussprüche, die aus zwei verschiedenen Traditionen kommen, aus spiritueller Sicht ein und dasselbe?

Sri Chinmoy: Ja, es sind dieselben Aussagen. Atman und Param-atman sind die individuelle Seele und das Höchste Selbst. Gott steigt herab in die Manifestation und nimmt die Form einer individuellen Seele an, dem Atman. Im Verlaufe ihrer Evolution erreicht die individuelle Seele das Höchste Selbst und wird selbst zum Paramatman. Um sich vollständig und allumfassend in der materiellen Welt zu erfüllen, braucht Gott die individuelle Seele.

Diese beiden Aussagen bedeuten ein und dasselbe. Als Christus sagte: „Ich und mein Vater sind eins“, war es, als hätte er gesagt, der Atman und Paramatman seien eins. Deshalb sagen wir in Indien „Atmanam Viddhi“ - erkenne dich selbst. Wenn wir uns selbst erkennen, dann haben wir Gott erkannt, denn in Wirklichkeit gibt es keinen Unterschied zwischen uns und Gott. Selbsterkenntnis ist Gotteserkenntnis und Gotteserkenntnis ist Selbsterkenntnis. Dies ist auch die Bedeutung von „Soham asmi“ - Er ist ich, und „Aham Brahma“ - ich bin das Brahman. Im selben Sinne haben sämtliche esoterische Traditionen immer betont, dass wahres Wissen durch das Suchen im Inneren gefunden wird. Darum sagte Jesus: „Das Himmelreich ist in euch.“

Frage: Würden Sie diese Aussage „das Himmelreich ist in euch“ bitte noch näher erläutern?

Sri Chinmoy: Als erstes möchte ich sagen, dass die Wissenschaft viel zu der allgemeinen Ansicht beigetragen hat, der Himmel sei ein Ort außerhalb von uns. Die Wissenschaft hat die bewussten und unterbewussten Ebenen des menschlichen Denkens deutlich beeinflusst. Die westliche Auffassung des zwanzigsten Jahrhunderts über den Himmel hat die Menschheit in die falsche Richtung geführt.

Das Himmelreich ist etwas, das wir fühlen und nicht etwas, das wir beweisen können. Die Wissenschaft kann viele Dinge beweisen, doch das Himmelreich ist eine Sache unserer eigenen inneren Errungenschaft. Wenn wir das Himmelreich in uns erkannt haben, werden uns andere anschauen und spüren, dass wir etwas Unübliches, Unirdisches und Erhabenes an uns haben. Weil wir das Himmelreich in uns gesehen und gefühlt haben und selbst besitzen, werden sie uns als ein völlig verwandeltes, außerordentliches Wesen betrachten.

Es erübrigt sich zu sagen, dass es unser inneres Streben, unser aufsteigender innerer Schrei ist, der uns zu diesem Himmelreich führt. Das Himmelreich ist eine Ebene voller Frieden und Glückseligkeit. Wir fühlen es, wenn wir tief in uns weilen und unser egozentrisches, individuelles Bewusstsein transzendieren. Je höher wir über unser begrenztes Bewusstsein hinausgehen, desto schneller gelangen wir in unser tiefstes, unendliches Bewusstsein und desto vertrauter sehen, fühlen und besitzen wir das Königreich des Himmels in uns selbst.

Das Himmelreich ist natürlich mehr als nur eine gewöhnliche Bewusstseinsebene. Es ist eine Ebene göttlichen Bewusst-seins, ein Zustand der Verwirklichung. Es verkörpert Sat-Chit-Ananda. Sat ist göttliche Existenz, Chit ist göttliches Bewusstsein und Ananda ist göttliche Glückseligkeit. Wenn wir tief nach innen gehen, fühlen wir diese drei zusammen und wenn wir die Fähigkeit der inneren Schau erlangen und sie alle gleichzeitig wahrnehmen können, dann leben wir wahrhaftig im Königreich des Himmels. Sonst ist Existenz an einem Ort, Bewusstsein an einem anderen und Glückseligkeit nirgendwo auch nur in der Nähe der ersten beiden zu finden. Wenn wir Existenz-Bewusstsein-Glückseligkeit auf derselben Ebene sehen und fühlen, jedes die anderen ergänzend und erfüllend, dann können wir sagen, dass wir im Himmelreich leben. Ja, das Himmelreich ist in uns. Wir können es nicht nur fühlen, sondern wir können ohne den geringsten Zweifel zu ihm werden.

Frage: Was genau ist das Ego?

Sri Chinmoy: Das Ego ist das, was uns in allen Lebensbereichen begrenzt. Wir sind Gottes Kinder; wir sind eins mit Gott. Doch das Ego vermittelt uns das Gefühl, dass wir nicht zu Gott gehörten, dass wir Gott gegenüber wahre Fremde sind. Bestenfalls gibt es uns das Gefühl, dass wir zu Gott gehen, nicht aber, dass wir in Gott sind.

Das gewöhnliche, menschliche Ego gibt uns das Gefühl einer getrennten Identität, eines getrennten Bewusstseins. Zweifellos ist ein gewisses Maß an Individualität und Selbstwertgefühl an einem bestimmten Punkt der menschlichen Entwicklung notwendig. Aber das Ego trennt unser individuelles Bewusstsein vom universellen Bewusstsein. Die Funktion des Egos ist Trennung. Zwei Dinge zur selben Zeit auf derselben Ebene zu betrachten, schenkt ihm keine Befriedigung. Es glaubt immer, das eine müsse dem anderen überlegen sein. Deshalb vermittelt uns das Ego das Gefühl, voneinander getrennte Schwächlinge zu sein, denen es nie möglich sein wird, das unendliche Bewusstsein zu verkörpern oder zu besitzen. Letzten Endes bedeutet das Ego Begrenzung. Diese Begrenzung ist Unwissenheit und Unwissenheit ist Tod. So endet das Ego schließlich im Tod.

Frage: Wie wurde das Ego geboren? Wie entstand es?

Sri Chinmoy: Das Ego entstand aus Begrenzung. Sobald die Seele in das physische Bewusstsein oder in die physische Welt eintritt, befindet sie sich in einer seltsamen, fremden Umgebung. Obwohl sie eine Flamme des Göttlichen und in Wirklichkeit allmächtig ist, findet sich die Seele am Anfang nur sehr schwer mit der Welt zurecht und auch später noch, wenn der Mensch älter wird, muss die Seele häufig unangenehme Erfahrungen auf sich nehmen, nur um in der physischen Welt zu bleiben und, was wichtiger ist, um das Göttliche hier auf Erden zu begründen.

Das Ego erhält jeden Tag die Gelegenheit, selbständig zu handeln, und wird von Tag zu Tag stärker, bis es sich völlig von der Quelle seiner absoluten, göttlichen Erfüllung - der Seele - trennt. Das Ego möchte das Göttliche im Menschen erdrücken und verhungern lassen. Es wird von der Unwissenheit der physischen Welt genährt. Auch das Göttliche nährt am Anfang das Ego. Später jedoch erleuchtet und verwandelt es das Ego in ein vollkommenes Instrument Gottes.

Frage: Wie können wir das Ego schwächen und schließlich unterwerfen?

Sri Chinmoy: Wir schwächen es, indem wir an Gottes alldurchdringendes Bewusstsein denken. Dieses Bewusstsein ist nicht etwas, das wir erlangen müssen. Dieses Bewusstsein ist bereits in uns; wir müssen uns seiner nur gewahr werden. Darüber hinaus müssen wir es während unserer Meditation in unendlichem Maße entwickeln und erleuchten. Zu unserer großen Überraschung wird das Ego dann im Schoße des Todes begraben werden.

Teil 2: Abschnitt 2. Fragen gestellt von Kindern

Frage: Guru, ich möchte dich etwas fragen. Wenn ich ein Ei zerbreche, kann Gott es wieder zusammensetzen?

Sri Chinmoy: Sicher kann Er das. Gott kann alles tun, was Er will.

Frage: Kannst du es tun?

Sri Chinmoy: Nein, Shannon, tut mir leid. Dein Guru kann das nicht tun. Doch wenn Gott mir die Fähigkeit dazu gibt, kann ich es ohne weiteres tun.

Frage: Kann ich es tun?

Sri Chinmoy: Warum nicht? Wenn dir Gott die Fähigkeit dazu gibt, kannst du ohne weiteres ein zerbrochenes Ei wieder zusammensetzen. Es wird ein Tag kommen, wo du, ich und jedermann die gleichen Fähigkeiten haben werden, die Gott jetzt hat.

Frage: Ist es wahr, dass jeder ein Yogi werden kann, wenn er es wirklich versucht?

Sri Chinmoy: Was meinst du mit wirklich? Wenn du aufrichtig meinst, dann kann sicher jeder ein Yogi werden.

Yoga bedeutet Vereinigung mit Gott. Ein Yogi ist jemand, der mit Gott eins ist. Früher oder später werden alle Menschen Gott verwirklichen. Aber derjenige, der Yoga praktiziert, erreicht Gott eher. Wenn du selbst eine Yogini werden und Gott verwirklichen willst, dann beginne heute noch zu beten. Besonders wenn du Gott vor der übrigen Menschheit erreichen willst, darfst du nicht zaudern.

Wie soll man nun beten? Wenn du Gott heute um Süßigkeiten bittest, wirst du Ihn morgen um Eis und übermorgen um etwas anderes bitten. Und Gott wird dir alles geben, was du willst, nur nicht Sich selbst. Doch wenn du zu Gott nur um Seiner Selbst willen betest und für nichts anderes, wird Er dir alles geben - alles, was Er hat und alles, was Er ist. Wenn du alles erhältst, was Er hat und was Er ist, wirst du nicht nur deine Süßigkeiten und dein Eis und alles andere, was du wolltest, erhalten, sondern auch Sachen, die du dir nie vorgestellt hast, Dinge, die unendlich sind. Bete daher jeden Tag zu Gott, dass Er dir gibt, was du brauchst, und nicht, was du willst. Dann wird Er dir geben, was du wirklich brauchst, um mit Ihm eins zu werden.

Frage: Wie sieht Gott aus?

Sri Chinmoy: Wenn ich dich ansehe, sieht Gott genauso aus wie du. Wenn ich deine Mutter ansehe, sieht Gott genauso aus wie deine Mutter. Und wenn ich jemand anders ansehe, dann sieht Gott aus wie er. Wenn ich in mich selbst hineinschauen würde, würde ich feststellen, dass Gott wie Chinmoy aussieht. Auch wenn du das jetzt noch nicht siehst - wenn du einmal fähig bist, tief in dich hineinzuschauen, wirst du wissen, dass niemand von uns von Gott getrennt ist.

Ich halte nun meine zwei Finger zusammen. Wie du siehst, kann ich sie auseinander spreizen, wenn ich will. Aber wenn die Finger du und Gott wären, könnte ich sie nicht voneinander trennen, wie sehr ich auch wollte. Im Gegenteil, je mehr ich versuchen würde, euch zu trennen, desto fester würdet ihr zusammenkleben.

Weil Gott in dir ist, sieht Gott genauso aus wie du. Im Augenblick bist du Gott in einer verschleierten Form. Du hast eine Maske aufgesetzt, aber ich sehe durch die Maske hindurch. Eines Tages wirst du Gott in entschleierter Form sein. Du wirst die Maske ablegen und wir werden dich als den manifestierten Gott, den offenen Gott sehen.

Frage: Warum kannst du Gott sehen und ich nicht?

Sri Chinmoy: Das ist eine wirklich gute Frage. Du schaust mich jetzt mit offenen Augen an. Du schaust mich an und du kannst mich sehen. Jetzt (Sri Chinmoy legt seine Hände auf ihre Augen) habe ich deine Augen geschlossen. Kannst du mich sehen? Nein, du kannst mich nicht sehen. Wenn deine Augen zu sind, kannst du niemanden sehen. Aber wenn deine Augen offen sind, kannst du mich sehen, deinen Vater, deine Freunde und alle anderen.

Du hast aber noch ein anderes Auge, das in der Mitte zwischen deinen Augenbrauen ist und noch ein wenig höher. Es ist dein inneres Auge, dein Drittes Auge. Bei mir ist dieses Dritte Auge offen. Ich halte es offen. So kann ich Gott sehen und alles, was in anderen ist. Uns so wie du nichts sehen kannst, wenn deine beiden Augen geschlossen sind, so kannst du auch Gott nicht sehen, weil dein Drittes Auge geschlossen ist.

Wenn du jeden Tag zu Gott betest, dann wird sich dieses innere Auge eines Tages öffnen. Steh früh am Morgen auf, öffne deine zwei gewöhnlichen Augen und schau deine Mutter an und deinen Vater und alles, was in deinem Zimmer ist, und dann bete zu Gott. Eines Tages wirst du feststellen, dass sich dank deiner Gebete dein Drittes Auge geöffnet hat, und du wirst Gott so sehen können, wie du jetzt mich siehst.

Teil 2: Abschnitt 3. Fragen über die Seele

Frage: Ist die Seele zu Lebzeiten eines Menschen immer bei ihm oder kann sie ihn zeitweise verlassen oder sich gar woanders heimisch machen?

Sri Chinmoy: In der Regel bleibt die Seele zu Lebzeiten eines Menschen immer bei ihm. Sie kann den Körper jedoch für einige Minuten, höchstens aber einige Stunden verlassen, während der Betreffende schläft. Dies kann auch in einem tiefen Stadium der Meditation geschehen. Dann kann man seinen Körper sehen, sei es als Leichnam, als dynamischen Körper, als Lichtstrahl, der der Seele gegenübersteht, oder auf viele andere Weisen. Zu dieser Zeit sieht man den Körper natürlich mit dem Auge seiner eigenen Seele.

Frage: Geht die Seele eines Menschen im Schlaf auf Reisen?

Sri Chinmoy: Ja. Die Seele reist zu verschiedenen Bewusstseins-ebenen. Es gibt sieben höhere und sieben niedere Welten. Gewöhnlich reist die Seele während des Schlafes in diese Welten. Fast alle Seelen sind in der glücklichen Lage, Zutritt zu einigen dieser Welten zu haben. Doch nur sehr wenige Leute sind sich dieser Erfahrungen bewusst, während sie sich ereignen, oder erinnern sich nach dem Erwachen an sie.

Frage: Können sich der Körper und das Bewusstsein eines Menschen während seines Lebens so verändern, dass eine feinere Seele in ihn eintreten kann?

Sri Chinmoy: Es tritt keine feinere Seele in ihn ein. Aber wenn sich der Körper und das Bewusstsein eines Menschen völlig umwandeln, dann wird die Seele, die er bereits besitzt, in der Lage sein, ihre göttliche Aufgabe hier auf der Erde in all ihrer himmlischen Vollkommenheit höchst wirkungsvoll zu erfüllen.

Frage: Bewirkt eine Veränderung im Leben - wie zum Beispiel innere Reinigung - auch eine Veränderung der Seele?

Sri Chinmoy: Es ist dieselbe Seele, die zuvor die Unwissenheit angenommen hat und nun näher an ihre eigene göttliche Fülle und göttliche Offenbarung herankommt, indem sie den Schleier der Unwissenheit lüftet.

Frage: Wenn wir uns in die Gedanken eines anderen Menschen versetzen, geschieht es, dass wir gleichzeitig auch mit seinen Gemütsbewegungen „mitschwingen“. Ist es eine wirksame Übung, sich in Einklang mit jemandem zu bringen, von dem wir glauben, dass er in der Tiefe seines Wesens, seiner Seele, gefestigt ist - zumindest bis zu unserer eigenen spirituellen Entfaltung?

Sri Chinmoy: Zuerst müssen wir uns über den Gebrauch des Wortes „psychisch“ im Klaren sein. So wie ich es verwende, ist „psychisch“ kein Synonym für „okkult“, sondern gehört zum psychischen Wesen. Das psychische Wesen ist zumindest ein göttlicher Funke; darin gibt es keine Gemütsbewegungen. Gewöhnlich schwingen wir mit den vitalen oder mentalen Bewegungen anderer mit. Es ist sicher eine wirksame Übung, uns auf die Schwingungsebene einer erleuchteten Seele zu begeben. Dies ist besonders am Anfang der spirituellen Praxis empfehlenswert, bis man die Fähigkeit hat, sich alleine spirituell zu entfalten. Deshalb sagen wir, dass Sie mit Frieden überflutet werden, wenn Sie ruhig und still bleiben und den göttlichen Gedanken Ihres spirituellen Führers erlauben, in Sie einzudringen. Diese Art des Mitschwingens ist nicht nur eine wirksame und richtige Übung, sondern sie ist wesentlich für jemanden, der sich unter die Führung eines spirituellen Meisters gestellt hat.

Frage: Wie weiß man, ob die eigene Seele glücklich ist?

Sri Chinmoy: Als erstes muss man wissen und fühlen, wo die Seele wohnt, das heißt ihren Sitz im Körper kennen. Um die Seele zu kennen und zu fühlen, muss man innerlich streben. Auf der inneren Reise, besonders in Momenten der glühenden inneren Sehnsucht, kann man tatsächlich erfahren, ob die Seele glücklich ist oder nicht. Man wird fühlen, dass die Seele nur dann glücklich ist, wenn man innen und außen Freude sieht und fühlt, und auch, wenn man an Gottes Schöpfung und an Gottes göttlicher Fügung keinen Fehler findet.

Frage: Weint die Seele, wenn sie unglücklich ist?

Sri Chinmoy: Nein. Die wirkliche Seele, die ein Teil des kosmischen Selbst ist, ist reine Wonne. Da sie nicht im menschlichen Sinne des Wortes unglücklich sein kann, weint sie nicht. Es ist das unbefriedigte und begehrende Vitale, das wir oft mit der Seele verwechseln, das unglücklich ist und jämmerlich weint.

Frage: Kann die Seele in Träumen sowohl als alte, runzelige, weise Frau, wie auch als kleines Kind, das gerade sprechen lernt, erscheinen?

Sri Chinmoy: Ja. Die Seele kann in Träumen sowohl als alte Frau, wie auch als kleines Kind erscheinen. Um dem äußeren Wesen eine bestimmte Erfahrung zu geben, kann die Seele in Träumen jede Form annehmen. Man kann die allmähliche göttliche Reifung der Seele mit dem allmählichen Wachstum eines Samens zu einem Baum vergleichen.

Frage: Ist die Seele sowohl männlich wie weiblich?

Sri Chinmoy: Die Seele ist weder männlich noch weiblich. Aber wenn die Seele zu Beginn ihrer menschlichen Reise einen weiblichen Körper annimmt, dann wird sie in allen zukünftigen Inkarnationen einen weiblichen Körper annehmen. Das gleiche gilt für den männlichen Körper. Es ist fast unmöglich, das Geschlecht zu wechseln. In der gesamten Menschheitsgeschichte hat es hier nur sehr wenige Ausnahmen gegeben.

Frage: Sucht sich die Seele in jeder Inkarnation ihren Körper selbst aus?

Sri Chinmoy: Ja. Die Seele trifft die Entscheidung bei der Wahl eines neuen Körpers, aber mit der direkten Zustimmung Gottes oder des Selbst. Die Wahl wird so getroffen, dass der Seele in jeder Inkarnation die Möglichkeit gegeben wird, mehr und mehr von ihrer inneren Göttlichkeit zu manifestieren und den Willen des Göttlichen hier auf Erden zu erfüllen.

Frage: Muss sich die Seele dem kosmischen Selbst unterordnen?

Sri Chinmoy: Ja. Jeder Mensch hat eine individuelle Seele. Diese Seele muss sich dem Selbst unterordnen, dem Selbst, das wir in Indien Paramatman nennen und das nicht manifest ist. Dieses Selbst nimmt weder eine menschliche Inkarnation an, noch tritt es in die Schöpfung ein, während die Seele einen menschlichen Körper annimmt und dadurch Beschränkung, Unvollkommenheit und Unwissenheit auf sich nimmt. Diese individuelle Seele, die einen menschlichen Körper annimmt, ist nicht alldurchdringend, allwissend und allmächtig, im Gegensatz zum Selbst. In ihrer Aufwärtsentwicklung kann die Seele aber eines Tages im Selbst aufgehen und ebenso machtvoll werden wie das Selbst.

Frage: Erhält die Seele im Laufe ihrer Entwicklung neue Anweisungen oder deckt sie lediglich auf, was sie schon immer gewusst hat?

Sri Chinmoy: Wenn Sie statt „Anweisung“ „Erfahrung“ sagen, ist die Frage genauer. Nur Gott oder das kosmische Selbst kann die Seele anweisen. Die Seele enthüllt, was sie schon immer gewusst hat. Zugleich aber wächst sie und bereichert sich selbst, indem sie die göttliche Essenz ihrer irdischen Erfahrungen in sich aufnimmt. Gleichzeitig wird sich das physische Bewusstsein mehr und mehr der unbegrenzten Fähigkeiten der Seele bewusst. Im Wesentlichen enthüllt die Seele, die ja eins mit Gott ist, was sie bereits gewusst hat. Aber im Verlauf der Evolution kommen ihr Wachsen und Wissen, Wissen und Wachsen zusammen und sind sich ergänzende Abläufe im Schoße der Höchsten Wahrheit.

Frage: Kann sich die Seele einsam fühlen? Und wenn ja, wie unterscheidet sich dies von unserem oberflächlichen Bedürfnis, in der Gesellschaft anderer Leute zu sein, ganz gleich, ob wir sie mögen oder nicht, einfach weil wir jemanden brauchen, um uns zu unterhalten?

Sri Chinmoy: Die Seele fühlt sich nur einsam, wenn der Körper, das Vitale, der Verstand und das Herz die Erwartung, dass sie mit der Seele beim Erfüllen ihrer göttlichen Mission auf der Erde zusammenarbeiten werden, nicht erfüllen. Dann fühlt sie sich einsam. Aber sie verhält sich dann nicht wie ein Mensch und verschwendet ihre Zeit wie jemand, der meint, das Gefühl der Einsamkeit werde von selbst verschwinden, wenn er sich mit anderen unterhalte. In ihrer Einsamkeit strebt die Seele höchst intensiv danach, Frieden, Licht und Kraft von oben herab in das Physische, Vitale und Mentale zu bringen, so dass das ganze Wesen mit der Seele zusammenarbeiten kann, um das Göttliche zu erfüllen. Wenn Frieden, Licht und Kraft herabkommen, wird sich der Betreffende seines inneren Lebens und seiner wahren Glückseligkeit bewusst. Mit dem Frieden, dem Licht und der Macht kommt ein höheres Bewusstsein herab. Mit diesem höheren Bewusstsein wird der Mensch natürlich den Bedürfnissen der Seele entgegenkommen.

Frage: Stellt die Seele Forderungen an den Menschen, so dass er seine Lebensweise ändern muss?

Sri Chinmoy: Die Seele stellt keine Forderungen als solche. Sie verhält sich nicht wie eine Mutter, die jeden Augenblick Anforderungen an ihr Kind stellt und sagt: „Ich sage dir dieses und jenes nur zu deinem eigenen Wohl.“ Die Seele tut etwas anderes: sie sendet göttliche Inspiration. Diese Inspiration kann zeitweise so klar und spontan sein, dass der Betreffende das Gefühl hat, sein inneres Selbst würde die Inspiration seiner äußeren Persönlichkeit geradezu auferlegen. Aber die Seele fordert nicht. Im Gegenteil, sie ist voller Mitgefühl für die menschlichen Schwächen und Unvollkommenheiten und versucht, sich selbst mit diesen Schwächen zu identifizieren. Sie versucht dann, der betreffenden Person mit ihrem inneren Licht dabei zu helfen, deren Lebensweise zu ändern.

Frage: Wie unterscheidet sich dieser Vorgang von den Forderungen, die das Ego stellt?

Sri Chinmoy: Wir wissen jetzt, dass die Seele keine Forderungen stellt. Wenn das Ego eine Forderung stellt, ist diese ganz auf sich selbst gerichtet: „ich“, „mich“, „mein“. Das Ego will besitzen und besessen werden. Das Ego will sich selbst erfüllen, indem es die äußere Persönlichkeit nährt. Aber dies ist schlicht und einfach unmöglich, da seine Begierden ohne Ende sind. Wenn die Seele etwas haben will, so ist es nicht zu ihrem persönlichen Vorteil, sondern für die Erfüllung des Göttlichen. Das Ego stößt letztlich auf Frustration, während die Seele ihre eigene absolute Erfüllung erfährt, indem sie den göttlichen Willen erfüllt.

Frage: Was geht in der Seele vor, wenn das Vitale oder das Mentale versucht, sich selbst ohne ihre Zustimmung zufrieden zu stellen?

Sri Chinmoy: In solchen Fällen bleibt die Seele gewöhnlich still. Doch ab und zu kann Gott auf das Vitale und den Verstand einigen Druck ausüben, wenn sie zu weit gehen. Dies tut Er dann durch die Seele.

Frage: Haben Dinge oder Orte eine Seele? Hat zum Beispiel ein Stuhl oder eine Stadt eine Seele?

Sri Chinmoy: Jedes Ding und jeder Ort besitzt eine Seele. Wie alle anderen Städte hat auch New York eine Seele. Gott hat mir die Seele von New York einige Male gezeigt. Der Unterschied zwischen der Seele von Dingen und der Seele von Menschen ist ein Unterschied in ihrem Entwicklungsgrad; er ist ein Unterschied in dem Grad, in dem sie ihre göttlichen Möglichkeiten manifestieren. Durch den Prozess der Reinkarnation offenbart die Seele stufenweise ihre im Innern versteckten Kräfte und erreicht schließlich ihre absolute Erfüllung.

Frage: Hat die Erde eine Seele?

Sri Chinmoy: Natürlich. Die Erde stellt den Mutter-Aspekt des Göttlichen dar. Auf der Erde werden Geist und Materie ihre absolute Erfüllung in ihrer gegenseitigen Hilfe und völligen Einheit finden. Die Materie wird durch das Auge des Geistes gesehen werden. Der Geist wird blühen, indem er die Materie erweckt und ihr Energie verleiht, um eine vollkommene Basis physischer Unsterblichkeit und menschlicher Verwandlung auf der Erde zu werden. Die zwei wesentlichen Merkmale der Erden-Seele sind inneres Emporstreben und mitleidsvolle Toleranz.

Frage: Kann das Grobstoffliche dem Feinen je etwas geben? Kann beispielsweise die Seele durch den richtigen Gebrauch des Körpers, wie Körperübungen, richtige Nahrung etc., stärker werden?

Sri Chinmoy: Sicher. Das Grobstoffliche kann und muss dem Feinen helfen. Der Körper ist zwar grobstofflich, aber in gesunder, tadelloser Verfassung hilft er dem Geist und der feinen Existenz beträchtlich. Natürlich kann man die Seele nicht lediglich durch harte körperliche Übungen oder durch überlegtes Essen stärker machen. Aber wenn der Körper, das heißt das physische Bewusstsein danach strebt, im Licht der Seele zu wachsen, und wenn er das Göttliche im Physischen selbst zu erfüllen sucht, dann wird der Fortschritt der Seele leichter, schneller und erfüllender.

Frage: Kann sich die Seele aussuchen, was ein Mensch in der manifestierten Welt erfahren soll?

Sri Chinmoy: Normalerweise ist es die Seele, die die Erfahrungen bestimmt, die ein Mensch in seinem Leben haben wird. Wenn er sich bewusst in den spontanen Fluss der Erfahrungen stellt, die die Seele ihm geben will, wird er schließlich in dauernden Frieden, in dauernde Freude und Erfüllung wachsen. Leider ist sich der Mensch als Opfer der Unwissenheit der Erfahrungsauswahl der Seele oft nicht bewusst oder kümmert sich nicht um die Auswahl der Seele, obwohl er sie kennt.

Frage: Wo ungefähr kann man die Seele im physischen Körper fühlen?

Sri Chinmoy: Im spirituellen Herzen. Gemäß der Medizin liegt das Herz ein wenig links von der Brustmitte. Nach Ramana Maharshi, dem großen Weisen von Arunachala, ist das spirituelle Herz leicht rechts davon. Andere spirituelle Meister sagen, das Herz sei in der Brustmitte. Und einem anderen spirituellen Meister zufolge liegt das Herz sogar zwischen den Augenbrauen! Natürlich hat aber auch er seine Gründe, warum er das sagt.

Das wahre spirituelle Herz ist etwa vier Finger breit und liegt etwa zwölf Finger breit direkt über dem Nabel und sechs Finger breit direkt unter der Halsmitte. Hier fühlt man, was Sie als das Sich-Regen der Seele bezeichnet haben.

Frage: Wenn der Körper oder die Persönlichkeit der Gast und die Seele der wirkliche Hausherr ist, wie ist es dann möglich, dass der Gast mit seiner Suche nach Erfüllung die Seele so ersticken kann, dass ihre Inspirationen unhörbar werden?

Sri Chinmoy: Es freut mich, diese Frage beantworten zu dürfen. Die Katha Upanishade sagt, der Körper sei der Kriegswagen, der Verstand die Zügel, der Intellekt der Wagenlenker und die Seele der Herr des Kriegswagens.

Sie sind die Hausmeisterin des Gebäudes, indem wir unser Center haben. Ihnen gehört dieses Gebäude. Wir sind ihre Mieter, ihre Gäste. Sie versuchen Ihr Bestes, unsere Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Trotzdem machen Ihnen einige Ihrer Mieter das Leben zur Hölle. Ihre Forderungen sind zeitweise übertrieben und absurd. Darüber hinaus nehmen einige eine unnachgiebige Haltung ein. Was tun Sie dann? Ich glaube, Sie wären ziemlich hilflos, wenn nicht hoffnungslos, trotz der Tatsache, dass dieses Haus Ihnen gehört. Es ist nicht leicht, alle störenden, fordernden und unnachgiebigen Mieter auf einmal fortzuschicken. Ähnlich ist das Schicksal der Seele, die vom Vergnügen suchenden, fordernden und nicht strebenden Gast, der Persönlichkeit, angegriffen wird.

Frage: Was bedeutet es, wenn man von jemandem sagt, er sei eine junge oder eine alte Seele?

Sri Chinmoy: Vom spirituellen Standpunkt aus nennt man diejenige Seele eine alte Seele, die in früheren Inkarnationen höhere und tiefere Erfahrungen erworben hat. Jemanden, dem solche Erfahrungen fehlen, nennt man eine junge Seele. Wie Sie sehen, ist es nicht die Anzahl der Inkarnationen, die den „Status“ der Seele bestimmt, sondern das, was man in diesen Leben gelernt und erreicht hat.

Frage: Entwickeln sich die Dinge bei einer jungen Seele schneller, weil weniger Gewicht von früheren Leben auf ihr lastet?

Sri Chinmoy: Die Dinge entwickeln sich bei einer jungen Seele schneller, vorausgesetzt, man ist ein aufrichtiger und ergebener Sucher, hört vorbehaltlos auf seinen spirituellen Führer und ist nicht mit zu vielen weltlichen Erfahrungen belastet worden.

Hier müssen wir uns wieder folgender Tatsache bewusst sein: Nicht die Anzahl der Inkarnationen ist es, die eine rasche Reise der Seele zu ihrem letzten Ziel behindert, sondern die alten, unerleuchteten menschlichen Gewohnheiten und Neigungen, die sich dem Licht nicht so leicht zur Reinigung und Umwandlung öffnen.

Frage: Könnte eine Seele, die einen menschlichen Körper bewohnt, früher einmal einen tierischen Körper oder eine Pflanze bewohnt haben?

Sri Chinmoy: Ich bin sicher, dass Sie mit der Evolutionstheorie bestens vertraut sind. In der modernen Welt entdeckte Charles Darwin den Evolutionsprozess, das heißt die Entwicklung von einer niedrigeren zu einer höheren Form. Doch lange vor Darwin, tausend Jahre vor Christi Geburt, hatte der große indische Weise Kapila bereits die Theorie der spirituellen Evolution aufgestellt. Das Ewige, Unveränderliche und Unvergängliche entwickelt sich in jedem Augenblick: dies war seine einzigartige Philosophie. Nichts kommt von nichts. Dieser indische Weise entdeckte diese Wahrheit und teilte sie mit der ganzen Welt.

Der gesamte Evolutionsprozess auf der Erde umfasst sowohl die Seele als auch die physische Form. Im Verlauf der Evolution muss jede Seele zuerst das Pflanzen- und Tierstadium durchlaufen, bevor sie im nächsten Stadium ein menschliches Leben haben kann.

Frage: Unterscheiden sich die Seelen in ihren charakteristischen Eigenschaften?

Sri Chinmoy: Es gibt keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Seelen, außer dem Grad ihrer Manifestation. Alle Seelen besitzen dieselben Möglichkeiten, ob sie nun der niedrigsten oder höchsten Lebensform innewohnen. Wir dürfen nie vergessen, dass sich Gott auf unendlich viele Weisen durch die verschiedenen Seelen offenbart. Sie drücken Seine verschiedenen Aspekte der Göttlichkeit aus. So kann zum Beispiel eine Seele Licht offenbaren, eine andere Kraft, eine dritte Schönheit usw. Durch die Offenbarung ihrer verborgenen Kräfte sind einige Seelen im Verlauf der Evolution zu großen spirituellen Meistern geworden. Und mit der Zeit werden ihnen alle Seelen folgen.

Frage: Was ist die Beziehung der Seele zu vergangenem und zukünftigem Karma?

Sri Chinmoy: Man kann das Karma nicht richtig verstehen, wenn man es von der Seele trennt. Das Karma existiert um des Wachstums der Seele willen. Sie wissen sicher, was das Wort Karma bedeutet. Es ist ein Wort aus dem Sanskrit, abgeleitet von der Wurzel kri, „Tun“. Alles, was wir tun, sagen oder denken ist Karma. Das Universum wird von einem Gesetz regiert, das wir das Gesetz des Karmas nennen. Sie haben viel über Karma gelesen, so brauche ich es hier nicht weiter zu erklären. Ich möchte nur noch erwähnen, dass alle unsere Taten und Gedanken auf unserem Kausalkörper ihre Spur hinterlassen und bestimmte Auswirkungen haben.

Gleichzeitig jedoch ist die Seele weit jenseits der Schlinge von Ursache und Wirkung. Sie ist das Bindeglied zwischen allem, was vorausgeht, und allem, was nachfolgt. Sie wird durch alle Erfahrungen bereichert, die der Persönlichkeit durch das Gesetz des Karmas zufließen.

Frage: Wo verweilt die Seele zuerst, wenn sie den Körper verlässt? Behält sie ihre körperlichen oder irdischen Begrenzungen bei?

Sri Chinmoy: Wenn die Seele den Körper verlässt, bleibt sie zuerst für eine kurze Zeit in der vitalen Welt. Einige Seelen leiden dort, andere nicht. Es ist, wie wenn man ein neues, fremdes Land besucht. Einigen Menschen fällt es leicht, sich unter die Leute des Landes zu mischen und ihre Kultur in kürzester Zeit zu verstehen, während es anderen nicht so leicht gelingt.

Die Seele nimmt keine irdischen Begrenzungen in die höheren Welten mit. Während die Seele oder das psychische Wesen den Körper verlässt und in ihre eigene Sphäre zurückkehrt, trägt sie die Essenz ihrer irdischen Erfahrungen zusammen. Sie bleibt für einige Zeit in ihrer eigenen Sphäre und kommt dann mit einer neuen Bestimmung und neuen Möglichkeiten in diese Welt zurück, um das Göttliche hier auf Erden zu verwirklichen und zu erfüllen.

Teil 3: Religion (vor allem Hinduismus)

Was ist Religion?

Was ist Religion? Religion ist Gott. Religion ist Wahrheit. Gott und Wahrheit sind eins. Wenn ich aber sage, meine Religion sei Gott, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du mich missverstehst. Sage ich hingegen, meine Religion sei Wahrheit, wirst du mir sofort zustimmen und erwidern: „Ja, meine auch.“ Oder anders ausgedrückt: Sage ich beispielsweise, meine Religion sei Krishna und du müssest ihn annehmen, dann sprühen deine Augen Funken. Sage ich hingegen: „Lasst uns die universelle Wahrheit annehmen“, anstatt dich aufzufordern, meine Religion zu akzeptieren, wirst du sofort ausrufen: „Gut! Ist bereits geschehen. Ich danke dir, mein Freund!“

Religion ist ein Akt der Vision, der uns zum Jenseits führt und leitet. Religion ist Intuition. Intuition ist jedem von uns so kostbar und unserem Herzen und unserer Seele so vertraut, dass sie keiner Definition bedarf. Wir können aber auch die Wahrheit verkünden, dass Intuition das Bewusstsein des alles durchdringenden Daseins ist. Frage einmal einen Menschen, warum er sich seiner Existenz eigentlich sicher ist. Er wird verstummen. Er weiß, was seine Existenz ist. Er fühlt es, doch er kann es nicht in Worte fassen. Religion ist diese Intuition, die sich aller Erklärungen entzieht und gleichzeitig selbst die Wahrheit verkörpert, welche sich selbst erklärt.

Religion ist nicht Fanatismus. In ihrer reinsten Form ist Religion ein Gefühl des universellen Einsseins der Wahrheit. Ein Fanatiker sieht die Wahrheit niemals in ihrer Ganzheit, nicht einmal in seiner kühnsten Vorstellung. Ein Fanatiker hat der Welt nichts anzubieten, weil er die Türe seines Herzens nicht weit offen hält und weil es ihm an der Fähigkeit mangelt, mit seiner Seele in Kontakt zu treten.

Was wir brauchen, ist direkte Erleuchtung. Dann gibt es keine Unterschiede mehr. Mit unserem Gefühl des universellen Einsseins nähern wir uns dem Höchsten sehr schnell. Unser Leben hat seine eigene Freiheit. Unsere Engstirnigkeit bringt sie um. Diese Freiheit findet keine Freude an großen Sprüchen und hochtrabenden Verkündigungen. Diese Freiheit will der lebende Ausdruck unserer inneren Gedanken und Gefühle sein. Freiheit ist Vereinigung. Vereinigung ist Wahrheit, die allem Energie verleiht und alles erfüllt.

Religion spricht eine besondere Sprache. Diese Sprache sagt mehr als Worte. Leider verzerren wir ihre Botschaft jedoch oft gnadenlos. Trotzdem wird sie auf lange Sicht triumphierend die Wahrheit verkünden.

Wenn wir an Religion denken, sollten wir Verständnis und Wertschätzung an den Tag legen und nicht Kritik und Konkurrenzdenken. Kritik und Konkurrenzdenken schaffen Disharmonie, welche eine zerstörerische Kraft ist. Verständnis und Wertschätzung schaffen Harmonie, welche eine kreative Kraft ist. Mehr noch, Harmonie ist der Atem des Lebens.

Alle Religionen sind für ihre Anhänger unentbehrlich. Alle Religionen sind auch eine Quelle der Inspiration. Diese Inspiration ist die Überzeugung der kollektiven Seele ihrer Anhänger. Frieden muss ihre Losung sein, so wie Wahrheit ihr einziges Ziel ist. Bedeutsam sind die Worte Tagores, der über Religion sagte:

"„So wie die Poesie, ist auch Religion nicht nur eine bloße Idee; sie ist ein Ausdruck. In der unendlichen Vielfalt der Schöpfung ist der Selbst-Ausdruck Gottes. Genauso muss unsere Einstellung gegenüber dem Unendlichen Wesen in Ihrem Ausdruck stets eine Vielfalt von Individualität haben.“"

Religion ist eine lebende Herausforderung an das Höchste im Menschen, um den stürmischen Problemen des Lebens zu trotzen. Zweifellos gibt es zahllose Probleme; doch ebenso gibt es eine Allmächtige Kraft. Sonderbarerweise benutzt diese Kraft die Probleme als wahre Instrumente, die sich später für die Menschheit als großer Segen herausstellen.

Religion erweitert. Sie erweitert unsere Gefühle. Religion lebt. Sie lebt in den innersten Winkeln unseres Herzens. Religion siegt. Sie siegt durch unser Selbst-Geben.

Das göttliche Ziel der Religion besteht darin, die aufgestaute menschliche Energie freizusetzen. Leben selbst ist Religion - vertraut, immerwährend und erfüllend. Lasst uns offen und frei leben. Lasst uns jene Religion annehmen, die alle Menschen mit einbezieht, welche je hier auf der Erde gelebt haben, welche heute auf der Weltbühne agieren und welche in späteren Zeitaltern hier leben werden. Unsere Religion ist jene, die die Ordnung der Welt herstellen wird. Unsere Religion ist jene, die zwischen dem Ufer der Ewigkeit und dem Ufer der Unendlichkeit pendeln wird.

Die Universalität der Religion

Die Universal-Kirche in New York ist für alle Religionen der Welt da. Sie ist eine wachsende Familie mit einem Heim. Dieses Heim ist die Verkörperung des Herzens. Das Herz ist die Verkörperung der Wahrheit. Wo Wahrheit ist, ist Erfüllung.

Warum brauchen wir Religion? Wir brauchen Religion, weil wir über das Endliche hinausgehen wollen, um mit dem Unendlichen in Kontakt zu treten. Dies ist nicht nur möglich, sondern unvermeidbar, da in uns ein bewusstes Wesen ist, das Gottes Wirklichkeit in Seiner Ganzheit wahrnimmt. Religion ist eine spontane Erfahrung und nie theoretisches Wissen. Sie ist im höchsten Maße praktisch und wir können sie in jedem Augenblick unserer irdischen Existenz anwenden.

Religion ist dem Menschen niemals auferlegt worden. Sie ist dem tiefsten Bedürfnis seines inneren Wesens entsprungen. Wenn dieses innere Wesen zum Vorschein kommt und sich umschaut, dann fühlt es Gottes alles durchdringende Immanenz; und wenn es aufwärts schaut, fühlt es, dass Gottes alles übersteigende Transzendenz sein eigenes Geburtsrecht ist.

Religion hat zwei Leben: das äußere und das innere. In der Vorstufe des vitalen und emotionalen Aufstrebens bringt sie dem Suchenden ihr äußeres Leben dar; ihr inneres Leben bringt sie der universellen Meditation und die Verwirklichung Gottes dar.

Im Physischen ist Religion ein unbewusster Ruf nach Gott, im Vitalen ist ein blindes Ringen danach, Gott zu besitzen, im Verstand ein ständiger Kampf darum, Gott zu erobern, im Herzen ein bewusster Schrei danach, in Gottes Schoß zu sitzen, und in der Seele ist sie ein Bewusstseins-Boot, das sich danach sehnt, zwischen den Ufern der ewig sich transzendierenden Unendlichkeit und der ewig blühenden Unsterblichkeit zu pendeln.

Unsittlichkeit möchte die Religion vernichten. Gott sagt zur Religion: „Fürchte dich nicht, mein Kind! Ich gebe dir die unbezähmbare Stärke der Sittlichkeit.“ Egoismus möchte die Religion ersticken. Gott sagt zur Religion: „Fürchte dich nicht, mein Kind! Ich stelle dich in die ewig sich ausdehnende Weite der Universalität.“ Der Tod möchte die Religion verschlingen. Gott sagt zur Religion: „Fürchte dich nicht, mein Kind! Ich mache dich zur Verkörperung der Unsterblichkeit.“

Wissenschaft und Religion. Man sagt, Wissenschaft und Religion stünden immer auf Kriegsfuß. Das muss nicht so sein. Die Wissenschaft spielt ihre Rolle auf dynamische Weise, indem sie den innewohnenden Gott erklärt. Die Religion spielt ihre Rolle auf göttliche Weise, indem sie den transzendenten Gott erklärt. Die Wissenschaft beschäftigt sich mit der physikalischen Welt, während sich die Religion mit der inneren und spirituellen Welt beschäftigt. Der Verstand ist der Schüler und die Natur der Lehrer der Wissenschaft. Das Herz ist der Schüler und die Seele der Lehrer der Religion.

Philosophie und Religion. Philosophie und Religion sind zwei enge Freunde. Philosophie erreicht ihre höchste Vollkommenheit, wenn sie vom Vertrauen und von der Vision, Erfahrung und Verwirklichung der seelenvollen Religion inspiriert wird. Und mit Hilfe der aufmerksamen und vernünftigen Philosophie befreit sich die Religion von den Schlingen des Aberglaubens, der Launen und der Fantasien.

Sittlichkeit und Spiritualität in der Religion. Sittlichkeit in der Religion ist eine stetige Reise zu einem idealen Leben. Diese Reise scheint manchmal endlos zu sein. Dennoch bedeutet sie eine Annäherung an das visualisierte Ideal, das Ziel. Spiritualität in der Religion ist sich vollkommen bewusst, dass sie mit der Unendlichkeit verbunden ist. Sie versetzt den emporstrebenden Menschen in das lebendige Reich Gottes. Die Unendlichkeit, welche die Spiritualität in der Religion offenbart, wird durch ein spontanes inneres Bedürfnis verwirklicht. Für den Menschen, der über die Religion aufstrebt, wird die Hoffnung zur Sicherheit, endet der Kampf im Sieg, und seiner Willenskraft winkt die vollkommene Erfüllung zu.

Individualität und Universalität. Universalität bedeutet nicht und kann nicht die völlige Auslöschung der aufsteigenden individuellen Flamme im menschlichen Herzen bedeuten. Ganz im Gegenteil: wenn der Mensch über seine Grenzen hinauswächst, indem er fortlaufend universeller wird, so wird er ganz sicher in den tieferen, weiteren und höheren Ebenen des Lichts, des Friedens und der Stärke wohnen. Nur dann wird er in sein eigenes wahres Selbst, sein ewiges Selbst wachsen. Zweifellos werden ihm Individualität und Universalität anfangs als unvereinbare Gegensätze erscheinen. Doch das wird nicht immer so bleiben, da dieser Gegensatz auf überzeugende, einzigartige Weise überwunden werden kann.

Religiöser Glaube. Religion ohne Glauben ist wie ein Körper ohne Leben. Religiöser Glaube ist eine verwandelnde Erfahrung und nicht nur eine Idee. Glaube besitzt den magischen Schlüssel zur Selbst-Entdeckung. Selbst-Entdeckung ist die Bona-fide-Entdeckung der Wirklichkeit. Glaube ist ein aktiver Teilhaber an der göttlichen Liebe, Harmonie und dem Frieden. Am Ende führt er die Religion in die alles durchdringende Wonne des Jenseits.

Sünde in der Religion. Es ist wahr, dass die Vorstellung der Sünde in der Religion eine große Rolle spielt. Was ist Sünde? Sie ist nichts anderes als die Erfahrung von Unvollkommenheit. Diese Unvollkommenheit besteht deshalb, weil die Schöpfung noch am Entstehen ist. Vollkommenheit muss auf die Schöpfung erst noch heraufdämmern. Dies ist eine reine Zeitfrage. Schöpfung bedeutet Handlung, eine ständige Bewegung nach vorne, nach oben und nach innen. Evolution ist das unsterbliche Lied, das von der Schöpfung unablässig gesungen wird. Die Sünde von heute ist die personifizierte Unvollkommenheit. Die Tugend von morgen ist die verkörperte Vollkommenheit. Gottes gesamte Schöpfung besteht aus zwei Dingen: dem Endlichen und dem Unendlichen. Wenn ich, das Endliche emporklettere, so ist dies meine Selbstverwirklichung. Wenn Gott, der Unendliche, herabkommt, so ist dies Seine Selbstmanifestation. Wenn ich in Ihn, den Höchsten, eingehe, schenkt Er mir Seine Einheit. Wenn Er in mich, mein Niederstes, eingeht, biete ich Ihm die Vielfalt an, die Er mir anvertraute, als meine Seele zur Erde hinabstieg, um Ihn zu offenbaren und zu erfüllen.

Alle Religionen sind in ihrer Essenz eins, untrennbar eins. Jede Religion ist ein Weg, der unfehlbar zur ewigen Wahrheit führt, und eine richtige Manifestation dieser Wahrheit. Die Religionen ändern sich nicht, doch sind sie einem steten Wandel unterworfen, so wie äußere Form, Brauch, Gewohnheit, Ritual, Umstände und Umgebung es erfordern. „Vereint stehen wir, getrennt fallen wir.“ Dieser oft zitierte Grundsatz ist auch für den heutigen Vortrag zutreffend. Die vereinte Stärke aller Religionen kennt das erhabene Geheimnis, dass man auf keine Religion herabschauen darf. Ohne diese Stärke der Vereinigung kann keine Religion mit stolz erhobenem Haupt dastehen. Religion ist eins, doch sie drückt sich durch eine Vielzahl von Religionen aus.

Ich bin von Stolz darüber erfüllt, hier in der Universal-Kirche sein zu dürfen, weil mein Herz die Wahrheit ausruft, dass jene Religion, welche universell ist, den Kern aller Religionen bildet, und dass die Verwirklichung der universellen Religion nicht das Monopol eines bestimmten Menschen ist. Jeder Mensch, welcher Bevölkerungsschicht, Überzeugung oder Nationalität er auch angehören mag, kann diese universelle Religion verwirklichen, wenn er dynamische Vorstellungskraft, schöpferische Inspiration und die erfüllende Bereitschaft besitzt, den Geist aller Religionen zu assimilieren.

Ich bin ein Hindu. Ich bin stolz auf meinen hinduistischen Glauben. Mein hinduistischer Glaube, Sanatana dharma, die ewige Religion, hat mich gelehrt: „Aham brahma - Ich bin das Brahman, das Eine ohne ein Zweites.“ Du bist ein Christ. Du bist stolz auf deinen christlichen Glauben. Deine göttliche Religion hat dich gelehrt: „Ich und mein Vater sind eins.“ Wenn ich ein Hindu im wahrsten Sinne des Wortes bin, muss ich auch ein durch und durch gläubiger Christ sein, da es die universelle Wahrheit ist, die ich tief in mir sehe, fühle und zu der ich werde. Was ist Wahrheit? Wahrheit ist unser göttlicher Vater. Ein Kind denkt sich nichts dabei, wenn sein leiblicher Vater von einer Person mit Bruder, von einer anderen mit Onkel, von einer weiteren mit Neffe und von einer vierten mit Freund angeredet wird. Das Kind freut sich über jede dieser Anreden. Genauso sollten wir uns zutiefst darüber freuen, dass sich die unterschiedlichen Religionen der Wahrheit - dem göttlichen Vater - auf ihre eigene Weise nähern. Jede Religion will einzig und allein die Wahrheit.

Hinduismus

„Lerne dich selbst kennen.“ Dafür steht der Hinduismus. Dies ist die Quintessenz des Hinduismus.

In einer Welt der Angst und Unsicherheit, in einer Welt von dunkler Falschheit und blinder Unvernunft, ist Religion eines der wenigen Dinge, die ihre Würde wahren. Es ist die Religion, die das Göttliche im Menschen zum Vorschein bringt. Es ist die Religion, die dem Menschen die Kraft schenken kann, mit der rauen Gegenwart zu ringen, seine innere Stärke zum Vorschein zu bringen und für die Wahrheit und die Stunde Gottes zu kämpfen.

Ihre alle wisst, dass die hinduistische Religion eine der ältesten Religionen der Welt ist. Im Gegensatz zu den meisten Weltreligionen hat die hinduistische Religion keinen bestimmten Gründer. Sie ist vorwiegend auf die erhebenden Aussprüche der Rishis, der Seher, gegründet. Ein Seher ist jemand, der die Wahrheit schaut und mit der Wahrheit kommuniziert.

Der Hinduismus lässt sich mit einem einzigen Wort definieren: Liebe. Diese Liebe ist allumfassend und ständig am Wachsen. Ein überzeugter Hindu wird sagen: „Ich kann ohne Luft leben, nicht aber ohne Gott.“ Doch auch ein Hindu, der behauptet, überhaupt nicht an Gott zu glauben, ist dennoch ein Hindu. Er fühlt, dass er ein Hindu ist, und niemand wird es bestreiten. Dies ist eine Frage der persönlichen Entscheidung. Ein Hindu mag Hunderte von Göttern anbeten oder nur einen. Für ihn mag Gott etwas Persönliches oder Unpersönliches sein. Meine jungen Freunde, ich will versuchen zu erläutern, was mit „persönlich“ und „unpersönlich“ gemeint ist. Ein Flugzeug steht auf einem Flughafen. Ihr könnt es sehen. Es ist etwas Konkretes, Materielles und Greifbares. Nachdem das Flugzeug vom Boden abgehoben hat, ist es außer Sichtweite, doch ihr wisst, dass es sich irgendwo in der Luft befindet. Es mag sich auf dem Weg nach Kanada, Japan oder irgendeinem anderen Reiseziel befinden, doch ihr wisst, dass es auf einer anderen Ebene gegenwärtig ist und funktioniert. Auf gleiche Weise fühlen wir den „unpersönlichen“ Gott, der für uns nicht greifbar sein mag, in unserem erwachten Bewusstsein, wie er uns unsichtbar führt und formt.

Wir haben darüber gesprochen, wie Gott im Hinduismus gesehen wird. Betrachten wir nun, was der Hinduismus über die Verwirklichung Gottes sagt. Gottverwirklichung ist nichts anderes als eine spirituelle Wissenschaft, die dem Leiden, der Unwissenheit und dem Tod ein Ende setzt. Aber wir sollten Gott um Seinetwillen und nicht um unserer selbst willen verwirklichen. Gott um unserer selbst willen zu suchen bedeutet, unsere unzähligen Verlangen vergeblich zu nähren. Doch Gott um Seinetwillen zu suchen bedeutet, in Seinem Universellen Bewusstsein zu leben, oder anders ausgedrückt: mit Ihm vollständig und untrennbar eins zu sein.

Die vorrangigste Frage ist, ob Gott ständig in uns ist, ob Er für längere Zeit als Gast in unser Herz kommt oder ob Er einfach nur kommt und geht. In tiefer Dankbarkeit gedenke ich der unsterblichen Seele Emily Dickinsons, deren Spiritualität einen Sucher dazu bringt, die Frage zu stellen, was Gott der Unendliche genau ist. Sie sagt:

„Der Unendliche schien mir ein unerwarteter Gast zu sein - doch wie kann dieser Gewaltige kommen, wo Er doch niemals fort gegangen ist von hier?“

Gott zum Ziel, nicht mehr und nicht weniger. Seine Essenz ist Toleranz. Der Hinduismus weigert sich, die Weltreligionen als eigenständige Wesenheiten zu sehen. Da der Hinduismus auf seine Weise alle Religionen der Welt in sich beherbergt, kann er ohne Weiteres als einzigartige Gemeinschaft der Glaubensrichtungen bezeichnet werden.

Für einen wahren Hindu ist Nächstenliebe ein wichtiger Bestandteil seiner Liebe zu Gott. Bedeutungsvoll und heiter wird seine Seele gemeinsam mit dem furchtlosen Geist Walt Whitmans verkünden und singen:

„Ich feiere mich selbst und singe für mich selbst, und was ich annehme, wirst auch du annehmen; denn jedes Atom von mir ist genauso auch deines.“

Ein charakteristisches Merkmal des Hinduismus ist die Suche nach Erfahrung aus erster Hand, nach der Verwirklichung Gottes. Wenn ihr die Veden, die Upanishaden, die Bhagavad-Gita und andere indische Schriften studiert, werdet ihr vielleicht erstaunt feststellen, dass, obwohl jede Schrift eine bestimmte Sichtweise oder besondere Ideen vertritt, sie alle im Grunde das gleiche vollkommene göttliche Wissen enthalten, welches Gott ist.

Der augenfälligste Punkt in der Hindu-Religion wird in den Lehren der Ishu Upanishade auf einzigartige Weise ausgedrückt: „Erfreue dich der Entsagung.“ Ihr wisst, dass das Gute nicht unbedingt gleichbedeutend mit dem Angenehmen sein muss. Wenn ihr das Angenehme wollt, kommt ihr vielleicht bis zum Fuße des Mangobaums; aber der Eigentümer wird euch keine Früchte anbieten. Wollt ihr aber das Gute, welches in seiner Essenz Wahrheit ist, ist die Sachlage völlig anders. Wenn ihr die Mango nicht wollt, um eure Gier zu befriedigen, sondern um die Frucht eingehend untersuchen zu können, wird der Besitzer sehr zufrieden mit euch sein. Er wird euch nicht nur eine Mango anbieten, um sie zu untersuchen, sondern euch einladen, so viele zu essen, wie ihr wollt.

Niemand von uns will den Narren spielen. Deshalb müssen wir nach dem Guten streben und das Angenehme ein für alle Mal von uns weisen. Unser Ziel, die Quelle der höchsten Wahrheit und Wonne, ist nur für den Wahrheitsliebenden, der sich auf der endlosen, von Wonne erfüllten Reise seiner Seele - einer Reise nach oben und nach innen - erfüllen will.

Ein ergebener Hindu sehnt sich nach einem Herzen, dem Falschheit völlig fremd ist, einem Herzen, das so weit ist wie die Welt. Ihr mögt vielleicht einwenden, dieses Ideal sei unerreichbar und es sei beinahe unmöglich, ein solches Herz zu besitzen. Doch hier stimme ich nicht mit euch überein. Selbst in der heutigen Zeit wandeln solch edle Seelen noch auf der Erde. Abraham Lincoln, euer einzigartiger Präsident, besaß ohne Zweifel ein solches Herz. Lasst mich an dieser Stelle den großen Philosophen Ralph Waldo Emerson zitieren: „Sein (Lincolns) Herz war weit wie die Welt, doch gab es darin keinen Platz, um die Erinnerung an etwas Falsches zu behalten.“

Meine Brüder und Schwestern, ich sehe keinen Grund dafür, weshalb es mir nicht gelingen sollte, in euch solch ein Herz zu finden - weit wie die Welt, frei von Falschheit und Unwissenheit und gleichzeitig durchdrungen von der Wahrheit des Jenseits.

Hinduismus heute

Ich bin ein Träumender. Ich komme vom Land der Träume. Ich bin nun in einem Traum-Boot. Der Name meines Traumbootes ist Hinduismus. Tagein und tagaus segelt es dahin. Es segelt über das Meer der Ewigkeit. Seine Reise hat kein Ende. Sein Ziel ist die Unsterblichkeit. Sein Bootsmann ist der Erhabene Träumende. Wenn Ihr, meine Brüder und Schwestern, mit mir in diesem Boot segeln wollt, dann kommt. Ich begrüße Euch alle mit gefalteten Händen, mit grenzenloser Liebe und Tränen der Freude. Der Fahrpreis ist weder in Euro noch in Cents zu bezahlen; der Fahrpreis ist nur Mitgefühl - das Mitgefühl, das dem Innersten des Herzens entspringt.

Zu unserer zusätzlichen Freude ist nun recht unerwartet die Stimme eines wagemutigen Träumenden zu hören. Seine Stimme hallt nun in den Nischen unserer Erinnerungen wider. Vor eineinhalb Jahrhunderten erblickte dieser Träumende hier in Long Island, New York, das Licht der Welt. Sein Name ist Walt Whit-man. Dieser visionäre Dichter begleitet uns mit seiner Botschaft des universellen „Ich“ auf unserer bedeutungsvollen Reise.

Die erste Station auf unserer Reise führt uns zu Dr. Radhakrishnan, einem der bekanntesten lebenden Philosophen. Er sagt über den Hinduismus folgendes:

"„Die hinduistische Einstellung zur Religion ist interessant. Während vorgefasste intellektuelle Überzeugungen eine Religion von einer anderen abgrenzen, setzt sich der Hinduismus keine solchen Grenzen. Der Intellekt ist hier der Intuition untergeordnet, das Dogma der Erfahrung, der äußere Ausdruck der inneren Verwirklichung.“"

Behalten wir uns dies in Erinnerung und fahren fort, den Hinduismus zu untersuchen. Zweifellos ist er eine großartige, doch ebenso auch eine einfache Religion. Er will den Menschen nicht verwirren oder seine intellektuellen Fähigkeiten prüfen. Weder begehrt er seine Aufmerksamkeit noch erbittet er seine Gunst. Was er von ihm will, ist das Verständnis seiner Seele. Der Hinduismus will nicht nur die innere Harmonie in jeder menschlichen Seele im Einklang mit Gottes Willen bewahren, sondern sie auch vergrößern. Er will das Beste der kulturellen, religiösen und spirituellen Weisheit der Welt besitzen und davon besessen werden.

Obwohl der Hinduismus seine Zeiten der Untätigkeit hatte, ist er keine statische Religion. Eine statische Religion würde nur zu Sterilität und schließlich zum Absterben führen. Der Hinduismus ist in seiner langen Geschichte zu einem Emblem der Flexibilität, Unabhängigkeit, des kreativen Denkens und der spontanen Innovation sowohl in Gedanken wie auch in seinen Handlungen geworden. Der Hinduismus weiß, wie er etwas in sich aufnehmen muss, aber gleichzeitig auch, wie er etwas ablehnen muss, um zu Füßen der Wahrheit zu sitzen. Der Hinduismus ist ein endlos aufsteigender Ruf nach der Wahrheit. Er strebt danach, die Essenz eines allumfassenden spirituellen Allheilmittels zu sein, um die Menschheit zu nähren.

Indiens Vergangenheit ist bemerkenswert reich und bewegt. Das Gleiche kann über seine unerschrockene Gegenwart gesagt werden, die einen Startpunkt für die goldene Zukunft bilden kann und muss. Der heutige Hinduismus sucht aufrichtig nach einer einzigartigen Lebensform, in welcher Gruppen verschiedenster Völker mit völlig verschiedenem historischem, ethischem und spirituellem Hintergrund in vollkommener Harmonie miteinander leben und gleichzeitig aktiv an der Erfüllung der einen Aufgabe zusammenarbeiten können: der Vermählung von Geist und Materie. Im Grunde ist Indien weder ein materialistisches noch ein weltverneinendes Land. Und die Toleranz, mit welcher der Hinduismus immer in Verbindung gebracht wird, ist fest verankert in seiner Opferbereitschaft und der vollen Anerkennung der Rechte anderer Menschen.

Indien handelt weder aus Angst noch aus einem Gefühl der Überlegenheit heraus. In der Tat, der Hinduismus ist in letzter Zeit selbstkritisch geworden. Aus diesem Grund wird er sich auch rasch verbessern. Es steht außer Zweifel, dass der heutige Hinduismus mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Ebenfalls wahr ist auch, dass Mutter Indien all ihre Probleme alleine lösen muss und sicherlich wird. Bharat Mata (Mutter Indien) bezieht ihre Kraft von ihrem unbezwingbaren Willen. Dies wirkt sich sowohl auf den materiellen als auch auf den spirituellen Fortschritt aus. Von größter Bedeutung ist jedoch die Tatsache, dass sich der heutige Hinduismus nicht nach westlichen, östlichen, südlichen oder nördlichen Mustern, sondern nach dem Muster des Unendlichen formen wird. Hier in Amerika befinden wir uns in einem Land der Freiheit - Freiheit, die dynamische Gedanken und Entwicklungen nährt. Dort in Indien befinden wir uns in einem Land der Freiheit - der Freiheit einer fruchtbaren, toleranten Spiritualität, die alle Religionen nährt. Hier wollen wir Gott erreichen, indem wir schnell laufen, während wir dort Gott erreichen wollen, indem wir schnell klettern.

Lasst uns einem frommen Hindu zuhören. Er sagt, sein Vater sei die Stille und seine Mutter die Stärke. Stille nährt sein Bewusstsein; Stärke benutzt sein Bewusstsein. Seine Eltern lehren ihn, die Luft spirituellen Einsseins zu atmen und diese Einheit in allen Menschen, ja der ganzen Schöpfung zu fühlen. Seine Eltern haben ihn das höchste Geheimnis gelehrt: dass durch Meditation allein die Welt ganzheitlich und als Einheit gesehen und gefühlt werden kann. Sie haben ihn erkennen lassen, dass sein Leben ein fester Bestandteil der Menschheit ist. Er hat keine Rasse, keine Nation. Seine Religion ist die Vision Gottes. Er weiß, dass er sein niederes Selbst nicht abtöten muss, um Gott zu verwirklichen. Er muss es nur in sein höheres Selbst verwandeln. Siehe da! Das Ziel winkt ihm zu. In der Tat, dies ist ein neuer Zugang zu einer neuen Erfüllung der Wahrheit. Und zuletzt will er Gott nicht nur sehen, sondern auch Gott Selbst sein.

So segelt und tanzt unser Boot im Einklang mit Gottes ewigem, mystischem Rhythmus. Wir sind Träumende, aber ebenso auch Realisten und Idealisten. Mit der Liebe seines Herzens verzehrt sich unser Boot danach, die weit entfernten Ufer des Goldenen Jenseits zu berühren. Mit dem Frieden seiner Seele strebt unser Boot danach, mit dem Atem des Höchsten zu kommunizieren.

Die Quintessenz des Hinduismus

Ich bin unserem hoch verehrten Rabbi Ronald Millstein zutiefst dankbar für seine herzliche Einladung, über den Hinduismus einen Vortrag halten zu dürfen. Es ist in der Tat ein großes Privileg und eine Freude, vor diesem erlesenen Publikum sprechen zu dürfen. Es freut mich außerordentlich, vom Rabbi zu erfahren, dass dies hier eine liberale Synagoge ist. Für mich hat das Wort „liberal“ eine besondere Bedeutung. Es steht für eine Wahrheit, die so leuchtend und mächtig wie die Sonne und so weit wie das Universum ist. Toleranz können wir nur dann erreichen, wenn wir allen Glaubensrichtungen ein liberales Verständnis entgegenbringen. Toleranz hilft uns beträchtlich dabei, den aus Unwissenheit entstandenen, Jahrhunderte alten Vorurteilen ein Ende zu setzen.

Und nun möchte ich Ihnen einige bedeutende Gedanken über den Hinduismus nahe bringen. Lassen Sie mich zunächst eine kurze Geschichte erzählen.

Ein großer Weiser aus dem alten Indien namens Bhrigu wollte die Dreiheit des Hinduismus – die drei Hauptgötter Brahma, Vishnu und Shiva – auf die Probe stellen, um herauszufinden, wer der Größte von ihnen sei. So ging er auf Brahma zu, ohne ihm Respekt zu zollen. Dies missfiel Brahma sehr. Auch Shiva brachte er ebenso wenig Achtung entgegen, und dieser wurde außerordentlich wütend! Daraufhin ging er zu Vishnu, den er schlafend vorfand. So stellte Bhrigu seinen Fuß auf seine Brust, um ihn zu wecken. Zunächst erschrak die Gottheit, weil sie auf so unsanfte Weise geweckt wurde. Dann begann Vishnu, Bhrigus Fuß liebevoll zu massieren. „Ist dein Fuß verletzt?“ fragte er besorgt. „Das täte mir so leid!“ So erkannte Bhrigu, dass Vishnu der größte unter den drei Göttern war.

Die Toleranz, welche die Gottheit in dieser Geschichte gezeigt hat, zeugt nicht von Schwäche, sondern von einem großmütigen Herzen. Zudem kommt sie von einem Gefühl des Einsseins. Wenn unser Ellbogen während des Schlafes gegen einen anderen Körperteil stößt, dann sind wir nicht wütend auf ihn, sondern massieren ihn sanft. Genauso strebt auch der Hinduismus danach, die Welt als Einheit zu sehen, als einen großen Körper.

Der Hinduismus ist ein Fluss, der ständig in Bewegung ist. Der Hinduismus ist ein Baum, der bewusst und auf göttliche Weise wächst. Hinduismus bedeutet Vielfalt. In seinem Mutter-Aspekt ist er einzigartig. Seine Kinder haben unterschiedliche Vorstellungen von Gott. Eines seiner Kinder sagt: „Mutter, es gibt keinen persönlichen Gott.“ Sie antwortet: „Ja, mein Kind.“ Das zweite Kind sagt: „Mutter, wenn es einen Gott gibt, dann kann er nur persönlich sein.“ Wieder antwortet sie: „Ja, mein Kind.“ Das dritte Kind sagt: „Mutter, Gott ist sowohl persönlich als auch unpersönlich.“ Sie erwidert: „Ja, das stimmt, mein Kind.“ Und zu allen dreien sagt sie: „Seid glücklich, meine Kinder. Bleibt bei eurem Glauben. Lernt durch ihn, wachst durch ihn und bleibt euren Idealen stets treu.“ Dies ist in der Tat das Mutter-Herz des Hinduismus.

Der Hinduismus hält sich an das innere Gesetz des Lebens, welches das gemeinsame Erbe der Menschheit ist. Solange jemand die Wahrheit sucht, ist es gleich, ob er an Gott glaubt, Atheist ist oder an gar nichts glaubt. Im hinduistischen Ideal der Spiritualität hat jede menschliche Seele einen bestimmten Platz. Bedeutungsvoll sind die Worte Gandhis: „Der Hinduismus ist eine unaufhörliche Suche nach der Wahrheit. Er ist die Religion der Wahrheit. Die Wahrheit ist Gott. Wir haben Gott geleugnet, niemals aber die Wahrheit.“

Der Hinduismus in der Vergangenheit

Es wäre absurd, zu behaupten, dass es dem alten Indien ausschließlich darum ging, der Welt zu entsagen. Unsere Ahnen nahmen das Leben in vollem Glauben an. Sie glaubten ausdrücklich an das Leben und sahen in ihm eine große Kraft.

Unsere Vorfahren aus der Zeit der Veden brachten ihren Willen, ein langes, glanzvolles Leben zu führen, in folgendem Lied zum Ausdruck:

Tach chaks ur debahitam…

„Mögen wir dieses strahlende Auge hundert Herbste lang
nach Gottes Gesetz vor uns aufsteigen sehen.
Mögen wir hundert Herbste lang leben;
mögen wir hundert Herbste lang hören;
mögen wir hundert Herbste lang Gutes reden;
mögen wir hundert Herbste lang unser Haupt erheben
- ja länger als hundert Herbste!“

Sie versuchten ernsthaft, das Geheimnis des Lebens zu ergründen und zu verstehen. Sie nahmen das irdische Leben mit seinen Freuden und Sorgen, seinen Hoffnungen und Enttäuschungen an. Ja mehr noch: sie wollten Herr über das Leben sein. Daher stellten sie sich dem Bösen furchtlos und unbeugsam entgegen. Sie wollten, dass ihre Seele gänzlich vom Höchsten in Besitz genommen wird, und strebten gleichzeitig danach, Ihm in der Welt zu dienen.

Unsere vedischen Ahnen erkannten, dass es zwei Arten von Leben gibt: das gewöhnliche und das höhere Leben. Sie wiesen den physischen, vitalen und mentalen Aktivitäten ihren rechtmäßigen Platz zu, jedoch im Hinblick auf ein höheres, spirituelles Leben, das von größerem Wissen und mehr Licht und Wahrheit erleuchtet wird. Sie wussten, dass, sobald sie im höheren Leben Fuß gefasst hatten, die Seele von den anderen Familienmitgliedern – dem Körper, dem Vitalen, dem Verstand und dem Herzen – bedingungslose Hilfe erhalten würde, um sich vollständig manifestieren und ausdrücken zu können. Hieraus resultierte zwangsläufig das Ideal eines besonderen Wissens, das zur Befreiung der aufstrebenden menschlichen Seele führt. Unsere Vorfahren waren Realisten, die fühlten, dass spontane Lebensfreude den Körper nährt und die Seele stärkt. Sie wussten, dass das Geheimnis des Wachstums Freude war. Sie riefen aus:

Uru nastanve tan…

„Schenke Freiheit unserem Körper,
schenke Freiheit unserer Wohnstatt,
schenke Freiheit unserem Leben!“

Diese Freiheit sollte den Knoten der Unwissenheit lösen helfen. In der Annahme des Lebens wie auch in ihrem Streben nach Unsterblichkeit waren sie stets positiv.

Der Hinduismus der Gegenwart

Es ist einfach zu behaupten, die Erhabenheit des alten Indien sei im heutigen Indien völlig verloren gegangen. Jedoch irren diejenigen, die glauben, nur der frühe Hinduismus sei des Studiums wert. Auch das Indien der Gegenwart hat der Welt viel zu geben. Das Licht seiner Seele, das keinen Wert auf äußere Anerkennung legt, spielt in der Erweckung des Herzens der Welt eine wichtige Rolle und ist schließlich dazu bestimmt, der Menschheit mit der Botschaft der Wahrheit, der Vergebung und der universellen Güte Inspiration zu schenken.

Der Hinduismus ist ein dynamisches, vom Göttlichen durchdrungenes Aufstreben. Im Laufe seiner ewigen Reise ist die Selbsthingabe zu seinem Lebensatem geworden.

Der Hinduismus ist vielschichtig, hat gleichzeitig aber stets eine besondere Note gewahrt und wird dies auch in Zukunft tun: die Note der Spiritualität. Ein wahrer Hindu wird seine Ideale am Leben erhalten, gleich wie verheerend flüchtige Veränderungen oder wie mächtig die zerstörerischen Kräfte sein mögen. Der große Philosoph Dr. Radhakrishnan beschreibt dies im Folgenden sehr anschaulich:

"„Wenn eine vorherrschende Kultur auseinanderbricht, wenn ethische Normen in Auflösung begriffen sind, wenn wir aus der Untätigkeit erhoben oder aus der Unbewusstheit erweckt werden, wenn es überall gärt und eine kulturelle Krise droht, dann wird das Volk von einer Welle spiritueller Unruhe erfasst und wir fühlen am Horizont etwas Neues, Einzigartiges aufsteigen: den Beginn einer spirituellen Neugeburt.“"

Die Welt von heute sehnt sich bewusst nach Einheit. Der Hinduismus lehrt, dass die Einheit Indiens zugleich seine spirituelle Vision und vollständige Erfüllung ist. Die Menschheit ist langsam von der Wahrheit überzeugt, dass das materielle, intellektuelle und spirituelle Leben Hand in Hand gehen können, um schließlich Gottes Sieg hier auf Erden zu erringen.

Die spirituelle Bedeutung des Hinduismus

Das Ideal des Hinduismus ist, alles im Selbst und das Selbst in allem zu sehen. Der Hindu glaubt, dass jeder Mensch die bewusste Manifestation Gottes ist. Der Geist des selbstlosen Dienens ist sein höchstes Geheimnis. Ein Hindu fühlt unmissverständlich, dass Gott sich durch jeden Menschen manifestiert und vervollkommnet. Jede einzelne Seele stellt eine Wesensart des Göttlichen dar und wurde vom Höchsten erdacht. Jeder Mensch hat auf der Erde eine Mission zu erfüllen, und zu Gottes auserwählter Stunde tut er dies auch.

Der Odem des Hinduismus ist Spiritualität. Was immer ein Hindu tut, dient diesem Zweck. Natürlich will er, wie alle anderen Menschen auch, hier auf der Erde das Menschenmögliche erreichen. Das Entscheidende aber ist, dass er nichts auf Kosten seines spirituellen Lebens tun kann und auch nicht tut. Für ihn ist das spirituelle Leben das einzige Leben, das ihn letztendlich mit dem Sieg der absoluten Vollkommenheit krönen kann.

Im spirituellen Leben gebraucht man sehr oft das Wort „Sünde.“ Ich muss diesbezüglich anmerken, dass ein Hindu nichts mit Sünde zu tun hat. Er zieht nur zwei Dinge in Betracht: Unwissenheit und Licht. Mit dem Licht seiner Seele will er über das Meer der Unwissenheit schwimmen und so sein niederes Selbst in sein Höheres Selbst verwandeln.

Tena tyaktena bhunjita - „Freude durch Entsagung“: Dies ist die lebensspendende Botschaft der hinduistischen Seher. Wovon wir uns lossagen müssen, sind unsere endlosen Wünsche - nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir uns von unseren irdischen Wünschen lossagen, können wir erfahren, was wahre göttliche Erfüllung ist.

Wie schon erwähnt, ist Spiritualität der Odem des Hinduismus. Im spirituellen Leben ist die Beherrschung der Sinne von großer Wichtigkeit. Lasst uns daher versuchen, die Funktion der Sinne richtig zu verstehen. Ein überzeugter Hindu fühlt, dass man die Sinne nicht abtöten muss. Die Sinne sind seine Instrumente. Ihr Beistand ist unerlässlich. Um der göttlichen Absicht einer alles umfassenden und erfüllenden Ganzheit willen sollten und müssen die Sinne in vollem Umfang funktionieren. Nur dann kann wahre Göttlichkeit im menschlichen Leben wachsen. Selbstnachgiebigkeit endet in äußerster Frustration. O arme Menschheit! Sie ist so verschwenderisch, wenn es darum geht, körperliche Vergnügungen bis zur Neige auszukosten. Aber ach! Zu ihrer großen Überraschung erschöpft sich ihr Leben in nichtiger Leere, bevor sie die körperlichen Vergnügungen voll auskosten kann. Es ist höchste Zeit, dass das Rohe im Menschen dem Göttlichen im Menschen weicht. Rohheit siegt nicht; sie vernichtet.

Spiritualität ist die alles umarmende Liebe. Diese Liebe erobert den Menschen und macht ihn seiner wahren inneren Göttlichkeit bewusst, sodass er sich selbst erfüllen und zu einem vollkommenen Kanal für die Manifestation Gottes werden kann. Diese Liebe – oder besser gesagt, dieses Band der Liebe – kann der Mensch in sich selbst erzeugen, um sich so mit anderen Menschen und anderen Nationen zu verbinden und zu vereinen. Dies ist die Überzeugung eines frommen Hindu.

Ohne Bewegung gibt es keinen Fortschritt. Bewegung braucht Führung. Führung ist Wissen. Der Mensch muss allerdings wissen, dass ihm Kopfwissen nur sehr beschränkt helfen kann. Es kann ihn nicht annähernd ans Ziel bringen. Nur durch das Wissen der Seele kann der Mensch die Verwirklichung Gottes erlangen.

Robert Browning sagte:

„So frei wir zu sein scheinen,
so gebunden sind wir.“

Der Mensch ist zwar an das Menschliche gebunden, er kann jedoch nicht durch das Menschliche gebunden werden. Der Mensch hat sich Zeit und Raum unterworfen. Aber weder Zeit noch Raum haben ihn dazu gezwungen. Der Mensch versucht, sich der Schönheit des Endlichen zu bemächtigen. Er glaubt, durch Bindung an das Endliche in den Besitz seiner Schönheit gelangen zu können. Aber ach! Anstatt in dessen Besitz zu gelangen, ist er selbst in Besitz genommen worden. Zeit und Raum haben ihn getäuscht. Er dachte, er könne sie durch seine Unterwerfung besitzen; sie aber haben seine Unterwerfung bereitwillig angenommen und haben ihn gleichzeitig gnadenlos in Besitz genommen. Inbesitznahme ist nicht Einssein; Eroberung ist nicht Einheit.

Die Vision des Hinduismus ist die Einheit in der Vielfalt. Zuerst umarmt der Hinduismus liebevoll alle fremden Elemente, um sie anschließend in sich einzubinden. Schließlich versucht er, sich als Ganzes auszudehnen in der Absicht, der Menschheit und der Natur zu dienen. Dies ist in der Tat ein Zeichen für sein bedeutungsvolles, dynamisches Aufstreben.

Hinduismus: Die Reise der Seele Indiens

Der Hinduismus ist eine innere Erfahrung: die Erfahrung der Seele. Der Hinduismus ist keine Religion. Er ist die Bezeichnung für eine Kultur: die spirituelle Kultur der Selbst-Disziplin. In der Tat findet man das Wort „Religion“ im Wörterbuch eines Hindu nicht. Sein Wörterbuch enthält das Wort Dharma. Zweifellos umfasst Dharma auch Religion, geht aber gleichzeitig weit über den gewöhnlichen Religionsbegriff hinaus. Dharma steht für den Lebenskodex der Seele, für die tiefere Bedeutung der menschlichen Existenz. Dharma ist ein Wort aus dem Sanskrit, das sich von der Wurzel dhri, halten, ableitet. Was den Menschen erhält, ist das innere Gesetz. Dieses innere Gesetz ist eine göttliche, alles erfüllende Erfahrung, die den Menschen hier in der physischen Welt von den Fesseln der Unwissenheit befreit.

Religion hingegen leitet sich ab vom lateinischen Wort ligare, binden. Die alten Römer sahen in der Religion eine Kraft, die den Menschen bindet und kontrolliert. Die alten indischen Seher jedoch fühlten, dass Religion, oder besser gesagt, Dharma, den Menschen von dem, was ihn bindet - seine eigene Unwissenheit - befreien muss. Das erwachte Bewusstsein des Menschen muss die Unwissenheit auflösen, ja, in die Erkenntnis der Wahrheit verwandeln.

Sri Aurobindo sagt:

"„Dharma ist das indische Konzept, in dem Rechte und Pflichten ihre tiefe und ewige Bedeutung wieder erlangen und nicht länger einem Widerspruch unterliegen, der sich herleitet aus einer Weltsicht, in der Eigennützigkeit das Motiv des Handelns ist. Dharma ist die Grundlage der Demokratie, und dies muss Asien erkennen; denn darin liegt der Unterschied zwischen der Seele Asiens und der Seele Europas. Durch das Dharma erfüllt sich die Entwicklung Asiens; dies ist sein Geheimnis.“"

In alten Zeiten galt der Hinduismus als Dharma der Arier. Es ist überaus befremdlich, dass bis heute nicht gänzlich geklärt ist, von welchem Teil der Welt aus die Arier nach Indien kamen. Manche glauben tatsächlich, dass die Arier keineswegs von außen kamen. Swami Vivekananda ist einer der überzeugten Befürworter dieser These.

Das Wort „Hindu“ hat einen merkwürdigen Ursprung. Er hängt eng mit dem Fluss „Shindhu“ zusammen, dem heutigen Indus. Die alten Iraner jedoch, die die Arier mit dem Namen des Flusses, an dem sie lebten, anreden wollten, sprachen es „Hindu“ aus. Die Arier schienen sehr angetan von dem Namen und auch wir als ihre Nachfahren finden Gefallen daran und sind stolz auf den Namen „Hindu.“

Der Hinduismus oder das hinduistische Dharma basiert auf den spirituellen Lehren der hinduistischen Seher. Die Shastras der Hindus– die Schriften, die das soziale Leben im Hinduismus bestimmen – sind von dem kraftvollen Licht der heiligen Lehren dieser alten Seher durchdrungen.

Es gibt unzählige Shastras. Jedes von ihnen hat einen einzigartigen Beitrag zum Ganzen geleistet. Die ältesten und bekanntesten Schriften darunter sind die Veden. Sie sollen die ältesten handschriftlichen Überlieferungen seit Beginn der Zivilisation sein. Alle anderen Schriften gehen ausschließlich auf die Veden zurück. Man nennt die Veden auch Shruti - das, was gehört werden kann. Sie heißen so, weil sie auf unmittelbarer Enthüllung basieren. Die Glaubwürdigkeit der Veden beruht auf unmittelbarer innerer Erfahrung, die von der göttlichen Wirklichkeit herrührt. Ein Hindu fühlt tief in seinem Inneren, dass man die Existenz der Wahrheit selbst anzweifelt, wenn man die inneren Erfahrungen der Seher anzweifelt. Vid - Wissen - ist die Sanskritwurzel des Wortes Veda. Veda bedeutet eigentlich das Wissen von Gott. Weil Gott unendlich ist, ist auch Sein Wissen unendlich. Wir stellen zu unserer Freude erstaunt fest, dass in den Veden die Erkenntnis der Wahrheit eine unendlich viel wichtigere Rolle spielt als die Personen, welche die Wahrheit erkennen. Bedauerlicherweise verhält sich das heutzutage genau umgekehrt. Es gibt vier Veden: die Rig Veda, Sama Veda, Yajur Veda und Atharva Veda. Jede dieser Veden besteht aus zwei Teilen: Samhita und Brahmana. Samhita umfasst die Hymnen oder Mantras, während im Brahmana ihre Bedeutung und die Art ihrer Verwendung erklärt wird.

Alle anderen hinduistischen Shrastras, die nicht zu den eigentlichen Veden gehören, nennt man Smritis. Smriti bedeutet wörtlich: alles, woran man sich erinnert. Man schätzt an den Smritis, dass sie sich ausschließlich auf die Veden stützen, und ist stolz darauf, dass sie ihr Ansehen einzig und allein den Veden zu verdanken haben. Sie genossen traditionsgemäß ein hohes Ansehen, weil sie die Grundlagen für die bürgerlichen und sozialen Gesetze legten, die von ordentlichen Verfügungen bis hin zu Verboten reichten.

Konzentrieren wir uns nun auf die Upanishaden. Upa heißt nahe, ni heißt unter, shad bedeutet sitzen. Upanishad bezieht sich auf die Schüler, die zu Füßen ihres Meisters sitzen und von ihm spirituell unterwiesen werden. Die Upanishaden sind der philosophisch-argumentative Teil der Veden. Man nennt sie auch Vedanta, das Ende der Veden. Das hat zwei Gründe. Zum einen stehen sie am Ende der Veden; zum anderen enthalten sie die spirituelle Essenz der Veden, die voller Licht und Wonne sind. Die tatsächliche Anzahl der Veden ist noch immer unbekannt. 108 von ihnen sind originalgetreu überliefert. Die bekanntesten sind Isha, Kena, Katha, Prashna, Mundakya, Aitareya, Chhandogya, Brihadaranyaka und Svetasvatara.

Die Verwirklichung Gottes kann nur durch Meditation und niemals durch Bücherwissen erlangt werden. Das ist das große Geheimnis der Upanishaden. Die Weisen und Seher in den Upanishaden verlangten von ihren Schülern einzig und allein, dass sie meditierten. Sie sagten ihnen nicht einmal, dass die Veden ihnen bei der Gottverwirklichung helfen könnten. Sie sagten: „Meditiere; du wirst Brahman erlangen! Meditiere; du wirst Unsterblichkeit erlangen!“ Zu Beginn der Reise der menschlichen Seele riefen die Seher der Upanishaden aus: „Uttisthata jagrata …- steh auf, wach auf und raste nicht, bevor das Ziel erreicht ist!“ Am Ende der Reise riefen jene Seher erneut aus: „Tat twam asi - das bist Du.“

Wenden wir uns nun den Sad-Darshana zu, den sechs Systemen der indischen Philosophie. Das sind die verschiedenen Gedanken-Schulen, die später von einigen hinduistischen Weisen eingeführt wurden. Das System des Weisen Jaimini heißt Purva Mimansa; daneben gibt es Vyasas Uttar Mimansa oder Vedanta, Kapilas Shankya, Patanjalis Yoga, Gotamas Nyaya und Kanadas Vaisheshika. Wenn man das Nyaya/ zuerst liest, ist es leichter, auch die anderen Gedankenschulen zu verstehen.

Alle sechs Systeme wurden in Form von Sutren oder Aphorismen niedergeschrieben. Die Weisen taten dies nicht, um ihre Philosophie darzulegen, sondern um ihre erhebenden, uns tief in der Seele berührenden Enthüllungen in möglichst knappen Sätzen auszudrücken, damit diese sich dem Gedächtnis des aufstrebenden Suchers besser einprägten. Im Laufe der Zeit wurden diese Aphorismen mit zahllosen Anmerkungen und Kommentaren versehen.

Es ist nun höchste Zeit, Professor Max Müller dazu einzuladen, uns auf unserer bedeutungsvollen Reise zu begleiten:

"„Wenn man mich darum bitten würde, herauszufinden, welches Land der Erde die Natur am meisten mit Reichtum, Kraft und Schönheit bedacht hat – ein Land, in dem einige Landesteile ein wahres Paradies auf Erden sind – ich würde auf Indien zeigen... Wenn man mich fragte, unter welchem Himmel der menschliche Verstand einige seiner erhabenen Talente am besten entwickelt hat, am tiefgründigsten über die größten Probleme des Lebens nachgedacht und diesbezüglich einige Lösungen gefunden hat, die sehr wohl sogar die Aufmerksamkeit jener verdienen, die Plato und Kant studiert haben – ich würde auf Indien zeigen. Und wenn ich mich selbst fragte, aus welcher Literatur wir hier in Europa, die wir uns fast ausschließlich mit dem Gedankengut der Römer und Griechen und dem der semitischen Rasse der Juden beschäftigt haben, ein Korrektiv ableiten können, das dringend notwendig ist, um unser Leben vollkommener, verständnisvoller, universeller und in der Tat wahrhaft menschlicher zu machen, ein Leben, das sich nicht alleine auf dieses Leben, sondern auf ein verwandeltes, ewiges Leben bezieht – ich würde wieder auf Indien zeigen.“"

Den königlichen Pfad der sechs philosophischen Systeme zu gehen, ist schwierig. Dieser Weg ist für die Gelehrten und wenigen Auserwählten. Der Durchschnittsmensch braucht einen einfacheren Weg. Hier kommen die Puranas ins Spiel. Die Puranas bringen uns die hinduistische Religion in inspirierenden Geschichten, Anekdoten und Parabeln nahe, die uns zum Nachdenken anregen sollen. Die Puranas stellen den Hinduismus auf amüsante, interessante, reizvolle und überzeugende Weise dar. Die Veden und die Puranas unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass die vedischen Götter die kosmischen Eigenschaften des Einen repräsentieren, während die Götter aus den Puranas für Seine menschlichen Eigenschaften stehen.

Kommen wir nun zur Bhagavad-Gita, dem „Himmlischen Lied“. Diese ist die Hauptschrift des Hinduismus, sein wahrer Lebensatem. Die Gita sagt uns nicht nur, dass wir Gott verwirklichen sollen, sondern auch, wie wir das tun können. Die Gita führt drei Hauptwege an, die zur Verwirklichung Gottes führen: Karma Yoga, den Weg der Tat; Jnana Yoga, den Weg des Wissens, und Bhakti-Yoga, den Weg der Hingabe. Emotionale Hingabe und die Lossagung von der Philosophie müssen Hand in Hand gehen, um das Göttliche hier auf Erden zu erfüllen. Diese erhabene Lehre der Gita ist einzigartig. Ein überzeugter Hindu kann ohne zu zögern behaupten, dass die Gita ihm sein ganzes Leben lang Trost war und er auch im Tod darin Trost finden wird.

Einige Menschen sind unserer Rituale und Zeremonien gänzlich überdrüssig. In ihren Augen sind Zeremonien inhaltsleer, undurchsichtig und reine Effekthascherei. Jedoch werden die Kritiker ihre Meinung revidieren müssen, wenn sie erfahren, warum wir diese Rituale vollziehen. Natürlich möchten wir, dass unser inneres und äußeres Leben von der Spiritualität bestimmt wird. Ohne Reinheit im Verstand, in unseren Gedanken, kann es keine wahre Spiritualität geben. Und für diejenigen, die Reinheit wollen, sind Rituale oft von unschätzbarem Wert. Wir wissen, dass die Erleuchtung dämmert, wenn der Verstand rein ist. Die übersinnlichen Wahrheiten, die außerhalb der Reichweite unserer Sinne liegen, treten direkt durch den reinen Verstand in unser Bewusstsein ein. Der Vollzug von Ritualen kann bei diesem Prozess sehr hilfreich sein. Zugegeben, Rituale sind Äußerlichkeiten. Aber wir müssen wissen, dass es Äußerlichkeiten sind, die den Menschen wieder zur Wahrheit führen. Durch Rituale kommen wir schließlich mit dem Innersten unseres Bewusstseins in Kontakt. Rituale bestimmen alle Bereiche des hinduistischen Lebens.

Seit der Zeit des Atharva Veda sind auch Riten wieder in Mode gekommen. Wenn sie aus einem inneren Drang heraus mit aufstrebendem Herzen vollzogen werden, kann uns das beträchtlich dabei helfen, feindliche Kräfte zu besiegen, unsägliches Leid abzuwenden und das Leben in seiner göttlichen Fülle zu erfüllen. Dies ist in der Tat eine göttliche Haltung. Die Angst, spirituell zu fallen, droht nur dann, wenn wir magische oder weniger wirkungsvolle Riten anwenden und eigennützige, ungöttliche Ziele damit verfolgen.

Noch ein paar Worte zu Bildern und Symbolen. Wir beten weder Bilder noch Symbole an. Wir verehren den Geist, der dahintersteht. Dieser Geist ist Gott. Es ist sehr einfach, die Gegenwart Gottes in einer konkreten Gestalt zu spüren. Von der Form muss man zum Formlosen gehen und vom Endlichen zum Unendlichen.

Wir verehren die Natur. Andere lachen über unsere Torheit. Wir lachen über ihre Unwissenheit. Warum verehren wir die Natur? Weil wir die Wahrheit erkannt haben. Wir haben die Wahrheit erkannt, dass Gott sich nicht nur durch die Natur, sondern auch als die Natur offenbart. „Ein Gegenstand von Schönheit ist immerwährende Freude“, sagt Keats. Die Seele ist Schönheit. Die Seele ist immerwährende Freude. Für einen hinduistischen Sucher sind das Aufstreben der Natur und die Wonne der Seele nicht voneinander zu trennen. Das Aufstreben der Natur und die Wonne der Seele erschaffen eine allumfassende, absolute, alles liebende und erfüllende Vollkommenheit.

„Das ist der Gipfel hinduistischer Torheit!“ rufen die Kritiker aus. „Alles in Gottes Schöpfung muss der Hindu anbeten: Tiere, Bäume und sogar Schlangen und Steine.“ Ach, wann werden diese sogenannten weisen Menschen verstehen, dass wir Steine nicht als Steine, Schlangen nicht als Schlangen, Bäume nicht als Bäume und Tiere nicht als Tiere anbeten? Was wir tun, ist sehr einfach, direkt und spontan: Wir beten den Höchsten in all diesen Formen an - nicht mehr und nicht weniger. In dieser Haltung möchte der Hindu jeden Gegenstand in dieser Welt anbeten, vom Größten bis zum Kleinsten.

Lasst uns nun über das Kastensystem sprechen, das schon immer Gegenstand unaufhörlicher Kritik war. Was bedeutet das Wort Kaste? Im eigentlichen Sinn des Wortes bedeutet es die Einheit in der Vielfalt. Verschiedenheit zeugt von Leben. Vielfalt ist für die kosmische Entwicklung lebensnotwendig. Nicht alle Menschen können in physischer, vitaler, mentaler oder spiritueller Hinsicht gleich weit entwickelt sein. Solche Gleichheit ist auch nicht unbedingt erforderlich. Entscheidend jedoch ist, dass jeder Mensch uneingeschränkt die Möglichkeit und Freiheit erhält, sich auf seine persönliche Weise zu entwickeln.

Hinter diesem hohen Ideal steht eine einzige Idee: Dienen und bedient werden. Darin hat jeder Mensch seinen rechtmäßigen Platz. Das Kastensystem kann mit dem Funktionieren der Körperteile verglichen werden. Die Füße sind nicht weniger wichtig als der Kopf; das eine ergänzt das andere. Brahmin (Priester, Lehrer und Gesetzgeber), Kshatriya (König und Krieger), Vaishya (Kaufmann, Händler und Bauern) und Shudra (Arbeiter, Diener und rechte Hand) verbindet alle der gegenseitige Dienst aneinander. Das Wort „Kaste“ ist nicht mit Trennung gleichzusetzen; vielmehr beinhaltet es das Geheimnis von richtigem gegenseitigem Verständnis. Und nur in diesem rechten gegenseitigen Verständnis finden wir völlige Erfüllung. Ein Hindu fühlt diese schlichte Wahrheit.

Wahrer Hinduismus schwört allem ab, das trennt und teilt. Er träumt von der höchsten Wahrheit in der absoluten Freiheit, der vollkommenen Gerechtigkeit in allumfassender Liebe und der höchsten Befreiung des Einzelnen im bedingungslosen Dienst an der Menschheit.

Der Hinduismus weist allen spirituellen Persönlichkeiten ihren rechtmäßigen Platz zu. Er erkennt eine große Übereinstimmung in ihren Lehren. Durch alle Zeitalter hindurch hat das Firmament Indiens die Botschaft von Frieden, Liebe und Wahrheit zur Erde geschickt. Es hat die Zusammenführung aller Religionen gefördert und ermutigt. Zudem hat der Hinduismus stets betont, dass das höchste Lebensziel nicht darin besteht, in einer bestimmten Religion zu verbleiben; vielmehr sollte man über die Religion hinausgehen, um die Ewige Wahrheit zu erkennen und in ihr zu leben.

Der Hinduismus verkörpert hohe und unfehlbare Ideale. Diese Ideale wohnen und wachsen in uns. Aufgrund dieser Tatsache ist der Hinduismus immer noch eine lebendige, wegweisende Kraft. Den Hinduismus kennen heißt Indien entdecken. Indien entdecken heißt den Atem der Seele fühlen. Den Atem der Seele fühlen heißt eins werden mit Gott.

Indiens Bewusstseins-Licht

Was ist Indiens innere Botschaft an die Welt? Spiritualität. Was ist Spiritualität? Der natürliche Weg der Wahrheit, die hier auf der Erde erfolgreich mit dem Jenseits kommuniziert.

Was ist Indiens unverkennbarer Besitz? Seine Seele. Indien lebt in der Seele, Indien lebt von der Seele und Indien lebt für die Seele.

Wo kann die Welt die eigentliche Natur Indiens finden? Im stets wachen Reich des Geistes.

Was macht die Geschichte Indiens so einzigartig? Eine äußerst überraschende und ungewöhnliche Kontinuität in der Linie seiner spirituellen Sucher und Meister.

Was lehrt die Spiritualität Indiens? Sie lehrt die Welt, das Laster der niederen Natur zu besiegen und über die Tugendhaftigkeit der höheren Natur hinauszugehen.

Was ist der Wunsch von Mutter Indien? Ihr Wunsch ist es, endgültig über das Menschliche hinauszugehen und durch grundlegende Selbst-Umwandlung in das ewig dynamische Göttliche einzugehen.

Wie viel Macht auch immer Religion besitzt, sie ist nicht und kann nicht die Botschaft Indiens sein. Seine Botschaft ist die Selbstverwirklichung.

Die vollkommene Wahrheit der Religion Indiens liegt in der äußeren und inneren Verwirklichung des Einen, das selbst in einem stetigen Prozess der Weiterentwicklung und Selbsttranszendenz begriffen ist.

O Welt, während du in die innersten Winkel deines Herzens vordringst, wirst du zu deinem Erstaunen entdecken, dass Mutter Indien alles andere als gottesfürchtig ist. Was ist sie dann? Sie ist Gott-liebend. Sie ist die Gott liebende Seele in Gottes all-träumender und all-manifestierender Wahrheit.

Die Seele Indiens fühlt, dass man nur die Hälfte der Nahrung, die für die Erhaltung der Gesundheit nötig ist, erhält, wenn man sich mit geistigen Theorien zufriedengibt. Nur durch die Verwirklichung erhält man ein vollständiges Mahl. Und wenn man Verwirklichung sucht, sind Meditation und Konzentration von größter Wichtigkeit.

In ihrer vollendetsten Form ist die indische Philosophie nichts anderes als die praktische Umsetzung der Wahrheit.

Nur ein Bindestrich trennt die Vision der indischen Seher und die Seele Indiens, sowie die Spiritualität Indiens und die letztendliche spirituelle Befreiung der Welt.

Es heißt, Indien habe schon vor langer Zeit die Milchstraße der Größe verloren. Wir aber wissen, dass Indien nun die kolossale Hoffnung hat, dass sich der bedeckte Himmel endlich wieder aufklären und unzählige Lichtpunkte enthüllen wird.

Was waren die Hauptursachen für den Niedergang Indiens? Indien hat das Körperbewusstsein vernachlässigt und das materielle Leben gemieden. Es hat seinen Horizont beschränkt und sich hinter überkommenen Riten aus der Vergangenheit verschanzt. Es hat sich an die eitrige Schale seiner einstigen Kultur geklammert und dabei seinen lebendigen und wachsenden Geist ausgelöscht. Indiens Schicksal war an dem Tag besiegelt, an dem es diese Praktiken anwandte.

Indiens Aufstieg begann, als es sich von diesen Tendenzen löste und das Leben in all seinen dynamischen Aspekten annahm.

Indien wird dann wieder zu seiner vollen Größe aufsteigen, wenn es selbständig wird. Es weiß, dass es sein Ziel nicht erreichen kann, wenn es dauernd auf fremde Hilfe angewiesen ist. Selbsthilfe ist die beste Hilfe. Selbsthilfe ist Gottes eigene verschleierte Hilfe.

Indien trägt eine Stimme in sich, welche die alles erfüllende Stimme Gottes ist. Es muss lediglich auf diese Stimme hören und ihr gehorchen.

Was ist eigentlich mit der Emanzipation der indischen Frau gemeint? Es bedeutet, dass sie nicht länger von der Erziehung ausgeschlossen werden darf. Sie muss freien Zugang sowohl zum weltweiten Wissen der Gegenwart als auch zu dem heiligen Wissen vergangener Zeitalter haben. Wahre Erziehung verhilft uns dazu, in der Vollkommenheit zu leben, welche alles umfasst und das Rückgrat unserer Existenz hier auf der Erde bildet. Die indische Frau muss in vollem Umfang die Möglichkeit erhalten, diese Vollkommenheit zu entwickeln und zu manifestieren.

Die Emanzipation der indischen Frau bedeutet auch, dass sie vom Mann nicht unterdrückt und beherrscht werden darf. Sie muss sie selbst sein dürfen, auf ihre eigene Weise unabhängig, stark und selbstsicher, eine wahrhafte Partnerin und Gefährtin des Mannes, und nicht seine Dienerin und Leibeigene. Sie muss wieder zu dem werden, was sie im Indien der Veden war - eine Bürgerin, die man als ebenbürtig respektiert und die sich auf wunderbare Weise mit dem Mann ergänzt.

Das heutige Indien wird von Armut heimgesucht. Das Indien von morgen aber wird wohlhabend sein. Es wird zu einer mächtigen Woge von Hoffnung und Glauben werden. Der bloße Gedanke an Indien wird eine neue Vision wachrufen. An seinem Horizont werden unbegrenzte Möglichkeiten aufsteigen. Sein Opfer wird ein dauerhaftes Fundament für die Menschheit errichten. Indien wird Nationalität und Internationalität in sich vereinen und so zum Sinnbild einer Spiritualität in Aktion werden.

Die spirituelle Kraft Indiens wird einen ungeheuer großen Einfluss auf künftige Generationen haben. Dies ist keine bloße Vorstellung, sondern eine Vision, die bereits im Begriff ist, sich zu manifestieren.

Indien und Indien alleine ist der Hauptnerv der aufstrebenden Welt.

Die Stärke von Indiens Stärke liegt nicht in seinen Waffen, sondern in seinem Herzen. Ja mehr noch, seine Kraft liegt in seiner Vision. Indien erklärt der Welt, dass die Verwirklichung der Einheit die einzige Macht ist, die die Welt besiegen kann.

Indien ist ein Sucher nach dem Absoluten. Sein höchstes Lebensziel ist das Ideal der Gott-Verwirklichung. In seinem Herzen brennt die Liebe zu Gott. In seinem Verstand wohnt das Verlangen, der noch nicht erwachten Menschheit zu dienen.

Verzehrt von Wünschen und Versuchungen, ist Europa auf Indien zugeeilt, um an seinem wunderbaren Reichtum teilzuhaben. Das ist wahr. Aber es ist ebenso absolut wahr, dass die Seele Europas sich aufgrund einer spirituellen Suche und dem verborgenen Drang, das Wesen Indiens zu entdecken, an dieses Land gewandt hat.

Indien besitzt drei Waffen, um die Welt zu besiegen: Gewaltlosigkeit, Frieden und Weisheit, welche sagt, dass es in allem ist und alles in ihm ist. Indien legt großen Wert auf Charakter. Es muss jedoch ebenso fühlen, dass es auch Persönlichkeit braucht.

Mutter Indien fürchtet sich nicht vor Atombomben, doch es fürchtet sich vor der selbstvergesslichen Amnesie seiner Kinder.

Es ist unglaublich, aber Indien hat in sich auf erstaunliche Weise die beiden schlimmsten Antagonisten versöhnt: Entsagung und Genuss-Sucht. Die Griechen legten größten Wert auf Perfektion. Die Römer legten größten Wert auf das rechte Maß. Die Inder legen größten Wert auf Universalität.

Indien ist die Stimme, die niemals ins Stocken gerät. Indien ist eine Wahrheit zu eigen, die durch die drohende Dunkelheit der Zeitalter nicht ausgelöscht werden kann. Indien besitzt ein Herz, das ewig von der Einheit der Menschheit singt.

Indien ist die Wiege der alten, ewigen Weisheit, die eine universelle Anziehungskraft besitzt. Es ist zudem die universelle Rücklagen-Bank einer ewig wachsenden Weisheit, von der die dynamische Umwandlung der Welt ausgehen wird.

Der Osten und der Westen

Der Osten sagt: „Ich habe Gottes Gesicht gesehen; jetzt muss ich Seine Füße sehen.“ Der Westen sagt: „Ich habe Gottes Füße gesehen; jetzt muss ich Sein Antlitz sehen.“

Der Osten sagt: „Ich habe Gottes Transzendenz gesehen.“ Der Westen sagt: „Ich habe Gottes Immanenz gesehen.“

Für den Osten ist das Leben ein kontinuierliches Wachsen vom Materiellen zum Geistigen. Für den Westen ist das Leben ein kontinuierliches Wachsen vom einfachen materiellen Leben zu einer komplexen, ewig sich ausdehnenden wissenschaftlichen Entwicklung.

Der gleichgültige Osten wollte nichts vom Westen hören. Der stolze Westen wollte nichts vom Osten lernen.

In den Augen des Ostens ist der Westen alles andere als göttlich. In den Augen des Westens ist der Osten müßig.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass der Osten große Angst vor einem dynamischen Leben hat. Ebenso hat der Westen große Angst davor, in der inneren Stille zu vereinsamen. Dem Osten fehlt es vielleicht an Sorgfalt und Genauigkeit. Dafür mangelt es dem Westen an Weite und Universalität. Dem Osten fehlt es an irdischer, praktischer Intelligenz. Dem Westen fehlt die einzigartige Verwirklichung des Selbst.

Der Osten fühlt, dass die Beherrschung der eigenen inneren Regungen die wahre Erfüllung im Leben ist. Der Westen fühlt, dass die Beherrschung der Welt die wahre Erfüllung im Leben ist. Demut und Hingabe sind das Geburtsrecht des Ostens. Aufrichtigkeit und Offenheit sind das Geburtsrecht des Westens. Die Kombination dieser vier Eigenschaften sollten das Ideal des Menschen sein.

Der Osten wollte die Welt im Namen der Befreiung erobern. Der Westen wollte die Welt im Namen von Kommerz und Religion erobern. Der Osten besitzt die Kontrolle über den Geist. Der Westen besitzt die Kontrolle über die Materie. Der Geist ist schöpferische, bewusste Existenz. Was ist Materie? Sie ist alles andere als leblose, mechanische Substanz. Die Materie ist lebendige Energie, die wissentlich Leben und Bewusstsein in sich birgt.

Im Osten begnügt sich der Mensch mit der Maxime: „Möge ich unerkannt im Verborgenen leben, und möge man nicht um mich trauern, wenn ich sterbe.“ Und man könnte hinzufügen: „Möge dies alles ohne große Anstrengung geschehen.“ Der westliche Mensch hingegen möchte seine Individualität in vollem Umfang zum Ausdruck bringen. Er ist bestrebt, sich eine starke Position in der Welt zu schaffen.

Die jahrhundertealte Erfahrung mit dem spirituellen Leben hat den Osten innere Harmonie und Gleichmut bei der Arbeit gelehrt. Er steht über Verbitterung, Wirrsal sowie Verdruss über kleine Ärgernisse und alles, was das innere Gleichgewicht stört. Er nimmt still die nötigen Änderungen vor und arbeitet dann ebenso ruhig weiter. Dies muss der Westen noch lernen.

Durch die intensive Erfahrung mit dem materiellen Fortschritt hat der Westen gelernt, in der Arbeit objektiv zu sein. Er hat gelernt, Begünstigung, Vetternwirtschaft und anderen persönlichen Faktoren bei der Ausführung einer wichtigen Tätigkeit beiseite zu lassen. Er ist in der Lage, die Arbeit um ihrer selbst willen zu verrichten, und zwar schnell und effizient und mit der bestmöglichen verfügbaren Arbeitskraft. Dies muss der Osten noch lernen.

Die indische Philosophie ist ihrem Ursprung nach die Suche nach der höchsten Wahrheit. Nur eine Wirklichkeit jenseits der Sinne konnte bislang den inneren Durst des Ostens stillen.

Die europäische Philosophie ist ihrem Ursprung nach die Prüfung von Ideen durch den kritischen Intellekt. Bislang haben Verstand und Intellekt den Hunger des Westens hinreichend stillen können. Jetzt haben der Osten und der Westen die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen dem Verstand und dem Geistigen erkannt.

Der Osten und der Westen sind wie die beiden Augen ein und desselben menschlichen Körpers. Alle anderen menschlichen Unterscheidungsmerkmale wie Rasse, Kultur und Sprache werden als solche nicht mehr existieren, sobald das menschliche Bewusstsein von supramentalem Licht und supramentaler Kraft durchflutet wird. Das ist die unausweichliche Konsequenz der Stunde Gottes, die in der ganzen Welt heraufdämmert. Es wird gewiss Unterschiede geben und sie werden in vollem Umfang zur Entfaltung kommen. Jedoch werden sie das Gesamtbewusstsein nicht beeinträchtigen; im Gegenteil, sie ergänzen es auf harmonische Weise zu einer einzigartigen Ganzheit. Die Menschheit wird im wahrsten Sinne des Wortes eine wirkliche Menschenfamilie sein. Die Öffnung für das neue Licht wird die menschlichen Erwartungen weit übertreffen.

Das erwachte Bewusstsein des Menschen beginnt sichtbar, sich auf das Göttliche auszurichten. Das ist ein Hoffnungsschimmer angesichts all der gegenwärtigen Unsicherheiten. Das ist der Moment, um sich nicht nur die Hände zu reichen, sondern sich auch im Geist, im Herzen und in der Seele zu einen. Hoch über allen physischen und geistigen Barrieren zwischen Ost und West und jenseits nationaler und individueller Normen wird das Banner göttlichen Einsseins erhaben wehen.

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