Schutz und innere Überzeugung

Menschen, die ein spirituelles Leben führen, stehen immer unter dem Schutz des Supreme. Wenn eurer Familie ein Unheil widerfährt, und ihr euch jeden Tag aufrichtig und ergeben dem Gebet und der Meditation gewidmet habt, dann fühlt, dass dieses Unheil viel, viel schlimmer hätte ausfallen können. Angenommen es hat sich ein Unfall ereignet. Eine gewöhnliche Person wird sagen: „Ach, dort gibt es keinen Schutz vorhanden, dort ist nichts.“ Wenn ihr aber wirklich spirituell seid, wenn ihr mein wahrer Schüler seid, dann möchte ich euch sagen, dass euch der Supreme in euch beschützt hat. Es hätte schlimmer ausfallen können, viel schlimmer.

Wenn ihr euch wirklich aufrichtig dem spirituellen Leben widmet und es mit Ergebenheit praktiziert, dann ist das Leid, das ihr in eurem Leben durchmachen müsst, nichts, verglichen mit dem Leid, das ihr andernfalls durchmachen müsstet. Und alleine Gott weiß, wie viel Leid euer Guru in eurem Namen durchmacht. Der Supreme alleine weiß, was mein Körper um der Unvollkommenheiten der Schüler willen durchmacht. Sein Wille für mich lautete, dies anzunehmen, und ich habe es getan. Damit möchte ich nicht prahlen. Ich möchte euch nur sagen, dass ihr, wann immer ihr leidet, bitte fühlen sollt, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können.

Wenn ihr dem Weg der Spiritualität wirklich folgt, wenn ihr aufrichtig und ergeben seid und euch diesem Weg widmet, dann kann das Gesetz des Karmas ganz leicht abgewendet oder aufgehoben werden. Doch was geschieht ist Folgendes: heute seid ihr aufrichtig, aber morgen seid ihr äußerst unaufrichtig. Heute ist dieser Guru sehr gut; heute bin ich nett zu euch. Doch morgen bin ich völlig nutzlos. In diesem Augenblick habt ihr das Gefühl, dass ich gut bin, und im nächsten Moment schon hegt ihr das Gefühl, dass ich schlecht bin. Wenn ihr denkt, dass ich gut sei, dann glaubt zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich in der inneren oder in der äußeren Welt euch gegenüber sehr großzügig sein werde. Der Supreme in mir wird beobachten, für wie viele Tage ihr den Glauben an mich aufrecht erhaltet. Am heutigen Tag werden einige von euch bloß eine halbe Stunde lang Vertrauen in mich haben. Wenn ihr dann nach Hause geht, verschwindet dieses Vertrauen wieder. Doch ich möchte sagen, wenn ihr das Vertrauen in mich für immer aufrecht erhalten könnt, dann gibt es nichts, was ihr nicht tun könnt. Ich schelte euch jetzt nicht. Ich sage euch nur, wie ihr Erfüllung finden könnt.

Diesen Augenblick habe ich euch angelächelt, und daher habt ihr das Gefühl, dass ich ein sehr guter Mensch bin. Im nächsten Augenblick, wenn ich keine Möglichkeit habe, euch anzulächeln, wenn ich mich auf die andere Seite wende, um mit jemanden zu sprechen, dann bin ich eurer Meinung nach ein sehr schlechter Mensch.

Glaubt mir, ich höre es, wenn ihr sagt, ich sei ein guter Mensch; und ich fühle es auch, wenn ihr denkt, ich sei ein schlechter Mensch. Ihr glaubt, nur weil ich euch nicht angesehen habe, seid ihr in der Lage, mich zu täuschen. Vielleicht bekomme ich euch überhaupt nicht zu Gesicht, doch meine inneren Wesen werden mir die Botschaft überbringen. Wie ein Magnet werden sie die Botschaft bringen.

Eure Gedanken, dass ich schlecht sei, oder euer Gefühl, dass ich gut sei, bringen euch nichts. Nur indem ihr selbst zu guten Menschen werdet, könnt ihr gewinnen. Nur indem ihr gut werdet, könnt ihr etwas erreichen. Wenn ihr gut werden könnt, werdet ihr alles bekommen. Nehmen wir an, ihr denkt, ich sei eine schlechte Person; der Lehrer sei kein guter Lehrer. Das macht nichts. Doch wenn ihr euer eigenes Leben verbessern könnt, werdet ihr automatisch Gutes in mir sehen.

Es gibt einige Schüler die das Gefühl haben: „Guru kümmert sich nicht um mich, Guru interessiert sich nicht für uns.“ Ihr erhaltet nichts davon, wenn ihr wieder und wieder denkt, euer Guru kümmere sich nicht um euch. Wenn ihr denkt, dass ich mich nicht um euch kümmere, dass ich mich niemals um euch kümmern werde – wenn ihr an diesem Gedanken für den Rest eures Lebens festhaltet, werdet ihr keinen weiteren Tropfen Anteilnahme von meinem Bewusstseinsmeer erhalten. Wenn ihr fühlt, dass ich mich nur um andere kümmere, werdet ihr keinen einzigen Tropfen mehr von mir bekommen. Versucht euch vorzustellen, wie viele Sekunden ich an euch denke. Stellt euch selbst die Frage: „Wie oft habe ich daran gedacht, ihn auf seine Weise zufrieden zu stellen?“ Vielleicht müsst ihr euch eine schlechte Note geben. Vielleicht denkst ihr, dass ihr mich einmal im Monat auf meine Weise zufrieden stellen möchtet. Und ich sage euch, es gibt Schüler, die diesen Versuch nicht einmal im Monat unternehmen.

In dem Augenblick, in dem ihr den Gedanken oder das Gefühl habt, dass ihr mich auf meine eigene Weise erfüllen könnt, habt ihr mich bereits erfüllt. Meine Anteilnahme und meine Liebe hängen nicht vom meinem Lächeln oder von meinem Segen ab. Sie hängen ganz von eurem inneren und äußeren Handeln ab. Wenn ihr spazieren geht und währenddessen mit guten Gedanken an mich denkt, dann ist euer gesamtes inneres Wesen von Freude durchdrungen. So kann der ganze Monat verstreichen, ohne dass ich mit euch sprechen muss. Wenn ihr nur einmal einen guten Gedanken denkt, dann ist euch die innere Freude gewiss.

Warum spürt ihr diese Freude im Augenblick nicht? Es liegt nicht daran, dass mich einige Menschen sehr oft zu Gesicht bekommen, ihr aber nicht. Nein, es liegt genau genommen daran, dass es euch an der inneren Überzeugung mangelt. Diese innere Überzeugung ist das Gefühl: „Ich bin von dir und ich bin für dich.“ Solange ihr nicht fühlt: „Ich bin von dir“, könnt ihr auch nicht das Gefühl „ich bin für dich“ aufbringen. Ihr solltet fühlen, dass ich in eurem Leid mit euch eins bin. Momentan hegt ihr das Gefühl, dass ich nur dann für euch bin, wenn ihr etwas Großartiges leistet, und dass ich nicht bei euch bin, wenn ihr etwas Schlechtes macht. Das ist jedoch nicht die richtige Einstellung. Wenn ihr etwas falsch macht, dann identifiziert euch samt eurer falschen Handlung sofort mit mir. Wenn ihr euch zu dem Zeitpunkt mit mir identifizieren könnt, dann werdet ihr es loslassen können.

Nehmen wir an, ihr habt jemanden gekränkt oder beschimpft. Schon seid ihr ungöttlich. Doch wenn ihr euch dann von mir absondert und das Gefühl hegt, dass ich nicht in euch bin, dass ich nicht mit euch und euren Gedanken sympathisiere, dann wird sich euer Ärger sofort gegen mich richten. Ihr werdet sagen: „Ich habe gerade einen riesengroßen Fehler begangen. Ich bin regelrecht wütend auf diese Person geworden. Das ist schlecht, ganz schlecht. Und wo war Guru? Warum hat er mich nicht beschützt? Was hat er gemacht? Hat er geschlafen?“

Das ist eure Reaktion. Doch hier möchte ich hinzufügen, dass ihr zu dem Zeitpunkt, wo ihr auf jemanden böse seid, bitte fühlen solltet, dass ich mit der Handlung und mit dem Ergebnis eins bin. Ihr ward zornig; jetzt bekommst ihr das Ergebnis präsentiert – ihr fühlt euch schlecht. Doch nun solltet ihr nachspüren, ob nicht auch ich darunter leide. Sage ich, dass ich euch nicht mehr sehen möchte, oder dass ihr eine Strafe verdient? Sage ich, dass ihr diese Form des Leidens verdient, weil ihr zornig geworden seid und euch nicht richtig benommen habt? Nein! Haltet nicht an der Idee fest, dass ich das sage. Lasst mich zu diesem Zeitpunkt mit euch eins werden. Bringt mich, zu all euren falschen Kräften, zieht mich in euer Leid hinein.

Ihr könnt jeden Tag auf die Tafel eures Herzens all die Dinge aufschreiben, die ihr in Gedanken oder in Taten falsch gemacht habt. Gute Schüler werden vielleicht auf zehn oder fünfzehn unrechte Dinge kommen; schlechte auf fünfzig oder sechzig. Am nächsten Tag macht ihr dasselbe. Seid euer eigener Prüfer. Überprüft euch jeden Tag. Wenn ihr etwas gut gemacht habt, dann bietet es an, bringt es dar. Wenn ihr etwas falsch gemacht habt, so bietet das ebenfalls an. Bringt mir alles dar, bringt mir immer alles dar. Denn wenn ihr daran festhaltet, ist es für mich unmöglich, zu euch vorzudringen.

Sri Chinmoy, Schöpfung und Vollkommenheit, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2017
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