Dem Meister eine Freude Bereiten

Sri Aurobindo schrieb auf Bengali eine Geschichte mit dem Titel Kshamar Adarsha (Das Ideal der Vergebung). Dort beschrieb er, wie der vedische Weise Vashishtha dem König Vishwamitra verzieh, obwohl Vishwamitra hundert seiner Jünger getötet hatte.

Als ich dreizehn Jahre alt war, übertrug ich diese Geschichte in zweihundert Zeilen reimender bengalischer Verse. Schüchtern und ergeben reichte ich dieses Gedicht bei der Mutter des Sri Aurobindo Ashrams ein. Aus ihrem unendlichen Mitgefühl für mich gab die Mutter es Sri Aurobindo. Ein paar Tage später, nachmittags um vier Uhr dreißig, als ich gerade auf dem Weg zum Volleyballplatz war, hielt mich einer von Sri Aurobindos liebsten Betreuern, Mulshankar, an und sagte: „Chinmoy, Nirod liest Sri Aurobindo dein langes Gedicht vor und Sri Aurobindo lächelt.“

Als ich das hörte, war ich im siebten Himmel der Glückseligkeit! Ein paar Stunden später lies Nirod-da mich rufen und gab mir das Gedicht zurück. Er erzählte mir, dass Sri Aurobindo angemerkt hatte: „Es ist ein schönes Stück Poesie. Er besitzt Fähigkeit. Sag ihm, er soll weitermachen.“

Letzten August fühlte ich mich inspiriert, dieses Gedicht zu vertonen, und heute hat Kailashs Gruppe das Lied sehr seelenvoll und sehr kraftvoll gesungen. Einst hatte ein dreizehnjähriger Junge seinem Meister eine Freude bereitet. Er ist jetzt einundsiebzig Jahre alt, und nun haben seine Schüler ihm sehr, sehr viel Freude bereitet. In aller Aufrichtigkeit sage ich euch aus meiner eigenen inneren Vision, dass die Freude, die mir meine Schüler heute mit ihrem Singen gegeben haben, unendlich größer ist, als die Freude, die ich Sri Aurobindo mit meinem Gedicht gegeben habe. Es war ausgezeichnet, wie sie dieses Liedes gesungen haben.

Kurz bevor Kailashs Gruppe begann, radelte ich auf dem Standrad in unserem Meeting-Raum. Gleich von Anfang an, wen habe ich gesehen? Ich sah Sri Aurobindo im Raum. Dann sah ich auch die Mutter und Nolini-da. Sie beobachteten und beobachteten mich aus der Ecke auf der anderen Seite dieses Raumes. Sie waren sehr glücklich.

Erst als ich anfing zu laufen, wurden sie sehr traurig. Sie waren tief, tief traurig über den Schmerz, den ich in meinen Beinen empfand. Diese Traurigkeit kann ich nicht in Worten ausdrücken.

Sri Chinmoy, Die Kraft der Güte und andere Geschichten, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2020
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