Die Statue aus Termiten1

Es gab einst einen sehr, sehr großen Weisen. Sein Name war Rishi Bhrigu. Diese Geschichte handelt von Bhrigus Sohn Chyavana.

Bevor die Geschichte beginnt, lasst mich ein bisschen angeben. Vor Tausenden und Abertausenden von Jahren hat Bhrigu das Horoskop aller Inder erstellt, ob ihr es glaubt oder nicht! Für alle Inder, die geboren wurden und noch geboren werden, hat er das Horoskop erstellt. Mein ältester Bruder, Hriday, war auch ein sehr guter Astrologe, der Horoskope erstellen konnte. In Indien erstellen wir Horoskope auf zwei verschiedene Weisen. Eine ist Bhrigus Weise, und dann gibt es noch eine andere. Mein Bruder hegte große Bewunderung und Verehrung für Bhrigu, da er ein sehr großer Weiser war. Daher erstellte er mein Horoskop nach Bhrigus System. Dort steht geschrieben, dass mein Horoskop das gleiche ist wie das Horoskop von zwei spirituellen Meistern höchsten Ranges. Mit einem spirituellen Meister hatte ich achtzehn „Räume“ gemeinsam; mit dem anderen spirituellen Meister zwölf oder dreizehn. Mein Bruder konnte es nicht fassen.

Mein Bruder fand auch heraus, dass in meinem Horoskop steht: „Im Alter von zwölf Jahren wird er seinem Guru begegnen, und sein Schicksal wird ganz von seinem Guru abhängen.” Dort hörte es auf. Bhrigu ging nicht weiter. Mit zwölf Jahren wurde ich permanentes Mitglied im Sri Aurobindo Ashram! Genau das tauchte in Bhrigus System auf.

Bhrigus Frau hieß Puloma, und gemeinsam hatten sie einen Sohn namens Chyavana. Er wurde auch ein sehr großer Weiser. Er war der Entdecker von Chyavana Prash, einer Art Aufbaumittel, das die Menschen noch heute einnehmen. Wenn man es nimmt, wird man sofort stärker als der Stärkste!

In sehr jungen Jahren wollte Chyavana in den Wald gehen, um dort zu beten und zu meditieren. Weil seine Eltern spirituell waren, waren sie überglücklich, dass ihr Sohn sich bereits in einem so zarten Alter dem spirituellen Leben widmen wollte.

Chyavana ging in den Wald und fand einen sehr geheimen und heiligen Ort zum Leben. In der Nähe befand sich ein kleiner Teich, in dem er jeden Tag badete. Er hatte seinen Eltern gesagt, dass sie ihm kein Essen bringen sollten, weil er sich nur von den Früchte ernähren wollte, die er im Wald fand. Anstatt beunruhigt oder besorgt zu sein, waren seine Eltern sehr glücklich. Sie gaben Chyavana die volle Erlaubnis. Sie dachten, wenn er weiterhin mit solcher Intensität betet und meditiert, würde er definitiv in der Lage sein, Gott zu verwirklichen.

Chyavana meditierte für Jahre, in sich selbst versunken, an diesem heiligen Ort. Sein ganzer Körper wurde von Termiten bedeckt, aber das war ihm egal. Inmitten des Termitenhügels war er für andere nicht mehr sichtbar. Es gab nur zwei kleine Löcher, in der Nähe seiner Augen, und aus diesen beiden kleinen Löchern schien ein kleines, kleines Licht heraus.

In der Nähe des Waldes gab es ein kleines Königreich. Eines Tages ging der König dieses Königreichs mit seinem Gefolge in den Wald, um zu jagen und ein Picknick zu veranstalten. Der König hatte eine junge, wunderschöne Tochter, die ihre Eltern begleitete. Ihr Name war Sukanya. Sie streifte alleine durch den Wald und erfreute sich daran.

Als das junge Mädchen eine Art Statue sah, die mit Termiten bedeckt war, überkam sie eine gewisse Neugierde. Mit böswilliger Freude nahm sie einen Stock und steckte ihn in die beiden Löcher. Jetzt kam mehr Licht heraus, aber gleichzeitig hörte sie jemanden im Inneren qualvoll weinen und weinen. Sie lief sofort weg, als sie die menschliche Stimme hörte.

Doch was geschah danach? Aus heiterem Himmel wurden der König, die Königin und alle, die bei ihnen waren, krank. Sie begannen, an verschiedensten Krankheiten zu leiden. Das rastlose Mädchen bemerkte, dass ihre Eltern und andere litten und sagte zu ihren Eltern: „Vielleicht kommt das daher, dass ich jemandem im Innern eines Termitenhügels in die Augen gestochen habe.“

Die Eltern gingen an den Ort, an dem ihre Tochter den Termitenhügel gefunden hatte. Dort sahen sie einen alten Mann, der mit Staub bedeckt war und sich seine Augen hielt. Er sagte zu ihnen: „Ich kam als kleiner Junge hierher. Ich bete und meditiere seit Jahren. Jetzt bin ich ein alter Mann, und das ist es, was deine Tochter getan hat! Ich leide so sehr. Dennoch habe ich sie nicht verflucht. Ich hätte sie verfluchen können, und ich hätte sie sofort mit meiner yogischen Kraft töten können. Aber das habe ich nicht getan.“

Dann baten der König und seine Frau ihn um Vergebung, Vergebung und Vergebung. Der Weise sagte: „Ich werde euch verzeihen, aber unter einer Bedingung: Eure Tochter muss mich heiraten. Wer kümmert sich jetzt um mich? Ich bin ein alter Mann. Ich kann nicht mehr im Termitenhügel bleiben. Jetzt habe ich Gott verwirklicht, aber ich leide unsagbar.“

Der König war bereit, weiter zu leiden, anstatt seiner Tochter zu erlauben, diesen alten Mann zu heiraten. Aber Sukanya sagte: „Nein, nein, nein! Ich werde nicht zulassen, dass du, meine Mutter und unsere Lieben leiden. Ich bin bereit, ihn zu heiraten, und ich werde mein Leben geben, um ihm zu dienen, weil ich die Schuldige bin. Ich habe das getan, also werde ich ihn heiraten, und ich werde ihm gegenüber sehr, sehr ergeben sein.“

Die Eltern waren hilflos. Gegen ihren Willen heiratete ihre schöne Tochter diesen sehr alten Mann. Dann gingen der alte Mann und seine Frau tiefer in den Wald, um dort zu leben. Dort blieben sie einige Jahre lang. Sukanya hielt ihr Versprechen und war Chyavana gegenüber sehr ergeben.

Eines Tages streifte Sukanya durch den Wald, als sie zwei junge Männer sah. Es waren die Ärzte der kosmischen Götter, genannt Ashwini Kumar. Die Ashwini Kumar sind zwei verschiedene Personen, Zwillinge, aber in indischen Geschichten werden sie als eine Person betrachtet, weil sie sich so ähnlich sind.

Diese beiden Ärzte der kosmischen Götter waren zufällig im Wald. Sie waren tief bewegt, als sie dieses junge Mädchen sahen. Sie riefen aus: „Du bist so schön! Bist du verheiratet?”

Sie sagte: „Ja, ich bin verheiratet.“

Dann fragten sie: „Ist dein Mann so schön wie du?“

Sukanya begann zu antworten: „Warum sollte mein Mann….”, aber bevor sie fertig werden konnte, sagten sie: „Ach, du bist verheiratet. Es tut uns leid. Sonst hätten wir dich geheiratet.“

Sukanya wurde wütend. „Ich war meinem Mann so treu und ergeben!“, sagte sie. „Ich kümmere mich um ihn. Wenn ich meinem Mann aufrichtige Hingabe gezeigt habe und wenn ich ihm so viele Jahre lang gedient habe, dann habe ich definitiv etwas innere Kraft erworben. Ich werde meine innere Kraft nutzen und euch beide zu Asche verbrennen!“

Zuerst waren die Ashwini Kumar amüsiert. Dann, als sie ihr in die Augen blickten, erschraken sie. „O mein Gott!“ sagten sie. „Nein, nein, nein! Bitte vergib uns, vergib uns. Kannst du uns zu deinem Mann bringen, damit wir ihn treffen können?“

Sukanya brachte sie zu Chyavana. Die Ashwini Kumar waren schockiert, als sie sahen, wie alt Chyvana war. Innerlich dachten sie: „Wie kann ein so schönes junges Mädchen mit einem so schrumpeligen alten Mann verheiratet sein?“

Äußerlich sagten sie: „Wir haben die Fähigkeit, deinen Mann in einen attraktiven, jungen, starken Mann zu verwandeln. Unsere Medizin hat diese Kraft.“

Sukanya sagte: „Ich will nicht, dass ihr eure Kraft benutzt. Auch wenn mein Mann alt ist, besitze ich eine starke Liebe und Hingabe zu ihm. Ich will nicht, dass ihr etwas ändert. Ich werde meinen Mann weiterhin so lieben, wie er ist. Ich will nicht, dass er jung und attraktiv ist.“

Dann sprach der Weise. Er sagte: „Ich würde gerne sehen, was passiert, wenn ich aus meinem Alter entlassen werde und meine Jugend wieder hergestellt ist.“

Erneut erhob Sukanya Einspruch. „Ich liebe dich so sehr! Du musst nicht schön und stark sein.“

Aber ihr Mann bestand darauf. „Bitte erlaube es mir. Ich will schön, jung und stark werden.“

Die beiden Ärzte, Ashwini Kumar, sagten zu dem Weisen: „Wenn wir das für dich tun, wirst du uns dann einen großen Gefallen erweisen?“

„Ja“, antwortete er, „Ich werde euren Wunsch erfüllen, wenn es innerhalb meiner Fähigkeiten liegt.“

Als Sukanya diese Worte hörte, unterbrach sie. „Deine Fähigkeit? Es gibt nichts, was du nicht tun kannst! Du kannst alles tun. Lass sie dich jung machen, wenn das dein Wunsch ist, und du wirst mit Leichtigkeit ihren Wunsch erfüllen, was immer ihr Wunsch ist.“

Dann erklärten die Ashwini Kumar ihren Wunsch. Diese beiden Ärzte waren eigentlich keine kosmischen Götter. Die kosmischen Götter trinken eine besondere Art von Nektar namens Soma Rasa. Für sie ist es wie Wein, aber er ist ganz anders als unser irdischer Wein. Man kann es nicht mit Worten beschreiben. Der Mensch kann ihn nicht trinken, aber spirituelle Meister höchsten Ranges können ihn trinken. Ich selbst hatte das Glück, diese besondere Art von Nektar in der Innenwelt zu trinken.

Da die Ashwini Kumar keine kosmischen Götter waren, durften sie diesen besonderen Nektar, Soma Rasa, nicht trinken. Sie wurden ausgeschlossen und waren darüber sehr unglücklich. Chyavana fragte sie, wie er ihnen helfen könnte, ihn zu trinken.

Sie antworteten: „Du wirst ein besonderes Opferritual durchführen, ein Yajna. Am Ende, weil du so ein großer Yogi bist, wirst du in der Lage sein, diesen besonderen Nektar zu produzieren. Dann werden die kosmischen Götter kommen, um ihn zu trinken. Da du derjenige bist, der dieses Yajna, dieses Opfer durchgeführt hat, wirst du uns erlauben, den Nektar zu trinken.“

Chyavana sagte sofort: „Natürlich, natürlich werde ich es euch erlauben!“

Jetzt nimmt die Geschichte eine andere Wendung. Chyavana stimmte zu, dieses besondere Opferritual zu machen, aber er war nicht reich genug, um es auszuführen. Für dieses besondere Opfer war ein großer Reichtum notwendig. In der Zwischenzeit hielten die Ärzte ihr Versprechen und machten ihn zu einem sehr schönen und kräftigen jungen Mann.

Viele Jahre waren vergangen, seit der König und die Königin ihre Tochter gesehen hatten. In ihrem Herzen waren sie immer noch sehr traurig, dass sie gezwungen worden war, einen so alten Mann zu heiraten. Sie sagten: „Vielleicht ist unser Schwiegersohn zu diesem Zeitpunkt schon tot. Er war ein alter Mann, als wir ihn zum ersten Mal trafen. Vielleicht hat auch unsere Tochter ihr Leben aufgegeben. Lasst uns in den Wald gehen und sehen, ob es irgendwelche Spuren von ihnen gibt.“

Der König, die Königin und ihr Gefolge begaben sich in den Wald. Bald sahen sie einen jungen, meditierenden Mann, von dessen ganzem Körper Licht ausstrahlte. Der König und die Königin fühlten sich elend. Wo ist ihre geliebte Tochter geblieben? Vielleicht war sie auch zur gleichen Zeit wie der alte Mann gestorben. Sie beschlossen, sich dem jungen Mann zu nähern und ihn zu fragen.

Sehr respektvoll gingen sie zu ihm und sagten: „Vor vielen Jahren haben wir unsere Tochter im Wald zurückgelassen. Wir dachten, wir würden sie hier mit ihrem Mann finden. Er ist ein sehr, sehr alter Mann.“

„Ich bin der alte Mann!“ sagte Chyavana. „Ich bin nun nicht mehr alt.“

„Nein, du kannst nicht derselbe sein!“, weinten sie. „Wir haben dich mit eigenen Augen gesehen. Wie alt du warst! Wie kannst du so jung, so stark und so männlich sein?“

Chyavana versicherte ihnen: „Nein, nein, ich bin die gleiche Person.“ Dann sahen der König und die Königin ihre Tochter auf sich zukommen. Sie waren immer noch fassungslos. „Was ist passiert, was ist passiert? Wir können nicht glauben, dass das dein Mann ist.“

Sukanya lächelte sie an und sagte: „Doch, er ist mein Mann.“

„Wie? Du hattest doch so einen alten Mann geheiratet, und jetzt - ?“

„Nein, nein, nein, es ist absolut wahr.“

„Wer hat das dann gemacht?“

Sukanya erklärte: „Die Ashwini Kumar haben es getan. Jetzt haben sie uns um einen Gefallen gebeten, daher brauchen wir eure Hilfe.“

Ohne überhaupt zu wissen, was sie tun sollten, sagten der König und die Königin: „Wir werden euch helfen. Jetzt, da du einen so jungen und gut aussehenden Mann hast, sind wir so glücklich.“ Sukanya erzählte ihnen, wie sie ihrem Mann helfen können, das besondere Yajna durchzuführen, um den Soma Rasa zu erhalten. Der König gab einen sehr hohen Geldbetrag und Chyavana führte das Opfer aus.

Die Zeit kam, als der Soma Rasa produziert wurde. Dann kamen alle kosmischen Götter, um daran teilzuhaben. Indra kam als erstes. Die beiden Brüder, die Ashwini Kumar, beobachteten alles.

Chyavana, der Weise, sagte zu ihnen: „Nun trinkt ihr.“

Indra wurde richtig wütend, weil er diese beiden Brüder gut kannte. Er wusste, dass es keine kosmischen Götter waren, daher wollte er sie töten. Wie konnten sie es wagen, den Nektar zu trinken, der für die Götter bestimmt war!

Aber Chyavana besaß enorme okkulte Kraft. Von seiner Stirn brachte er nicht ein göttliches Wesen, sondern einen Dämon hervor. Dieser Dämon war äußerst stärk und erschreckend. Chyavana gab ihm den Namen Mada. Mada begann sofort, Indra zu verfolgen und versuchte Indra zu töten. So rannte und rannte Indra um sein Leben! Schließlich kehrte Indra zurück zu Chyavana, dem Weisen, und bat um Vergebung.

Chyavana sagte: „Diese beiden Ärzte, die Ashwini Kumar, habe ich nun als kosmische Götter eingestuft. Von nun an wird es ihnen möglich sein, so wie du Soma Rasa zu trinken.”

Die Ashwini Kumar tranken zuerst den Nektar, und dann durfte Indra trinken. Alle anderen kosmischen Götter, die sich versammelt hatten, sahen die Macht von Chyavana. Wenn sie mit ihm nicht einverstanden wären, dann wären auch sie in großen Schwierigkeiten, daher tranken sie alle.

Dann gewährte Chyavana diesem Dämon, Mada, den Segen, dass er, nachdem die kosmischen Götter mit dem Trinken fertig waren, auch er den Nektar trinken durfte. So ist es geschehen. Anschließend war das Opfer vorbei. Der König und die Königin segneten ihren Schwiegersohn und ihre Tochter, und Chyavana und Sukanya kehrten in den Wald zurück. Dort lebten sie viele, viele, viele Jahre lang.


  1. POK 44. Sri Chinmoy erzählte die folgende Geschichte am 23. Juni 2007 am Aspiration-Ground in Jamaica, New York.

Sri Chinmoy, Die Kraft der Güte und andere Geschichten, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2020
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