Frage: Spirituell gesehen – entwickelt sich die Welt weiter oder zurück?

Sri Chinmoy: Die Welt war vor zwanzig Jahren für gewisse Dinge noch nicht bereit, doch heute ist sie dazu bereit. Betrachten wir einmal die Annehmlichkeiten und Erleichterungen, die uns die moderne Wissenschaft in den letzten fünfzig Jahren gebracht hat. Dieselbe Art von Fortschritt wurde in der spirituellen Welt vollbracht. Vor ein- oder zweihundert Jahren war es für spirituelle Sucher extrem schwer, Erfahrungen zu sammeln; Erfahrungen, die ihr jetzt sammeln könnt. Zur Zeit der Vedischen Seher benötigten die Menschen viele Jahre, um diese Erfahrungen zu durchlaufen – Erfahrungen, für die sie nichts unversucht ließen und nach denen sie sich aus der Tiefe ihres Herzens sehnten. Die Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts können diese Erfahrungen vielleicht in ein paar Tagen oder in ein paar Monaten durchlaufen. Doch in der Vergangenheit benötigte man sehr viel Zeit, um ein bisschen Fortschritt zu erzielen oder um einen Funken Frieden zu erlangen. Heutzutage – wie Sri Aurobindo beschreibt – erscheinen spirituelle Persönlichkeiten, die um ein Vielfaches mächtiger sind als die Vedischen Seher. Deswegen schreitet die Welt immer weiter voran. Andererseits erreichten einige Meister der Vergangenheit wie Krishna und auch andere nicht nur das Höchste, sondern sie wurden selbst zum Höchsten.

Generell können wir sagen, dass die Schüler heutzutage über viele Möglichkeiten verfügen, die die Schüler in der Vergangenheit nicht hatten. Wenn man heute Inspiration durch Gebet und Meditation mit einer großen Gruppe sucht, steigt man in das Auto und fährt zur Kirche.

Wo konnte man zur Zeit der Vedischen Seher tausende Menschen finden, die beten und meditieren, so wie wir sie heute bei unseren Friedenskonzerten antreffen? Wenn viele Menschen gemeinsam aufrichtig streben, entsteht dadurch oft mehr Intensität, als wenn eine Person es alleine macht. Wenn sich im schweren Kampf gegen die Unwissenheit auf der einen Seite zehn oder zwölf Personen befinden, wird dort mehr Stärke vorhanden sein. Einige der Sucher mögen schwächlich sein, doch sogar ihre geringe Kraft unterstützt dich, eine bessere Meditation zu haben. Wenn jemand allerdings schwach ist und du deine Zeit damit vergeudest, an ihn oder an sie auf eine negative Weise zu denken, wirst du scheitern, wenn die Zeit für dich gekommen ist, mit aller Kraft zu ziehen und deine ganze Stärke einzusetzen.

Auch heutzutage gibt es immer Vor- und Nachteile, doch im Großen und Ganzen ist es heute um vieles leichter als in der Vergangenheit. Andererseits besaßen die Sucher in der Vergangenheit eine größere Intensität und mehr Strebsamkeit. Heute gibt es mehr Ablenkung; wir besitzen wunderbare Freunde wie den Fernseher und ähnliches. In der gegenwärtigen Zeit stehen uns mehr äußere Möglichkeiten offen, doch diese sind nicht von spirituellem Nutzen.

Sri Chinmoy, Sri Chinmoy antwortet, Teil 7, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2006
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