Frage: Sie erwähnten den Kampf zwischen dem Herzen und dem Verstand. Wenn wir nun ein Gebiet, wie Kwa Zulu Natal betrachten, wo so viele Menschen getötet und die Herzen vieler Menschen entweder verhärtet oder gebrochen wurden, ist es für diese Menschen viel schwieriger dem richtigen Weg zu folgen, als für andere Menschen, die ein friedlicheres beziehungsweise ein normales Leben führen?

Sri Chinmoy: Das hängt ganz und gar von der einzelnen Person ab. Jene Personen, denen der Frieden durch äußere Umstände oder durch ungöttliche Menschen verwehrt wird, empfinden oftmals einen größeren inneren Hunger nach Frieden als jene, die bereits mehr oder weniger Frieden gefunden haben. Menschen, die unnötiges Leid erfahren mussten, haben mehr Bereitschaft, zu Gott zu beten und Sein Licht zu empfangen, als jene, die bereits über einen gewissen Frieden im Verstand verfügen. Während sich also die Glücklicheren an den Vergnügungen erfreuen, die der begrenzte Frieden ihnen bietet, werden jene, die durch Leid einen gewaltigen inneren Hunger nach Frieden entwickelten, früher von Gott mit ausreichendem Frieden gesegnet.

Wenn unschuldige Opfer aus dem innersten Winkel ihres Herzens rufen, wird ihr Ruf Gottes Herz schmelzen lassen. Doch es stellt sich die Frage, ob jemand einen wahren Hunger nach Frieden empfindet oder ob derjenige sich einfach seinem Schicksal ergeben hat. Manche Menschen verlieren ihren Glauben an Gott, wenn ihre Verwandte von ungöttlichen Menschen getötet werden. Sie sagen sich: „Meine Lieben haben nichts verbrochen. Wenn Gott tatsächlich unendliches Mitleid hat, warum hat Er dann zugelassen, dass sie getötet wurden?“ Diese Menschen könnten sich innerlich auflehnen und behaupten, Gott sei weder dynamisch noch aktiv, dass Er vielleicht sogar schlafe. Sie könnten über den Tod ihrer Lieben auch dermaßen aufgebracht sein, dass sie sich sogar zu der Behauptung hinreißen lassen: „Es gibt keinen Gott!“ Diese Menschen suchen leider nicht das Licht. Sie beten nicht um Licht, damit es jene erleuchte, die ihre Lieben attackierten. Würden sie das tun, würde Gott die Geisteshaltung der ungöttlichen Menschen definitiv verwandeln. Der aufrichtige Ruf der Opfer nach Erleuchtung der Missetäter würde Gottes Herz erreichen. Wenn wir also zu Gott auf die richtige Art beten, werden sowohl jene, die falsch gehandelt haben, wie auch jene, die in naher Zukunft falsch handeln würden, erleuchtet.

Sri Chinmoy, Sri Chinmoy antwortet, Teil 10, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2007
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