Mutter Kali trinkt Blut[fn:: POK 40. Sri Chinmoy erzählte diese Geschichte am 28. Mai 2007

auf dem Aspiration-Ground in Jamaika, New York.]

Wie ihr wisst, gab es einen ständigen Kampf zwischen den Suras und den Asuras. Die Suras sind die göttlichen Kräfte und die Asuras sind die ungöttlichen Kräfte. Meistens, das kann ich hinzufügen, gewannen die ungöttlichen Kräfte. In jenen Tagen gewannen die göttlichen Kräfte nur von Zeit zu Zeit. Heutzutage ist die Geschichte anders. Jetzt spüren wir, dass die göttlichen Kräfte öfter gewinnen als die ungöttlichen Kräfte. Wir glauben an den Sieg der göttlichen Kräfte.

Diese mythologische Geschichte fand vor Tausenden von Jahren statt. Es gab zwei Asura-Brüder, genannt Sumbha und Nisumbha, die aufs Äußerste ungöttlich waren. Die Devas, die göttlichen Wesen, fühlten sich absolut elend, weil sie gegen diese beiden Asuras verloren hatten. Da sie von den Asuras ständig gedemütigt wurden, baten die Devas die kosmische Göttin, sie zu retten. Der Name der kosmischen Göttin ändert sich immer wieder. In diesem Fall wurde sie als Göttin Ambika angesprochen.

Ambika beschloss, den beiden Asuras einen Streich zu spielen. Anstatt ihre Zerstörungs-Kraft zu zeigen und sie im Kampf zu besiegen, nahm sie die Gestalt einer äußerst schönen Frau an. Dann sagte sie zu Sumbha und Nisumbha: „Kommt! Kommt und kämpft mit mir!“

Sie lachten, lachten, lachten und lachten. „Deine Schönheit will mit uns kämpfen? Wir werden dich zu unserem König schleppen, und unser König wird das Notwendige veranlassen!”

Ambika forderte sie nochmals heraus: „Kämpft erst mit mir und bringt mich dann zu eurem König.“

Die beiden Asuras und ihre Generäle, Chanda und Munda, begannen, gegen die schöne Frau zu kämpfen. Zu ihrer Überraschung fanden sie es sehr schwierig, sie zu besiegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ambika ihre schöne Form ganz aufgegeben und die Form der Göttin Kali angenommen. Jedes Mal, wenn es ihr gelang, eine große Menge Blut aus einem der Asuras zu bekommen, gab sie es in eine Schüssel und trank es. Die anwesenden Asuras bekamen es mit der Angst zu tun. Dann verließen etliche Asuras den Kampfplatz, weil sie das Schicksal ihrer Gefährten sahen. Jedes Mal, wenn Kalis Schale bis zum Rand mit dem Blut der Asuras gefüllt war, fing sie an zu trinken. Das war zu viel für die Asuras, und schließlich gingen alle.

Ein paar Tage später kehrten die beiden Brüder Sumbha und Nisumbha zurück. Diesmal kamen sie mit ihren äußerst starken Armeen. Die Göttin änderte nochmals ihre Form. Wieder wurde sie zu einer wunderschönen Frau. Daher sagte Sumbha zu Nisumbha: „Bruder, es lohnt sich nicht, dass wir beide gegen eine Frau kämpfen. Da du dich gerne ausruhst, mach eine Pause. Ich werde hingehen und sie restlos besiegen, und anschließend werden wir sie zum König bringen.”

Nisumbha schrie ihn an: „Du Schurke! Ich weiß, was du denkst. Sie ist so schön, dass du sie für dich selbst haben willst. Doch ich werde es dir nicht erlauben!“

Dann kämpften die beiden Brüder, sie kämpften und kämpften gegeneinander. Sie wollten weder gemeinsam hingehen, um sie zu besiegen, noch wollte einer der beiden dem anderen erlauben, alleine mit ihr zu kämpfen.

Schließlich kam ein Kamerad von ihnen, ein sehr mächtiger Asura namens Raktabija. Er kam, um ihrem Kampf ein Ende zu bereiten. Er sagte: „Wie könnt ihr das auskämpfen? Ihr seid beide gleich stark. Es ist besser, wenn ich hier eine Entscheidung treffe. Ich werde entscheiden, wer mit ihr kämpfen wird.“ Aber die beiden Brüder wollten nicht auf ihn hören. Schließlich fühlte sich Raktabija angewidert und sagte: „Dann macht weiter, kämpft, kämpft, kämpft und kämpft! Kämpft beide! Ich sage euch, sie wird wieder eine ganz schreckliche Form annehmen und dann wird sie euch besiegen.“

Aber die beiden Brüder hörten nicht auf ihn. Sie taten sich nun mit ihren Armeen zusammen, um gegen die schöne Frau zu kämpfen. Wieder nahm Ambika die Form von Kali an und begann, die Asuras zu töten. Der Kampf dauerte lange. Kali tötete und tötete so viele der Asuras. Selbst Raktabija kämpfte bei der Schlacht mit. Er sagte zu Kali: „Diese beiden Brüder sind nutzlos! Sie können nicht mit dir kämpfen. Ich fordere dich heraus!“

Raktabija kämpfte sehr tapfer, aber Kali tötete ihn und goss sein ganzes Blut in ihre Schale. Sie trank nicht die ganze Menge auf einmal, sondern fing an, es Tropfen für Tropfen zu trinken. Schließlich sagten diese beiden Brüder zu Kali: „Es ist unfair! Deine Art zu kämpfen ist ungerecht!“

Was hatten sie dagegen? Es war, weil einige andere Göttinnen kamen, um Kali zu unterstützen, darunter waren auch Brahmas Gefährtin Saraswati, die in der Musikwelt ist, Vishnus Frau Lakshmi und Indras Frau Sachi. Obwohl sie nicht kämpften, standen sie alle in der Nähe von Kali und unterstützten sie mit ihrer inneren Kraft. Lakshmi ist voller Schönheit und ist die Mutter des Reichtums. Saraswati spielte nur auf ihrer Vina und schenkte Weisheit, Musik, Kunst und so weiter. Sachi kämpfte ebenfalls nicht. Hätte eine von ihnen mit diesen Asuras kämpfen müssen, wären sie getötet worden. Sie kamen nur, um ihre Unterstützung für Kali zu zeigen.

Dennoch protestierten die Brüder dagegen. Sie sagten zu Kali: „Einer von uns wird alleine gegen dich kämpfen!“

Kali sagte: „Nein, ihr beiden Brüder werdet zusammen gegen mich kämpfen, und diese Göttinnen werden alle in mich eintreten, weil sie Teil von mir sind.“ Sofort traten die Frauen der anderen kosmischen Götter in Kali ein. Jetzt war sie allein auf dem Schlachtfeld.

Diesmal war sie sehr, sehr wütend. Sie sagte: „Ich kann euch Leute nicht mehr ertragen!“ Sie tötete Sumbha und Nisumbha sowie deren Armeen. Anschließend ging sie zu ihrem König und tötete ihn. Sie zerstörte das ganze Königreich der Asuras. Sie sagte: „Ich will Frieden, Frieden. Meine Anhänger, meine Verehrer, werden nicht mehr unter euren ungöttlichen Taten leiden.“

Das war die Macht von Mutter Kali!

Sri Chinmoy, Die Kraft der Güte und andere Geschichten, The Golden Shore Verlagsges.mbH, Nürnberg, 2020
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